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HersftlöerTageblatt

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^ SÄ1«^ Etlicher MuZeiger für den kreis Hersfeld SSSg

Nr. 249

Freitag, den 23. Oktober

1925

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Das Wichtigst«.

Die Deutschnationalen haben im Auswärti­gen Ausschuß des Reichstags erklärt, daß sie in dem Ergeb» n i s der Verhandlungen vonLocarno nicht die Erfüllung der deutschen Forderungen sehen.

In nächster Zeit wird ein R o t e n w e ch s e l mit den Alliierten über die Entwaffnung Deutschlands einsetzen. Dabei wird auch die Frage der Räumung Kölns behandelt werden.

Der Reich sbankpräsident Dr. Schacht, der sich zurzeit in New Jork befindet, soll nach französischen Pressemeldungen eine Revision des Dawesplanes an­streben.

Deutscher Sieg im Memelgebiet.

Dieunzerbrechliche Kraft des Germanentums", die selbst unsere erbittertsten Gegner in den zahlreichen Kämpfen des Grenzlanddeutschtums gegen fei: v iche Raubgier an- erkennen mußten, hat einen neuen überwältigenden Sieg davongetragen. Die Memelländer, die von jeher deutsch waren, und die ein irrsinniger Friedensvertrag gewaltsam von ihrem Mutterlande losgerissen Hai, haben bei der am letzten Sonntag vollzogenen Wahl zum Memelländischen Landtage vor aller Welt laut und deutsch bewiesen, daß sie trotz aller Bedrückung und aller Gewaltherrschaft treu zum deutschen Vaterlande halten, und daß sie auch in Zukunft niemals daran denken wollen, von dieser Treue zu weichen.

Aus den bisher bekannt gewordenen Einzelheiten geht unzweideutig hervor, daß sich die deutsche Bevölkerung des Memelgebiets in ihrem festen Willen durch kein noch so ge­schickt eingefüdeltes Wahlmanöver hat beirren lassen. Allein in der Stadt Memel selbst hat die deutsche Einheitsfront weit über drei Viertel aller Stimmen auf sich vereinigen können. In den Landbezirken ist der deutsche Erfolg aber noch bedeutend größer. Und die Niederlage der A u - t o n .O J.O* deL zesten Pessimisten wohl kaum erträumt haben werden.

Ist es da ein Wunder, wenn nicht nur im Memelgebiet selbst, sondern auch im großen deutschen Vaterlande und überall dort, wo die deutsche Zunge klingt, unbeschreibliche Freude und Begeisterung herrschen? Es war ja noch immer so, daß das Deutschtum, wenn es in höchster Not und Be­drängnis war, den Weg zur Einigkeit und zur kraftvollen Gegenwehr gefunden hat. Nicht nur in Ost- und West­preußen und in Kärnten haben wir das erlebt, wo die deutsche Bevölkerung ihre Heimat not dem Zugriff des beutelustigen Nachbarn retten konnten. Lluch in allen anderen Grenz­gebieten, in denen noch Millionen Deutscher unter der drückenden Fremdherrschaft schmachten, erfahren wir es im­mer von neuem, wie hart und erbittert, aber auch wie einig und geschlossen der Kampf um die Erhaltung des Deutsch­tums geführt wird.

Ein solches Zeichen unbedingten Selbsterhaltungs- willens ist auch das Ergebnis der Memeler Wahl, das seinen Eindruck auf die ganze Welt nicht verfehlen wird. Es ist der Notschrei eines unterdrückten Volkes, das sich in den ihm gemachten Versprechungen und Hoffnun­gen schwer getäuscht sieht, und das nun seinem Willen machtvoll Ausdruck gegeben hat, daß es diese Unterdrückungs- politik nicht mehr länger ftuntm ertragen will. Ehe das Memelgebiet Litauen endgültig überantwortet wurde, hatte man den Memelländern allerlei großmütige Versprechungen gemacht, war zum mindesten offiziell von den Fana­tikern abgerückt und hatte damit nicht nur dort, sondern auch im Deutschen Reiche sich Sympathie zu erringen ge­wußt. Als dann aber nach dem bekannten Ianuarputsch die litauische Regierung mit den Heißspornen gemeinsame Sache machte und eine Unterdrückungspolitik gegen das Deutsch­tum begann, da hat man sich diese eben erst erworbene Zu­neigung sehr schnell wieder verscherzt. Die Quittung für diese verräterische Handlungsweise hat Litauen jetzt in Ge­stalt des für das Deutschtum iibcrwültigeirden Wahlergeb­nisses erhalten. Es erntet damit die Früchte einer Politik, deren verderbliche Folgen es selbst bei dem Raub des Wil- naer Gebiets durch Polen zu spüren bekommen hat. Gerade von Litauen hätte man eigentlich mehr Verständnis für das Eigenleben eines Volkes erwarten sollen. Hat es doch selbst unter russischer Herrschaft am eigenen Leibe erfahren, was die Knechtung eines ganzen Volkes bedeutet.

Mit allen Mitteln haben die Litauer versucht, noch in den letzten Wochen vor der Wahl die deutschen Wühler ein- zuschüchtern, sie durch Bildung von Splitterparteien zu ver­wirren und damit die Stoßkraft der vereinigten deutschen Parteien zu schwächen. Aber alle diese Versuche haben ebensowenig genützt, wie der freche Bombenanschlag auf das Gebäude desMemeler Dampfboots", der führenden Zei­tung des Deutschtums in Memel. Das Gegenteil ist damit erreicht worden, die deutsche Bevölkerung hat sich in ihrem Wahlrecht nicht beirren lassen u«d hat gleichzeitig durch vollzähliges Erscheinen an b er Wahlurne ein Pflichtgefühl bewiesen, an dem sich die Wähler im Deutschen Reiche ein Beispiel-nehmen sollten.

Es wäre zu wünschen, daß die Regierung in Kowno, die mit diesem deutschen Sieg wohl die schwerste Niederlage seit

Bestehen der litauischen Republik erlitten hat, nunmehr un­gesäumt die Lehre aus dem Wahlergebnis zieht und je eher, desto besser der Gewaltpolitik ein Ende macht. Praktisch ist für die Memelländer zunächst der erste Erfolg der, daß auch in Zunkunft das deutsche Element ausschlag­gebend bei der Verwaltung des Landes fein wird. Nicht nur die Litauer, sondern auch die von ihnen begünstigten kleinen Splitterparteien sind gottlob nur einen Sitz werden sie im Memeler Landtag erhalten zur vollständigen Ohn­macht verdammt. Für uns aber erwächst aus diesem kräf. tigen deutschen Bekenntnis gequälter und dem Mutterlande entrissener Stammesbrüder die heilige Pflicht, un­ablässig darauf hinzuarbeiten, daß das deutsche Me­melgebiet wieder mit dem deutschen Vater­lande vereinigt wirdi Md.

Die Bedenken der Oeuischnaiionalen gegen den Locarno-Verirag.

Im Auswärtigen Ausschuß des Reichs­tages wurde von der Deutschnationalen Reichstagsfraktion folgender Beschluß bekanntgegeben:

Die Deutschnationale Reichstagsfraktion vermag in dem Ergebnis der Verhandlungen von Locarno nicht die Erfüllung der Forderungen zu sehen, die den Lebensnot­wendigkeiten des deutschen Volkes gerecht werden. Die Fraktion vermißt außerdem die Erfüllung der Voraus­setzungen für einen Ver ragsschluß sowie die Gegen­leistungen der anderen beteiligten Mächte, die den Deutsch­land angesonnenen Opfern entsprächen.

Angesichts dieses Ergebnisses erklärt die Fraktion schon jetzt, daßsiekeinemVertragzustimmen wird, der den deutschen Lebensnotwendigkeiten nicht gerecht wird, und insbesondere einen Verzicht auf deutsches Land und Volk nicht ausschließt.

BU Ayemlandvet^i^ Reichs- prafidenien.

Schwere Bedenken gegen Locarno.

4- Berlin. Der Reichspräsident von Hindenburg empfing in seiner Wohnung etwa 20 Herren aus den ver­schiedensten Kreisen des besetzten Gebietes.

In besonders eindrucksvoller Weise brachten die Herren die tiefe Enttäuschung des besetzten Gebietes über das in Locarno Erreichte zum Ausdruck. Unter Würdigung der Bemühungen der deutschen Delegation, aber in anschau- licher Schilderung der im besetzten Gebiet herrschenden, vielfach jeder Kultur spottenden und von jeder Verständi­gungsbereitschaft weit entfernten Zustände vertraten sämt­liche Redner den Standpunkt, daß die Ansahme der Verträge, wenn sie überhaupt in Betracht komme, von der Durch­setzung erheblicher Zugeständnisse in den Räumungsfragen und einer völligen Aenderung der Besetzungsart im besetz- ten Gebiet und im Snargebiet, kurz von der Generalberei­nigung der Atmosphäre im Westen abhängig sei.

Die Enttäuschung fand auch in der Rede des sozial- demokratischenGeneralsekretärs Dr. Mayer Ausdruck, der andererseits die in Locarno in Erscheinung getretene Atmosphäre der Verständigung und Völkerversöh- nung in eingehenden Ausführungen besonders hervorhob. Die Vertreter der Deutschnationalen wiesen darauf hin, daß das besetzte Gebiet gegenüber mündlichen und persönlichen Zusagen ausländischer Minister nach achtjährigen Erfahrun­gen naturgemäß noch skeptischer empfinde als das unbesetzte. Die Befürchtung liege nahe, daß die Mmosphüre in Paris und London sich von der in Locarno erheblich unterscheide. Sicher sei, daß sie zu der im besetzten Gebiet im schärfsten Gegensatz stehe. Es müsse schon eine gewaltige Veränderung der Verhältnisse eintreten, wenn weite Kreise des besetzten Gebietes für einen Abschluß auf der vorliegenden Basis das Verständnis haben sollten.

Der Reichspräsident entließ die Herren mit einem warm­herzigen Bekenntnis zum Reiche und mit den: Dank für die Informationen, die ihm bei den großen Entscheidungen der letzten Zeit sehr wertvoll gewesen seien.

Der Loearnovertrag vor den Ministerpräsidenten.

Auch hier wieder die gleichen Bedenkem

-4 Berlin. Ueber die Sitzung der Ministerpräsidenten der Länder hören wir, daß zwischen den Vertretern der ein­zelnen Regierungen weitgehende Einmütigkeit in bezug auf die Beurteilung der durch die Konferenz von Lo­carno gefd)afsenen Situation herrschte, und zwar unabhängig von der sonst bei diesen Zusammenkünften mitunter zutage tretenden Meinungsverschiedenheiten zwischen den Minister­präsidenten der rechtsorientierten und denen der liiiksvrien- tierten Landesregierungen. Allgemein wurde betont, daß die Frage gründlich geprüft werden müsse, inwieweit der West­

pakt Vorteile für die Franzosen bringt und durch welche Vor­teile für Deutschland der Ausgleich geschaffen wirb.

Besondere Bedenken wurden auch hier in bezug auf Me rechtzeitige und ausreichende Erfüllung der allgemeinen Zusagen geäußert, die in Locarno betreffs der Rückwirkun­gen des Vertrages auf das Rheinland gegeben worden sind.

Im übrigen sind sämtliche Probleme in der MinisterprS- sidentenbesprechung erörtert worden, die mit dem Werke von Locarno überhaupt in Zusammenhang stehen. Die Gesamt- tendenz der Besprechung ging dahin, daß die Reichsregierung in den nächsten Wochen alle Kräfte daransetzen müsse, um die politischen Auswirkungen der Vertragsentwürfe nach Möglichkeit zu sichern und auszubauen. Unter der Voraus- setzung, daß dies gelinge, glaubten jedoch die Ministerpräsi­denten übereinstimmend, das Ergebnis der Konferenz be­grüßen zu können.

Notenwechsel in 8er EntwaffnungSfrage.

Räumung Kölns schon im nächsten Monat?

Berlin. In den kommenden Tagen wird ein Noten­wechsel zwischen der deutschen Regierung und den Entente­staaten über die EntwaffnungSfrage beginnen. Die Verhandlungen, die mit der Räumung der Kölner Zone in Zusammenhang ftetjen, werden eine Klärung beson­ders auch in der Hinsicht bringen, wie die sinnlos« Zerstörung von Maschinen, die die Entente fordert, verhindert werden kann. Auch die mit der Schutzpolizei in Verbindung sehen­den Fragen dürften in diesem Notenwechsel berührt werde«.

Wie von zuständiger Stelle erklärt wird, ist von den er­warteten Erleichterungen für Deutschland jetzt nur die Frage der Räumung der Kölner Zone in ein konkretes Stadium ge­treten.

Wahrscheinlich wird die Kölner Zone schon vor dem Maus des nächsten Monats geräumt werden. Gleich- zeitig sollen die strittigen Punkte in der EntwaffnungSfrage auf dem Wege güüicher Verständigung aus derWelt ge­schafft werden, um auch die juristischen Boraussetzunge« einer Regelung zu schaffe«. Ueber das Saargebiet und ähnliche Dinge verlautetnoch nichts Bestimmte«.

Wie aus London berichtet wird, wird die Räumung Kölns so schnell wie möglich durchgeführt werden, die 8000 Mann britischer Truppen und Offiziere werden das Gebiet bis Ende November geräumt haben, falls die in Locarno er­reichte Verständigung ausgeführt wird. Die Mehrheit der Besatzungstruppen werde auf das Gebiet zwischen Koblenz und Wiesbaden noch vor der Unterzeichnung des Sicherheits- Paktes am 1. Dezember verteilt werden.

Dr. Jarres über die Forderungen des Rheinlandes.

Berlk«. Der Duisburger Oberbürgermeister Dr. Jarres äußerte sich über die Erwartungen des Rhein­landes. Im Rheinland, so führte Dr. Jarres aus, begrüßt man die Tatsache, daß bei den Verhandlungen in Locarno ein neuer Geist zum Ausdruck gekommen ist, und betrachtet die dort getroffenen Abmachungen als einen glücklichen Aus- gangspunkt für die Beftnedung Europas.

Man erwartet im Rheinland:

1. alshasbige Räumung der ersten, sogenannten Kölner Zone,

2. dlenderung des Saarregimes insofern, daß eine wirk­liche Selbstverwaltung durch die Bewohner des Saargebietes erreicht wird,

3. wesentliche MiDerung der Besatzungsstürke in den rheinischen Zonen,

4. grundsätzliche Aenderung des Rheinlandregimes, insbesondere des Rheinlandabkovmwns, 'Beseitigung des un- beschränkten Ordonnanzrechtes der Rheinlvndkonnnission, ebenso die Beseitigung der Eingriffe in die deutsche Exeku­tive, wie sie vornehmlich durch das System der Delegierten und Unterdelegierten bisher hervorgerufen wurden, und Wegfall der fremden Militärpolizei,

5. Einstellung der französischen Politik in dem politischen Stampf um das Rheinland,

6. Klärung der Rechtsverhältnisse auf dem Rheinstrom und _ Freimachung der SHeinschiffahrt im Geiste der Rhein»

7. Zurzeit sind noch 273 Verurteilte in der Haft der Franzosen und Belgier, die sofort freizulassen sind.

Oberbürgermeister Dr. Jarres sprach zum Schluß die Hoffnung aus, daß sich die beteiligten Mächte auf der Gegen- feite über die elementare Bedeutung dieser Erwartungen der Rhemlandbevölkevung Kar seien.

Das Zentrum und Locarno.

- Karlsruhe. In einer von der Zentrumspartei einbe- rufenen Versammlung sprach der frühere Reichskanzelr Dr, Marx über Locarno und die innerpolitische Lage. Er führt« u. a. aus:

In Locarno sei ein Beschluß von einer Tragweite ge­faßt worden, die noch nicht übersehen werden könne. Ueber- schwängliche Freude an das Ergebnis von Locarno zu knüpfen, sei verfrüht. Bei Annahme des Westpaktes, der