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Kersßel-er Tageblatt

DaLlÄ. + Für de SLEsi

Franz Funk in Barsfeld. + Fi

yersfelöer Kreisblatt^ [

Amtlicher Anzeiger für den Kreis yersfelö !

Der Bezugspreis betrogt durch die Pott bezogen monatlich 1 lllk., ausschlle&L Bestellgeld, für Bersfeld 1. MK. bei freier ZutteÄunq, Abholer .80 01k. * Druck und Verlag non budwig Funks Buchdruckers! in Bersfeld, fflltglled des VDZV.

Nr. 298

Montag, den 21.. Dezember

1925

Oeutschböhmischer Protest gegen das Ltnrechi von Versailles.

Sturmszenen im tschechischen Parlament.

4- Prag. Die Sturmszenen bei der Eröffnung der tschechischen Kammersession wiederholten sich am nächsten Tage mit noch viel größerer Heftigkeit. Als der Ministerprä­sident den Saal betrat, um die Regierungserklärung abzu- geben, brach auf den Bänken der Opposition ein ungeheurer Tumult aus. Es wurde mit den Pultdeckeln geschlagen, schrille Pfiffe ertönten, auch Kindertrompeten wurden verwendet, da­zwischen mischten sich brausende Pfui- und Abzugsrufe. Der neue Hauspräsident mußte den selbst im tschechischen Parla­ment unerhörten Tumultszenen machtlos zusehen. Opposi- tions- und Regierungsabgeordnete waren bald in ein wü­tendes Handgemenge verwickelt. Man sah nur Knäuel von raufenden Abgeordneten. Ministerpräsident S v e h l a war nicht imstande, auch nur einen Satz seiner Regierungs­erklärung dem Hause zur Kenntnis zu bringen. Er mußte sich damit begnügen, seine Rede den Stenographen zu diktieren.

Schließlich erschallte von den Bänken der Slowaken ein Lied mit einem gegen die Tschechen gerichteten Text. Kaum hatten sie geendet, begannen die DeutschnationalenDeutsch- land, Deutschland über alles" zu singen. Die Erregung bei den Tschechen stieg natürlich ins Ungeheure. Als die Deut­schen geendet hatten, brachten ihnen die Slowaken eine große Beifallskundgebung.

Die Lärmszenen dauerten auch in der Debatte weiter an. Auch im Senat, wo der Ministerpräsident eine gleich­lautende Regierungserklärung abgab, kam es zu scharfen Zu­sammenstößen zwischen Oppositions- und Koalitions- abgeordneten.

-In der Debatte über die Regierungserklärung gab Abg. K e i b l (Deutschnatl.) namens seiner Partei eine Erklärung ab, in der es u. a. heißt:

Durch die Unfriedensverträge des Jahres 1919 wurden mehr als 40 Millionen Menschen in Europa um ihr Selbst- bestimmungsrecht betrogen, darunter wir fast 4 Millionen Sudetendeutschen, die wir in den tschechoslowakischen Staat gewaltsam eingepfercht wurden und seither in brutalster Art und Weise in unseren Existenzbedingungen bedroht und vergewaltigt werden.

Solange uns und den anderen unterdrückten Nationen das Recht auf freie, unbeeinflußte Volksabstimmung über das staatsrechtliche Schicksal widerrechtlich vorenthalten wird, kau« nicht Ruhe und Frieden eintreten. Wir werden niemals Tschechen als Herren anerkennen. Unrecht kann auch durch tausendjährige Uebung niemals Recht werden. Wir verkünden feierlichst, daß wir niemals aufhöre» werden, die Selbstbestimmung unseres Volkes zu fordern.

Deutschlands Tribut an Jugoslawien.

^Wien. Der jugoslawische Ministerrat beschäftigte sich mit dem Bericht der nach Berlin entsandten Kommission zur Regelung der Reparationen.

Es wurde mit der deutschen Regierung ein Ueberein- kommen getroffen, nach welchem der jugoslawischen Regie­rung ihre Sachlieferungen auf Reparationskonto im Betrage von 10 Millionen Goldmark bewilligt werden, so daß die bisherige Gesamtquote an Sachlieferungen 43 Millionen GoIdmark betrügt. Von den 10 Mil­lionen werden 6 Millionen für Reparaturen und 4 Millionen für Neulieferungen verwendet. Zwei Millionen Goldumrk werden auf die Reparatur von 19 serbischen Schiffen in Regensburg verwendet. Ferner wird in der Regensburger Werft ein neuer Luxusdampfer gebaut, der Repräsentationszwecken des jugoslawischen Hofes dienen wird. Schließlich wurde vereinbart, auf Reparations- konto den Hofzug König Peters, den die Deutschen im Kriege beschlagnahmt haben und der sich noch imnwr in Deutschland befindet, in st and zu setzen.

Vor einer Einigung in den Luftfahrtverhandlungen.

Paris. Wie von französischer Seite verlautet, haben die alliierten Sachverständigen beschlossen, Deutschland das Recht zum Ueberfliegen des besetzten Rheinlaudgebieteszu bewilligen. Andererseits haben sich die alliierten Sachverständigen dahin­gehend geeinigt, daß die K ontro lle über das deut­sche Luftfahrtwesen in kürzester Zeit in die Hände des Völkerbundes übergehen soll. Weiterhin wurde beschlossen zu beantragen, daß französische Flugzeuge fortan das Recht erhalten, deutsches Gebiet zu überfliegen. Sobald die Besprechungen zu positiven Ergeb- niffen geführt haben, wird die Botschafter-Konferenz zu- sammentreten, um eine Entscheidung zu füllen. Vorläufig hat sich die Botschafter-Konferenz auf unbestimmte Zeit vertagt.

Der Staatssekretär für das Flugwesen gab in der französischen Kammer der bestimmten Hoffnung Ausdruck,

daß die deutsch-französischen Luftfahrtverhandlungen noch in dieser Woche zu einem günstigen Ergebnis führen würden. Er glaube, daß schon im nächsten Jahre die Lu f t v e r keh r s - linie nach Prag über deutsches Gebiet ge­leitet werden könne.

Ein deutsch-französisches Abkommen über die Ablösung öffentlicher Anleihen.

£ Paris. Die deutsche und die französische Regierung haben Abmachungen über die Durchführung des deutschen , Gesetzes über die Ablösung öffentlicher Anlei^n vom 16. Juli ; 1925 und über die Behandlung der Markanleihen der elsaß- lothringischen Gemeinden sowie über die nach dem Vertrag | von Versailles sequestrierten deutschen Anleihen getroffen. Die ftanzösischen Staatsangehörigen werden für ihre deutsche Anleihe dieselben Vorteile erhalten wie die Angehörigen einer jeden anderen Nation. Die sequestrierten deutschen Anleihen werden zum Teil freigegeben.

Vor einer europäischen Zollunion?

£ London. Die Nachricht von den Vorschlägen des Reichsverbandes der deutschen Industrie auf Erleichterung des internationalen Handels hat in der Londoner Geschäftswelt großes Interesse erweckt. Im allgemeinen sei man gegen den Vorschlag, daß die Märkte den verschiedenen Exportländern wissenschaftlich zugeteilt werden sollen. Dem Gedanken einer Zollunion in Europa sei man nicht abgeneigt; die Ergebnisse der deutschen Anfrage in dieser Angelegenheit werden mit Interesse erwartet.

Kommunistischer Lügenfeldzug gegen den Reichswehr­minister.

Da bei der Frage der Regierungsneubildung wieder der Name Dr. G e ß l e r s für den Posten des Reichswehrministers genannt wurde, setzen jetzt von feiten einiger Parteien wiebe= rum BenMuiMN-ien, - ^-s von der neuen Regierung auszu'chalten.

Jetzt haben auch die Kommunisten sich die Person des Reichswehrministers Dr. Geßler, der zurzeit auch noch das Reichsinnenministerium verwaltet, zum Ziele einer Hetzpropa­ganda genommen. Sie verbreiten das Gerücht, Dr. Geßler habe in Anbetracht der Verschärfung der Wirtschaftskrise bereits über die Frage der Verhängung des Ausnahmezustan­des Beratungen gepflogen. Den Ländern sollen schon einzelne Maßnahmen für die Verhängung des Ausnahmezustandes gegeben worden sein. Wie das Reichswehrministerium dazu mittelt, ist die Frage der Verhängung des Ausnahmezustandes überhaupt nicht etörtert worden. Es handelt sich um eine rein kommunistischeFalfchmeldung.

Die Lage bet Deutschen Reichspost.

- Berlin. In der Sitzung des Verwaltungsrats der Deutschen Reichspost gab der Reichspostminister Dr. Stin gl vor Eintritt in die Tagesordnung folgenden allgemeinen Ueberblick über die Lage der deutschen Reichspost: Die all­gemeine Verkehrslage im November und Dezember zeigt un­gefähr dasselbe Bild wie in den gleichen Monaten 1924. Allerdings weist der Weihnachtspaketverkehr bis jetzt nicht dieselbe Steigerung auf wie sonst, infolge der ungünstigen Lage der allgemeinen Wirtschaft. Der Monat November hat nach den vorläufigen Feststellungen einen

Rückgang der Einnahme«

von rd. 7 Millionen Rm. gegenüber dem Soll gebracht. Diese Schwankmrgen bieten jedoch zu Besorgnis keinen Anlaß; sie sind eine jedes Jahr wiederkehrende Erscheinung. Die vom Reichstag beschlossene und vom Reichsrat genehmigte Zahlung einer einmaligen Geldzuwendung vor Weihnachten an die unteren Beamtengruppen erfordert eine einmalige Aus­gabe von schätzungsweise 22 25 Millionen Rm.

Die darauf folgende Beratung der Satzung der

Versorgungsanstalt der Deutsche« Reichspost

ergab die Annahme des Entwurfs, der zum 1. April 1926 in Kraft treten soll. Die Versorgungsanstalt will den Arbeitern und Angestellten (sowie den Postagenten) der Deutschen Reichspost und deren Hinterbliebenen eine die Seifhmgen der reichs gesetzlichen Versicherungen ergänzende Versorgung bieten, wie sie die Deutsche Reichsbahn und mehrere Länder ihrem Personal bereits seit längerer Zeit geboten haben. Die Deutsche Reichspost erfüllt mit der Schaffung der Versor- gungs-Anstalt eine moralische Verpflichtung gegenüber einem großen Teil ihrer Sirbeiter, die bisher eine Aussicht auf Ueber- nähme in das Beamtenverhältnis gehabt haben.

Exzellenz von Valentin» f.

- Hameln (Weser). Der langjährige Chef des Zivilkabi­netts des ehemaligen Kaisers, Exzellenz v. Valentin!, ist im 71. Lebensjahre gestorben.

Wirtschaft und Steuerpolitik. Industrie-Vorstandssitzung sächsischer Industrieller.

^ Dresden. In der Gesamtvorstandssitzung des Ver- bandes sächsischer Industrieller sprach Finanzminister Dr. Reinhold überStaatswirtschaft und Industrie"..

Er behandelte zunächst die Grundlagen der StaatSwirt- schast und betonte, daß zu einer gewissen Zeit zur Erhaltung der Stabilität der Währung eine geradezu brutale Steuer­politik notwendig gewesen sei, daß aber nicht zu leugnen wäre, daß die längere Fortsetzung dieser Steuerpolitik sehr schwere Folgen insofern hatte, als sie zu einer Thesaurierungs- politik führte und Reich, Länder und Gemeinden an Steuereinnahmen gewöhnte, die für den Normaletat nicht notwendig gewesen wären. Aus dieser falschen Steuerpolitik heraus seien manche von der Industrie beklagten Mißstände entstanden.

Wohin die Ueberbesteuerung der Industrie führt, zeigten die bedenklichen Verhältnisse, in denen wir uns heute be­finden. Es müsse deshalb unbedingt eine grundsätzliche

Revision der Steuerpolitik

nach der Richtung hin erfolgen, daß man nicht erst die Aus- gaben festsetzte und dann die Steuern dafür anfordere, son­dern, daß sich die öffentliche Hand wieder daran gewöhne, festzustellen, mit welchen Summen sie auf Grund der Lei­stungsfähigkeit der Wirtschaft rechnen könne, um danach ihre Ausgaben zu bemessen. Er sei überzeugt, daß die jetzige Uebererhebung an Steuern nicht nur die Wirt­schaft ruiniere, sondern auch dazu führe, daß nach außen hin ein ganz falsches Bild der Lage unseres Landes entstehe und wir nach den Londoner Vereinbarungen bei dieser falschen Rechnung gewissermaßen freiwillig noch höhere Beiträge an den^Zeitzd^Wd ahsübLten, ab «i, aozuführen verpflichtet

Die Verteidigung von Damaskus.

Kairo. Nach den aus Syrien eingelaufenen Nachrichten kommen immer neue französische Truppenteile im Land an. Es soll den Franzosen gelungen sein, die Drusen aus dem Rayon von Damaskus zu vertreiben. Die Franzosen sollen die Verteidigung der Stadt in das Vorgelände verlegt haben. Nachdem nunmehr den ftanzösischen Generalen stärkere Truppenteile zur Verfügung stehen, ist man dazu übergegan­gen, das in anderen Kolonien bewährte Blockhaussystem auch in Syrien anzuwenden. Diese Blockhäuser, durch die man die Zugangsstraßen zu Damaskus schützen will, werden später auch längs der Straßen selbst angelegt werden, um im Lande die Kommunikation zu ermöglichen und die Eingeborenen im Zaum halten zu können. De 3ouvenel scheint den Drusen entgegenkommen zu wollen. Wieweit diese ftanzösischen Zu­geständnisse gehen werden, ist noch nicht ersichtlich. Kenner des Landes versichern aber, daß die Franzosen noch längere Zeit mit einem Bandenkriege rechnen müßten. Angeblich soll der bekannte Führer der Drusen Fuad Selim in den letzten Tagen gefallen sein.

Die Rifkabylen beschießen Aschdir.

Schwere spanische Verluste.

Tanger. Es war den Spaniern bekanntlich gelungen, bis zur sogenannten Hauptstadt Abd el Krims vorzudringen. Die Rifkabylen haben den Winter dazu benutzt, Geschütze im Umkreis der Stadt auf den Höhen aufzustellen. Die Spanier erleiden ständig schwere Verluste. Abd el Krim geht gegen Stämme, die mit den Spaniern paktieren, mit Waffengewalt vor. Die Andscheras sind wieder zu ihm übergetreten. Die Aktion Abd el Krims, auf einen Frieden mit Frankreich hin- zielend, wird englischerseits als ein offizielles Vorgehen an­gesehen, das wohl zum Erfolg führen könne.

Christenfeindliche Kundgebungen in Kanton.

Ermordete Weißgardisten in China.

London. Aus Kanton und Swatau werden christen­feindliche Kundgebungen gemeldet. Die Lage in Swatau hat sich in den letzten Tagen immer mehr verschlimmert. Die chinesischen Studenten haben die Presbyterianerschule und das englisch-chinesische Kollegium angegriffen.

Der Kommandeur der russischen Brigade in der Armee Tschangtsolins hat an die ihm nahestehenden Organisationen in London und Paris Telegramme gerichtet, in denen er auf die Ermordung von 688 Weißgardisten in Nordchina eingeht. Außer den Toten sind danach auch 637 Verwundete zu be, klagen. Der Ueberfall geschah auf Anstiftung von Sowjet­agenten. Er wurde von fünf chinesischen Infanteriedivisionen verübt. Tschangtsolin war schon vorher auf die Tätigkeit der kommunistischen Organisationen aufmerksam gemacht worden.