yersfelöerTageblatt
Anzeigenpreis für die einspaltige Petlfzelle 15 Pfg. die ReMamezelle 50 Pfg. Bei Wiederholungen Dachlab. + Für die Schrlfileliung verantwortlich Franz funk in Bersfeld. + Fernsprecher Dr. 8.
Hersfelöer Kreisblatt" [
Amtlicher Anzeiger für -en Kreis Hersfeld !
Der Bezugspreis ^betragt? durch "die ’Poff gezogen monatlich L— (Dk„ ausschllebl. Bestellgeld, für Bersfeld 1.— MK. bei freier Zustellung, Abholer —.80 MK. X Drude Sund Verlag von budwlg Funks Buchdrucheret in Bersfeld, Olltglled des vDZV.
Nr. 222
Dienstas, den 22. September
1925
Das Wichtigste.
— Reichspräsident von Hindenburg hat der Provinz Westfalen und den Nheinlanden nochmals seinen Dank für sie herzliche Ausnahme übermittelt.
Hm-enburgs Dank an Westfalen und die Rheinprovinz.
£ Berlin. Reichspräsident von Hindenburg bat an den Oberprüsibenten der Provinz Westfalen nachsteher-bos Schreiben gerichtet:
„Hochverehrter Herr Oberpräsident!
Nach Rückkehr von meiner Reise ist es mir ein lebhafte-, Bedürfnis, Ihnen, Herr Oberpräsident, wie der Bevölkerung der Provinz Westfalen aufrichtig zu danken für die freundliche Aufnahme, die ich im Lande der roten Erde gefunden habe. Ich habe in der herzlichen Begrüßung, die mir und den Herren der Reichs- und der preußischen Regierung allenthalben zuteil geworden ist, den Ausdruck freudigen Bekenntnisses zu Staat und Reich und das Gelöbnis der Mitarbeit an dem Wiederaufbau unseres Vaterlandes, besonders des schwergeprüften Gebietes im Westen, gesehen und dies mit lebhafter Genugtuung empfunden. Bei dieser vertrauensvollen Mitarbeit aller Schichten des Volkes wird es gelingen, die harten Schäden zu heilen und zu überwinden, die die letzten Jahre dem westfälischen Industriegebiet und damit unserer ganzen Volkswirtschaft zugefügt haben. Meine besten Wünsche begleiten die Provinz Westfalen auf diesem Wege in eine bessere Zukunft.
Indem ich Sie noch bitte, allen an den Veranstaltungen aus Anlaß dieses Besuches beteiligten Beamten, insbesondere aber der Schutzpolizei, meine Anerkennung und meinen Dank für ihre Mühewaltung und ihre musterhafte Haltung aus- zusprechen, bin ich mit freundlichen Grüßen
: i 7 Ihr ergebener
gez. v. Hindenburg."
*
prastdent seinen Dank in folgenden Worten ausgesprochen: „Sehr verehrter Herr Oberpräsident!
Nach Berlin zurückgekehrt, darf ich Ihnen nochmals danken für die herzliche Aufnahme, die ich auf meiner Reise in das befreite Gebiet in den Städten der Rheinprovinz, die ich besuchen konnte, gefunden habe. Ich habe aus all den freundlichen Willkommengrüßen, die mir dargebracht wurden, mit Befriedigung ersehen, daß die gesamte rheinische Bevölkerung sich mit Freuden als Deutsche fühlt und bekennt und in unverbrüchlicher Treue dem Vaterlande ergeben ist. Ich habe auch mit Genugtuung feststellen können, daß trotz der schweren Leiden, die die Lande am Rhein erduldet haben, doch überall der Wille zur Selbstbehauptung und das Vertrauen in die Zukunft ungebrochen sind, und ich entnehme daraus die Zuversicht, daß der Rheinprovinz wieder ein neuer Aufstieg beschicken sein wird.
Ich darf die Gelegenheit benutzen, Sie, Herr Oberprüsi- dent, zu bitten, den Beamten der Schutzpolizei, deren musterhafte Haltung ich mit Anerkennung erwähnen möchte, und allen übrigen Beamten, die sich um die Veranstaltungen aus Anlaß meines Besuches bemüht haben, meinen anerkennenden Dank auszusprechen.
Mit den besten Wünschen für die Rheinprovinz und freundlichen Grüßen
bin ich Ihr
■ - gez. v. Hindenburg."
Der Kabinettsrat.
^ Berlin. Das Reichskabinett trat am Montag nachmittag um 5 Uhr unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Luther zu dem entscheidenden Kabinettsrat zusammen, um über die Einladung der Alliierten zu der Sicherheitskonferenz zu beraten. An dem Kabinettsrat nahmen all- Minister teil. Es steht noch nicht fest, ob bereits definitive Beschlüsse gefaßt werden, oder ob die Entscheidung über bie Annahme der Einladung verschoben wird. Mittwoch wird sich der Auswärtige Anss ch u ß des Reichs- tages mit der Frage der Sicherheitsverhandlungen befassen.
Sie Vorboten zur Sicherheitskonferenz.
- Berlin. Der Berliner tschechoslowakische Gesandte, Herr Krofta, teUte im Rainen seiner Regierung dem Außenminister Dr. Stresemann unter Bezugnahme auf die in letzter Zeit zwischen Deutschland und den Alliierten ausgetanschten Noten mit, daß die tschechoslowakische Regierung bereit sei, in Verhandlungen über den Abschluß eines deutsch- tschechoslowakischen Schiedsvertrages ein- zutreten.
Politischer Hochbetrieb in Warschau.
Warschau. Im Zusammenhang mit der Ankunft § krzynskis in Warschau verlautet in polnischen politi
schen Kreisen, daß im Laufe der Woche ununterbrochen Kabinettssitzungen und Partei-beratungen stattfinden werden, um den Standpunkt Polens bei den beginnenden Sicherheits- paktverhandlungen festzulegen. Die polnische Regierung, die sich bis jetzt zu dieser Frage offiziell noch nicht geäußert hat, wird jetzt eine Note ausarbeiten, in der gefordert wird, daß die Garantie der p a l n i • s chen West- und Ostgrenze auf der Konferenz gleichzeitig behandelt werden soll, und zwar unter der gleichberechtigten Teilnahme der polnischen und tschechischen Minister.
Englischer Optimismus in der Frage der Paktverhandlungen.
London. Die deutsche Kabinettssitzung und die weitere Entwicklung der Sicherheitspaktverhandlungen werden in den englischen Blättern mit offensichtlichem Interesse behandelt. Die Berliner Berichte der englischen Blätter rechnen fast ausnahmslos mit einer weiteren befriedigenden Entwicklung der Verhandlungen und erwarten auch von der deutschen Kabinettssitzung endlich eine Klärung der Dinge.
Kombinationen.
Paris. Die „Chicago Tribune" glaubt zuver- lässige Angaben über den Garantievertragsentwurf machen zu können, wie er der bevorstehenden Konferenz der Außenminister vorgelegt werde. Nach dem Blatt soll der Text sehr kurz sein und nur 500 Worte umfassen. Er drücke nur allgemeine Grundsätze aus. Der auffallendste Zug in dem Vertrag sei die völlige Hintansetzung des Versailler Vertrages, zu dem nur Stellung genommen werde, soweit es sich um die entmilitarisierte Zone handle. Mit dem allgemeinen Grundsatz des Versailler Vertrages, der Deutschland als besiegte Nation behandle, werde aufgeräumt. Zwischen den Signatarmächten solle vollkommene Gleichberechtigung bestehen.
Bayern und das Reich.
Eine Rede des bayerischen Bauernführers Dr. Heim.
^ München. Am Sonntag vormittag fand in Tun - denhaus en die Generalversammlung des ober - statt. Das Wort nahm der Bauernführer Dr. Heim, der aussiihrte, daß sich in der letzten Zeit in Deutschland manches gebessert habe, und daß insbesondere seitderWahl H inbenburgs zum Reichspräsidenten D e u t f ch- land auch im Auslande wieder mehr respektiert werde.
Zur Frage des Sich er heits Paktes erklärte er, ein schwaches Volk dürfe sich nach keiner Seite verpflichten, fou dern müsse eine Politik der Unverbindlich k e i t treiben. Aufs schärfste wandte sich Dr. Heim gegen die Weimarer Verfassung, deren zentralistische und unitarische Tendenzen unheilvoll seien und zur wirtschaftlichen Verödung und geistigen Verblödung führten. Mit dem Zentrum könne es keine Einigung geben, solange in der Zentrumspartei nicht ein gründlicher Wandel, namentlich in der Frage des Zentralismus, eintrete. Selbst wenn die Führer der Bayerischen Volkspartei zum Zentrum zurückkehren wollten, würden Hunderttausend« von Anhängern der Bayerischen Volkspartei sie im Stich lassen. Die Zeiten seien noch nicht vergessen, in denen Dr. Wirth von den Bayern als von Bierdimpfeln gesprochen und gesagt habe, der Feind stehe rechts. Bei der R e ich s s ch u l g e s e tz g eb un g würden sich die Geister scheiden. Vollständig versagt habe die Zentrumspartei auch bei dem Schutz der Landwirtschaft durch Mindestzölle. Der Kampf um die Erhaltung der bayerischen Selbständigkeit sei noch nicht entschieden. Heim schloß mit einem Hoch auf die weiß- blaue Fahne, worauf der Landtagsabgeoebnete Schaeffer die innerpoMische Lage Bayerns erörterte und erklärte, der Kampf um die föderalistische Gestaltung Deutschlands und um die Selbständigkeit der Bundesstaaten werde von der Bayerischen Volkspartei niemals aufgegeben werdem
Tagung des Parteiausfchuffeö der Demokratischen Partei.
$ Berlin. Die Deutsche Demokratische Partei gibt über • die Tagung des Parteiausschusses einen Bericht aus, in dem es u. a. heißt: Der Partei« nsschuß der Deutschen Demokratischen Partei trat am Sonntag im Reichstagsgebäude zu einer aus allen Teilen des Reiches überaus gut besuchten Tagung zusammen. Zunächst erstattete Reichsminister a. D. K o ch Bericht über die abgelaufene Reichstagssession. Er beleuchtete die Leistungen der bisherigen Regierungskoalition und führte dabei aus: Der Außenpolitik des Reiches hat der rechte Flügel der Regierungsparteien keine neuen Wege zu weifen gewußt. Eine Steuerpolitik, die, wie noch die letzten Ausweise der Reichskasse zeigen, das Volk in einer Zeit, die ihm nach den Dawesv ertragen als Atempause dienen sollte, unmäßig und ungerecht belastete, ist von uns auf das heftigste bekämpft worden. Wie vor dem Kriege das Beginnen scheiterte, durch Wettrüsten den Frieden zu halten, so wird heute der Versuch scheitern, dadurch zum Wirtschaftsfrieden zu kommen, daß man sich mit Hochschutzzöllen wappnet. Wir un- sererseits hätten lieber gesehen, daß man unmittelbar auf den Völkerbund zugestrebt wäre, als daß man durch das
Dickicht von Spezialpakten zu ihm hingeführt wird. Pakte im Westen wird man, wenn auch schweren Herzens, mitmachen. Gegen die Einbeziehung des Ostens wehrenwiruns. Mit unseren Erklärungen zur Außenpolitik der Regierung werden wir so lange zurückhalten, bis die Regierungsparteien unter sich einig sind. Wir wünschen keinen Regierungswechsel, weil wir der Meinung sind, daß die Verantwortung für die Notwendigkeiten unserer Außenpolitik auch einmal von der Rechten getragen werden muß. Wir hoffen, daß es nach Ueberwindung der innenpolitischen Schwierigkeiten der Regierung gelingen wird, zu einer Verständigung mit Frankreich zu gelangen. Wir sind auch trotz des schweren Unrechts, das uns zugefügt wird, bereit, über eine äußere Verständigung hinaus zu einem inneren Derstnädnis zwischen Frankreich und Deutschland beizutragen.
Die wirtschaftlichen Berichte wurden durch einen Vor- trag des Reichstagsabgeordneten Dr. Hermann Fischer- Köln zur Finanz- und Steuerpolitik eingeleitet, der u. a. ausführte, für das Steuersystem im engeren Sinne ergebe sich im Interesse absoluter Sicherung des Etats die Forderung, daß unbedingt das Prinzip der Beweglichkeit der Steuern zu einer größeren Anwendung gelangen müsse.
Nachdem hierauf Minister a. D. Dernburg zu den Ausführungen Dr. Fischers noch eine interessante Ergänzung hinzugefügt hatte, berichtet Abgeordneter Meyer- Berlin über die Tätigkeit der Reichstagsfraktion in der Zoll- und Handelspolitik. Der Leitgedanke, so führte der Redner aus, konnte hierbei kein anderer sein als die Abhilfe gegen die fortschreitende Passivität unserer Handelsbilanz. Das einzige Mittel der Abhilfe sei der Anschluß an den Weltmarkt. Das können wir aber nur erreichen, wenn wir unsere Waren zu konkurrenzfähigen Preisen anzubieten vermöchten. Statt diesen Gesichtspunkten Rechnung zu tragen, habe bis Regierung eine Zollvorlage mit HocAchutzzöllen auf der ganzen Linie eingebracht. Die demokratische Fraktion habe nch bemüht, die Vorlage zu verbessern. Sie habe einiges bei den Agrarzöllen erreicht, dagegen seien ihre Anträge auf Herabsetzung der Zölle auf für die Produktion unentbehrliche Artikel von den Reaierungsparteien niedergestimmt worden.
. /^ .swriMu. faxende Entschließung angenommen: „Der Parteiausschuß spricht der demokratischen Reichstagsfraktion, insbesondere ihrem bewährten Vorsitzen- den und den Mitgliedern, die im schweren Kampf um eine vernünftige Steuer- und Zollpolitik in der ersten Reihe ge- standen haben, seinen Dank aus. Er gibt seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß der von der Deutschen Demokratischen Partei stets vertretene Standpunkt in der Außenpolitik und zur republikanischen Reichsverfassung in steigendem Maße die selbstverständliche Grundlage der deutschen Politik geworden ist." Ferner fand folgende Entschließung Annahme: „Der Parteiausschuß spricht die Erwartung aus, daß bie Fraktionen des Reichstages und der Landtage bestrebt sein werden, eine Ausdehnung der unsozialen und rückständigen Hauszinssteuer für die Zwecke des allgemeinen Staats- bedarfs zu verhindern." Darauf sprach Stadtschulrat Weiß- Nürnberg über den Reichs schussgesetzentwurf. Im Anschluß daran wurde einstimmig folgende Entschließung angenommen: „Die Deutsche Denrokratische Partei lehnt den durch die Presse bekanntgewordenen Reichsschulgesetzentwurf, weil im Widerspruch stehend zu Wort und Geist der Verfassung, mit Entschiedenheit ab und legt Verwahrung gegen den beabsichtigten VerfassungSbruch ein. Der Entwurf leitet eine Klerikalisierung des gesamten Schulwesens ein, die zu heftigen, die Volkseinheit dauernd gefährdenden Kämpfen führen müßte."
Der nächste Demokratische Parteitag.
Berlin. Der demokratische Parteiausschuß beschloß, den nächsten Demokratischen Parteitag in den Tagen vom 4. bis 6. Dezember inBreslau abz»halten.
Die Kredite der Landespfandbr'efanstalt.
Vor dem großen Schöffengericht Berlin-Mitte begam Montag vormittag der Prozeß gegen bis Direktoren de Landespfandbriefanstalt, 1. Geh. Reg.-Rat Nehring 2. Direktor Albert Lüders, 3. gegen die ehemaligen Geschäftsführer des Zitzewitz-Konsortiums, den Kaufmann Rudi ger v. Etzdorf, Hauptmann a. D. Wilhelm Albrecht v o i Karstedt und den früheren Rittergutspächter Hans Kar v. Carlowitz.
Die Anklage, die verlesen wurde, wirft den An geklagte! bekanntlich Untreue bzw. Anstiftung und Beihilfe dazu vor
Zuerst wurde Geh. RatNehring vernommen, der eir Bild von der Organisation der L. P. A. gab. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob besondere pekuniäre Vorteile ihn als Vortragenden Rat veranlaßt hätten, die Stellung bei bet L. P. A. anzunehmen, erklärte Nehring, daß ihn bei der L. P. A. hauptsächlich die selbständige Stellung, dann aber auch das Gehalt reizte, denn er erhielt das Gehalt eines Ministerialrates mit 50 Prozent Zuschlag. Das Finanzministerium habe dieses Gehalt genehmigt. Allerdings sei er, Nehring, nicht bankmäßig erfahren gewesen. Sehr interessant gestaltete sich dann die Vernehmung des Direktors Nehring über den Geschäftsbetrieb der Landespfandbriefanstalt, besonders aber über die Kredite, die das Unternehmen an Siedler hergab. Ministerialdirektor Tanze habe jedoch gerade auf diese Einbeziebuna der Wohnunasueiell-