Hersfelder Tageblatt
für den Kreis Hersfeld
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, tm ( MlElSvluII anülichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder» | holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachnrittags. i
Amtlicher Anzeiger
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Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post de-
zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei WO Hersfew. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. ’
Nr. SS. »m» b™,^«,*»» Sonnabend, den 21. April
1917
Amtlicher Teil.
Hersf' ld, den 17. April 1917.
Für Landwirte!
Im Interesse der Vereinfachung des Geschäftsganges und zur Beschleunigung des Berfahrens ersuche ich in Zukunft alle Anträge auf Genehmigungen zum Verkauf von Rindvieh direkt durch die Hand des zuständigen Sachverständigen (Gliemeroth, Bürger und Dootermann) an mich einzureichen.
I. F. No. 828. Der Landrat.
I. B.:
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
Hersfeld, den 8. April 1917.
Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung des Herrn Präsidenten des Kriegsernährungsamts über die Berfütterung von Hafer an Ochsen und Zugkühe während der Frühjahrsbestellung vom 28. Februar d. J. gebe ich hiermit vorbehaltlich einer anderweitigen Bestimmung für den Umfang des Kreises Hersfeld allgemein die Genehmigung dazu, daß Unternehmer landwirtschaftlicher Betriebe
a) an zur Feldarbeit verwendete Ochsen,
b) an die in Ermangelung anderer Spanntiere zur Feldarbeit verwendeten Kühe, unter Beschränkung auf höchstens 2 Kühe für den einzelnen Betrieb, je 1 Zentner Hafer aus ihren Borräten verfüttern dürfen.
Bedingung ist also, daß die Borräte aus den eignen Beständen genommen werden müssen. Diejenigen Besitzer von Ipannkühen, die keinen Hafer geerntet haben, haben keinen Anspruch auf Hafer zum Verfüttern an ihre Kühe. Wer dagegen bereits die Haferüberschüsse abgeliefert hat und deshalb die für seine Spannkühe erforderlichen Borräte nicht mehr besitzt, kann bet der Ortsbehörde den Antrag auf Rücküberweisung von Hafer stellen.
Die Herren Bürgermeister werden ermächtigt,
2 Ztr. Hafer für 2 Kühe aus dem Beständen' tn^der Gemeinde zuzuschreiben.
Tgb. No. K7 G. 1003. Der Landrat.
J. V.:
Funke, Kreissekretär.
Ausruf
z»rSo»n«»»dFeiertagsarbeit für die landwirtschaftliche Bevölkerung.
Infolge des anhaltenden Frostes steht für die ordnungsmäßige Frühjahrsbestellung in diesem Jahre erheblich weniger Zeit zur Verfügung als sonst, dazu kommt der große Mangel an Leuten, Gespannen und Düng emitteln. Die Frühjahrsbestellung muß mit allen irgendwie dienlichen Mitteln sichergestellt werden. Dieser vaterländischen Pflicht haben alle anderen Rücksichten nachzustehen. Die gleiche Dringlichkeit gilt auch für alle übrigen landwirtschaftlichen Arbeiten im Sommer und insbesondere für die Einbringung und den baldigen Ausdrusch der Ernte.
Es ist deshalb erforderlich, -aß auch an Sonn- und Festtagen die Bestellungs- und sonstigen landwirschaft- lichen Arbeite r nicht ruhen, wobei als selbstverständlich vorauszusetzen ist, daß den Lohnarbeitern für die Sontagsarbeit eine angemessene Entlohnung gezahlt wird.
Ich erwarte, daß die gegen solche Sonn- und Feiertagsarbett an manchen Orten bestehenden Bedenken zurückgestellt werden und daß die landwirtschaftlichen Arbeiter die notwendige Feiertagsarbeit willig leisten.
Das stellv. Generalkommando hat Anordnung getroffen, daß in gleicher Weise die Kriegsgefangenen zxr Sountagsarbeit verpflichtet sind.
Der Kommandierende General gez. von H a u g w i tz, General der Infanterie.
* * * Hersfeld, den 16. April 1917.
Wird veröffentlicht.
Tgb. No. i. 3920. Der Landrat.
J. V.:
v. H e d e m a n n, Reg.-Assessor.
HerSfel», den 3. April 1817.
Aus dem Erlaß des Herrn Reichskanzlers vom 6. März ds. Js. — I. A. 1753 — wird hiermit folgender veröffentlicht: . ■
„Die ReichSleitnng hat stets den Standpunkt vertreten und zu wiederholten Malen eindringlichst darauf hingewiese«, daß bei Prüfung der Anträge auf Familtenunterstützung weitgehender Wohlwollen gezeigt und jede Engherzigkeit vermieden werden solle. An dieser Auffassung hat sich nichts geändert.
t Wenn somit das Reich seine Pflicht gegenüber den Angehörigen der Kriegsteilnehmer in weitgehendster Weise erfüllen muß, so müssen aber auch die Angehörigen der Pflichten eingedenk sein, die in dieser ernsten Zeit jeder gegen das Vaterland
hat. ES hat aber den Anschein, als ob dies nicht durchweg der Fall ist. Bon verschiedenen Seiten, insbesondere auS ländlichen Bezirken, ist unter aller Anerkennung der Gewissenhaftigkeit anderer Kriegerfrauen, Klage darüber geführt, daß sich ein Teil der Kriegerfrauen, und zwar selbst solche, Sie früher stets auf Arbeit gegangen sind, nicht zur Uebernahme von Arbeit bereit finden ließen, trotzdem sie körperlich und ihre« gesamten Verhältnissen dazu sehr wohl im Stande seien. Auch sollen sich vielfach Frauen geweigert habe», ihre Kinder, die früher stets auf Arbeit gegaugen und auch dazu kräftig genug sind, in der Zeit der größten Arbeitshäufung bei den so unbedingt der Förderung bedürfenden landwirtschaftlichen Arbeiten mithelfen zu lassen.
Ein solches Verhalten kann in den jetzigen Zeiten, wo es im Interesse des wirtschaftlichen Durch- Haltens auf jede einzelne Arbeitskraft ankommt, und wo jeder einzelne, wer es auch sein möge, die Pflicht hat, nach seinen Kräften mitzuarbeiten, nicht gebilligt werden. Wo derartige Falle vorkommen, wird es daher die Pflicht der Behörden sein, nötigenfalls einzugreifen. Weigern sich Kriegerfrauen, die noch ihren häuslichen Verhältnissen abkömmlich sind und körperlich zu arbeiten vermögen, vor allem junge alleinstehende Kriegerfrauen zu arbeiten, so wird angenommen werden können, daß sie dann auch der Familienunterstützung zum D^rchkommen nicht bedürfen. Es wird deshalb, auch im Interesse der Allgemeinheit und mir Rücksicht auf die gewissenhaft ihre vaterländische Pflicht erfüllenden Frauen^ zu rechtfertigen sein, bei diesen Kriegerfrauen zur Einziehung der Familtenunterstützung zu schreiten."
Die Herren Ortsoorstände werden ersucht, auf den Inhalt vorstehenden Erlasse! nötigenfalls aufmerksam zu machen und Fälle, in denen trotzdem die Aufnahme der Arbeit verweigert wird, sofort hierher anzuzeigen.
Der Vorsitzende des KreiSansschnffes.
J. A. No. 3077. J. B.:
Bus der Heimat.
):( Hersfeld, 19 April. Bei der Mitteldeutschen Priva t- Ban k, ihren Kommanditen und den ihr angegliederten Banken sind 117 Millionen Kriegsanleihe gezeichnet worden (gegen 90 Millionen bei der fünften Anleihe.) j
):( Hersfeld, 20. April. Die Schneiderlehrlinge Heinrich B ä tz, Mathäus Braun, Heinrich D ü l f e r, Fritz F e i ck, Karl H e y e r sowie Adam R o o s von hier, Georg Becker, Heinrich Eisen b ach und Heinrich Eckhardt aus Niederaula unterzogen sich der heute stattgefundenen Gesellenprüfung und bestanden dieselbe gut.
-d- Philippsthal, 18. April. Das Ergebnis der Zeichnung zur 6. Kriegsanleihe beträgt: in Philippsthal 255 000 Mk., in Röhrigshof 60 000 Mk., in Heim- boldShausen 26 000 Mk., in Unterneurode 6 500 Mk.
Treysa, 17. April. Die Angestellten der Anstalten Hephata «Brüder, Schwestern, Leherinnen usw.) haben für die Reichsanlethe zusammen 24 000 Mk. gezeichnet. Es ist das ein Beweis dafür, das viele Wenige ein Viel machen. ES wurde das Ergebnis auch dadurch ermöglicht, daß die Anstaltsleitung allen, die 100Mk. und mehr Zeichneten, aber gegenwärtig nicht so viel zur Verfügung hatten, der Gehalt bis zum September d. JS. im Voraus zu zahlen sich bereit erklärte. Außerdem sammelten die Angestellten und Zöglinge eine Liebesgabe von mehreren hundert Mark, die der gegenwärtig hart bedrängte» Mission zugute kommen soll, aber gleichfalls zunächst in Reichsanleihe gezeichnet wird. DieWertpapiere sollendann späterer betreffenden Misstonsanstalt ausgehändigt werden.
Schon wieder ein Aufruf, wird der Landmann sagen. Aber es soll diesmal wirklich keiner von den Aufrufen sein, die sich an den Patriotismus der Landwirte wenden. Letzere stehen in den Beweisen von Vaterlandsliebe gegen die Einwohner der Städte nicht zurück, nur haben sie nicht die Muße, sich in all die Notwendigkeiten zu vertiefen, welche mit der Frage der Ernährung der Bevölkerung der Großstädte und der Jndustriegegenden, z. B. Rheinland, Westfalen, Königreich Sachsen, zusammenhängen und können sich, weil sie jetzt beständig an ihre Scholle gefesselt sind, auch nur selten oder garnicht durch den Augenschein von der Not der Städter überzeugen. Besonders nicht unsere Landfrau, die jetzt, wo ihre Männer, Brüder und Söhne im Felde stehe», ein Uebermaß von Arbeit zu bewältigen hat. Aber am Sonntag, dem einzigen Tag, an dem sie mal Zeit hat, das Kreisblatt mit den neueste» Nachrichten in die Hand zu nehmen, möge sie auch diesen Zeilen Beachtung schenken.
Viele auf dem Lande wissen eS nur ganz oberflächlich und nur vom Hörensagen, wie die Städter jetzt zu sümpfen habe», die alles kaufen müssen, was
sie satt machen soll. Wohl verdienen sie genug, mehr als früher, aber vom Gelde werden sie nicht satt. Auf dem Lande wird schwer gearbeitet, doch in den Städten — in den Fabriken — nicht minder. Dazu nicht nur am Tage, sondern auch die langen Nächte hindurch an den lärmenden Maschinen und an den Feueressen usw. Die Landluft fehlt hier den Arbeitern und Arbeiterinnen, und wenn sie abends spät oder nach vollbrachter Nachtschicht morgens in der Frühe den Heimweg antreten, da ist ihre Sorge: „Wie werden wir nun wieder satt? Wie stärken wir unS mit neuer Kraft für morgen, um die Rüstung für unsere Brüder im Felde und die Waffen und Geschosse, mit der sie sich unserer Feinde erwehren und uns den Sieg erkämpfen sollen zu verfertigen?"
Beachtet wohl, daß sie auch für Eure Söhne und Brüder sorgen! Und wie sollen die nötigen U-Boote gebaut und unterhalten werden, wenn nicht kräftige Arbeiter dazu da sind. Brot haben die Arbeiter und Arbeiterinnen zur. Rot, viel Anderes leider nicht. Namentlich fehlt eS\ '^en dem vielen Anderen auch an Eiern. \
Also gebet auk >r heraus, die ihr irgend entbehren kmint, möglichst große Mengen Eier müssen beschafft werden!
Und da die Hühner wieder mehr legen, ist dies auch weniger schwierig als im Winter) eS müssen unbedingt noch mehr Eier geliefert werden als bisher.
Daß jetzt die bedürftigen Leute in den Städten und in den Jndustriegegenden die Eier auch wirklich erhalten, daß unsere Verwundeten und Kranken in den Lazaretten, die der Eier so dringend bedürfen, ausreichend mit Eiern bedacht werden, dafür wird und muß gesorgt werden. Wir haben jetzt Landesbehörden, die die Sache in die Hand genommen haben. Sie lassen auf dem Lande sammeln und sie sorgen für die Fortschaffung und Verteilung der Eier, unter besonderer Berücksichtigung der Verwundeten und Munitionsfabriken. Leute, die von Landräten mit Ausweis versehen sind, holen die Eier von den einzelnen Landwirten ab, natürlich zu einem abgemessenen Preise, wobei die Landwirte bestehen können und auch verdienen. Darauf können sie sich verlasien. Aber sie dürfen die Eier nicht an Unberechtigte verkaufen, die, um ein gutes Geschäft zu machen, die Eier verbotener Weise an Leute, welche jeden Preis bezahlen können und wie im Frieden zu leben suchen, weiter verhandeln. Gibt der Landmann die Eier dennoch an soiche Unberechtigte ab, so durchkreuzt er alle Mühe der Behörden, er macht sich zum Mitschuldige», wenn die Kranken und Verwundeten, sowie die vielen Rüstungsarbeiter wieder notleiden müssen. Das wolle» wir doch nicht! Daran müßt Ihr Landsleute immer denken!
An Geflügelfutter ist ja leider auch schwerer Mangel. Aber kleinere Mengen konnten jetzt zur Verfügung gestellt werden und soweit dies möglich ist, wird der Landrat denen, die sich besonders der Eierablieferung befleißigen, entgegenkommen und mit Futter aushelfen. Aber wo das Futter dennoch fehlt, wird der Auslauf viel ausgleichen köniren, da die Hühner sich dann mehr an Gewürm und Grünzeug halten. Viele Unkräuter, die früher kaum Beachtung gefunden haben, z. B. Löwenzahn (Butterblume), Brennessel, Ackermelde, Schafgarbe und alle Distel- arten, sie sind den Hühnern in feingewtegtem Zustande und mit anderem Weichfutter gemischt, zu geben. Wir wollen jetzt auch die geringste Gabe unseres Herrgotts nicht unbeachtet lassen! Auch das allgemeine Wohlbefinden der Tiere kann durch Sauberkeit und gute Luft in den Ställen, Schutz vor Kälte und rauhen Winden, ruhige Behandl»»g gefördert werden. Alles dies trägt zur Steigerung der Eier- erzeugnng wesentlich bei. Unnütze Fresser müssen abgeschlachtet werden. Nur auf gute Landrassen sollte man halten. Sportgeflügel, daS für unsere Gegenden nicht paßt und schlecht legt, sowie den Legern daS Futter wegfrißt, gehört in den Kochtopf.
Ueberhaupt die Hühnerzucht! Dafür muß bei unS noch weit mehr als bisher getan werden. Auf dem Lande weiß man wohl kaum, daß wir in FriedenSzetten an das Ausland, «Rußland, Dänemark, Italien usw.) jährlich 200 Millionen Mark für Eier bezahlt haben. Was die Landwirtschaft dieser Länder kann, muß doch auch die deutsche Landwirtschaft fertigbringen! Sie könnte das Geld, oder doch einen großen Teil davon, selbst verdienen. Im Auslande haben sich die Geflügelhalter in Verein« und dergleichen znsammengetan, welche die Einsammlung und den Verkauf der Eier besorgen. Das aller muß künftig auch bet unS geschehen.
Aber jetzt, Ihr Landleute, sorgt dafür, daß alle irgend entbehrlichen Eier — und ihr könnt viel ab- gebe» — an die vom Landrat gestellten Leute verabfolgt werden. Vom Landrat werdet Ihr daS Wettere erfahren. Denket, besonders Ihr Landfrauen, «K daS, wa» die Not der Zeit gebietet!
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