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yersfelöer Tageblatt

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hersfel-er Kreisblatt"

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfels

Der Bezugspreis betrügt durch die Pols bezogen monatlich 1. 03k., ausscbtley. Bestellgeld, für Bersfeld 1. Qlk. bei freier Zustellung, Abholer .80 (Dk. * Druck und Verfa« non budmlg Funks Budidrudrerei in Bersfeld, Mitglied des PDZV

Nr. 286

Montag, den 7. Derember

1925

Das Wichtigste.

Das R e i chs ka b i n e tt hat am Sonnabend mittag demissioniert. Reichskanzler Dr. Lucher wurde vom Reichspräsidenten mit der Neubildung des Kabinetts be­auftragt.

Auf dem Reichsparteitag der Demokra­tischen Partei in Breslau entwickelte der Parteivor- sitzende, Reichsminister a. D. Koch, die Richtlinien feiner Partei.

Die Verhandlungen zwischen Deutschland und den Alliierten gehen fortlaufend weiter. Die ständige Fühlungnahme macht eine neue Konferenz überflüssig.

Litauische Diktatur im Memelland.

Daß das Memelland rein deutsches Land, ist, hat es bei seinen Wahlen zum Memelländischen Landtag bewiesen. Von den neunundzwanzig Abgeordneten gehörten allein sieben­undzwanzig derMemelländischen Einheitsfront" an, wäh­rend der der litauischen Regierung nahestehendeAutono­miebund" auch nicht einen Kandidaten durchbekommen konnte. Der Beweis war schlagend und die litauische Re­gierung in Kowno hätte wohl Grund gehabt, sich danach ein- zustellen. Die Deutschen im Memelland haben auf Grund dieses Wahlergebnisses zu verlangen, daß in einem rein deut­schen Gebiet deutsche Verwaltung besteht.

Die litauische Regierung, ignoriert aber völlig das Wahl­ergebnis und versucht im übrigen durch ihre diplomatischen Vertreter im Auslande die Auslandspresse davon zu über­zeugen, daß das Wahlergebnis ein litauischer Sieg gewesen sei, denn, so betont sie, unter den Gewählten seien ja vier­zehn Litauer gewesen. Diese Behauptung ist schon richtig, nur beweist sie nichts, denn die sogenannten vierzehn Litauer sind nur noch dem Namen nach Litauer, in ihrem Herzen aber treue Deutsche. Ungeachtet dieser Tatsachen übt die litauische Regierung im deutschen Memelland ihre Diktatur weiter aus, « gerade mirin, Ottß t£Mi«tp*httM dem Memelgebiet litauische Beamte aufdrängen will, zeigt sich, daß sie keineswegs gewillt ist, den wahren Verhältnissen des Lan­des Rechnung zu tragen.

Gemäß dem Memelstatut ist bestimmt, daß das Landes­direktorium des Memelgebiets dem Memelländischen Landtag verantwortlich ist und nur regieren darf, wenn es sein Ver­trauen genießt. So wäre es also gerecht und vollgerichtlich gewesen, wenn die Regierung in Kowno einen Deutschen zum Präsidenten des Landesdirektoriums ernannt hätte. Statt dessen aber versucht man Mitgliedern der Partei als Kandidaten vorzuschlagen, die bei den Wahlen völlig unter­legen ist und die nicht einen Vertreter im Landtag zu sitzen hat. Um dieses Bestreben durchzusetzen, wurde vom Gouver­neur des Memelgebietes ein berüchtigter Großlitnuer, namens Dr. Zilius, ernannt. Sein wahrer Name ist Zilinski, und er ist alles, nur kein Litauer. Er ist russisch-polnischer Ab­stammung und war einer der Hauptagitatoren für die Ab­trennung des Memelgebietes vom Deutschen Reiche und einer der Haupturheber für den litauischen Ueberfall auf das Memelgebiet. Wenn die Kownoer Regierung ausge­rechnet diesen Mann zum Gouverneur ernennt, so kann man das nicht anders als eine Herausforderung bezeichnen. Dieser dunkle Ehrenmann versucht jetzt als treuer Vollstrecker der Kownoer Befehle ähnliche Kreaturen in das Landesdirek­torium zu schieben. Unter anderem hat er einem früheren preußischen Landtagsabgeordneten, einen der Hauptverräter im Deutschtum zur Hand und dann den früheren Landes- präsidenten Gailos, der mit seinem Bruder den berüchtigten Kirchen streit im Memelgebiet vom Zaune brach, mit dem man die Abtrennung der evangelischen Gemeinden von ihrer preu­ßischen Mutterkirche erreichen wollte.

Wie nicht anders zu erwarten, lehnte der Memelläudische Landtag derartig übel beleumnete Männer ab und schlug selbst einen Kandidaten vor. Die Kownoer Regierung, die wiederum kein Interesse daran hat, einen Deutschen auf dem Präsidentenposten des Landesdirektoriums zu wissen, leitete Verhandlungen ein, die jedoch, da der Landtag auf den ihm verbrieften Rechte bestand, ergebnislos blieben. Ungeachtet dessen hat jetzt der Gouverneur einen Großlitauer und An­hänger des litauischen Autonomiebundes zum Landespräsi­denten ernannt. Die litauische Regierung hat also einen Konflikt mit dem Memelländischen Landtag heraufbeschworen. Natürlich wird der Landtag diesen Landesvräsidenten ab- lehnen, und dem Gouverneur wird daraufhin die Möglich­keit gegeben, den Landtag aufzulösen. Vielleicht beabsichtigt die Kownoer Regierung die Auflösung des widerspenstigen Landtages. Aber was wollte sie damit erreichen? Hofft sie etwa, daß bei einer Neuwahl sich ein für sie günstigeres Bild ergäbe, zumal nach den jüngsten Gewaltakten?

Durch ihr Verhalten hat die litauische Regierung von neuem bewiesen, daß sie nicht gewillt ist, die Rechte des Memellandes anzuerkennen. Es fragt sich nur, ob sie mit ihrer Gewaltpolitik nicht noch viel schärfere Gegensätze her. aufbeichwört. Zeit und Gelegenheit wäre es für den Völker­bund seine Aufmerksamkeit auf die Knechtung des deutschen Memelgebietes zu richten. Warum dieses Zögern beim Völker­bünde, wenn es sich um Wahrung deutscher Interessen han. helft Können wir Deutsche Vertrauen zum Völkerbünde gewinnen, wenn wir sehen, daß er die Beugung deutscher Rechte zuläßt? Es sollte ihm ein Beweis dafür sein, daß sich

ein Unrecht, daß man einem Unterlegenen zufügte, niemals wird aus der Welt schaffen lassen. Das Memelgebiet war rein deutsch und wird es bleiben, so sehr sich auch die litaui­sche Regierung in Kowno mit Gewaltstreichen durchzusetzen versucht.

Demission -es Neichskabineiis.

Berlin. Am Sonnabend mittag trat der Kabinettsrat zusammen, um den formellen Beschluß zum Rücktritt der Regierung zu fassen. Dann begatt sich der Reichskanzler Dr. Luther zum Reichspräsidenten, um ihm die Demission anzubieten. Reichspräsident von Hindenburg genehmigte den Rücktritt und beauftragte Dr. Luther mit der Fortführung der Geschäfte. Gleichzeitig forderte er ihn auf, eine Neu­bildung des Kabinetts zu versuchen.

*

ßn parlamentarischen Kreisen der Linken glaubt man aus einigen Aeußerungen deutsch nationaler Blätter der letzten Tage den Schluß ziehen zu können, daß die deutsch­nationale Partei wieder einen gewissen Anschluß an die Par­teien der Mitte suche, und daß Bestrebungen im Gange seien, bei den bevorstehenden Verhandlungen über die Regierungs- neubildung den Weg für einen künftigen Wiedereintritt der Deutschnationalen in die Regierung vorzubereiten. Diese Auffassungen haben in linksstehenden Kreisen des Parla­ments anscheinend zu einer veränderten Einstellung.zu dem Gedanken der Großen Koalition geführt. Während bisher die Große Koalition auf Grund der Stellungnahme der So- zialdemokraten und der Deutschen Volkspartei trotz des vom Zentrum und den Demokraten ausgehenden Druckes für höchst unwahrscheinlich gehalten wurde, gewinnt es jetzt den Anschein, als ob besonders bei den Sozialdemokraten die Neigung zu einer Beteiligung an der Großen Koalition im Wachsen begriffen sei, weil man dadurch eine Wiederannähe­rung der Rechten an die Mitte glaubt verhindern zu können.

Offizielle Aeußerungen der Socialdemokraten liegen vor- derVorwärts" an die Befürchtungen der bädischen Zen­trumspartei anknüpfte, konnte man sogar eine Bestätigung der ablehnenden Haltung der Sozialdemokraten gegenüber der Großen Koalition herauslesen. Trotz dieser Beobachtun­gen sieht man jedoch in parlamentarischen Kreisen der für Dienstag bevorstehenden Sitzung des Parteiausschusses der Sozialdemokraten mit erhöhter Spannung entgegen, da sich neuerdings vorläufig allerdings nur gerüchtweise die Möglichkeit ergibt, daß die Sozialdemokraten von ihrer bis­herigen ablehnenden Haltung gegenüber der Großen Koa­lition aus den erwähnten taktischen Rücksichten abgehen könnten.

Fortlaufende Verhandlungen mit den Alliierten.

£ Berlin. Wie von maßgebender Seite versichert wird, trifft die Londoner Meldung, daß im Februar eine Konferenz in Paris stattfinden solle, nicht zu. Die deutsche Delegation steht gerade darin ein wesentliches Ergebnis der Konferenz von Locarno, daß sozusagen eine neue Geschäftsgrundlage ge­schaffen ist, auf der laufend Verhandlungen statt­finden über die von Deutschland noch ungeklärten Fragen. Bekanntlich wird nach der Rückkehr des Reichskommissars von Simmern in Koblenz über die strittigen Rheinlandfragen und am 7. Dezember in Paris über die deutsche Luftfahrt verhandelt. Außerdem laufen ununterbrochen Verhandlungen in den Hauptstädten, natürlich auch in Berlin, so daß schon deshalb zu einer Sonderkonferenz kein Anlaß vorliegt. Auch in London hat die deutsche Delegation lediglich Gelegenheit genommen, die leitenden alliierten Staatsmänner in eingehenden privaten Unterhandlungen für die noch schwebendem Probleme anzuspannen, und man glaubt, daß dadurch wesentliche Fragen, wie z. B. die der deutschen Luftfahrt ihrer Lösung einen guten Schritt näher genommen sind.

Vor den Pariser Luftfahrtverhandlungen.

Sonderbare französische Ansichten.

^ Paris. Ein Pariser Blatt läßt sich aus Berlin melden, daß Reichskanzler Dr. Luther und Reichsaußenminister Dr. Stresemann den Gedanken Briands befürworten, der die Bildung nicht der Vereinigten Staaten Europas, fon- dern einer europäischen Bundesvereinigung plane. Man hoffe, daß dieses sich auf folgendem Wege ver­wirklichen lasse:

1. Durch ein internationales Eisenbahnabkommen;

2. durch ein System wirtschaftlicher Abmachungen;

3. durch ein rein politisches Uebereinkommen.

Die erste Grundlage für dieses künftige Abkommen dürften die in den nächsten Tagen in Paris beginnenden Ver­handlungen über die Aufhebung der Luftfahrt- b e st i m m u n g e n bringen. Man erwartet, daß diese Be­sprechungen einen günstigen Verlauf nehmen und daß im nächsten Frühjahr ein regelmäßiger Luftverkehr zwischen Paris und Berlin mit Zwischenlandungen in Köln eingerichtet werden könne.

Ein anderes Blatt glaubt nicht, daß Deutschland sofort der europäischen Luftfahrtvereinigung beitreien werde Sicherlich werde es aber mit Frankreich gewisse begrenzt

Abmachungen wie mit England treffen. Wenn Deutschland der europäischen Lustfahrtvereinigung formell beitrete, sei zu be- denken, daß den deutschen Fliegern dann das Recht zustehen würde, französisches Gebiet zu überfliegen. Bei der gegen­wärtigen Lage der Dinge würde das aber möglicherweise noch manche Unannehmlichkeitennachsichziehen. (I) Es wäre daher eine private deutsch-französische Abmachung vorzuziehen, die den französischen Fliegern die Möglichkeit gebe, auf der Fahrt nach Warschau deutsches Gebiet zu über­fliegen. (!) Augenblicklich hätten die deutschen Flieger nicht das Recht, rheinisches Gebiet zu überfliegen. Hierüber müßte ebenfalls eine Verständigung herbeigeführt werden.

Benesch und Skrzynski über die Locarno-Verträge.

^ London. Der tschechoslowakische Außenminister Be­nesch erklärte vor seiner Abreise aus London, die mit den Locarnoverträgen zusammenhängenden Verhandlungen hätten die wichtige Tatsache bewiesen, daß zwischen Frankreich und Großbritannien volle Einmütigkeit in allen politischen Fragen Europas bestehe. Auch ihre Haltung Deutschland gegenüber sei vollkommen einheitlich. Das in London gekrönte Werk von Locarno könne er als den Interessen der Tschechoslowakei ent­sprechend erklären.

Der polnische Ministerpräsident Skrzynski erklärte vor seiner Abreise, der französisch-polnische Verstag lasse sich nur so auslegen, daß Frankreich Polen im Falle eines deut­schen Angriffes unverzüglich zu Hilfe eilen werde. Ferner erwähnte er, daß in London auch die russische Frage besprochen worden sei, doch habe es sich dabei nicht um innere russische Angelegenheiten gehandelt,, in die sich niemand ein- zumischen beabsichtige.

Nach Blättermeldungen wird Graf Skrzynski in Paris mit Tschitscherin Zusammentreffen, um über die Wiederaufnahme der russisch-polnischen Wirtschastsverhand- lungen zu beraten. Ferner verlautet, daß Tschitscherin nach Beendigung seiner Kur in Südstankreich über London nach Warschau reisen wird, um an der ersten Sitzung der Wirt- schastsverhandlungen teilzunehmen.

konferenz.

^Genf. Der Vorsitzende der Ratskommission zur Vorbe­reitung einer Abrüstungskonferenz, Paul Boncourt, emp­fing in Genf die Presse, um ihr einige erläuternde Aus­führungen über die Arbeiten der Ratskommission zu machen.

Die Aufgabe der Ratskommission besteht einerseits in der Ausarbeitung von Vorschlägen für die Zusammensetzung einer neuen Organisation, die als nunmehr endgültiges Organ die Frage der Abrüstung energisch in Angriff nehmen soll. Zwei­tens hat die Kommission ein Programm für die Arbeiten dieser Organisation vorzubereiten. Den ersten Teil dieser Aufgaben hat das Komitee beendet. Die neu zu schaffende Kommission wird aus Delegierten derjenigen Staaten be­stehen, die im Völkerbundrat vertreten sind und aus Ver­tretern von Staaten, die durch ihre geographische oder mili­tärische Lage gefährdet sind. Ihre Zahl wird beschränkt sein. Dieser Kommission werden zwei beratende Organe zur Seite stehen. Für militärische Fragen die ständige Kommission des Völkerbundes und für wirtschaftliche Fragen eine gemischte Kommission aus Vertretern des internationalen Arbeits­amtes, der Finanzwirtschaft und Transitkommission des Völ­kerbundes. Die neue Organisation wird den NamenBor- beratende Kommission für die Abrüstungskonferenz" tragen.

SS

Amerika und die Abrüstungskommission des Völkerbundes.

Paris. Einem New-Porker Blatt wird aus Washington gemeldet, daß die Frage der eventuellen Teilnahme der Vereinigten Staaten an der Abrüstungskonferenz des Völker­bundes zurzeit noch ungeklärt sei. Präsident Coolidge enthalte sich jeder Aeußerung, solange der volle Text der Ein­ladung des Völkerbundes in Amerika nicht eingegangen sei.

Das deutsche Eigentum in Amerika.

$ New Park. In gut unterrichteten Kreisen Washingtons wird erklärt, daß die Frage über die Herausgabe des deutschen Eigentums in Amerika noch nicht gelöst sei. Es heißt, daß die amerikanische Regierung vorläufig das Eigentum nicht herauszugeüe» gewillt sei, da zunächst bestimmte amerikanische Privatforderungen erfüllt werden müßten. Die amerikanische Regierung stellt sich mit ihrem Vorgehen in Gegensatz zu dem Senator B o r a h, der eine Vorlage auf Herausgabe des deutschen Eigentums einzubringen beabsichtigt.

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Die Unterbringung der deutschen Eisenbahnobligationen in Amerika.

£ London. Der diplomatische Korrespondent eines Lon­doner Blattes schreibt, daß die Firma Morgan schon jetzt die Möglichkeit der Unterbringung eines Teiles der deutschen Lisenbahnobligationen geprüft habe. Amerika werde mög- lick-erweise die Uebernahme von 400 Millionen Goldmark erwägen. Die Sicherheiten werden als erstklassig betrachtet, doch sei abzuwarten, wieviel Obligationen Europa und ganz besonders die deutschen Banken ausnehmen würden. Die Finanzierung der Reparationen, d. h., eine Verbindung zwischen Anleihepolitik und Rheinlanderleichterungen ist auch seiner Meinung gegenwärtig recht schwierig. Die Ver- Knigten Staaten von Europa seien, so heißt es weiter, noch keine Tatsache. England habe eine so eigentümliche Stellung