Amtlicher Anzeiger
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Weiher
für den Kreis Hersfeld .
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Nr. 161. w.b™,.^ Freitag, den 13. Juli
1917
Amtlicher Teil.
Bekanntmachung
Nr. G. 287/5. 17. K. R. A. betreffend Beschlagnahme von Kautschuk-
Gummi-) Mkarddande.
Vom 25. Juni 1917.
Nachstehende Bekanntmachung wird auf Ersuchen des Königlichen Kriegsministeriums hiermit zur allgemeinen Kenntniß gebracht mit dem Bemerken, daß, soweit nicht nach den allgemeinen Strafgesetzen höhere Strafen verwirkt sind, jede Zuwiederhandlung nach § 6 der Bekanntmachung über die Sicherstellung von Kriegsbedarf in der Fassung vom 26. April 1917 (Reichs-Gesetzbl. S. 376)*) bestraft wird. Auch kann der Betrieb des Handelsgewerbes gemäß der Bekanntmachung zur Fernhaltung unzuverläßiger Personen vom Handel, vom 23. September 1915 (Reichs-Gesetzbl. S. 603) untersagt werden.
§ 1.
Bon der Bekanntmachnng betroffene Gegenstände.
Von dieser Bekanntmachung wird betroffen alle gebrauchte und ungebrauchte Kautschuk- (Gummi-) Billardbande in vulkanisiertem und unvulkanisiertem Zustande, und zwar ohne Rücksicht darauf, ob sie sich in Billarden oder Teilen von Billarden befindet oder nicht.
§ 2.
Beschlagnahme.
Die im § 1 bezeichnete Billardbande wird hiermit beschlagnahmt.
§ 3.
Wirkung der Beschlagnahme.
nähme von Veränderungen an den von ihr berührten Gegenständen verboten ist und rechtsgeschäftliche Verfügungen über sie nichtig sind. Den rechtsgeschäftlichen Verfügungen stehen Verfügungen gleich, die im Wege der Zwangsvollstreckung oder Arrestvollziehung erfolgen. Trotz der Beschlagnahme sind alle Veränderungen und Verfügungen zulässig, die mit Zustimmung der Kriegs-Rohstoff-Abteilung des Kgl. Preußischen Kriegsministeriums erfolgen.
* Mit Gefängnis bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis zu zehntausend Mark wird, sofern nicht nach allgemeinen Strafgesetzen höhere Strafen verwirkt sind, bestraft: *
1.............
2. wer unbefugt einen beschlagnahmten Gegenstand beiseiteschafft, beschädigt oder zerstört, verwendet, verkauft oder kauft oder ein anderes Ver- äußerungs- oder Erwerbsgeschäft über ihn ab- schließt,'
3. wer der Verpflichtung, die beschlagnahmten Gegenstände zu verwahren und pfleglich zu behandeln, zuwiderhandelt;
4. wer den nach § 5 erlassenen Ausführungsbestimmungen zuwiderhandelt.
Der Sturm anf den Widers
am 27. Mai 1917.
Bon militärischer Seite wird uns geschrieben: , , der Aprilmitte hatte der Franzose seme Dwi- sionen von der alten Römerstraße, die Reims und Chw Ions verbindet an deil Fuß der Berge vorgeschoben. Mit der reckten Tatze seines Heeres wollte Nivelle die Bergstellungen zerschlaaer^ in die Ebene ein- breckenddie Festung Reims von der umklammernden deutschen Faust befreien All die enttäuschte Wut, die von den Eraonner Höhen, vom Aisne-Kme und von üe" eisernen Brust des Brimont zurückprallte, sammelte Moronvillers. Die Brandenburger aber stürzten die feindlicher! Stnrmwcllen, sobald ste sich auf den Hangen angeklammert hatten, immer wieder hinab.
Allmählich wurden die Berge von Sml Granaten abgeschoren, die Stämme standen kahl ^vie Streichhölzer, schließlich sah man nur noch hier und da ein Bürstchen von Hölzern Am letzten Apriltage brandeten dann j»Tmv»
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ie zurück. In :en rüstete der
lich den Besitz des Cornillet und des .iteilbeig^ dem Pöhlberg aber klammerten sich noch immer schwäbische Kompagnien dicht an die Kuppe und ^"Wendem fürchterlichen, bet Tag und Nacht nicht aussetzenden Feuer.
Da erlaubte der deutsche Armeeführer den Airgriff M.f den Pöhlberg. Er erlaubte ihn. Nur ein alter
auf den Pöhlberg. Er erlaubte ihn. Nur ein alter Stampfer des Westens wird verstehen, daß ein Sturm nicht nur befohlen, sondern auch erlaubt werden kann. Nur die Männer, die tagelang in Kochern gekauert und ihre Leiber vor Eisen und Gas gedeckt haben, empfinden das Glück, stürmen zu dürfen und dem unsichtbaren Feind auf die Schultern zu springen. Das ist nicht die Ungeduld der weise gezügelten Truppe, sondern der
§ 4.
Gebrauchs- nnd BeräntzerungSerlaubnis.
Trotz der Beschlagnahme ist die Benutzung der Billardbande in Billarden zum Zwecke des Sptelens erlaubt.
Ebenso ist trotz der Beschlagnahme die Veräußerung und Lieferung von Billardbande gestattet, sofern sie als Bestandteil eines Billards oder zur Ausbesserung eines Billards veräußert oder geliefert.
Das Herausnehmen der Billardbande aus Billarden oder Teilen von Billarden sowie die Veräußerung oder Lieferung der herausgenommenen Billardbande oder von Billardbanden in Teilen von Billarden ist nur mit ausdrücklicher Einwilligung der Kriegs-Roh- stoff-Abteilung des Königlich Preußischen Kriegsmini- steriums zulässig.
§ 5.
Anfragen und Anträge.
Alle Anfragen und Anträge, die diese Bekanntmachung betreffen, sind an die Kriegs-Rohstoff-Ab- teilung (Sektion G) des Königlich Preußischen Kriegsministeriums in Berlin SW 48, Verl. Hedemannstraße 10, zu richten und am Kopf des Schreibens mit der Aufschrift „Betrifft Billardbande" zu versehen.
§ 6.
Inkrafttreten.
Diese Bekanntmachung tritt am 25. Juni 1917 in Kraft.
Caffel, den 25. Juni 1917.
Der Stellvertretende kommandierende General
des 11. Armeekorps.
von Kehler,
General der Infanterie.
Hersfeld, den 10. Juli 1917.
Die Fleischabgabe in den Metzgereien in Hersfeld
Sonnabend auf die Zusatzkarte mit 250 gr.; Kinder unter 6 Jahren erhalten die Hälfte. Außerdem dürfen die Fleischmengen auf die Bezugsscheine der Gastwirte pp. und auf die Krankenkarte, sowie Wurst anf die Reichsfleischkarte mit 125 gr., (Kinder die Hälfte) abgegeben werden.
Der Fleischverkauf auf die Reichsfleischkarte erfolgt mit 60 gr. (Vz für Kinder) am Montag nächster Woche.
In den ländlichen Schlachtbezirken erfolgt die Fleichschabgabe nur auf Zusatzkartcn mit 250 gr. für Erwachsene und die Hälfte für Kinder. Nach Befriedigung der Zusatzkarten darf auch auf die Reichsfleischkarte 60 gr. Fleisch verabfolgt werden, jedoch nicht mehr als 210 gr. pro Familie.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
J. B.:
v. Hedemann, Reg.-Assessor." y
Hersfeld, den 12.^Juli 1917.
Betrifft:
Ausstellung der Hebeliste. 3
Den Herren Ortsvorstehern habe ich heute die Gemeindesteuerlisten per Post zugehen lassen, und
tief verbissene Grimm des duldenden Menschen, der einen Ausbruch sucht.
Seit Tagen schon arbeitete die deutsche Artillerie auf dem Pöhlberg. Unsere Flieger lenkten die schweren Granaten auf die Unterstände und Maschinengewehre.
In der vierten Morgenstunde des 27. Mai weckten die deutschen Votierten die französischen Kanoniere auf. Bald hatte sich eine tödliche Gaswolke über die feindlichen Batterienester geballt. Die Schwaben und die Auserlesenen vom Sturmbataillon lauerten schon in den Trichtern der Ausgangsstellung. Da zischten die grünen Alarmraketen der Franzmänner hoch. Matt regten sich die betäubten Franzosenbatterien: weit hinter unseren Sturmtrupps klatschten und krachten ein paar Dutzend Schüsse ein. Nun begann die deutsche Artillerie ihre Zerstörungsarbeit. Schuß auf Schuß stürzte sich in die Gräben der Franzosen. Unsere Sturmtruppen duckten sich, und mit arimmigem Vergnügen horchten sie auf die Eisenwellen, die knapp über ihren Nacken hinweg auf den Feind sausten.
Von 8 bis 9 Uhr raste das Trommelfeuer über die Schwaben hin, die schweratmend, zwei Sack mit Handgranaten um den Hals, Gewehr auf dem Rücken da- lagen und lauerten. Noch klappert hier und da ein feindliches Maschinengewehr, um zu zeigen, daß es noch nicht tot sei, aber dann wurde es ganz, ganz still drüben.
Um 9 Uhr »nachte die letzte deutsche Artilleriewelle einen weiteren Sprung nach vorn, und mit einem Satz erhob sich die Sturmwelle und rannte hinüber. 31m Osthaug sprang die linke Flügelkompagnie ins Frau- zosemlest, früher ein mit Mitrailleusen gespicktes Boll- werk, jetzt ein Hausen Erde mit Trümmern und Leichen. Aus den verschütteten Löchern krochen die halbtoter» Besatzungsleute. Ohne viel z»l wimmern, begaben sie sich in die deutschen Gräben und verschwanden. Für die Schlvaben aber hieß es, über die Höhe hinauszustürmen, unter einem sausenden Dach von deutschen Granaten. Da regten sich links im Grunde Maschinengewehre. Schnell hinlegen, einbuddeln und Schützenfeuer! Am rechter» Flügel war ein tückisches Maschinengewehr am Osthang des benachbarte»» Keilberges lebendig geblieben
ersuche dieselben, sofort danach die Hebeliste aufzu- stellen. Bis znm 20. d. Mts. spätestens müssen die Gemeindesteuerlisten unbedingt wieder bei mir eingegangen sein, da sie hier noch dringend benötigt werden.
Die Staats-Steuer-Rollen werden den Herren Ortsvorstehern Ende dieser Woche zugehen.
Der Vorsitzende
der Einkommensteuer-Veranlagungskommission.
Nr. 1562 St. I V.:
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
(Fortsetzung auf der 4. Seite.)
Bus der Heimat.
):( Hersfeld, 12. Juli. (Schwefelsaures Ammoniak für Winterraps und Winterrübsen.) Um den Anbau vou Winterölfrüchten zu fördern, wird der Kriegsausschuß für Oele und Fette soweit die Bestände reichen, denjenigen Landwirten, welche die Verpflichtung übernehmen, im Sommer bezw. Herbst dieses Jahres Raps- oder Rübsen anzubauen, die Lieferung von 80 kg. schwefelsaures Ammoniak auf jeden ha, der mit Raps oder Rübsen bebaut wird, vermitteln. Landwirte des Regierungsbezirkes Caffel, welche Ammoniak für den genannten Zweck beziehen wollen, müssen sich unter Angabe der mit Raps oder Rübsen zu bebauenden Fläche an die Landwirtschaftliche An- und Verkaufsgesellschaft „Hessenland" in Caffel, Kurfürstenstr. 12, oder an die Firma L. Strauß Söhne in Kirchhain wenden.
):( Hersfeld, 12. Juni. Mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde: Kanonier Konrad Schmidt, 22. Res.-Feldartillerie-Regt. 3. Batterie.
Zeit: Erste Ernte, wenn die Brennessel zu blühen beginnt.
(Ende Juni bis Mitte Juli), zweite Ernte im Oktober.
Höhe der Pflanze: Etwa 80 Zentimeter.
Abschneiden: Dicht an der Erde nicht ausreißen.
Planzen glatt nebeneinander legen, nicht knicken.
Entfernung von Gräsern, Taubnessel (weiße Blüten) und sonstigen Unkraut.
Bortrocknen: Auf dem Felde, dem Schulhofe, der Wiese, auf Sand usw.
bei feuchter Witterung wird empfohlen, das Vor- ] trocknen in bedeckten aber gut gelüfteten
' Räumen vorzunehmen. —
Nachtrocknen: Auf der Tenne, auf dem Boden, in Schulräumen usw.
Wenden: Oft und vorsichtig, die Stengel müssen so trocken werden, daß die Blätter von selbst abfallen.
Bündeln: Wie Getreide. Jeder Bündel etwa 10 Pfund schwer.
Abliefern: An die Sammelstelle Hersfeld.
Sammeln der abgefallenen Blätter (gut getrocknet aufbewahren, nahrhaftes Viehfutter.)
Preis: für 100 kg. völlig getrockneter blätterfreier, Nesselstengel M. 14— frei Sammelstelle.
l und ratterte wie toll aus der Flanke. »tun schoben fid i die Gruppen nach der Mitte zusammen und tiefen mi ’ dem Zentrum gegen die Bergkuppe an. Nirgends Wider ! stand mit der blanken Waffe: ein Schrei in einen Heil' ; gebliebenen s-tollen genügte, und die Franzmännei ■ krabbelten heraus und hüpften, als müßte es so sein i in die deutschen Linien. Ein Offizier versuchte seine I Leute anzufeuern, vergebens: er erschoß sich. Oben auj dem Berg öffnete sich das weite Tal vor den Angreifern.
L Im Grunde stand ein altes deutsches Blockhaus, daran : K.mmerten sich die französischen Bereitschaften, »ni Wäldchen dahinter tummelten sich Trupps zum Gegen- stoß. Untere erste Welle war schon weit über die befohlene Linie vorgeschossen, nun hieß es, sich eingraben und deii Feind erwarten. Verbindung nach rechts und lmks war das Wichtigste, und rasch die mitgeschleppten Mamsiuengewehre aus die Punkte eingerichtet, wo der- Feind anlanfen mußte. Die vergaste»! Franzvsenbatterien gaben nur ein mattes Sperrfeuer. Rechts am
i Keilberg knatterten Gewehre und dumpfe Handgrana- ! ten. Die Thüringer, die von drüben den Angriff der Schlvaben beobachteten, hielt es nicht »liehr in den Gräben, sie nahmen ohne Befehl die feindlichen Stellungen.
Zweimal lief der Feind am Vormittag gegen den Berg an. Stehend freihändig feuerten die Ä-chwabeu. Das Mittlere Bataillon verlor seinen alten, geliebten Führer. Der Nachmittag glühte über erbitterten @iit= zellümpfen: erst mit der Dämmerung kam die Ruhe. Um dem flankierenden Feuer zu entgehen, legten die erfahrenen Kompagnieführer die endgültige Linie dicht hinter dem Höhenkamm fest.
Ueber 300 Gefangene wurden eingebracht. Die Beute ve^ug 5 Maschinengewehre, 10 automatische Ge- wehre, 1 Grabengeschütz. Die Gefangenen waren vültic entnervt. „Lieber Selbstmord begehen, als nochrnai solche Stunden erleberl!" sagte ein Leutnant. Mehr als die Hälfte des Besatzung war den deutschen schiveren Kalibern,zum Opfer gefallen, die die detonierten Unter- stände wie Glas zertrümmert hatten. Es waren Süd- franzosen, junge, kräftige Burschen, aber so zermürbt daß sie bis zur Nacht die gebotene Nahrung verweh gelten.