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Hersfel-er Tageblatt

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Nr. 192

Dienstag, den 18. August

1925

Der ßivf im» tor MtMWMÄm

Durchgreifende Umstellung des Produktionsapparates

Seit einigen Wochen ftnb in den Kreisen des indu­striellen Unternehmertums starke Bestrebungen auf eine wirtschaftliche Konzentration der vorhandenen Kräfte im Gange, die bei den Regierungsstellen außerordentlich viel Beachtung gesunden haben. Einflußreiche Führer der rheinisch-westfälischen Industrie haben u. a. die For­derung aufgestellt, eine besondere Körperschaft für die Regelung der wirtschaftlichen Notwendigkeiten zu er« :X: .....' :.i Zukunft das Parlament in allen Lebens-

s , - "e deutsche Wirtschaft betreffen, soweit als möglich auszuschaltem Es ist selbstverständlich, daß solche Fragen, die zunächst nur rein theoretische Bedeu­tung haben, die sorgfältigste Prüfung durch die zustän­diger! Stellen der Regierung erfordern, und daß es sehr kompliziert sein würde, ein deutsches Problem auf dem Wege der Gesetzgebung lösen zu wollen. Der Ruf nach einer Wirtschaftsdiktatur ist »her nach Auffassung der maßgebenden Regierungsstellen angesichts der drohen­den Gefahren des Zusammenbruches großer deutscher Unternehmungen absolut begreiflich, und es wäre da­her völlig verfehlt, die Stimmen aus dem industriellen

richten und in

fragen, die die

her völlig_____I _

Lager überhören zu wollen.

Wie unser Berliner Vertreter von einer dem Reichs­wirtschaftsminister Dr. Neuhaus nahestehenden Seite erfährt, kann die Reichsregierung selbstverständlich nicht daran denken wollen, ihre gesetzgeberischen Befugnisse unter Ausschaltung des Parlaments preisgeben zu wol­len. Ebenso wenig wäre der Gedanke einer Wirtschafts- diktatur zu verwirklichen, wenn man darunter ein Sy­stem sogenannter Zwangsmaßnahmen verstehen wollte, die die Initiative in die Hände außerparlamentarischer Organe legen würde. Für die Regierung kann es sich nur darum handeln, in engstem Einvernehmen mit den Körperschaften der Wirtschaft die erforderlichen Mittel anzuwenden, die nötig sind, der schwer bedrängten . Wirtschaft zu Hilfe zu kommen. Dabei dars selbstver­ständlich die eigene Initiative der Regierung mcht be­einträchtigt werden, denn jeder Eingriff in tue Geietzge-

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Diebe Abänderungen ertragen, denn dadurch würde erwartet daß ihr von Seiten der Wirtschaftsorgane brauckibare Vorschläge unterbreitet werden, und sie denkt dabei u. a an eine durchgreifende Umstellung des ge­samten Produktionsapparates, der auf eine wirtschaft- liche Basis gestellt werden muß.

Die gegenwärtig in den Wirtschaftskretsen Herr- Nervosität darf jedenfalls nicht dazu fuhren, daß mit diktatorischen Eingriffen in die Gesetzgebung ein Instand geschaffen wird, der dw Grenzen zwischen

Zustand geschaffen wird der die G^ privaten und den amtlichen.Kompetenzen.vermumm würde Z B. könnte dadurch von Werten der Arbett- noMnevlNmst die Iorderung ausgestellt werden, daß die Vmeruna durch Zwangsmatzn^ die Stillegungen XXXh-ielienuerb!nden und aus die Unternehmer- ÄSÄ«UI^

iSÄÄsÄäÄÄ

aus die Unteruehlner- lewordene

egierung

$ Die Reichsregierung ist der Ansicht, daß die deutsche

Reihe von Opfern kosten. die un einmal m«. zu ver vwiden sind Darüber hinaus veneyl ammul rec» S ?. 1 ^I deil Möglichkeiten einer wesentlichen Bes-

Exportes zu fördern.

Die Hermannsseier der deutschen Turnerschaft.

Detmold. Zu der großartigen Kundgebung der bOjähri- neu Wiederkehr der Errichtung des HermanndenknnÄs waren zahlreiche Vertreter der Reichs- und der Landerregie­rungen und des Deutschen Sängerbundes erschienen. Ferner waren dreißig Nachkommen Ernst v. Bändels anwesend. Der Tag begann mit einer schlichten Fewr, an der mehrere tau- send Menschen teilinchmen. Pfarrer Toelle hielt eine ein- drucksvolle Rede. Trotz ständig nteberuei einben Degens sammelten sich mittags die Scharen^ der Festteilnehmer mder Stadt zu einem großen Festzuge, in dem Warner und Tur- nerinnen aus allen 18 deutschen Turnkreifen ina rsch lerten. Auch die Turnersiigeud -war mit ihren wehenden Wimpeln zahlreich vertreten. Auf dem weiten Platze vor dem Hermann- denkmaf, umrahmt von alten deutschen Eichen niarschierten die Massen zu der Hauptfeier auf. Zahlreiche Ehrengäste aus allen Teilen Deutschlands. Vertreter der Reichs- und Lau-

desregierungen, der Reichswehr und der Behörden waren anwesend. U. a. bemerkte man den Fürsten Leopold zur Lippe mit feiner Familie sowie den Prinzge­mahl H e i n r ich der N i e d e r l a n d e. Die Feier wurde durch Gesänge eröffnet. Darauf begrüßte Oberbürgermeister Dr. Peters die Erschienen und überreichte im Auftrage der Detmolder Stadtverwaltung der Deutschen Turnerschaft ein Fahnenband. Er erklärte ferner, daß die städtischen Kör­perschaften einstimmig beschlossen hatten, einen Grundstock für eine Stiftung zu Ehren des Erbauers des Denkmals zu errichten und sieErnst von Bandel-Stiftung"

zu benennen. Vorläufig sollen auf 10 Jahre je 1500 Mark Unterstützung bedürftiger Nachkommen Bändels ausge- en werden. Er sprach die Hoffnung aus, daß Reich und

zur V0V Län

die

Dr. Daniel

Stiftung vergrößern mögen. Ministerialrat : s überbrachte die Grüße der Reichsregierung

und gab dem Wunsch Ausdruck, daß das Hermannsdeukinal den Weg zur Sammlung aller Deutschen weife. Die Deutsche Turnerschaft könne die deutsche Einigung mit vollbringen helfen. Darauf hielt bet Vorsitzende der Deutschen Turner- schaft, Professor Dr. Berge, die Festrede. Auch er mahnte zur Einigkeit aller Deutschen. Der Bürgermeister der Ge- burtsstadt Ernst von Bändels, Boehner in Ansbach, schil­derte das Werk des Künstlers und überreichte im Namen feiner Geburtsstadt einen Kranz. Kurz darauf trafen die Staffelläufer aus allen Teilen des Deutschen Reiches ein. Die Grenzgaue hatten ihre Staffeln von den deutschen Lan­desgrenzen ablaufen lassen. eoo waren Söhne von bet Nordsee, von den bayerischen Alpen, aus Oberschlesien, aus Llachen und aus Deutsch-Böhmen im Stafettenlauf hier ein= getroffen. Jede Staffel berichtete kurz über den Weg und die Durchführung ihres Laufes. Jede Stafette wurde mit großem Jubel begrüßt. Ihren Höhepunkt erreichte die Be­geisterung, als ein Vertreter des Gaues Südwestaftika bet Deutschen Turnerschaft hervortrat und die Olafettenurhnibe überreichte. Sie ist von deutschen Turnern durch den Dor­nenbusch bet südwestafrikanischen Steppe gebracht worden Ihr Sprecher überbrachte gleichzeitig das Treue

Kilometer durcheilt, was einer Entfernung von New York nach Peking über Europa entspricht. Die Feier schloß mit gemeinsamem Gesang und einem Hoch auf das Vaterland.

In Ertvartung der französischen Antwortnote.

£ Paris. Aus diplomatischen Kreisen wird berichtet, daß die französische Antwort an Deutschland in diesen Tagen nach Berlin abgehen wird. Die Note soll besonders darauf Hinweisen, daß der Sicherheitspakt nur auf der Grundlage der vollen Aufrechterhaltung aller bestehenden Verträge abge­schlossen werden kann und daß seiner Unterzeichnung die vor­behaltlose Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund nach Er­füllung der Abrüstungsklauselu vorausgehen muß.

Ein Riß in der polnisch-französischen Freundschaft?

messe und die Einweihung des neuenHauses der Technik". Bürgermeister Dr. Gördeler-Köuigsberg, hieß die Gäste will­kommen und betonte, daß die deutsche Ostmesse als ein wich­tiges Element für den Wiederaufbau der östlichen Wirtschaft und der Zusammenarbeit Deutschlands mit seinen östlichen Nachbarn zu betrachten ist. Bei der (Eröffnung der Sonder- ausstellung der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken gab der Konsul K a n t o r - Königsberg namens der russi­schen Botschaft seiner Freude darüber Ausdruck, daß nach langer Pause Rußland wieder an der Deutschen Ostmesse teilnehmen könne. . . . Das sei ein Ausdruck der freund­schaftlichen Beziehungen mit Deutschland und zugleich ein gutes Zeugnis für die Erfolge bei der Umstellung uns der Wiederherftellung der russischen Wirtschaft. Die Wirtschaft Rußlands beginne sich jetzt wieder dem Vorkriegszustand anzunähern. Im vorigen Jahre hätte die Landwirffchaft etwa 72 Prozent der Vorkriegsproduktion erreicht, die In­dustrie insgesamt 74 Prozent. Er hoffe, daß die landwirt­schaftliche Produktton in den nächsten Jahren auf über 90 Prozent, die Industrieproduktion auf 98 Prozent gestei­gert werden könne. Dieser Wiederaufftteg schaffe die Mög­lichkeit für Rußland, ttotz aller Schwierigkeiten als Käufer und Verkäufer ersten Ranges auf dem Weltmarkt zu erschei­nen. Rußland habe im vorigen Jahre einen Gesamtumsatz von eineinhalb Alilliarden Goldnmrk gehabt. Dieser Umsatz werde sich nach seiner Hoffnung im nächsten Jahre verdoppeln. Diese Zahl sei die beste Widerlegung der Märchen, die über das russische staatliche Außenhandelsmonopol ver­breitet würden. Deutschland behalte selbstverständlich seine Bedeutung als einer der größten Msatzmärtte für Rußlands Getreide und als bester Lieferant für Maschinen, elektro- echnische Erzeugnisse, Farben usw. Man könne sicher agen, daß der Bedarf der Sowjetunion an Fertigwaren in >en nächsten Jahren enorm steigen werde. Deutschland müsse den ersten Platz dabei einnehmen, wenn die politischen Ver­hältnisse sich dieser normalen Entwicklung nicht entgegen-

"m würden. Der Redner wies dann auf die Bedeutung be Königsbergs für den Handel mit dem Osten hin und

beiden Re­publiken Deutschland und Rußland sich erfolgreich gestalten möge.

Die BefreiungSfeier in Esien.

$ Essen. Die Stadt stand im Zeichen der Befreiungs- feier. Nach den Festgottesdiensten läuteten von 12 bis 12.10 Uhr sämtliche Glocken der Stadt. Trotz des trüben, regnerischen Wetters hatte sich eine unübersehbare Menschen- menge nach dein Burgplatz begeben. Schon lange vor Be- ginn des eigentlichen Festaktes vollzog sich der Aufmarsch der Vereine mit ihren Fahnen. Die Feier auf dem weiten Burg­platz wurde durch Posaunenchöre mit dem LiedeGroßer Gott, wir loben dich" eingeleitet. Kaum waren die letzten Klänge des von den vereinigten Essener Gesangvereinen vorgctrage- nenNiederländischen Dankgebets" verhallt, als Oberbürger- . . . ~ in der

$ Warschau. Die Meldung von der englisch-französi­schen Einigung hat in der gesamten polnischen Presse einen ~ tfacht Rechts und links wird in gleicher Weise behauptet, daß der enAische Standpunkt gesiegt habe auch in der Frage der Haltung Frankreichs im Falle eines Angriffs auf Polen. Sogar die franzofenfreundiicheGazeta Wrszawska" schreibt wörtlich:Briand hat in der allerwich- Haften Frage, in der Frage der Jnterventton Fraukreichs «ür den Fall, daß Polen von Deutschland angegriffen wird, vollständig kapikuliett. Frankreich wird nicht mehr seine Un- abbängigkeit an der Weichsel verteidigen. Wenn Frankreichs Vorgehen erst vom Völkerbund abhängig gemacht werden soll wo England die entscheidende Rolle spielt, und wo Deutschland mitzureden hat, so ist das weiter nidjts als ein Absprechen des französischen Rechtes zur Intervention. Wer die politischen Vevhälsiiisse kennt, weiß genau, daß im cat- scheidende» Augenblick das Papier keine Bedeutung hat. Vorläufig hat England gesiegt. Das Vorgehen Frankreichs Deutschland gegenüber, wenn letzteres Polen an greifen sollte, ivitb nicht von diesen oder jenen feierlichen Pakten abl)ängen, sondern ob iu dieser Zeit ein starkes oder schwaches Frank­reich wird. Wird Frankreich schwach fein, dann wird ee das Schwert nicht aus der Schei.de ziehen, sondern ruhrg zn sehen, wie Deutschland Polen angreifen wirb. Wird Frank- reich stark sein und mutige Männer haben, dann werden keine Protokolle und Pakte es hindern, gegen Deutschland vorzu- ^^Auch der Ton der übrigen Presse ist ähnlich abgestimmt Es fehlte dabei auch nicht an Angriffen gegen den polnischen Außenminister. So schreib tdas liberalePrzeglad Wieczornp,: Wegen sieben Millionen hat sich Briand mit Chamberlaiu auf Kosten Polens verständigt. Auch die Unterhaltung Skrzynskis mit Briand hat Polen keinen Nutzen gebracht."

Sturm en

Eröffnung der Königsberger Ostmesse.

Königsberg. Am Sonntag erfolgte in Gegenwart von Vertretern der Reichs-, Staats- iyto Kommnnalbehörden, der Industrie und des Handels, der in- und ausländischen Presse und einer großen Zahl geladener Ehrengäste in schlichter Sonn die Eröffnung der elften Königsberger Ost-

Meister Bracht das Wort zu einer Ansprache ergriff, es heißt:Mit einem Dankgebet zu dem allmächtigen Gott haben wir unsere Befreiungsfeier begonnen. Danken wollen wir aber auch all denen, deren Opfer in ten letzten zweiein­halb Jahren diesen Tag geschaffen haben. Wir danken allen, die in den Gefängnissen schmachteten, nur weil sie Reich und Staat die Treue hielten. Wir danken auch den Männern und Frauen, die in, der Stille Entbehrungen und Trübsal auf sich nahmen, um des Vaterlandes willen; Standhaftigkeit und Einigkeit haben uns befreit. Der feste, einmütige Wille des ganzen Volkes zeigt der fremben Militärmacht und der auf­horchenden Welt, daß wir unsere guten Rechte nicht mit Füßen treten lassen, daß das Land an der Ruhr unlösbar verbunden ist mit unserem großen deutschen Vaterland. Dieser zähe Abwchrkampf ermöglichte der Reichsregierung die zielbewußte Polittk, für die wir ihr danken. Wir wollen und dürfen die Einigkeit, die uns in schwerer Zeit stark machte, nicht durch Parteikämpfe immer wieder gefährden. Wtt wollen einig sein in der Liebe zu unserem großen deutsche» Vaterlande,' und aus dieser echten Vaterlandsliebe heraus wollen wir den Andersdenkenden mit Achtung und Verständ­nis begegnen. Dann wirb es auch wieder aufwärts gegen, bann werden wir fortschreiten auf dem Weae der Kultur und

beendeten die Feier. Der Abmarsch der gewalttMr Menschen­menge verlief ebenso wie die Feier ohne jeden Zmnchensaü.

n-

Schwere Verleumdungen gegen Oeulschland.

^ Paris. Poincarö hat ein Kriegerdenkmal in Lerou- ville eingeweiht, wobei er auch auf die militärischen Cr- eignisse in dieser Gegend einging. Er behauptete, die deutsch« Armee habe eingehend die Geographie dieses Gebietes studiert, und bereits lange vor dem Kriege habe es deutsche Generalstabskarten gegeben, die nach den französischen her­gestellt, aber durch gewisse militärische Angabe» vervoll­ständigt gewesen seien. Die Deutschen hatten geglaubt, die Italiener würden ihre Bersaglieri in die Vogesen schicken, und daher hätten sie Karten für italienische Offiziere mit