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HersfelöeL Tageblatt

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hersfelöer Kreisblatt"

Amtlicher Anzeiger für den kreis Hersfelö

Nr. 146

Donnerstag, den 25. Juni

Der Bezugspreis betrögt durch die Post bezogen monatlich 1. (Dk ausschlley. Bestellgeld, für " -' ...... " 'hing. Abholer

Bersfeld L (Oft. bei freier Zullelli

.80 M. * Druck und Verlag dod Budn Budidruckerel in Bersfeld, (filtglied des

Funks

1925

Das Wichtigste.

Gegenüber den Vertretern der Aufwer - tungsorganifation sprach sich der Reichsprä. sident von Hindenburg für eine bessere Lösung der Aufwertungssrage aus.

Aus Marokko werden erneute heftige An­griffe AbdelKrims gemeldet.

Der bekannte Amerikaner Gtemp übte in Brüssel scharfe Kritik am Dawesgutachten. Es sei undurchführbar und ein Krankheitskeim für d i e W e l t.

WfiMgung mit Deutschland im Rahmen der Verträge".

Wie bekannt, hat der deutsche Botschafter in Paris, Herr von Hoesch, am Montag nachmittag dein französischen Außen- minister, Briand,' einen Besuch abgestattet und dabei eine Reihe von Fragen erörtert, die für Deutschland augenblicklich im Vordergründe stehen. Wenn auch behauptet wird, daß die Sicherheitsnote und die Entwaffnungsfrage dabei nicht Gegen­stand der Besprechung waren, so dürfen wir trotz dieses Widerrufs aus Paris doch woh' mit Sicherheit annehmen, daß gerade diese beiden Punkte zur Erörterung standen. Herr Briand gab Herrn von Hoesch auf die Frage, ob Frankreich zu einer Politik der Verständigung und Entspannung gegen Deutschland bereit sei, mit großer Glätte die Antwort, daß es natürlich das Bestreben Frankreichs sei, zu einer Einigung mit Deutschland zu kommen, daß es aber nicht davon abgehen könne, die bestehendenVerträge" als Voraussetzung dafür anzusehen. Briand als feiner Diplomat hat trotz des, wie es in einer halbamtlichen Note heißt, für ihn überraschenden Be­suchs des deutschen Botschafters wieder eine äußerst diplo­matische Antwort für Herrn von Hoesch gehabt. Aus diesen wenigen Worten Briands sollte Deutschland unzweideutig SsriMÄiM

note stellte, auch nur einen Deut abzulassen. Andererseits sollte die Welt wieder einmal davon überzeugt werden, daß Frankreich von einer wahren Friedensliebe geleitet ist, die nichts Schöneres ersehnt als Frieden und Gerechtigkeit. Die Worte Briands werden zweifellos ihre Wirkung bei denen, die noch an die Bedeutung französischer Aussprüche glauben, nicht verfehlen. Die Freunde des französischen Imperialis- nuts werden oft und gern den Ausspruch des französischen Außenministers zum Beweise dafür anführen, daß es nicht an Frankreich liegt, wenn eine Spannung zwischen Frank­reich und Deutschland noch sieben Jahre nach dem Kriegsende besteht, sondern daß der Alleinschuldige hierfür Deutschland ist. Man besitzt in Paris dafür ein besonderes Geschick, Tat­sachen zu verdrehen und sich mit dem Glorienschein des Friedensstifters zu umgeben, während man die Schuld auf die Schultern eines anderen abwälzt, der machtlos ist, da­gegen anzukämpfen. Frankreich und feine getreuen Vasallen finden stets neue Mittel, um Deutschland ins Unrecht zu setzen und die eigene imperialistische Politik zu verschleiern. Hinter den Kulissen aber verfolgt es mit bewundernswerter Energie fein Ziel zur Einkreisung Deutschlands. Der Versailler Ver­trag wird stets vorgeschoben, um Deutschland jeden Gedan­ken an eine Lockerung seines Jochs zu nehmen. Auf der anderen Seite aber zieht Frankreich alle möglichen Staaten heran, um dem deutschen Volke jeden Ausweg zu versperren. Erst jetzt wieder werden wir mit der Meldung überrascht, daß Griechenland fieberhafte Kriegsrüstungen betreibt, daß unter französischer Leitung Generalstabsoffiziere ausgebildet wer­den und daß mit englischem Kapital Flugzeugfabriken errichtet werden. Wir fragen: Gegen wen richtet sich diese fieberhafte Rüstung? Vielleicht gegen die Türkei das wäre möglich und aus der Ohnmacht der Franzosen gegenüber diesen, selbst- bewußten Volke erklärlich. Für uns ergibt sich aber daraus die eine Tatsache, daß auch Griechenland neben den anderen Balkanländern sich in die Vasalität Frankreichs begeben hat. So schließt sich der Kreis mehr und mehr, und machtlos stehen wir dieser Politik gegenüber, gebunden durch den Versailler Vertrag.

Um nun das Märchen von der deutschen Rüstung und bem deutschen Revanchegedanken immer wieder am Leben zu erhalten und von Zeit zu Zeit neu aufzufrischen, bekommt die Welt als neuen Beweis für deutsches Unrecht den Bericht der interalliierten Mlitärkommission vom 15. Februar 1925 vorgesetzt, der der Entwaffnungsnote vom 4. Juni zugrunde lag.' Daß der Bericht nichts Neues enthält, ist ja bei der Haltlosigkeit der Behauptungen selbstverständlich, aber immerhin soll er seine Wirkung nicht verfehlen, wenn noch, mals ausdrücklich hervorgehoben wird, daß die Abrüstung Deutschlands seit 1922 nicht nur keine Fortschritte gemacht, sondern sogar erhebliche Rückschritte zu verzeichnen habe. Unter diese sogenannten Rückschritte rechnet die Militärkommisston die militärische Ausbildung der Jugend, sowie angebliche Neubauten an der Küste, Aenderungen in der Befestigung Ostpreußens und die Schaffung einer Sicher. Heitszone auf der Insel Norderney. Die Faselei von der Militarisierung der deutschen Jugend ist ja nun zur Genüge abgedroschen, aber daß die Militärkommission sogar neue Bauten an der Küste und neue Befestigungen in Ostpreußen

rnd gar auf Der Julei Norderney feststellt, ist etwas Neues, womit sie den Eindruck der Entwaffnungsnote noch zu ver­stärken beabsichtigt. '

Es schiene fast lächerlich, wollte man immer wieder diese Hirngespinste, die Frankreich als Tatsachen vorsetzt, wider­legen, und doch kann es nicht oft genug als Wahnsinn und ] französische Machenschaft bloßgestellt werden, was die Ent- ; waffnungsnote und neuerdings die Note der interalliierten Militärkommisston zu berichten weiß. (Einmal muß diese Lüge doch in sich zusammenbrechen, und deshalb gilt es, mit allen Kräften den Schwindel Frankreichs aufzudecken und neben der Fabel von der Kriegsschuldlüge Deutschlands das Märchen von der deutschen Rüstung zu zerstören. Wenn wir jetzt von der Tagung des Arbeitsausschusses deutscher Ver­bände zur Beseitigung der Kriegsschuldlüge hören, so sollten wir alle daran arbeiten, um dem Recht in der Welt Geltung zu verschaffen. Dr. M.

derveschlutz der RuhrrSumung.

Mumnua noch vor dem 18. August? Eine Auslastung der offiziösenZeit". Kritiklose Aufnahme in der Pariser Presse.

o^3u dem Beschluß des französischen Ministerrats, ,in der nächsten Zeit mit den Vorbereitungen für ine Ran- deutschen Außenminister Beziehungen unterhalt, fol- zendes: Die Entschließung des französischen Mmister- eats über die Vorarbeiten für die Ruhrraumung dürste mit den Besprechungen zwischen dem französischen Botschafter de Margucrie und dem Reichsaußenmini- Ssowie dem deutschen Botschafter in Paris und dem zösischen Außenminister Briand in Zu ammenhang stehen. Bezüglich der Initiative der deutschen Regie- cung in dieser Frage dürfte man nicht nur auf die wie­derholten diplomatischen Schritte hinweiserr, sondern auch auf die Rede, die der Reichskanzler Dr. Luther erst kürzlich in Düsteldork gehalten hat. Im übrigen glaubt das Blatt, den Inhab richtig wiederzugeben, wenn es den AusdruckRuhr" nicht nur auf das eigentliche rung des Ruhrgebiets und der Städte Duisburg und Düsseldorf mit Genugtuung ausgenommen werden, da sie nunmehr zu der sestgesetzten Zeit auf Befreiung von der Besatzung rechnen können. Gegenüber mancherlei Zweifeln, zu denen die Entwicklung der außenvolittschen Verhältnisse berechtigten Anlan gegeben hast bedeutet, § sagt dieSeit" der Beschluß der französischen Regie- mng eine gewisse Entspannung. Man wurde ße woA noch mehr würdigen, wenn man auch bezüglich derRau- mung der nördlichen Rbcinlandzone von einem aSE- chen Beschluß des sranzöststben und des belgischen Mi­nisterrats berichten könnte.

Die französische Presse znm Ränurungsbeschlutz.

^>Die Pariser Presse beschäftigt sich aus naheliegen­den Gründen fast ausschtiellich mit der Marvkkodebatte in der Kammer. Aus diesem Grunde wird der wichtige Beschluß der Regierung, die Räumung der Ruhr vor- ^bereiten fast ganz mit. Stillschweigen . Übergängen. Die wenigen Zeitungen, die den Beschluß in ihrem In- Armationsteil noch besonders bervorheben weisen dar­auf hin, daß er in Uebereinstimmung mit den Seubutf- sen der Londoner Konferenz gefaßt worden sei und eine direkte Folge des letzten Berichts von Parker Gckbert mnnarii Deutschland den Dgwesplan bis heute ge-

Londoner Wminimi eine irrte« Raum,»« »eel«^ fei als in London voraenben war, d. h. früher alsam 16. August. Heute habe diese im übrigen keine große Bedeutung mehr, da es u» nur noch M ^e Ueber i eines Unternebinens handele das schon längst avg schlössen sei. Es sei wahrscheinlich, daß man die Nran muna früher ansetzen wolle, um den anten ^llleu fi war^ eiltet Sicherheitsvertrages zu schaffen. Die ÄS stellt fest daß es wünschenswert gewesen wäre, Dieser Angelegenheit Deutschland eiNgeladen »^^

Gegenbedingungen zu bellen

Skepsis der niederrheinischen Bevölkerung.

Düsseldorf, 25. Juni. Die Pariser Sitzung, der zu­folge der französische Ministerrat einstimmig die Maßnahmen I gebilligt hat, die zu einer rechtzeitigen Räumung des Ruhr- 1 gebietes einschließlich der Sanktionsstädte Düsseldorf und Duisburg ergriffen werden sollen, werden in allen Blättern am Niederrhein als ein Hoffnungsstrahl in trüber Zeit be­grüßt, wenngleich man sich darüber im klaren ist, daß der Entschluß der französischen Regierung sehr wahrscheinlich politische Nebenabsichten in sich birgt. Ebenso einstimmig er- tliiren aber auch die Zeitungen, daß, wenn die Räumung des genannten Gebietes Tatsache werden sollte, das keine Wohl­tat, sondern nur die Wiederherstellung eines seit Jahren ge­beugten Rechtes sei. In Anbetracht der schlechten Erfahrun­

gen, die man in den widerrechtlich besetzten Gebieten in den letzten Monaten hinsichtlich der in Paris gegebenen Ver­sprechungen gemacht hat, ist es natürlich selbstverständlich, daß weite Schichten der Bevölkerung auch jetzt noch skeptisch bleiben und daß bei Bekanntwerden des französischen Ka­binettsbeschlusses allenthalben in den Reihen der Extrablatt- leser die Bemerkung laut wurde, daß man die Räumung nicht eher glaube, als bis der letzte Besatzungssoldat das Land an der Ruhr verlassen habe.

Der Auswärtige Ausschuß einberufen.

Berlin, 25. Juni. Der Auswärtige Ausschutz des Reichstages ist auf Mittwoch, den 1. Juli, vormittags 10 Uhr, einberufen worden.

Der Stand der deutsch-französischen Wirtschafts­verhandlungen.

Der Bericht der deutschen Kommission.

^ Paris, 25. Juni. Zu dem Stand der deutsch-franzö- frschen Wirtschaftsverhandlungen wird von zuständiger deut­scher Seite folgendes mitgeteilt: Die überreichte deutsche Not« gipfelt in der Feststellung, daß die von deutscher Seite ge- machten Zugeständnisse durch die .französischen Konzessionen bisher nicht genügend ausgewogen sind. Das Dokument wurde dem französischen Perhandlungsleiter übereicht. Gleichzeitig schlug Staatssekretär Trenvelenburg vor. eine Plenarsitzung abzuhalten, da angenommen wurde, daß die französische Abordnung bis dahin bereits in eine erste Prüfung des deutschen Schriftstückes eingetreten sei. Die Sitzung nahm einen mitunter stürmischen Verlauf, doch ge­lang es einen Abbruch der Verhandlungen zu vermeiden, was offenbar als günstiges Zeichen zu deuten ist. Die fran« zösischen Unterhändler beantragten schließlich, daß die deut- sche Abordnung ziffernmäßig mitteile, welche weiteren Kon­zessionen sie von Frankreich beanspruche. Bisher hat man es auf deutscher Seite bei einer allgemeinen Benennung der Warengruppen bewenden lassen. Eine zweite deutsche Note, die entsprechend den französischen Wünschen eine ziffern- MMMMM^WUMM -

Hindenburg an die Aufwertungs- organisaiionen.

^ Berlin, 25. Juni. Bei dem Empfang der Arbeits- gemeinschast der Aufwertungsorganisationen gab der Reichs- Präsident von Hindenburg auf die gehaltenen Vorträge folgende Antwort:Ich danke Ihneir, meine Herren, für die sehr interessanten Ausführungen. Im großen und ganzen stehe ich dieser Frage ja fern. Aber besonders habe ich mich stets interessiert für die Lage der armen alten Rentner. Ich glaube auch, daß die frühere Reichsregierung ihrem Wort nicht untreu gewesen ist, wenn ich auch nicht die Verantwor- tung gehabt habe. Ich habe ja auch Bedenken, datz ein Mann, der 10 000 Mark Vermögen gehabt hat, nur mit 15 Prozent aufgewertet werden soll, ebenso wie ein Millionär, denn die­ser kann davon existieren, während der andere es nid# kann. Ich habe selbst mein Vermögen verloren, und ich kann daher die Notlage dieser Leute verstehen. Wenn ich meine Pension nicht gehabt hätte und sie war ja ausreichend hätte ich auch hungern müssen. Ich bitte Sie daher, meine Herren, mir Ihre Wünsche noch einmal schriftlich einzureichen. Das letzte Wort in dieser Frage ist noch nicht gesprochen. Ich werde erst das sextige Gesetz abwarten, bevor ich meine Entschließungen fasse, denn Sie wissen ja, ich muß als alter Soldat mir die Freiheit meines Handelns wahren."

Die Aufwertungsanmeldefristen verlängert

£ Berlin, 2a. Juni. Da der Reichstag bei der Fülle der vorliegenden Arbeiten erst Anfang Juli dazu tommen wird, die Frage der Aufwertung zu entscheiden, und da die dritte Steuernotverordnung bereits mit dem 30. Juni ab« läuft, ist dem Reichstag durch die Regierungsparteien ein Initiativantrag zugegangen-, den im Artikel 2 und 3 des Gesetzes über die 'Verlängerung der Fristen der dritten Steuernotverovdnung vorgesehenen Termin omn 30. Juni 1925 auf den 15. Juli 1925 zu verlegen. Die Annahme dieses Antrages aller Regierungsparteien ist eine Selbstver- stündlich^it, so daß man heute bereits praktisch mit der lötägigen Verlängerung der Mmekdefristen wird rechnen können.

Eine Gegenschrift zu der BesoldungSdenkschrift der Reichsregierung.

£ Berlin, 25. Juni. Wie wir erfahren, haben bi( Beamtenspitzenorganisationen die bereits vor einiger Zei! angekündigte Gegenschrift zu der Besoldungs- denkschri ft der Reichsregierung fertiggeftelli und dem Reichstag zugehen lassen. In dieser Gegenschrist suchen die Organisationen die von der Reichsregierung an- geführten Argumente für die Unmöglichkeit einer Erhöhung