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Reisfelder Tageblatt Hersfelöer Kreisblatt' Amtlicher Anzeiger für den kreis Hersfeld

Nr. 175 Mittwoch, den 29. Juli 1925

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Das Wichtigste.

England hat seine Stellungnahme zur deutschen Sicherheitsnote nicht durch seinen Bot­schafter in Paris, sondern durch einen Botschafts- r^at überreichen lassen. Wie verlautet, bestehen er n st e ischen England und Frank-

Differenzen zw

reich in der Sicherheitsfrage.

Vermutlich wird sich der Reichstag am 1. Augu st vertagen, da es nicht möglich ist, ein be­schlußfähiges Haus zusammenzuhalten. Auch die Zoll­vorlage würde damit bis zum September ver­schoben werden.

Ab d e l K r i m scheint seine Truppen, die er von der französischen Front weggezogen hat, an der spanischen Front gu einer Offensive gegen die Spanier zusammen- zuziehen.

Deutschland von der wahren Sicherheitsfrage abwiche und auf fernere Dinge schon Hinziele, bei denen der Sicherheits­pakt nur eine Zwischenstation bilde. Verständlich mag es ja sein, daß Frankreich die Abrüstungsfrage schwer auf die Ner­ven fällt, denn mit einer Brüstung in Frankreich würde das große, auf einem schwachen Fundament ruhende Gebäude des französischen Imperialismus abzubröckeln beginnen. Des­wegen also ein großer Pressefeldzug in Amerika und Eng-

land, um diese beiden großen Garanten für einen Sicher- heitspakt möglichst zu seinen Gunsten umzustimmen und die Entwaffnungsfrage wieder hinauszuschieben.

Wie sollen w ir uns nun zu dieser Frage stellen? Wohl jeder hat es mit Genugtuung begrüßt, daß Deutschland in der letzten Note die Entwaffnungsfrage, die Luftfahrtnote und ähnliche Fesseln, die das deutsche Wiedererstarken und

Wiederaufbau hemmen, erwähnt hat. Für

Englisch-französischer Kuhhandel.

$ Paris, 28. Juli.Ere Nouvelle" macht in einer Besprechung der Wiederannäherung Frankreichs und Eng- lands die Feststellung, daß England für ein Entgegenkommen in der europäischen Politik die Unterstützung Frankreichs in Asien fordere. Die Zugeständnisse Englands am Rhein und sogar an der Weichsel sollten durch eine Solidarität der fran­zösischen Politik mit England in China erkauft werden. Ere Nouvelle" glaubt zu wissen, daß dementsprechende In­struktionen an den französischen Gesandten in London er­gangen sind, und warnt Briand vor allzu weitgehenden Ver­pflichtungen. Das Blatt macht auf die bedenklichen Folgen aufmerksam, die ein allzu schroffes Vorgehen Frankreichs in China nach sich ziehen würde.

Sicherheitsnote und Entwaffnungsfrage.

Die deutsche Note zum Sicherheitspakt hat bei den Alli- ierten zweifellos großen Eindruck gemacht. Es läßt sich nicht leugnen, daß der Inhalt der Note geschickt abgefaßt war und daß er denen, für die er geschrieben ist, eine harte Nuß ist, die sie zu knacken "bisher noch nicht verstanden. Man hatte in Frankreich und England etwas anderes aus dieser deut-

den deutschen Wiederaufbau hemmen, erwähnt hat. Für uns ist ein Sicherheitspakt jetzt und in Zukunft unannehmbar, solange die anderen an der Sicherheitsfrage interessierten Mächte nicht mit den würdelosen Forderungen nachlassen und in Deutschland nur den Sklaven und Unterworfenen, und nicht den Großstaat in Mitteleuropa erblicken. Wir dürfen von unserer Forderung nicht abgehen, die da heißt: Erst Ent­waffnung, dann Sicherheit. Deshalb heißt es, dem franzö­sischen Pressefeldzug gegen die Entwaffnung zu begegnen und ihn bewußt, so heftig er auch werden mag, abschlagen; denn . damit könnte denen, die ein wahres Interesse an der Sicher-

Der Reichspräsident reist nach München.

$ Berlin, 28. Juli. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, wird sich der Reichspräsident vonHindenburg am Abend des 11. August nach München begeben, wo am 12. ein öffentlicher Empfang stattfinden wird. Die Ein­zelheiten des Programms sind jedoch noch nicht festgelegt.

schen Antwort erwartet. Man glaubte, sie könne entweder ein Eingehen auf die Briandsche Note bedeuten und das Hieße, den Anfang zu persönlichen Verhandlungen geben, oder sie würde ablehnend sein und das wäre gleichbedeutend damit, daß Deutschland die Schuld für Sicherheitsverhandlungen tragen würde. ._____ _ ............

wären den Alliierten zweifellos lieber gewesen als die, in der sie sich jetzt befinden. Hätte die Note gleich zu persönlichen

itr einen Abbruch der

Beide Situationen

Auseinandersetzungen Anlaß gegeben, so hätte Frankreich sein

hätte man die Situation geschickt t zu erklären, daß Deutschland der Schuldige sei, der die ganze Frage einer Sicherheit Eu­ropas mutwillig zerschlagen hätte.

Nun aber klügeln die Diplomaten in London und Paris daran, wie sie der deutschen Note begegnen sollen. In E n g- ist der sympathische Eindruck, den die Note erweckt hat, zweifellos nachhaltig. Alan kann die Gründe unb Bedenken Deutschlands verstehen und versucht, sie zu würdigen. Ohne Frage bringt man dem Interesse Deutschlands an einem Sicherheitspakt und den damit für DeMschland verbundenen Fragen das möglichst größte Verständnis entgegen. In Lon­don kann man es verstehen, daß Deutschland, wenn es die Frage der Sicherheit behandelt, die Frage der Entwaffnung und der wirtschaftlichen Knebelung nicht umgehen kann. In London hat man auch ein Gefühl dafür, daß solche Bedin­gungen, wie sie Frankreich in seiner Luftfahrtnote nieder­gelegt hat, unwürdig sind und nicht geeignet, die Frage der gegenseitigen Verständigung und Bölkerversöhnung vorwärts zu bringen. Bei alle dem soll man sich aber auch nicht einem allzu großen, ungerechtfertigten Optimismus hingeben, daß jetzt von London die Ehrenrettung Deutschlands zu erwarten sei. Mögen Londoner diplomatische Kreise auch hier und da in Reden und Presseäußerungen Gemeinsamkeit der Gedan­kengänge mit deutschen Diplomaten erkennen lassen, so bleibt doch der Engländer immerhin in erster Linie der Verbündet« Frankreichs, der doch mehr Interesse daran hat, die Freund­schaft mit Frankreich möglichst aufrecht zu erhalten und es nicht mit einem Freunde zu verderben^ der ihm schon längst über den Kopf gewachsen ist und der, wenn nicht alles nach seinem Kopf geht, recht unangenehm werden kann. Darum vorsichtig mit übergroßem Optimismus gegenüber England.

InParis schälen sich aus dem Gewirr von Nachrichten halb offiziellen und offiziösen Charakters von Tag zu Tag die alten, schon so oft formulierten Absichten Frankreichs "her­aus. Die französischen Diplomaten stehen der deutschen Note und den präzisen Forderungen in ihr recht ratlos gegen­über. Wollten sie auf die deutschen Forderungen eingehen, so müßten sie entweder Zugeständnisse machen oder offen be­kennen, daß sie an einem Sicherheitspakt derart, wie ihn Deutschland sich denkt, durchaus kein Interesse haben. Des­halb spielt man die ganze Sicherheitsfrage geschickt auf ein anderes Gebiet über. Man spricht weniger von einer Sicher­heit Europas oder Deutschlands als von einer Sicherheit Frankreichs und beginnt das alte Manöver, daß Frank­reich an seiner Ostgrenze durch ein revanchedurstiges Deutsch- land bedroht sei. Unangenehm wird Frankreich auch big Sicherheitsfrage insofern, als Deutschland in seiner Note dt« ": sie Frankreich sich erdacht hatt«, ird) kommt eine Beunruhigung jenen Großstaaten, die Frankreich in ilten muß, um den Kreis um Deutsch-

nen. In dem zweiten Fall h ausgenützt, um vor der Welt

land

InParis

ein

Sicherheitsfrage insofern ISchiedgerichtsvertrüge, wie unbedingt ablehirt. Dadu unter die neugeschaffe: seiner Abhängigkeit ha..,.......... ,

land stets geschlossen zu haben. Mit dieser Bedrohung durch Deutschland geht Frankreich bei England und Amerika hau- efieren. Damit, daß Deutschland die Llbrüstungsfrage mit der Sicherheitsfrage in seiner letzten Note verknüpft, treibt . Frankreich ireuevdiirgs umfangreiche Propaganda und gibt seiner Entrüstung ht flammenden Worten Ausdruck, daß

Heit in Europa haben, nur bewiesen werden, daß Deutsch­land es ernst nimmt. Wahre Sicherheit aber ist nur möglich, wenn man den einen der Staaten nicht entwürdigt und be­wußt erniedrigt, und wenn die anderen nicht in einem Wett­rüsten sich zu überbieten suchen. Ein Sicherheitspakt auf der Basis der Verhältnisse von heute geschloffen, gewährleistet nicht Sicherheit, sondern birgt den Keim neuer Kriege und ernster Konflikte in sich. Wir Deutsche müssen dafür kämpfen, daß sich unser Standpunkt, wie er in der deutschen Note nieder­gelegt ist, früher oder später durchsetzt. Es ist der einzige Weg der zur Befriedung Europas führen kann. Deshalb wäre es wünschenswert, daß unsere Reichsregieru:rg trotz des wieder einsetzenden Intrigenspiels Frankreichs, trotz des

an ihrem Standpunkt festhätt, und sich nicht durch das laute Geschrei von der Gegenseite zu neuen Konzessionen verleiten läßt. Dr. M.

Englands Stellungnahme zur deutschen Note.

Verstimmung des englischen Botschafters in Paris? Englisch-fr anzösische Meinungs­verschiedenheiten.

£ Paris, 28. Juli. Der englische Botschaftsrat P h i p p s hat am Montag nachmittag dem politischen Direktor des Quai d'Orsay, Berthelot, einen Besuch abgestatiet und ihm mündliche Erklärungen über die Stellungnahme der englischen Regierung zur deutschen Note abgegeben. Aus gewissen Andeutungen ist zu entnehmen, daß die eng­lische Regierung in einigen wesentlichen Punkten mit der französischen Regierung nicht einer Meinung ist. In politischen Kreisen ist die Nachricht, daß der englische Botschafter, Lord Erewe, nicht selbst mit Briand die Stellungnahme der englischen Regierung erörtert hat, mit Befremde» ausgenommen worden.

Ueber den englischen Standpunkt zur deutschen Note, der Berthelot mündlich übermittelt wurde, glaubtIour - n a l" mitteilen zu können, daß die englische Regierung vor­läufig auf eine Konferenz verzichten wolle. Sie pflichte der ...... ffassung bei, daß die Unterzeichnung des ohne jeden Einfluß auf die Rheinlandbe- setzung bleiben müsse. Uebereinstimmung bestehe weiter über das Prinzip des deutschen Eintritts in den Völkerbund und über die französische Ansicht, daß die Schiedssprüche obligato- rifcb sein müßten und keinen juristischen Charakter haben "" ' glische Regierung besonderes Gewicht

ege, daß dieses Prinzip auf die Aus-

französischen Au

Garanticpaktes ol

dürften, wobei die englische Regierung besonderes Gewicht auf die Feststellung lege, daß dieses Prinzip auf die Aus- legung strittiger Punkte des Versailler Vertrages voll zur Anwendung komme. Zu tiefergreifenden Meinungsverschie­denheiten gebe dagegen die Frage Anlaß, ob Sanktionen . automatisch ergriffen werden dürften oder ob zunächst eine I unparteiische Entscheidung erforderlich sei. Die Klärung dieser l Frage sei von besonderer Bedeutung, da es sich in erster Linie um die Feststellung der Maßnahmen handele, die auf Grund eines Verstoßes gegen die entmilitarisiere Rheinlandzone bestimmt würden. Ein Gegensatz bestehe ferner in der Frage der Garantierung der Schredsverträge durch Frankreich. Bon den anderen Blättern gibt auch derPetit P a r i s i e n" zu, daß die französische Forderung nach Garantierung der Schiedsgerichtsverträge im Osten zurzeit den größten Stein des Anstoßes zwischen Frankreich und England bilde.

zu, daß die

Der Londoner französische Botschafter d e F l e u r i a u hat, nach demPetit Parisien", neue I n st r u k t i o n e n erhalten, die sich auf die französische Auslegung gewisser Fragen des internationalen Rechtes beziehen.

Vor der Beriagung des Reichstages?

£ Berlin, 28. Juli. Der Aeltestenrat des Reichstages tritt am Dienstag erneut zu einer Sitzung zusammen, um die Geschäftslage des Reichstages zu beraten. Wie wir aus parlamentarischen Kreisen hören, wird wahrscheinlich be­schlossen werden, die Reichstagsverhandlungen am Sonn­abend, den ersten August abzubrechen und die Sommer­pause eintreten zu lassen, da es außerordentliche Schwierig­keiten bietet, das Haus beschlußfähig zusammenzuhalten. Es sollen noch die Steuergesetze in zweiter und dritter Lesung so- wie die dritte Lesung des Etats erledigt werden, gegebenen­falls auch noch die Amnestievorlage. Eine Erledigung der Zollvorlage im Plenum hält man in dieser Tagung für aus- geschlossen. Voraussichtlich wird der handelspolitische Aus­schuß bis Ende der Woche seine Arbeiten in erster und zweiter fojw^ ft^»^^», so ^M.Lt»..HtUllmrMW iwmi an hn» PE», num gelangen könnte. Die zweite und dritte Lesung im Plenum soll aber erst in einer besonderen Tagung bes Reichs­tages im September erfolgen, die voraussichtlich vom 10. bis 12. September dauern würde.

Die Deutschenverfolgung der Saarregierung.

Oberbürgermeister Dr. Neikes freigesprochen.

^ Saarbrücken, 28. Juli. Der Generalstaatsanwalt hatte gegen das freisprechende Urteil im Prozeß gegen den Saar- brücker Oberbürgermeister Dr. Neikes Berufung eingelegt. Bekanntlich hat die Regierungskommission des Saargebietes gegen den wegen feiner deutschen Haltung mißliebigen Bürgermeister ein Diszipli­narverfahren auf Dienstentlass ung eingelei­tet, wobei ihr u. a. die- scharfen Presseangriffe Dr. Neikes gegen den frankophilen Leiter des saarländischen Schul­wesens, Prof. N o t t o n, einen Vorwand lieferten. Dieses Disziplinarverfahren endete kürzlich nach ötägiger Verhandlung vor den: Verwaltungsausschuß des Saargebietes mit einem glatten Freispruch in allen Anklagepunkten.

Amerikanische Gelehrte in Berlin.

£ Berlin, 28. Juli. Unter Führung des Prof. vr. S h e r- wood Eddy trafen etwa 100 amerikanische Wissenschaftler im Amerika-Institut in Berlin zusammen. Zweck ihrer Reise ist, in Deutschland, England, Frankreich, der Schweiz, Türkei und Griechenland die wirtschaftlichen, politischen und kultu­rellen Verhältnisse zu studieren. Das deutsche Kultusmini­sterium war vertreten durch Ministerialrat von Rotten- burg, auch der frühere Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, von Schnee, war zugegen. Der amerikanische Botschafter Dr. Schur m a n begrüßte seine Landsleute mit der Hoff, nung, daß bald ein neues, großes amerikanisches Botschafts­gebäude die Möglichkeit bieten werde, im eigenen Hause Gäste zu empfangen. Aeußerlich zeigten die deutschen Städte ein Bild sauberen Aussehens, die deutsche Landwirtschaft ent­wickle maßlosen Fleiß, aber, wie überall, mache sich ein drückender Mangel an Kapital geltend; das bedeute eine schwere Störung der deutschen Gesamtwirtschaft. Hier müsse Amerika helfen. Prof. Dr. Sherwood Eddy betonte, daß Amerika stolz sein dürfe, jetzt so viel tüchtige Politiker und Wirtschaftler zu haben. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Vereinigten Staaten bald dem,Internationalen Ge­richtshof und dein Völkerbünde beitreten würden. Die tiefe Sympathie und das reife Verständnis für Deutschland könnte für Amerika nur von Vorteil sein.

DaS Saarabkommen vom Handelspolitischen Ausschuß gebilligt.

$ Berlin, 28. Juli. Zur Besprechung des Zollab- k o m m e n s für das Saargebiet, zu dessen Rati- fizierung die beiden französischen Kammern bereits d:e Er- mächtigung erteilt haben, fand eine gemeinsame Sitzung des Handelspolitischen A u s s ch u s s e s des Reichstags mit einer Adordnuna des Saargebiets statt,