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Hersfelöer Tageblatt

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Nr. 226

Sonnabend, den 26. tz-rptember

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1925

Konferenz der Ministerpräsidenten der Länder.

Berlin. Am Freitag vormittag elf Uhr traten in der

Reichskanzlei die Ministerpräsidenten der Länder unter dem Vorsitz des Reichskanzlers zur Beratung der außenpolitischen Sage und der Vorbereitungen zur Westpaktkonferenz jusammen. Am Nachmittag erfolgte die Beratung der Prris­sen ku n g s a kti o n der Reichsregierung.

Die Deutschnationalen Bayerns zur deutschen Außenpolitik.

^ München. Der Vorstand der Deutschnationalen Volks- Partei in Bayern, der am 24. September tagte, ist mitsamt den anwesenden Reichstagsabgeordneten einmütig zu dem Ergebnis gelangt, daß an der Linie der deutschen Außen­politik, wie sie in seiner Reichstagsrede vom 23. Juli Graf Westarp gezeichnet hat, festzuhalten ist. Eine Politik, die es auch jetzt wieder unterließe, die Kriegsschuldfrage aufzurollen oder die auf deutsches Land freiwillig verzichte oder Deutschland neue Fesseln anlege, wäre keine deutsche Politik mehr.

Die Paktkonferenz nur informatorisch.

London. Der diplomatische Korrespondent desDaily Telegraph" schreibt, in Verbindung mit der Annahme der Einladung zur Paktkonferenz durch das deutsche Kabinett verlaute, daß Deutschland keine Bedingungen an die An­nahme der Einladung knüpfe. Die Konferenz werde als informatorisch bezeichnet. Die Entscheidung solle einer darauffolgenden Vollkonferenz der Premierminister vorbe­halten bleiben.

Wie es scheint, versucht auch Rußland, an der Pakt­konferenz teilzunehmen, und man geht kaum fehl, wenn man annimmt, daß die Reise des russischen Außenkommissars Tschitscherin nach Warschau und Berlin eine Aussprache zwischen den Ländern vorbereiten soll. Nach Mitteilung der LondonerMorning Post" ist Tschitscherin bereit, einen G a rantiepaktmitPolen und Rumänien und später mit den baltischen Staaten abzuschließen. Die Hauptaufgabe *iH<«UaaK^u^ijen

Weise zur bevorstehenden Konferenz der Außenminister ein­geladen zu werden.

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Sozialdemokratische Parteiführer in Genf.

Genf. Die Führer der deutschen Sozialdemokratie Her­mann Müller und Wels sind im Zusammenhang mit der Sicherheitsfrage in Genf eingetroffen.

Keine Trennung des WestpakteS vom Ostpakt.

ch Paris. Zu der kommenden Sicherheitskonferenz schreibtPetit Parisien", daß die Außenministerkonferenz die endgültige Redaktion des Paktes vornehmen könne, da die vorbereitende Konferenz ja bereits schon in London zwischen den Juristen der beteiligten Länder stattgefunden habe. Der Versuch Deutschlands, die Fragen des Rheinpaktes und der Schiedsgerichtsverträge mit den Oststaaten vonein­ander zu trennen, sei für die Alliierten unannehmbar. Beide Verträge ergänztne einander, so daß kein Grund vorhanden sei, sie getrennt zu behandeln. Bei den Genfer Besprechun­gen mit Benesch und Skrzynski sei beschlossen worden, die Verhandlmrgen am selben Orte und zu gleicher Zeit statt- finden zu lassen. Auch Ehamberlain habe dem zugestimmt, und Deutschland solle wissen, daß Frankreich und seine Alli­ierten an dieser Genfer Entscheidung bedingungslos festhal- ten würden. Benesch und Skrzynski würden sich daher an den Konferenztisch setzen, sobald die Debatte eröffnet würde.

Der belgische Außenminister über die Sicherheits­konferenz.

ch Brüssel. Der Brüsseler Vertreter desTemps" hatte eine Unterredung mit dem Außenminister Bandervelde. Auf die Frage, ob die Verhandlungen der Londoner juristi­schen Sachverständigen zur Abfassung eines Borentwurfs ge­führt hätten, gab der belgische Außenminister zur Antwort: Die Besprechungen der Sachverständigen haben eine sehr bedeutsame Annäherung der Standpunkte der alliierten Vertreter und des deutschen Delegierten ermöglicht. Zwischen dem belgischen Beauftragten und dem Vertreter Frankreichs habe 'keine Meinungsverschiedenheit bestanden. Der von Frvmageot und Sir Ceeil Hurst ausgearbeitete Ent­wurf konnte als Grundlage für die Verhandlungen in Genf benutzt werden. Vom technischen Standpunkt aus hätten die j u r > stische n Sachverständigen eine ehr nütz­liche und zufriedenstellende Arbeit geleistet. Ueber sämtliche wesentlichen Bestimmungen des Paktes bestände zwischen den Alliierten Einvernehmen." , Auf die nächste Frage:Wird die Unterzeichnung des Sicherheitspaktes an den' Abschluß der deutsch-tschechischen und deutsch-polnischen Schiedsgerichtsverträge geknüpft?" antwortete er:Weder England noch Belgien werden den in Aussicht genommenen Schiedsgerichtsverträgen ihre Garantie erteilen. Die Ga- ranticfrage ist lediglich eine französische Angelegenheit. Aus diesem Grunde muß ich mir auch Zurückhaltung in dieser Frage auferlegen." Ferner betonte Bandervelde, daß der Sicherheitspakt sofort nach der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund in Kraft

treten werde. Er sagte dann weiter,^.,Deutschland nur unter Beachtung der allgemein gültigen & § Schriften in den Völkerbund eintreten kann. Dom belg'^«' tandpunkt aus gesehen, hat der Sicherheitspakt den ?n^^<3a^ er Belgien die Garantie Englands gewährt. Vo -^L> meinen europä­ischen Standpunkt aus hat er zur Fol^ « ver Völkerbund Gelegenheit erhält, die ihm gebühr,, 8 Aste zu spielen. Dandervelde erklärte dann zur Frage d^ tmung der Kölner Zone und zur Abrüstung ge, daß bei feinern Aufbruch aus Genf die Verharrt'Z §One günstige Wendung genommen hätten. H^

Hisr Vertrag dor^ß Wpf.

Das Angebot eines deutsches chechischen Schiedsvertrags. Der, Kampf gegen die deutsche Schule.

- Prag. MeNarodni Politika" stellt fest, daß die offiziösen Auslassungen des tschechischen Außenministers über den Stand der Dinge keine wirkliche Antwort auf die präzise Frage enthalten, ob der Westpakt eine Abschwächung des Wertes des tschechisch-französischen Bündnisses bedeutet. Benesch wolle der Oeffentlichkeit den wahren Tatbestand ver­heimlichen. In Berlin sei man jedoch weniger schweigsam. Dort habe man offen gesagt, daß man jede Berbindung zwischen Westpakt und Ostverträgen ablehnen würde. Die Narodnie Demokratie" verzeichnet in großer Auf­machung die Nachrichetn, daß der Schritt Dr. Beneschs in Polen verurteilt werde und er nur ein Triumph der deutschen Idee sei. Me Unzufriedenheit Polens sei um so größer, als ein gemeinsamer Schritt Polens und der Tschechoslowakei bereits verabredet war. Me Hilfe Frank­reichs sei für die Tschechoslowakei völlig wertlos. Heute ernte man die Früchte der sozialistischen und pazifistischen Ideen. Während in der inneren Politik eine fortschreitende Besse­rung zu beobachten sei, schreite die Außenpolitik von Miß­erfolg zu Mißerfolg.

Während man auf der einen Seite sich bemüht, den An­schluß an Deutschland nicht zu verlieren und sich um deutsche Gunst bei den kommenden Sicherheitsverhandlungen bewirbt, erbitterte Kampf fort. Die deutsche Minderheit hat sich jetzt zu energischem Widerstand zusammengeschlossen. Auf die Ausführungen des tschechischen Unterrichsministers Marko- witsch über die deutschen Schuldrosselungen in der Tschecho­slowakei antwortete im Namen aller deutschen Parteien der Obmann des allgemeinen deutschen parlamentarischen Echul- ausschusses, Universitätsprofessor Dr. Spina. Er erklärte, daß es heute unter den Deutschen in der Tschechoslowakei keine Parteiunterschiede mehr gebe. In der Schuldroffelung liege ein bestimmtes System, eine Absicht, daher herrsche in weitesten Kreisen eine große Erbitterung. Die Ausführungen des Ministers könnten die Deutschen nicht befriedigen. Die Drosselung drücke das Niveau des deutschen Schulwesens herab. Für die Deutschen gebe es nicht einmal zehn Schulen auf Grund des neuen Gesetzes. Die Tatsache könne nicht verschleiert werden, daß im ganzen fast 4 0 0 0 Sch u l - klaffen gesperrt würden, daß die Deutschen demnach einen Verlust von 28 Prozent erlitten und daß über 20 deutsche Bezirke mehr als 30 Prozent ihrer Klaffen verloren hätten.

Die rumänische Außenpolitik.

^ Bukarest. Der rumänische Außenminister Duca er­klärte einem Pressevertreter, daß die Lage in Zentraleuropa und auf dem Balkan sich in letzter Zeit sehr wesentlich ge­bessert habe. Zwar seien noch Schwierigkeiten vorhanden, jedoch böten diese keinen Anlaß zum Pessimismus. Rumänien verfolge die Aufrechterhaltung des Friedens auf Grund der bestehenden Verträge. Es pflege gute Be- ziehungen zu allen seinen Nachbarn, auch zu Sowjetrußland, mit dem bisher leider noch keine normalen Beziehungen her» gestellt seien. Zu Ungarn seien die amtlichen Beziehungen zufriedenstellend, bedauerlich sei nur, daß sich bestimmte Kreise der ungarischen Politik noch immer nicht mit den gegebenen Tatsachen abfinden könnten. Rumänien ließe sich von den Angriffen der ungarischen Presse nicht beeinflussen. Die Mi- noritätenpolitik Rumäniens richte sich nach den bestehenden Verträgen und nach den Erfordernissen seiner nationalen Existenz. Es betreibe nach wie vor seinen Minderheiten ge­genüber eine weitgehende liberale Politik.

Frankreichs Schulden an Amerika 3342 Millionen Dollar.

Der französische Finanzminister mit einem Riickzahlungsvorschlag in Washington.

$> Paris. Heute abend verunstaltet Präsident LooUdge einen Empfang zu Ehren der französischen Delegation, wobei besonders hervorgehoben wird, daß auch Senator Borah zu dem Empfang erscheinen werde. Dieser Begegnung zwischen Borah und Caillaux wird große Bedeutung beigemessen. Die erste Sitzung der beiden Schuldendelegationen fand bereits statt. Caillaux hielt eine Rede, in der er ausführte:Ich komme, um die Verbindlichkeiten meines Landes zu erörtern. Wir werden nie die finanzielle und moralische

Hilfe Amerikas an dem erfolgreichen Aus- gang des Krieges vergessen. Wir vergessen nicht die großmütige Hilfe, die Amerika unserem Lande gewährte." Darauf überreichte er seine Vorschläge zurSchuldenregulierug. Der Sonderberichterstatter desMatin" in Washington ist in der Lage, das von Caillaux überreichte Angebot wiederzu- geben. Danach hat es folgenden Wortlaut: L Frankreich erkennt seine Kriegsschulden an und ist zu ihrer Kriegsschulden in Höhe von 2935 Millionen Dollar an und ist zu ihrer Rückzahlung bereit. 2. Frastk- reich schlägt vor, die für die amerikanischen Warenlager schul­digen 407 Millionen Dollar zu dem Kapital der Schulden hinzuzufügen. Die französische Gesamtschuld beträgt somit 3342 Millionen Dollar. 3. Frankreich ist mit der vom amerikanischen Kongreß vorgeschlagenen Zahlungs- periodevon 02 Jahren einverstanden. 4. Frankreich beansprucht kein Moratorium. Ein Moratorium ist gut für ein besiegtes oder bankrottes Land. Frankreich ist we­der besiegt noch bankerott. Frankreich ist aber arm und kann augenblicklich nur sehr beschränkte Zahlungen lei- sten. Frankreich schlägt ferner vor, während der ersten fünf Jahre 25 Millionen Dollar zu zahlen, darin einbegriffen 20 Millionen Dollar Zinsen für die amerikanischen Warenlager. Während weiteren fünf Jahren zahlt Frankreich 30 Millionen Dollar, während der folgenden zehn Jahre 45 bis 50 Mil­lionen Dollar, von 1946 und während der letzten 42 Jahre würden die Iahreszahlungen fortschreitend auf 80 Millionen Dollar erhöht werden. Dem französischen Angebot ist eine Darstellung der Gründe vorausgeschickt, aus denen Frankreich nur dieses und kein anderes Angebot unterbreiten könne.

Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß die Versuche Caillaux, eine Regelung der französischen Schulden her- beizuführen, ein vollständiger Fehlschlag sein werden. Die amerikanische Schuldenkommission hat die Dor­sch l ä ge Caillaux' als lächerlich abgelehnt. Die französische Schuldenmission wird von der Ablehnung ihres Borschlages offiziell unterrichtet werden. In amerikanischen Beamtenkreisen betrachtet man den Borschlag Caillaux' als so lächerlich, daß er nicht einmal dem Kabinett vorgelegt werden wird. Ein Mitglied der amerikanischen Schulden­kommission erklärte:Wenn die Franzosen nicht etwas besse­res anzubieten haben, so kann Caillaux ebenso gut wieder nach Fraukrtzich^MüchLH^u-L.

Erneuter Sturz der polnischen Valuta.

£ Warschau. In polnischen Regierungs- und Wirt­schaftskreisen herrscht eine unbeschreibliche Bestürzung über den erneuten Sturz des Zloty. An den Auslandsbörsen war der Zloty noch niedriger notiert als in den kritischen Tagen des vergangenen Monats. Me Warschauer Presse greift abermals das Kabinett Grabski an und weist darauf hin, daß keine Maßnahme der Regierung imstande sei, die Lage zu retten; denn der Grund der Katastrophe sei in der Regierung selbst zu suchen. So schreibt der Hanoelsredakteur der TageszeitungMoment", daß alle angeblichen Maß­nahmen Grabskis nur einen Augenblickseffekt barfteUten, dem das Ausland sehr skeptisch gegenüberstehe. Das Ausland werde sich nicht täuschen lassen und glaube nicht an Wunder, wie Herr Grabski seine Hoffnungen auf Wunder baute.

Weitere Erfolge der Spanier in Marokko.

ch Paris. Nach Meldungen aus Madrid haben die Spanier einen neuen Angriff auf die Höhen von Alhucemas unternommen und nach heftigem Kanrpfe, der mehrere Stun­den dauerte, ihre Ziele mit Ausnahme von Cella Bonita er­reicht. Me Spanier hoffen, Ajdir vollständig einschließen zu können. Wie englische Blätter melden, siüd die Erfolge mit großen Verlusten verknüpft gewesen, da die Höhen mit dem Bajonett genommen werden mußten. Die Verteidiger des Rifs sammeln ihre Kräfte zu einer großen Verteidigungsschlacht.

Nach Berichten von Ueberläufern macht sich bei den Rifkabylen der Lebens Mittel Mangel immer stärker bemerkbar, so daß sich die Ueberläufer ständig ver­mehren.

Die Reichsbahn zur Preissenkung.

Keine allgemeinen Tarifermäßigungen.

ch Berlin. Der Vetwaltungsrat der Deutschen Reichs- bahngesellschaft tagte vom 21.24. September in Berlin. Aus den Verhandlungen ist folgendes von allgemeinem In­teresse:-

Die von der Hauptverwaltung bewilligten Lohnzu- lagcn an die Arbeiter, die eine Jahresbelastung von etwa 25 Millionen Mark mit sich bringen, wurden geneh - migt. Zu dieser Steigerung der Personalausgaben treten, wie mitgeteilt wurde, noch gesetzliche Erhöhungen der sozialen Lasten im Betrage von 25 Millionen Mark im Jahre. Diese. sozialen Lasten verteilen sich auf Erhöhung der Leistungen aus der Unfallversicherung mit etwa 20 Millionen Mark, aus der Invalidenversicherung mit 4 Millionen Mark, aus der Angestellteuversick)erung mit 1,5 Millionen Mark und durch die' Rückwirkung auf die Arbeiterprensionskasse Abteilung B auf 10 Millionen Mark. Angesichts dieses Umstände« und im Hinblick auf die im Jahre 1926 stärker steigenden Reparation» lasten mußte der Verwaltungsrat mit Bedauern feststellen, daß big Finanzlage des Unterm-MW