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Hersftlöer Tageblatt Reisfelder Kreisblatt' Amtlicher Anzeiger für den Kreis Reisfeld

Nr. 164 Donnerstag, den 16. Juli 1025

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Das Wichtigste.

Das Reichskabinett trat am Mittwoch vor­mittag zu einer Beratung über die Sicherheits- note Briands zusammen.

In den Verhandlungen des Handelspoli- t i s ch e n A u s s ch u s s e s des Reichstags, wird zurzeit der deutsch-englische Handelsvertrag behandelt, dessen Abschluß große Schwierigkeiten im Wege stehen.

Botschafter von Maltzan, äußerte sich in Chicago über den Dawesplan.

Englands Frontstellung gegen Sowjetrußland.

Von Wilfried Diehard.

Aufmerksame Zeitungsleser wollen schon seit etwa einem halben Jahr wissen, daß es zwischen England und Sowjetrußland nicht ganz stimmt und daß England auf eine Auseinandersetzung drängt. Es ist eine Lebensnotwendig­keit für England, seine Hoheitsgebiete von den alles zevmür- benden bolschewistischen Agenten freizuhalten, genau so gut wie wir Deutschen alle Veranlassung haben, ein scharfes Auge auf das moskowitsche Treiben zu haben.

Wo heute in der Welt Unruhen sind, steckt die sowjet- rufsische Propaganda dahinter. Überall in Übersee, in In­dien, China selbst in Marokko, in der Türkei usw. stößt Eng­land auf bolschewistische Umtriebe. In China, wo augen­blicklich England Stellung am schwersten gefährdet ist, sind die Bokschewisten in aller Öffentlichkeit in Aktion getreten und schüren den Aufstand -und den Haß gegen die Engländer.

Wie konnte das seebeherrschende Albion in solche Situa­tion kommen? Schon manchmal wird es die Stunde ver-, flucht haben, in der es die größte Dummheit feiner Geschichte beging und gegen seinen natürlichen Verbündeten, Deutsch- land, in den Krieg zog. Schnöder Konkurrenzneid gegen

DemtsckMUd hat es in seine heutige verzweifelte Lage ge­bracht, denn nicht nur, daß es in seinen direkten Kolonien kriselt, sondern auch in den selbständigen Dominions macht sich eine immer stärker werdende Abneigung gegen das, englische Mutterland bemerkbar.

Die Regierungsart eines Lloyd George, MacDonald, haben den Zersetzungsprozeß beschleunigt und das sonst so stolze England in französische Abhängigkeit gebracht. Lloyd George hat so ungeheure Kompromisse mit Frankreich ab­geschlossen, daß die englische Politik nod) auf lange Zeit ge­gen Deutschland gerichtet bleiben muß. Wenn es auch des öfteren so scheinen wollte, als ob es offen gegen Frankreich zugunsten Deutschlands Stellung nahm. Im entscheiden­den Augenblick ist es doch umgefallen.

Im vorigen Jahr, als die bolschewistische Agitation auch in England ernstlicher eindringen wollte, besann sich das englische Volk und brächte mit den Wahlen einen energischen Kurswechsel. Die konservative Regierung, die seitdem am Ruder ist, hat für England schon manche Position zurücker- obert, besonders innerhalb der Dominions hat sie beruhigend gewirkt. Wo sie aber zufassen wollte, stieß sie auf bolschewi- stische Machenschaften. In seinen, riesigen Weltreich dadurch zu schr mit sich selbst beschäftigt, konnte es sich nicht recht mit Sowjetrußland abgeben. Dazu kam noch, daß seine Ver­bündeten vom Weltkriege her, Frankreich, sich, auch ziemlich offen gegen England stellte und überall, im Orient, Ägypten, usw. die englischen Schwierigkeiten durch seine Haltung ver­größerte.

Schon 1923 schlössen sich im Fernen Osten Rußland und Japan zu einer antiangelsächsischenFront zusammen, zu,der im vergangenen Jahr noch Frankreich trat. So waren Eng­land für eine aktive Politik Sowjetrußland gegenüber die Hände ziemlich gebunden. Der Engländer ist aber von Natur aus zähe. Mit seiner ganzen Energie sucht er seine Macht- stellung zu erhalten. So nutzt er jede Gelegenheit aus, seine Interessen zu vertreten. ,

Eine der wichtigsten Stützen der englischen Weltinacht ist der englische Nachrichten- und Propagandadienst. Wir Deutschen haben ihn im und nach dem Kriege zur Genüge am eigenen Leibe zu spüren bekommen. Schon seit etwa einem Jahr lenkt dieser Nachrichtendienst in immer kürzerer ' Abständen und in immer schärfer werdender Tendenz die Aufmerksamkeit der Welt auf Sowjetrußland und das Trei-

den seiner Machthaber.

Jetzt scheint England Morgenluft zu wittern. Sein Hauptgegner auf dem Kontinent, Frankreich, ist durch seine wirtschaftliche Notlage und seinen Marokkokrieg für den Au­genblick gebumben, der Brite müßte aber nicht er selbst sein, sich diese Gelegenheit entgehen ließe, aus der für waren Umklammerung durch Frankreich und Sow­

wenn er ihn furcht

jetrußland herauszukommen.

Das aktive Eingreifen Sowjetrußlands in die chiue- sischen Wirren bilden nun den Grund zu aktiven Entschlüssen. Von der Insel herüber tommen Mitteilungen, daß das eng­lische Kabinett beschlossen habe, gegebenenfalls die diploma­tische» Beziehungen zu Sowjetrußland abzubrechen, wenn nicht sofort die Tätigkeit der bolschewistischen Agenten ein­gestellt würde. Dschitschevin scheint auch b« Torheit der sowjetrussischen Herausforderungen oinzusehen, jedoch Sinow- jew, der die größere Riacht besitzt, nutzt diese aus, um die

diplomatischen Beziehungen zu England zu zerstören und zum Konflikt zu treiben.

Deutschland kann jetzt in eine gefährliche Situation kommen. Für uns ist durch die geschaffene Lage zwischen diesen beiden Ländern der Eintritt in den Völkerbund voll­kommen undiskutabel, wollen wir nicht erleben, daß Deutsch­land Aufmarsch.- und Etappengebiet für den Krieg gegen Rußland werden soll.

Kabineiisrai über -Le Briand-Noie.

$ Berlin, 15. Juli. Das Reichskabinett ist am Mittwoch vormittag um 11 Uhr zu einer Beratung zusammengetreten, deren Gegenstand die bekannte Briandsche Note vom 16. Juni über die Frage eines Sicherheitspaktes ist, die auf das deutsche Mmorandum vom 9. Februar als Antwort eingegangen war.

Seit einiger Zeit werden von verschiedenen Seiten Ge­rüchte in die Welt gesetzt, die von schweren Mißhelligkeiten im Reichskabinett wissen wollen. An dieser ganzen Ge­schichte ist nicht ein wahres Wort. Die Minister- besprechung im Reichstage hat sich mit der einen Ausnahme, daß eine der schwebenden Handelsvertragsverhandlungen erörtert wurde, lediglich um innerpolitische, hauptsächlich soziale Fragen gedreht. Sie ist in voller Einmütigkeit ver­laufen, irgendwelche Zusammenstöße haben nicht stattge- funden.

Dabei sei gleichzeitig festgestellt, daß auch die Versuche, die angeblich von 'den Deutsch nationalen unternom­men werden sollen, den Reichsaußenminister Dr. Strese - mann z u st ürzen, nur Phantasiegebilde sind.

Die Zollfragen vor dem Reichsernährungsministerium.

£ Berlin, 15. Juli. Am Mittwoch fand im Reichs- ernährungsministerium im Beisein des Reichskanzlers eine Besprechung über Zollfragen statt. MW M^ antereffe oer

Landwirtschaft. Landwirtschaftliche Sachverständige waren zugezogen. Vertreten waren die Parteien von den Völ­kischen bis zum Zentrum. Schwierigketten scheinen nur noch beim Zentrum zu bestehen. Doch ist zu hoffen, daß nunmehr baldigst ein Kompromiß erzielt wird.

Aufwertung der Sparguthaben knit 12 Prozent.

$ Berlin, 15, Juli. Im Reichstag wurde der sozial- demokratische Antrag, die Sparkassenguthaben statt auf 12 Prozent auf 20 Prozent aufzuwerten, in namentlicher Ab­stimmung mit 243 gegen 178 Stimmen bei fünf Stimmen- enthaltungen abgelegt. Der Rest des Anfwertungsge- setzes wurde in zweiter Lesung in der Kompromißfassung an­genommen.

Botschafter von Maltzan über den Dawesplan.

Der Erfolg hängt von den Alliierten ab.

4- New York, 15. Juli. Während des' Aufenthaltes des Chicago gab derselbe in bezug t Meinung dahin Ausdruck, daß mtfchland vor allen Dingen js und Englands abhinge,

;ete in Anwen-

deutschen Botschafters in < auf den Dawesplan seiner ------ die Erfüllung desselben durch De­von den Maßnahmen Frankreich die die beiden Staaten auf die b, dung brächten. Bis jetzt habe Deutschlands Energie über alle finanziellen Schwierigkeiten gesiegt. Die deutsche Zahlungs- ähiqkett hinge von der Ausnützung der deutschen in- buftrieaeu Hilfsquellen ab, die nicht genügend ausgenutzt werden könnten, solange nicht die fremden Truppen aus den besetzten Gebieten herausgezogen worden seien. Alle Alliierten können mit Deutschland hoffnungsvoll in die Zu­kunft sehen, da die Person des Präsidenten Hindenburg zweifelsohne für eine politische und wirtschaftliche Stabilität

Die Schwierigkeiten eines deutsch- englischen Handelsvertrages.

$. Berlin, 15. Juli. Während man glaubt, daß über einen deutsch-amerikanischen Handelsvertrag im Handels- ausschuß des Reichstages bald eine Einigung erzielt wer- den wird, liegen im Hinblick auf England die Dinge wesent­lich ungünstiger. England hat bekanntlich in erheblichen, Ausmaße und steigend den Schutzzoll ausgebaut, so daß es jetzt für Erzeugnisse deutscher Herkunft Zollsätze unter dem TitelIndustrieschutz-Gesetzgebuirg" in Hol)e von einem Drittel des Wertes erhebt. Es ist nicht abzusehen, welche Grenze sich England auferlegt, zumal die englische Gesetz­gebung dein Board of Trade außerordentlich weitgehende Vollmachten überlassen hat. Deutschland ist anderer­seits hinsichtlich der Zölle an die H o ch st g r e n z e g e - bunden, die durch die Zollsätze des neuen autonomen Zolltarifs gegeben sind. Hinzu kommt, daß die rcdjtltdx Gleichheit hinsichtlich der Zulassung von Handelsvertretern noch nicht vorhanden ist, da England die offene Handels­

erlaubnis jeweils nur auf 3 Monate erteilt. Außerdem hat England ein scharfes System der Besteuerung von ausländischen Vertretungen und Nie- derlassungen. Der Wert des Handelsvertrages wird selbstverständlich auch dadurch herabgemindert, daß in ihm weder Irland, noch die Dominions einschließlich Indien, noch die Kronkolonien, noch die britischen Mandatsgebiete, das heißt die deutschen Kolonien, eingeschlossen sind. Gerade in den englischen Dominions macht sich die ständig steigende Tendenz einer unterschiedlichen Behandlung eng­lischer Waren einerseits und ausländischer Waren anderer­seits bemerkbar. Führend in dieser Beziehung sind Kanada, Australien und Neuseeland. In Südafrika ist die Zollgesetz­gebung gleichmäßiger. Die Zollsätze sind im allgemeinen sehr hoch, namentlich in Australien. In Australien wird immer noch den deutschen Kaufleuten die Zulassung verweigert.

Die Nichtratifikation des deutsch-englischen Handelsver­trages wird in England, mit einer gewissen Gelassenheit in­sofern ausgenommen, als man die Schwierigkeiten der deut­schen Regierung versteht. Auch ' derTime s"-Bericht- erstatter in Berlin weist darauf hin, daß trotz der zunächst unverständlichen Haltung der deutschen Regierung, die Ueberlegung zeige, daß Deutschland mit wachsender Passivität der Handelsbilanz alles tun mußte, um sein Absatzgebiet zu erweitern, und daß sein Verlangen des Einbezuges des oeutschen Mandatsgebietes bzw. der ehemaligen Kolonien verständlich wäre.

Scharfer Protest Ba

Kinanzau

der Plenar-' »isterpräMn< in der er sich ^ Reiches in

gegen den

2 München, 15. Juli. Vor sitzunq des bayerischen Landtages Dr. Heldt das Wort zu einer in scharfen Worten gegen das i ©adjen des Finanzausgleichs aMsprach.' gebahrung des Reiches sei dazu angetan, das Eigen!'

ander

a«z- ; der

-Etar

solche Entwicklung gutheißem Die Erklärung des Minsster- Präsidenten wurde mit großem Beifall ausgenommen. Dar­auf verlas der Fraktionsvorsitzende der Bayerischen Volks- partei, Abgeordneter Dr. Wohgemuth eine Ent­schließung, die die Regierung dringend ersucht, die notwen- bigen Dritte zur Verhinderung eines solchen Finanzaus­gleiches zu unternehmen. Die Entschließung wurde mit allen Stimmen gegen die der Kommunisten angenommen.

Die Räumung -es Ruhrgebieis.

^ Münster, 15. Juli. Nach einer der Stadtverwaltung

Herne zugegangenen Mitteilung wird Herne am 16. 3 u I i geräumt. Von Hattingen wird gemeldet, daß eine Kompagnie der Besatzung abgerückt ist. Die Ange- hörigen der Besatzungstruppen haben Hattingen verlassen. Sämtliche Wohnungen sind der Stadtverwaltung zurückg«. geben worden. Die vollständige Räumung ist gegen End« der Woche zu erwarten. Die Truppen kommen nach Ludwigshafen. Die Ortskommandantur Sterkrad« hat für Österfeld die Bekanntmachung erlassen, daß Anträge auf Schadenersatz innerhalb acht Tagen nach Abrücke« der Besatzung beim Generalkommando anzumelden seien.

Dir Folgen der Ruhrräumung.

$ Trier, 15. Juli. Nach einer Mitteilung der Woh- nungsbehörde von Trier, müssen eine ganze Anzahl in Kasernen untergebrachter deutscher Familien ihre Wohnungen voraussichtlich im August räumen, weil durch die Ruhr- räumnng eine Verstärkung der Trierer fron« zösischen Garnisonen in Aussicht steht. Vertreter der Stadt begaben sich darauf nach Berlin und machten die Reichsregierung auf die dadurch entstehenden Schwierigkeiten aufmerksam. . Die Reichsregierung erklärte sich bereit, 800 000 Mark zum Bau von Baracken für die be- treffenden Familien sofort zur Verfügung zu stellen.

Das deutsche Danzig.

Die deutschen Zeitungsverleger in Danzig.

$ Danzig, 15. Juli. Im Artushof erfolgte der offizielle Empfang der' Deutschen Zeitungsverleger durch den Senat der Freien Stadt Danzig. Zu dem Empfang waren erschie­nen außer den Vertretern des Senats die Präsidenten des Danziger Volkstages, die führenden Männer der Danz iger Wirtschaft und des Danziger Handels, der deutsche General- konsul in Danzig, der Rektor der Danziger Technischen Hockp Se, die Danziger Zeitungsverleger, sowie weitere beden-

e Danziger Persönlichkeiten und die Vertreter der Dan- ziger Presse.

An Stelle des verreisten Sonatspräsibenten begrüßte der Vizepräsident des Senates, Dr. Zeh m, die Gäste aus dem Reichs. In seiner Ansprache wies derselbe darauf hin, daß