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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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für den Kreis Hersfeld

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Nr. 135.w'" BezÄ^ Freitag, den 1. Juni

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Amtlicher Te».

Bekanntmachung.

Das diesjährige

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für die im Kreise Hersfeld wohnenden zeitig aner­kannten Militärrentenempfänger, Invaliden und Unterstützungsempfänger findet vom 18. bis 20. Juni im hiesigen Bezirkskommando statt.

Die Beteiligten erhalten hierzu noch einen be­sonderen Gestellungsbefehl.

Hersfeld, den 24. Mai 1917.

______Königl. Bezirkskommando.

Hersfeld, den 24. Mai 1917.

Meldungen zum Hilfsdienst

Nach dem Gesetz über den vaterländischen Hilfs­dienst erstreckt sich die Hilfsdienstpflicht auf alle männ­lichen Personen im Alter von 17 bis vollendetem 60 Jahre. Es fallen somit hierunter auch die im Jahre 1900 geborenen männlichen Personen.

Zur Herbeiführung einer Kontrolle über dieselben «erden alle in der Zeit vom 1. Januar bis einschl. 31. Dezember 1900 geborenen männlichen Personen hiermit aufgefordert, sich innerhalb acht Tagen bei der Ortspolizeibehörde ihres Wohnortes zum Eintrag in die Listen zu melden.

Die Herrn Ortsvorstände des Kreises haben die sich Meldenden alsbald in die Listen aufzunehmen, und zwar unter Benutzung -es Formulars zu den Landsturmrollen.

Sämtliche Listen sind mir bis spätestens zum 10. Juni ds. Js. einzureichen. Hierbei ist mir mitzu- teilen, daß alle Verpflichteten zur Anmeldung ge­kommen sind.

I. M. Nr. 4711. Der Landrat.

J. V.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 26. Mai 1917.

EU1!

An die Herren Bürgermeister des Kreises.

Ich erinnere an die Berichterstattung über die in den Gemeinden vorhandenen Eierversorgungsbe- rechtigten Personen mit Frist bis spätestens zum 5. k. Mts.

Der Vorsitzende des Kreisansschusses.

J. A. No. 5255. ' I. V.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 25. Mai 1917.

EimnachtMer.

Dem Kreise Hersfeld ist eine gewisse Menge Zucker zu Einmachzwecken zur Verfügung gestellt. Alle diejenigen, welche Einmachzucker zu beziehen wünschen, werden ersucht, Bestellungen hierauf bei der zuständigen Ortsbehörde, in Hersfeld bei der Polizeiverwaltung zu machen. Es wird schon jetzt darauf hingewiesen, daß die zur Verfügung stehende Menge nicht zur vollen Befriedigung aller Be­stellungen ausreichen wird. Daher muß jeder bei der Bestellung nur den unumgänglich dringlichsten Be­darf angeben. Bestellungen, die im Verhältnis zur

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Aus dem-.-- ----- ......,,.,--------

Dos Auto rollt in den Frühling hinein.

Das taktmätzige Hasten des Motors übertönt das dumpfe regellose Knurren, das aus der Ferne heran- schnüllt von dorther, wo nun abermals, wie während des vergangenen Kriegsjahres, eine doppelte Dauer­schlacht brandet, dem aufgeregten Wogen zweier sturm- zerwühlten Meere gleich, die in regelmäßigen Zwtschen- räumen flutariiq emporschuellen und bann zurücksin- lend verebben. Die Nordschlacht zwischen Arras und Lens steht unter Leitung des Kronprinzen von Bayern. Oberkommandierender der deutschen Soissons Reims Champagnefront ist, der jetzt zu feinen Kämpfern - fährt der Erbe der deutschen Kaiserkrone. _

Ungeheuerlich wie dieser ganze wellmmpannende Krieg in seinen Abmessungen ist auch der Befehls- und Wirkungsbereich

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, tm / amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Psg. Bei Wieder- s holungen wirb Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags, i

1917

Größe des Haushalts unverhältnismäßig hoch er­scheinen, werden vorweg gekürzt. Alsdann wirb eine Kürzung sämtlicher Bestellungen nach gleichem Pro­zentsatz insoweit stattfinden, als die vorhandene Menge Zucker dies erforderlich macht.

Die Bestellungen sind bis zum 10. Juni spätestens unter Angabe der Anzahl der zum Haushalt gehörigen Personen zu machen.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher und die Polizeiverwaltung in Hersfeld werden er­sucht, die erforderlichen Listen- aufzustellen und bis zum 15. Juni dem Landratsamt einzureichen.

Tgb. No. I. 5442. Der Landrat.

A V.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 25. Mai 1917.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises werden an die Erledigung meiner Ver­fügung vom 25. April 1917 O. 4394 betr. schätzungsweise Angaben der Mengen Obst, die in den Jahren 1914, 1915 1916 geerntet worden sind, er­innert. Bericht erwarte ich bis zum 5. Juni d. J. bestimmt.

Tgb. No. i. 5568. Der Landrat.

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

No. 298. Schweigepflicht der Hilssdienstpflichtigen

Auf Grund des Artikels 68 der Reichsverfassung in Verbindung mit dem § 9 b des Preußischen Ge-

Fortsetzung aus der 4. Seite.

tenyerz, ein Kameradenherz.

Ein kurzes, feldmäßiges Frühstück, eingenommen wird, unterbricht für ei

', das im Steher

eine Viertelstunde

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inmitten die allznkleinen Flächen, die unser Feldgrauer in seinen Ruhestunden zwischen bett Schlachten zu be­bauen vermochte, die zerbröckelnden Ruinen der Dörfer, die in den Kämpfen unseres Vormarsches verloder

len. Wenn Anno

.Siebzig der Oberste Kriegsherr sind fern Generalstab von Versailles aus ein paar Provinzen Frankreichs un­ter kriegerischer Verwaltung und Befehlserteilung hrel- ten - heut umspannt Blick und Wille des kanerlrcheu Oberfehlshabers und der Oberiten Heeresleitung die Kämpfe in drei Weltteilen, die polit uhen und militä­rischen Vorgänge rund um den Erdball. All diese gigan­tischen Fabelgebilde, diese modernen Gotterdammernn- Ju die sich heute Schlacht nennen, stehen m ständigem Zusammenhang mit dieser Zentralstelle, stehen unter ihrer "eituna. Und jede von ihnen hat einen zweiten großen Mittelpunkt: die Geschäftsräume des Oberkom­mandierenden der Heeresgruppe, an deren Front diese Schlacht sich abspielt. Hier, tu verhältnismäßig großer räumlicher Entfernung von den kriegerischen Ereigttis- sen selber, werden all die verantwortungsschiveren Ent- chlüsse gefaßt, deren Aussührrnig die Hunderttaniende da vorne in Bewegung setzt, sie hier wider den Femd wirst, dort in zäher Gegenwehr erstarren heißt. Ge­schäftszimmer, Karte, Fernsprecher das ist Schauplatz uild Rüstzeug moderner Feldberrutatigkeit... Wie herb, wie iiüchtern das alles, gemessen an Bildern und Begrrf- en der Vergaugeitheit: noch Napoleon und Wellington konnten einander durchs Fernrohr persönlich erkennen während der sieben MÄmiitagsstunden, innerhalb de­ren damals eine Schlacht das Sihickml bei Welt eitt-

'^^Die Bolksphaniasie vermag dies veräilderte, ernüch­terte Bild des Feldherrn der Gegenwart noch nicht recht zu verarbeiten. Sie klammert sich an Vvlstcllullgen aus h V^nrAeit unb sieht auch den deutschen Kronprinzen & an der Spitze attackierender Kavalleriegeschmaöer, W sst einstnmls der Große Kurfürst /.isührem dn^ Stahn Wi dieser nicht gar zu sehr die feindlichen Säbel nnd Kartätschen auf den Mann zöge, der Landes­kater! Kriegsherr,^^Schlachtenlenker' und Reitergeneral in lickster «rlensfdimers. Seiner beweftuttk-froben Reiter- Natur würde diese REe aus dem Museum ^r Kriegs- vier wüst und Telephonklingel einer modernen Führer-

^Ersatz ein recht bescheidener, für dies höchste Soldatenglück sind ihm seine Frmitsahrten Sie gestatten thut, die Scharei,, die sein Befehl ordnet und leitet, we­nigstens z>i sehen zn sehen, zu grüßem-chnen^M. ban- kcii nach fiegreichen Kämpfen, nach Prüflingen voll krieaszerfresiene Gefilde, die endlosen Brachfelder und

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Kämpfen um Berdun. Hier rastet der Stab einer Divi­sion, die Schiverstes erduldet, Höchstes geleistet schon in unzähligen heißen Schlachten, und die vor wenigen Ta­gen erst an der Aisne dem ersten ivilden Anprall der Franzoserr Trotz aeboten mtb ihre vorderste Linie bis auf das letzte Grabenstück behauptet hat, während rechts und links der feindliche Einbruch unsere Stellungen bis in drei Kilometer Tiefe überflutet hatte. Es darf verraten werden, daß es eine schlesische Division ist.

Der kronprinzliche Besuch kommt nicht ganz un­vorbereitet Nild doch überraschelid. Der Kronprinz wünscht keinen vorbereiteten Empfang. Es ist Zufall, wirklich nnd wahrhaftig nur Zufall, daß die Komman­deure der felbftäubigen Verbände gerade beim Drm- sionskommändeur zu einer dienstlichen Besprechung versammelt sind. Teiln der hohe Besuch ist der Division zwar angekülidigt, aber mit einem Splelranm von meh= reren Tagen und vollends ohne Angabe einer Stnnüe was ja anch gang undurchführbar wäre für den Filh- rer einer Heeresgruppe, der sich nur von seiner Befehls­stelle entfernen kann, wenn der Tagruhig" und der Feind so rücksichtsvoll ist, von dem deutschen Feldherrn keine unaufschiebbaren Entschlüsse zu verlangen. Es ist also, nicht nur in der höfischen «vrache nnLgedrnckt, sondern in wirklichster Wirklichkeit, ein glückliches Zn- sammentreffen, das es den sturmHewahrten Führern der abgelöslen 9kgiuienter ermöglicht, dem Oberbeiehls- Haber selber ins Ange zu schauen und zu berichterr. Und da gibt es beirrt ein schnelles, fesselndes Erzählen, ein verständnisvolles Lauschen und Fragen, ein anlschtutz- reiches Belehren.

Sie freuen sich alle dieses Glückszufalls, die Führer ruhmgefröiiter Berbälide. Einer aber strahlt: «eine Exzellenz der Divisionskommandeur. Denn ihn hat bie Hand des Hvchstkvmmandierenden soeben mit dem blauen Stern Friedrichs des Großen geschmückt, beu all­zu treu ungehaltene Ueberlieferung noch immer mit einem welschen Namen benennt.

Und halb werden noch andere strahlen: andere Glückliche, nnd die sind nicht ganz unvorbereitet. Eine kleine Anzahl der SURttapferften, Allerbewährtesten aus der Schar der Offiziere und Maiinschaften hat der Dun- sionsstab für die Tage, innerhalb deren der kronprinz­liche Besuch in Aussicht gestellt ist, ins Stabsquartier kommandiert, damit sie sofort zur Stelle seien.

Da stehen sie aufgereiht, ganze sieben: ein strammer rothaariger Leutnant und Führer eines Maschinenge­wehrzuges, ein Unteroffizier, ein Gefreiter: diese drei, denen schon seit langem das schwarzweiße Band um das zweite Knopfloch sich windet: sie sollen die heiß ersehnte Erste Klasse auf das tapfere Herz geheftet bekommen. Und dazu drei Musketiere, ein Kanonier: ihnen wird für besonders wackere Erstlingstat das Eisenkreuz der zweiten Klasse, das in diesem langen, schweren Kriege so vielen Bewäb. en n.u Neben nerben durfte. Daß fiele vier es aus des Armeejübrers Hand empfangen, ist ve- sondere Gunst des Verdienstes nicht minder als des Glücks, wie letzten Endes jede Auszeichnung, die nicht jeden Würdigen treffen kann und oft an dem Be­scheidenen oder Ungewandten vorüberünscht. . . .

Was diese Sieben in schlichten Jurten erzählen, be­weist: wenn sie gewiß besonders Glückliche sind - be­sonders Würdige sind sie ebenso sicherlich.

Wie aber der Kronprinz mit ihnen spricht, sie aus- fragt, sie belobt, das läßt beu stillen Beobachter erken­nen: in seiner Brust schlägt ein Führerherz, ein Solda-

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Gelände. In aller Eile sind die in unmittelbarer ach- barschaft untergebrachten Bataillone alarmiert worden, während der Armeeführer ihrer schon harrt. Froh ge-

während der Armeeführer ihrer schon harrt. Froh ge­spannt blitzen der trotzigen Sturmgesellen scharfe Augen, die vor wenig Tagen noch über Korn und Kimme visie­rend dem anstürmenden Feind entgegengeslammt unt der harten Faust, der todbringeriden Kugel die Richtung gegeben.

Exerzierplatzmäßig stramm stehen die erstarrten Fronten, ruckhaft fliegen die Köpfe unterm zerveulten Stahlhelm nach rechts. Es ist der Drill, welcher ihnen die Festigkeit verlieh, die das Ausharren im elastischen Kampf ermöglichte. Sie haben das Kriegshandwerk ge­lernt: die Alten, die Stützen unter ihnen, Haben s sogar im Frieden, das heißt gründlich und regelrecht gelernt,' so konnten sie den jungen, kriegsmäßig ausgebildeten Kameraden Vorkämpfer sein, auch wo den Kompagnie­chef, den Zugführer die Schlacht verschlungen hatte.

Es sind Schlesier, es sind, wie der slawische Tnpus, die schweren Kehllaute ihrer Antworten verraten, über­wiegend Männer polnischen Stammes, die hier ihr pracht­volles Wort von der Somme wieder mal wahr gemacht haben:Kaezmareks lassen keinen durch'."

Und es ist eine Freude, den kurzen Wechselreden znznhören, mit denen der Kronprinz seine grauen Jun- gens begrüßt ihre oft selbstbewußten, oft befangenen, in ihrer bald schwerfälligen, bald kernhaften Naivität, jetzt belustigenden, jetzt ergreifenden Antworten zn er­lauschen.

Nun stellen sich die Kompagnien im Geviert, die- weil der Kronprinz und sein Gefolge, vier Herren mir sind's, zwei Adjutanten, ein feldgrauer Poet und ein Malersmann in Bürgertracht, sich mit den Stäben in die Mitte begeben.

Stillgestanden! Augen rechts!" Der Kronprinz spricht. _

bem Regiment, der Division für ihr treues Ausharren. Irr eurem Kommandeur, den ich auf Befehl Seiner Majestät des Kaisers und Königs mit dem höchsten Kriegsorden schmücken durfte, habe ich euch alle ehren wollen. Und mancher eurer Kameraden wird sogleich

Er dankt dem Bataillon,

aus meiner Hand das Kreuz von Eisen als Loh! fangen, den ihr alle verdient, den die Bewährtesten von euch tragen sollen. Als rechts und links der Feind durchgebrochen war, hat die Division, habt ihr, Kame­raden, standgehalten, und damit seid ihr das eiserne Rückgrat eures ganzen Frontabschnittes geworden. Da­für dankt euch euer Oberster Kriegsherr, dankt euch die Heimat durch mich!"

Und dann Parademarsch, unvorbereitet auch er, tu Grupvenkoloune auf dem räderzersurchten Landweg. Wenn die derben Kommißstiefel zur frischen Schmetter- weise der Regimentskapelle taktfest aufhauen, dann spritzt hochauf der aprilnasie Lehm, dem Oberkvmman- öierendell ins lachende Koldatengeficht. Und dann zuckt es auch um die Mundwinkel der bronzebrcmnen Jugend- gesichter mit den harten, Hellen Augen. Eine Lust, zu- zuschauen.

Eine Lust auch, solches zu erleben für den Krie- Sber aus heißen Schlachten kommt zu allzukurzer t. Er weiß: der Mann, der heute mir dankt, mich mit dem Etseukreuze schmückt, wird mich morgen aufs neue in Graus und Not, vielleicht in Qual und Tob schicken. Aber vertrauensvoll schaut er zu ihm aus. Er weiß: wenn er die Kaiserkrone verteidchr. schützt er M? Vaterland, dessen Gleichnis und Mbecmn sie ist.

in emp-