HersfelSer Tageblatt
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Nr. 199
Mittwoch, den 26. August
1925
Das Wichtigste.
, — Die französische Antwortnote ist überreicht worden, darf aber nicht vor Freitag v er- öffentlicht werden.
— Sie englisch-französischen Schulden- Verhandlungen haben in London große Schwie- rigkeiten zutage gefördert.
— Die Stadt Duisburg ist von den Belgiern vollkommen geräumt.
Gebt uns unsere Kolonien wieder!
Von Dietrich Maydorn.
Die zehnjähri'ge Wiederkehr des Tages, an dem das zwar an Gebietsumfang kleinste, aber blühendste deutsche Schutzgebiet in Afrika, Togo, endgültig in feindliche Hände überging (26. August 1915),, weckt erneut und lebhaft die Erinnerung an unseren alten Kolonialbesitz und läßt zugleich die Forderung nach seiner unverzüglichen Rückgabe wieder aufleben. Vergessen wir doch unter der Last des täg- lichen Lebens nur zu leicht, solche für die Zukunft unseres Volkes unerläßlichen Bedingungen mit dem nötigen Nachdruck immer und immer wieder anzustreben. Gerade in einer solchen Lebensfrage, deren Behandlung über allen Partei- streitigkeiten steht, die das ganze deutsche Volk in gleicher Weise angeht, sollten wir nicht müde werden, mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln uns unser Recht zu verschaffen. Auch im Auslande und selbst in den Feindbuudstaaten bricht sich allmählich die Ueberzeugung Bahn, daß die Behauptungen, die im Versailler Vertrag den Raub unserer Kolonien rechtfertigen sollten, auf sehr schwachen Füßen stehen, ja, daß sie alle mehr oder weniger Lügen und Unwahrheiten sind.
Bon den Vorwänden, unter denen man uns unsere Kolonien raubte, ist einer der wichtigsten der unserer k o - lonisatorischen Unfähigkeit gewesen. Wer die englische Kolonialgeschichte kennt, weiß, mit welcher Brutalität und Rücksichtslosigkeit das auf seine Weislieit und Gerechtigkeit pochende Albion »MeMinter sei ness^HerrschoMMM^W! Völker geknebelt und unterdrückt hat. Ein Volk aber, das Jahrhunderte hindurch die einfachsten Gesetze der Menschlichkeit mit Füßen getreten hat, kann nicht das Recht haben, uns kolonisatorische Fähigkeit abzusprechen. Die Beweise treuer Anhänglichkeit aus den uns entrissenen Gebieten mehren sich täglich, nicht zuletzt wegen des gänzlichen Versagens der Mandatmächte bei der Fortführung der von uns begonnenen Kolonisievung. Erst vor kurzem schrieb dazu ein spanisches Blatt, daß die Annahme sich als irrig erwiesen habe, die deutschen Kolonien wären schlechter verwaltet worden als die anderer Staaten. Noch viel eindringlicher und bedeutungsvoller ist aber eine Stimme, die wirklich als unvoreingenommen bezeichnet werden kann. Eine englische Zeitung in Ostafrika schrieb über das bekannte deutsche Forschungsinstitut in Amani (Deutsch-Ostafrika), daß die Fortführung dieser Anstalt nur Erfolg haben könne, „wenn die Arbeit auf der breiten und festen Grundlage des deutschen Planes begründet wird", und wenn „die deutsche wissenschaftliche Leitung wieder erreicht werden" kann. Dazu gehöre vor allem die Anwendung der „gleichen Gründlichkeit, die die deutsche Forschung charakterisiert". Ist damit nicht unzweideutig gesagt, daß die englische Verwaltung in den sieben Jahren ihrer Mandatsherrschaft die deutschen Leistungen nicht erreicht hat?
Zahlreiche ausländische Forscher, Beamte und Staatsmänner, vor allem aus England und Amerika, haben schon vor dem Kriege die Mustergültigkeit der deutschen Verwaltung anerkannt. Aber alle diese Zeugnisse hat man unter den Tisch fallen lassen und frech und kühn von deutscher Unfähigkeit gesprochen. In England hat man sich sogar nicht gescheut, ein „Blaubuch über deutsche Kolonialgreuel" amtlich auszugeben, dessen Unterlagen aus allem anderen als einwandfreien amtlichen Untersuchungen stammen. Wie die Verhältnisse tatsächlich liegen, hat noch im Sommer 1923 der französische „Intransigeant", dem man nicht den Vorwurf der Deutschfreundlichkeit machen kann, offen ausgesprochen. Er stellte ausdrücklich die völlige Verwahrlosung der ehemals mustergültigen deutschen Kolo. nien fest und forderte gleichzeitig, daß „Frankreich nicht nur die übernommenen Mandatgebiete auf dem hohen Stand ihrer früheren Entwicklung erhalte, sondern danach trachte, daß es seine eigenen Kolonien endlich auf die Kulturhöhe bringt; auf der die deutschen Kolonien schon im Jahre 1913 gestanden haben".
Am unhaltbarsten aber ist die Behauptung unserer Feinde, daß die deutsche Dolkspirtschaft in keiner Weise auf den Besitz eigener Kolonien angewiesen sei. Die Gründe, die für unser Volk den Besitz von kolonialem Gebiet zu einer Lebens Notwendigkeit machen, sind so zahlreich, daß hier nur ganz kurz auf die wichtigsten ein gegangen werden kann. Das deutsche Volk ist durch die politische Entwicklung der Nachkriegszeit auf ein so enges Gebiet zusammengepfercht worden, daß der Ueberschuß der Bevölkerung in sichere Bahnen gelenkt werden muß. Nur in eigenen Kolonien kann er unserem Volkstum erhalten bleiben, bei der Auswanderung in andere Länder geht er rettungslos in diesen unter. Als Industriestaat, zu dem wir nun einmal geworden sind, müssen wir aber auch die notwendigen Gebiete
zur Versorgung mit Nahrungsmitteln und Rohstoffen haben, deren vollständige Einfuhr aus fremden Ländern nur vor- übergehend eine Erleichterung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse bringen kann. Und als Absatzgebiet für unsere Fertigwaren gebrauchen wir Kolonien ebenso notwendig wie für die Fortführung wissenschaftlicher Forschungen. Nicht zuletzt muß auch auf die politischen Folgen hin gewiesen wer- den. Ein übervölkertes Land wird stets der Herd von Unruhen sein und sich niemals ruhig entwickeln können. Wir brauchen die notwendige „Ellbogen-freiheit" für eine gesunde Ausdehnung, die noch lange nicht zu einer Bedrohung anderer Völker zu führen braucht.
Der australische Premierminister W. M. Hughes hat einmal erklärt: „In den Akten des Obersten Rates finde ich keine Feststellung darüber, daß Deutschland seine Kolonien nicht zurückerhalten könne." Unserem Recht auf Kolonien steht also auch hier nichts im Wege. .Aber glaubt irgend- jemand, daß man uns unseren Kolonialbesitz freiwillig zurückgeben wird? Nur wenn wir selbst das zurücksordern, was uns gehört, und unser Recht zu vertreten wissen, nur wenn wir mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln der kolonialen Schuldlüge ein Ende bereiten, nur wenn in diesem Kampf das deutsche Volk geschlossen zusammensteht, nur dann werden wir unseren Kolonialbesitz wiedererhalten und unserem Volk eine gesicherte Entwicklung schaffen könnenI
Die französische Antwortnote.
-£ Berlin. (Drahtbericht.) Amtlich wird mitgeteilt: Der französische Botschafter de Margerie hat den Reichsminister des Auswärtigen, Dr. Strefemann, aufgesucht und ihm die französisch« Antwortnote in der Sicherheitsfrage übergeben. Die Note wird zunächst im Auswärtigen Amt übersetzt und geprüft. Das Reichskabinett trat zu einer Sitzung zusammen, um die Note zu besprechen. Die Note kann mit Rücksicht auf den von der französischen Regierung ausgesprochenen Wunsch erst am Freitag vormittag veröffentlicht werden, und zwar gleichzeitig in Berlin und anderen Hauptstädten.
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MMMWM Der Inhalt der Antwortnote. MM&
Paris. (Telegramm.) Ueber den Inhalt der französischen Antwortnote bringen nur die amerikanischen Morgenblätter nähere Angaben. Nach dem „New Pork Herold" betont die französische Regierung die Unverletzbarkeit des Versailler Vertrages, die Garantierung der Ostgrenzen durch Frankreich und die vorbehaltlose Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund. Die Note, die sehr entgegenkommend abge- faßt ist, läßt deutlich das Bestreben Frankreichs erkennen, die deutsche Regierung zu einer optimistischen Auffassung der französischen Vorschläge zu veranlassen. Der Versailler Ver- trag, so führe die Note aus, enthalte für Frankreich nicht nur Rechte, sondern auch Verpflichtungen (!), und daher müsse die französische Regierung auf die Unverletztbarkett des Vertrages achten. Ueber die Garantierung der Ost grenzen d ur ch Fran krei ch werde erklärt, daß d ie Möglichkeit einer militärischen Aktion Frank- reichs in weiter Ferne steht und nur unternommen würde, wenn eine Verletzung der Rechte der Oststaaten durch Deutschland untrüglich nachgewiesen sei. Ein Zugeständnis an Deutschland sei, daß das Prinzip der Schiedsgerichtsbar- keit in der Note festgestellt sei, und zwar nicht nur in wirtschaftlichen und juristischen, sondern auch in politischen Streitfragen. Die deutsche Forderung nach Entbindung von Artikel 16 des Völkerbundes werde mit dem Hinweise auf den früheren Notenaustausch zwischen Deutschland und dem Völkerbundrat in dieser Frage beantwortet, wobei allerdings ausdrücklich hinzugefügt werde, daß die Klärung der Frage allein dem Völkerbünde zustehe. Die französische Note enthält keinen direkten Vorschlag zur Einberufung einer Konferenz der Autzenministr oder juristischer Sachverständiger, doch werde zum Schluß ausdrücklich betont, daß die Periode des schriftlichen Meinungsaustausches nunmehr abgeschlossen sei.
Duisburg wieder frei.
£ Duisburg. (Telegramm.) Am Dienstag, nachts um 12 Uhr, rückten die letzten belgischen Kontrollen ab. In Ruhrort bleibt eine aus vier Offizieren und vierzig Mann bestehende Schutzkommission zurück, die schon seit 1919 anwesend ist. Die Duisburger Stadtverwaltung wird aufdiplomatischemWegenachprüfen lassen, ob ihr Verbleiben in Duisburg-Ruhrort mit dem Londoner Abkommen in Einklang steht. Sonntag mittag werden auf dem Königsplatz in Alt-Duisburg, dem Reuen Markt in Duisburg-Ruhrort und dem Marktplatz in Duisburg-Meiderich Feiern verunstaltet.
Zum AuStritt Dr. Wirths aus der Zentrumöfraktion.
| ch Köln. (Telegramm.) Zum Austritt Dr. Wirths aus I der Zentrumsfraktion des Reichstages schreibt die „Kölnischc Volkszeitung": Die Trennung Dr. Wirths werde den Gegnern des Zentrums als Beweis für ihre These von der Not- wend takelt des politischen Ausei na ndergehe c i s der ö-eutidier Kachouken hevhatten. Mir wollen die Bedeutung des Schrit
tes durchaus nicht verkleinern. Unsere Gegner dürfen aber weder erwarten, daß die Zentrumspartei auseinanberfäUt, noch dürfen sie sich der Hoffnung hingeben, der Austritt Dr. Wirths sei das erste sichtbare Zeichen, daß die Weiterentwicklung des Zentrums aus seiner zentralen Stellung endlich zur Rechten hinüberführen werde. Das Zentrum ist sich bewußt, daß unserem Volke Sammlung nottut und nicht Zer- streuung. Diese Sammlung ist aber nur mit einer wirklichen Mitte, einem Zentrum, möglich. Die „Kölnische Zeitung" ist der Ansicht, daß der auffallend kurzen Erklärung Wirths eine weit größere Bedeutung zukomme, als man wahrhaben möchte. Dr. Wirth habe mit dem Protest, der sich in seinem Schritt ausdrücke, folgerichtig gehandelt, was man von anderen Zen- trumsleuten, die dem Gebot der Zeit mit mangelnder Ent- schußkraft gegenüberständen, nicht sagen könne.
Die Alkoholfrage auf der Stockholmer Kirchen- konferenz.
$ Stockholm. (Sonderbericht.) Der zweite große Programmpunkt des Weltkonzils „Das Verhältnis der Kirche zu den sozialen und sittlichen Problemen" wurde mit der Behandlung der Alkoholfrage zu Ende geführt. Dieses Thema wurde entsprechend der Bedeutung, die ihm innerhalb des Programms zugemessen wird, besonders eingehend besprochen. In der Diskussion kamen die Redner fast aller Nationen zu Wort. Die Vertreter Schwedens und der Vereinigten Staaten gaben eine Beurteilung der in ihren Län- dern zur Bekämpfung der Alkoholnot versuchten Systeme und die durch diese bisher erzielten Erfolge. Am bekanntesten ist das gegenwärtig in den Vereinigten Staaten gültige sogenannte Prohibitionssystem, welches die Produktion, den Verkauf, den Transport und den Ex- und Import berauschender Getränke zum Zwecke des Trinkens untersagt. Daneben steht das mit größter Sorgfalt ausgearbeitete Kontrollsystem in Schweden, das den Zweck hat, den Alkoholhandel so zu leiten, daß daraus ein möglichst geringer Schaden entsteht. Trotz der eingehenden Erfahrungen, die üuer die einzelnen Systeme vorliegen, glaubt die Konferenz dennoch nicht genügend An- Haltsp unkte zu haben, um die Empfehlung eines Systems als des alleinigen Heilmittels für die Alkoholfrage zu rechtferti- gen. Die. Kirche könne sich jedoch mit der Fortdauer der gegenwärtigen Schären nicht ;ufrieöe «geben, ohne ernstliche Anstrengungen zur Herbeffchaffung besserer Zustände zu machen. Die Kirche müsse ihren Mitgliedern immer wieder die Notwendigkeit eines guten Vorbildes einprägen; sie müsse aber zugleich mit wachsendem Nachdruck die Rechte der Gesellschaft in dieser Frage vertreten. — lieber das Thema „Das Wirken der christlicheu Kirche im internationalen Lebe n" sprach der Bischof von Lichfield in England. Er wandte sich zunächst gegen diejenigen, welche der Kirche das Recht, zu den internationalen politischen Pro- Meinen Stellung zu nehmen, ab sprechen. Politische Probleme könnten nicht auf der Basis der Selbstsucht und des Willens zur Macht, sondern nur nach dem christlichen Prinzip der Gerechtigkeit gelöst werden. Z u der Frage des Völ- kerbundes übergehend, sprach der Redner sich dahin aus, daß der Pölkerbund das Pro - Duft der besten wissenschaftlichen Staats- kunst unserer Zeit sei. Aber dennoch würden seine Taten keinen Bestand haben, wenn nicht in diesem Ziele ein klarer moralischer Zweck, ein geistiges Ideal zutage trete. Hier müßte die Kirche eingreifen. Die Kirche müßte den Rationen das positive Ideal der Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe vorhalten. Was uns nottäte, sei nach den Worten des Erzbischofs von Eanterbury, „daß wir den Leid der Politik in einen Zustand der Gesundheit bringen, der jedes Kriegs- gelüst unschädlich macht".
Protestversammlungen der Deutschen in Böhmen.
^ OlmLtz. (Telegramm.) Am Sonntag fand eine von allen deutschen Parteien beschickte Protestversammlung gegen die Vernichtung des deutschen Schulwesens statt, deren Umfang in Olmütz dadurch gekennzeichnet ist, daß dort seit dem Umsturz nicht weniger als 50 deutsche Schulklassen aufgelöst worden sind. So wurde auch das deutsche Gymnasium und die deutsche Realschule, die beide eine große Schülerzahl aufweisen, zu einer Anstalt vereinigt.
Große Schwierigkeiten in London.
^ Paris. (Drahtbericht.) Die Londoner Sonderberichterstatter der französischen Pesse -bereiten darauf vor, daß Laillaux im Laufe der Woche unverrichteter Dinge nach Paris zurückkehren wird. Es hat sich herausgestellt, daß die Gegensätze infolge der schwierigen Lage, in der sich sowohl Churchill wie auch Caillaux gegenüber der öffentlichen Meinung ihrer Länder befinden, zurzeit noch nicht überbrückt werden könne«.
Die allgemeine Position bei Beginn der Verhandlungen wird wie folgt angegeben: Frankreich schuldet Großbritannien 623 Millionen Pfund Sterling. In Lord Balfours Note wurde seinerzeit, als die Gesamtschuld der Alliierten an Großbritannien sich auf mehr als 2 Milliarden Pfund belief, erklärt, daß England gewillt sei, eine Milliarde Pfund zu opfern und von seinen Verbündeten nur einen Betrag zu fordern, der die englischen Zahlungen an die Vereinigten Staaten unter dem Baldwin-Mkomu^en für die kommende«