Hersfelöer Tageblatt hersfel-er Kreisblatt" Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
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Nr. 241
Mittwoch, den 14. Oktober
1925
Das Wichtigste.
“ In der Vollkonferenz in L o c a r n o wurde eine A n= Näherung in der Frage des Durchmarschrechtes erzielt. Eine alle Teile befriedigende Lösung wurde noch nicht gefunden.
— Staatssekretär Dr. Kempner ist aus Locarno in Berlin eingetroffen, um vor dem Reichskabinett Bericht zu erstatten. Reichspräsident von Hindenburg empfängt Dr. Kempner wahrscheinlich noch am Mittwoch.
— Der Barmat-Ausschuß des preußischen Landtags hat seine Untersuchungen beendet.
Denkt an die Zeppelin-Eckener Spende!
Der 12. bis 15. Oktober sind Jahrestage, an denen das Zeppelinlustschiff Z. R. ni vor seiner Fahrt über den Ozean nach Amerika im vergangenen Jahre zum Abschied von der Hemmt über den deutschen Gauen kreuzte, Z. R. III war ein Erzeugnis der deutschen Technik, ein Meisterwerk des deutschen Flugzeugbaues, in dem all die Erfahrungen, die die FIugzeugteckMk zusammengetragen hatte, verwertet worden und zur Höchstleistung gebracht waren.
Mit dem Namen Z. R. in untrennbar verknüpft ist der Name seines verdienstvollen Führers, Dr. Eckener. Er hat vollbracht, was bisher noch keiner geschafft hatte. Er wagte den Flug mit dem Z. R. in über den Ozean. Es war mehr als nur eine sportliche Leistung, es war eine Probe für die Zuverlässigkeit der deuffchen Technik, es war ein Wagnis, auf dem Luftwege die Fahrt in die neue Welt zu machen. Dadurch, daß die Fahrt gelang, wurde dem deutschen Volke, das voller Trauer die Ablieferung eines deutschen Lustschiffes nach Amerika mit ansah, eine Genugtung. knüpft, daß Deutsche die ersten waren, die auf dem Luftwege eine Verbindung zwischen Europa und Amerika her- stellten. Wir alle fast sahen noch das stolze deutsche Schiff bei seinen Flügen über die größten deutschen Städte, denen es vor seiner weiten Reise den letzten Gruß entbot. Es waren die Tage des 12. bis 15. Oktober 1924.
Ein volles Jahr ist seitdem ins Land gegangen. Dr. Ecke- ner ist ein deutscher Nationalheld geworden, ein Mann, der an erster Stelle mit dazu berufen ist, die Würde und die Ehre des deutschen Volkes wieder aufzurichten. Wir Deutsche aber, denen der Wiederaufbau die erste Pflicht gegen das Vaterland ist, müssen diesem großen Manne zur Seite stehen. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Werk eines noch größeren, das Werk des Grafen Zeppelin, fortzusetzen. Er will die Erinnerung an den Grafen Zeppelin neu beleben. Schreibt der Dersailler Vertrag vor, daß Deutschland nur kleinere Luftschiffe im Ausmaße bis zu 30 000 Kubikmeter bauen darf, so gilt es, der Welt mit diesen kleinen Schiffen die Verwendungsmöglichkeiten der größten deutschen Erfin- dung zu beweisen.
Die mißglückte Polarfahrt Amundsens hat auch dazu beigetragen, daß Dr. Eckener den großen Plan faßte, die Polar- gebiete mit Hilfe des Luftschiffes zu erschließen. Aber immer wieder sei betont, und darauf legt auch Dr. Eckener bei seinen Vortrügen im Reiche den größten Wert, daß der Luftschiffbau nicht allein der Erforschung des Pols gelte, sondern daß das Zeppelinlustschiff ein Nationalheiligtum sei, für dessen Erhaltung und Ausgestaltung sich die Gesamtheit des deut- schen Volkes einzusetzen habe. Sollte die Entente nicht ihre Genehmigung zum Bau eines Riesenlustschiffes geben, so soll ein kleineres Luftschiff gebaut werden, das rein wissen- schaftlichen Forschungszwecken dient.
Die Mittel des Zeppelinbaus in Friedrichshafen sind aber erschöpft. Das Werk des Grafen Zeppelin wäre ver- nichtet, wenn nicht heute das ganze deutsche Volk dazu bei- trägt, daß dieses große Werk weitergeführt werden kann. Dr. Eckener wendet sich deswegen nicht an einzelne Geld- geber, sondern ruft das ganze deutsche Volk zu einer Nationaltat auf, durch die es beweisen kann, wie es feine Großen ehrt.
Die Opfertage stehen bevor. Ueberall im Reiche sollen Sammlungen veranstaltet werden, aus denen die Zeppelin- Eckener-Spende gespeist werden soll. Jeder opfere da und gebe so viel es feine Kraft und Mittel erlauben! Viele Wenig geben ein Diel! Daran denke auch der, der nur wenige Pfennige als Scherflein beizutragen imstande ist. Die Spende muß ein Erfolg merken und wird es, wenn sich das deutsche Volk in seiner Gesamtheit dafür «Ersetzt.
Gm KortschrM aus dem Wege der Lösung.
Falsche französische Meldungen.
^ Berlin. Heber die Zusammenkunft der Hau^t- belegierie.it in Locarno wird gemeldet: Wie in dem vereinbarten KoimnvniquL der Delegationen mitgeteilt wird, ist nach einem erneuten ausführlichen Gedankenaustausch über die im Zusavunenhaog zwischen Völkerbund und Sicherheitspakt stehenden Fragen auf Grund deutscherseits gestellter Ersuchen w ergänzende Klarstellungen und deren Beantwortung sestgesteSt worden, daß auf dem Wege zu einer Lösnug dieser Probleme ein Fortschritt erzielt sei. Wenn von französischer Seite bereits von einer Beendigung der Ausstriche über den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund gesprochen wird sowie von einer definitiven Zustimmung der teutschen Delegation zum Arttkel 16, so muß demgegenüber festgestellt merken, daß eine endgültige Lösung der Völkerbundfrage noch nichr erzielt ist. Ebenso ind die Gerüchte über eine angeblich 24stündige Bedenkzeit, !ie in dieser Frage von der deutschen Delegation erbeten ei, unrichtig. Zur Errvirkung einer solchen Frist bestand keinerlei Veranlagung.
Annäherung in der Frage des DurchmarschrechtS. Noch keine Lösung des Problems der Ost- g a r a n t i e.
- Locarno. Ueber den Arttkel 16 über das Durchmarschrecht hat man anscheinend eine Einigung gefunden, die etwa in folgender Richtung liegen dürfte:
Die deutsche Delegatton hat erreicht, daß die vier Hauptmächte im Völkerbund, mit denen wir augenblicklich verhandeln, dem Attikel 16 eine Interpretation gegeben haben, die uns für den Fall, in dem Deutschland als Mitglied des Völkerbundrates der Feststellung einer Macht als des Angreifers zustimmt, volle Handlungsfreiheit läßt. Diese Auslegung bezieht sich namentlich auf die Anwen- düng des Artikels 16, der nicht eine Verpflichtung, sondern nur eine Empfchtuug ausspeW.: K^WMWMWu diese deuffche Handlungsfreiheit in einer besonderen Erklärung ausdrücklich bestätigen, und zwar ausdrücklich für den gesamten Arttkel 16, d. h. also für den Durchmarsch durch deutsches Gebiet, die aktive kriegerische Teilnahme Deutschlands und — wie der deuffche Außenminister ausdrücklich unterstrichen hat — auch für die Teilnahme Deutschlands an wirtschaftlichen Santtionen in jeder Form.
Damit dürften die Gefahren des Artikels 16 für Deutschland ausgeschaltet werden können unter der Voraussetzung, daß die Garantieerklärung der vier Hauptmächte im Völkerbund sich als ausreichend erweist.
Sehr viel schwieriger dagegen liegen jetzt die Dinge in der Frage der Garantie für den Osten, die das Hauptthema der Zusammenkunft der vier großen Mächte gewesen ist. Die deutsche Delegatton muß es ablehnen, den Franzosen in einer Garantie für die deutschen Ostverttäge, in welcher Form auch immer, irgendein Sonderrecht zuzu- gestehen. Erschwert wird ferner die Lage durch die Tatsache, daß in den sogenannten Nebenfragen, die für Deutschland von ungeheurer Bedeutung sind, und die als Voraussetzungen für den Sicherheitspakt überhaupt gelten können, kaum ein wesentlicher Fortschritt zu verzeichnen ist.
Die Verhandlungen mit den Tschechen.
Ablehnung der tschechischen Vorschläge.
^ Locarno. Ministerialdirektor Gaus hat mit dem tschechischen Außenminister die Fragen des deuffch-tschechischen Schiedsgerichtsvertrages besprochen. Im Laufe der Unterredung machte Dr. Benesch den deutschen Juristen mit dem Experten der tschechischen Delegation, Profeffor Kretschmar, bekannt.
Die Tschechen haben einen Vertragsentwurf bereits vorbereitet, der den ursprünglichen Entwurf des Westpaktes zur Grundlage nimmt. Zur Begründung dessen kann man von tschechischer Seite hören, daß der Westpakt so gut formuliert sei, daß er nach tschechischer Ansicht wundervoll als Modell dienen könne. Auf deutscher Seite ist man begreiflicherweise ganz entgegengesetzter Ansicht. Die deutsche Delegation dürfte es abgelehnt haben, den tschechischen Entwurf zur Grundlage zu nehmen. Herr Dr. Gaus hat deshalb Herrn Benesch ein Exemplar des deutsch-schweizerischey Schiedsver- trages mit dem Ersuchen übermittelt, es für die Wetterführung der Besprechung zu studieren.
Es verlautet, daß Dr. Benesch seine Bereitschaft hat durchblicken lassen, mit Dr. Streseipann in eine allgemeine B e s p r e ch u n g d e s M i n d e r h e i t e n p r o b l e m s ein- zutreten. Es liegen ferner Anzeichen dafür vor, daß Benesch über den Schiedsgerichtsvertrag hinaus eine Art Garan t i e p a k t zur Sicherung der Grenzen verlangen wird. Nach zuverlässigen Informationen darf gesagt werden, daß die N e i ch s r e g i e r u n g g a r nicht daran denkt, auf eine solche Bedingung e i n z u gehen, da sie vollkommen außerhalb der ursprünglichen Anregung liegt.
Italien und Belgien an den Ostverträgen nicht interessiert.
❖ Locarno. Wie verlautet, haben Belgien und Italien in den Bollverhandlungen in Locarno erklärt, daß sie an bet Frage der Ostverträge uninteressiert sind. Die Frage sei vielmehr Angelegenheit der Länder, die durch sie direkt berührt werden.
Damit stellen sich Italien und Belgien auf einen Stand- Punkt mit England, das von vornherein erklärte, daß es an einer Garontterung der Ostverttäge nicht teilnehmen werde.
Frankreich stünde dann allein in seiner Auffassung da, daß die Ostverttäge von den Westmächten garantiert werden müßten. Während sich England, Belgien und Italien dem deuffchen Standpunkt nähern, der dahin geht, daß die Ost- verträge eine eigene Angelegenhett zwischen ihm und den beteiligten Nachbarländern sei.
Ministerrak über Locarno. - - -
❖ Berlin. Staatssekretär Dr. Kempner, der der deutschen Delegatton in Locarno beigegeben ist, ist zur Bericht- erstattung über die bisherigen Verhandlungen in Berlin ein- getroffen. Dr. Kempner war von vornherein für eine derartige Berichterstattung, für den Fall, daß sie notwendig wurde, in Aussicht genommen worden.
Am Freitag abend erstattete Staatssekretär Dr. Kempner den Kabinettsmitgliedern Bericht über die Verhandlungen. Sobald der Reichspräsident, der zurzeit sich in Bad Kösen befindet, zurückgekehrt ist, wird er Staatssekretär Kempner zur Berichterstattung laden. Höchstwahrscheinlich wird der Bericht vor dem Reichspräsidenten noch an diesem Mittwoch erfolgen.
Ob auch eine Besprechung Kempners mit den Parteiführern stattfinden wird, ist noch nicht bestimmt.
Im Zeichen der Verständigung.
Paul Oskar Höcker vom belgischen Kriegs- geriet zum Tode verurteilt.
Berlin. Vom Kriegsgericht Lüttich wurde der bekannt« deutsche Schriftsteller Hauptmann Paul Oskar Höcker wegen angeblicher Kriegsgreuel in Abwesenheit zum Tode, zur Degradation und zum dauernden Aufenthaltsverbot in Belgien verurteilt. Paul Höcker wird in der Anklage vor- geworfen, am 18. August 1914 in dem nist eine gute Wegstunde von Aachen gelegenen Moresnet den Befehl gegeben zu haben, den Landwirt Wilhelm Schmeetz ohne Gerichtsurteil zu erschießen, weil er im Besitz eines in seinem Hause an der Wand hängenden Floberts Kaliber 9 mm betroffen worden sei.
Ein Kongreß der nationalen Minderheiten.
^ Genf. Am Donnerstag wird in Genf der Kongreß der nationalen Minderheiten Europas eröffnet werden. An der Tagung werden Delegierte von mehr als 30 nationalen Gruppen aus 14 verschiedenen Staaten teilnehmen, die insgesamt etwa 30 Millionen ver- treten. Der Zweck der Konferenz ist, die Führer aller nationalen Gruppen zu einem Gedankenaustausch über die Lösung des Nationalitätenprodlems zu versammeln. Es wird sich darum handeln, die Grundsätze zu formulieren, die es den Minderheiten gestatten wurden, mit der Mehrheit in gutem Einverständnis zu leben. Nach den bisher eingelaufenen An- Meldungen nehmen Vertreter der deutschen, polnischen, litauischen, rumänischen, ukrainischen, slowenischen, russischen, weißrussischen, wendischen, ungarischen, jüdischen und schwe- dischen Nationalitäten an der Konferenz teil.
Das UntersuchungSergebniS des Barmat - AuSschuffeS.
- Berlin. 5m Verlauf der letzten Sitzung des Barmat- Untersrahungsarmschusses im Sanktag sprachen noch die -Abgeordneten Pinkerneil (Dvp.), Bartels (Komm.), -Nuschle (Dem.), Bischof (Wirt.-Ber.), Kuttner sSoz.), Dr. Kaufhold (Dntl.) und Buchhorn (Dvp.). Die im Verlauf der Untersuchung zutage getretene Haltung des früheren Reichskanzlers Bauer, des früheren Polizeipräsidenten Richter und des Llb- geordneten Heil wann in der Barmat-Affäre wurde neben >cm geschäftsgebaren des Brüderkonsorttums von den ver- chiedensten Seiten scharf verurteilt. Die Feststellungen >es Unierausschusses wurden angenommen. Dagegen thronten in den meisten Fällen nur die KomnNunsten. Gegen >en Abschnitt über den 9tbg. Krüger stimmten auch die Sozialdemokraten, gegen den Vorschlag des Unterausschusses in Sachen Heilmann die Deutschnationalen. Alle Aban-de- rungsanttäge verfielen der Ablehnung, darunter auch der besondere Antrag des Berichterstatters in 6a dien Heilmann.
Damit waren die Arbeiten des Untersuchrmgsaus-schusses boeridet.