Hersfelöee Tageblatt
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Hersfel-er Kreisblatt"
Amtlicher /inzeiger für den Kreis Hersfels
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Nr. 213 Freitag, den 11. September
Der Bezugspreis Ibeirügfi durch ^dle ‘.Polf tezogen monatlich L— Dök, ausschlleBL Beltellgeld, für Bersfeld 1.— Alk bei freier Zustellung, Abholer —.80 M. * Druck! und Verlag Don hudmlg Funks Buchdruckerei In Bersfeld, (Dltgiied des VDZV.
1925
Das Wichtigste.
— Wie verlautet, wird in Genf in diesen Tagen die Einladung an Dr. Stresemann und Dr. Luther zur Sicherheitskonferenz in Lausanne ergehen.
— Die Berliner Polizei glaubt durch die Verhaf. tungen von Mitgliedern des Ordens „Die Ritter vom feurigen Kreuz" einer weitverzweigten völkischen Organisation auf die Spur gekommen zu sein.
— Die Brandstiftungen in Berlin nehmen weiter z u, Am Donnerstag wurden wieder zwei Dachstuhl- brande entdeckt.
Kreuzer Berlins Ausfahrt.
Der Schulkreuzer „Berlin" hat am 9. September seine diesjährige große Winterausbildungsfahrt angetreten. Das Schiff wird nach Westindien, Mittel- und Südamerika gehen und haitianische, ekuadorianische, chilenische, argentinische und brasilianische Hafenstädte an laufen.
Die vorige Reise des Kreuzers „Berlin" war ein großer Erfolg für die deutsche Sache, insbesondere war die Aufnahme in Mexiko überwältigend. Auch diesmal ist zu erwarten, daß der Empfang an den meisten Orten ein überaus freundlicher sein wird, wahrscheinlich dürsten die Tage in Chile den Höhepunkt der Reise bilden.
Die kleine deutsche Kriegsmarine hat bisher draußen in Ehren bestanden. Ueberall, wo sie ihre Flagge zeigte, flogen ihr die Herzen der Bevölkerung entgegen. Selbst in Ländern, die uns während des Weltkrieges eine unfreundliche Haltung entgegenbrachten, hat das Auftreten der deutschen Seeleute einen Umischwung der Stimmung herbeigeführt. Zum erstenmale haben im Jahre 1924 deutsche Kriegsschiffe weitere Auslandsfahrten angetreten, insbesondere waren es die „Berlin" und die „Niobe", die wieder der Welt draußen zeigten, daß der deutsche Seemannsaeikt rti&i sei Dann folgte die Ausfahrt von Lrüienschrffen nach'Spämen, Mb" zetzt wird nun das lateinische Amerika Gelegenheit haben, deutsche Seeleute bei sich zu sehen.
Sechs in den Jahren 1903 bis 1909 erbaute, sechs noch ältere, kleine Kreuzer sowie zwei Dutzend Torpedoboote sind der mehr als bescheidene Rest unserer einst so stolzen Flotte, vor der einst das meerbeherrschende England zitterte. Dre Frage soll hier nicht entschieden werden, ob Deutschland mals gut daran getan hat, durch den Bau der Linienschiffe und Dreadnoughts den Rüstungskampf mit Großbritannien aufzunehmen. Vielleicht wäre vieles anders gekommen, wenn der Kaiser den Ratschlägen des Fürsten Philipp zu Eulen- bürg, der andauernd vor zu starken Flottenrüstungen warnte, gefolgt wäre. Von Scapa Flow hat das letzte Fanal des aufopfernden Todesmutes der alten Flotte gen Himmel geleuchtet, aber die neue kleine Kriegsmarine ist eine würdige Nachfolgerin der großen Toten. In ihr lebt der alte Gesst der Pflichterfüllung und Aufopferung. Unsere Schiffe siud Muster von Sauberkeit und bis ins kleinste durchgeführtsr Ordnung. Ihr Material wird, ttotz seines vielfach nicht mehr modernen Zustandes, soweit auf der Höhe gehalten, als es ine vorhandenen Mittel und die Schnüffelkontrolle der Feinde zulassen. Das Mannschaftsmaterial wird aus der Zahl der sich reichlich meldenden Freiwilligen mit besonderer Sorgfalt gesiebt, die Fach- und Allgemeinbildung der Offiziere über- ragt bei weitem die der Angehörigen anderer Marinen. Sobald unsere blauen Jungen in der Ferne an Land gehen, zeichnen sie sich durch tadelloses Verhalten und korrektes Auf- treten aus. t .
Große Genugtuung wird bei den Auslan^dsdeutschen der in diesem Jahre vom Kreuzer „Berlin besuchten Hafen- stützte über die Ankunft des deutschen Kriegsschiffes herrschen. Und diese Freude wird große unb einflußreiche Kreise der eingeborenen Bevölkerung ersassen. Die Stimmung in den von der „Berlin" besuchten Lidern ist, soweit sie überhaupt nicht schon deutschfreundlich war, allenthalben Mrk zu unseren Gunsten umgeschlagen. In Haiti flucht die Bevölkerung der nun schon seit Jahren andauernden Besetzung durch die Yankees. In Peru und Brasilien bat man erkannt, daß ohne deutsche Technik der Ausbau des Landes unmöglich und ohne ben deutschen aufnahmefähigen Markt die Rohproduktausfuhr in sehr starken: Maße behindert ist. In Kolumbien und Chile ist die Stimmung ohnehin schon der Entente immer wenig geneigt gewesen, und in Argentinien wird der Besuch nur noch festere Bande zwischen uns und dem La-Plata-Staate schlingen.
Auch unsere Kriegsmarine wird mcht für ewige gelten zu ihrer jetzigen Bedeutungslosigkeit verurteilt sein. Immer mehr wird sich in der Welt die Erkenntnis Bahn brechendaß auch auf dem Meere eine völlige Ausschaltung einer von alters her seefahrende Nation unmöglich ist.
Die Gicherheiiskonfes em in Lausanne.
4. Genf. Wie ein Berliner Mittagsblatt zu melden weiß, hat der englische Außenminister Chamberlain die in Genf versammelte Presse zu einer Konferenz über die Sicherheitsverhandlungen geladen. Da« Blatt glaubt, feste Anhalrspunkte dafür zu haben, daß in dem Augenblick, wo
offiziöse Kommentare über die Verhandlungen in Genf ausgegeben werden, die
Einladung Deutschlands
zu einer Konferenz in Lausanne erfolgen wird. Es wird erwartet, daß auch die Haltung Italiens bis dahin geklärt ist und daß auch der polnische und tschechische Außenminister an der Konferenz teilnehmen werden.
Wie verlautet, wird England dabei nochmals betonen, daß es nur an einem Teil der Konferenz teilnehmen wird, die den R h e i n l a n d p a k t betrifft, nicht aber beteiligen wird es sich an den Besprechungen über die Frage einer Garantie der Ost grenze. England lehnt es entschieden ab, daß seine Polittk in eine Interessensphäre ge- zogen wird, die keineswegs den Richtlinien Englands entspricht. Wie weit die Nachricht, daß außer dem deutschen Außenminister Dr. Stresemann auch der Reichskanzler Dr. Luther zur Teilnahme an der Konferenz eingeladen werden soll, da er die gesamte Verantwortung für innere und äußere Politik in Deutschland trage, den Tatsachen entspricht, läßt sich bisher nicht nachprüfen.
Zusammen mit den juristischen Beratern und dem Hilfspersonal soll die Zahl der Teilnehmer an der Lau - sanner Konferenz nicht mehr als 150 Personen zählen.
Das Berliner Blatt will, vorausgesetzt, daß Deutschland die Genfer Vorschläge annimmt, bereits wissen, daß die Verhandlungen im „Hotel du Chateau" stattfinden werden und daß die Delegationen im benachbarten Hotel „Beau Rivage" wohnen werden.
Zufammenfassend berichtet das Blatt, daß der Zusammentritt der Konferenz in Genf als gesichert angesehen wird. Weniger sicher ist man über das Ergebnis, da man noch nicht im klaren ist, welche Forderungen Deutschland stellen wird und wie weit die Gegenforderungen der Alliierten sich damit vereinen lassen. Trotzdem aber herrscht nach wie vor st ärk- st e r Optimismus, und man hofft, in Lausanne die Sicherheitsfrage um ein gewaltiges Stück vorwärts zu bringen.
w wr ewr EMMMMg.
Der Danziger Briefkastenstreit.
£ Danzig. Wie die„DanzigerNeuestenNachrichten" aus Genf berichten, wird erwogen, dort die Entscheidung der ^>olker- bundskommission über den Briefkastenkonflikt an das Haager Schiedsgericht zu verweisen. Es sind Zweifel entstanden, ob nicht durch das Gutachten der Kommission in Danzig das nn Gutachten des Haager Schiedsgerichts geschaffene lurfftffche Fundament verlassen und die Angelegenheit auf das politische Gebiet hinübergespielt worden ist. Das scheint auch schon daraus hervorzugehen, daß die beiden Parteien Danzig und Polen gegen das Gutachten Verwahrung eingelegt haben. Da beide Parteien einen völlig abweichenden Standpunkt vertreten möchte der Völkerbund anscheinend die Ver- antwortung für die Entscheidung nicht übernehmen, ohne den Haager Schiedsgerichtshof zu befragen, ob sich die vorgeschlagene „grüne Linie" mit den vom Haager Gerichtshof aufgestellten Rechtsgrundsatzen deckt.
Es ist bezeichnend für den Völkerbund und gibt ein Bild von seiner Macht, daß er, nachdem eine seiner Kommissionen in der Danziger Briefkastenaffäre das bekannte unerhörte Fehlurteil gefällt hat, jetzt den Rückzug antritt und das Haager Schiedsgericht als zuständig bezeichnet.
Keine Aufhebung der österreichischen Finanzkontrolle.
Eine Niederlage Oesterreichs in Genf.
4- Genf. Das Finanzkomitee des Völkerbundes beendete seine Beratuiigen über die Aufhebung der Finanzkontrolle in Oesterreich. ‘ Ein endgültiger Beschluß ist nicht gefaßt wor- den und auf die Dezembertagung verschoben worden. Es besteht die Absicht, an die Aufhebung der Fi- nanzkoutrolle zwei Bedingungen zu knüpfen. Erstens soll die österreichische Regierung sich bereiterklären, innerhalb der nächsten zehn Jahre einen Eingriff des Völkerbundes zuzu. lasten falls das Staatsbudget ins Schwanken gerät. Zweitens soll ein Beobachter innerhalb der Notenbank die Interessen der ausländischen Geldgeber wahrnehmen und durch seine Tätiakett einen Zustrom fremden Kapitals fördern. Man darf in diesem Ergebnis der Verhandlungen über den Abbau der Finanzkontrolle in Oesterreich eine Niederlage der oster- reichi chen Regierung erblicken, die trotz ihrer franzosen- freundlichen Hältung in Genf einen Abbau nicht erreicht hat. Nicht mit Unrecht ist die Stellungnahme des Finanzkoimtees auf die Befürchtung der englischen Regierung zurückzufuh- ren durch eine Aufhebung der Finanzkontrolle die Interessen der'ausländischen Geldgeber zu gefährden.
Für Recht und Freiheil im Saargebiet.
Die Saarabordnung in Gens „nicht allzu pessimistisch".
Genf. Die m Genf anwesende Abordnung aus dem Saargeviet äußerte sich n i ch t a Hz u pe sHin ist tf ch über die Aussichten für die neue Besetzung des Prapdenten- postens der Saarregierung, die im Winter durch den Rat er- folgen wird. Es besteht die begründete Hoffnung, daß bet Rat den französischen Präsidenten R a u l t abberufen und eine wirklich neutrale Person an seine Stelle setzen wird. Da
mit wäre für die Saarregievung ein schöner Erfolg erzielt. Vermutlich wird sich der Rat schon während der jetzigen Ta- gung über die Persönlichkeit des neuen Präsidenten einigen.
ChamberlainS Sicherheitspaktrede.
Nach kurzen Ausführungen des Vertreters von Paraguay betritt Chamberlain, von langem und herzlichem Beifall begrüßt, die Rednertribüne des Völkerbundes. Die Versammlung folgte den Ausführungen Chamberlains aufmerksam, fast regungslos. Chamberlain begann in seiner Rede mit einem Hinweis auf das wachsende Interesse der Welt am Völkerbund und auf seinen wachsenden Einfluß. Die britische Regierung hätte ihr Vettrauen zum Völkerbund durch ihre Bereitwilligkett, eine Entscheidung in der Mossul- frage anzunehmen, bekundet. Die Begründung der Ablch- nung des Genfer Protokolls durch die britische Regierung sei keineswegs in der Verschiedenheit der Ziele zu erblicken, aber die britische Regierung wäre der Anschauung, daß der Zweck eines Friedensprotokolls nicht die Besttafung des Angreifers, sondern die Verhinderung des Krieges sein müsse. Das Protokoll hätte dem nicht genügend Rechnung getragen. Nur wenn der Völkerbund den Krieg verhindere, werde er die Hoffnungen der Welt erfüllen. Bei der großen Verschiedenheit der im Völkerbund vertretenen Völker lasse sich nicht jeder mögliche Kriegsfall vorhersehen. Kein Schneider könne für alle Mitglieder der Versammlung die gleichen Anzüge machen und dann erwarten, daß sie auch jedem gut paffen. Die Aufgabe des Völkerbundes wäre, zu vermitteln. Das Protokoll würde nur einer gewissen Art von Konflikten gerecht und finde für eine größere Anzahl von Konflikten keine Lösung. Der angelsächsische Geist scheue allgemeine Folgerungen rein logischer Att. Er verlange praktische Regelungen. England' habe in den letzten 250 Jahren gewaltige Veränderungen durchlebt. Enoland kenne aber keine Revolution, die in allgemeinen logischen Erwägungen ihren Ursprung hatte. Seine Fortschritte waren stets den Zeitbe- dürfnissen angepaßt. England stehe bei der Beurteilung des Protokolls unter dem Einfluß seiner historischen Entwicklung. Es lehne __________
ab, die für alle Fülle paffen sollen. England wolle von allem die Sicherheit der Völker in der ganzen Welt gewahrt sehen. Es wolle dieses Ziel bescheiden in Ana-'^ nehmen und nicht mit einem Schlage mehr erreichen, als sich tatsächlich erreichen ließe. Das Wichtigste für England sei, den Frieden herber- zuführen und den Krieg zu verhindern. Die erste Bedin- gung sei, den Frieden zu erhalten, den Krieg zu verhindern ober den Ausbruch des Krieges wenigstens so lange hinaus- zuzögern, bis Freunde vermitteln könnten und die Welt ihr
Wort gesprochen habe. Die
moralischen Santtionen
seien ebenso wichtig wie die kriegerischen und auf die Dauer am wirksamsten. Die Forderung müsse lauten: „Abrüstung durch Sicherheit, Sicherheit durch Schiedsgericht." Die mora- lische Abrüstung sei die Grundlage der Sicherheit. Wie Pain- levö gesagt habe, müssen wir einen wirklich wahren inter- nationalen Geist haben und eine neue internationale Moral schaffen. Die britische Ansicht sei, zuerst in dem uns am nächsten liegenden Gebiet die Sicherheit *u schaffen, indem die besonderen Vereinbarungen den besonderen Bedürfnissen der Völker im Geiste des Völkerbundes entsprechen. Daher sei England für eine Zusammenarbeit der am meisten inter- essierten Mächte. Es handle sich nicht um neue Bündnisse gegen andere Parteien, sondern um die Herbeiführung des allgemeinen Friedens durch Sondervereinbarungen. So hoffe England am besten einen allgemeinen Frieden herbeizu- führen. ___________
Wiederaufnahme der deutsch-polnischen WirtschaftS« verhaMungen.
$ Genf. Staatssekretär Lewald hatte am Mittwoch nachmittag eine längere Aussprache mit dem polnischen Außenminister Skrzp nski über die deuffch-polnischen Handelsvertragsverhandlungen. Lewald gab dem Wunsche der Reichsregierung Ausdruck, mit Polen zu einem Vertragsabschluß zu kommen. Auch wurden die schwebenden politischen Probleme berührt.
Es klingt sonderbar, wenn wir hören, daß die d rutsche Regierung den Wunsch habe, zu einem Vertragsabschluß zu kommen. Man sollte erwarten, daß P olen das große« Interesse an einem Handelsvertrag mit Deutschland hat, denn allein Polen hätte doch ^rffchastli^ Vorteile darMs zu - warten. War es wirklich nötig, daß Deutschland wieder de ersten Schritt zu Verhandlungen tatt
Kreditverhandlungen für Deutschland.
❖ London. Wie der diplomatische Korrespoudeut des „Daily Telegraph" berichtet, hat eine bedeutsame Zusammenkunft im Zusammenhang mit der DM>esplan. Ausführung und anderen amerikanischen Kredtten für Deutschland in London stattgefunden. Au der Kousereuz haben die Gouverneure der Bank von Englaub, Montag«« N o r m a n, der Federal - Reserve - Pa^k vo« dhutttta,