Hersfelöer Tageblatt
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Nr. 301 (Erstes Blatt)
Donnerstag, den 24. Derember
1925
Das Wichtigste.
— Das italienische Ministerium des Innern beabsichtigt, das deutsche Bozen zur italienischen Provinzial- Haupt stadt zu machen.
— In New Jork sollen, Londoner Meldungen zufolge, Verhandlungen über eine neueAnleihefürDeutsch- l a n d stattfinden.
— Amerika hat beschlossen, an der Genfer Abrüstungskonferenz teilzunehmen. , ,
Die Kot im deutschen Osten.
von Dietrich Maydorn.
Der preußische Landtag hat sich in der vergangenen Woche ein^ .hend mit den bedrohlichen Verhältnissen in den deutschen Grenzgebieten des Ostens beschäftigt und hat er- freulicherweiise Maßnahmen beschlossen, die geeignet sein können, dem bedrohlichen Deutschtum wirksame Hilfe zu bringen. Der Not in Oberschlesien soll durch tatkräftige Förderung der Notstandsarbeiten, durch ausreichende Hilfe für den gewerblichen Mittelstand und durch geeignete Mittel zur Verhinderung einer weiteren Zunahme der Erwerbslosigkeit gesteuert werden. Besondere Beachtung fanden aber die Zustände in O st p r e u ß e n, die eine schnelle Hilfe gebiete- risch fordern.
Die eigenartige geographische Lage dieser Provinz läßt in höchstem Maße ganz Deutschland und Preußen an ihrem schweren Schicksal teilnehmen. Daß hierbei die Regierung nicht hintan stehen kann und darf, ist selbstverständlich. Die wirtschaftlichen Verhältnisse sind derartig schwierig geworden, daß nur ein sofortiges, zweckmäßiges Eingreifen der Regierung eine Katastrophe zu verhindern,in ^ Loae ss^..^- !-.-.-»->««». —■—fest--t?Ä^"-Lü?KlM>en, daß grundsätzlicher Provinz Ostpreußen eine besondere Behandlung und Unterstützung zuteil werden soll, daß ferner die Kreditverhältnisse gemildert und die Einziehung rückständiger Steuern besonders schonend gehandhabt werden sollen. Ebenso wichtig wie diese wirtschaftlichen Beschlüsse sind auch die kulturellen, die vor allein auf eine verstärkte Unterstützung der ostpreußischen Schulen hinzielen.
Neben diesen Fragen wird man aber nicht die politischen vergessen dürfen, die hier durch die polnische Wühlarbeit eine besondere Bedeutung erhalten. Der Ostpreuße ist zäh und hält treu zu Reich und Staat, er verlangt aber auch dafür, daß das ganze deutsche Volk in seinem schweren Abwehrkampf gegen polnische 'Raubgelüste einig hinter ihm steht. Die Polengefahr ist größer, als sie sich vielleicht die Mehrzahl unseres Volkes vorstellt. Es handelt sich dabei aber um keine innere Gefahr, denn alle Volksteile Ostpreußens sind in ihrer Gesinnung dem deutschen Daterlande treu ergeben. Die Gefahr kommt aus Polen selbst und wird durch eine planmäßig durchgeführte und von amtlicher polnischer Seite unterstützte Wühlarbeit genährt. Man denke nur an die immer wieder von Polen unternommenen Versuche, in die deutsche Gesinnung der Masuren eine Bresche zu legen, obwohl die Masuren bei der Volksabstimmung vor fünf Jahren unzweideutig ihr Bekenntnis zum Deutschtum bewiesen und damit erklärt haben, daß sie von Polen nichts wissen wollen. Selbst ihre eigene Sprache, die im übrigen gar nicht mit der polnischen übereinstimmt, ändert an dem Deutschtum der Masuren nichts.
Die polnischen Absichten werden in Ostpreußen an dem zähen Willen der Bevölkerung scheitern. Weit gefährlicher dagegen liegen die Dinge im deutschen Danzi g, das auf Gedeih und Verderb mit dem Schicksal der polnischen Republik verbunden ist. Wie stark der Einfluß Polens hier ist, haben erst die jüngsten Ereignisse wieder bewiesen. Die endgültige Belassung des Munitionsdepots auf der Westerplatte und die dauernde Unterbringung einer militärischen Bewachung sind Zeugnis genug, um die Gefahr zu erkennen, die hier dem I Deutschtum droht. Polen hat sich in Gdingen einen nunmehr hinreichend fertiggestellten Hafen sowohl für seine Schiffe wie auch für alle militärischen Zwecke geschaffen, so daß Danzig jetzt wirklich zu dem rein wirtschaftlichen und sried- lichen Zwecken dienenden Hafen werden könnte. Aber Polen will das alles nicht, es will sich mehr und nichr in Danzig festsetzen, um eines Tages die Welt vor die Tatsache eines polnischen Danzig stellen zu können.
| Auch wirtschaftlich liegen die Verhältnisse in Danzig I außerordentlich düster. Das hat mit einer erschreckenden Deut. 1 lichtest eine vor kurzem erfolgte Kundgebung des Senats ge- 1 zeigt. Die Abschnürung von allen früheren Absatzmärkten hat ; die Danziger Wirtschaft lediglich auf Polen angewiesen. Die Wirtschafskatastrophe in Polen wirkt sich damit auch in be- sonderen: Diaße auf Danzig aus. So sind beispielsweise durch den Sturz des Zloty in Verbindung mit der starken Ein- schräiEung der polnischen Einfuhr die Zolleinnahmen um weit
über die Hälfte zurückgegangen. Es wird der ganzen Anstrengung der Danziger Regierung und der Wirtschaftskrerse bedürfen, um einen vollkommenen Verfall und eine endgültige Auslieferung an Polen zu verhindern.
Schließlich darf in diesem Zusammenhänge noch ein weiteres deutsches Grenzgebiet nicht übersehen werden: das M e m e l l a n d. Vor zwei Monaten erst hat sich dieses nord- ösÄichste, gewaltsam vom Reich getrennte Stückchen Erde erneut und einmütig zum Deutschtum bekannt. Trotzdem versucht auch hier eine fremde Macht gewaltsam jede Regung zu nationaler Einigkeit zu unterdrücken. Klingt es nicht wie blutiger Hohn, wenn Litauen jetzt versucht, der Bevölkerung, die in den 29 Sitze starken Landtag 27 deutsche Abgeordnete gewählt hat, ein fünftöpfiges Landesdirektorium mit drei (!) Nativnallitauern vorzusetzen? Seit Wochen gehen die Verhandlungen über die Zusammensetzung dieses Direktoriums und über die Person seines Präsidenten, sie sind wegen der maßlosen Ansprüche der Litauer noch immer nicht über den toten Punkt hinausgekomnien. Offensichtlich will man von Kowno aus eine Neuwahl des Landtags erreichen, in der Hoffnung, dann mehr Erfolg zu haben. Aber auch hier wird sich fremde Unterdrückerpolitik, an der Einmütigkeit des Deutschtums den Kopf einrennen.
Am deutschen Lebensbaum auf hoher Wacht Drei Lichter flammen in der Weihnachtsnacht. Das erste brennt dem heiligen Geist, Der Wahrheit ist und hin zur Wahrheit weist. Das zweite brennt der Liebe, die ganz still Sich opfert und dem Ganzen dienen will. Das dritte brennt der ungebroch'nen Kraft, Die aus dem Willen das Verlor'ne schafft. Schau, jene heilige Dreieinigkeit, Sie grüßt auch dich, du armes Kind der Zeit. Solange ihre Hellen Lichter brennen, Darfst du die Hoffnung deine Schwester nennen!
Die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen.
Aeußerungen Tschitscherins.
^ Berlin. Der russische Volkskommissar Tschitschevin hat sich vor seiner Abreise aus Berlin ü6er die Gestaltung der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen in einer Unterredung geäußert:
Nachdem unser Handelsvertrag mit Deutschland endgültig rechtskräftig geworden ist, werden wir ihn in eine lebende Wirklichkeit umwandeln müssen. Die Perspektiven, die sich dal>ei vor unseren Augen öffnen, sind außerordentlich verheißungsvoll. Schnell blühen unsere Lebenskräfte wieder auf. Das in der Statur der Dinge liegende Verhältnis Deutschlands und der Sowjetunion, die wirtschaftlich aufeinander angewiesen sind, muß jetzt mit voller Macht zutage kommen. Der gesamte wirt- schaftliche Organismus der Sowjetunion strebt unaufhaltsam zum technischen Fortschritt.
T s ch i t s ch e r i n glaubt, daß durch die Schaffung einer eigenen russischen Industrie der deutschen Maschinen- industrie keine Gefahr drohe, denn jedes Dorf, auch das ent
legenste, sucht sich die allerneuesten technischen Mittel an- zueignen. Der Absatzmarkt, der sich für Deutschland in der Sowjetunion immer mehr öffnen wird, die
Befchäftigungsmöglichkeiten für deutsches technisches Wissen und Können und für deutsches Unternehmertum, die sich bei uns mit jedem Tage mehr entwickeln werden, sind grenzenlos. Unser Territorium ist so groß, die dort verborgenen Naturschätze sind so unzählbar, daß die Entwicklung der Industrieproduktion in der Sowjetunion immer neue Befchäftigungsmöglichkeiten für die deutsche Produktion eröffnen wird. Als eine der wichtigsten Aufgaben erscheine ihm die Frage der Organisation des Kreditwesens. Er hege die beste Hoffnung, daß sie glücklich gelöst werde.
Teilnahme Amerikas an der Abrüstungskonferenz.
^ New Park. Die amerikanische Regierung hat nach längeren Beratungen nunmehr beschlossen, Vertreter zu der vorbereitenden Kommission für die Abrüstungskonferenz nach Genf zu entsenden.
Bei der Besprechung der Teilnahme Amerikas an der Genfer Abrüstungskonferenz wird jetzt nachdrücklichst einer weitverbreiteten Stimmung innerhalb des Kongresses Ausdruck verliehen, wonach man höchst verwundert sei, batz Frankreich trotz des Locarno-Vertrages seine Heerespolitik in keiner Weise ändere. Frankreichs Grenzen feien garantiert worden, Frankreich sei vor Angriffen völlig geschützt, es bestehe daher kein Hindernis, um den französischen Ausgabenetat "durch Abrüstungsmatznahmeu ein- zuschränkerr.
In Washingtoner Kreisen wird betont, daß eine Teilnahme Amerikas an der AbmistungskonttriW irauaiMBa» mn *... i*^i -i2^»^ eiuigeoeti vor iPolitik der Nichteinmischung in europäische Angelegenheiten bedeute. Ferner bedeute die
Teilnahme auch nicht, daß die Delegierten Amerikas das Recht. Hütten, einer eigenen Rüstungsbeschränkung zuzu- stimmen, da über die Entwaffnung Amerikas allein der Kongreß zu entscheiden habe.
Um die Freigabe des deutschen Eigentums in Amerika.
^ Berlin. Der Ausschuß, der den Aufruf zur Beteiligung an dem von Dr. Kieselbach vorbereiteten Abkommen über die Freigabe des deutschen Eigentums in Amerika unterzeichnet hat, nahm über den bisherigen Stand der Vor- berettungsarbeiten Bericht entgegen. Das bisher erzielte Ergebnis kann als durchaus erfreulich bezeichnet werden, und zwar sowohl hinsichtlich des Gesamtbetrages der Guthaben der justimmenben Gläubiger als auch hinsichtlich des Bettages, bis zu dem eine Zeichnung der aus- zugebenden Bonds als gesichert erscheint.
Eine neue Anleihe für Deutschland?
$ Berlin. Nach einer Londoner Meldung soll in New
Park zwischen deutschen und amerikanischen Sachverständigen über eine neue Anleihe für Deutschland verhandelt werben.
Wie verlautet, bieten die deutschen Unterhändler als Sicherheit für die Anleihe 500 Millionen von den 7 Prozent Vor- zugsaktien der Deutschen Reichsbahngesellschaft. Da die Vorzugsaktien im Besitze des Reiches sind, bedarf ein solcher Plan der Zustimmung der zuständigen Reichsstellen. Dem Finanzministerium ist jedoch von einem derartigen Anleiheplan nichts bekannt, obwohl es zugeben mnß„ daß verschie- dene Anleihepläne zurzeit in New York zur Verhandlung stehen. Ein Verkauf der Vorzugsaktien an das Ausland kommt auf keinen Fall in Frage.
Italien überspannt den Bogen.
Das deutsche Bozeu soll italienische Provinz ha uptstadt werden.
£ Rom. Nach einer Mitteilung aus Rom wird int römischen Ministerium des Innern der faschistische Vorschlag geprüft, Bozen zur Hauptstadt einer Provinz zu mache», zu der die Kreise Bozen, Bruneck, Brixe«, Meran und Lavalese gehören sollen. Auf diese Weise würde die neue Provinz Boxen etwa 250 000 Einwohner Habens von denen 150 000 Deutsche, 30 000 Ladiner und 79 000 Italiener wären.
Eine einzige große deutsche Zeitung mit dem Süd „Alpenzeitung" solle erschienen. Diese Zeitung werde dazu bestimmt sein, die deutsche Bevölkerung italienisch zu mache tu Zum neuen Präfekten von Bozen sei eine dem Ministerpräsidenten nahestehende bekannte faschistische Persönlichkeit auserschen.