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Hersfelöer Tageblatt hersfel-er Kreisblatt^ Amtlicher Anzeiger Dr den Kreis Hersfelö

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Nr. 221

Montag, den 21. September

1925 .

Das Wichtigste.

Reichspräsident von Hindenburg ist nach dem Besuch Düsseldorfs wieder nach Berlin zurückgereist.

Aus einer offiziösen Information aus London läßt sich das Programm der Sicherheitskonferenz ersehen.

Die Mordaffäre Rosen hat durch das Ge­ständnis des Einbrechers Fleischer eine neue Wendung genommen.

Hindenburgs Rheinlandfahrt.

£ Duisburg. _ Reichspräsident v. Hindenburg traf am Freitag nachmittag 3 Uhr 50 Minuten zu einem kurzen Besuch in D u i s b u r g ein. Der Reichspräsident wurde von Oberbürgermeister Vr. Iarres und Bürgermeister Dr. Maiweg empfangen. Die Herren begaben sich zur Wohnung von Dr. Iarres, wo in kleinem Kreise der Tee eingenommen wurde. Alsdann begann die eine Stunde dauernde große Autorundfahrt durch Duisburg, Meidereich und Ruhrort. Sie wurde durch einen kurzen Aufenthalt an der Ruhrort Hamburger Rheinbrücke unterbrochen. Während die flaggen- geschmückten, auf dem Rhein verankerten Dampfer unzählige Böllerschüsse lösten, betrat der Reichspräsident den Brücken­kopf und betrachtete einige Minuten schweigend und sichtlich tief ergriffen den deutschen Rhein. Sodann bewegte sich die lange Reihe der Autos durch Ruhrort zurück nach Duisburg durch die begeisterte, spalierbildende Menge bis zum Duis­burger^ Stadttheater, wo zu Ehren des Reichspräsidenten eine Festaufführung von Richard WagnersMeistersinger von Nürnberg" (Vorspiel und Festwiese) stattfand. Sowohl im dicht gefüllten Theater wie vor diesem sprach Reichspräsident v. Hindenburg der Bevölkerung seinen herzlichen Dank aus für die freundliche Aufnahme, die er in Duisburg gefunden habe. Er schloß seine Dankesrede mit den Worten:

Ich habe heute zum ersten Male nach dem großen Welt­krieg an unserm deutschen Rhein gestanden. Daß ich das bewegten Herzens getan habe, das wird befrei von Ihnen

der Rhein unser Schicksalsstrom.

Er gehörte uns, wenn wir einig waren, wir verloren ihn, sobald wir uneinig waren. Darum sei der Rhein uns immer eine Mahnung zur Einigkeit. An dieser Einigkeit muß jeder Deutsche mitarbeiten. Und dies zu tun, wollen wir gemein- sam bekräftigen in dieser Stunde mit dem Ruf: Unser deutsches Vaterland hurra, hurra, hurra!"

Danach begab sich der Reichspräsident zum Duisburger Hauptbahnhof, von wo er unter brausendem Jubel seine Weiterreise nach Düsseldorf antrat.

Der Besuch in Düffeldorf.

Die Stadt Düsseldorf zeigte wie alle Städte, durch die der Reichspräsident kam, reichen F lag gen - s ch m u ck. Eine vieltausendköpfige Menge erwartete den Reichspräsidenten auf dem Bahnhofsvorplatz und empfing ihn mit lauten Hochrufen. Auf dem Bahnsteig wurde Hin­denburg von dem Landeshauptmann Dr. Horion und dem Oberbürgermeister der Stadt begrüßt. Unter dem Gesang des Deutschlandliedes verließ der Reichspräsident den Bahn­hof, auf dem die Eisenbahner in Uniform Spalier bildeten. Die Fahrt zur Wohnung des Landeshauptmanns gestaltete sich zu einer Triumphfahrt. Bei bem anschließenden Abend­essen richtete Vr. H o r i o n Begrüßungsworte an den Reichs­präsidenten, in denen er u. a. folgendes erklärte:

Wir sehen in Hindenburgs Person das Sinnbild deutscher Kraft und Treue, die standhält auch in den schwersten Zeiten und das Letzte hingibt für das Vaterland. Deutsche Einheit, deutsche Kraft und deutsche Treue, sie liegen daher eingeschloffen in dem Danke und der Verehrung, 'die wir dem Reichspräsidenten v. Hindenburg entgegenbringen. Sie soll auch eingeschlossen liegen in dem Willkommengruß und der Huldigung, die wir ihm darbringen, indem Sie, meine verehrten Gäste, sich erheben und mit mir ausrufen: Seine Exzellenz der Reichspräsident von Hindenburg, er lebe hoch, hoch, hoch!"

Darauf erhob sich der Reichspräsident zu folgen- d?r Erwiderung:Herr Landeshauptmann, meine Herren! Lassen Sie mich Ihnen, Herr Landeshauptmann, herzlich danken für den freundlichen Willkommengruß, mit dem Sie mich erfreuten, und für das Treuegelöbnis der Rheinprovinz, das ich mit besonderer Genugtuung entgegennahm. Me Rheinprovinz und die Lande am Rhein haben in schwerem Leiden ihr Bekenntnis zur Heimat und zum großen Vater­lande beseitigt und bekräftigt. Ihre Bevölkerung hat in voller Einmütigkeit und opferfreudiger Abwehr alle'Versuche, altes deutsches Land vom Reiche 'oder von Preußen zu trennen, vereitelt und jetzt in der Jahrtausendfeier sich überall erneut zum großen, gemeinsamen deutschen Vaterlands feierlichst bekannt. Wir danken den Männern und Frauen am heiligen deutschen Rhein, an unserm Schicksalsstrom, für ihr tapferes Ausharren und für ihre unbeirrbare und un­verbrüchliche Treue. Möge den Landen am Rhein bald die Freiheit blieben sein! Ich gedenke ihrer aller in Herzlich­keit und bitte Sie, mit mir auszurufen: Das Rheinland und seine Bewohner, sie leben hoch, hoch, hoch!"

Die Befreiungsfeier in Düffeldorf.

4- Düsseldorf. Noch nie hat Düsseldorf einem Gast herz­lichere und höhere Ehre erwiesen als dem Reichspräsidenten. Eine vielreihige Menschenkette umsäumte schon in den frühen Morgenstunden die Straßen. Um 8 Uhr 45 früh empfing u Hindenburg den MännergesangvereinE i n t r a ch t", dessen Protektor er ist. Der Verein trug zunächst das Lied R h e i n t r e u e" von Hansen vor, dann einen ChorAb­lösung" von Hutter. Darauf wechselte der Reichspräsident einige Worte mit dem Dirigenten, Musikdirektor Müller-Köln, und dem Vorsitzenden Klems-Hilden. Von Hindenburg sagte u. a., er sehe schon in der Wahl der Lieder, daß er d e u t s ch e Männer vor sich habe, und ermähnte zum Zusammen­halten, denn nur Einigkeit würde uns eine bessere Zukunft sichern. Die Eintracht dürfe nicht gestört werden, da noch Schweres zu überwinden wäre. Die Abfahrt Hindenburgs vom Landeshaus zur Regierung, wo ihm die preußischen Staatsbeamten durch den Oberprasi- denten sowie die Reichsbeamten und die Leiter der Reichs­bankdirektion durch den Chefpräsidenten des Landesfinanz­amtes vorgestellt wurden, gestaltete sich zu einem Triumph­zug ohne gleichen. Präsident Dr. Schmittmann be­grüßte den Reichspräsidenten. Der Reichspräsident er­widerte den Gruß mit folgender Ansprache:

M e i n e H e r r e n ! Ich danke Ihnen, Herr Präsi­dent, für Ihren Willkommensgruß und das Gelöbnis treuer Pflichterfüllung, das Sie namens der rheinischen Beamten­schaft hier abgelegt haben. 3d) habe die Gelegenheit, mit den Vertretern der rheinischen Beamtenschaft zusaimnenzutreffen, gern benutzt; ist es mir doch ein lebhaftes Bedürfnis, Ihnen und allen Beamten des Reiches, des Staates und der Kom­munen namens des Reiches aufrichtige Anerkennung aus- zusprechen für die tapfere Haltung, welche die Beamtenschaft aller Dienstgrade in den hinter uns liegende schweren Jahren gezeigt hat, und Ihnen dafür zu danken, daß Sie in treuer Pflichterfüllung um des Vaterlandes willen freudig harte Leiden und große Opfer auf sich genommen hat. Die Spornten des Landes haben sich in den Nöten dieser Zeit in vollem Maße ihrer Aufgabe gewachsen gezeigt, der Bevölkerung unter Hintansetzung des eigenen Wohles Rückhalt und Stütze zu sein und darüber hinaus überall ein Beispiel mutiger Stand- haftigkeit und unbedingter Hingabe an das Vaterland ge- gebetta In ver t»/eeiiwtren Ge;<yuyre ves oeupmen Beamten­tums wird die unbeirrte Pflichttreue und bie tapfere Haltung der rheinischen und westfälischen Beamten ein besonderes Ruhmesblatt bilden!

Wieder von Jubel- und Hurrarufen der begeisterten Menge begleitet, begab sich Reichspräsident v. Hindenburg dann zum Stadion, wo ihm von dem Oberbürgermeister Dr. Lehr der

Ehrenbürgerbrief der Stadt Düsseldorf

überreicht wurde. Hindenburg dankte mit folgenden Worten:

Meine Damen un b Herren ! Haben Sie herz­lichen Dank für den freundlichen Willkommensgruß. Es ist mir eine besondere Freude, in der Rheinstadt Düsseldorf zu weilen, deren Ehrenbürger ick nach mit Stolz nenne und deren Geschick ich mit besonderer Anteilnahme immer verfolgt habe. Die Stadt Düsseldorf und ihre Bevölkerung haben in mehr als vierjähriger Fremdherrschaft ihre Treue zum Reiche und ihre enge Verbundenheit mit bem deutschen Volke in Dulden und Opferfreudigkeit bewiesen und be­kräftigt. Wir alle danken Ihnen hierfür in herzlicher An­erkennung. Wir sind heute in einer wieder frei gewordenen Stadt. Möge auch dem übrigen Rheinland bald' der Stern der Freiheit leuchten! Ihnen aber und der Stadt Düssel­dorf wünsche ich alles Wohlergehen, und mit diesem Wunsche rufe ich: Düsseldorf und feine Bewohner, sie leben hoch!

Dann fuhr der Reichspräsident zum Hauptbahnhof und trat seine Rückreise nach Berlin an.

Hindenburg wieder in Berlin.

Berlin. Reichspräsident v. Hindenburg traf Sonn­abend abend mit dem fahrplanmäßigen Zug gegen zehn Uhr wieder in Berlin ein. Auf der Fahrt wurde er verschiedent­lich begeistert begrüßt.

Dr. Eckener über die Organisation der Zeppelinspende.

$ München. Dr. Eckener, der sich gegenwärtig in München aufhält, machte einem Mitarbeiter der$iün= chener Neuesten Nachrichten" über die Zeppelin Eckener- I Volksspende einige interessante Mitteilungen. Die Spende , soll nicht lediglich durch Errichtung von Sammelstellen durch- I geführt werden, sondern durch eine großzügig angelegte Ot= ; ganisation, die noch nicht abgeschlossen ist/ in die Wege ge­leitet werden, an der sich das ganze Volk in allen seinen Schichten beteiligen soll. Es wird be­absichtigt, jedem Spender ein Erinnerungs­zeichen zu überrichen: Für Spender von kleinen Beträgen eine fllabel, die die Initialien Z. E., von Flügeln umgeben, zeigt; Spender von größeren Beträgen erhalten eine Quittung, die die faksimilierte Unterschrift Eckeners tragen. Die Organisation dürfte bis zum Jahrestag der Ueberfahrt des Z. R. III nach Amerika abgeschlossen sein. Auch eine Spende der Ausländsdeutschen werde organisiert. Dr. Eckener sprach weiter die Ansicht aus, daß der Bau des Pomrschijfle seitens des früheren Feindbundes auf keine Schwierigkeiten

stoßen werde. Sollte jedoch wider Erwarten der Bau nicht genehmigt werden, so würde das gesammelte Geld zur Er­haltung des Luftschiffbau Zeppelin in Friedrichshafen ver­wendet werden. Man würde sich nötigenfalls damit be­gnügen, ein Versuchsschiff mit Abmessungen zu bauen, die den Bestimmungen des Versailler Vertrages entsprechen würden.

Der 50-Millionenkredit für den gewerblichen und kaufmännischen Mittelstand.

^ Berlin. Unter Bezugnahme auf einen Beschluß des Preußischen Landtages, der zur Milderung der Kreditnot des gewerblichen und kaufmännischen Mittelstandes 50 Millionen Goldmark bewilligt habe in der Erwartung, daß das Staats- minifterium diese Summe baldigst zur Verteilung bringe, wurde in einer kleinen Anfrage behauptet, es sei trotz der Dringlichkeit dieser Notstandsmaßnahme bis heute von fei­ten des Staatsministeriums nichts getan worden. Der Mi­nister für Handel und Gewerbe beantwortet die Anfrage wie folgt: Durch Beschluß des Landtags vom 12. Juni 1925 ist das Staatsministerium ersucht worden, zur Linderung der Kreditnot des gewerblichen Mittelstandes einen Betrag von 50 Millionen Reichsmark zur Verfügung zu stellen, der durch die Preußische Ientralgenossenschastskasse, die Genossenschafts­abteilung der Dresdner Bank, die Girozentrale und die Landesbankzentrale weitergeleitet werden sollte. Me nach Art. 66 der Verfassung erforderliche Bereitstellung der Mittel für die Deckung dieser Ausgabe ist seitens des Landtages nicht erfolgt. Deshalb hat auch der Finanzminister bei der Be­ratung des Eintrages im Landtage erklärt, er könne die er­forderlichen Mittel nur durch eine andere Verteilung der bereits in Form von Krediten in der Wirtschaft arbeitenden Staatsgelder, also erst allmählich, frei machen. Unzutreffend ist, daß seitdem seitens des Staatsministeriums nichts ge­schehen sei, die Verhandlungen mit der Preußischen Staats­bank und den erwähnten Zentralkreditinstituten haben viel­mehr dazu geführt, daß die Preußische Staatsbank sich bereit erklärte, einen Teilbetrag von 2 2 Millionen Reichsmark zur Verfügung zu stellen. Die Kreditinstitute haben die Weiterleitung der Mittel übernommen. Am drit­ten August hat alsdann die Staatsbank Anweisung erhalten, die auf die einzelnen Zentralinstitute entfallenden Summen MNMSse üUszuzayiem unWamflsselchen Tage sind die genann­ten Institute hiervon verständigt worden. Eine besondere B e - rücksichtigung der Ost Provinzen ist vorgesehen.

Scharfe Auseinandersetzung im Barmat-AuSschuß.

4- Berlin. An: Schluß der Freitag-Sitzung des Barmat- ausschusses kam es zu einer lebhaften Auseinandersetzung. Von sozialdemokratischer Seite wurden die Vorwürfe gegen die Staatsanwaltschaftsräte C a s p a r y und K u ß - mann wiederholt und erweitert. Auch wurde die Veröffent­lichung von Namen weiterer Personen angekündigt, die mit der Angelegenheit in Verbindung stehen. Nach erregter Ge- schäftsordnungsdebatte wurde schließlich beschlossen, Dr. Caspary und Kußmann nochmals vor den Ausschuß zu laden, ebenso den Regierungsdirektor Weiß. Ferner soll festgestellt werden, ob Julius Barmat vernehmungsfähig sei.

Das Programm der Gicherheiis- verhandlungen.

Zunächst nichtformell, dann offiziell. West­pakt und Ostgrenzenregelung.

London. Wie dieTimes" zu den Sicherheitsver- Handlungen berichten, werde Mussolini an der Konferenz nur dann teilnehmen, wenn sie in Italien stattfinde. Die Der- Handlungsmethode und die Einzelheiten der Abkommen würden^ von der Konferenz selbst festgesetzt werden. Zwei Grundsätze seien schon angenommen und in den Berichten der Juristen bei ihrer Londoner Zusammenkunft festgelegt worden. Der erste der Grundsätze sei der völliger Gleich­berechtigung aller Signatarmächte, und der zweite der, daß die lchte Entscheidung aller aus dem Pakt entspringenden Fragen beim Völkerbund liege. Großbritannien werde sich mit den anderen Signatarmüchten gegen jeden 'Ungreifer, wer er auch immer sei, wenden. Im Falle eines plötzlichen Angriffs sei der Völkerbund um eine dringliche Entscheidung zu bemühen, selbst dann, wenn die Frage' des Widerstandes keinen Aufschub vertrage. Me Minister von Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Belgien und Italien würden zu­nächst zu einer nichtformellen, intimen und frei- mutigen Erörterung der gesamten Fragen zusammen­treten. Wenn dann im wesentlichen Uebereinstimmung er­reicht, sei, werde eine offizielle Konferenz mit Delegierten und Sachverständigen eröffnet. Me Vertreter Polens und der Tschechoslowakei wurden dann zweifellos zum Erscheinen aufgeforbert werden. Da Frankreich mit Polen und der Tschechoslowakei eng verbündet sei, könne keine Erörterung des Westpaktes statt. Kiben, ohne gleichzeitig die Frage einer friedlichen und uernden Lösung der deutschen Ostgrenzen- frage zu behandeln.

Die Aussichten für die Sicherheitskonferenz.

Maßlose Forderungen Polens.

Paris. Der Genfer Sonderberichterskrtter des Paris 8 o i r weist darauf hin, daß man mit unaebeurer^Spannung