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HersMer Tageblatt

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Nr. 212 Donnerstag, den 10. September 1925

Das Wichtigste.

Der englische Außenminister Chamberlain sprach sich in Genf über den Erfolg der kommenden Außenministerkonferenz sehr optimistisch aus.

Ministerialdirektor Dr. Gaus ist nach seiner Rück­kehr aus London zur Berichterstattung bei dem Reichsaußenminister Dr. Stresemann nach Norderney gefahren.

In Marokko sind heftige Kämpfe ent­brannt. Den Spaniern gelang es, unter schweren Verlusten Truppen in der Bucht von Alhucemas zu landen. > -

Dölkerbundiheaier

Der Völkerbund, der zurzeit seine Jahrestagung in Genf hat, ging mit einem großen Programm an die Arbeit. Im Laufe des vergangenen Jahres gab es vieles, was den Völ­kerbund interessieren mußte und'wofür er seine Entscheidung geben sollte. Wir sind ja gewöhnt, von der Institution des Völkerbundes nicht allzuviel zu erwarten; denn was er bisher geleistet hat, ist trotz der großen Worte des Herrn Painleve nicht überwältigend. Wir können Painlevs kaum beistimmen, wenn er behauptet, daß die Autorität des Völkerbundes im vergangenen Jahre gewachsen sei. Ja, Painleve selbst widerspricht sich sofort im nächsten Satze, in dem er das Genfer Protokoll erwähnt. Dieses einst so hoch gepriesene Dokument, an dem die Völkerbunddelegierten ein gut Teil ihrer Kraft vergeudet haben, ist schon längst zu Grabe getragen worden, und wenn Painleve seiner nochmals neuem vorzunehmen.

Der Optimismus des neuen Völkerbundpräsidenten für das kommende Jahr, des Delegierten Kanadas, Herrn D a n - durand, nahm die Ausführungen Painlevös wieder auf und versuchte ebenfalls zu beweisen, daß der Völkerbund eine nutzbringende und sehr produktive Institution sei. Wir Deutsche haben keinen Grund, den Ausführungen beizustim- men; für uns ist der Völkerbund, wie er sich bisher gezeigt hat, ein totgeborenes Kind, zumal gerade das verflossene Ge­schäftsjahr gezeigt hat, daß die anderen Staaten, die Mit­glieder des Völkerbundes sind, ihre eigenen Wege gingen, ohne sich um die selbst von ihnen eingesetzte Körperschaft zu kümmern. Wir erinnern nur an die Stellung Frankreichs zu der Frage des Sicherheitspaktes und das em­pörte Geschrei der französischen Presse, als man Frankreich zumutete, es sollte sich der Entscheidung des Völkerbundes unterwerfen. Bei diesem Vorschläge ging man davon aus, daß ja der Völkerbund eine neutrale Institution sei, die zur Befriedung der Völker eingesetzt sei. Frankreich denkt aber nicht daran, sich unter den Völkerbund zu stellen, und be­trachtet die Frage eines Sicherheitspaktes als persönliche An- gelegenheit, die den Völkerbund nichts angeht. Der Sicher- heitspakt ist aber für uns die brennendste Frage der Gegen­wart und Zukunft. Wenn wir nun sehen, wie Frankreich den Völkerbund achtet, so müssen wir selbst die Achtung vor dieser Institution, wenn wir sie überhaupt je hatten, ver­lieren.

In diesen Tagen wird in Genf die Frage des Ein- tritts Deutschlands in den Völkerbund zur Erörterung stehen. Die deutsche Regierung wird zu ent­scheiden haben, wie sie sich dem Angebot aus Genf gegenüber zu verhalten hat. Die Bedingungen, die Deutschland für den Eintritt stellte, sind hinreichend behandelt worden. Im­mer wieder wurde dabei in den Vordergrund gestellt, daß die Frage einer Weltabrüstung aufs engste mit der Frage eines Sicherheitspaktes in Europa verknüpft werden müsse. Hat Frankreich bisher in dem Notenwechsel über den Sicherheits- Pakt die Frage der Weltabrüstung ignoriert, so ist es um so auffälliger, daß sein Ministerpräsident in Genf ganz plötz­lich die Weltabrüstungsfrage als Hauptpunkt seiner Rede hervorhob. Wenn man Frankreich nicht kennte, wäre man leicht verführt, aus dieser Geste Painlevös eine Wendung im französischen Lager festzustellen und eine größere Neigung zur Versöhnlichkeit herauszulesen. Es ist aber keine unbe­rechtigte Skepsis von uns oder eine Voreingenommenheit, wenn wir an der Wahrheit der Worte Painlevös zweifeln. Selbst die Völkerbundkreise in Genf glauben nicht an den Ernst der Worte Painlevös unb wollen bereits den Grund kennen, weshalb er plötzlich mit dieser Phrase der Weitab, rüstung hervortritt. Er hatte das eine aus dem deutsch- französischen Notenwechsel ersehen, daß Deutschland im Fall« des Eintritts in den Völkerbund die Frage der Abrüstung sofort zur Erörterung stellen würde. Diesen moralischen Erfolg, den Deutschland bamit vor der Welt erringen könnte, gönnt uns Frankreich nicht. Infolgedessen war es höchst« Zeit, daß Frankreich selbst von sich aus diese Frage anschnitt, um sich damit wieder einnial als der Friedensengel zu do- lamentieren, der kein schöneres Ziel kennt als den Frieden auf Erden. Dr. M.

Gaus' Bericht über London.

£ Berlin. Verschiedene ausländische Blätter hatten die Nachricht gebracht, daß hinsichtlich der Sicherheitsfrage bereits eine Einladung an das deutsche Reichsaußenministerium er­gangen sei. Wir können hierzu zuverlässig mitteilen, daß eine solche Einladung bisher im Auswärtigen Amt nicht vor- liegt, wenn man als solch« nicht die seinerzeit mündlich über- brachte Einladung des Herrn de Margerie betrachten will. Die deutsche Reichsregierung hatte sich ihre Entschlüsse bis nach der Rückkehr des juristischen Sachverständigen des Auswärtigen Amts Gaus vorbehalten, um vorerst von den Anschauungen der Entente-Regierungen Kenntnis zu neh­men. Nachdem Ministerialdirektor Gaus aus London zu- rückgekommen ist, ist es möglich, daß die Entente-Regierungen eine ergänzende Einladung nach Berlin richten werden. Es ist aber ebenso möglich, daß die Alliierten mit Berlin in Fühlung treten werden, um die Anschauungen der deutschen Regierung kennenzulernen, und daß sie dabei auf die münd­liche Einladung de Alargeries Hinweisen und eine Stellung­nahme zu letzterer erbitten. >

Das Kabinett wird sich auf Grund der

Berichterstattung des Ministerialdirektors Gaus nunmehr ein Bild von der entstandenen Lage machen. Ministerialdirektor Gaus erstattete bereits seinen Bericht dem Stellvertreter des Reichskanzlers, dem Reichswehr­minister Geßler, und er wird auch dem Reichspräsidenten Bortrag halten. s

Ueber eine Annäherung in der Auffassung zwischen den alliierten Regierungen und Deutschland im Hinblick auf die Sicherheitsfrage zu sprechen, wäre verfrüht. Die Juristen haben sich in London an ihr Mandat gehalten und lediglich

Schlußbericht über die Konferenz mitteilte. Die großen poli­tischen Probleme sind in London nur so weit berührt wor­den, als sie nicht von den juristischen Problemen zu trennen waren. Bei den Formulierungen in London handelte es sich nicht um irgendwelche bindenden Beschlüsse, sondern nur um die Vorbereitung einer Zusammenkunft der Minister der ein­zelnen Staaten. Diese Aufgabe ist in London einigermaßen befriedigend gelöst worden. Gaus hat sich über die 9luf= fassungen der Gegner informieren können und auch darüber, wie sich die Alliierten die Lösung der Frage denken. Eine Stellungnahme der Reichsregierung ist noch nicht erfolgt. Weiter gehende Mutmaßungen entsprechen nicht den Tat­sachen.

Ministerialdirektor Gaus bei Stresemann.

£ Berlin. Am Mittwoch begaben sich Staatssekretär von Schubert und Ministerialdirektor Gaus nach Norderney, um Reichsaußenminister Dr. Stresemann Bericht zu erstatten.

Der Ministerbesuch bei Baldwin.

Zusammenkunft mit Dr. Stresemann Ende September.

£ Genf. Painleve, Lhamberlain und Briand begaben sich nach Aix-les-Baines, um dem dort weilenden britischen Ministerpräsidenten Baldwin einen Besuch abzustatten. Bei dieser Gelegenheit wurden die Berichte der Londoner Lach- verständigen einer genauen Prüfung unterzogen. Weiter wurde über die bevorstehende Zusammenkunft der alliierten Minister mit Dr. Stresemann, die Ende September stattfin- den soll, Beschluß gefaßt. Sowohl in englischen als auch in französischen maßgebenden Kreisen war man nicht abgeneigt, der Zusammenkunft der Minister einen bedeutsameren Cha­rakter durch die Teilnahme der Mnisterprasidenten zu geben. Diese Anregung, die ursprünglich von deutscher Seite aus- ging und durch die Absicht Mussolinis, an den Besprechun­gen teilzunehmen, neue Nahrung erhielt, war ebenfalls Ge­genstand der Ministerbesprechungen in Aix-les-Bains.

Optimismus Chamberlams.

£ Genf. Auf einem Festessen der Presse zu Ehren Painleves, Chamberlains und Vanderveldes in Genf äußerte fid) der britische Minister des Aeußern sehr opti- mistisch über den Erfolg der Londoner Beratungen der Sach­verständigem Es sei seit den Londoner Beratungen ein größerer Fortschritt erzielt worden, als Lhamberlain jemals erwartet hätte, aber es wäre töricht, zu glauben, daß nun bereits alles erreicht sei. Die Außenminister würden in ihrer Zusammenkunft, die nicht fern von Genf stattfinden würde, noch manche Gdmücngfeiten zu überwinden haben. Zum SchUh erklärte Lhamberloin. er f<>w voller Hoffnung in die

Zukunft und erwarte bestimmt, daß im nächsten Jahre sich auch jener Staat, der dem Völkerbund noch fernstehe, in Genf an den allgemeinen Beratungen über den Frieden beteiligen werde.

Die Pariser Presse über die Konferenz der alliierte« Außenminister.

^ Paris. Die Pariser Presse mißt den Besprechungen der alliierten Außenminister große Bedeutung für die kommen- den Sicherheitsverhandlungen bei. Die größte Beachtung schenkt die Presse der F r a g e d e r O st g r e n z e und im Zu­sammenhänge damit der Beteiligung der östlichen Bundes­genossen Frankreichs an den Verhandlungen.Echo d e Paris" glaubt zu wissen, daß Briand für die Schaffung einerentmilitarisierten" Zone im Osten sei. DerPetit Parisien" schreibt, daß Polen und die Tschechoslowakei an den bevorstehenden Verhandlungen unmittelbar teilneh- men werden. DerM a t i n" dagegen nimmt an, daß Polen und die Tschechoslowakei an dem ersten Abschnitte der Ver­handlungen, der dem von England zu garantierenden Teile des Sicherheitsvertrages gewidmet sein wird, nicht teilnehmen werden. Der ,,Mati n" glaubt ferner zu wissen, daß eine Konferenz der Großmächte, an der auch Italien teilnehmen wird, stattfinden wird, und daß die Verbündeten von Deutsch­land verlangen werden, binnen kürzester Frist direkte Ver­handlungen mit der Tschechoslowakei und Polen aufzu- nehmen. _ __

Der deutsch-englische Handelsvertrag ratifiziert.

$ London. Die Ratifikationsurkunden des Handels­vertrages zwischen Deutschland und Großbritannien sind in London ausgetauscht worden.

Der Kampf der Tschechei gegen das Deutschtum.

- Prag. Wie dieSudetendentsche Zeitung" meldet, spricht man in eingeweihten Kreisen von der Auflösung der deutschen Tonischen Hochschule in Prag in Form einer so- genannten Vereinheitlichung mit der Technischen Hochschule in Brünn. Das Blatt hofft jedoch, diese Absicht werde an entscheidender Stelle schließlich doch an der Erkenntnis schei- tern, daß ein solcher neuer Schlag gegen die deutsche Kultur in der Tschechoslowakei den Bogen überspannen könnte.

Im Hotel Viktoria fand eine von vielen tausend Perso­nen, darunter von einer großen Anzahl von Kurgästen aus aller Welt, besuchte Einspruchsversammlung ge­gen die Bäderbeschlagnahme statt. Es sprachen Abgeordnete und Senatoren aller Parteien einschließlich der Sozialdemokraten. Der deutschnationale Senator Friedrichs wurde von einem Regierungsvertreter unterbrochen und setzte seine Ausführungen "in dem den tschechischen Beamten un­verständlichen Egerer Dialekt fort. Einmütig wurde gefor- dert, daß der Fall Marienbad den Anfang zu einem Zu­sammengehen aller Deutschen auch in wirtschaftlicher Be- ziehung werde, um so den chauvinistischen Bestrebungen ent- schiedenen Widerstand entgegenzustellen. Die Entschließung betont, daß die Existenz vieler Tausenden von der Weiter- führung des Marienbads in Marienbad in der bisher bewährten Weise abhänge, und schloß mit der grundsätzlichen Forderung nach Selbstbestimmungsrecht und Selbstver- waltung.

Ein polnischer Schritt bei der deutschen Regierung.

£ Warschau. Nachdem die Meldung der deutschen Presse über die Verletzung der deutschen (Stenge durch Polen be­reits dementiert wurde, hat die polnische Regierung ihre Gesandtschaft in Berlin beauftragt, die deutsche Regierung auf die schädliche Tätigkeit (?) eines Teils der deutschen Presse aufmerksam zu machen.

Ein neuer Sinowjew-Brief.

^ London. Der Kommandant Her Londoner Polizei hat an alle Polizeireviere den Befehl erlassen, gegen die Kom­munisten scharf vorzugehen. Er hat zur Festnahme der Ver­dächtigen weitgehende Vollmachten erteilt. DieDaily 9lews* veröffentlichen einen angeblich von Sinowjew stammenben Brief aus Moskau, der ben Kommunisten die Agitation in Heer und Flotte zur Pflicht macht.

Elsaßreise des französischen Ministerpräsidenten.

% Paris. Ministerpräsident PainlevS traf, von Genf kommend, in Mülhausen im Elsaß ein, um sich von dort nach Straßburg zu begeben. Am 11. September wird Painlevö in Metz erwartet; von dort aus hegtet er sich direkt nach Paris. Auf seiner Reise wird Painleve von dem Unter- staatsselietür Bannet und dem Wirtschastsmintster Chaumet begleitet werden. Wie derMatin" sagt, er­folgt die Reise des Mnisterpräsidenten zur Feier des wiederhergestellten Burgfriedens aller Parteien. Die Katholische Liga in Mülhausen hat eine Entschließung angenommen, in der festgestellt wird, daß