Einzelbild herunterladen
 

HersMer Tageblatt

Hersfelöer Kreisblatt"

Amtlicher /Inniger für den Kreis Hersfelö

Der Bezugspreis betrügt durch diePoft.bezogen monatlich 1. (11k., aussdillebf. Bestellgeld, für Bersfeld 1. (Dk. bei freier Zustellung, Abholer .80 (Dk. * DrudT und Verlag von budnig Funks Buchdrucheret in Bersfeld, (Ditgiied des VDZP

Anzeigenpreis für die einipaltige Petitzelle 15 Pfg. : die Reklamezeile 50 Pfg, Bei Wiederholungen Dadilak. + Für die Sdirifileitung neranfinortlid) ; Franz Funk in Bersfeld. + Fernsprecher Dr. 8. :

Nr. 250

Mittwoch, Sen 4. November

1025

Das Wichtigste.

Die Parteiführer hatten nnt dem Reichs­kanzler Dr. Luther eine Konferenz, in der die Maßnah- msn zur innen- und außenpolitischen Lage besprochen wurden.

Die bayerische Regierung erklärt, daß sie vorläufig keine Stellung zu Locarno nimnrt, sondern sich vorerst abwartend verhält.

Das Kabinett Painlove steht bereits wieder vor dem Sturz. Die Socialisten haben der Regierung chre Unterstützung versagt.

Eine Herzenssache Seuischlands.

In jedem Volk gibt es gewisse ideelle Gemeinsamkeiten, die alle Zwiespalts überbrücken. Was auch an Parteihader und Gruppenmeinungen die Menschen voneinander trennen mag, von Zeit zu Zeit stellt ihnen das Schicksal die Verant­wortlichkeit für große Kulturaufgaben in den Weg, bei denen die Erkenntnis wie mit einer gewaltigen Suggestion die Massen erfaßt und der ungestüme Wunsch, jeder an seinem Teile mitzuhelfen, rege wird. Das sind das, was Dr. Eckener alsHerzenssachen Deutschlands" jüngst in einem Dortrag bezeichnete. Und der kühne Luftschisführer hat auch wohl nicht unrecht, wenn er weiter folgert, daß die Erhaltung des Lebenswerkes unseres Zeppelin eine derartigeHerzens­sache" sei.

Und in der Tat, wenn man ein wenig die Gedanken rückwärts in die verflossenen Jahrzehnte wendet, so muff einem klar werden, daß kaum eine andere Kulturaufgabe der Gegenwart so zukunftswichtig genannt zu werden verdient wie die Möglichteit des Weiterausbaues der Luftschiffahrt. Schon 1873 hatte Graf Zeppelin nach seiner Pensionie­rung aus dem Militärstande den Plan gefaßt, für große Forschungsreisen lenkbare Luftschiffe zu erbauen, und in seiner Denkschrift 14 Jahre darauf sagt er zum Schluß:Ge­länge es, das Problem zu lösen, so sei der Luftschiffahrt eine noch ganz unschätzbare Bedeutung nicht allein für eine etwaige Mrteofugmng, , andern auch für den allgemeinen Berreyc, für die Erforschung der Erde in der Zukunft gewiß." Er hat dann seinen Plan gegen unmaßgebliche, verständnislose Gegenkritik, gegen eine ständige finanzielle Not und gegen die 'mannigfachsten Probleme der Luftregionen durchgeführt und hat mit echt deutscher Treue dem deutschen Vaterlande den Erfolg seiner Arbeit für alle Zeiten gesichert.

Wie ist die offizielle und offiziöse Kritik im Laufe der Jahre doch so völlig anders geworden! Damals hatte unter anderen der berühmte Physiker H e l m h o l tz behauptet, daß , es unmöglich sein würde, mit so großen, festen Fahrzeugen in der Luft zu fliegen. Und selbst, als ihm 1894 die Zep- Pelinschen Pläne und Zeichnungen zur Kenntnisnahme über­geben wurden, erklärte er das Projekt fürsehr beachtens­wert", abernicht ausführbar". Und andere Fachleute schloffen sich diesem Urteil an, unb nur der ungeheuren Cha­rakterfestigkeit Zeppelins ist es zu verdanken, daß er schließ­lich doch,zu seinem Ziele gelangte. Major v. Tschudi hat mit Recht betont, daßZeppelins Verdienst nicht nur darin liegt, daß ihm die Konstruktion seines Luftschiffes ge­lang, sondern auch, daß er die unzähligen Widerstände über- wand, denen eine weniger heldenhafte Natur erlegen wäre."

Zu diesen Widerständen gehörte natürlich auch die über­aus schwierige Finanzierung des Luftschiffbaues. Erst der Aufruf der deutschen Ingenieure hatte einen nennenswerten Erfolg, so daß am 2. Juli 1900 jener denkwürdige erste Auf­stieg des ersten halbstarren Luftschiffes vor sich gehen konnte, der, ob er auch mit einem Mißgeschick endete, doch die Arbeit Zeppelins in aller Welt bekannt machte. Dann freilich kam eine neue Periode der Geldnot, und trotz Aufruf auf Aufruf gelangte der heldenhafte Erfinder erst 1905 zur Möglichkeit des Baues eines neuen Schiffes. Doch auch diesmal zerstörte ein Orkan das neue Werk. Erst die Erfolge im Jahre 1907 und 1908 gewannen dem Grafen Zeppelin das Vertrauen des Volkes, und als der Schlag von Echterdingen sich ereig­nete, da ging ein Sturm begeisterter Erkenntnis durch das ganze deutsche Land, und man wetteiferte in der Darbietung von Hilfe für den vom Mißgeschick verfolgten kühnen Er­finder. Durch diese nationale Hilfeleistung zeigte sich die Luftschifssache als eine wahrhafte Herzenssache des deutschen Volkes.

Wie damals jeder teilhaben wollte an der großen, stolzen Tat deutscher Wissenschaft und Technik, so wird es auch jetzt wieder werden, wenn der treue Bewahrer und Fortsetzer der Zeppelinischen Lebensarbeit das deutsche Volk dazu auffordert, sich opferfähig zu zeigen, damit all das, was mit so viel Kampf und Mühe errungen, nicht aus Mangel an Mitteln verloren» gehe, sondern zum Nutzen Deutschlands, und damit aber auch der» ganzen Kulturwelt, ausgebaut und ausgewertet werden könne. Die Prophezeiung des Grafen Zeppelin vom Jahre 1887, daß seine Luftschiffe die entlegensten Posten mit der Kulturwelt verbinden, die Pole gefahrlos erreichen, die un­erforschten Gebiete erschließen und endlich das sicherste, schnellste und zugleich das behaglichste Reisemittel werden würden, muß sich bewahrheiten. " In diesem Sinne ist die Bolksspende für die Ermöglichung der Weiterarbeit in der Tat eine Herzenssache Deutschlands.

Zeppelin-Dämmerung in Amerika.

Es ist charakteristisch, daß jenseits des Ozeans sich die Stimmen mehren, die auf Grund der Erfahrungen mit Z. R. 3" dafür eintreten, daß der Luftschiffbau in Friedrichs­hafen nicht unterbrochen werden dürfe. So berichtet die North American Newspaper Allianee" aus New Park, an- knüpfend an die verkehrspolitisch wichtigen und wissenschaft­lichen Forschungspläne des Grafen Zeppelin, die von Dr. Eckener wieder ausgenommen worden sind mit besonderem Hinblick auf eine mögliche Expedition nach1 arktischen Gebieten:

Wenn die Expedition einen erfolgreichen Verlauf nehmen soll, muß das Luftschiff, das für den Flug verwendet wird, aus Grund der bisher in der Luftschiff-Konstruktion gemachten Erfahrungen gebaut werden und den voll­endetsten Zeppelin-Typ darstellen. Es muß unter einer fähigen und erfahrenen Leitung stehen. Da Landungen auf dem Cis und auf dem Meer geplant sind, müssen der Bau und die Ausstattung des Luftschiffes den höchsten Anforderungen entsprechen, und die Besatzung muß aus erfahrenen Leuten bestehen, wie sie auf der Zeppelin-Werst in Friedrichshafen aus­gebildet werden können. Es ist daher gegeben, mit dem Bau und der Leitung des Luftschiffes die Zeppelin-Werft zu betrauen."

Sollte sich diese Erkenntnis für die Forderungen des Luftschiffbaues nicht auch in Den tsch lan d verstärken und auf die in Gang befindliche Zeppelin-Eck ener- Spende einwirken, die doch hwglid), den Zweck hat, dem deutschen Volke die Zeppelin-Werft in Friedrichshafen zu erhalten?

Die Parteiführer beim Reichskanzler.

Auch in Regierungskreisen mehren sich die Bedenken gegen Locarno.

£ Berlin. Am Dienstag vormittag um 11 Uhr be­gannen in der Reichskanzlei die Besprechungen des Reichs­kanzlers Dr. Luther mit den Parteiführern der noch in der Regierung befindlichen Parteien.

Wie aus parlamentarischen Kreisen verlautet, ist man in der Regierung nicht der Ansicht, die die demokratische und sozialdemokratische Presse vertritt, daß man zu einer Reichs- Dr. Luther vorerst die demnächst Msammentretenden Partei­tage der Deutschnationalen Volkspartei und des Zentrums abwarten, ehe er endgültige Entscheidungen trifft.

Hinzu kommt die Unsicherheit in der außen­politischen Lage. Die Vertreter der Entente haben zwar den Vertretern Deutschlands in Locarno Versprechun­gen besonders hinsichtlich der besetzten Gebiete gemacht. Wie­weit aber in Wirklichkeit die Zusagen erfüllt werden, läßt sich im Augenblick nicht übersehen. Vermutlich werden wir über die Zugeständnisse der Entente Aufklärung erfahren, penn Briand und Chamberlain vor ihren Parlamenten ge­sprochen haben werden. Erst dann wird die Zeit kommen, in der Deutschland seinerseits die Entscheidung treffen kann, ob es die in Locarno paraphierten Vertrüge annimmt oder nicht.

Die Regierung denkt heute pessimistischer als vor Tagen. Man glaubt nicht mehr so fest daran, daß die Anerbietungen der Entente für Deutschland so zu­friedenstellend sein werden, daß eine unbedingte Annahme der Locarnoer Verträge zu empfehlen wäre. Die Bemühun­gen der Linkspresse, die bürgerlichen Parteien endgültig zu spalten, werden vergeblich sein, wenn man in Zentrums­kreisen und in denen der Deutschen Volkspartei sieht, daß das Angebot der Entente für die in Locarno zu leistende Unterschrift unter den Sicherheitsyakt, wie es heute schon fast mit Sicherheit vorausgesagt werden kann, z u gering ist.

Die Besprechung beim Reichskanzler.

Berlin. Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Luther und unter Teilnahme der Reichsminister Dr. Brauns, Stingl und Dr Stresemann fand eine Aussprache mit den Vertretern der in der Regierung durch Vertrauens­männer vertretenen Parteien statt. An der Aussprache nahmen teil von der Zentrumspartei die Abgg. F e h r e n - bad), Marx und Stegerwald, von der Deutschen Volkspartei die Abgg. Dr. Scholz, Dr. Curt i u s und Kempkes, von der Bayerischen Volkspartei der Abg. Leicht. Die eingehende Erörterung ergab eine allgemeine Uebereinstimmung in der Beurteilung der politischen Lage. Die Vertreter der Parteien waren mit der Reichsregierung darüber einig, daß die Schaffung der Grundlage für die endgültige Entscheidung über das Werk von Locarno die beherrschende Frage der Gesamtpolitik ist, hinter der alle anderen Fragen jetzt zurückzutreten haben.

Die Vertreter der Parteien billigten die infolge des Austritts der deutschnationalen Minister getroffenen Maß­nahmen zur Wetterführung der Regierung. Es herrschte allgemeine Uebereinstimmung darüber, daß die Deutsch­nationalen, deren voreiliges Verhalten, um des deutschen GesamtAicksuls willen nachdrücklichst mißbilligt wurde, sich von der weiteren Teilnahme an der Regierung dadurch selbst ausgeschlossen hatten. Die Vertreter' der Parteien gaben ferner der Auffassung Ausdruck, daß eine Einberufung des Reichstags im Laufe des Monats November erst möglich sei, wenn ein erschöpfender Tatbestand in bezug auf das Werk von Lorarno und feine Rückwirkungen den gesetzgebenden Körperschaften unterbreitet werden kann.

Die bayerische Regierung zu Locarno.

^ München. DieBayerische Staatszeitung" teilt mit, daß der bayerische Ministerpräsident Dr. Held so­wohl den Führern der Koalitionsparteien, als auch den Füh­rern der sozialdemokratischen, demokratischen und völkischen Fraktion ausführlich über die Haltung der bayerischen Re­gierung zu dem Locarno-Vertrage berichtet habe. Das Blatt fügt hinzu, daß aus diesen Darlegungen ganz deutlich zu er- kennen sei, welche Stellung der bayerische Ministerpräsident Dr. Held bei der letzten Konferenz der Ministerpräsidenten in Berlin zu den Abmachungen von Locarno eingenommen habe. Zu irgendwelchen Beschlüssen für oder gegen die Ab- machungen von Locarno hätte bei dieser Ministerpräsidenten- zusammenkunft gar keine Veranlassung bestanden. Sie sei auch von keiner Seite erfolgt.

Die bayeriche Regierung habe durch den MinisterprS- fibenten ihre Ansicht dahin zum Ausdruck bringen lassen, daß eine Stellungnahme zu den Abmachungen erst dann möglich fei, wenn die Rückwirkungen zu erkennen seien und die Zusagen der Alliierten verwirklicht würden. Bis dahin sei die einzig mögliche Haltung: Abwarten!

Das sei übrigen auch die Meinung der Reichsregierung und fast aller Parteien, vielleicht von der Sozialdemokratie abzusehen, gewesen.

Der politische Ausschuß der Deutschen Volkspartei der Pfalz kam einmütig zu der Auffassung, daß die Reichsregie­rung in ihrer Politik auf dem rechten Wege fei. Folgende Entschließung fand einstimmige Annahme:

Die Deutsche Volkspartei der Pfalz stellt sich voll und ganz auf den Boden der Entschließung der Reichstags- frattion der Deutschen Volkspartei und erwartet mit dieser, daß die vorgesehenen Rückwirkungen für das be­setzte Gebiet bis zum 1. Dezember in Erscheinung treten. Nur unter dieser Voraussetzung darf der Ver­trag von Locarno u n t e r z e i chn e t werden. Dom außen- und innenpolitischen Gesichtspunkte bedauert sie das Ver­halten der Deutschnationalem"

An den Reichspräsidenten wurde darauf fol­gendes Telegramm gesandt:Die Deutsche Volkspartei als stärkste bürgerliche Partei der besetzten Pfalz steht einmütig hinter der deutschen Delegation von Locarno und empfindet es in dieser schweren Zeit als besonders günstige Schicksals- JijjU J :*TTtfmwrtTO^

Reiches stehen. Wir hoffen, daß es Eurer Exzellenz gelingen wird, die zerrissene Einheitsfront des Deutschen Reiches wiederherzustellen."

Der Reichsaußenmimster zur außen- und innenpoliüfchen Lage.

£ Königsberg. Reichsaußenminister Dr. 6trefe = mann sprach auf dem Bankett anläßlich des 50jährigen Ju­biläums derKönigsberger Allgemeinen Zeitung". Er kani dabei auf den Vertrag von Locarno zu sprechen, wobei er u. a. ausführte:

So geht es nicht weiter, daß eine große Konferenz, die der Anfang zu einer großen Entwicklung, die sich natur­gemäß auf Achre hinzieht, daß dieser Anfang einer Htägigcn Konferenz gleichzeitig das Ende sein kann. Wir müssen doch das eine sehen, daß die Welt ein Interesse daran hat, daß innerhalb Europas ein Friedenszustand geschaffen wird, der notwendig ist für unsere moralische und wirtschaftliche Stel­lung. Wir brauchen Hilfe von außen, um aufrecht zu bleiben. Das zu gestehen ist keine Schande; denn auch andere euro- päische Völker brauchen diese Hilfe von außen. Unsere Landwirtschaft, unsere Industrie braucht sie, und damit sie uns zur Verfügung gestellt wird, brauchen wir die Politik auch als Werkzeug für unsere wirtschaftliche Erneuerung.

Wenn jetzt nach der Rückkehr der deutschen Delegierten der englische Außenminister durch seinen Botschafter aussagen ließ, die Welt würde es Deutschland nie vergessen, daß es Deutschland gewesen ist, das die Initiative zum europäischen Frieden ergriffen hätte, dann bedeuten diese Worte die Zu­rückweisung Poincarescher Agitation in Amerika. Wir wollen für unser Rheinland herarrsholen, was herauszuholen ist, und da ist es Pflicht des deutschen Volkes, mindestens bis zur Stunde der Entscheidung geschlossen hinter der Regierung zu stehen und abzuwartem

Es ist unendlich falsch, wenn Parteihatz und Partei­hader sich in Dinge mischen, in denen es keine Parteien geben sollte. Wenn wir uns innerhalb Deutschlands die Köpfe einschlagen, das mag gchen, denn ein jeder will seine Kirchweih haben, und dazu bieten Reichstagswahlen oft genug Gelegenheit, aber das ist das Produkt politischer Erziehung in anderen Ländern, daß in dem Augenblick, wo es gilt, sie sich auf einmal in einer geschlossenen Phalanx zusammenfinden.

Wenn wir jetzt aber den großen Gruppen unseres Volkes sagen, wir wollen keine friedliche Verständigung, dann ist das das Unglücklichste, was überhaupt geschehen thun, und die Folgen sind unabsehbar für diejenigen, die Träger des deutschen Wiederaufstiegs sind, und das ist materiell in erster Linie die deutsche Wirtschaft. Wir gchen einen schweren Gang, einen Gang zur finanziellen internationalen Verstän­digung, damit die anderen Mächte an unserem 28ohl und Wehe interessiert sind. Wir gehen den Weg, den die besten Männer Deutschlands gegangen sind. Man kann nicht einen Weltkrieg verlieren und glauben, in einem Jahr die alten