Einzelbild herunterladen
 

Reisfelder Tageblatt

ätäv^^ I RttSfcWct ^Stisbtott* IswT^jR?»SS

. f«, f..» w ^ - ^^ nr. 8. | Amtlicher /lttzeiger für den kreis Hersfelö [ Budidruifce'rel In Berskid, fliuglled das ^DZ?^

Nr. 210

Dienstag, den 8. September

1925

Das Wichtigste.

Bei der Eröffnung der Vollversammlung des Völkerbundes in Genf hielt Painlevä die Eröffnungsrede, in der er eine Weltabrüstungs- tonferen^ in Aussicht stellte.

Add elKrimhat eine große Gegenoffensive gegen die franMisch-spanische Front begonnen.

In Syrien haben die Franzosen eine schwere Niederlage erlitten. Die Stadt Damas­kus ist gefährdet.

Die Aeuregelmig der GnstchlHeine.

Der Reichsrat hat am 3. September 1925 der Reichs­vorlage über die Wiedereinführung der Einfuhrscheine zuge­stimmt. Das System der Einfuhrscheine ist in den besonde­ren geographischen Verhältnissen einzelner Teile Deutsch­lands begründet. Durch die Höhe der Bahnfracht ist es den östlichen Ueberschußgebieten erschwert, das Getreide zu aus- könunlichen Preisen im Bedarfsgebiete des Westens zum Ab­satz zu bringen. Bereits vor dem Kriege brachten West- und Ostpreußen Getreide nach den vorgelagerten nordischen Län­dern zur Ausfuhr. Bei dem Absatz auf diesen ausländischen Getreidemärkten macht sich jedoch ein starker Wettbewerb, ins­besondere von Polen und Rußland, bemerkbar, die vermöge ihrer Balutaverhältnisse zu Schleuderpreisen große Mengen verkaufen können. Die Einfuhrscheine geben auch der deut­schen Ware Gelegenheit, die beste Verwendung«rrt als quali- . tative Ergänzung der ausländischen Getreideerzeugnisse wie­der aufzusuchen. Da die deutschen Getreidesorten kleberarm und stärkereich sind, bedürfen sie dringend einer Beimischung fremder Sorten, um ein backfähiges erstklassiges Mehl zu

Frankreich, Belgien und Holland ebenso zur Verbesserung der dortigen Qualität gesucht. Der Landwirt, den die Ka­pitalnot, die fälligen Kredite, Wechsel und Steuern sowie die hohe Zinsenlast zwingen sein Getreide möglichst bald zu ver­kaufen, ist gezwungen, seine diesjährige Ernte in den nächsten Wochen zum Absatz zu bringen. Ein Blick auf die Entwick­lung der inländischen Getreidepreise im Monat August zeigt, daß eine Verteuerung des Getreides und Brotes durch die neuen Zölle keineswegs eingetreten ist. Im Gegenteil ist der Jnlandpreis von 1 Tonne Roggen, der noch Anfang August 190194 M. betrug, bis auf 164 R.-M. herabgesunken. Ebenso ist der Inlandpreis von Weizen im Verlaufe von 14 Tagen von 250256 auf 213 R.-M. gefallen. Eine Besse­rung der Preisverhältnisse ist auch nicht durch die am 20. August erfolgte Aufhebung des Ausfuhrverbots für Ge­treide eingetreten. Die Notlage der Landwirtschaft erfordert daher dringend die Wiedereinführung der Einfuhrscheine, um dem Landwirt einen Absatz seiner diesjährigen Ernte zu aus­kömmlichen Preisen zu ermöglichen. Bei der Kapitalverknap­pung ist es auch sehr erwünscht, daß auf diese Weise aus­ländisches Geld zur Unterbringung eines Teils der diesjähri­gen Ernte nach Deutschland hereinkommt. Aber nicht allein die Landwirtschaft, sondern vor allem auch der Han-del mit Getreide und Müllereierzeugnissen hat auf baldige Wieder­einführung des Einfuhrscheinsystems gedrängt. Von einer Verteuerung des Brotes durch die Einfuhrscheine für den Konsunkenten kann nicht gesprochen werden, da die Span­nungen so bemessen sind, daß auch vorübergehende Schwan» fangen der Getreidepreise eine Erhöhung des Brotpreises keineswegs rechtfertigen. Auch ist zu berücksichtigen, daß die Einfuhr ausländischen Getreides burd) den Einfuhrschein in- sofern verbilligt wird, als ausländisches Getreide in derselben Menge, wie inländisches ausgeführt wurde, zollfrei wie­der eingeführt werden kann.

DieTimes" über das Ergebnis der Jnristenkonferenz.

4- London. DieT i in e s" schreiben über das Ergeb- nis der Iuristenkonferenz: Der Bericht der Zuristenkonferenz, der inzwischen den beteiligten Regierungen zugestellt worden ist, behandelt folgende Punkte: 1. Den Entwurf eines Sicherheitspaktes, der während des Besuches Briand- bei Ehamberlain fertiggestellt worden ist, und 2. den Wort, laut des vorgeschlagenen Schiedsgerichts. Vertrages zwischen Deutschland, Frankreich und Belgien Die (Erörterung der Schiedsverträge über die Ostgrenzen der Zukunft überlassen worden. Was den Sicherheitspak! und den Westgrenzenschiedsvcrtmg anbelangt, so bestehet

zwischen den Sachverständigen in den Hauptpunkten keinerlei Meinungsverschiedenheiten mehr.

*

Wie dieSchweizerische Depeschenagentur" meldet, wurde in der Konferenz, an der Painlevä, Briand, Chamber- lain und Vandervelde teilnahmen, grundsätzlich beschlossen, mit dem deutschen Außenminister Stresemann eine persön­liche Besprechung abzuhalten. Zeitpunkt und Ort der Zu­sammenkunft sind noch nicht bestimmt.,,,,.

Eine verfehlte VersöhnungSgeste.

^ Paris. Die deutschen Mitglieder der Pariser Frie­denskonferenz hatten im Namen der Friedensgesellschaft, des ReichsbannersSchwarzrotgold" und der Deutschen Liga für Menschenrechte einen Kranz am Grabe desUnbekannten Soldaten" niedergelegt, der die Inschrift trägt:Dem Unbe­kannten Soldaten die Soldaten des Friedens." Kurz dar­auf begab sich eine Abordnung des Nationalen Verbandes der französischen Kriegsteilnehmer zur Polizei und protestierte gegen die Anwesenheit der deutschen Kränze auf dem Grabe desUnbekannten Soldaten". Die Polizei hat schließlich dem Drängen nachgegeben und mit Zustimmung des Polizei- prefet'ten den Befehl erteilt, die Inschriften von den Kränzen zu entfernen, was auch im Laufe bes Abends geschah. Am nächsten Morgen waren die Kränze selbst entfernt.

Nansens Besprechungen mit Professor Junkers.

£ Dessau. Der dreistündige Aufenthalt Nansens in Dessau galt einem persönlichen Besuch des Professors Jun­kers, der Besichtigung der Flugzeugwerke und vor allem der Besprechung schwebender internationaler Luftverkehrsfragen. Nansen setzte hierauf seine Luftreise im Großflugzeug nach Genf zur Völkerbundtagung fort. Sven Hedin wird sich gemeinsam mit Prof. Junkers nach Dresden begeben zur Teil­nahme an der Generalversammlung der Europaunion, der großen Betriebsgemeinschaft 16 europäischer Luftverkehrs- .MDM^WWMMM wdji Trans- und Nordeuropa-Union sowie anderer Luftverkehrs­gesellschaften gebildet und ist eine Kommanditgesellschaft auf Aktien, deren geschäftsführender Gesellschafter die Iunkers- Luftverkehrs-A.-G. ist.

Der polnische Außenminister zum Eintritt Deutschlands in den Völkerbund.

- Warschau. DerExpreß Poranny" veröffentlicht den zweiten Teil des ihm vom polnischen Außenminister Skrzynski vor seiner Abreise nach Genf gewährten Interviews. In dem Interview widerlegte Skrzynski vor allem die im Auslande und auch in Polen verbreitete Meinung, wmmch Polen die Absicht hätte, den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund zu verhindern. Der polnische Außenminister betrachte den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund als vollkommen begründet und für den Frieden wünschenswert. Er sehe keine Ursache zu Befürchtungen für den Fall, daß Deutsch­land in den Völkerbund eintrete. Die Frage, ob Polen im Falle des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund einen Sitz im Völkerbund rate verlangen werde, bejahte Skrzynski.

Wieder ein französisches Kontumazialurteil.

* Paris. Das französische Kriegsgericht der sechsten Re­gion verurteilte den ehemaligen deutschen Generalmajor von C tz e l, Kommandeur der 33. Kavalleriebrigade, in Ab­wesenheit zum Tode. Seine Truppen sollen 1914 in Revigny (Departement Meuse) geplündert und eine Anzahl von Häusern in Brand gesteckt haben.

Dr. Wirth auf dem Parteitag des badischen Zentrums.

Eine Erklärung zum Au stritt aus der Reichs- tagsfraktion.

- Offenburg. An: Sonntag vormittag begann in der StadchaUe in Offenburg der Parteitag der badischen Zentrumspartei. Mit grossem Jubel wurden Dr. Marx und Dr. Wirth begrüßt. Der Vorstand-vorsitzende des bübischen Zentrums, Prälat Dr. Schofer, eröffnete den Parteitag. Als erster Redner und außerhalb der Tagesordnung gab Dr. Wirth eine Erklärung über fein Schreiben an die Zentrumsfraktion ab, er betonte, daß er niemals den Ge­danken gehabt habe, eine neue Partei zu gründen. Den christlichen Geist im Zentrum müsse man neu wecken. Dies sei der Grund seines Schrittes. Er fragte: Ist im Zentrum Raum für einen Mann, der als entschiedener Republikaner nicht nur zurzeit auf dem Boden der Verfassung steht? Nicht nur im badischen, sondern auch im fRei^entrinn müsse ein solcher Raum sein. (Stürmischer Beifall.> Ihm gehe die poli- Wdje Rettung der eigenen Partei mehr als je nahe. Wenn er wieder gesund geworden sei, wolle er handeln. Den Zoll­tarif durchzudrücken, fei keine Heldentat gewesen. Die Rc-

zierung müsse zeigen, was sie jetzt für den Arbeiterstand tbrig habe. Reichstagsabgeordneter Dr. Brüning refe cierte über Zoll- und Steuerfragen. Landtagsabg. Dr. Föhr sprach über badische Steuerpolitik. Als weiterer Redner sprach Dr. Marx über die Außenpolitik. Der ganze Reichstag, abgesehen von den Völkischen und den Kom­munisten, stehe zur gegenwärtigen Außenpolitik. Durch die Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten habe die Ver- fassung einen neuen Halt bekommen. Putschgefahren seien nahezu ausgeschlossen. Die maßlose Hetze bei der Reichs- präsibentenwahl werde sich noch rächen. Dr. Marx erörterte darauf das Verhältnis der Zentrumsfraktton zur Regierung Luther. Das Zentrum werde sowohl mit den Rechtsparteien wie auch mit den Linken Politik treiben. Das Zentrum bleibe eben das Zentrum. In vollem Umfange könne er die Er­klärungen Dr. Wirths unterstreichen. Das Zentrum muffe einen Mann wie Dr. Wirth behalten, einen Mann, um den uns andere beneiden. Er sei aber auch ein Mensch und von Fehlern nicht frei. Er müsse sein Ungestüm bändigen und wieder in die Fraktion zurückkehren. (Großer Beifall.) Dr. Wirth hätte seinen Schritt erst mit der Fraktion besprechen sollen. Dr. Wirth stehe fest auf dem Boden des Zentrums. Man dürfe nichts tun, um ihn weiter von der Fraktton abzubringen. Sein Schritt sei nutzlos g e w e f e n, und er müsse sich wieder zurückfinden. Er wolle ihm die Hmnd dazu reichen. (Starker, langanhaltender Bei­fall.) Auch Prälat Dr. Schofer äußerte sich zu der Ange­legenheit Wirth. Die Gegner hatten schon den Riß im Zen- trum gesehen Man sei sich aber in der Partei einig. Auf die basischen Landtagswahlen habe der Schritt Dr. Wirthe keinen Einfluß. Ueber eine Rückkehr Wirths zur Fraktton könne man sich nur freuen. An: Schluß wurde noch eine Entschließung angenommen, in der der Wunsch ausgesprochen wird, Dr. Wirth möge der Reichstagsfraktion wieder dei- treten.

Eine Entschließung der badischen Zentrumspartei.

Die auf dem Parteitag der badischen Zentrumspartei angenommene Entschließung liegt nun im Wortlaut vor. ^ --«^..Ä-r ^nme rartmrag MUrgt sie Erklärung des Vorstandes bezüglich des Schrittes Dr. Wirths. Die Tagung sieht es als eine Forderung des normalen politischen Zustandes und der Disziplin an, daß jeder von der Zen- trumswählerschast gewählte Llbgeordnete der Fraktion ange­hört. Es ist twher dringend zu wünschen, daß Dr. Wirth in die Fraktion des Reichstages zurück!ehrt. Die Tagung hat bestimmt, daß die Vor­aussetzungen bereitwilligst von allen in Frage kommenden Instanzen gefördert werden, vor allem von dem zu er­wartenden Reichsparteitag. Der badische Parteitag macht auf die Eigenart des Zentrums als einer aus allen Schichten zusammengesetzten christlichen politischen Mittelpartei auf­merksam und blickt mit evorge auf drohende politische An­zeichen. Hieraus ergibt sich für ihn die Folgerung: Ein geschlossenes Zentrum in den Parlamenten ist eine Notwendigkeit des Staates und der Kirche. Diese Pflicht ist zu respektieren. Der Zerstörungstaktik der Gegner setzt der Parteitag den Einheitswillen von Volk und Führern zielbewußt entgegen. Wir lassen uns den Zen - trumstürm nicht zerstören."

painleve Wägt eine Weltabrüstungs­

konferenz vor.

Vollversammlung des Völkerbundes in Genf.

^ Genf. Am Montag vormittag wurde in Genf die Vollversammlung des Völkerbundes eröffnet und durch eine längere Ansprache des Ministerpräsidenten Painleve ern- geleitet.

PainlevS sagte der Versammlung zunächst seinen Dank für die ehrenvolle Einladung, die Vollversammlung zu er­öffnen. Er unterziehe sich um so lieber dieser Aufgabe, als sie ihm Gelegenheit gäbe, feierlich vor der Welt Frank» reichs Treue zum Völkerbund und sein segens- volles Wirken für den Völkerbund zu erklären.

In einer Uebersicht über die Tättgkeit des Völkerbundes gab er seiner festen Ueberzeugung Ausdruck, daß die Auto- rität des Völkerbundes im verflossenen Jahre gewachsen sei. Dabei erinnerte er an das Geschick des Genfer Protokolls, dem man zuerst mit so großer Begeisterung begegnet sei und das dann von verschiedenen Regierungen nicht anerkannt wurde. Wer trotzdem dürfe der Völkerbund den Mut nicht sinken lassen und mit aller Energie sein großes Werk zur

Herbeiführung eines Friedenspaktes

in Angriff nehmen. Mögen die Methoden der einzelnen Völker verschieden sein, so ist doch ihr letztes politisches Ziel das gleidie, und dieses Ziel sei das Zustandebringen eines Sicherheitspaktes, der jetzt weiter in Vorbe­reitung sei. Der Abschluß des Paktes werde beweisen, daß die bisherige Arbeit des Völkerbundes nicht umsonst ge­wesen ist.

Den wichtigsten Teil seiner Rede bilden unzweifelhaft Paiuleväs kaum erwartete Ausführungen über die Abrüstung