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yersfel-M Tageblatt Hersfelöer Kreisblatt" Amtlicher Anzeiger für -en Kreis Hersfels

Nr. 219 Freitag, den 18. September 1925

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Das Wichtigste.

Die deutsch-französischen Wirtschafts- verhandlungen sind vertagt worden. Die deutsche Delegation ist nach Berlin zurückgekehrt.

Der Reichspräsident von Hindenburg ist ins Ruhrgebiet gereist.

Die Anleihe der Deutschen Renten- dank- Kreditanstalt ist in New Hork so st a r k über­zeichnet worden, daß nur ungefähr 10 Prozent zugeteilt werden können.

Vor schweren Entscheidungen.

Das Einladungsschreiben, das der französische Bot­schafter am 16. September der deutschen Regierung über­mittelte, ist das Ergebnis der Verhandlungen, die zwischen der letzten Bri-ändnote an Deutschland Dom 24. August und bet Iuristenkonferenz bis heute stattfanden. Es war zu er­warten, daß die Note nicht irgendwelche Richtlinien für die kommmde Paktkonferenz angeben würde. Sie sollte nicht mehr -sein, als eine Bestätigung der bis heute zustande ge- kom-menen Einigung zwischen den interessierten Ländern.

Das Schreiben sieht eineBegegnung der Außenminister der beteiligten Staaten" vor und drückt die Hoffnung aus, daß die bisherigen Verhandlungen in der Sicherheitsfrage durch die persönliche Begegnung eine Beschleunigung erfahren. Es ist nicht recht ersichtlich aus dem Einladungsschreiben, ob sich die kommende Besprechung nur auf eine Unterhaltung zwischen den Außenministern der einzelnen Ländern beschrän­ken wird, oder ob man den Außenministern einen Stab von Beratern zugesteht, die an den Verhandlungen selbst teil- nehmen werden. Beianntlich bestehen ja in deutschen Re- gierungskreisen Wünsche, die dahin gehen, daß den deutschen Reichsaußenminister Dr. Stresemann der Reichskanzler Dr. Lucher und der Reichsinnenminister Schiele zur Konfe­renz begleiten. Man darf wohl annehmen, wenngleich das Einladungsschreiben diese Frage nicht genau festlegt, daß in­zwischen durch persönlichen Meinungsaustausch bei dem englischen Geschüftsträgets^in Ä',' 'MMsons- mündliche Vereinbarrcngen getroffen sind, deren Ergebnis man. nicht noch befon-ders in das Einladungsschreiben aufnahm.

Den sofort einsetzenden Vorbesprechungen- zu der Konfe­renz bleibt es vorbehalten, den Ort der Beratung nodj fest« zusetzen. Es ist höchstwahrscheinlich, daß dem französischen Dorschlage, einen Ort in der Schweiz als Tagungsort zu be­stimmen, stattgegeben wird. Was den Zeitpunkt anbetrifft, so stände wohl von seiner Seite dem etwas im Wege, daß die Konferenz zum mindesten, wie das Einladungsschreiben vor- schlägt, in den ersten Tagen des Monats Oktober beginnt.

Die deutsche Jiegierung wird auf die Einladung erst ihre Antwort erteilen können, wenn der Dom Reichskanzler Dr. Luther zum 22. d. M. berufene große Kabinettsrat getagt hat. Zu diesem außerordentlichen K-abinettsrat werden wieder alle deutschen Minister, deren Urlaub bis dahin be- end-et sein wird, in Berlin weilen, und dann wird man ein klares Bild darüber gewinnen können, wie die Stimmung innerhalb der deutschen Regierung zu der Paktkonferenz ist. Dabei wird dann auch der endgültige Entschluß gefaßt werden können, ob Reichsaußenminister Dr. Stresemann allein oder in Begleitung des Reichskanzlers und des deütfchnationalen Jnnennnnisters reifen wird.

Es ist reichlich voreilig und trägt unnötige Unruhe in das Dolk, wenn schon heute in der Presse ein Hetzfeldzug gegen' die Deutschnationalen einsetzt, denen man vorwirft, daß sie die Regelung der Sicherheitsfrage sabotieren. Es wäre gut, wenn sich die Oeffentlichkeit nicht unnötigerweise mit Sorgen beschwerte, für die bisher jegliche Begründung fehlt. Natürlich haben die Deutschnationalen große Bedenken gegen die Sicherheitsko-nferenz, aber es sind doch immerhin Bedenken, die verständlich sind, denn, schließlich soll ja die neue Unterschrift unter dem Sicherheitspakt, die man von Deutschland erwartet, nicht einen neuen Versailler Vertrag in anderer Form bringen. Man erstrebt doch letzten Endes eine Milderung der Gewa-ltbestimmungen von Versailles und nicht eine neue Auflage nach 7 Jahren. Deutschland steht wirklich, und das sollte man überall begreifen- und vorurteilslos erwägen, vor der schwersten Entscheidung -seit Beendigung des Weltkrieges. Die Paktkonferenz muß eine Verbesserung der Lage des deutschen Volkes bringen. Wird dieses Ziel nicht erreicht, so erleben wir im Jahre 1925 ein neues Versailles mit neuen Knechtun­gen und neuen Entbehrungen. Darum gilt es, vor der Zu­sage zur Teilnahme an der Sicherheitskonferenz, das Für und Wider einer Paktkonferenz eingehendst zu erörtern-, da- mit dem deutschen Außenuimister scharf umrisfene Richtlinien gegeben werden, die er bei der Paktkonferenz innezuhalten üat. Dr. M.

England und die Sicherheitskonferenz.

Das englische Memorandum Gehässige Verleumdungen.

^ Berlin. Das Memorandum, das der englische Geschäfts­träger Mister A d d i s o n dem Reichsaußenminister über, reizte, deckt sich, wie von zuständiger Stelle ergänzend mit­

geteilt wird, inhaltlich vollkommen mit dem bereits ver­öffentlichten französischen Memorandum.

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Leider kann die englische Presse die üblichen Verleum­dungen gegen Deutschland nicht unterlassen. Schon bevor auch nur die erste Aeußerung der deutschen Regierung zu der kommenden Paktkonferenz erfolgt ist, suchten einzelne Londoner Blätter Zwietracht zu säen. So folgte jetzt dem Hetzartikel desDaily Telegraph" dieTimes", indem sie unter der UeberschriftDeutschland und der Pakt" u. a. sagen: Die Alliierten hätten Deutschland zur Teilnahme an einer Paktkonferenz eingeladen. Wenn Deutschland die Einladung annehme, und alles nach Wunsch verlaufe, werde eine westeuropäische Entente gebildet werden, an der vier oder fünf Nationen beteiligt seien, um den Frieden auf Grund absoluter Gleichberechtigung aufrechtzuerhalten. Es sei keine Uebertreibung, wenn man behaupte, dieser Schritt bedeute eine Revolution in der Mentalität Europas und beende eine anormale Lage, die nur durch die Ungewandt- Heit der deutschen Diplomaten weiter verlängert werden könne. (?) Solch eine Enttäuschung könne man aber kaum als Möglichkeit in Betracht ziehen. Die französische Re­gierung habe eine auffallende Bereitwilligkeit zu Verhand­lungen mit Deutschland'gezeigt (?) und habe das freund­schaftliche Verhältnis zu England nicht zur Gewinnung einer privilegierten Stellung innerhalb des neuen Sicherheitspakt« ausgenutzt. Komme erst der Text der Abmachungen der Iuristenkonferenz zur Kenntnis der Oeffentlichkeit, dann würde es sich zeigen, daß alle denkbaren Fälle der schieds­gerichtlichen Autorität des Völkerbundes unterstellt feien. Weiter wenden sich dieTimes" der Meinung Deutschlands zu. Nach deutscher Auffassung, schreiben sie, sei natürlich die Annahme oder Ablehnung des Sicherheitspaktes nicht ganz so einfach, obwohl der Gedanke aus Berlin stamme. Es fei selbstverständlich, daß ein Land, das solange außer­halb aller Gemeinschaft mit den übrigen europäischen Staaten gewesen sei, einiges Mißtrauen zeige, und nur mit einer gewissen Vorsicht wieder seinen Platz an dem wärmen­den Herdfeuer seiner Gegner einzunehmen gedenke. Die Deutschnationalen seien am lautesten in der Opposition gegen der gegenwärtigen Westgrenzen den Verzichtaufeinen Teil deutschen nationalen Erbes. Abgesehen davon, daß schon im Versailler Vertrag darauf verzichtet worden sei und Elsaß-Lothringen auch kein nationales Erbe darstelle (!), sei dieses Argument ein klares Eingeständnis dafür, daß ein Teil der deutschen öffentlichen Meinung den Frieden Europas unversöhnlich bekämpfe (!) und das Schwert (!) als Mittel zur Gewinnung dessen betrachte, was einem Appell an die Gerechtigkeit nicht gewährt werden könne. Was die praktische Seite der Sicherheitsverhand- lungen angehe, so meinen dieTimes", daß der englische Außenminister eine Beteiligung Polens und der Tschechoslowakei an den Westpaktverhandlungen un­zweideutig abgelehnt habe. Italien habe keinerlei prak­tische Vorteile von dem Pakt zu erwarten. Es könne aller­dings andererseits nicht von der Teilnahme an dem Pakt ausgeschlossen werden, da es ebenfalls eine große europäische Westmacht sei.

Tschechische Angriffe auf die französische Politik in der Paktfrage.

^ Prag. In allen nationalen tschechischen Blättern äußern sich ernste Befürchtungen über die Gestaltung der Dinge in der Paktfragc. Die Meldung eines Berliner Blattes, daß die Ostfrage tatsächlich vom Rheinpakt völlig getrennt werde und ihre Erörterung einer späteren zeitlich . und örtlich getrennten Konferenz 'vorbehalten sei, habe 'geradezu Bestürzung hervorgerufen. DieNarodny Demo­kratie" spricht im Einschluß an eine Londoner Meldung da­von, daß Frankreich u m g e f a l! e n sei, daß es dem englischen Standpunkt nachgegeben und Polen und die Tschechoslowakei im Stich gelassen habe. Das Blatt erklärt, wenn sich diese Meldung bewahrheite, so be­deute das eine sehr schwere Niederlage für die auswärtige Politik der Tschechoslowakei. Es fordert infolgedessen kate­gorisch die endliche innere Konsolidierung. Ein um so größeres Verbrechen begingen jene, die gleichzeitig in der inneren tschechischen Potttit eine Zersplitterung der tschechi­schen Partei und damit auch der Kräfte des tschechischen Volkes herbeiführten.

Die geheimnisvolle Reise TschitscherinS.

$ Warschau. Das polnische Außenministerium hat von Tschitscherin ein Telegramm erhalten mit der Mitteilung, daß seine Reise nach Warschau um eine Woche verzögert werde, weil Tschitscherin, -der an Zuckerkrankheit leidet, durch eine Verschlimmerung seines Leidens das Zimmer hüten müsse.

Der Genfer Sonderberichterstatter desEcho de Paris" will von maßgebender italienischer Seite erfahren haben, daß Tschitscherin nach seiner Begegnung mit dem Grafen Skrzynski in Warschau Mussolini aufsuchen werde.

Ein französisches Finanzblatt veröffentlicht ein groß aufgemachtes Moskauer Telegramm über die angeblich am 20.b. Mts. in Warschau geplante Zusammenkunft zwischen dem polnischen Außenminister Skrszynski und Tschitscherin. Das betreffende Blatt glaubt zu wissen, daß Tschas-üerin den Gedanken erwäge, den ganzen Vertrag mit Deutschland

zu lösen und ein Abkommen mit Frankreich und Polen her- beizuführen. Skrszynski, der den Quai d'Orsay aufsuchte, soll auch die Warschauer Zusammenkunft zur Sprache ge­bracht haben. Durch Bermittlung des polnischen Außen­ministers will Tschitscherin ferner Frankreich ein Kompromiß hinsichtlich der Schuldenftage unterbreiten lassen.

Veriagung der deutsch-französischen Wirtschaftsverhandlungen.

Rückkehr Dr. Trendelenburgs nach Berlitt.

Paris. Die deutsche Delegation unter dem Vorsitz des Staatssekretärs Dr. Trendelenburg hatte am Mittwoch nachmittag eine Besprechung mit dem französischen Handelsminister E h a u m e t. Von beiden Seiten wurde die feste Absicht bekundet, die deutsch - französischen Wirt- schastsverhandlungen möglichst bald zu Ende zu führen. Von beiden Seiten mußte jedoch anerkannt werden, daß bei Wiederaufnahme der Verhandlungen eine neue Basis ge- schaffen werden müßte, und es bestand Einverständnis

darüber, daß die deutsche Delegation die deutschen Forde­rungen und Angebote bekanntgeben wird. Die ftanzösische Delegation ihrerseits wird Gegenvorschläge ausarbeiten: Daraufhin sollen dann mündliche Verhandlungen beginnen. Die deutsche Delegation hat unter diesen Umständen Paris sofort wieder verlassen und ist nach Berlin zurück- gekehrt. Man hofft, daß die Wirtschaftsverhandlungen Mitte Oktober wieder ausgenommen werden

können.

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In gutunterrichteten französischen Kreisen verlautet, daß Deutschland bei den letzten Verhandlungen als Grund­lage für eine Verständigung folgendes vor­geschlagen habe: Frankreich sieht von der Einteilung der deutschen Einfuhr in vier Warenklassen ab, so daß für die Uebergangszeit nur drei Warenklassen unterschieden wtwrwm-w --»-«-1«! mmeeimuegorw W PerltW französische Minimaltarif gelten, für die weitere ein Zwischen- tarif, dessen Sätze zwischen dem Minimal- und Maximal­tarif liegen; für die letzte soll der ftanzösische Maximaltarif in Anwendung kommen. Da Frankreich aber an einer Klassifizierung der deutschen Wareneinfuhr festhält, ver­sagt Deutschland seinerseits die M eist be g ün - st i g u n g, die es in den bisherigen Verhandlungen auch schon für das Provisorium zugestanden hatte. Die beutfcben Vertreter Hütten erklärt, daß sie wegen der schlechteren Be­

Handlung Deutschlands in den französischen Zolltarifen auch ihrerseits keine Meistbegünstigung zugestehen könnten. Das Provisorium soll etwa nur sechs Monate dauern, worauf der endgültige Handelsvertrag in'Kraft treten soll, in dem sich beide Teile die uneingeschränkte Meistbegünstigung zu­gestehen.

Ein Teil der Pariser Presse beschäftigt sich mit dem vor­läufigen Ergebnis der wiederaufgenommenen deutsch­französischen Wirtschaftsverhandlungen. Marcell Hutin im E ch o b e Pari s" glaubt, daß Deutschland mit Frankreich nicht verhandeln wolle, solange der Frank nicht stabilisiert sei und die amerikanisch - französischen Verhandlungen ab­geschlossen seien.E x c e l s i o r" sucht einen Zusammen­hang zwischen dem Abschluß des Sicherheitspaktes und einem endgültigen Uebereinkommen in den Wirtschaftsverhand­lungen. Er glaubt, daß Deutschland die Wirtschaftsverhand­lungen, die einen wichtigen Trumpf für die entscheidende Partie bei den Gavantievertragsvechandlungen bildeten, nicht voreilig aus der Hand geben wolle. Im übrigen hofft er auf ein günstiges Ergebnis, da es doch schließlich gelingen müsse, aus der Sackgasse des gegenwärtigen Boykotts herau-- zufinden.

Der Danzig-polnische Konflikt vor dem Danziger Volkstag.

Ein Protest gegen das Völkerbundgutachten.

4- Danzig. Die Große Anfrage der Deutschnationalen Fraktion über den Konflikt mit Polen wegen der polnischen Briefkästen und über das Sachverständigengutachten der Völ- kerbundkommission ist vom Hauptausschuß des Danziger Volkstages eingehend beraten worden. Der Ausschuß hat folgende Entschließung einstimmig ange­nommen:Der Volkstag hat in seiner Sitzung vom 16. September 1925 zum Sachverständigengutachten der Post­kommission des Völkerbundes Stellung genommen. Der Volkstag als berufene Vertretung des Danziger Volkes bringt einmütig zum Ausdruck, daß die Behandlung Danzigs in der Frage des Postkonflikts als eine Verletzung der im Versailler Vertrag und in der Pariser Kon- vention festgelegten Rechte der Freien Stadt Danzig ange- se^n wird. Die von der Postkommission gezogene Grenz« des Hafens ist nach Danziger Empfinden eine Unger«ch- t i g k e i t. Das Gutachten der Postkommission hat in Danzig starke Entrüstung hervoroerusen. Der polnische Postbetrieb von Danzig darf nach den Verträgen nur im Hafengebiet liegen. Der VoUstüg ist erstaunt, daß in dieser für Danzig lebenswichtigen Frage die Kommission keine Begrüg«