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Reisfelder Tageblatt

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UD Hersfel-er Kreisblatt"

"H Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

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Nr. 163

Mittwoch, den 15. Juli

1925

Das WichiLgsie.

In der Zollfrage sind Mischen den Parteien im Reichstage neuerdings schwere Differenzen eingetreten.

_ Die Aussprache zwischen dem Londoner Sowjet­botschafter Rakowski und Chamberlain scheint die Wiederherstellung der englisch-russischen Beziehungen wieder anbahnen zu sollen.

Eine Berliner Konzertdirektion hat mit A m un d s e n einen Vertrag abgeschlossen, nach dem der Nordpolforscher im September in Berlin und einigen europäischen Städten Vorträge halten wird.

Erneuter Personalabbau bei der Reichsbahn.

Wilhelm F e ch t - B e r l i n.

Die Reichsbahngesellschaft, die bereits im Jahre 1924 insgesamt 280 000 Personen abgebaut hat, will einen neuen beträchtlichen Abbau durchführen. Das wird sich bis in die kleinsten Orte hinein bemerkbar machem Während bei der übrigen Beamtenschaft der Personalabbau zu Ende geht, da die Personalabbauverordnung in Kürze vom Reichstag verabschiedet werden dürfte, sind die Eisenbahner davon noch nicht verschont. Die Reichsbahngesellschaft beabsichtigt ihren Bestand, der heute 745 000 Köpfe umfaßt, auf 693 683 zu- rückzudrücken. Das bedeutet, daß noch ungefähr 70 000 Eisen­bahner äbgebaut werden sollen. Interessant sind auch die Festr stellungen, in welchen Dienstgebieten bei der Reichsbahngesell­schaft überflüssiges Personal vorhanden ist. Zehn Prozent entfallen auf den Verwaltungsdienst, 25 Prozent auf den Betriebs- und m a f ch i n en te ch n i f ch e n Dien st, 30 Prozent auf die Haupt- undRebenwerk- st ä t t e n. Auch im Bahnhofs- unb Abfertigungsdienst ist ein Mehr vorhanden, dagegen ist im Zug- und U e b er­wach u n g s d i e n st ein Rückgang von 3035 Prozent fest- Deutschlands gleichmäßig vorgenommen werden. Die Reichs- bahndirektionen find heute wesentlich selbständiger als dies zur Zeit der alten Reichsbahn der Fall war. Infolgedessen ist der Personalabbau verschiedenartig vorgenommen worden. Im Süden Deutschlands ist von vornherein sehr stark abge­baut worden. Da dort keine Reserven mehr vorhanden sind, dürfte ein weiterer Beamtenabbau kaum mehr in Frage kom­men. Dagegen wird er in den Direktionen Platz greifen, die bisher nicht in der von der Reichsbahngesellschaft für erfor- derlich gehaltenen Weise den Beamtenabbau vorgenommen haben.

Noch aus einem anderen Grund wird der Norden von dem beabsichtigten Abbau stärker betroffen. Als s. Ft. die ehemals selbständigen Bahnen der Länder zur Reichsbahn zu­sammengefügt wurden, waren in Preußen nur Beamte aus den Gruppen von V aufwärts in das unkündbare Beamte n- verhältnis überführt. Dagegen waren die unteren Gruppen im kündbaren Verhältnis belassen worden. In süddeutschen Ländern war die UnkUndbarkeit aber auch den Beamten der Gruppen IV nach einer gewissen Anzahl von Dienstjahren verliehen worden. Dg natürlich nur diejenigen Beamten, die sogenannte Kündigungsbeamte sind, abgebaut werden kön- iien, ergibt sich die Folge für den Norden heraus von selbst.

Es unterliegt andererseits keinem Zweifel, daß die Lasten, die die Reichsbahngesellschaft aus Pensionen und Wartegeld zu tragen hat, schwere sind. Sie betragen lährlrm 487 Mil­lionen Mark. Don 89 000 bereits abgebauten Eisenbahn­beamten sind 66 000 Wartegeldempfänger, gegen früher eine Erhöhung von 17 auf 37 Prozent. Trotzdem sind nach Ein­gaben der Reichsbahngesellschaft 250 Millionen Mark durch den Abbau erspart worden. v

Der Reichstag hat einen besonderen Ausschuß, den 24. Ausschuß, gegründet, der sich mit der Frage des Beamten- abbaues, insbesondere des Abbaues von Kundigungsbeamten und der Entlassung von Arbeitern zu beschäftigen hat. Die Reichsbahngesellschäft hat schon bisher teilweise in ziemlich rigoroser Weise Kündigungsbeamte ins ^lroeiterverhaltnis, aus dem sie sich emporgearbritet hatten, zurückversetzt. Die Reichsbahngesellschaft kennt drei Arten verschiedenartig^an- gestellten Personals. Lebenslänglich ostfleftellte Bemme, Kün- digungsbeamte und im Arbcitsverhültms stehende Eisen­bahnarbeiter. So handelte es sich bei den Streikbewegungen im Anfang dieses Winters nicht, wie vielfach fälschlicherweise angenommen wurde, um einen Streik von Enenbahi b e a m- t e n, sondern von Eisenbahn arbeitet n. Im 24. Ausschuß des Reichstags ist nun die Frage geprüft worden ob und wieweit es rechtliche Grundlagen gibt, diesen Abbau der Kun- digungsbeamten zu verhindern. Zu einem praktischen Er- qebnis'ist der Ausschnß nicht gekommen. Der Reichstag soll nach einem Entschluß des Haushaltsausschusses Verwahrung gegen das Verhalten der Ncichsbahngesellschnft emiegen und die ziir Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Rechte der Reichseisenbahnbeamten notwendigen Schritte beschleunigen. Zweifellos ist aber die Absicht der Reichsbcchngeselltchast mch haltbar, die Zahlung von Wartegeld in der Gesamtheit abzulehnen, weil hier ein Verstoß gegen beamtenrechtliche Bestimmungen vorliegt.

Ein Wort wird noch darüber zu sagen sein, wen die Reichsbahngesellschaft zurückversetzen will. Zunächst sollen

Ledige, dann Verheiratete ohne Kinder zurückversetzt werden. Nicht zurückversetzt werden Familienernährer mit mehr als 3 Kindern und Beamte von 50 Jahren und darüber.

Der Reichstag wird sich mit der Reichsbahngesellschaft im Plenum eingehend beschäftigen müssen. So wie die Dinge heute liegen, können sie nicht weiter gehen. Das Problem Reichsbahngesellschaft wird uns überhaupt noch

manche Nuß zu knacken aufgeben. Bei seiner Behandlung soll aber nicht vergessen werden, daß die Eisenbahner nicht 'da^ ausersohen sein ta

. zu

innen, etwa ihrerseits besonders schwere

Lasten aus den Reparationsleistungen zu träger der Gedanke auftauchte, die Entente wolle da

m.

s Ruhrgebiet

als Reparationsprovinz behandeln, wurde er mit aller Schärfe zurückgewiesen. Aehnliche Gesichtspunkte werden auch bei der Beurteilung der Lage der deutschen Eisenbahner Platz greifen müssen. , . .. _____

Bon der Banmung der Buhr.

£ Paris, 15. Juli. Trotzdem nach der englischen Auf­fassung zur Räumung der Städte Düsseldorf, Duis­burg und R u h r ö r t keine besondere Entscheidung der Alliierten notwendig sei, bemüht sich die Presse immer wieder darauf hinzuweisen, daß die Frage der Räumung der drei Städte eine besondere Angelegenheit darstelle, die noch be­sonders geprüft werden müsse. Die aus dem Ruhrgebiet abziehenden Truppen werden teils im Rheinland garnisoniert, teils kommen sie nach Frankreich, teils nach Marokko.

Abtransport der Marokkodivision aus der Pfalz.

Parks, 15. Juli. Die marokkanische Division in der Pfalz, die in der Umgegend von Landau einquartiert ist, wird nach Marokko abtränsportiert. Die letzten Mannschaften haben am Mittwoch die Pfalz verlassen.

Vorläufig kein Abrücken französischer Truppen aus Bochum.

Dürr, 15. Juli. Die in der Presse verbreitete Meldung von der Räumung der Stadt Bochum trifft nichtzu. Das als abgerückt gemeldete und als Stammtruppe der Besetzung der Stadt Bochum bezeichnete 51. Infanterie-Regiment hat nie zur Garnison Bochum gehört. 9lm Sonnabend nachmitta t

M

durch Bochum stattgefunden, die aus kehrten. Das hier stationierte französische Reserve-Infanterie- Regiment 51 liegt noch voll hier. Der Abmarsch eines Regi- mimts ist für die Nacht vom 19. bis 20. Juli vorgesehen. Am 14. Juli, dem Nationalfest der Franzosen, findet hier eine Truppenparade der ganzen Garnisonen statt, der sich eine Abschiedsfeier anschließt. Zum Schutze der französischen Ueber- gabekommission, die noch einige Zeit zur Regelung der Be- satzungsschäden hier verbleibt, bleibt französische Kriminal- polizei zurück.

Starke Differenzen in der Zollfrage.

-£ Berlin, 15. Juli. Wie wir aus parlamentarischen

Kreisen hören, ist die Behandlung der Zollfrage insofern in ein kritisches Stadium getreten, als nunmehr auch die Gruppe Stegerwald im Zentrum sich gegen Mindestzölle ausge­sprochen hat. Die D e u t s ch n a t i o n a l e u werden aber kaum auf M i n d e st z ö l! e verzichten. Es ist nun das Ergebnis der Agrarenquete abzu warten, die sich voraus­sichtlich für Zölle entscheiden wird, nicht aber für Mindest- zölls. Die Landwirtschaft ist jedoch der Ansicht, daß ihr ohne diese nicht gedient ist, und daß gleitend.' Zölle keinen vollwer- tigen Ersatz bedeuten. Das Ergebnis der Agrarenquete wird demnächst im Handelsvertragsausschutz des Reichstages ver- öffentlich werden, der sich noch mit Einzelfragen der Zollvor­lage befaßt. Der R e i ch s! a n z l e r , der aus Dresden nach Berlin zurückgekehrt ist, ist weiterhin bemüht, die Ge- gensätze zu Überdrücken, zumal die parlamenta­rische Lage wegen der Differenzen in der Zollfrage als kritisch angesehen werden muß.

Der ReichskanZler über DmiWands Gislimsg im mkrna^Mkti Handel.

Dr. Luther in Dresden.

- Dresden, 15. Juli. Nach bet Besichtigung der Jahres- schau Deutscher Arbeit folgte Reichskanzler Dr. Luther einer Einladung der sächsischen Staatsregierung und der Landeshauptstadt Dresden zu einem Empfang in die Fest- räume des neuen Rathauses. Auf eine Begrüßungsansprache, in der Oberbürgermeister Dr. Blueher auch auf die beiden Fragen des Finanzausgleichs und der Handelsverträge ein- ging, erwiderte der Reichskanzler u. a.: Reich, Länder und Gemeinden sind doch schließlich nur verschiedene 'Ausdrucks­formen des einen Wollens, dem deutschen Volke zu dienen. Hinsichtlich der 5>andelsvertragsverhandlungen kann man wohl sagen, daß das Land Sachsen bis zu einem gewissen Grade ein Spiegelbild der Verhältnisse im ganzen deutschen Reich ist. Wir wissen genau, daß wir im Deutschen Reiche alles, was in unserer Macht steht, tun müssen, um den inneren Markt zu stärken. Wir wissen, daß wir ohne dieses Mittel auf dein Wege der Entwicklung bei der jetzigen Gestaltung der Geldwirtschaft einen Ausweg überhaupt nicht finden. Aber

wir wissen ebenso gut, daß das nur das eine der zu ergrei­fenden Mittel ist, und daß es ganz unmöglich ist, ohne Aus­fuhrmöglichkeiten auf umfassender Grundlage wieder zur Weltwirtschaft zu kommen. Aller guter Wille ist belanglos, wenn wir nicht die Möglichkeit finden, im freien internatio­nalen Handelsverkehr unsere 'natürlichen Kräfte wieder zu

fin

betätigen. Sie können davon über,zeugt sein, daß die deutsche Regierung fest davon durchdrungen ist, daß wir einen Weg

'[ffen, um auf der Grundlage der Hsndrlsvertrags- verhandlungen uns die Bahn wieder zu öffnen, nachdem der unmögliche Zustand der einseitigen Meistbegünstigung endlich aufgehört hat. Eine Frage hängt mit den allgemeinen

großen außenpolitischen Problemen zusammen, und es wäre, glaube ich, eine ganz falsche Stellungnahme für den Reichs­kanzler, jetzt etwa prophetisch sagen zu wollen, so oder so werden sich die Dinge entwickeln.

Der Reichskanzler verließ um 7 Uhr das Rathaus und begab sich auf Einladung der Sächsischen Luftverkehrs-A.-G. nach beut Flugplatz, um von dort aus mit den Herren seiner Begleitung um 7.15 Uhr im Flugzeug nach Berlin zurück- zukehren.

Nochmalige kurze Verlängerung der Fristen der Dritten Steuernotverordnung.

Berlin, 15. Juli. Da sich im Reichstag herausgestellt hat, daß es kaum möglich sein wird, die Aufwertungsgesetze zu dem vorgesehenen Termin am 15. Juli endgültig zu verab­schieden, soll ein Notgesetz eingebracht werden, das eine noch­malige Verlängerung der Fristen der dritten Steuernotver­ordnung um einen oder einige Tage bringt. Das Gesetz soll in allen drei Lesungen ohne Aussprache angenommen werden. Auch die Oppositionsparteien haben sich damit einverstanden erklärt.

Die schwedisch-deutsche Freundschaft.

Der AbschiedF> er schwedischen Flott«.

ch Nedensburg, 15. Juli. Der schwedische Flotttllenchef, Korvelteiikapitäir Ä r n s b e r a e r, hat mit einem Teil seiner

eines Fruysiuas ywtlte Der schwedisch« in deutscher Sprache für den Willkommensgruß. Wir hegen als schwedisches Volk Freundschaft zum deutschen Volk, weil wir demselben germanischen Stamme entwachsen sind. Das wird so bleiben.' Ich bin weit und viel gereist, aber jedesmal, wenn ich Deuffchlands Grenze überschritt, habe ich mich hier wie in meiner eigenen Heimat gefühlt. Ich habe Ihr Land und Ihr Volk immer hoch geschätzt. Ich hoffe unb glaube, daß die meisten Schweden auf Deutschlands zukünftige Ent- Wicklung hoffen und bin zusammen mit einem großen Teil meiner Landsleute von der beugen Kraft und Arbeils­energie überzeugt. Ich trinle mit meinen Offizieren mein Glas auf das deutsche Volk und seinen Reichspräsidenten von Hindenburg." Die Schweden brachten darauf ein Hurra aus. Zum Schluß wünschte Bürgermeister Timm den Gästen Wohlfahrt. Hierauf erwiderte der schwedische Flotttllenck>ef mit einemAuf Wiedersehen!". Die schwedische Flottille fichr aus der Eckernförder Bucht mit bem Ziele Malmö ab.

Sicherheitskonferenz im Oktober?

$ London, 14. Juli. In Londoner politischen Kreisen erwartet man von der deutschen Antwort auf die französische Sicherheitsnote, daß sie den Weg zu einer internationalen Sicherheitskonferenz im Oktober ebnen werde.

Wiederherstellung der englifch-ruffifchen Beziehungen?

Rakowski bei Eamberlain.

£ London, 15. Juli. Der Sowjetbotschafter in London Rakowski hatte mit Chamberlain eine Unterredung über die russisch-entzlischert Beziehungen. Davon ausgehend, daß Ruß­land für 15 Millionen Pfund Sterling Waren in England saufen wolle, ist Rakowski für Wiederherstellung der russisch- englischen Beziehungen, wie sie zu McDonalds Regierungs- zeit bestanden, eingetreten. Rakowski soll auch positive Vor­schläge gemacht haben, die Chamberlain sorgfältig zu prüfen versprach.

Die Berichte der englischen Blätter über die Unterredung des russischen Geschäststtägers Rakowski mit Chamberlain im Auswärttg-en Amt lauten wiederspruchsvoll. Der diplo­matische Korrespondent desDaily Telegraph" be­richtet, der Slußenminifter habe Rakowski nachdrücklich auf den Ernst der englischen Auffassung über die Sowjetpropa- ganda in Asien und China hingewiesen.D a i l y Expreß" betont, Chan'.berlain sei bemüht gewesen, jeden Weg zu er- proben, der zu einem besseren Verhältnis zwischen England und Rußland führen könne.

Keine englisch-französische Verständigung gegen Rußland.

£ London, 15. Juli. In offiziellen Kreisen wird das Gerücht, die britische Regierung habe den Franzosen den Vorschlag gemacht an einer gemeinsamen Mtion gegen Saw- jettußland teilzunehmeic, bementfert. Außerdem wird daraus hingewiesen, daß die französische Regierung der Sowjetregce- rung mitgeteilt habe, daß zwisclien England und Frankreich kein gerne ins am c s Abko mincn übei einen A n- griff auf Rußland bestehe. _____