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yersfelSer Tageblatt

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nm m i. °«* k-"?»----- *. 11 Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfels [ Buchdrudrerel In Bersfeld, ftllfglled des $DZV. |

Nr. 220 Sonnabend, den 19. September 1925

Das Wichtigste.

Reichspräsident von Hindenburg besuchtk M.i^ner Reise durch das befreite Ruhrgebiet die Stadi ^lien, die ihm einen begeisterten Empfang be- rertete. r 1 3

. ~ Nach einer bisher amtlich nicht bestätigten Meldung soll die Sicherheitskonferenz am 5. Oktober in Luzern stattfinden.

In Berlin sind zwei japanische Slieaet der Asahi-Expedition angekommen. Sieger

Die Verfolgung des deutschen Echulivesens in der Tschechei.

In ihrem Haß gegen alles Deutsche arbeiten die Tschechen nicht nur gegen die deutschen Beamten, Angestellten und Arbeiter, die sie zu Tausenden auf die Straße werfen, und gegen den deutschen Bodenbesitz, den sie skrupellos zugunsten von Tschechen enteignen, sondern auch noch und vor allem gegen die deutsche Schule. Planmäßig, wird die deutsche Schule gedrosselt und damit die Axt an die Wurzeln der deutschen Volksbildung gelegt. Immer wieder erfindet die tschechische Schulverwaltung neue Vorwände zur Sperrung deutscher Schulen. Bis zum vorigen Jahre sind über 2000 deutsche Schulklassen geschlossen worden. Am 1. Juli d. I. war bereits die Zahl 3000 erreicht. Mit dem 1. September dieses Jahres, d. h. mit dem Schulbeginn in der Tschecho­slowakei, hat ein neuer Vernichtungsfeldzug gegen die deutschen Schulen begonnen. Neunzig Schulen werden völlig aufgelöst, 1885 Schulklassen gesperrt. Rücksichtslos wird in das deutsche Schulwesen und den deutschen Schulplan ein- gegriffen, und Tausende von deutschen Schulkindern werden

Rechnet man die bisherigen "und die neuesten Sperrungen deutscher Schulklassen zusammen, dann ergibt sich eine Ver­minderung des deutschen Schuldesttzes gegen­über dem Jahre 1916 um ein volles Drittel. Es kommt vor, daß große deutsche Dörfer überhaupt keine deutsche Schule mehr haben. Die Schulen bedeutender In­dustriestädte werden auf das Niveau von Dorfschulen heruntergedrückt, alte historische Schulen brutal der Auf­lösung preisgegeben.

Wo deutsche Schulen aufgelöst werden, geht die tschechische Schulverwaltung sofort mit der Gründung von tschechi­schen Schulen vor. So werden zurzeit 370 tschechische Schulen neu errichtet, obwohl die Zahl der tschechischen Schulkinder um 28,4 Prozent zurückgegangen ist. In dem sogenannten deutschen Sprachgebiet werden tschechische Minderheitsschulen errichtet. Ihre Zahl hat 'bereits tausend überschritten. Bei der Gründung solcher Schulen geht man rücksichtslos über die Interessen der deutschen Eltern hinweg oder übt auf sie einen Druck allerschärffter Art aus. Sobald die Zahl der deutschen Schulkinder unter dreißig pro Klasse heruntersinkt, werden die deutschen Schul­klassen geschlossen und tschechische Alinderheitsschulen ge­gründet, auch wenn die Zahl der tschechischen Schulkinder nicht mehr als zwei oder drei beträgt. Um diese Minder­heitsschulen zu füllen, werden die Eltern deutscher Schul- kinder unter Anwendung schärfster Droh- und Druckmittel gezwungen, ihre Kinder in die fremdsprachige Schule zu geben.

Einige besonders krasse Beispiele mögen das Schulelend der Sudetendeutschen und der Deutschbohmen beleuchten.

In Sand au soll eine tschechische Schule errichtet werden, obwohl auch nicht ein Kind tschechischer Zunge zum Besuch der geplanten Minderheitsschule an­gemeldet ist. Die Errichtung einer Minderheitsschule in Haslau wird damit begründet, daß ein einziges tschechisches schulpflichtiges Kind vor- Handen ist. ,

In Riebing bei Landskron, das bis zum Umsturz ganz deutsch war, wurde für neun Kinder, darunter zwei deutsche, eine tschechische Schule eröffnet.

In Hültschin wurden deutsche Eltern, die mangels öffentlicher deutscher Schulen ihre Kinder privat unterrichten lassen, mit 50 Kronen bestraft.

Im Schulbezirk Teplitz-Schönau wurden mit Be- ginn des neuen Schuljahres 9, in Trautenau 3, in Troppau 59 deutsche Schulklassen gesperrt. In P o s ch w i h wurde die von 27 deutschen Schülern besuchte Volksschule aufgelöst und das Schulgebäude trotz Vorhandenseins von nur drei tschechischen Kindern für die tschechische Schule beschlagnahmt.

In dem bekannten Orte Olmütz sind in dem Gebäude der deutschen Schule infolge Zusammenlegung und Sperrung mehr , als 23 Klassen zusammengepfercht. In Nord-Mähren wurden seit dem Umsturz allein 21 tschechische Schulgebäude für Trutzs chulen aufgerichtet und mit dem Bau von 10 neuen begonnen. Jeder weitere Kommentar ist da überflüssig.

Hindenburg im befreiten Ruhrgebiet.

Esse». Am Donnerstag abend traf der Reichspräsident auf dem Hauptbahnhof in Essen ein. Eine tausendköpfige Menge hatte sich schon lange vor der Ankunft eingefunden. Bejm Verlassen des Bahnhofes brausten dem Reichspräsidenten stürmische Hochrufe entgegen. Hindenburg bestieg sofort den Wagen und fuhr, von einer berittenen Polizeikette begleitet, zum Hotel Kaiserhof, wo um acht Uhr abends der Bierabend begann, zu dem mehrere hundert Vertreter des gesamten Rheinlandes geladen waren. Auf der Fahrt durch die fest­lich geschmückten Straßen tönte dem Reichspräsidenten überall großer Jubel entgegen.

Bei dem Bierabend im HotelKaiserhof" brächte der Oberbürgermeister der Stadt Essen, Bracht, den Will- kommengvuß der Stadt dar und gab der Freude Ausdruck daß der Reichspräsident jetzt, da das Ruhrgebiet von der schweren Bedrückung befreit ist, zur Defreiungsfeier selbst gekommen sei. Er dankte dem Reichskanzler und bem Reichs­außenminister für die Arbeit, die sie zur Befreiung des Ruhr- gebietes geleistet hätten, und bezeichnete es als einen Höhepunkt ber Freude, daß jetzt die Stadt den Reichspräsidenten selbst be­grüßen könne. Er gab seiner bestimmten Hoffnung Ausdruck,

der Aufschwung unb, die Wiedererstarkung der deutschen Wirtschaft unter _bet fürsorglichen Hand -des von allen ver- ehrten Reichsprästdenten sicher sei. Das Ruhrgebiet vertraut auf die eigene Kraft und auf die Zähigkeit des Volkes und hofft, daß es der Reichsregierung gelingen möge, einen dauernden Frieden zu erhalten, und das ne

MUur sorgen werde, daß das Ruhrgebiet als Wirt>'Äaäs- zentrum zu neuer Höhe geführt werde.

Danach ergriff Reichskanzler Dr. Luther das Wort zu folgenden Ausführungen: Meine sehr verehrten Herren! Als einziger aus dem Kreise der Gäste soll ich die Ehre haben an diesem Abend zu sprechen. Insbesondere hat mich auch der Reichspräsident beauftragt, den herzlichen Dank für den Abend zum Ausdruck zu bringen. Wenn ich hier spreche, so bestcht für mich vielleicht die Möglichkeit, in der Stadt Essen etwas mehr zu sprechen, wie es meinem im Ruhrbezirk ge­hobenen Gefühlsleben entspricht. Ich glaube, daß jeder der dw Dinge des geschichtlichen Werdens hier miterlebt hat weiß, daß hier wirklich eine Schicksalsgemeinschaft besteht die den ganzen Ruhrbezirk umspannt, und der Ruhrbezirk ist wahrhaftig kein leerer Begriff. Und nun das Schicksal dieses Ruhrbezirkes in dem Abwehrkampf gegen ben Einbruch der

und Belgier! Ich weiß als alter Bewohner der Stadr Essen und als Mann, der während schlimmer Jahre unmittelbar vor den Toren des besetzten Gebietes gelebt hat daß im besetzten Gebiet tief die Empfindung obgewaltet hat als ob das unbesetzte Gebiet doch nicht so ganz mitfühlt. Ob das wohl richtig oder unrichtig ist, entbinden Sie mich von einer Aeußerung darüber, aber lassen Sie mich mit allein Nachdruck aussprechen:Wir müssen als ganzes deutsches wissen, was der Ruhrbezirk und was die einzelnen im ^S8irt: und gelitten haben, und jeder, der das festhalt, wird sich wirklich ein Verdienst um die vater- lanLische Geschichte erwerben." Und was ich nun jetzt vom Ruhrbezirk ausgesprochen habe, das gilt ja selbstverständlich ebenso für das gesamte besetzte Gebiet, das eine Reihe von Jahren die Lasten getragen hat. Umso mehr müssen wir sehen, daß die Augen ganz Deutschlands und die 'Hufmertfamfeit des ganzen deutschen Volkes sich immer auf diejenigen unserer Brüder und Schwestern richtet, die die Lasten der fremden Besatzung am eigenen Leibe spürten. Und nun meine Herren, ich will ja hier keine Politik treiben, aber ich möchte das eine rückschauend doch feststellen, alles was politisch in den letzten Jahren gchchehen ist, ist doch stets geschehen, im Zusammenhang mit der Frage:Wie kommest wir endlich das gegen Recht und Gesetz und Vernunft besetzte Ruhr- gckiet wieder frei?" Ich glaube, ich darf gerade das jetzt aussprechcn, wo wir unmittelbar vor der Entscheidung über die Frage stehen, ob es nun gelingt, wie es der dringende Wunsch der deutschen Reichsregierung ist, den Frieden Europas aufzubauen auf den Grundlagen wirklicher Gleich­berechtigung, auf den Grundlagen wirklicher Gegenseitigkeit.

Lassen Sie mich noch einmal zurückkehren zum Ruhrgebiet. Für das Ruhrgebiet sind mit der Räumung wahrlich die Schwierigkeiten nicht behoben. Die unlösbare Schicksals­gemeinschaft zwischen dem Ruhrgebiet und beim deutschen Volk ist uns jetzt in neuer Gestalt fast noch deutlicher vor Augen-getreten. Gerade weil das Ruhrgebiet so eng mit dem ganzen deutschen Schicksal verbunben ist, darum ist es für das Ruhrgebiet auch so wichtig, daß die Menschen, die das ganze deutsche Wirtschaftsleben mitzubeeinfluffen haben, auch innerhalb des Ruhrgebietes mit seiner Eigentümlichkeit, mit 'einer Lebensart Mitempfinden. Aber, vielleicht hat gerade sie Eigenart des Ruhrgebietes dazu geführt, daß man in Sonderheit auch in Berlin sieht, was das Ruhrgebiet für

unser ganzes deutsches Vaterland bedeute. Für mich als damaliger Essener Oberbürgermeister bedeutet es heute eine Montiere Genugtuung, Sie, meine Herren, zu bitten, in den Ruf einzustimmen:Das Ruhrgebiet Glück auf!"

Hindenburg spricht.

Am Freitag vormittag 11 Uhr fuhr dann Reichspräsi­dent Hindenburg unter brausenden Hurrarufen vor den Saalbau in Essen, und die Kundgebung nahm sogleich mit bet folgenden Ansprache Hindenburgs ihren Anfang:

_ Meine Damen und Herren! Dank für den Willkommen- gruß^ den Sie, Herr Oberbürgermeister, mir und den Herren der Reichs- und preußischen Regierung darbrachten, und für den herzlichen Empfang durch die Bevölkerung der Stadt. * Es ist mir eine freudige Genugtuung, hier in Essen, in diesem Mittelpunkt deutscher Arbeit und deutschen Schaffens, in der Stadt, deren Ehrenbürger ich bin, Rhein und Ruhr zu grüßen und mich mit Ihnen all dessen zu erfreuen, daß dem Land zwischen Rhein und Ruhr die Freiheit wiedergekehrt ist. Bon Herzen gedenke ich dieser Stunde in tiefer Dankbarkeit und mit größter Anerkennung aller derer, die in den Jahren der Besetzung ihr Deutschtum und ihre Liebe zur Heimat mit schweren Opfern an Leben und Freiheit, mit Verlust von Haus und Hof und Gut bezahlt und um des deutschen Namens willen harte Not gelitten haben. Mit stolzer Be­friedigung dürfen wir feststellen, daß alle Schichten der Be­völkerung in gleichem Maße dem Vaterlande die Treue ge­halten und in selbstloser Hingebung Opfer gebracht haben. Der Mann der Arbeit wie der Arbeitgeber, der Beamte in Reich, Staat und Gemeinde wie die im freien Beruf Tätigen, die Männer der Presse wie die vom Flügelrad. Ihnen allen gebührt in gleichem Maße unser Dank.

In diesem Saale haben vor mehr als 2% Jahren die Bürger Essens kurz vor dem Einzüge der französischen Trup­pen sich zum

Gelöbnis der Treue zum Vaterland«

versammelt. Heute können wir ihnen hier das Zeugnis geben, daß sie, daß das ganze Land an Rhein und Ruhr dieses Ge- m «S^ . S ^ ^S^ÄS- durch Verschiedenheit der politischen Anschauungen, durch Interessenwiderstreit und abweichende Meinungen in sich ge­trennt sein, sich doch zusammenfinden kann und muß, wenn es um seine Freiheit, wenn es um seine Ehre und um feine großen nationalen Güter geht. Und für dieses Beispiel, ba­un s und fontmenben Geschlechtern eine große und bedeutsam« Mahnung ist und bleiben wird, wollen wir Ihnen besonder­dankbar sein. Wir haben in der harten Geschichte unseres Volkes der "Beispiele der Uneinigkeit und der Schwäche, zu der diese, führt, genug. Um so heller soll uns dieses Zeichen leuchten. Die Zukunft wird uns nur dann gehören, wenn Me Deutschen so, wie unsere Brüder an Rhein und Ruhr es getan, sich in den großen Fragen der Ration als eines Blutes Brüder und eines Volkes Söhne in Opfermut unk Treue bekennen. In diesem Geiste wollen wir uns auch heute dem Baterlande geloben, indem wir rufen: Deutschland, unser geliebtes Vaterland, es lebe hoch!"

Am Freitag vormittag reifte der Reichspräsident weiter nach D u i s b u r g , wo die Bevölkerung ihn mit dem gleichen Jubel begrüßte.

Die Sicherheitskonferenz am 5. Oktober in Luzern?

Paris. Genfer Meldungen bestätigen, daß die Sicher- Heitskonferenz wahrscheinlich am 5. Oktober in Luzer» stattfindet. Die Bundesregierung, mit der über den Ta­gungsort eingehend beraten worden fei, habe Luzern vorge- schlagen. Diese Anregung sei von den Alliierten allgemei« gutgeheißen worden.

Der polnische Außenminister, Skrzynski, ist von Paris nach Warschau zurückgereist. DerM a t i n" glaub! zu wissen, daß Skrzynski durch die von englischer und fran­zösischer Seite erteilten Versicherungen über die Pakt- verhandlungen vollauf beruhigt worden sei.

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Jugoslawien befürchtet eine politische Isolierung.

Belgrad. Die Blätter befassen sich mit den Erklärungen des rumänischen Außenministers Duca, daß Rumänien be­reit sei, mit allen Nachbarstaaten Garantieverträge abzu- schließen. Die Nachricht Ducas wird in der Presse mit starker Beunruhigung ausgenommen, da man befürchtet, daß Ru­mänien bereits mit einigen Staaten, insbesondere mit Un­garn und Bulggrien, Verhandlungen angebahnt hat unk Jugoslawien vor einer politische« Isolierung stehe.

Die Gozialdemokraiie

zum Gicherheitspaki.

Eine Entschließung auf d«m Heidelberger Parteitag.

Heidelberg. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen wandt« sich der sozialdemokratische Parteitag dem nächsten Punkt der Tagesordnung zu, der Berichterstattung über WüSJ der |baialbeinolv^ ÄUödfli^^