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Hersftlöer Tageblatt

Hersfelöer Kreisblatt'

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

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Nr. 149

Montag, den 29. Juni

1925

Das Wichtigste.

Pie Ministerpräsidenten der deutschen Länder sind in Berlin eingetroffen, um die Sicher- heitsfrage zu erörtern.

---- Das amtliche CommuniquS über die Kabi­nettsberatungen läßt erkennen, daß Deutschland bereit ist, über die Sicherheitsfrage in Ver­handlungen einzutreten.

Im handelspolitischen Ausschuß des Reichstages gab Reichswirtschaftsminister Dr. N e u h a u s einen Ueberblick über Deutschlands Wirt­schaftsverhandlungen mit anderen Staaten.

Das Problem der Sicherheit.

Das deutsche Kabinett hat in einem Kommunique an die deutsche Presse zu dem Fragenkomplex eines Garantie­paktes Stellung genommen. Die deutsche Regierung gibt in diesem Kommunique eine historische Darstellung der Ent­wicklung aller der mit der Befriedung Europas zusammen- ^^?^en Fragen. Auf der letzten Vollversammlung des Völkerbundes sei ein Protokoll über die friedliche Erledigung internationaler Streitigkeiten, das sogenannte Genfer Protokoll, aufgestellt worden. Als dann gegen Ende des verflossenen Jahres das Sicherheitsproblem die inter­nationalen Erwägungen stark beeinflußte, sei die deutsche Re­gierung vor die Alternative gestellt worden, ob sie die Lösung des Sicherheitsproblems den Westmächten allein überlassen soll oder ob unter Mitbeteiligung Deutschlands ein Sicher- Heitspakt zustande gebracht werde. Die französische Antwort ergänzt das deutsche Memorandum insofern, als sie bereits konkrete Vorschläge macht. Das deutsche Memorandum war allgemein gehalten mit dem Zweck, das Problem der Sicherheit Europas in Fluß zu bringen. Die französische Re­gierung hat in ihrer Antwort neue Vertragskonstruktionen ane mir vem vrcherheitsproblem zusammenhängenden Fragen genau geprüft habe, müsse der Weg zu neuen Verhandlun- gen beschritten werden, um im Sinne der gewechselten Korre- jpoiidenz zu einem wirklichen Frieden zu gelangen, zu.einem Sicherheitsabkommen auf völliger Gegen­seitigkeit.

In diesem Zusammenhänge ist es äußerst interessant, auf einige Reden hinzuweisen, die von bedeutenden englischen Staatsmännern in den letzten Tagen gehalten worden sind. Auf der Versammlung der Völkerbunds-Union in der Queen s Hall in England ergriff Lord Grey das Wort zu den schwebenden diplomatischen Erörterungen. Die Zukunft Englands, sein Bestand und sein Schicksal sei mit dem zu­künftigen Frieden Europas verknüpft. Heute sehe man den Zusammenbruch des Prestiges der Macht und des Einflusses Europas, wie man es vor dem Kriege als unmöglich angesehen haben würde. Man müßte auf die Ereignisse in Aegypten, in der Türkei und auch in China blicken. Es gebe so zahl­reiche Symptome für den Verlust des Prestiges und des Ein­flusses der europäischen Zivilisation und der europäischen Kultur. Die Schuldfrage für den Verlust dieses europäi­schen Prestiges müßte untersucht werden, Deutschland würde aus dieser Untersuchung schuldlos hervorgehen, vielleicht and) zu einem Teil England. Der englischen Politik muß man den Vorwurf machen, daß sie gegenüber dem das Ansehen Europas schädigenden und das Ansehen Europas in den Schmutz ziehenden Imperialismus Frank­reich s zu große Nachsicht geübt habe. England hat seit 1918 gegenüber Frankreich grobe Unterlassungssünden begangen.

Vor dem Kriege war es nicht möglich, zu Vereinbarungen zwischen den europäischen Staaten zu kommen und einen Krieg zwischen Weißen in farbigen Ländern unmöglich zu machen. Man kann hier die englische Regierung von einer Schuld nicht ganz freisprechen. Auch England hat farbige Truppen im verflossenen Kriege verwandt. Aber England hat nach Beendigung des Krieges diese Kriegspolitik revi­diert. Nur das kriegerische, militaristische Frankreich ver­wendet auch noch nach Beendigung des Krieges im großen Ausmaße farbige Truppen, sowohl in Europa als auch in seinen Kolonien. Daß die Wirkung auf die farbige Bevölke­rung der Kolonien nicht ausbleibt, ist klar. Ueberall in der Welt erheben sich die kulturell tiefer stehenden Völker gegen die europäische Zivilisation und Kultur. In China, in Indien, in Aegypten, in Marokko gärt es. Die farbigen Völker sam­meln sich unter der von dem amerikanischen Präsidenten aus­gegebenen Parole, dem Selbstbestimmungsrecht der Völker. Und so zieht gegen Europa jene ungeheure gelbe und schwarze Gefahr heran, an deren Emporwachsen die unsinnige fran­zösische Kolonial- und Kulturpolitik schuld ist.

Endland erkennt jetzt diese Gefahr und warnt vor ihr, vielleicht zu spät. Die Befriedung Europas ist eine Not­wendigkeit. Die Staaten der europäischen Zivilisation und Kultur müssen kleine Streitigkeiten zurttcktreten lassen, um gegenüber der hereinbrechenden gelben und schwarzen Ge­fahr einig und mit gesammelter Kraft vorgehen zu können.

Wird diese Enigung möglich sein? Wir glauben es nicht. Wir glauben, daß die französische Regierung sich von ihren imperialistischen, kriegerischen Neigungen nicht frei­machen wird können, mir glauben nicht, daß Frankreich seinen

Haß gegen Deutschland unterdrücken kann. Sollte der Unter­gang des Abendlandes besiegelt sein, sollte aus dem Osten eine neue Zeit hereinbrechen, die sicher nichts Besseres an die Stelle der jetzigen europäischen Zvilisation und Kultur wird setzen können, so ist Frankreich der Zerstörer Europas gewesen. Will- man der Gefahr, die aus dem Osten droht, entgegentreten, will man dabei eine Beteiligung Deutschlands, so muß man Deutschland die Befähigung, Kolonien zu verwalten, wieder zuerkennen, so muß man Deutschland wieder die Rechte einer souveränen, selbständigen und freien Großmacht Europas ge­währen. Nur auf diesem Wege kommen wir aus der Krisis der europäischen Kultur und Zivilisation heraus zur Befrie­dung Europas. Ao.

Die deutschen Ministerpräsidenten in Berlin.

Besprechungen über den Sicherheitspakt.

£ Berlin, 29. Juni. Am Sonnabend vormittag trafen die Ministerpräsidenten der deutschen Länder in Berlin ein, um an einer Besprechung mit der Reichsregierung in der Reichskanzlei teilzunehmen. Der Zweck dieser Zusammen­kunft besteht darin, den Ländervertretern den Abschluß der bisherigen Feststellungen der Reichsregierung zu der Sicher- Heitsfrage und das Ergebnis der juristischen Prüfung und der in dem Blau- und Weißbuch enthaltenen Dokumente im Zusammenhang zur Kenntnis zu bringen.

Deutschland zu Verhandlungen in der Gicherheiissrage bereit.

Das Ergebnis der Kabinettsberatungen.

^ Berlin, 29. Juni. Das Reichskabinett hat sich in diesen Tagen mit der französischen Antwortnote zur Sicherheitsfrage M^MWMGMWMMWW

Auf der letzten Vollversammlung des Völkerbundes war ein Protokoll über die friedliche Erledigung internationaler Streitigkeiten, das sogenannte Genfer Protokoll, aufgestellt worden. Ferner war durch im Kreise der Alliier­ten gepflogene Erörterungen über die Räumung der nördlichen Rheinlandzone gegen Ende des ver­gangenen Jahres das Sicherheitsproblem erneut in den Mit­telpunkt der internationalen Erwägungen gerückt worden. Die deutsche Außenpolitik sah sich damals vor die Frage ge­stellt, ob sie die Lösung der Sicherheitsfrage den alliierten Westmächten allein überlassen oder auf eine Lösung unter Mitbeteiligung Deutschlands hinwirken solle. Deutschland lag daran, den anderen Mächten gegenüber klar zum Aus­druck zu bringen, daß es bereit sei, an einer Sicherhsitsreg-- lung mitzuwirken, deren Endziel die von Deutschland selbst erstrebte Entwickelung auf den Bahnen des allgemeinen Friedens durch eine wirkliche Befriedung Europas fein sollte. Demgemäß erfolgte seitens des Auswärtigen Amts um die Wende des Jahres eine entsprechende diplomatische Fühlung­nahme. Reichskanzler Dr. Luther hat in seiner Rede vom 30. Januar vor der ausländischen Presse zum Ausdruck ge­bracht, daß Deutschland an der Verwirklichung des Sicher- Heitsgedankens ein reales Interesse habe und zur positiven Mitarbeit daran bereit fei. Im Einklang mit diesem Grund­gedanken erschien es nach dem Ergebnis der außenpolitischen Gesamtlage dem Auswärtigen Amt angebracht, den alliierten Regierungen zur Kenntnis zu bringen, auf welcher Grund­lage eine Mitwirkung Deutschlands an der Regelung der Sicherheitsfrage in Betracht kommen könnte. gu diesem Zwecke wurde den alliierten Regierungen im Februar ein Memorandum überreicht, das verschiedeneLösungsmöglich- keiten zur Erörterung stellte. Nachdem die von dem französi­schen Botschafter übergebene Note vom 16. Juni konkrete Dorschlüge gemacht hat, die die deutscherseits bezeichneten Lösungsmöglichkeiten teils ändern oder miteinander verbin­den und ihnen neue Vertragskonstruktionen hinzufügen, ist nunmehr das Kabinett zu einer Beratung des Gesamtkom­plexes der dadurch aufgeworfenen Fragen zusammengetreten.

Das Kabinett ist dabei übereinstimmend zu dem Ergebnis gelangt, daß die in der französischen Note vorgeschlagenen Erörterungen zur Vorbereitung der endgültigen Stellung­nahme alsbald aufzunehmen sind. Die Deutsche Regierung, die im Einklang mit den Schlußworten der französischen Note auch ihrerseits das Zustandekommen von Verhandlun­gen begrüßen würde, die zu einer neuen und wirksamen Friedensgewähr führen, wird unentwegt an dem Ziel Deutschlands festhalten, im Sinne der vorstehend dargelegten Bestrebungen zu einem wirklichen Frieden zu gelangen, der durch ein Sicherheitsabkommen auf völlige Gegenseitigkett be­gründet werden soll.

Für Gleichberechtigung Deutschlands.

Eine Rede des englischen Arbeiterführers C l y n e s.

-London, 29. Juni. Auf der Versammlung der V ö I - k e r b u n d s u n i v n sagte im weiteren Verlauf der Aus­sprache der Arbeiterführer C l y n e s, Lord Grey hätte ge­zeigt, daß man sich dem Ziel zu nähern beginne, und daß die

Vertreter der Völker Europas allmählich zu einer Verein- mrung gelangten, die der internationalen Auffassung ent- präche. Die hohe Aufgabe der Staatsmänner sei es nun, gründliche Pläne vorzubereiten, die imstande seien, ben Weltfrieden für alle Zukunft zu sichern. Die Debatten im tnterhaus gestatteten den tröstlichen Schluß, daß die Mei- mngsverschiedenheiten über den einzuschlagenden Weg, über ne Frage, wie könne das, was sie alle wünschten, zur Aus- uhrung gelangen, im Grunde nicht mehr so groß wie ehedem eien. Wie in den Tagen des Krieges alle Schichten der Be- mlterung hätten mitkämpfen müssen, so müßten jetzt in der ^ Zeit des Friedens alle Schichten als eine große Gemeinschaft msammenarbeiten, um die Richtlinien des Friedens, den sie vünschten, auch wirklich zu sichern. Die Friedensftage fei zu nichtig, zu ernst, als daß irgendeiner Bewegung auch nur m mindesten gestattet werden dürfte, aus ihr Kapital zu chlagen. Das jüngste Vorgehen Deutschlands habe die ganze Lage ungemein erleichtert und für die Staatsmänner Euro­pas die Schwierigkeiten entschieden verringert. Er stimme mit Lord Grey darin überein, daß man die Tore des Völker- iundes für Deutschland so weit als möglich öffnen müßte. Deutschland müßte in den Völkerbund eintreten in voller moralischer und staatlicher Gleichberechtigung mit den an­deren großen Nationen, die dem Völkerbund angehören.

3m Luftschiff zum Nordpol.

Ein Zeppelinluftschiff zur Erforschung der Arktis.

- Berlin, 29. Juni. Am 26. Juni nachmittags fand im Reichsverkehrsministerium zwischen der Internationalen Studiengesellschaft zur Erforschung der Arktrs mit demLuftschiff und dem Luftschiffbau Zeppelin eine Besprechung statt, an der Dr. Eckener, Geheimrat Prof. Dr. KohIschütter, Geheimrat Prof. Dr. Penck, Haupt- nann a. D. Bruns und Direktor Dr. Bleistein teilnah- men. Die Besprechung hat zu folgendem Ergebnis geführt:

, ____ ^________FW®'® studkengesellschaft geeignetes Luftschiff bauen und es Prof. Dr. Fridtjofs Nansen, dem Präsidenten der Studiengesell­schaft, für zwei Polar-Unternehmungen zur Verfügung stellen.

Die Kosten für den Bau dieses Schiffes will der Luft­schiffbau Zeppelin selbst aufbringen, diejenigen für die Durch- siihrung der arktischen Erforschung sollen international ge­tragen werden. Es ist beabsichtigt, das Luftschiff nach Erle­digung der arktischen Unternehmungen anderen international zusammengesetzten Studiengesellschaften zu anderen wissen­schaftlichen Zwecken, insbesondere für die Erforschung weite­rer unbekannter Gebiete der Erdoberfläche zur Verfügung zu stellen. Der Luftschiffbau Zeppelin tritt in die Studienge­sellschaft ein. Vor dem Eintritt wird die Internationale Stu­diengesellschaft noch intern beraten, ob das vom Luftschiffbau Zeppelin angebotene Luftschiff für die wissenschaftlichen Be­dürfnisse der Gesellschaft ausreicht. Die Ausgestaltung des Luftschiffes wird durch eine technische Kommission der Inter­nationalen Studiengesellschaft festgesetzt werden, in welcher der Luftschiffbau Zeppelin Sitz und Stimme hat. Die Füh­rung des Schiffes wird der Luftschiffbau Zeppelin derart regeln, daß auch der Begründer und Geschäftsführer der In­ternationalen Studiengesellschaft, der ehemalige Luftschiff- führer Hauptmann a. D. B r u n s beteiligt wird.

Nach dem Eintritt des Luftschiffbaues Zeppelin in dir Studien-Gesellschaft wird diese an die deutsche Regierung einen Antrag richten, in dem sie bitten wird, die Bauerlanb- nis für das die Begriffsbestimmungen überschreitende Luft­schiff bei der Botschnster-Konferenz nachgusuchen.

Der Hauptausschuß des Preußischen Landtages . für Erhöhung der Beamtengehälter.

- Berlin, 29. Juni. Im Hauptausschuß des Preußischen Landtages stand am Freitag der Antrag des Deamtenausschusses auf Gewährung einer W i r ts cha f t sb eih i tfe v o n 100 M. an die Beamten der Gruppen 16 zur Beratung,

Angenommen wurde gegen die Kommunisten der Hin trag Dr. Schmelding (Ztr.):

1. Der Landtag hält angesichts der in wetten Kreisen der Beamtenschaft herrschenden Notlage eine möglichst baldige Aufbesserung der Dienstbezüge der Beamten für notwendig;

2. Das Staats Ministerium wird daher er- sucht,

a) unverzüglich in Erwägung zu ziehen, wie dem Be­dürfnis nach Aufbesserung wenigstens bei den wirt- schastlich schwächsten -Beamten alsbald Rechnung ge­tragen werden kann; dabei

b) eine etwaige Aufbesserung auch den Wartegeld- empfängern, Ruhegehaltsempfängern und Hinter­bliebenen der entsprechenden Beamtengruppen (litt, a) zuteil werden zu lassen;

3. das Staatsministerium wird ersucht, falls eine all­gemeine Aufbesserung in nächster Zeit unmöglich fein sollte, mit der Reichsregierung zu erwägen, ob nicht wenigstens den Beamten der Besoldungsgruppen 1 bis 6 im Laufe des Juli 192ö eine außerordentliche Wirtschaftsbeihilfe von 100 Nur-