Hersfelöer Tageblatt
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nm fm. w Bwsseid.. U^ m ■■ । Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö Budidru&erei In ßersfeld, Mitglied des ^DZP. |
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Nr. 211 Mittwoch, den 9. September 1925
Das Wichtigste.
— In Genf sind die alliierten Außen- mt n t ft e r zu einer neuen Besprechung zusammen- getreten, um den Bericht -er Londoner Juristenkonserenz ent- gegenzunehmen und gegebenenfalls die Einladung an Dr. Stresemann zu beschließen.
— Auf der Genfer Völkerbundtagung verlautet, daß die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund sehr bald erfolgen werde.
— Abd el Krim hat einen Landungsversuch der vereinten spanisch-ftanzösischen Streitkräfte erfolgreich a b g e s ch l a g e n. Die Spanier haben schwere V e r l u st e.
Die Zustände in Mazedonien.
Von Dr. Konrad Döring.
Die Friedensschlüsse haben Bulgarien in eine Lage gebracht, bi^ der Bedeutung seines Volkes auf dem Balkan in keiner Weise entspricht. Trotzdem hat es seit Kriegsende sich den umwohnenden, ihr., unfreundlich gesonnenen Nationen, insbesondere den Rumänen und Serben gegenüber niemals feindselig, sondern eher zu versöhnlich gezeigt, wodurch die Haltung der Nachbarn immer herausfordernder geworden ist. Insbesondere ist. die Lage der unter griechische und serbische Herrschaft geratenen Bulgaren tief beklagenswert. Seit Jahr und Tag werden.Greueltaten aller Art an diesen Wehrlosen verübt, Greuel, von denen die Welt nur wenig erfährt. Wiederholt sind Vorstellungen beim Völkerbund erhoben, worden und angesichts der Wiederaufnahme der Beratungen der Dölkerbundtagung ist es an der Zeit, auch unsererseits unsere Stimme für unsere einstigen Waffenbrüder zu erheben.
Der Völkerbund ist bisher den Rufen der bulgarischen Minderheiten gegenüber taub geblieben. Auch diesesmal scheint es, als ob die mazedonische Frage wieder unter den Tisch fallen soll. Hunderttausende von Kindern dieses un- glücklichen Landes sind mit Gewalt aus ihren Heimen verjagt. Sie führen, fern von der Heimat, ein elendes Dasein, unzählige andere sind auf den Landstraßen, in den Wüsteneien oder in serbischen Gefängnissen umgekommen. Jeder neue Tag meldet den Tod zahlloser Unschuldiger, deren einziges Verbrechen es war, daß sie in ihrem Lande leben und ihre Muttersprache sprechen wollten.
In diesem Augenblicke wieder kommen verzweifelte Hilferufe aus Sofia. Nach den hier vorliegenden Nachrichten üben organisierte Räuberhorden, die nach Angaben der betroffenen Kreise im Dienste des jugoslawischen Staates stehen sollen, Greuel aller Art aus. In den Dörfern wird die männliche Bevölkerung verjagt und Frauen und Kinder in der scheußlichsten Weise mißhandelt, die Ernte wird von den Feldern gestohlen, angesehene Bewohner ins Gefängnis geschleppt.
Ein weiteres Andauern der Anarchie in diesen Gegenden bedeutet eine fortwährende Gefahr für den Frieden. Mazedonien ist ein Uebel, gegen das alle bereits angewandten Mittel erfolglos gewesen sind. Solange es noch eine europäische Türkei gab, gelang es, wenigstens im großen und ganzen, äußerlich den Frieden zu halten, seitdem aber große mazedonische Gebiete unter die Herrschaft der Serben geraten sind, geht es dort andauernd drunter und drüber. Obgleich die Serben andauernd behauptet haben, daß die Bewohner Mazedoniens gar keine Bulgaren wären, behandeln sie diese doch als solche, berauben, morden und vergewaltigen sie, kurz, sie wollen sie unter allen Umständen von der bulgarischen Heimat losreißen. Wir haben hier in balkanmäßiger Aufmachung dasselbe Bild, wie es die einst zu Deutschland gehörigen polnischen Landesteile bieten, mit bem Unterschiede, daß die Bulgaren und Mazedonier noch weniger Mittel und Wege haben, an das Weltgewissen zu appellieren, als unsere Landsleute in Polen.
Auch aus den zu Griechenland gehörigen Bezirken Mazedoniens kommen Klagen ähnlicher Jürt. Hier spielen insbesondere die zahlreichen, aus Kleinasien herübergefluteten Elemente eine Rolle. Auf dem Balkan und an den Küsten des ägäischen Meeres hat sich nämlich eine Völkerwanderung vollzogen, gegen die der Austausch der deutsch-polnischen Optanten ziffernmäßig gering ist. Aus Griechenland, aus Thrazien und Mazedonien sind etwa % Million Türken und ebenso viele Bulgaren abgezogen, und etwa 2 Millionen Griechen sind aus Kleinasien dafür in die griechischen Gebiete gegangen. Der Kampf ums Dasein ist hier in seiner äußersten Naturwildheit entbrannt, eine Folge des Austausches der Minder- heiten. Wie Schwärme von Heuschrecken haben sich die halb verhungerten Griechen auf die Türken und Bulgaren der unglücklichen Grenzgebiete gestürzt und Zustände haben sich entwickelt, an denen der Völkerbund, wenn er weiter Anspruch auf seinen Namen erhebt, unmöglicher länger achtlos vor- übergehen kann.
Eine neue Besprechung der drei alliierten Außenminister.
- Paris. Der Genfer Sonderberichterstatter des „Petit Parisien" glaubt zu wissen, daß die alliierten Außenminister erneut zu einer wichtigen Besprechung zusammentreten wer- dem Vorher sollen die alliierten Juristen gehört werden. Ferner soll die Einladung an Stresemann abge- sandt werden.
Kanada stellt den Vorsitzenden für den Völkerbund.
Schluß der Völkerbundtagung am 25. September?
❖ Genf. Nach Anhörung des Berichts der Kommission zur Prüfung der Vollmachten der Delegierten wurde zur Neuwahl des Präsidenten des Völkerbundes in Genf geschritten. Nach kurzer Zeit verkündigte der Präsident das Resultat der Wahl: „Senator Dandurand, der Vertreter Kanadas, ist mit 41 von 47 abgegebenen Stimmen gewähl t." Painlevä beglückwünschte ihn herzlich und wies darauf hin, daß in Kanada Franzosen und Engländer friedlich nebeneinander wohnten.
Dandurand nahm hierauf den Präsidentenstuhl ein und hielt eine kurze Ansprüche. Der Völkerbund habe sich seit fünf Jahren außerordentlich entwickelt. Die großen Skeptiker seien heute gelungen, ihn als Tatsache anzuer- kennen. Dandurand schloß mit den Worten: „Ich bin der festen Ueberzeugung, daß die gemeinsame Arbeit der Politiker und der Juristen und technischen Sachverständigen ein Werk der Gerechtigkeit und des Friedens schaffen werden." Hierauf wurde die Tagesordnung für die nächste Vollversammlung angenommen und sechs große Kommissionen des Völkerbundes, wie im letzten Jahre, eingesetzt. Es sind dieses: 1. Juristische Kommission, 2. die Kommission für technische Fragen, 3. die Abrüstungskommission, 4. Budgetkommission, 5. die Kommission für soziale Fragen, 6. die Kommission für politische Fragen.
Wie Man im Völkerbundsekretariat annimmt, wird die diesjährige Tagung des Völkerbundes bis zum 25. September dauern. Painlevä und Vandervelde werden am 9. September Genf verlassen. Vandervelde wird sich zu einem kürzeren Aufenthalt nach Paris begeben. PainlevS reist von Genf aus für drei Tage nach dem Elsaß.
DanzigS Forderungen an den Völkerbund.
Die Entscheidung in der Bri eftasten affüre vertagt.
d Warschau. Der 4ü'U^m$»^^
Stadt Danzig beim Völkerbundrat' wegen des Gutachtens der Sachverständigenkommisöon hinsichtlich des polnischen Postdienstes eingelegt hat, beginnt mit folgenden Forderungen: Der Rat des Völkerbundes möge, abweichend von dem vom Ausschuß der Sachverständigen erstatteten Bericht, entscheiden: a) Als „Hafen von Danzig" im Sinne des Artikels 29 des Pariser Vertrages vom 9. November 1920 ist das Ver- waltungsgebiet anzusehen, innerhalb dessen der Ausschuß für den Hafen und die Wasserwege die Verwaltung des Hafens von Danzig zu führen hat. b) Innerhalb dieses Hafenver- waltungsgebietes sind diejenigen Teile durch räumliche Abgrenzung auszuwählen, innerhalb deren wirkliche postalische Interessen für den Verkehr mit Polen vorhanden sind, c) Eine Regelung der Kontrolle der Innehaltung der Rechtsgrenzen des polnischen Postdienstes sowie, eine Regelung der Frage der Währung, der Sprache, der Anwendung der Danziger Gesetze, der Steuerpflicht, der polnischen Postverwaltung und der Anstellung Danziger Staatsangehöriger.
Wie die polnische Presse meldet, ist die E n t s ch e i d u n g über die Ausdehnung des polnischen Postdienstes in Danzig endgültig bis zur nächsten Sitz ung des Völker- bundrates vertagt. Ueber die polnische Note hinsichtlich dieser Frage weiß „Kurjer Poranny" zu berichten, daß Polen die grüne Linie als nicht ausreichend anerkannt habe. Die Begründung soll hauptsächlich von wirtschaftlichen Gesichtspunkten ausgehen.
Die Deutschen als Parias der Nationen
Eine Denkschrift der deutschen Minderheiten in Polen an den Völkerbund.
£ Genf. Am späten Abend des Eröffnungstages der Völkerbundversammlung wurde bekannt, daß dem Völker- bund eine Denkschrift der deutschen Minderheiten in Polen überreicht wurde, in der diese sich an den Völkerbund wenden mit dem Ersuchen um ein Eingreifen gegen die Bestimmungen des polnischen Agrarreformgesetzes. „In den sechs Jahren der Herrschaft", so heißt es in der Denkschrift, „hat es Polen verstanden, drei Viertel des Deutschtums der abgetretenen preußischen Provinzen aus ihrer Heimat zu ver- drängen durch die mittelalterlichen Optantenausweisungen, die den letzten Akt dieses Entdeutschungsprozesses bilden und noch weiter fortgesetzt werden sollen. Sind doch von
1,2 Millionen Leuten nur dreihunderttausend in ihrer Heimat verblieben. Der Hilferuf des Volkes wirst ein greller Licht auf die durch das Friedensdittat geschaffenen unhaltbaren Verhältnisse. .Morituri te salutant* rufen die Deutschen in Polen ihren hohen Garanten zu, wie sie schon so oft gerufen haben, ohne daß die erschütternden Ausweisungen der Neunhnnderttausenb verhindert wurden. Wenn der Völkerbund ernsthast beabsichtigt, die Deutschen in der Welt nicht länger als Parias der Nationen zu behandeln, muß er den Notschrei der deutschen Minderheiten in Polen mit un
verzüglichen Rettungsmaßnahmen beantworten. Die Unkultur, die sich im Korridor breitmacht, die deutsche Arbeit zu vertreiben, gefährdet den Frieden der Welt."
Optimismus in Genf.
Günstiges Ergebnis der Iuristenkonfevenz. — Sofortige Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund?
■£ Genf. Ueber die Ankunft der Londoner Sachverständigen Sir Cecil Hurst und Fromageot, die in Genf eingetroffen sind, schreibt das „Iourn-at de Geneve: „Die Neuigkeiten, die die Sachverständigen über ihre Beratungen in London mitgebracht haben, haben in Völkerbundkreisen einen gewissen Optimismus wachgerufen. Die Londoner Unterhandlungen sind im allgemeinen günstiger verlaufen, als man erwartet hat, und haben bewiesen, daß die Gegensätze nicht unüberwindlich sind. Die Sachverständigen haben auf der Grundlage eines schriftlich festgelegten Textes verhandelt, der viel mehr ein Memorandum als ein Vertragsentwurf ist. Die in London erzielten Resultate werden als Anlage für eine Konferenz der Außenminister gelten, von deren Zusammenkunft man sich einen recht schnellen Erfolg verspricht. Jedenfalls herrscht der Anschein vor, daß der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund nicht mehr ein volles Jahr bis znr nächsten Vollversammlung hinausgeschoben wird, und daß in einer oder anderen Formn eine Lösung gefunden werden müsse, die Kandidatur Deutschlands schon in dieser Vollversammlung zu unterbreiten.
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Dr. Gaus in Berlin.
Berlin. Ministerialdirektor Dr. Gaus ist von der Londoner Juristenkonserenz nach Berlin zurückgekehrt. Man nimmt an, daß er in den nächsten Tagen mit dem Reichskanzler und dem Reichsaußenminister zusammentreffen wird. Die Genfer Gerüchte, wonach eine Einladung an Dr. Stresemann zu einer Konferenz der Außenminister bereits erfolgt sei, entsprechen nicht den Tatsachen; jedenfalls ist eine solche Einladung in Berlin nicht eingetroffen.
Um Mussolinis Teilnahme an der Ministerkonferenz.
Mailand. Wie die offiziöse „Agenzia di Roma" meldet, .arbeiten sowohl die Alliierten als auch Deutschland auf die Teilnahme Mussolinis an der Ministerkonferenz hin. Die italienische Regierung prüft zurzeit den ganzen politischen Fragenkomplex, vor allem die Beziehungen Deutschlands zu seinen östlichen Nachbarn. Diploma- tische Verhandlungen über den Zusammentritt der Ministerkonferenz seien bereits im Gange.
Der Eindruck der Genfer Rede PainlevvS. Enttäuschung in Völkerbundkreisen.
^ Genf. In Völkerbundkreisen scheint man wenig über die Rede Painlevss befriedigt. Die zurückhaltende Art und Weise, mit der Painleve von dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund sprach, hat allgemein überrascht. Man glaubt, daß Painleve die Frage der allgemeinen Abrüstung angeschnitten habe, um es Deutschland unmöglich zu machen, nach seinem Eintritt in den Völkerbund mit einem neuen Programm hervorzutreten, an dessen Spitze die allgemeine Abrüstung, stehen werde. Die Wahl Dandurands zum Präsidenten der Vollversammlung wird als eine Kom- promißlösung bezeichnet, während der Name SOlotta als Präsident der Vollversammlung im letzten Jahre ein politisches Programm bedeutete.
Die Rechtspresse in Paris beschäftigt sich mit den Worten Painlev<-s über die Sicherungsfrage. Sie hebt hervor, daß Painlev 6 entschlossen sei, den Rheinpakt zu unterzeichnen. Nichts könne jedoch über die Tatsache hinwegtäuschen, daß Frankreich mit oder ohne Genfer Protokoll, mit ober ohne Sicherheitsverträge verwundbar bleibe und großen Gefahren ausgesetzt sei, sobald Deutsch- land in den Völkerbund ausgenommen werde. Ein von den Völkerbundmitgliedern loyal ausgelegter Völkerbundpakt hätte zur Sicherung des Friedens genügen müssen, ohne daß zu neuen Texten Zuflucht genommen werden müßte. Man könnte sagen, daß, solange der Völkerbundpakt nicht wieder voll in Kraft getreten sei, Frankreich bei solchen Sicherheirsverträgen, iver sie auch anbieten möge, sehr vorsichtig sein müsse und sich nur auf sich selbst verlassen dürfe.
Um den deutsch-italienischen Handelsvertrag.
Italiens Besorgnis um feine Ausfuhr.
- Berlin. „Carriere della Sera" und eine An- zahl anderer italienischer Blätter bringen nachstehende, von der römischen „Agenzia Dolta" verbreitete Notiz: M« die „Agenzia Volta" versichert, beginnt man in den amtlichen Kreisen den Gang der Arbeiten für den deutsch-italienischen Handelsvertrag mit einiger Besorgnis zu betrachten, unt zwar nicht hinsichtlich des endgültigen Ausgangs der Ver- Handlungen, die seit geraumer Zeit zuversichtlich beurteil! iverden, sondern wegen der Dauer der Verhandlungen, deren Verlängerung zu schwerer Schadigunj der italienischen Wirtschaft führen toranta. Wenr