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Hersfelöer Tageblatt Reisfelder Kreisblatt' Amtlicher Anzeiger für den kreis Hersfelö

Nr. 145 Mittwoch, den 24. Juni 1925

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Das Wichtigste.

Im preußischen Landtag fanden Be- s p r e ch u n g e n der einzelnen Parteien über eine Regierungsumbildung statt. Das Zentrum schlägt eine Zusammensetzung vor, bei der ihm, den Deutschnationalen und den Sozialdemokra- ten je 2 Sitze, der Deutschen Volkspartei und den Demokraten je 1 Sitz eingeräumt werden soll.

Der deutsche Botschafter in Paris, Herr vonHoesch, hat dem französischen Außenminister Briand einen Be> such a b g e st a t t e t.

Spanien und Frankreich haben in Madrid ein Blockadeabkommen gegen die marokkanische Küste abgeschlossen.

Deutsch ist der Rhein, deutsch ist die Saar!

Ueberall am deutschen Rhein begehen deutsche Städte die Feier der tausendjährigen Zugehörigkeit zun: Deutschen Reiche. Ueberall im Reiche hallt der Stolz und die Vater­landsliebe unseres treuen Rheinlandes wider. Wir alle sind uns mit den Brüdern in den herrlichen rheinische» Gauen der großen Zeit bewußt, die das Jahr 1925 für die Rhein­lande und das Reich bedeutet. Durch die Geschichte Deutsch­lands zieht sich wie ein roter Faden der Kampf um die rheinische Grenzmark. Solange Frankreich als selbständiger Staat existiert, hat er es nie unterlassen, mit seinen gierigen Augen zum Rhein zu blicken und mit seinen kriegerischen Scharen das Rheinland vom Deutschen Reich zu trennen. Wechselvoll war der Kampf, schwer die Not des rheinischen Volkes, ungeheuerlich die Unterdrückung des gallischen Nach­barn, und die Verwüstung rheinischen Landes, wovon die stolzen Burgen, die heute noch als mahnende Wahrzeichen von den rheinischen Höhen ins Land schauen, Zeugnis ab- die wir zu Ehren unseres treuen Rhein­landes

nie vergessen, wie der anzösische Vandalismus aus

Zeiten eines Mazarin und Richelieu im deutschen Lande hauste. Wenn wir vor wenigen Tagen in allen Gegenden unseres Vaterlandes im Dunkel der Nacht die lodernden Flammen der Eonnenwendfeuer zum Himmel emporschlagen sahen, wenn wir sahen, wie längs der deutschen Ströme und auf den deutschen Hohen die Flammen züngelten, so wollen wir gedenken, daß längs des deutschen Rheines die Feuer loderten und ihren Schein hinüberwarfen in die gallischen Gebiete, ein drohendes Zeichen, das den deutschen Schwur in der Sonnenwendnacht hinübertrug:Deutsch ist der Rhein, und soll es ewig bleiben!" oder, um mit Ernst Moritz Arndt nochmals zu sprechen:Der Rhein, Deutschlands Strom, nicht Deutschlands Grenze!" Diesen Schwur haben wir in der Sonnenwendnacht erneuert und gleich den Tapferen auf dem Rütli unseren rheinischen Brüdern Treue und Befreiung von den französischen Unterdrückern geschworen.

Doch wir wollen den Blick dafür nicht verlieren, daß jenseits des Rheins Millionen deutscher Brüder im Saar­lande unter französischer Knute ächzen. 15 Jahre sollen nach dem Bersailler Unfriedensvertrag unsere treuen Saarländer unter der Herrschaft der Franzosen aushalten, um dann durch eine Volksabstimmung zu bekunden, wo sie ihr Vaterland er­blicken. Frankreich hat seine eigenen Wege, einer fremden Bevölkerung die Zugehörigkeit zurgrande Nation" schmackhaft zu machen. Alles, was deutsch ist, wird im Saar­lande unterdrückt. Systematisch wird die Jugend auf ihr neues Vaterland hingewiesen. Das Deutschtum in den Schulen wird zurückgedrängt, neben die deutsche Mutter­sprache tritt die Sprache des französischen Machthabers. Ver­boten ist die deutsche Flagge, verboten ist schließlich jede Kundgebung der Liebe und Treue des Saarvolkes zu seinem Vaterland.

Doch kein Verbot kann den Ausdruck wahrer Vater­landstreue unterdrücken, und auch das Saarvolk läßt es sich nicht nehmen, der Heimat zu zeigen, daß sieben Jahre fran­zösischer Unterdrückungspolitik und Einimpfung gallischen Volkstums es nicht vermocht haben, bem Saarvolk seine Treue zur deutschen Heimat zu nehmen. 1935 soll das Ent- scheidungsjahr für unsere saardeutschen Brüder sein, 1935 soll das Befreiungsjahr werden, dann werden sie zurück­kehren zur deutschen Heimat trot) französischer Machenschaf­ten und trotz all dem Austvande und der Energie, die Frankreich aufwendet, um aus dem deutschen Saarvolk fran= zösische Untertanen zu machen. Einfolgenschwerer Betrug Clemenceaus auf der Pariser Konferenz" war es, so sagte der Redner bei der Iahrtausendfcier in Saarbrücken, wenn man das Saargebiet den Franzosen in die Hände zu spielen gedachte.Wo sind die 150 000 Saarfranzosen?" fragte der Redner, begleitet von tausendfachem Gelächter seiner Zu­hörer. Betrug und Intrige waren es. die im Versailler Vertrag für Frankreich arbeiten.So sicher wie zwei mal zwei vier ist," sagte jener Festredner,wird das Saarland nach Ablauf der 15 Jahre schwerer Not einmütig sein Treu- bekenntnis zum deutschen Vaterlande kund tun und jene Lächerlichkeit der Weltgeschichte, die aus dem Saargebiet eine

französische Grenzprovinz schaffen wollte, wird der Welt einen neuen Beweis von der Betrugspolitik unseres west­lichen Nachbar.: geben."

Wir, die wir heute das Treubekenntnis unseres Rhein­landes mit dem Schwur beantworten, daß wir stets an ihrer Seite sein werden und für ihre Freiheit Gut und Blut ein­setzen wollen, wir wollen doch unsere saardeutschen Brüder nicht vergessen und sie stärken in ihrem Kampf gegen Frank­reichs Macht und Landhunger und ihnen unsere Treue be- tunben, die es nie zulassen wird, daß das Saargebiet ,fran­zösisch wird. Darum rufen wir ihnen -heute zu: Harret aus und bleibt treu, nicht allzu fern ist die Zeit, in der ihr als freies Volk zum deutschen Vaterlands zurückkehrtl Dr. M.

M der Nüummg W WreeW.

Die Räumungsmatznahmen vom französischen Minister- rat beschlossen.

»^-Paris. (WB.) Der Dienstag vormittag zusam­mengetretene Ministerrat billigte die Matznahmen, die der Ministerpräsident der Kriegsminister und der Mi­nister des Aentzern hinsichtlich der Ausführung der be­züglich der Räumuua des Ruhrgebiets übernommenen Verpflichtungen getroffen hat. Die Operationen sollen binnen kurzem beginnen.

Nachdem die französische Regierung sich über ihre Verpflichtung, am 11. Fanuar die Rheuttandzone zu räumen, einfach glatt unter den nichtigsten Vormunden hinweggesetzt hat, scheint sie wenigstens jetzt gewillt zu sein, die in London eingegaugene Verpflichtung einzu- halten und den von Poincaree unter Bruch des Völker­rechts begangenen Einmarsch in das Ruhrgebiet nun endlich wieder rückgängig zu machen. Der furchtbare Kamps, der im Ruhrgebiet mit ungleichen Mitteln zwi­schen einer vollständig wehrlosen friedlichen Bevölke­rung und einem bis an die Zähne bewaffneten Einbre­cher ausgefochten worden ist, ist noch m zu frischer Er­innerung, als daß auf die Leiden, die die Bevölkerung in den Einbruchsgebieten zu erdulden hatte, noch einmal besonders hingewiesen werden müßte. Wenn auch im ,it unschuldig geflohen ist

tes Elend un. furchtbarste Not

aber auch die Folgen für die Einbruchsmachte nicht aus­geblieben. Dre wirtschaftliche Lage Frankreichs und Belgiens hat sich durch den Vernichtungskampf gegen Deutschland immer schlechter gestaltet b:s endlich das französische Volk in den Wahlen vom Mai v. F. ftm von der Gewaltpolitik Poincarees abwandte

Die nachfolgenden Regierungen haben bisher aller­dings nicht den Mut gefunden, das völkerrechtswidrige Eindringen in das Ruhrgebiet bedingungslos rückgän­gig zu machen. Sie haben es vielmehr dazu benutzt, während der Londoner Verhandlungen es zu ernem Druckmittel auf Deutschland und England zu verwen­den, auf England insoweit, als dieses Niemals die Ge­setzmäßigkeit des Ruhreinbruchs anerkannt sondern hier stets mit der übrigen Welt auf dem Standpunkt gestanden hat, daß es sich um einen ichnoden durch mckts gerechtfertigten Ueberfall auf deutsches Gebiet mitten im Frieden handelte. Die Regierung Pamlevee will nun das Versprechen von London, das Ruhrgebiet spätestens im August zu räumen, einlösen. Das einzige Bedenk­liche ist daß sie gegenwärtig wegen des Marokko-,reld- zuges auf sehr schwachen Füßen steht. Da die Sozialu sten dem Kabinett Painlevee die Unterstützung im Par­lament entziehen wollen, hat sich für dieses eme Situa- tton ergeben, die leicht zu einer Niederlage fuhren kanm Diese wäre wenigstens vom deutichen Standpunk au. Im gegenwärtigen Augenblick unerwünscht, um nun endlich das Ruhrgebiet frei zu^ bekouwien. Es ist wohl nicht daran zu zweifeln, daß die französische Negierung es ernst damit meint, das gesamte Einbruchsgebiet zu räumen.

Zur^egierungsumbildunginpreußen.

£ Berlin, 24. Juni. Im Landtag, der am Dienstag nach mehrtägiger Pause, durch die den Abgeordneten Gelegen­heit gegeben werden sollte, an den Festlichkeiten der Iahr- tausendfeier am Rhein teilzunehmen, seine Arbeiten wieder aufnahm, haben schon in den letzten Tagen unverbindftche Besprechungen unter den Fraktionsführern über die künftige Regierungsgestaltung stattgefunden. Fiir das Zentrum be­teiligten sich an diesen Besprechungen namentlich die Mbgg. Dr. Hermes, Herold und Kloft, der Führer der Deutschen Volkspartei, Dr. v. Campe dagegen ist erst Montag abend nach Berlin zurückgekehrt. Die konkreten Vorschläge des Zentrums werden in den nächsten Tagen an die übrigen Fraktionen ergehen. Dabei sei bemerkt, daß die Situation in der Zentrumsfraktion selber sich wesentlich verschoben hat. Die auf Aenderung der Dinge zwingende bisherige Minderheit, die unter Führung des Abg. Hermes steht, hat jetzt schon so viel an, Boden gewonnen, daß sie etwa die Hälfte der Fraktionsmitglieder umfaßt.

Die Vorschläge des Zenttums werden den Gesichtspunkt der Volksgemeinschaft beibehalten, es wird aner­kannt, daß die jetzige Regierungszusammenfetzung auf die Dauer unhaltbar ist, da ihr eine Mehrheit im Landtage nicht zur Seite steht und in Zukunft auch eine größere Anzahl Zentrumsmitglieder der Weimarer Koalition nicht zustim- men werden. Mit voller Energie beabsichttgt das Zentrum

brcuh:Deutschland!" Dem Zuge voran fuhr ein Wagen mit ettva 15 Veteranen von 1870 mit weißen Bärten, enl-

drohten Hauptes. Sie konnten kaum

für die be­

geisterten Zurufe, mit denen sie von der harrenden Menge immer und immer wieder begrüßt wurden. Kaum hatte der riesenhafte Zug um 12 Uhr mitternachts die Bismarckbrücke und die Saaranlagen im östlichen Teil Saarbrückens erreicht, als sich ein prachtvolles Feuerwerk von den Höhen des Win­terberges abfpielle. Gegen 1 Uhr kehrte die Masse in bei­spielloser Ordnung heim.

Deutsch die Saar, deutsch immerdar", das Ist das Ergebnis der überwältigenden Kundgebung bet deut­schen Saarbevölkerung.

Vor dem Abschluß der deutsch-französischen Wirt- schaftSverhandlungen.

£ Paris, 24. Juni. Nach demMatin" hat am Mon­tag abend um 10 Uhr Staatssekretär Trendelenburg

einer Vollsitzung zusammengetreten. Gleichzeitig habe die deutsche Delegation getagt. Zwischen beiden Delegationen hätte sich ein reger Meinungsaustausch entsponnen, der sich bis Dienstag früh %1 Uhr hingezogen habe. Von deutscher Seite liegt noch keine beglaubigte Mitteilung vor.

KriegSpropaganda und Kriegsschuldlüge.

4- Stuttgart, 24. Juni. Im kleinen Saal des Hauses des Deutschtums wurde am Montag abend die Propaganda- woche des Arbeitsausschusses Deutscher Verbände und die Weltkriegsbücherei eröffnet, die auf eine Ausstellung der Kriegspropaganda des Auslandes und eine Schulungswoche des Arbeitsausschusses Deutscher Verbände gegen die Kriegs- schuldlüge bringt. Die Ausstellung und die damit verbun­dene Tagung stehen unter dem Protektorat der Staatspräsi­denten Württembergs, Bayerns, Badens, und Hessens. Reichstagsabgeordneter z. D. vr. S chnee, der Präsident des Arbeitsausschusses Deutscher Verbände, begrüßte die Erschien neuen und gab die an die Tagung gerichteten Telegramme des Reichspräsidenten von Hindenburg, des Reichskcurzlers

verwirkl n, gegebenenfalls nicht vor einer

menfetzung des kün Zentrum vor,

1 e zwei Sitze den ®eutf, nationalen, dem Zentrum und den Sozialdemokraten einzu- räumen, den Demokraten und der Deutschen Volkspartei je einen Sitz. Als Ministerpra- fide nt komme kein Sozialdemokrat in Frage, ein Zentrumsmann oder ein dem Zentrum nahestehender Poli­tiker müsse die Führung des Kabinetts übernehmen. Von deutschnationaler Seite wird die Entwicklung der Dinge ohne attives Eingreifen zunächst abgewartet. Die nächsten Tage dürften die Angelegenheit erheblich weiterbringen.

Erledigung der Zollvorlage noch im Juli?

von

fraktionell

^ Berlin, 24. Juni. Im Reichstage haben eine Reihe Besprechungen zwischen den Vertretern der Reichstags- ionen und Mitgliedern der Reichsregierung stattgefun- den, in denen man über die weitere Behandlung der wichtig- sten Regierungsvorlagen sprach. Eine völlige Klärung der Geschäftslage ist noch nicht erzielt worden, jedoch scheint bei den Reichstagsfraktionen der Wille vorzuherrschen, zum mindesten die sämtlichen Steuervorlagen einschließlich der Bier- und Tabaksteuern, sowie der Bewertungsentwürfe bis Anfang Juli unbedingt zu erledigen. Wenn der handels­politische Ausschuß des Reichstages bis dahin die Beratung der Zollvorlage abgeschlossen hat, so soll auch dieser Gegen­stand noch in Eingriff genommen werden und man beabsichtigt vorläufig, möglichst biszum 2 0. Iulidas Zollgesetz zu verabschieden. Unklar liegen noch die Verhältnisse für die Zollvorlage, besonders weil im Zentrum erhebliche Widerstände vorhanden sind. Sollte sich im Juli heraus­stellen, daß die Verabschiedung der Zollvorlage absolut un­möglich wird, dann wäre allerdings die Vertagung auf August, von der wiederholt gesprochen wurde, unabwendlich. Jedoch hofft man vorläufig noch, eine solche Vertagung mr-

meiden zu können.

Deutsch ist die Saar, deutsch immerdar!

Der verbotene Fackelzug in Saarbrücken.

£ Saarbrücken, 24. Juni. Wenn überhaupt noch eine Steigerung der Festesfreude bei der Iahrtauscndfeier der Rheinlande im Saargebiet möglich war, dann lag sie in dem Fackelzug, der am Sonntag abend drei Stunden lang durch die geradezu in märchenhafter Pracht erstrahlenden Straßen Saarbrückens schritt. Ernste Männer, Mädchen, Kinder auf den Schultern der Väter, alte, abgarbettete Frauen, hum- pelnde Kriegsoetcranen, stattliche junge Männer, Arbetter und Bürger, hoch und niedrig brüderlich vereint. Ein Jubel von Hochrufen und deutsche Lieder durchbrausten unaufhör­lich die Reihen der Zehntausend«, die im Zuge gin­gen, und diesen antworteten Zehntausende aus licht- übersäte« Häusern. Wer diese unbeschreiblich erhebenden Abendstunden erleben durfte, der war erschüttert von der Wucht, mit der sich der eine Gedanke immer wieder durch-