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Kersttlöer Tageblatt

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yersfelöer KreLsblatt"

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

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Nr. 256

Sonnabend, den 31. Gktober

1925

Das Wichtigste.

Bei einer Artillerie-Schießübung auf dem Truppen­übungsplatz Iüterbog wurde Generalleutnant MülIer, der Kommandeur des Wehrkreiskommandos IV, von einem ver­irrten Infanteriegeschoß tödlich getroffen.

' Die deutsche Regierung hat durch ihre Botschafter beiden alliierten Regierungen erklären lassen, daß sich an ihrer bisherigen Stellung zum Vertrage von Lo- carno nichts geändert habe.

Der Kabinettsbeschluß vom 22. Oktober, in dem die Minister ihre Auffassung zum Locarno-Vertrag kundgaben^ ist jetzt veröffentlicht worden. Es ergibt sich, daß keine Billigung der Verhandlungen von Locarno aus­gesprochen wurde.

Die französischen Inedensherolde unter sich.

rAt 'er Srrt m Frankreich, i s ns ptDMLmm gemäß us- sSSels ein neues u-nd&eÄE Vrüsve ichs Gsässj rub Jlclcag^htgegea mir EerrüNALMLn a-reiriZt k«ü S enr 7Mrr»rcr :re skx r-Lrrr-rr rev 7» " ~* '^ Sk? besÄc McnS. Ts franst nuu nr,. 1:5 ^LaL-rur 2«xj3j Mser 'errs Trm-mz nchWn i re. - !~« ^cr-kas ce .-nL^' NLLenÜWLrnrWnu der 'einer LErinnnchn. d« ner'rirunrjnes Srurrshirusca.r-Enrwurnes. ru^ rem äch Lrn GleichaewÄchr zmpcMr zurLtzLyenren ®hbs§c« und rieftr icacfp antet Ausgaben herneLen LHt, und mraeu des neuen Frankikurzes zuuc Rücktritt gezwungen wurde, wäre völlig irrig. Er ist dem Kartell der L-nken verdächtig und lästig geworden, daran liegts.

Merkwürdig! Dieser selbe Eaillaux der wegen seiner Versöhnlichkeit, Deutschland gegenüber, wegen seiner bis 1910 zurückreichenden Bemühungen, den Frieden zwischen den beiden Vormächten des europäisiert Kontinents zu er­halten, wegen seiner Haltung im Weltkriege als Verräter von den Ratianalin.m .^ä-kitat. a-M-j»

und nur mit Mühe vor dem Aeüßersten bewährt wurde, ist setzt eine Art Vertrauensmann der Rechten, der Leute Poincares und Maginots, trotz seiner Einstellung in der Außenpolitik geworden. Der Grund? Weil er sich gegen die sozialistischen Enteignungspläne, die in einer rücksichts­losen Kapitals- und Vermögenssteuer ihre erste Verwirk­lichung finden sollen, mit der ihm eigenen, aufbrausenden Heftigkeit wehrt. Man kann es als eine Ironie des Schick­sals bezeichnen, daß Caillaux, der 1911 den Krieg wegen desPanthers" in Agadier zu vermeiden wußte, von den Chauvinisten und Deutschlandhapern beklagt, gerade im Augenblick gehen muß, da angeblich durch die Abmachungen von Locarno die Atmosphäre zwischen Deutschland und Frankreich von den Haß- und Bedrückungsmiasmen gereinigt werden soll. . . .

Aber so wollen es besonders Briand und Herriot. Denn der Außenminister, der Triumphator von Locarno, den man jetzt alsVater des Friedens" bejubelt, ist immer ein Gegner Caillaux' gewesen, und Herriot kann es dem schei­denden Finanzminister nie verzeihen. Saß er die Finanz­gebarung unter dem Regime Herriot als verhängnisvoll für Frankreich brandmarkte. So steht man zwischen ven drei französischen Staatsmännern die uns als die Entgegenkom­menden und Versöhnungsbsreiten angeprieien werden, ihre rein persönlichen Empfindlichkeiten undRevanchegelüste" sich in Sabotierungsveri uchen gegeneinander aus toben.

Auch zwischen Herriot und Briand ist trotz ihrer gegen­seitigen Bewchhräucherung alsFriedensengel" durchaus nicht alles im Lote. Ganz "im Gegenteil! Herriot wartet nur auf die Gelegenheit, um Briand abzuichürteln, und biefdt wiederum wird Herriot oder dessen Statthalter im neuest Ministerium Painleve schon die Hölle he!« zu machen. wissen. Man darf nämlich nie vergessen, daß die Sozialisten in Briand den Verräter an ihrer Sache glühend hassen, daß sie in diesem ehemaligenGenossen", der sich vom Hut« rünstigen Revolutionär zum Schutzheiligen der Bourgeois und der Militaristen gehäutet hat, ihren allergesährlichsiest Feind sehen. Herriot dagegen, der sein geliebtesKartell der Linken" mit den Sozialisten in alter Kraft und in schar­fer Trennung von den Leuten desBloc national" wieder- berstellen möchte, wird alles versuchen, um Briand, der dabei störend eingreifen könnte, schachmatt zu setzen. Und es hat ganz den Anschein, als ob Sßainieve, der trotz seiner Minister- prüsidenienstellung in der neuen, seinen Rainen tragenden Kombination" noch weniger die Führung haben wird, als er sie in dem eben zurückgetretenen Ministerium hatte, von Herriot und den Hcrriotisten ins Schlepptau genommen wer­den wird.

Natürlich wird man Briand erst seine Locarno-Sache ins reine bringen lassen. Auch die Radikalen und Sozialisten sind zu gute Franzosen, um nicht die ungeheuren Vorteile klar zu erkennen, die für ihr Land in den Beratungen am Lago Maggiore errungen worden sind. Solange das auf der Tagesordnung steht, ist Briand ihrer Hilfe oder wenigstens wohlwollenden Neutralität sicher. Aber nachher . . . oder wenn etwas Hinderliches, vielleicht selbst Unüberwindliches dazwischen kommen sollte, wie es die Haltung der Deutsch, nationalen immerhin möglich erscheinen läßt, . . . dann wird)

man bald den schrillen Ruf der Sozialisten hören:Briand raus!" Und die Herriotleute werden dann in her Wahl zwischen ihm und ihren sozialistischen Freunden nicht einen Augenblick schwanken. . . . Die Nationalisten, die Poin- caristen, warten daher ruhig ab. . . . Für sie sind in Locarno trotz allen Jubels der Kartellbrüder noch lange nicht die unveräußerlichen Rechte Frankreichs am Rhein" endgültig erledigt worden. Und aus den inneren Zerwürfniskeimen im Kartell erwarten sie noch immer äußere Rückwirkungen, ganz abgesehen davon, daß sie überzeugt sind, Briand wird sich schon Hintertüren offen gelassen haben, um hindurchzu- schlüpfen, falls nicht alles ganz nach Frankreichs Herrsch- und Vergewaltigungsgelüsten sich regelt. L Sachs.

Die OeutschnaLionalen zu ihrem Austritt aus der Regierung.

Eine nepe Erklärung des Purteivor» fitzenden.

Mrce. Memuls aber haben wir einst Zwei^l ästet getan« x5 rar irres die ühtieß'ühe Annahme der Lsrrrckge von t« neuen Durchführung dieser RichttÄMN abhängig sei. Das Leck von Locarno bot uns bitter enttäu f ch t. Die deutschen Richtlinien und nichr erfüllt. Der Widerruf der Schul b lu g L ist nicht zu voller Auswirkung? gebracht^ Ein Verzicht auf b eu tf chrs Land und Volk ist im Srcher- beitspaft weder durch einen klaren, eindeutigen Wortlaur, noch durch wirksames Kündigungsrecht ausgeschloven. Die Gegenseite konnte vor der WM f-ebaupten, daß Deutschland

der Völkerbundsatzutig nicht klar und bindend ge­sichert. Wahre Gleichberechtigung und Gegenseitigkeit auf dem Gebiete des Heereswesens ist nicht erreicht. Garantie- und Schiedsverträge bringen Deutschland neue Fesseln. Für die besetzten Gebiete sind nur sogenannte Rückwirkungen in Locarno in Aussicht gestellt, aber nicht gesichert. Die Abkürzung der Fristen für die Räumung von Rhein und Saar ist nicht zur festen Bedingung des Abschlusses gemacht. Die deutschen Delegierten haben das Werk von Locarno in unerwarteter Ueber sturzung, gegen die getroffe­nen Abmachungen und gegen unseren Einspruch paraphiert. So mußten wir uns überzeugen, daß wir durch Verbleiben in der Regierung unsere Ziele nicht mehr erreichen, sondenr uns nur noch dem Schein aussetzen könnten, als ab auch mir diese Ziele innerlich aufgegeben hätten. Darum haben wir unseren Einfluß als Regierungspartei geopfert, um dem Jn- und Auslande volle Klarheit über den Ernst der Lage zu geben und in voller Handlungsfreiheit einzustehen für unser unverrückbares Ziel: die Freiheit des Vaterlandes!

RundfuKkvortrag Strefrmanns über Locarno.

^ Perliu. Am Dienstag, dem 3. November, wird Reichsautzeumiuitzer Dr. Stresemann im Berliner Rundfunk einen Vortrag über die Bedeutung des Vertrages von Ls- tarno halten. Dieser Vortrag wird auch auf eine große Zahl anderer deutscher Sender übertragen.

Der KabmettSbesKüß vom 22. Ostoder.

Ejn wichtiges.Dokument zur Kabinettskrise.

4-Berlin. Am Freitag abend wurde der Kabinetts« beschloß vom 22. Oktober über das Ergebnis von Locarno veröffentlicht. Die Bekanntgabe ist um so wichtiger, als sie geeignet ist, in dem augenblicklichen politischen Kampf Klä­rung zu bringen.

Aus dem Kadtnettsbeichluß sind folgende überaus wichtige Feststellungen mitteilenswert:

1. Das Ergebnis von Locarno fand nicht die Billigung des Kabinetts.

2. Das Kabinett beschränkte sich auf den Beschluß, die Verhandlungen fortzusetzen, und, um zu einem Abschluß zu gelangen, der den deutschen Lebensnotwendigkeiten gerecht werde, die Note vom 20. Juli zur Grundlage zu nehmen.

3. Der endgültige Kabinettsbeschluß wurde davon ab­hängig gemacht, ob die Verwirklichung der für die besetzten Gebiete gemachten Zusagen erreicht wird.

Ein deutscher Schritt bei den Alliierten.

Keine Aenderung der deutschen Regierungs- politik.

- Berlin. Die deuffchen Boffchafter in Paris, Londo«, Brüssel und Rom haben in den Außenministerien die Er­klärung abgegeben, daß die deuffche Reichsregierung auch nach dem Ausscheiden der deutschnationalen Minister an der

von dem Reichskanzler Lucher und dem Außenminister Dr. Stresemann eingeleiteten Politik unverändert festhält. Ins­besondere wird der Reichskanzler sich für die Annahme des Vertrages von Locarno durch den Reichstag mit allen ihm zur Verfügung stchenden parlamentarischen Mittel« ein. setzen.

Inzwischen sind die Verhandlungen über die R ä u» mungderKölnerZone wieder ausgenommen worden. Es handelt sich dabei hauptsächlich um einige deutsche Vor­schläge zur Neugestaltung des Stabes des Reichswehrnnmi^- riums und über die Organisation der Schutzpolizei. Nicht überall teilt man den Opitimsmus der englischen Preve, ^daV die Entwaftnungsfrage endgültig bereinigt fei Man steht der Entscheidung des Derfailler Militärkomitees unter dem Dorntz des Marschalls Fach mit Spannung entgegen.

Abtretung des rosd-Msndate§ es Deutschland?

H PcMs. Ein Lonb-ner Baüchi desDaiöv HeraL" besagi. doch nach geante® Gerechten Dean Hmud - cueckr«- bar rate lernen Einrrin in oer. TSIkeS.mL ein K:AMo' machst, wohnch-ist über ras Tssr-Sand, cnaötixr. wer oen 'M. DÄöe Krümie rr: «bt^esi ax Enr-mss -"- Rrwrckrköch sens ' 'an seeEoiet. 2s Heft» nlleno r.^ ats W r » ro-MfÄi R«Zsermrr. die Ißsaeaag -es Dssv-Avrcksss

« DeMWkM -i&: b^MmmAk.

M- Tiersezt des MErrLm'-trs »ves htssat* En. daß - rs Leu MLuoaoLmnLhtsr nad 8er. Lestimmmwss: äs Ac* fttil&c LewTkraes stsÄrshe. ^ Mand>rt ruf < oc^Lsr, zur Man- äatsüSettraaar g 'ei ein elnstiwaurzer Be^ ch - des uöLrr- bundratss erfrrterüch.

Keine weiteren Verhandlung«» gegenKrregs- serbrecherss^ in Belgien?

Kriegsverbrecher abznsehe«.

Nach einer Meldung sollte vor dem Kriegsgericht in Namur eine Verhandlung gegen sieben deutsche Offiziere wegen der Vorgänge in Andenne stattftnden. Der Justiz- minister hat aber in der letzten Minute die Akten ein­gefordert, so daß die Sitzung abgesagt werden mußte. Ob diese Maßnahme mit dem obengenannten Beschluß zu- sammenhängt, ist nicht ersichtlich.

Zurückhaltung gegen das Kabinett Painlevs.

Kampfansage der Nationalisten.

£ Paris. Die Ausnahme des Kabinetts Painleve durch die ftanzösische Presse ist nicht unfreundlich. Die meisten Blätter bewahren jedoch große Zurückhaltung, die angesichts der Undurchsichtigkeit der parlamentarischen Lage nur allzu begreiflich erscheint. Durch den Eintritt eines Teiles der früheren Minister Herriots habe die neue Re­gierung das Aussehen eines radikalsozialistischen Konzen- trationskabinetts, das logischerweise bei allen gemäßigten Gruppen derselben Opposition begegnen wird, wie seinerzeit das Kabinett Herriot. Die Dauer des neuen Kabinetts wirk in erster Linie von der Stellungnahme der Sozialrsten zu den Finanzplänen abhängen und dann wohl auch zum großen Teil von der inneren Festigkeit der sozialistischen Gruppe. Eine Verständigung .Zwischen den Socialisten und der Regierung auf Grund der Formel von deraußerordent­lichen und besonderen Abgabe" erscheint möglich- Zu einem Bruch zwischen den Socialisten und der Regierung wird es kommen, wenn die sozialistischen Gegner, der Untersrützungs- polittt innerhalb der Partei die Befürchtung einer Spaltung hervorrufen.

Der Republikanische Verband, dem Millerand und Poin- care angehören, hat eine Resolution angenommen, die keine Spitze gegen das Kabinett Painleve enthüll und daraus schließen läßt, daß die Senatsgruppe sich vorläufig Zurück­haltung auferlegen will. Mil lerand ergriff im Laufe 6er Sitzung das Wort, um ein Mißtrauensvotum gegen das 5kabinett Painleve zu beantragen. Poincare betonte da- gegen die Zweckmäßigkeit einer vorläufigen abwar­tenden Haltung und drang auch damit durch.

.preußischer Landtag.

Brauns Etat im Preußischen Landtag.

8 7. Sitzung vom Freitag, dem 8 0. Oktober 1925.

Die für die Etatsberolung des Staalsministeriums im Landtag erwartete große politische Debatte ist, wenigstens bei der ersten Rednergarnifirr, bisher noch nicht hervorgetreten. Wie es heißt, will man die große politische Aussprache über den Locarno. Vertrag der zweiten Rednerserie Vorbehalten. Zuerst schickten die Sozialdemokraten einen Neuling, den Abgeordneten Röhl«, vor, der in seiner Jungfernrede sich darauf beschränkte, gegen die Deutschnationalen und die Völkischen zu wettern. Unter schallen­dem Gelächter sprach er von völkischen Attentatsplänen aus die deutsche Delegation in Locarno, und gab zur allgemeinen Erhei­terung seine Ansichten über Fememorde bekannt. Der deutsch- nationale Abgeordnete von Pl « dwe führte aue, der Vertrag