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Hersfelöer Tageblatt

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Hersfelöer Kreisblatt"

Amtlicher Anzeiger für den kreis Hersfelö

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Nr. 206

Donnerstag, den 3. September

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1925

Das Wichtigste.

Stasien bekundet neuerdings reges Inter­esse an den Paktverhandlungen. Wie verlautet, will Mussolini selbst an der Minisierkonserenz teil- nehmen.

In Amerika wird die Zeppelin-Eckener- Spende mit großer Begeisterung ausgenom­men. Die deutschen Zeitungen veranstalten ebenfalls S a m ml u n g e n.

Aus Moskau wird berichtet, daß der russische Volkskommissar Tschitscherin schwer erkrankt sei und man mit seinem baldigen Rücktrit rechne.

interalliierte Gchuldearrgelmg - SichecheilS-M.

Die Londoner Besprechungen zwischen dem Finanzminister Frankreichs, Caillaux, und dem englischen Finanzminister Churchill sind durch die Rückreise Caillaux" nach Paris vor­läufig' unterbrochen worden. Caillaux, zweifellos der ge­wiegteste Fachmann für die Finanzfragen Frankreichs, hat bisher ohne Frage in London einen großen Erfolg zu buchen; ist es ihm doch gelungen, die große Differenz, die zwischen den Forderungen Englands und dem, was Frankreich an England zu zahlen beabsichtigt, auf ein Minimum herab- zumindern, ja darüber hinaus hat er die englischen Finanz- kreise davon zu überzeugen verstanden, daß ein Schulden- nachlaß im eigensten Interesse Englands liegt. So gelang es ihm, die Rate von 30 Millionen Pfund, die England von Frankreich jährlich erwartete, erst mal auf 20 herab- zumindern. Als Caillaux sich aber auch hiermit , keines­wegs einverstanden erklären wollte, i England die jährliche SchUloenrate sogar auf 12K> Millionen Bruno nach.

Die englischen Schulden an Amerika betragen 40 Mil­lionen Pfund im Jahr. Englands Aufgabe ist es also, von den anderen Schuldnern, namentlich Italien und Belgien, so viel herauszubringen, um damit die eigenen Schulden an Amerika zu bezahlen. Es ist zu erwarten, daß Englands Schuldner dasselbe Recht für sich in Anspruch nehmen, das Frankreich von England verlangt. So würde England von allen seinen Schuldnern höchstens 25 Millionen Pfund Sterling pro Jahr zu erwarten haben.

Die England fehlenden 15 Millionen müßte es also aus eigenen Kräften aufbringen, um seine Schulden an Amerika zu zahlen. Caillaux hatte ja, als Churchill diesen Einwand ihm vorhieU, den Ausweg sehr schnell bei der Hand, indem er die englische Rate aus den deutschen Reparations- zahlungen-als ausreichend bezeichnete. England will jedoch, so erklärte Churchill darauf sofort offiziell, eine Derquickung der deutschen Reparationszahlungen mit der alliierten Schuldenregelung auf jeden Fall vermeiden. In dieser Er­klärung liegt eine große Bedeutung, denn die sich daraus ergebenden Konsequenzen müssen gerade uns Deutsche be­sonders interessieren. Churchill hat ferner, das französisch­englische Finanzabkommen davon abhängig gemacht, daß Frankreich auch von Amerika bei seiner Schuldenregelung nach der Seite hin einen Schuldennachlaß erreicht. Gibt Amerika aber dein Ersuchen Frankreichs statt, so wird auch England sofort eine Herabsetzung der Schulden von, Amerika verlangen, und der amerikanische Standpunkt, nach! dem jeder Schuldner seine Schulden ungekürzt zurückzuzahlen hätte, wäre durchbrochen.

Frankreich und England haben sich also in ihrer Front gegen Washington gefunden. Amerika hat bereits den Ein­schlag gegen sich erkannt und protestiert durch seine Presse aufs heftigste. Aber schon hat es einen, Trumpf aus der Hand gegeben, indem es bei der amerikanisch - belgischen Schuldenregelung für Belgien Ausnahmebedingungen zuließ und ihm eine Soudervergünstigung für seine Kriegsschulden z-ugestand.

So kommt also die ganze Frage der interalliierten Schuldenregelung in das Gebiet der politischen Schulden. Amerika wird kaum von seinen ©dptlbnsrn die volle Summe des ausgeliehenen Geldes zurückerhalten, solange diese Staaten ihr Budget burd) ungerechtfertigte Rüstungen und Kriegsvorbereitungen belasten. Durch dieses Moment ist das Interesse Amerikas an der europäischen Sicherheitsfrage be­gründet. Wenngleich auch Amdrrka immer wieder in Abrede stellt, auch nur das geringste Interesse an der Sicherheits­frage zu haben, so wird es sich wohl notgedrungen mehr dieser Frage zu wenden müssen, da ja, wie aus dem Vorher­gehenden nachgewiesen ist, sein Interesse nicht das geringste ist.

Hieraus ergibt sich auch für Deutschland ein Finger- zeig, wie es sich Amerika gegenüber einzustellen hat. Nicht nur Deutschland befindet sich in einer sehr prekären Lage, sondern auch die Alliierten haben dies und das, was sie untereinander dringend bereinigen müssen. Die Sicherheits­frage bekommt dadurch eine weit größere Interessensphäre als aus dem bisherigen Notenwechsel erkennbar war.

Dre Vetter hmzhiagung M Genf.

Eine Reihe für Deutschland wichtige Fragen auf dem A r b e i t s p r o g r a m m.

^ Genf. Der Bölkerbundrat hat am 2. September eine Tätigkeit ausgenommen. An den Ratssitzungen nehmen Die Vertreter von zehn Staaten teil. Ständige Mitglieder des Rates sind England, Frankreich, Japan unb Italien. Die übrigen sechs werden alljährlich von der Vollversamm- :ung des Völkerbundes neu gewählt. Zurzeit sind dies Schwe den, Spanien, die Tschechoslowakei, Belgien, Brasilien und Uruguay. Die Tagesordnung bet Ratssitzung sieht 23 ver­schiedene Gegenstände vor, deren wichtigster Gegenstand die Entscheidung über die Zukunft des Mossulgebietes ist. Born deutschen Gesichtspunkr verdienen die Verhandlungen über die. Hafengrenzen Danzigs, die Be- slätigunßeinigerMitgliederderSaarregie- r u n g und die Verhandluncpn über die wirtschaftliche Lage Oesterreichs besonderes Interesse. Im übrigen wird der Völkerbundrat sich mit einer großen Anzahl von Minder- Heits fragen zu beschäftigen haben. Bon Interesse ist die Tatsache, daß die Saarfrage vor dem Rat von dem Delegierten Italiens und die Da nz i ge r Frag e von dem Delegierten Spaniens vertreten werden wird. Ein weiterer Punkt der Tagesordnung ist die Beratung über die Militär­kontrolle in den entmilitarisierten Zonen des Rheinlandes. Doch steht dieser noch nicht endgültig fest, da der 9lat diese Frage wegen der schwebenden Verhandlungen über den Sicherheitspakt auf eine spätere Sitzungsperiode verschieben wird.

Die von der lettischen Presse verbreitete Meldung, daß der russische Außenminister Tschitscherin nach Genf zur Völkerbundversammlung, und zwar inkognito, kommen werde, wird als wenig wahrscheinlich bezeichnet. Die Beziehungen zwischen der Sowjetregierung und der Schweiz sind zurzeit noch derartig gespannt, daß man es für wenig wahrschein­lich hält, daß der russische Außenminister seine Ferien in der Schweiz verbringen wird.

Wie die baltische Presse aus Warschau meldet, reist der polnische Außenminister Graf Skrzynski über Paris nach Genf ab. Während seiner Abwesenheit wird ihn der Pre- mierminister Grabski vertreten. Gleichzeitig reist der zweite polnische Delegierte, Minister Sokal, direkt nach Genf.

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Paktverhandlungen in Genf.

Paris. Der Genfer .Temps - Korrespondent meldet, daß die Außenminister Frankreichs, Großbritanniens und Belgiens bereits die erste Unterredung über die Frage des Sicherheitspaktes gehabt haben. Weiterhin dürfte das gesamte Arbeitsprogramm' der Völkerbundversammlung kurz be­sprochen werden, vor allem auch die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund.

Italien und der Gicherheiispakt.

Wird Italien Garan tierung der Brenner- grenze fordern?

4- Paris. Das politische Interesse ist noch immer auf die Haltung Italiens in der Sicherheitsfrage konzentriert. Alle Blätter erblicken in der Entsendung eines italienischen Delogierten nach London zu der Juristenkouferenz einen Be­weis dafür, daß Italien entschlossen ist, an der Ausarbeitung des Paktes nutz »wirken.Es wäre unbegreiflich/ sagt der T e m p s" in seinem Leitartikel,daß Pilotti als bloßer Beobachter austritt, wenn es darauf ankonnnt, präzise Texte auszuarbeiten, für die die beteiligten Regierungen die volle Verantwortung übernehmen." Das Blatt sieht nur zwei Möglichkeiten: entweder halte Italien sich auch weiter zurück unter dem Vorwande, daß der Sicherheitspakt nur die Rhein- grenze, nicht aber die Brennergrenze angeht, oder es verstehe sich zu einer aktiven SRitarbeit mit den Westmächten. Der LondonerTemps"-Vertreter berichtet, die Nachricht von der Teilnahme Italiens an der Sachverständigenkonferenz habe in gewissen englischen Kreisen die Befürchtung ausgelöst, daß Italien auch die Sicherung der Brennergrenze zur Sprache bringen würde. DerTernps"-Bertveter meldet, daß Italien bereit sei, einen Garantiepakt zu unterzeichnen, wem: es seinerseits eine Garantie für seine Gren - z en erhalte, und zwar setze man folgende beiden Ab- machungen voraus: 1. ein französisch-italienisches Bündnis zu Lande, das auf das Fortbestehen der Unabhängigkeit Oesterreichs abzielt, 2. ein englisch-italienisches Bündnis zu Wasser zum Schutze der gegenseitigen Interessen beider Länder im Mittelmeer und im nahen Osten. Diese letzte Anregung scheine mehr aus italienischer als aus englischer Quelle zu stammen.

Die Meldungen der englischen Blätter über das italienische Interesse am Sicherheitspakt und die Möglichkeit einer Teilnahme Oesterreichs an dieser Vereinbarung, um den italienischen Beitritt und die Sicherstellung der italienischen Grenzen zu erreichen, werden in Wiener politischen Kreisen sehr skeptisch beurteilt. Man ist der Meinung, daß sich Oe st er r ei ch in einen solch e n Sicherheitspakt nicht h i n e i n p r c s s e n lasse. Richt so sehr der Sicherheit wegen, sondern vielmehr wegen der italienischen Brennergrenze.

Nach der Meldung eines Berliner Blattes soll der italienische Ministerpräsident Mussolini in eigener Person an den Besprechungen der Außenminister mit dem deutschen Außenminister Dr. Stresemann teilzunehmen ge- willt sein. Dementsprechend soll er die alliierten Re­gierungen ersucht haben, die Konferenz in einem Orte abzu- halten, der ihm ermöglicht, ohne lange Abwesenheit von Rom den Ministerbesprechungen beizuwohnen. Gewisse diplomatische Kreise wollen aus diesem plötzlich auf­getretenen Interesse Mussolinis an den Sicherheitsverhand- lungen erkennen, daß Mussolini im Falle seiner Be­teiligung an der Paktkonferenz als einziger Außenminister, der zugleich Ministerpräsident ist, als der Ranghöchste den Vorsitz führen will. Den äußeren Anlaß zu der Teilnahme Mussolinis sollen seine inner- und anßerpolitische« Schwierigkeiten mit dem Faschismus gegeben haben. Er will versuchen, bei den Paktbesprechungen einen Erfolg für sich herauszuholen, mit dem er seinen politischen Gegnern entgegentreten kann.

Die erste DaweS-Rate bezahlt.

Die Jahresrate der Deutschen Reichsbahn.

- Berlin. Der Generalagent für die Reparationszah­lungen teilt mit, daß die Deutsche Reichsbahngesellschaft am 1. September 60 Millionen Mark als Restsumme der Jah­resleistung für 1925 in Höhe von einer Milliarde bezahlt hat.

Regierung und Preissenkung.

4- Berlin. Im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft fand eine Besprechung mit den Vertretern der großen Verbände von Industrie und Handel über die Frage der Preissenkung auf dem Lebensmittelmarkte statt. Ministerialdirektor Dr. Beyerlein von: Ernährungs- ministerium legte nochmals eingehend den Standpunkt der bänbe' sich dem ^orgehen^der Regierung anschlossen und sich bei ihren Unterverbänden und Mitgliedern mit allem Nach­druck dafür einsetzten, daß die Preise mit Rücksicht auf die in der vergangenen Sitzungsperiode des Reichstages gesetzlich geregelte Neuordnung der innerpokitischen Verhält­nisse (Lösung der Aufwertungsfrage, Regelung des Steuer, und Zollsystems, Herabsetzung der Umsatzsteuer usw.) auf der ganzen Linie auf ein normales und erträg­liches Maß herabgedrückt werden. Don feiten der Beteiligten wurde zwar auf die schwierige Lage einzelner Wirtschaftsgruppen, insbesondere auf die immer noch starke Belastung durch öffentliche Steuern und Ab­gaben hingewiesen, im übrigen aber doch die Bereitwillig­keit betont, die Reichsregierung bei ihrem Vorgehen tat­kräftig zu unterstützen. Die 'Besprechung findet in der nächsten Zeit eine Fortsetzung durch eingehende Berhand- langen mit den Einzelverbänden, insbesondere des Bäcker- und Fleischer-gewerbes.

Zu den deutsch-russischen HandelSvertragS- verhandlungen.

£ Berlin. Wie wir von informiertet Seite erfahren, ist in den deutsch-russischen Wirtschasteverhandlungen eine Entscheidung in irgendeiner Richtung bisher nicht gefallen.

Die Verhandlungen sind vielmehr bei der Beratung der kritischen Fragen stehen geblieben. SDSt einem vorzeitigen Abreisen der deutschen Delegierten ist zurzeit nicht zu rechnen.

Vor dem Rücktritt Tschitscherins?

$ Moskau. Der russische Volkskommissar für Aeußeres, Tschitscherin, soll ernstlich ertrankt sein. In gewissen politischen Kreisen sieht man in dieser Nachricht ein An­zeichen seines baldigen Rücktritts.

Keine Räumung der nördlichen Rheinlandzone.

$ Eleve. Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, sind die Gerüchte über eine teilweise Räumung der nördlichen Rheinlandzone unrichtig. Es wurde nur ein belgisches Kavallerieregiment aus Eleve zurückgezogen, das jedoch wieder durch ein belgisches Infanterieregiment ersetzt nmrt*.

Begeisterung in Amerika für die Zeppelin-Eckener» Spende.

- Berlin. Schon die ersten Nachrichten von der bevor­stehenden Sammlung für die Zeppelin-Eckener-Spende haben in Amerika einen begeisterten Widerhall ge­funden. Während man bei uns noch mit den organisato­rischen Vorarbeiten beschäftigt war, ging man in Amerika schon zur Praxis über, d. h. man begann mit den Spenden. Der erste Beitrag erfolgte am 10. August und war an diedtew-Porker Staatszeüttmg" gerichtet; er