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Hersfel-er Tageblatt

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Nr. 218

Donnerstag, den 17. September

1925

Das Wichtigste.

Der französische Kultusminister de Monzie trat bei seinem Besuche bei dem preußischen Kultusminister für wissenschaftliche Zusammenarbeit ein.

Die Teilnahme Italiens an der Sicher­heitskonferenz ist gesichert. Wahrscheinlich wird Mussolini selbst sein Land vertreten.

Der bekannte Wiener Operettenkomponist L e o F a 11 ist g e st o r b e n.

KomMinstische Erfolge in der englischen Arbeiterbewegung.

Wenn wir Deutsche daran unbeteiligt wären, würde es außerordentlich interessant sein, das weltpolitische Gegenspiel zwischen der Sowjetrepublik und der englischen Weltpolitik zu betrachten. Der alte Gegensatz englisch-russischer Politik, wie er in der Vorkriegszeit bestand, tritt heute stärker denn je in Erscheinung, nur wird er von russischer Seite mit wesentlich anderen und zweifellos gefährlicheren Mitteln ge- schürt als in Friedenszeiten. Wir können in Deutschland in diesen Tagen wieder angesichts der Schwenkung, die die Kommunistische Partei Deutschlands zurzeit vorgenommen hat, die Macht der russischen Leitung erkennen.

Der Krieg hat die gesamte Arbeiterbewegung in andere Bahnen gedrängt. Das trifft auch für England zu. Die englische Gewerkschaftsbewegung galt früher als äußerst be- dächtig und zurückhaltend. Sie fand ihre politische Vertre­tung in der englischen Arbeiterpartei, die zeitweise geradezu als Vorbild nationaler Arbeiterpolitik angefprodjen wurde. Nun wäre es allerdings falsch, die englische Arbeiterpartei etwa als Klassenpartei in deutschem Sinne zu betrachten. In

der,LaLour-Partei" waren von jeher starke intellektuelle Schichten vertreten. Dadurch konnte sie teilweise die Politik führen, die wir kennen. Aus der Regierunigstätigkeit der Labour-Partei einerseits und aus dem Gegensatz zwischen intene'"'

Eine englische Verleumdung.

ein letzt bie kommn-

Wische Saat aufgehen konnte.

Als die Intellektuellen der Arbeiterpartei in Glouchester ihre Iahreshauptversammlung abhielten, spalteten sich die beiden Richtungen in der Arbeiterpartei. M a c D o n a l d bekam scharfe Vorwürfe ob seiner Politik, die er allerdings mit einer gewissen Gelassenheit zurückwies. In der gesamten englischen Arbeiterbewegung entwickelten sich immermehr zwei Richtungen heraus; der rechte Flügel, geführt von dem ehe­maligen Marinestaatssekretär Thomas, dem jetzigem Generalsekretär der Eisenbahnergewerkschaft und der linke Flügel, geführt von C o o k, dem Generalsekretär des Berg­arbeiterverbandes. Beide Richtungen rangen auf dein eng­lischen Gewerkschaftskongreß, der jetzt in Scar- b o r o u g h stattgefunden hat, um den Sieg. Dazu kam, daß vor kurzem in der Gewerkschaftsbewegung selbst eine so­genannteMinoritätenbewegung" entstanden war, die eng­lische Benennung für die dortigen kommunistis chen Z «Neubildung. Der englische Gewerkschaftskongreß hat die Entscheidung gebracht, und man sann ruhig aus­sprechen, das Ergebnis des Kampfes ist ein Erfolg für sie kommunistische Bewegung.

Die Welt tritt in den Endkampf gegen die Sklaverei", so lautet die Überschrift, dieDaily Hevald", das englische sözialdemokratische Blatt, über seinen Kongreßbericht schreibt. Das ist bereits kommunistische Diktion, zeigt mit Deutlichkeit die Absicht in England den Klassenkampf aufzurollen.

Vielleicht tritt dieser Sieg der kommunistischen Propa­ganda noch weiter durch die Stellung des Gewerkschafts- kongresses gegenüber Rußland in Erscheinung. Die Stim- mung des Kongresses war f ü r Rußland. Sie war außerdem völlia eingestellt auf die Vorschriften der Moskauer Politik. Gegeißelt'wurde der Abbruch der Handelsbeziehungen mit Rußland und behauptet wurde, die Baldwin-Regierung dränge auf einen Krieg gegen Rußland. Lauter Beifall er­tönte, als den chinesischen Arbeitern Unterstützung zugesagt wurde. Kurz und gut, alles Maßnahmen, die auf der Linie der Sowjetpolitik liegen. Außerdem sprach sich der Kongreß für die russische Forderung aus, sofort Verhandlungen mit der Amsterdamer Internationale zu erreichen. Rußland will über die englische Arbeiterbewegung hinweg in der sozialisti­schen Amsterdamer Internationale Fuß fassen und benutzt hierzu das Schlagwort von der Einheitsfront aller Arbeiter.

In England selbst wird als Folge der Spaltung zwischen Arbeiterpartei und Gewerkschaft eine V c r i ch arfung der Wirtschaftskämpfe eintreten. Aber auch für Deutschland werden die Folgen nicht aus-

Die Kommunistische Partei Deutschlands hat bekanntlich auf ihrem letzten Parteitag eine Schwenkung in der Gewerk- schaftsfrage vollzogen. Sie Mb die Parole aus, heue in in die sozialistischen Gewerkschaften, während bisher eigene kommunistische Gewerkschaften gegründet mürben. Die deut­sche Gewerkschaftsbewegung soll dadurch radikalyiert werben. Der Versuch in der Amsterdamer Internationale Einfluß zu gewinnen, unb der Versuch Rußlands, die deutschen Gewerk­schaften noch stärker zu radikalisieren, laufen parallel. Beide Versuche gehen auf dieselbe Wirkung hinaus. Deshalb wirb die Rückwirkung der Vorgänge auf dem cngnhgiim Gewerk-

säMtsiongceß oooausjccksttlch für uns m Deutschland in kurzer Zeit zu spüren sein. Da heißt es, Augen offen i-alten, um einer etwaigen Gefahr rechtzeitig entgsgenzuwirkem

Italiens Teilnahme an der Sicherheitskonferenz gesichert.

^ Genf. Nach seiner Rückkehr aus Rom hatte Unter- staatssekretär Grand i eine längere Unterredung mit bem Senator Scialoja, die der Teilnahme Italiens an der Konferenz über den Sicherheitspakt gewidmet cvar. Mch den Mitteilungen Grandis ist die Teilnahme Italiens an der Konferenz gesichert. Mussolini werde p e r s ö n - lich sich einfinden, falls er nicht durch unvorherge­sehene Ereignisse hieran verhindert werde. Die italienische Presse faßt die Richtlinien, die Mussolini Grandi mitgegeben hat, dahin zusammen, daß Italien nur unter der Voraics- setzung der völligen Gleichstellung an den bevorstehenden internationalen Verhandlungen teilnehmen, unb daß es sich die allergrößte Freiheit für seine Entschlüsse vorbehalten würde.

Eine Erklärung des polnischen Außenministers zu dem Sicherheitspakt.

£ Genf. Skrzynski, der polnische Außenminister, hat dem Vertreter derSchweizerischen Depeschenagentur" folgende Erklärung abgegeben:Die bevorstehende Zusam­menkunft zwischen Frankreich, England, Belgien und Deutsch- land über den Abschluß des Sicherheitspaktes kann von allergrößter Bedeutung sein, weil sie eine Verständigung zwischen Paris und Berlin herbeiführen soll. Man darf im übrigen aber nicht vergessen, daß eine Verbesserung der Be­ziehungen zwischen Frankreich und Deutschland nicht genügt, um den Frieden zu gewährleisten, wenn nicht gleichzeitig auch eine Verständigung zwischen Berlin und Warschau erreicht wird. Die polnische Regierung ist daher der Anschauung, daß die geplante internationale Kon­ferenz nicht nur einen Rheinpatt abschließen soll, son­dern auch Schiedsgerichtsverträge zwischen De

£ London. Das Londoner gemäßigt-konservative Blatt Daily Telegraph" beschäftigt sich an leitender Stelle mit den Aussichten der Annahme des Paktes in Deutsch­land und bringt dabei, wie üblich, eine höchst tendenziöse Darstellung der deutschen politischen Verhältnisse. Die Hal­tung der Deutschnationalen erregt dem Blatt zufolge stärkstes Mißttauen. Obwohl noch keinerlei Beschlüsse vorliegen und noch sonst etwas Definitives über die zukünftige Haltung Deutschlands und der deutschen Regierung zu sagen ist, belastet derDaily Telegraph" diese eine Partei mit der Verantwortung für ein mögliches Scheitern der Pakt- verhandlungen. Dabei muß das Blatt andererseits doch zugeben, daß ohne die deutschnationale Beteiligung an den Verhandlungen praktisch nie1;1- - ^^ übrigen Blätter bringen überhaupt

chts erreichbar sein würde. Die überhaupt keinerlei Mitteilungen übenden Stand der' Verhandlungen, da ja zurzeit b< Schwerpunkt der Entscheidung in Berlin liegt.

er

Gegen eine neutrale Ostgrenze.

- Berlin. Das Präsidium des Deutschen O st- b und es hat seinen schweren Besorgnissen wegen der inter­nationalen Besprechungen über die Schaffung einer neu­tralen Zone auch an der Ostgrenze in einer Eingabe an die Reichsregierung Ausdruck gegeben, in der es heißt: In restloser Uebereinstimmung mit unseren über das ganze Deutsche Reich verteilten 19 Landes- und Provinzial- verbänden sowie rund 100 Ortsgruppen warnen wir das Reichskabinett dringend davor, beim Llbschluß des Westpaktes irgendeine Bindung bezüglich der Ostgrenzen einzugehen, welcher Art sie auch sein mag. Die in unseren Reihen ' organisierten Flüchtlinge und Verdrängten aus den ver­lorenen Ostgebieten wollen das ungeheure Leid, das ihnen wegen ihrer Treue zum Deutschtum zugefilgt ist, weiterhin in Ruhe, auch in Stolz tragen, aber nur dann, wenn ihnen nicht die Hoffnung genommen wird, daß sie selbst oder wenigstens ihre Kinder zur gegebenen Stunde in die alte Heimat zurückkehren können.

Abrüstungsfrage« vordem Völkerbund

Aus dem Rüstungsausschuß des Völkerbundes.

^ Genf. Der Völkerbundausschuß für Rüstungsfragen hat beschlossen, der Völkerbundversammlung eine Resolution vorzu- legen, in der der VLlkerbuu'drat aufgefordert wird, möglichst rasch einen Konventionsentwurf über die Kontrolle der Herstellung von Waffen, Munition und Kriegsmaterial ausarbeiten zu lassen. Dieser Entwurf soll möglichst noch vor der nächsten Völkerbund- Versammlung einer internationalen Konferenz unterbreitet wer- den. Er gab ferner der Befürchtung Ausdruck, daß der Mschluß von regionalen Sonderabkommen allzu sehr an die Vorkriegs- bündnisse erinnere, und betonte, daß zur Erhaltung des Friedens

die nationalen Rüstungen

auf ein Minimum herabgesetzt werden müßten, das für die na­tionale Sicherheit notwendig sei. Ungarns Rüstungsstand sei

aber heute weil unter dieser Grenze. Ungarn habe bet einer Be- völkerung von 8 Millionen nur einen Truppenbestand von 36000 Mann mit 105 Geschützen. Oe st erreich mit 6,5 Millionen Einwohnern verfüge über 30 000 Mann und 90 Geschützen. Die Tschechoslowakei habe mit 13,6 Millionen Einwohnern ein Heer von fast 150 000 Mann und 1400 Geschützen. Rumänien mit 16,2 Millionen Einwohnern habe 136 000 Mann und 1700 Geschütze, und Jugoslawien mit 12 000 Einwohnern verfüge über 115 000 Mann und 650 Geschütze. Diesen Zustand hält Tanczas für unvereinbar mit dem Grundsatz der nationalen Sicherheit, der im vorigen Jahre auch vom Völkerbund proklamiert wurde. Die Frage der allgemeinen Abrüstung müsse so gelöst werden, daß die Sicherheit aller Staaten gewährleistet wäre.

De Breuckers -Belgien erklärte, daß sein Land zur Ab- . rüstung bereit sei, sobald seine Sicherheit gewährleistet sei. De Jouvenel Frankreich sprach sich im gleichen Sinne aus. Lou- don -Holland und Lange - Norwegen übten an der Tätig­keit der im vorigen Jahre eingesetzten Wrüstungskommission Kritik. Lange erklärte, es fei an der Zeit, daß endlich eine wirkliche Abrüstungskommission geschaffen werde, damit nicht mehr davon gesprochen werden könne, daß die sogenannte Koordi- nationskommission nur die schlechten Absichten der verschiedenen Staaten in der Abrüstungsfrage koordiniere.

Gegen die Knegsschuldlüge.

Eine Eingabe nationaler Verbände an die Reichsregierung.

^ Bremen. Die folgende Eingabe von vier nationalen Verbänden ist durch den Vorstand des VolksbundesRettet die Ehre", Zentrale Bremen, an die deutsche Reichsregierung abgesandt worden:Nachstehende' Organisationen: bk Arbeitsgemeinschaft für vaterländische Aufklärung, Berlin, der Aufklärungsaus- schuß für die Kriegsschuldfrage, Dresden, die nati gna l c E inh e it sf r.o nt. ^-an^ .^ b!ö ckMfiüj«! N'eichsregierung, der immer mehr hervortretenden Unzufriedenheit der gesamten deutschen Be­völkerung Rechnung zu tragen und endlich ihr feierlich ge­gebenes Versprechen vom 29. August 1924 betreffend den Artikel 231 des Versailler Diktates einzulösen. Die Regie­rung hat den hierfür notivenbigen ersten Schritt getan, in­dem sie alle auf den Weltkrieg bezüglichen amtlichen Doku­mente der Oefsentlichkeit übergab. Dieser Schritt hat aber unseres Erachtens nur dann eine politische Bedeutung, wenn die Regierung daraus auch die Schlußfolgerungen zieht, den fremden Mächten offiziell zu notifizieren, daß sie die Behauptung des Artikels 231 des Versailler Diktates über dieSchuld Deutschlands am Kriege" daraufhin als eine weltgeschichtliche Unwahrheit zu bestreiten sich genötigt sieht. Nach unserer Kenntnis der Volksstimmung wartet man ganz allgemein, daß die Regie­rung vor Beginn der mündlichen staatspolitischen Verhand­lungen über den Garantiepakt diese Erklärung den fremden Mächten überreichen wird." -

O e Wissenschaft als Verständigungs- brücke.

Zum Besuch des französischen Kultus­ministers in Berlin.

4 Berlin. Der französische Kultusminister deMonzie

der dem preußischen Kultusminister Professor Dr. Becker einen Besuch abstattete, hatte eine etwa einstündige Unter- redung mit ihm, bei der die Schwierigkeiten für die inter­nationale Zusammenarbeit der Gelehrten erörtert wurde. An einem anschließenden Frühst!

>nien neben dem preu-

dem französisischen

ßischen Ministerpräsidenten Braun, i

Botschafter d e Margerie, den Staatssekretären S ch u - bert und Zweigert namhafte Vertreter der Wissen­

schaft und Kunst teil.

Minister'Becker hieß Herrn de Monzie willkommen: Mit Genugtuung begrüße er den Besuch des französischen Unterrichtsministers, da er einen weiteren Schritt bedeute, auf eine kulturelle Verständigung der euro­päischen Völker, insbesondere des französischen und des deutschen, hinzuwirken. Die Wissenschaft sei ihrem We­sen imch international, aber der Mensch, bet sie er- zeuge, gehöre dein nationalen Boden an, in dem er wurzele und könne sich ohne Schädigung auch seiner geistigen Arbeit von den Geschicken seines Volkes nicht lösen. Je stolzer «ine Nation sei, desto schwerer trüge sie an e i n e r N i e d e r l a g e. D c u t s ch l a n d stehe noch unter bem Alpdruck der Besatzung. Daraus er­geben sich Hemmungen, für die das französische Volk gewiß volles Verständnis besitzen werde. Um so freudiger begrüße er die vorurteilsfreie Initiative, die Herr de Monzie er­griffen habe, und beiße ihn als Vorkämpfer der geisti­gen Verständigung zwischen Deutschland und F r a n tret ch willkommen.

In seiner Erwiderung wies der französische Minister de Monzie besonders auf die Noturendigkeit der Teilnahme Deutschlands an der bevorstehenden Einweihung des Institut Internationale de Eonfeddration d'Intellektuelle hin, zu der