Hersfelder Ingeblatt
Amtlicher Anzeiger
r™-------—----—-------------—------
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfsw 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
KerrWer
für den Kreis Hersfeld
KlliMti
Der Ai^eigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im ( amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bet Wieder- ' holungen wird Rabatt gewährt, Erscheint jeden Werktag nachmittags. i
Nr. 95
m^b^,.^ Mittwoch, den 25. April
1917
Amtlicher Teil.
Bekanntmachung
des Ueberwachnngsansschnffes der Schuhindustrie, betreffend Berteilung der Fertigerzengniffe von Schuhwerk für die bürgerliche Bevölkerung in der
Zeit vom 20. April 1917 bis 81. Mai 1917.
Auf Grund des Artikel n § 5 der Bekanntmachung des Bundesrats über die Errichtung von Herstellungsund Bertriebsgesellschaften in der Schuhindustrie vom 17. März 1917 wird folgendes angeordnet:
§ 1.
Hersteller von Schuhwaren jeder Art, soweit sie bereits vor dem 1. August 1914 Schuhwaren fabrikmäßig hergestellt haben, dürfen vom 20. April 1917 ab Schuhwaren für die bürgerliche Bevölkerung für eigene Rechnung nicht mehr abliefern, auch nicht zur Erfüllung bestehender Lieferungsverträge.
§ 2.
Die Ablieferung erfolgt vom 20. April 1917 ab im Namen und für Rechnung der Gesellschaft, welcher der Hersteller von Schuhwaren angehört, in folgender
1) Die Gesellschaften werden beauftragt, ihre Gesellschafter anzuweisen, den Groß- und Kleinhändlern, denen sie in der Zeit vom 1. Juli 1913 bis 30. Juni 1914 Schuhwaren geliefert haben, monatlich 2% der in dieser Zeit gelieferten Menge zuzuteilen.
Anmerkung. Die Quote von 2 Proz. ist auf folgender Grundlage ermittelt worden:
Die durchschnittliche Produktion der Schuhfabriken beträgt zurzeit etwa 25 Proz. der Friedensproduktion. In Rücksicht darauf, daß eine Ausfuhr von Schuhwaren nicht stattfindet, wird angenommen, daß den inländischen Schuhhändlern pro Jahr eine Quote von 30 Proz. der Bezugsmenge aus der Zeit vom 1. Juli 1913 bis 30. Juni 1914 zugeteilt werden kann. Hier
2 Pr
KStM
Händler zurückgestellt wird, welche von ihren seitherigen Lieferanten ihre Quote nicht erhalten können.
Beispiel für die
an Friedensabnehmer:
Name
Wohnort
ges, Jahresbezugs summe 1. 7. 13. bis 30. 6. 14
durchschn. Paarpreis d. Fabrikais i.d. Zeit 1. 7. 13 bis 30. 6. 14
Jahresbezugsmenge in Paaren
2 Prozent- ige Quote für die
Zeit vom 20. 4. 17 bis ‘ 31. 5. 17 (L/8Mon)
Ä. Müller
Jrheim
M. 72 000
M. lL
6000 Paar
160 Paar
2) Diejenigen Mengen, welche an die seitherigen Friedensabnehmer nach vorstehenden Bestimmungen nicht verteilt werden, sind zur Verfügung der zuständigen Gesellschaft zu halten. Die näheren Anweisungen für die Verwendung dieser Restmengen ergehen durch die Gesellschaften.
§ 3
Die Gesellschafter sind verpflichtet, den Gesellschaften, denen sie angehören, bis spätestens 31. Mai
Panzekaulos.
Mit Beginn der erhöhten Tätigkeit an fast allen Fronten tauchen auch wieder die Panzerautos in den Kriegsberichten auf. Besonders die Engländer besitzen eine größere Anzahl, auf die sie große Hoffnungen gesetzt haben, doch ist schon eine ganze Anzahl von uns erbeutet oder von unserer Artillerie zerstört worden. Diese „Tanks" werden von ernsthaften Leuten für eine teure militärische Spielerei gehalten. Man pries sie Höher als unsere Zeppeline. Es war zweifellos, daß durch sie der Krieg gewonnen werden mußte,- und der Erfolg ist, daß sie Feind und. Freund verlacht, wie.es die Spitznamen beweisen. Die Ungetüme haben eine Länge von 18% Metern und werden nicht durch Räder, sondern durch Schlittenkufenbewegt, auf ,eder Seite unter der Panzerung je drer. Die Bezeichnung „Schlittenkufen" drückt nur das Aussehen der Fortbe- wegungsmittel aus. Es handelt sich eigentlich um eine endlose Radschuhkette, die aus einzelnen zu Greifern oder Stampfsützen ausgebrldeten Teilenbesteht, die ge- lenkartig verbunden über gezahnte Trerbräder geführt werden. Vorläufer sind die Radgurtel, rote sie schon seit langem für Dampfwalzen und schwere Geschütze verwendet werden, um ein zu treses Einschneiden der Räder zu verhüten. Die Länge der «chlitteukufeu soll ihnen die Fortbewegung über Schützengraben und auf- geustihltes Gelände gestatten bei einer Geschwindigkeit von vier englischen Meilen in der Stunde. Ihr Bug ist so scharf, daß er Drahthindernisse, Gestrnpp und nicht zu starke Mauern glatt durchbrechen soll. In Wirklichkeit ist es aber ganz anders gewesen Jeder größere Granat- beziehungsweise St'rengtriclNer hat diese unbeholfenen Maschinen zum Stillstehen oder Umkip- pen gebracht, und jeder Treffer auch nur aus Feldgeschützen bei die verwickelte F^tbewegungsmaschinerte in Unordnung gebracht. Ihre Ausrüstung besteht stets aus sechs Maschinengewehren mit der nötigen Bedie- mmasmannschaft,- im Kämpfe sollen sie hauptsächlich gegen feindliche Maschinengewehre wirkem
Riebt 4it oetwe"' "ein mn diesen .Jan*«" lind dir
1917 eine Liste ihrer Abnehmer in der Zeit vom L Juli 1913 bis 30. Juni 1914 mit Angabe der in dieser Zeit gelieferten Warenmengen in Paaren einzu- reichen.
I 4.
Von dieser Bekanntmachung werden nicht betroffen Hersteller von Schuhwaren, soweit sie Schäfte oder Holzschuhe, die ganz aus Holz oder aus Holz in Verbindung mit einer Spange von höchstens 2 cm Breite oder einem Kissen hergestellt sind, herstellen.
Berlin, den 14. April 1917.
Uederwachungsausschuß der Schuhindustrie. Der Vorsitzende. Wallerstein.
Hersfeld, den 1§. April 1917.
Der von der Gemeinde Niederaula angekaufte Zuchtbulle, Simmentaler Raffe, 15 Monate alt, gelb- schäck ist von der Körungskommission für zuchttauglich befunden worden. I. A. No. 3945.
Der Vorsitzende des KreisansschuffeS.
I. B.
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
Bekanntmachung.
Die durch den Krieg herbeigeführte Steigerung der Baustoffpreise und Löhne hat zur Folge, daß die Versicherungsnehmer im Falle eines Brandes Schaden erleiden, da naturgemäß die Schätzungen der Versicherungswerte, welche der Schadensberechnung zu Grunde gelegt werden, nach den geringeren Friedenspreisen bemessen sind. Die Hessische Brandver- sicherungsanstalt ist bereit, zum Schutze der Versicherungsnehmer auf Antrag den gegen den normalen (Friedens)-W«rt sich jetzt ergebenden Mehrwert der Gebäude kurzlaufend zu versichern, doch behält sie sich in jedem Falle die Er ' scheidung vor. Die Höherver-
wertes,- im 6-.-_ -________________,_^.„^_ . der Brandsteuern statt. Diese Versicherung darf nicht
zu Beleihungszwecken dienen und ist zunächst auf eine einjährige Dauer, die beim Ablauf verlängert werden kann, beschränkt. Im Falle eines Brandes hat der Versicherungsnehmer den Nachweis der erhöhten Versicherungswerte zu führen. Anträge sind unter Angabe des Prozentsatzes der gewünschten Höherversicherung und unter Beifügung der Brandversicherungsscheine direkt an die Hessische Brand- versicherungsanstalt zu Caffel oder an die Landes- rentereien zu richten.
Caffel, am 6. März 1917.
Hessische Brandversichernngsanstalt.
Der Landeshauptmann. Frhr. Riedesel. * * *
Hersfeld, den 27. März 1917.
Wird veröffentlicht.
Tgb. Ro. 1. 2990. Der Landrat.
I :
v. Hedemann, Reg.-Affeffor.
Panzerautomobile, die sich nur auf gebahnten Wegen bewegen und nicht den Anspruch erheben, über Stock und Stein, womöglich Wer Berschanzungen zu klettern. Besonders häufig haben sie die Russen angewandt. Unvergeßlich bleiben aber die Heldcnstückchen deutscher Parrzerautos im Kampfe gegen die Rumänen. Räch der Ueberwindung des Szurdukpasses stieß ein Panzer- wagen bis Badeni vor. Oestlich und nördlich Badeni waren die Rumänen mit dem Bau starker Stellungen beschäftigt. Das Panzerauto überraschte ein Bataillon in Marschkolonne und mähte es in weniger als 1 Minute auf eine Entfernung von 100 Meter mit dreien seiner Maschinengewehre nieder. 300 Mann blieben tot, 150 verwundet, der Rest entfloh. Das Auto beschoß dann flankierend die im Bau befindlichen Stellungen, worauf der Feind sich schleunigst zurückzog. Ein zweites Panzerauto wachte eine kühne Erkundungsfahrt. In beut Orte Beuca waren rumänische Truppenverla- dungen festgestellt, und der Panzerwagen traf 15 Meter vor den vordersten Kavalleriepostierungen in Beuca ein. Die Bevölkerung bekränzte das Auto mit Blumen, bewirtete die Mannschaften mit Wein, im Glauben, ein russisches Automobil vor sich zu haben. Mitten in dem jubelnden empfange fuhren drei Lokomotiven in die Station ein. Diese wurden sofort mit heftigem Maschinengewehrfeuer empfangen. Die Bevölkerung stob entsetzt auseinander, und die Lokomotiven versuchten mit beschädigten Kesseln in Dampf gehüllt zu em- kommen. Das Auto überholte sie indessen und sprengte vor Unten die Gleise, so daß sie feststanden. Ein drittes Panzerauto erreichte 18 Klm. vor den Deutschen Truppen die Bahnlinie Orsova-Filiasu und führte bei Stre- Hova die befohlenen Störungen aller Signaleinrichtun- gen aus, wobei es noch ein feindliches Auto erbeutete.
(OKM.)
Vermifdites.
»Ohm.
Mr
Bus der Heimat.
* (Zur Behebung des Mangels an Kleingeld.) Bei Erörterung des Herrschenden Mangels an Kleingeld im Werte von 50 Pfg. und darunter, wurde ein in einem wichtigen Anwendungsgebiete nützliches AuskunftSmittel in der Sitzung der Handelskammer zu Berlin empfohlen und von ihr als solches anerkannt. Es handelt sich darum, daß bei den wöchentlichen Lohnzahlungen in Fabriken mit große« Arbeiterzahlen und auch bei anderen periodischen Zahlungen die fälligen Beträge nur bis zur letzten vollen Mark ausgezahlt, die überschießenden Pfennigbeträge aber für den nächsten Löhnu«gstag, oder, bei etwa vorher erfolgendem Austritt des Arbeiters, für die damit verbundene Auslohnung vorgetragen werden. Die Fabrik erspart so eine sehr erhebliche Arbeit an Beschaffung und Einzählung des Kleingeldes, der Arbeiter ist mit der Vereinfachung, die für ihn ja nur eine zeitliche Verschreibung eines geringen Teiles seiner Löhnungen bedeutet, durchaus zufrieden, und die Allgemeinheit hat den Vorteil, daß die Kleingeldmengen im Umläufe bleiben.
ie
):( Hersfeld, 24. April. (Oberbrandmeister- Jubiläum.) Am 16. April d J. waren 25 Jahre verflossen, seitdem die beiden Oberbrandmeister, die Herren Ludwig Auel und Georg Gliemeroth ihre Tätigkeit als Oberbrandmeister im hiesigen Kreise begannen. Sie haben während dieser Zeit ganz hervorragend für das Feuerlöschwesen ihrer Bezirke gewirkt und die Feuerwehren der Stadt und des Kreises Hersfeld sowie der Feuerwehr-Kreisverein sind ihnen zu großem Dank verpflichtet. Möge es ihnen vergönnt sein, noch recht lange an der Spitze d 5. Oberbrandwehrbezirks zu stehen.
des 1. un
Eine Schaffnerin aus Göttingen n Bahnhof beim Ucberschretten
Seite, 22. April. E wurde auf dem hiesigen . . . der Geleise vonE--"' Maschine erfaßt und
gebracht.
Wordis, 23. April. Wegen eines Tollwutansalles wurde hier die Hundesperre verhängt. Ein zugelaufener Schäferhund hatte nämlich in Breitenworbis und Kirchworbis etwa 25 Personen angefallen und gebissen. Als er in der Klostermühle einer GanS das Lebe« nahm, ereilte ihn sein Schicksal. Eine Anzahl der Gebissenen muß sich einer Schutzimpfung unterziehen.
Fulda, 23. April. Einen merkwürdigen Fund machte der Landwirt Kerr aus Simmershausen. Als er seinen Heuboden betrat, fand er in das Heu <tn- gewickelt eine männliche Leiche. Die Untersuchung ergab, daß es sich um den im Januar aus der Strafanstalt Wehlheiden entwichenen Zuchthäusler Springer handelt, der wahrscheinlich infolge der herrschenden Kälte erfroren ist.
Maiuz, 28. April. Mit 83 Jahren wieder sehend geworden ist in Gau-AlgesHeim (Rheinhessen) die Witwe Barbara Niederberger, die in früheren Jahren erblindet war.
Kampf um „Kultur und Gerechtigkeit" in Hren samt gen Hilfsvölkern gesunden haben, erhellt aus einer Ge» richtsverhandlung, die neulich vor den Pariser Geschwo. renen stattfand. Angeklagt war ein ArWer aus Con- stantine namens Ali ben Said, der zusammen mit ein« Anzahl Landsleute in einer französischen Munitionsfabrik arbeitete. Als ihm der eine der Kameraden ein Handwerkszeug, das er gerade brauchte, nicht rasch genug überlassen wollte, streß ihm der temperamentvolle Araber dreimal sein Messer in den Leib, sodaß der Unglückliche in wenigen Ginnten eine Leiche war. Aus die Frage des Borsitzerrden, ob er die Tat bereue, antwortete der arabische Gemütsmensch einfach: „Ich be- daure nichts, ich pfeife Überhaupt auf Eure ganze Justiz. Ich wollte ihm den Kops abschneiden, um ihn zu köchen." find während der grinsende Schwarze seine weiße« Zähne fletschte, fuhr der Dolmetscher in feiner Ueber« setzung fort: „Ich Hütte gar zu gern ein Stück davon gegessen." Nichtsdestoweniger billigten die weißen Ge- ichworenen dem farbigen Bundesbruder, der sich trotz der französischen Erziehung zur Zivilisation leider ein wenig vergessen hatte, urildernde Umstände zu, und so kam der brave Ali ben Said mit fünf Jahren Gefängnis davon.
Die Frauen im Urteil berühmter Männer. Einst wurde der griechische Philosoph Aristippos von einem feiner Schiller gefragt, wie die Frau beschaffen sein müsse, die zu betraten er einem Manne empfehlen würde Aristipp antwortete: „Ich kann zu keiner bestimmten Art von Kran raten. Ist sie schön, so wird sie dich be- trügeu. ist sie häßlich, so wird sie Dir mißfallen. Ist sie arm, so wirb sie dich ruinieren, und ist sie reich, so wirst du ihr Sklave sein. Ist sie klug, so wird sie dick verachten, ist sie aber dumm, so langweilt sie dich zu Tode." - Napoleon der Große bewunderte die Frau so febr daß er einst den Ausspruch tat: „ES gibt Frauen, die nur einen Fehler haben, nämlich den, daß sie kein Mann sind." — Jean Paul hat über die Frauen gesagt: „In schlimmen Stunden ist gewöhnlich die Frau der «inztge Freund des Manues."