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Sersfelöer Tageblatt

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hersfelöer Kreisblatt"

Amtlicher Mnzeiger für den Kreis Hersfels

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Nr. 148

Sonnabend, den 27. Juni

1925

Das Wichtigste.

Das Reichskab in ett hat feine Beratungen über die Sicherheitsnote Frankreichs ab- geschlossen. Das Ergebnis der Beratungen wurde dem Reichspräsidenten von Hindenburg nörgele g t. Es ist mit der baldigen Veröffentlichung eines offiziellen Kommuniques zu rechnen.

In England hat die Rede Lloyd Georges zu Ehamberlains Ausführungen Wer den Sicherheitspakt großen Eindruck hinterlassen. Man spricht davon, daß Lloyd George der kommende M i ni st e r p r ä s i d en t sei.

Die griechische Militärrevolution in Griechenlandi st unblutigverlaufen;dieNe- g ierung hat ihren Rücktritterklärt.

Abschluß der KabLuettsberaFungen über die Sscherheiisnote.

- Berlin, 27. Juni. Das Reichskabinett hat am Don­nerstag abend die Beratungen über die Briand-Note, die am Mittwoch abend begonnen hatten, zu einem vorläufigen Ab­schluß gebracht. Die Beschlüsse des Kabinetts wurden am Freitag beut Reichspräsidenten von Hindenburg unter­breitet. Dann ist mit der Veröffentlichung eines offiziellen Kommuniques über diese Angelegen­heit zu rechnen. Angesichts der Sachlage in der Sicherheits- frage kann es sich zurzeit noch nicht um eine Beant­wortung der Briand-Nots handeln, sondern nur um die Fortsetzung der bereits aufgenommenen diplo­matischen Fühlungnahme und die notwendigen Rückffagen, die sich aus der Note Briands ergeben. Jeden­falls wird aber damit zu rechnen sein, daß die am 9. Februar aufgenommene deutsche Initiative weitergeführt wird, um die bestehenden Schwierigkeiten und Unklarheiten des ganzen Eoblems aus dem Wege zu räumen.

WWWWW tarnt es als MMvSftLWltch angesprochen werden, daß die deutsche Außenpolitik durch die Verhandlun­gen in der Sichsrheitsfrage in ihren Beziehungen zu anderen Staaten, die in diese Verhandlungen nicht einbezogen sind, chre volle Handlungscheiheit behält. Entgegen gewissen par­lamentarischen Gerüchten verdient es besonders hervorge- hoben zu Werden, daß in den zweitägigen Beratungen des Reichskabinetts über die Fortführung des außenpolitischen Kurses in dem angedeuteten Sinne vollkommene Ueber­einstimmung aller Kabinettsmitglieder er­zielt worden ist.

Der Rachenau-Prozeß.

^ Leipzig, 27. Juni. Der Sachverständige, der praktische Arzt vr. F i s ch e r - Freiberg-Sachsen, bekundete, daß Küchen­meister infolge seiner Kriegsverletzung schwer nerven- und herzleidend sei. Die Zeugen zum Fall Brandt, in der Hauptsache frühere Kameraden Brandts, betonten ein­stimmig, daß dieser sich stets gegen den politischen Mord aus­gesprochen habe, und daß er nach der Disziplin in der Bri­gade Ehrhardt unbedingt beut Befehl Tillessens, nach Jena zurückzufahren, habe gehorchen müssen. Die Zeugen vom Deutschnationalien Jugendbund in Dresden, Korvettenkapi­tän Abendroth und Steinbeck bekunden, nichts von einer Mordabsicht bemerkt zu haben. Steinbeck bestätigt, daß Brandt einmal einen Mordplan gegen Rathenau verhindert habe. Der Bruder des Angeklagten Küchenmeister, Fritz Küchen­meister, erklärt, daß das Auto zu einer Gefangenenbefreiung dienen sollte, und zwar sollte es nicht zur Ausführung selbst benutzt werden, sondern nur für die Flucht bereitstehen. Eine Aeußerung Techows, die der Kraftwagenführer Küchen- meisters, Buchmr, gehört haben will:Was uns noch fehlt, bekommen wir in einem Waffenladen", bestreitet Techow. Gr habe von einem Autobedarfsgeschäft gesprochen; die Verfügung über den Wagen habe Brandt gehabt. T i l l e s e n bestätigt, daß er Brandt befohlen habe, nach Jena zurückzufahren, da er selbst den Planabblasen" werde. Brandt komite nicht an» nehmen, daß es ihm nicht gelingen werde, Kern von seinem Plan abzubringen. Kern habe ihm durch Handschlag ver­sprochen, das Ünternchmen aufzugeben unb das Auto des Techow nach Freiberg zurückzuschicken. Es sei unerklärlich, wie Kern die Tat baun doch ausführen konnte. Ueber die Unterredung mit Brandt bekundet er, er habe das Gefühl gehabt, daß Brandt unter dem frischen Eindruck des Gesprä- djes mit Kern und des soeben erfahrenen Mordplanes ge­standen habe. Im Gegensatz hierzu steht eine stühere Aussage Tillessens, nach der Brandt ihm erzählt habe, daß Kern ihm bereits 14 Tage nach Pfingsten von dem Plan Mitteilung gemacht habe, Rathenau vom Auto aus zu erschießen. Hier­über entsteht eine längere Auseinandersetzung. Tillessen gibt die Möglichkeit einer Verwechslung zu. Die Aeußerung könne bei der Zusammenkunft am 19. Juni mit anderen Kameraden gefallen sein.

Vor bolschewistischen Richtern.

Der Prozeß gegen die deutschen Studenten in Moskau.

- Moskau, 27. Juni. Aus Anlaß des Prozesses gegen Kindermann,-Wolscht und Dittmar ist der Platz vor dem Justizgebäude militärisch abgesperrt und der Zutritt

zum Verhandlungsraum nur gegen Karten gestattet. Die Anklage lautet aufHochverrat. Kindermann, der sich wie Wolfcht selbst verteidigen will, erklärt, die Anklage­schrift scheine ihm von einem Irrsinnigen verfaßt zu sein. Der in der Anklageschrift genannte Zeuge sei ein Provokateur der staatlichen politischen Verwaltung. Die von allen drei Angeklagten als Entlastungszeugen angegebenen Rose und Fink sind eingetroffen und wurden vereidigt. Unter Berufung auf die Strafprozeßordnung weist der Staatsanwalt daraus hin, daß die Zeugen untereinander nicht in Verbindung stehen dürfen. Daher verfügt die Staatsanwaltschaft die Unter­bringung der Zeugen aus Deutschland im Gerichtsgebäude, was aber die Bewegung der Zeugen in Moskau nicht behin­dern solle. Das Gericht findet die Forderung des Staatsan­walts berechtigt. Hierauf findet eine Rechtsbelehrung durch den Staatsanwalt über die Abgrenzung der Verteidigungs- rechte derjenigen Angeklagten statt, die auf ihre Verteidiger verzichten. Kindermann verlangt, als erster vernommen zu werden, worauf der Vorsitzende darauf hinweist, daß die Reihenfolge der Vernehmung Sache des Gerichts sei. Hierauf beginnt die Vernehmung Dittmars, die zuerst in russischer und dann in deutscher Sprache erfolgt. Dittmar erklärt, während der Hast erkannt zu haben, daß seine bisherigen nationalen Ideale ihn irre geführt hätten. Er habe geglaubt, für vater­ländische Interessen zu kämpfen, habe jedoch erkannt, daß seine bisherigen Freunde nur materiellen Interessen gedient hätten. Dittmar erklärt in der Schilderung seines Lebens­laufes, daß er der Sohn eines baltischen Grundbesitzers sei, 1921 in Berlin studiert und seine Studien später in Heidelberg fortgesetzt habe. Die Verbindung mit Kindermann sei durch denZeugen Rose hergestellt worden. Nach einer viertelstün­digen Unterbrechung der Verhandlung erfolgt eine Be­sprechung der politischen Situation in Deutschland und des Wesens der Völkischen Verbände, was zur Beurteilung der politischen Individualität der Angeklagten für notwendig gehalten wird. Nach Verlesung der Anklageschrift erklärten sich Kindermann und Wolscht für unschuldig, Dittmar für schuldig.

Das Gericht hat den Antrag auf Zulassung von deutschen .^-«-rlVM,^ ^^^ -».»Mik-^ rats Hilger von der deutschen Botschaft mit den Angeklagten auf deren Eisenbahnfahrt nach Moskau, auf dessen Rat und in dessen Gegenwart die Angeklagten die sie kompromittieren­den Papiere vernichtet hätten. Weiter wird in der Anklage behauptet, Hilger habe die Angeklagten aufgefordert, an pri­vater Stelle mit ihm in Moskau zusammenzutreffen.

Die deutsche Botschaft erklärt die Behauptung der An­klageschrift über ein absichtliches Zusammentreffen des Lega- tionsrats auf der Eisenbahn mit den Angeklagten sowie sämt­liche, Legationsrat Hilger betreffenden Verdächtigungen als unrichtig und entstellt.

Aus der Vollsitzung des Reichsrates.

£ Berlin, 27. Juni. Der Reichsrat genehmigte das vor­läufige Handelsabkommen mit Griechenland und das inter­nationale Abkommen zur Vereinfachung der Zollförmlichkei­ten. Dann folgte die Beratung des Gesetzentwurfes über den Ausbau' der Angestelltenversicherung, die eine Erhöhnngder Lei stungen undBeitrüge um ein Drittel vorsieht. Die soziale Belastung der Wirtschaft wird sich durch die Vorlage um etwa 40 Millionen jährlich erhöhen. Angenommen wird auch die neue Reichs- dienst-Strafordnung und das Wehrmachts-Besoldungsgesetz, das eine erhebliche Besserstellung der Mannschaften bringt.

Fach der Mde Chamberlams.

Die Opposition nicht überzeugt. Lloyd George der kommende Mann?

£ London, 27. Juni. Trotz des persönlichen Erfolges, den E h a m b e r l a i n als praktischer Redner davongetragen hat, läßt sich sagen, daß es ihm wohl kaum gelungen sein dürfte, die Argumente seiner Gegner zu widerlegen. Die Opposition ist nicht überzeugt. Es wird darauf ankommen, ob in den in den nächsten Wochen stattfindenden vertrau­lichen Besprechungen der Widerstand der Paktgegner ge­brochen werden kaum Das Ereignis des Tages ist jedoch die Rede Lloyd Georges. Seine Zurückhaltung und sein offenbar beabsichtigter Verzicht aus oratorifdje Triumphe kaun vielleicht als ein Beweis dafür angesehen werden, daß Lloyd George weitergehende politische Pläne hat, wie er denn auch, wie schon wiederholt berichtet, in eingeweihten Kreisen als der kommende Ministerpräsident betrachtet wird. Die Regierung, so meint man, würde das Budget nicht überleben.

Das Echo in London und Paris.

London.Manchester Guardian" sagt in Be­sprechung der Unterhausdebatte u. a.: Das wesentliche Jnter- esse, das England an dem Pakt hat, ist daß er einen dauern­den Frieden sichern muß. Der wirkliche Wertdes Paktes wird durch ein einfaches Mittel zu prüfen sein, nämlich durch die Beantwortung der Frage, wie weit sich der Grundsatz des Schiedsspruchs erstreckt. Wenn der Einfluß Englands geschickt angewandt wird, dann kann man hoffen, daß aus der Grundlage des deutschen Angebotes ein Pakt aufgebaut werden sann, der einen wirklichen Fortschritt in der Rich­tung auf ein einiges Europa bedeutet.

Der liberaleS t a r" schreibt: Die Behauptung Eham- berlains, daß der vorgeschlagene Patt England zu wenig mehr verpflichte als zu dem, wozu es bereits nach der Völ­kerbundsatzung verpflichtet sei, ist vielleicht als optimistisch zu bezeichnen. Der Geist des Ernstes und der Sorgfalt, der die Debatte beherrschte, rechtfertigt die Hoffnung, daß aus den in einigen Einzelheiten noch unklaren Vorschlägen eine solide, praktische Vereinbarung entstehen wird, deren Ziel die Sicherung des Friedens ist.

Evening Standard" kritisiert die Ausführungen Ehamberlains höchst abfällig. Das Blatt sagt: Ehamberlain behandelt die Möglichkeit einer Beteiligung Englands an einem neuen Kriege mit leichtem Herzen und unterschützt offenbar ein wenig die Bedeutung der Verluste an Menschen­leben, wenn er behauptet, daß die Neutralen bei einem Kriege nicht viel besser daständen als die Kriegführenden.

Paris. Me Rede des englischen Staatssettetärs Ehamberlain wird vomT e m p s" als eine Kundgebung be- zeichnet, die man von der Loyalität Ehamberlains habe er- warten dürfen. Soweit England in Betracht komme, dürfe die Partie als gewonnen bezeichnet werden.

WährendJournal des Debüts" findet, daß selten die Rede eines Außenministers klarer und gehaltvoller gewesen ist als die Ehamberlains, meintLiberty", daß die Rede ziemlich, enttäusche, weil sie den Sicherheitspakt auf einen zu bescheidenen Raum zurückführe. Ehamberlain habe durch feine Rede die Engländer beruhigen wollen, die be- fürchten, in jedem Augenblick in einen Krieg hinein gezogn zu werden. Sie habe aber viel weniger die Franzosen be­ruhigt, die eine positive und bestimmte Garantie erwarten und die die Prozedur von Genf wiedererstehen sehe«, die eine Schutzwand zwischen dem Beistand Englands und einem deutschen Angriff sei.

Die Militärrevolution in Griechenland.

^ Athen, 27. Juni. Ueber den Ausbruch der Mlitiir- revolution in Griechenland wird von der Agence d'Athenes folgender Bericht ausgerüstet: Am Donnerstag früh 5 Uhr

auf. Die Garnisonen in Thrazien, Mazedonien,

Piräus haben sich dem Aufstand

Patras, Ehalkis unb im

««geschlossen; auch die ganze Flotte soll sich angeschlossen haben. Paugalos scheint Herr der Lage zu sein. Er erklärte, er führe nur den Wunsch der Nation nach einer Gesundung des Landes aus.

Havas meldet aus Saloniki: Die ZeitungInde- pendance" bringt die Nachricht, daß die Offiziere der Garni­son von Salonitt angesichts der Unfähigkeit der Regierung von Athen beschlossen haben, den sofortigen Rücktritt des Ministerpräsidenten Michalokopulos zu fordern und eine Militärregierung unter dem Vorsitz des Ge- neraks paugalos zu bilden. Eine Prottamation in diesem Sinne ist an die Bevölkerung gerichtet worden. Die Bureaus des Generalstabes von Saloniki, der Post und des Telegraphenamts, die Bahnhöfe und alle militärischen Ge­bäude, die unter dem Beschl des Platzkowmandanten stehen, sind von den revolutionären Offizieren besetzt worden. Ein militärisches Komitee erläßt einen Aufruf, wo­nach die Revolution Herrin der Lage in ganz Griechenland sei und nirgends auf Widerstand stoße. Die unter dem Be­fehl des Admirals Hadjikiriakos stehende Flotte habe sich der Bewegung an geschlossen. Sie habe folgendes Telegramm an den Präsidenten der Republik gerichtet: Wir erklären die Regierung für abgesetzt. Wir werden den M- nisterrat für das vergossene Blut verantwortlich machen.

Aus Athen wird gemeldet, daß das Kabinett auf Grund der Aufforderung der anfftändischen Offiziere in Salonitt zurückgetreten ist

Abrüstung und Sicherheit.

Eine Rede Lord Greys.

London, 27. Juni. In London tagt zur Zeit eine von der Britischen Völkerbundsunion einberufenen Abrüstungs­konferenz, auf der L o r d G r e y über das ThemaSicher- h e i t und Abrüstung" sprach. Grey erklärte, als die Deutschen vor einigen Monaten ihren Vorschlag für die Sicherheit an ihrer Grenze gemacht hätten, habe Deutschland, das den Krieg verloren habe, einen wichtigen und nützlichen Beitrag zur Wiederherstellung des Friedens gemacht. Eham­berlain und auch die Regierung seien beständige Freunde des deutschen Vorschlags. Wenn etwas Gutes aus dem deutschen Vorschlag hervorgehe, so würde der größte praktische Schritt zur Sicherung des Friedens Europas feit dem Waffenstill­stand gemacht worden sein. Wenn aber der Vorschlag zu keinem Ergebnis führen sollte, wie werde dann die Lage sein? Frankreich werde auf die alte Politik separater Bündnisse mit Polen, der Tschechoslowakei usw. zurückgreifen und seine zu­künftige Sicherheit dadurch wiederherzustellen suchen, daß es seine eigenen Rüstungen hochhalten und die deutschen Rüstun­gen dagegen niederhalten werde. Was werde nun die deutle Politik"demgegenüber sein? Sie würde eine separate deut che Kombination auf der einen Seite gegen eine franzofl che Kombination als Gegengewicht auf der anderen Seite auf­rechterhalten. Man werde wieder dasselbe System von Gegengewichten und Sonderbündniffen haben, wie man es vor dem Krieae aemackt habe. Das würde einen neuen Kmea