Hersfelder Tageblatt
Hersfelder Kreisblatt
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post bezogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld.
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
: Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im : amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zeile 40 Pfennig. Erscheint jeden Wochentag nachmittags. — Fernsprecher Nr. 8.
Nr. 23
Sonntag, den 27. Januar
1918
Kaisers Gebarlslag.
Das vierte Kriegsjahr sah unseren Kaiser oft da wo er als Soldat am liebsten weilt, mitten unter den Feldgrauen. Bald war er im Osten, bald im Westen, bald an der italienischen Front, überall dankend und anfeuernd. Weite Reisen unternahm er zu dem Zwecke die Bande zwischen den Mittelmächten noch enger zu knüpfen. Der Bosporus sah Deutschlands Kaiser, und der Orient bekam durch ihn einen neuen Begriff von deutscher Macht. Eine Arbeitslast liegt auf unserm Herrscher, wie wohl selten je auf einem Bolksführer Seine Zeit gilt dem Heere, das da draußen ficht, und dem Heer, das da drinnen arbeitet und darbt.
Die Jahre des Krieges haben des Kaisers Haar grau gemacht und Sorgenrunen in sein Antlitz gegraben, aber hell und siegeszuversichtlich blitzt sein Auge. Er weiß, was er zu leisten vermag an der Spitze eines Volkes, wie des deutschen, umgeben von solchen Männern wie Hindenburg und Ludendorff, gestützt aus ein festes Gottvertrauen und das reinste Gewissen. Wo sind die Fürsten unserer Feinde? Die Sorge der großen Zeit hat sie weggeblasen aus der Werkstatt der Weltgeschichte — allein unser Kaiser ist es, auf den die Welt als einen Fürsten blickt, dessen Wille auch der Wille seines Volkes ist, dessen Kraft sich seinem Volke mitteilt, der einer der Hauptfaktoren bei Erringung des Sieges ist. Unser Kaiser ist Soldatenkaiser mit dem Herzen des Friedens, ein Mann des Schwertes mit Gottesfurcht rm Herzen und dem Höchsten Verantwortlich keitsgefühl vor Gott, seinem Volk und sich selber. Das umcht den Deutschen davon überzeugt, daß er unter der Führung eines solchen Fürsten nur für das Recht und das Rechte kämpft.
Da Kaiser Wilhelm den Tag zum vierten Mal unter Kriegsnot begeht, an dem er das Licht der Welt erblickte, schart sich das ganze deutsche Volk zum neu-alten Gelöbnis um ihn: „Mit Gott für Kaiser und Reich!" Wie sich der Groll der Feinde am hesLMen gegen unsern .^«i^^ii^ iwwwt« werr- völlsten Besitz ansehen: Unsere fest gefügte Monarchie, unsere Hohenzollernfürsten, die immer nichts weiter sein wollten als die ersten Diener des Staates. Unser Kaiser mehr als einer seiner Vorfahren. Für seinen Kaiser, der durch seine Person und sein Werk dem deutschen Volk in seinen schwersten Kampf mit den Sieg verbürgt, Gut und Blut einzusetzen, ist der freie Deutsche bereit, wie es seine Vorfahren waren. Herrentreue gegen Mannentreue — nur so kann ein Volk groß werden, wie es das deutsche war. Wenn wir dereinst unserm Kaiser zujubeln: „Heil dir im Siegerkranz", so wissen wir alle felsenfest: er darf den Kranz mit Stecht tragen, denn er hat ihn sich verdient in treuester Aufopferung für sein Volk, da es in herbster Not war. ^Durch Kampf zum Sieg" — gegen alle Feinde Deutschlands! Gegen a.l l e!
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 23. Januar 1918.
Dem Kreise wird für den Monat Februar nur eine kleine Menge Petroleum zur Verfügung gestellt. Die Bewohner auf dem Lande müssen sich daher mit den für den Monat Januar überwiesenen Mengen Petroleum einrichten und damit sparsam umgehen.
Die Ausstellung von Petroleumbezugscheinen auf dem Landrütsamt kann nicht mehr erfolgen. Anträge sind daher zwecklos.
Die Herren Bürgermeister'ersuche ich, dies sofort und wiederholt auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen.
Tgb. Nr. i. 640. Der Landrat.
I. B.
v. H e d e m a n n, Reg.-Asseffor.
Hersfeld, den 21. Januar 1918.
Ich habe den Kaufmann Herrn Hans Guntrum in Hersfeld zum Kommissionär für die Verladung von Heu und Stroh in folgenden Gemeinden bestellt und ersuche, die in Betracht kommenden Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises dies auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen und dafür zu sorgen, daß den Anforderungen des Herrn Guntrum unbedingt und pünktlich Folge geleistet wird.
In Betracht kommen folgende Gemeinden:
Allmershausen, Aua, Ausbach, Bengendorf, Bicde- bach, Bingartes, Conrode, Dinkelrode, Eitra, Friede- wald, Friedlos, Gethsemane, Gittersdorf, Goßmanns- rode, Harnrode, Heenes, Heimboldshausen, Herfa, Heringen, Hersfeld, Hillartshausen, Hilmes, Kalkobes, Kathus, Kleinensee, Lampertsfeld, Landershansen,
Lautenhausen, Leimbach, Lengers, Malkomes, Meckbach, Mecklar, Meisebach, Motzfeld, Obergeis, Ob-rhaun, Oberlengsfeld, Oberrode, Petersberg, Philippsthal, Ransbach, Reilos, Reimboldshausen, Röhrigshof, Rohrbach, Roßbach, Rotensee, Schenklengsfeld, Schenk- solz, Sieglos, Sorga, Tann, Untergeig, Unterhaun, Unterneurode, Unterweisenborn, Wehrshausen, Widöershausen, Wilhelmshof, Willingshain, Wippers- Hain, Wölfershausen, Wüstfeld.
Tgb. Nr. 1. 811. Der Landrat.
v. Hedemann, Reg.-Asseffor. \
heute 6,2 Pfennig kostet. Die Höchstpreise für Zigaretten, den Kriegs au fsch lag eingerechnet, sind folgende: Hundert 1-Pfennig-Zigaretten kosten heute 1,80 Mark, hundert 2-Pfennig-Zigaretten 3 Mark, hundert 3-Pfennig-Zigaretten 4,20 Mark, der Preis für die 5-Pfennig-Zigarette ist oben mitgeteilt, die 7-Pfennig- Zigarette kostet 8,80 Mark und für die 8-Pfennig-Zigarette gibt es keine Preisgrenze.
* (Mehr Salz in Aussicht.) Der schwer empfundene Mangel an Salz darf nunmehr als großenteils beseitigt gelten, denn einerseits läßt die im November und Dezember vorigen Jahres groß gewesene Nachfrage nach Salz jetzt nach, andererseits sind die Salzwerke durch bessere Belieferung von Kohlen und Eisenbahnwagen in die Lage gekommen einlaufende Bestellungen etwas rascher ausführen zu können, wodurch die Versorgung mit Salz wahrscheinlich bald wieder als vollkommen ausreichend für längere Zeit angesehen werden dürfte.
* (Keine Verlängerung der Polizei- stunde zu, Kaisers Geburtstag.) Der Deutsche Gast Wirts - Verband E. V. (Sitz: Berlin N. 8) hatte den Reichskanzler gebeten, für Kaisers Geburtstag am 27. Januar dieselben Ausnahmen von der Bundesratsverordnung, betreffend die Polizeistunde, wie am Stlvestertage zu gewähren. Diese Bitte hat aus denselben Gründen, wie sie der am 22. Januar 1917 dem Verband erteilte Bescheid angibt, auch dieses Jahr abgeschlagen werden müssen.
§ Hersfelb, 26. Januar Bekleidungsstoffe in Mützenfabriken. Wie bekannt geworden ist, sollen in verschiedenen Mützenfabriken noch sehr gute Stoffe lagern, die bei der Herstellung von Ober- kleidung für Zivilbevölkerung recht gute Dienste an Oberkleidungsstoffen wäre es im höchsten Grade unwirtschaftlich, wenn derartige Stoffe zur Herstellung von Mützen verwendet würden. Die Mützenfabrikanten werden daher im vaterländischen Interesse dringend ersucht, sich bei Herstellung ihrer Waren auf andere Stoffe zu beschränken und die für Oberkleidung geeigneten zur Zuführung an die bürgerliche Bevölkerung der Kriegswirtschafts-Aktiengesellschaft Geschäftsabteilung der Reichsbekleidungsstelle in Berlin W. 50, Nürnberger Platz 1, zum Ankauf anzubieten.
§ Hersfeld, 26. Januar. (FlaggenzuKaisers Geburtstag.) Mehr als je gilt es in diesem Jahr auch äußerlich zum Ausdruck zu bringen, daß das deutsche Volk einmütig hinter seinem Kaiser steht, daß es nicht gewillt ist, den Verhetzungen unserer Feinde Gehör zu schenken und Deutschland einen Frieden aufnötigen zu lassen, der seine Zukunft nicht vor einer Wiederholung des blutigen Krieges völlig sicher stellt. Der gänzliche Zusammenbruch Rußlands, das Scheitern der Durchbruchsversuche der Feinde im Westen und die glänzenden Erfolge in Italien geben allen Grund, freudige Zuversicht zu hegen. Die Bürgerschaft wird daher aufgefordert, auch in diesem Jahre ihre Häuser zu beflaggen.
,:( Hersfeld, 26. Januar. Wie bekannt sein dürfte, veranstaltet der Hausfrauenverein an jedem Freitag nachmittags von 5^ Uhr an im Augusta Viktoria Haus Kochproben von Kriegsgerichten. Gestern hat nun die Gesundheits-Kommission die Veranstaltung besichtigt. Die Herren zeigten sich ebenso wie die anderen zahlreichen Besucher, durchaus befriedigt von dem Gebotenen und haben den Wunsch ausgesprochen, daß der Besuch der Veranstaltung sich stetig heben möge. Auch wir können den Besuch nur dringend smpfehlen. Die gebotenen Gerichte sind schmackhaft und den Kriegsverhältnissen billig angepaßt. Die Kochvorschriften sind an einer Tafel angeschlagen, von der sie sich jeder Besucher abschreiben kann. Wir raten daher sich mit Schreibzeug zu versehen.
Erfurt, 24. Januar. Dem in Niederzimmern geborenen Milchhändler Otto Schall aus Azmannsdori wurde vor demSchöffengerichtnachgewiesen, daß erMilch als Vollmilch verkaufte, die über die Hälfte Wasser enthielt. Die Frage, ob er der Milch die starke Wäfferung nicht angesehen, beantwortete der Angeklagte „Das konnt ich nicht, da ich farbenblind bin." In Anbetracht groben Verstoßes gegen das Gesetz betreffend Handel mit Milch, erkannte das Gericht auf einen Monat Gefängnis.
Frankfurt a M., 22. Januar. Die Stadt beabsichtigt, das Bad Sodenthal bet Aschaffenburg anzukaufen und zu einem Erholungsheim für skorphulöse und ftuber- kulöss Kinder umzuwandeln. Der Kaufpreis beträgt 300 000 Mark Die Herren Max und Gustav Kaufmann stellen hierzu 200 000 Mark geschenkweise zur Verfügung. Den Rest übernimmt die Stadt.
Marburg, (W.), 25. Januar. Ein im Waldecktschen gefüllter Waggon mit Hamstergut wurde auf dem hiesigen Bahnhof entdeckt. Statt in das Industriegebiet zu wandern, wurden die 15 Ztr. Hafer, 15 Ztr. Kartoffeln und drei große Schließkörbe voller Fleisch- waren hier beschlagnahmt.
Aus der Heimat.
* (Zwecklose Heiz-„Sparmittel".) Sogenannte „Heizkugeln" werden angeboten die in das Feuer gelegt werden und den Zweck hatzen sollen, Heizstoffe zu ersparen. Sie bestehen aus hart gebranntem Ton, enthalten keinerlei brennbare Stoffe uüd können günstigenfalls nur etwa so wirken, wie die Wände eines Kachelofens, daß sie einen Teil der vom Feuer erzeugten Wärme aufspeichern und langsam wieder ausstrahlen, sobald das Feuer nachläßt oder erlischt. Selbstverständlich können sie Wärme selbst nicht erzeugen, also kein Ersparnis an Heizstoffen, die irreführend zu 30 bis 50 Prozent angegeben wird, bewirken. Auf gleichen Boden wird die VertreibunKeines„Da uer brand" genannten Pulver versucht, das mit kaltem Waffer angerührt, und auf Kohlen oder Briketts gegossen, die Glut lange unterhalten soll. DasPulverbesteht, wie amtlich festgestellt ist, im wesentlichen aus Sand, Kreide, Natriumsulfat und Caput mortuum (einen unreinen Eisenoxyd), besitzt also keinerlei Heizwert und ist gar nicht imstande, Kohlen „verblüffend" (angeblich 12 Stunden lang) in Glut zu halten. Es hat den - geringen Geldwert. von wenigen Pfennigen, wird aber zum Preise von 1 Mark verkauft. Bor dem Ankauf dieser zwecklosen und übermäßig teueren „Sparmtttel" muß deshalb im Gemeinwohl gewarnt werden.
* (Erhöhungen im Gepäcktarif der d e u t s ch e n E i s e n b a h n e n.) Nach Beendigung der von den beteiligten Eisenbahnverwaltungen geführten Verhandlungen sind folgende Tariferhöhungen be- schloffen worden, die voraussichtlich am 1. April ds. Js. in Kraft treten. In dem bisherigen Gepäckzonentarif mit 14 Entfernungszonen, der beibehalten wird, tritt eine Aenderung in der Anordnung und Abstufung der Gewichtsstikfen, sowie eine Erhöhung der Gepäckfrachtsätze ein. Der künftige Gepäcktarif enthält ausgerechnete Gepäcksrachtfätze nur für Gewichte bis 100 (bisher 200) Kilogramm und Anstoßfrachten für Sendungen über 100 Kg. Im Durchschnitt tritt eine Erhöhung der Gepäckfrachten um 40 Proz. ein. Die Mindestfracht für Fahrräder, die auf Ge-. päckschein aufgegeben werden, erhöht sich von 30 Pfg. auf 60 Pf., für Fahrräder, die auf Fahrradkarte befördert werden, wird die Gebühr von 20 Pfg. auf 50 Pfg. erhöht. Für die Ausfertigung eines Anerkenntnisses bei dem Verluste eines Gepäckscheines, die bisher gebührenfrei erfolgte, wird künftig eine Gebühr von 25 Pfg. erhoben. Die Gebühr für die Aufbewahrung von Gepäck beträgt fortan für ein Stück für die ersten beiden Tage zusammen 20 Pfg. (bisher 10 Pfg.). Für die Aufbewahrung von Motorfahrrädern werden für die beiden ersten Tage zusammen 1 Mk. (bisher 75 Pfg.) erhoben. Die Beförderungsgebühren für Leichen betragen künftig bei Beförderung in Personenzügen 50 Pfg. (bisher 40 Pfg.) in Schnellzügen 80 Pfg. (bisher 60 Pfg.) für das Tarifkilometer, in beiden Fällen unter Zuschlag einer Abfertigungsgebühr von 9 Mk. (bisher 6 Mk.) für den Eisenbahnwagen. Bei streckenweiser Beförderung, teils mit Personenzügen, teils mit Schnellzügen, werden für jedes Kilometer der Schnellzugstrecke 30 Pfg. (bisher 20 Pf.) zum Personenzugsatze zugeschlagen. Fahrzeuge, die nicht im Packwagen untergebracht werden können, werden künftig auf Aufgabe als Frachtgut oder Eilgut »erwiesen, da die bisherigen Vorschriften über die Beförderung von Fahrzeugen auf Beförderungsschein gestrichen worden sind.
* Das Format der Zigaretten muß weiterhin verkleinert werden Für die Herstellung von 1000 Zigaretten dürfen vom 1.Februar ab nur 850 Gramm Tabak verwendet werden, so daß also die Zigarette in Zukunft nur 0,85 Gramm wiegen darf. Bis jetzt war die Herstellung von Zigaretten an sich noch nicht eingeschränkt. Die Zigarettenknappheit hat ihren Grund darin daß der Heeresbedarf gaüz gewaltig ist. Bei der Zigarettenfabrikation gehen 85 Prozent der monatlichen Herstellungsmasse in die Heeresverwaltung. Erst vom 25. jeden Monats ab dürfen die Zigarettenfabriken den Bedarf der Zivilbevölkerung herstellen. In normaler Zeit kostete der Tabak einer 5-Pfennig- Zigarette durchschnitlich 10 Mark das Kilo, heute 30 Mark. Dazu kommt dann aber noch der Kriegszuschlag, der für 1000 5-Pfenntg-Zigaretten 12 Mark beträgt, so daß eine S-Pfennig-Zigarette an sich schon