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Hersfelöer Tageblatt

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Hersfelöer Kreisblatt"

Amtlicher /tauiger für den Kreis HersfelS

Nr. 248

Donnerstag, den 22. Oktober

Der Bezugspräs jbeirügi! durch "die TPoit,bezogen monailldi I. (Dr., aussdille&L Bestellgeld, für Bersfeld 1. (Dk. bei freier Zulteffung, Abholer

.80 lllk. * Drudüund Verlag dod Budidruckerel in Bersfeld, Mitglied

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1925

Das Wichtigste.

Die Ministerpräsidenten der Länder traten zu einer Konferenz zusammen, um zu dem Locarno- Vertrag Stellung zu nehmen.

Die Wahlen zum M e m e l l ä n d is ch e n Land­tag haben der deutschen Einheitsfront einen ganz über­legenen Sieg über die litauischen Parteien gebracht.

Der R e i ch s l a n d b u n d hat an d e n Reichs­kanzler Dr. Luther ein Telegramm gerichtet, in dem er in letzter Stunde auf die Notlage der Landwirtschaft hinweist, die eine Wirtschaftskatastrophe befürchten läßt.

Eine Unterredung mit Dr. Elken«.

Dr. Eckener, der mutige Führer des Z. R. III, der unter dem Jubel der ganzen Welt im vorigen Jahre das an Ame­rika abzuliefernde Feppelinluftschiff über den Ozean nach Amerika lenkte, äußerte sich anläßlich einer Unterredung über die Organisation des kommenden Luftschiff­verkehres folgendermaßen:Für kürzere Strecken und alle Strecken über^Land," meinte er,kommen zur Bewälti­gung des Luftverkehrs ausschließlich Flugzeuge in Frage, die gegebenenfalls die ihnen zugewiesenen Strecken in Etappen befliegen. Unter kürzeren Strecken verstehe ich Entfernun­gen bis 2500 Kilometer. Darüber hinaus erst kommen Luft­schiffe in Frage, und auch dann nur, wenn die Strecke über freies Meer führt.

Doch hier muß man wiederum eine Einschränkung machen. Denn nicht alle Strecken über das offene Meer kom­men für Luftschiffe in Betracht, sondern nur solche, die auf Grund günstiger meteorologischer Bedingungen einen sich lohnenden Zeitgewinn gegenüber den Schnelldampfern ver­sprechen. So kommt z. B. eine nordatlantische Route für mich nicht in Frage. Dagegen halte ich für die Zukunft solche Strecken für äußerst aussichtsreich, die mit Hilfe von regel- mäßigen Luftströnumgon, wie es z. B. die Tropenwinde sind, Wfwgcn werden rönnen. Unter Berücksichttgmrg diesen Strömungen muß es ein leichtes fein,' die Reisedauer auf ein Drittel oder Viertel der jetzt benötigten Zeit herabzudrücken.

AIs Linien, die hierbei vor allen Dingen in Frage kom­men, halte ich eine Flugstrecke von Deutschland über Spanien nach Argentinien und eine solche von Deutschland mach den Vereinigten Staaten auf dem Wege über die Azoren und weiter nach H a w a i und Japan. Nicht zu unterschätzen dabei ist aber auch die Wahl der Ausgangspunkte, denn es liegt wohl klar auf der Hand, daß nicht jeder willkürlich ausgewählte Platz sich als Luftschiffhafen eignet.

Ein großes Gebiet, auf dem sich das Luftschiff nament= lid) große Verdienste wird erwerben können, ist das der L a n d e s m e s s u n g e n und Landesaufnahme. Denn es ist klar und einleuchtend, daß man mit Hilfe eines Luftschiffes viel besser und schneller wird Messungen und Aufnahmen machen können. Das gleiche gilt von geogra­phisch-wissenschaftlichen Expeditionen. Auch hierbei wird das Luftschiff der Wissenschaft unschätzbare Dienste zu leisten im stande fein."

Wie sieht es aber mit der Verwirklichung dieser Pläne aus? In Friedrichshafen steht die Geburtsstätte so manches Zeppelins, der stolz die Lüfte durchzog, ein erhabenes Zeichen deutschen Fleißes und deutschen Erfindergeistes. Hub wie sieht es dort aus? Durch allerlei schikanöse Verträge und Abmachungen des Fcindbundes liegt diese Stätte rastlosen deutschen Fleißes darnieder, geknebelt und geknechtet. Und es ist vorderhand gar nicht abzusehen, was daraus werden soll. Darum geht jetzt der Ruf an alle: Helft; trägt dazu bei, daß diese 'zukunftsreiche Arbeitsstätte deutschen Fleißes erhalten bleibt! So wichtig alle oben ermähnten Zukunfts- aufgabcu fein mögen für uns Deutsche, o h n e Unter- s ch i e d der Partei, handelt es sich in erster Linie um bu Erhaltung der Fricdrichshafener Werke. Und das ist vor allen Dingen Sinn und Zweck der Zeppe- lin-Eckener-Spende. Ist doch das Werk in Friedrichs- Hafen sozusagen ein Besitzstück des ganzen deutschen Volkes geworben, hervorgegangen aus der Echterdinger Spende an den Grafen Zeppelin. Unmöglich wird das deutsche Volk es zulassen, daß sein nationales Eigentum dahinstirbt! Darum acht! Dr. K. E. Krack.

Zusamm enintt her Mmsterpr äfihenkn

Berlin. Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers traten bit Staats- und Ministerpräsidenten der Länder zusammen, um das Vertragswert von Locarno zu erörtern. An der Be- ratung nahmen sämtliche Kabinettsmitglieder teil.

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Auch der deutsche Botschafter in Paris, Herr ». Hoesch der - >rzett in Berlin weilt, hatte mit bem Reichskanzler eine mech Utab ar Desprechunug. Es wirb ttbed)aupt Wert daraus g-t^n s.'^ Botsa«after v. Hoesch an all den Besprechungen

die über den Locarnovertrag in Berlin stattfinden, teilnimmt, damit er sich über die Stimmung und über die besonderen Verhältnisse einzelner Landesteile genau informiert.

Enttäuschung der Rheinländer über den Locarno-Verirag.

Empfang bei dem Reichspräsidenten.

-£ Berlin. Zu der Aussprache der Vertreter der rhei­nischen Bevölkerung mit den Delegierten des Reichs auf der Locarnokonferenz erfahren wir von prominenter rheinischer Seite:

Die eingehenden Darlegungen des Reichskanzlers und des Reichsaußenministers verfehlten offensichtlich nicht ihren Eindruck bei den Teilnehmern. Es wurde allgemein zum Ausdruck gebracht, daß das deutsche Volk beiden Männern und ihren Mitarbeitern für ihre Arbeit auf der Konferenz zu besonderem Danke verpflichtet sei. Zu der großen poli­tischen Frage, ob das Abkommen annehmbar oder nicht an­nehmbar sei, wurde nicht Stellung genommen. Der Zweck der Besprechung war ja auch nicht der, eine solche bestimmte Stellungnahme aus den Kreisen des Rheinlandes entgegen- zunehmen. Dagegen hatten die rheinischen Vertreter aus­giebige Gelegenheit, ihre Forderungen und Wünsche bezüg­lich des Rheinlandes und der Rückwirkungen des Paktes auf das Rheinland auszusprechen.

Dabei kam die lebhafte Enttäuschung allerseits zum Ausdruck, daß es nicht gelungen sei, in Locarno bindende Abmachungen über Erleichterungen für das besetzte Gebiet festzulegen, mit Ausnahme der immerhin nicht unwesent­lichen Bestimmung, daß in Zukunft die Handhabung auch des Rheirrlandabkommens unter der Schiedsgerichtsklausel des Paktes stehen soll.

Die Annahme des Paktes wird nach rheinischer Auffas­sung davon abhängen müssen, ob die von den fremden Staatsmännern in Aussicht gestellte einschneidende Auswir­kung im Rheinland in den nächsten Wochen wirklich eintritt

Nach dem Empfang beim Reichskanzler empfing Reichs­präsident v. Hindenburg eine Wordnung der Rhein­länder, zu der u. a. Geheimrat Louis Hagen, Geheimrat Zapf und Iustizrat Falk gehörten.

Wie verlautet, ist der Empfang vom Reichspräsidenten ausgegangen, der sich über die Auffassung der Rheinländer zu dem Locarnovertrag und über ihre Wünsche informieren wollte.

Die Oeutschnaiionalen zum Vertrag von Locarno.

Die Vorstandssitzung der Deutschnatio­nalen Reichstagsfraktion.

^ Berlin. In einer Vorstandssitzung der Deutschnatio­nalen Reichstagsfraktion wurde das Ergebnis von Locarno eingehend erörtert. Graf W e st a r p hielt ein Referat über die politische Lage. Der Sitzung wohnte auch Reichsminister Schiele bei. Wegen seiner Teilnahme an den Beratungen wurde der Kabinettsrat verschoben. Wie ver­lautet, wurden von verschiedenen Rednern authentische Aus­legungen mehrerer Stellen des Sicherheitspaktes verlangt, vor allem des Paragraphen 4 Absatz 3 des Westpaktes in Verbindung mit Paragraph 15 Absatz 7 der Völkerbund­satzung. Ferner wurde eingehend die Frage der sogenannten R U ck w i r k u n g c n" erörtert. Bindende Beschlüsse wur­den nicht gefaßt, sie sind vielmehr der Fraktionssitzung vor­behalten.

Vertreter der Landesverbände der Deutschnationalen Volkspartei, Vertreter der drei Hansastädte Hamburg, Lübeck und Bremen, verstärkt durch Vertreter weiterer norddeut­scher Landesverbände, haben in einer Versammlung in Lübeck nach Referaten der Reichstagsabgeordneten Dr. Ever- ling und Gok beschlossen, folgende Entschließung an die Deutschnationale Reichstagsfraktion zu richten:Wir haben uns von einem Sicherheitspakt auf der Grundlage des Ver- sailler Diktates niemals einen Vorteil für unser Vaterland versprochen. Der in Loarono paraphierte Pakt erfüllt in keinem Punkte die Forderungen, die für die Deutschnatio- müe Volkspartei zur Wahrung deutscher Ehre und Zukunft selbstverständlich sind. Wir wollen deutsches Land nicht preis- geben, die politische Selbständigkeit Deutschlands nicht an eine Völkerbundmehrheit ausliefern und eine erneute frei- willige Unterschrift des Versailler Diktates nicht zugeben. Eine anderweitige Auffassung stellt sich außerhalb der Grundsätze der Deutschnationalen Volkspartei. W i r v e r - langen deshalb von unseren Vertretern im Reichstag die Ablehnung des sattes."

Köln wird geräumt, wenn . . .

^ London. Ein Sonboner Blatt berichtet aus Paris, daß man es dort in gut unterrichteten Kreisen für gewiß an» sehe, daß die logische Folgerung aus dein Sooanwcr Abkom­men mit Deutschland eine Neuordnung im Rhein­

lande sein werde. Die Unterhaltungen zwischen Ehambev- larn, Painlevs und Briand seien sehr ausführlich gewesen.

Das Datum der Räumung Kölns und vielle^ht noch manches andere Hänge von der Ausführung der im letzten

Juni durch die Botschasterkonferenz genannten Bedin­

gungen ab.

Indessen gebe es Grund zu der Annahme, daß Deutschland noch (Erfüllung dieser Bedingungen, insofern es eine Politik, die wirklich mit den eben geschlossenen Verträgen überetn- ftnmnc, befolge, Vergünstigungen gewährt werden würden und nicht nur Köln geräumt werden, sondern eine allgemeine Modifikation der BesatzungÄbedingungen stattfinden würde.

Der polnische Ministerrat billigt die Abmachungen von Locarno.

Warschau. Der polnische Außenminister Skrzynski ist gleich nach seiner Ankunft in Warschau vom Präsidenten der Republik zur Berichterstattung empfangen worden. Dar­auf fand ein außerordentlicher Ministerrat statt, der den Be­richt Skrzynskis einstimmig billigte.

Der Auswärtige Ausschuß des polnischen Sejms ist nun­mehr zur Entgegennahme einer längeren Erklärung des pol­nischen Außenministers über die polnische Außenpolitik und die Ergebnisse von Locarno einberufen worden.

Auch Belgien billigt das Locarno-Abkommen.

Paris. Wie die Blätter aus Brüssel melden, hat ein belgischer Kabinettsrat die Abmachungen von Locarno gut- gcheißen.

Wiederaufnahme der deutsch-französischen Wirtschafts« Verhandlungen.

Berlin. Am Dienstag begannen in Paris die neuen Handelsvertragsverhandlmrgen zwichen Frankreich und Deutschland. Es erscheint noch sehr unklar, auf welcher Grundlage die Parteien-diese Verhandlungen aufnehmen oder sogar abschließen können. da es sich nach den bisherigen Er- fahrungen ecgeutüch nur um eine lose Fühlungnahme' han­deln kann. Da das auf Grund der letzten Verhandlungen abgeschlossene Luxemburger Abkommen, das bereits von Deutschland ratifizierte Saarabkommen, von Frankreich nicht erfüllt und damit hinfällig geworden ist, wird es sehr schwie» rig sein, eine geeignete Vorhandlungsgrundlage zu finden. In erster Linie dürften die Verhandlungen auf einen Kampf um die M e i st b e g ü n st i g u n g hinauslaufen.

Nach dem Pariser Ministerrat hat der Handelsminister Chaumot den Vertretern der Presse mitgeteilt., daß die französischen Gegenvorschläge auf die letzten deutschen Vor- schlage über die deutsch-französischen Handelsvertraigsverhand- lungen nach Berlin abgefandt seien.

Sieg der deutschen Einheitsfront bei den memelländischen Landtagswahlen.

Heydekrug. Nach dem vorliegenden Ergebnis der memel­ländischen Landtagswahlen aus 41 von 80 Wahlbezirken er­gibt sich folgende Stimmenverteilung: Deutsche Ein­heitsfront (Memelländische Volkspartei, Sozialdemo- kratische Partei und Landwirtschaftspartei) 35 420, Groß- litauische Parteien 1156, Kommunisten 1246, Autonomie- bund 368, Litauische Christliche Arbeiterpartei 220, sonstige Splitterparteien 72 Stimmen.

Der Wahlkampf zum Memelländischen Landtag ver­spricht nach den bisher vorliegenden Ergebnissen einen ge« wattigen Erfolg der deutschen (Einheitsfront für die Autono­mie des Memellandes. Bei den noch ausstehenden Stimm- bezirken handelt es sich meist um solche im Hinterlande. Hier dürfte die Landwirtschaftspartei großen Stimmenzuwachs be- koinmen, wogegen die litauischen Splitterparteien kaum Stimmen für sich erwarten dürfen.

Wieder blutiger Bürgerkrieg in China.

Nanking in Händen der Revolutionäre.

£ London. Der chinesische General Tschangtsolin, der sich seit langem im Kampfe gegen den General W u p e i f u und den Ehristengeneral F e n g y u s i a n g befindet, scheint jetzt endgültig unterlegen zu sein. Die Stadt Nanking hat sich ergeben, und die Truppen Tschangtsolins zogen sich über den Jangtsekiang zurück und werden mit der Eisenbahn nach Norden transportiert.

In Peking herrscht bei den sich täglich jagenden Alarm­gerüchten sehr niedergeschlagene Stimmung, zumal man nicht weiß, wie sich die anderen Generale nunmehr verhalten wer­den. General Wupeifu hat sich jetzt offen gegen die Regie­rung in Peking erklärt und wird sich vermutlich als Höchst- kominandierenden der Zentralprovinzen ausrufen lassen. (Er beabsichtigt, eine eigene Verwaltung in Hankau einzurichten und dort ein Parlament zu eröffnen.

Preissenkung und Krediknot.

Die Flensburger Handwerkskammer zur P r e i's s e n k u u g s a k t i o m

^ Fltnsbura. In der Volttrersammlung der Handwerks- tammer zu Flensburg wurde eine Entschließ.urg zur Preis«