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Hersfelder Tageblatt

Hersfelder Kreisblatt

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: Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be- Amtlicher AMeMer - Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im : - zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei : w ,, - amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zeile 40 Pfennig. -

Hersfeld. Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld. : für den Kreis Herssetd Erscheint jeden Wochentag nachmittags. Fernsprecher Nr. 8.

Nr. 48.

Dienstag, den 26. Februar

1918

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 21. Februar 1918.

Bekanntmachung.

Vom 1. April 1918 ab erfolgt die Zahlung der Pensionen für Offiziere und Militärbeamte pp., Jnvalidenpensionen und Militärrenten sowie der Hinterbliebenen-Bezüge für Hinterbliebene von Militärpersonen durch diejenigen Postanstalten, in deren Bestellbezirk der Empfangsberechtigte wohnt.

Die Zahlungen werden von der Postanstalt nur gegen Quittung geleistet. Vordrucke zu den Quittungen sind erstmalig an der bisherigen Zahlstelle in Empfang zu nehmen,' andere als die vorgeschriebenen Vordrucke dürfen nicht verwendet werden.

DieJuvalidenpensions-u. Militärrentenempfänger haben bei Empfangnahme ihrer Gebührnisse an der Postanstalt außer der Quittung ihr Ouittungs- buch als Ausweis vorzulegen.

Tgb. No. I. 1883. Der Landrat.

J. B.

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

(Fortsetzung auf der 4. Seite.)

Bus der Heimat.

* (75000 Männeranzüge.) Die Aeichsbe- kleidungsstelle erteilte dem Retchsausschuß g ür das deutsche Schneidergewerbe einen Auftrag 75000 Männeranzüge. "

* (Ein mißglückter Tauschhandel.) Auf eine gefährliche Idee war der 18jährige Hilfsarbeiter Nikolaus Fröhlich, gebürtia ®g£ ^w

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der Festhalle in Frankfurt a. M herum mkö bot sie Unteroffizieren und Soldaten zu dem verhäljRismäßig niedrigen Schleichhandelspreis von 5 Mark das Pfund an unter der Bedingung, daß sie ihm als Gegenleistung für die Gefälligkeit Stiefel verkaufen. Ein Unter­offizier ließ das Bürschenhochgehen", und der Amts­anwalt erhob Anklage wegen Bestechung. Das Schöffen­gericht zog die Gemeingefährlichkeit eines solchen Treibens in Betracht und erkannte auf sechs Monate Gefängnis.

*(Fürsorgefürgei steskrankgewordene Soldaten.) Eine Inanspruchnahme der öffentlichen Armenpflege ist, entgegen hier und da aufgetauchten

öolschewicki-Wirrwarr.

Eine Frau an der Spitze emes Regiments.

Die Bolschewickt Haben, aus Ruder gelangt, jegliches Matz bei Durchführung ihrer Ideen verloren, und es hat den Anschein, als sei chren Führern Lenin und Trotzki die Macht über die mit unverstandenen Schlagworten erfüllten, unter dem Niveau des nationalen Bewußt­seins stehenden, unreifen Massen der Arbeiter und Sol­daten entglitten.

Die Wahl der führenden Verwaltungsbeam ten erfolgt nicht unter Berücksichtigung fachlicher Eig­nung, sondern nur nach persönlichen und politischen Ge­sichtspunkten. Zum Kommissär -- einer Art Universal- beamten kann nur der ernannt werden, der fern bol­schewistisches Sprüchlein von derDiktatur des "Prole­tariats" bis zurAusrottung der Bourgeosie" gut ge lernt hat. Kein Wunder, daß unter solchen Verhält­nissen,ein denen Leute ohne allgemeine oder fachliche Ausbildung, oft auf der niedrigsten Kultur- und Bil­dungsstufe stehend, dazu berufen werden, den durch Krieg und Revolution erschütterten Staatsmechanismus in Ordnung zu bringen, das gerade Gegenteil erreicht wird. So ist der erste Sektionschef des Finanzministe­riums ein Gymnasiast,- Referuten Mr Kriegsaefange- nenwesen waren innerhalb einer Woche ein Matrose, ein Lehrer und ein Arzt. Bei den Besprechungen mit deutsch-österreichisch-ungarischen Kommissionen in Pe tersburg war als Referent für Telegraphemoesen ein Jüngling tätig, der von Teleyraphie keine Ahnung hatte, Diese Fachreferenten wechselten ständig; m den tech- nischen Unterkommissionen sah man täglich neue Ge­sichter; Der Kommandant des 12. sibirischen schützen regiments ist ein ehemaliger Kocht das Pawlomsche Garderegimeut kommandiert eine Frau. Dieses sy stem durchzieht die ganze Verwaltung und beschleunigt den im vollen Gange befindlichen Auflösungsprozeß.

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Die Bolschcwicki verfügen gegemvartig in Peters­burg nur über zwei Blätter, wahrend die Opposi­tion eine zahlreiche, zum Teil sehr gut geleitete Presie besitzt, die täglich in von leideuichaftlichem Haffe getra­gener Agitation gegen die Regierung erntn t ist. In einer Zeit beginnt auch ein Teil der industriellen Ar veiterschaft. ernüchtert durch die furchtbare Not, von den Bolschewicki abzurücken, sodaß sich ihre ausgesproche- Minvritntsyerrschaft hauptsächlichauf die Soldaten Mo kaus und Petersburgs und die sich langiam, aber stet verlaufende Armee stützt. Mit Bangen sieht man bah in bolschewistischen Kreisen der endgültigen Demobil. fation entgegen.

Der Haß der terrorisierten Mehrheit gegen die Bol- schewicki kennt keine Grenzen.Kamen sie nur rasch.

und die sich langsam, aber stetig - ' en sieht man daher

Nachrichten, für geisteskrank gewordene Soldaten bei ihrer Entlassung ausgeschlossen,- die Versorgungs­gebührnisse und sonstige Zuwendungen werden von der Heeresverwaltung so bemessen, daß auch ein Ein­greifen der Organe der Kriegswohlfahrtspflege soweit es sich lediglich um finanzielle Hilfe handelt nicht erforderlich ist. Die hiermit nicht ganz in Einklang stehenden Verwaltungsvorschriften sind jetzt entsprechend geändert- es ist Anordnung getroffen, daß alles, was militärischerseits im Interesse eines Geisteskranken und seiner Angehörigen zulässig ist, vor und bei seiner Entlassung aus dem aktiven Dienst zu geschehen hat ohne daß es besonderer Anträge des Mannes, seines Vormundes oder Pflegers bedarf. Dem Vormund oder Pfleger steht übrigens das Ver­fügungsrecht über die dem Geisteskranken bewilligten Versorgungsgebührnisse zu. Sie werden, wenn sich der Kranke in Anstaltspflege befindet, niemals un­mittelbar an die Anstalt, sondern an den Vormund oder Pfleger ausgezahlt. Ein Einfluß auf die Art der Verwendung des Gelde wird seitens der Heeres­verwaltung nicht ausgeübt.

* (Kriegsanleihen.) Dem Vernehmen nach sollen hier und da, insbesondere in ländlichen Be­zirken, immer noch gewiffenlose Leute dem lichtscheuen Gewerbe obliegen, weniger erfahrenen Besitzern.ihre Kriegsauleihen durch allerlei Zuflüsterungen weit unter Preis herauszulocken, um sie alsdann ihrerseits zu einem höheren Preise wieder zu verkaufen. Vor solchen Aufkäufern kann nicht eindringlich genug ge­warnt werden! Wenn ein wirkliches wirtschaftliches Bedürfnis vorliegt, von der gezeichneten Anleihe Stücke zu verkaufen, wende man sich an eine bekannte Bank, Sparkasse, Genossenschaft oder auch an die Retchsbankanstalten, die bekanntlich Anleihestücke bis zu 1000 Mark zum Ausgabskurs von 98 v. H. abzüg- lich de? üblichen.

):( Hersfeld, 25. Februar. Vor der Handwerks­kammer zu Caffel bestanden am Sonnabend die Schornsteinfegergehilfen Carl A p e l von hier und - ArturBauerausHünselb dieMe ister p r üfu ng. j

Caffel, 23. Februar. (Ich will Sie nicht mehr I vor meinen Augen sehen!") Ein interessanter Prozeß j wurde vor der hiesigen Strafkammer i als Be­rufungsinstanz verhandelt. Dem Dienstmädchen Fl. in einem nahen Kreisstädtchen war von seiner Dienstherrin bedeutet worden, daß es eines Abends I zu Hause bleiben sollte, um am anderen Morgen bei I einer Reise behilflich zu sein. Das Mädchen, das in ) Kündigung stand, wollte jedoch eine Besorgung machen -

hört matt über die Deutschen in Studenten- und Bür- I gerkreisen sagen,um unser armes Land von dem blu­tigen Albdruck zu befreien; wir werden ihre Truppen mit Blumen bemerken."

Nach häufigen Anssprüchen der Führer der Bolsche- wicki ist der tragende Gedanke ihrer Friedenspolitik weit weniger die Wiederherstellung der Wohlfahrt und Riche im Lande, als das leidenschaftliche Bestreben, unge- hemnst durch die Zensur der Zentralmächte und alle übrigen im Frieden entfallenden Abwehrvorsorgen, ihre Propaganda tn die Länder der Zentralmächte zu tragen. Bei allen Kommissionsverhandlungen, auch dort, wo es sich um rein technische und karitative Fragen handelte, trat diese Tendenz klar zutage; alles übrige hatte für sie nur untergeordnete Bedeutung.

Es steht außer Zweifel, daß die obersten Führer sich bei ihren Weltverbefferungsplänen von idealistischen Be- weggiÄnöen leiten lassen. Aber schon in den mittleren Sphären gewinnen eigensüchtige Bestrebungen bedeu­tenden Einfluß, und weiter unten herrscht die gleiche Korruption wie überall in Rußland. Eine Anzahl be sonders laut vernehmlicher bolschewistischer Schreihälse rekrutiert sich aus ehemaligen Lockspitzeln der zarischen Regierung, die Eingang in die bolschewistischen Zirkel gefunden hatten. Sie stellten sich nach dem Sturz des Zarismus in den Dienst der Herrschenden Partei und trugen in deren Kreise alle früheren Praktiken der Be­stechlichkeit und der Gemeinheit hinein.

Finnische Blufdjconit.

Flüchtlinge aus Finnlaud, die in Schweden einge- troffeu sind, erzählen haarsträubende Einzelheiten von den Greueln, die dieRoten" in Finnland mit Hilfe ihrer Bajonette begehen. Nach diesen Schilderungen herrscht in dem unglüctliken Lande ein Terror, in dem brutalste Gewalt und viehische Roheit die wildesten Or gien feiern. Anfangs, fo erzählen die Flüchtlinge, be­gnügte man sich in der Regel damit, die Menschen meuch­lerisch von hinten niederzuschietzen. Jetzt zerstückelt man sie mit Vorliebe mittels der Bajonette und an­derer Mordwerkzeuge. In Ekenüs ist unter den Roten eine ganz besondere Art des Mordens populär gewor­den. Man schleppt die Opfer aufs Eis, tötet sie und wirst sie in ein ins Eis gehacktes Loch. So wurde auch mit dem Bürgermeister von Ekenäs verfahren. Was auf Broholmen, dem Hauptquartier der Roten in Helsing- fors, vorgeht, spottet jeder Beschreibung. Hier feiern die Roten die wahnwitzigsten Orgien mit Weibern, wo bei gestohlene Spirituosen die entmenschte Horde in die nötige Stimmung versetzen. Sie schleppen ihre Ge

und ging noch mit einer Freundin aus. Am anderen Morgen empfing dieDienstherrin das Mädchen angeblich mit den Worten:Ich will Sie nicht mehr vor meinen Augen sehen!" Das Mädchen ging zum Bürgermeister, der ihm erklärte, daß, wenn die Frau so gesagt habe, der Dienstvertrag gelöst sei. Darauf verließ das Mädchen seine Stelle. Dem Mädchen wurde nun ein Strafbefehl über 15 Mark zugestellt, da es widerrechtlich seinen Dienst verlassen habe. Das angerufene Schöffen­gericht sprach jedoch die Angeklagte frei. Auf Berufung der Staatsanwaltschaft hatte sich nun die hiesige Straf­kammer mit der Sache zu befassen. Die Dienstherrin will nur gesagt haben, daß sie das Mädchen augenblicklich nicht sehen wollte. Die Angeklagte blieb jedoch bei ihrer Angabe. Der Verteidiger schilderte die Dienst­herrin als nervös, habe sie doch in kurzer Zeit acht Dienstmädchen gehabt. Auf Grund der Beweisaufnahme wurde die Berufung der Staatsanwaltschaft verworfen und die Kosten der Staatskasse auferlegt.

Hanu-Münde«, 23. Februar. Wegen Mordver­dachts hatten Nachbarsleute die Polizei zu einer jungen Witwe gerufen. Gepolter und Getöse in deren Wohnung, dann ein lauter Schlag, plötzliches Ver­löschen des Lichtes zur frühen Abendstunde war den Anwohnern verdächtig vorgekommen. Die Polizisten fanden in der Wohnung Kleider und Möbel wüst durcheinander liegen. Sie näherten sich vorsichtig dem Schlafgemach der Witwe und fanden diese hier betrunken im Bette liegend.

Laugensalza, 23. Februar. Als der Arbeiter Hilbig mit seinem Geschirr aus dem Torweg fahren wollte, gingen die Pferde, die längere Zeit im Stall gestanden hatten, mit dem Wagen durch. Hierbei wurde Hilbig vom Fuhrwerk überfahren und so schwer verletzt, daß der Tod nach einiger Zeit eintrat.

Tauu a. d ^

Sohn des Mainzer Bezirkskommandanten Freiherr« von und zu der Tann ist im jugendlichen Alter all Fliegerleutnant den Heldentod gestorben.

Fulda, 22. Februar. In Lauterbach geriet der 18jährige Arbeiter Georg Rodemer in das Räderwerk des Sägewerks von Henkel und wurde auf der Stelle getötet.

Fulda, 22. Febr. Am Mittwoch ist Geh. Baurat, Landesbaumeister Karl Wolfs im Alter von 75 Jahren aus dem Leben geschieden. Die ständische Landes­verwaltung, der der Heimgegangene fast 50 Jahre lang seine bedeutende Arbeitskraft widmete, verliert in ihm einen fleißigen, unermüdlichen und tüchtigen Beamten.

fangenen nach Broyolüren, um sie hier auf die grau­samste Weise hinzuschlachten. Man sticht nach ihnen mit Bajonetten, sodaß die Jammerrufe der Unglücklichen in der ganzen Umgebung zu hören sind. Ein Flüchtling war Augenzeuge, wie die Roten einem Gefangenen mit dem Bajonett die Augen ausstachen und sie eine« anderen Gefangenen eme ganze Nacht hindurch folter­ten, bis sie ihn morgens schließlich durch eine Kugel von seinem Leiden erlösten. Auf dem Neuen Kirchhof wur­den mehr als 150 Opfer des Blutbades zur letzten Ruhe bestattet, wobei sich an einem der offenen Gräber eine schauerliche Szene abspielte. Ein weißer Gardist, der Sohn einer armen Wäscherin, sollte beerdigt werden. Während der Prediger den Segen sprach, langte eine Schar Roter an. Sie unterbrachen den Prediger und fingen an, in Gegenwart der verzweifelten Mutter den Sargdeckel mit ihren Gewehrkolben solange zu bearbei­ten, bis er zersprang. Darauf rissen sie den Toten aus dem Sarg und warfen die Leiche unter einer Flut von Schimpfworten in die offene Grube.

Auf einem Gehöft in der Stäbe von Tammerfors hatten sich ein paar hundert Weiße Gardisten versaumelt. Sie wurden von Russen und Roten Gardisten umringt, die mit Gewehren und Maschinengewehren ausgerüstet waren. Die Weißen hatten nur Revolver und konnten das Feuer nicht wirksam erwidern. Zum Zeicherr ihrer Unterwerfung hitzreu sie eine weiße Flagge, worauf ein schriftlicher Mkommen getroffen wurde, nach dem die Weißen unter Ablieferung der Revolver freien Abzug erhalten sollten. Als diese sich ausgestellt hatten, um oas Gehöft zu verlassen, rief einer der Roten:Wir schietzeir sie nieder, wie sie stehen und geben." Ein Massenfeuer setzte ein, und ungefähr zwanzig Weiße fielen. Das schien selbst den Roten zuviel zu werden: denn einige von ihnen mischten sich hinein, um ein weiteres Nieder knallen der Wehrlosen zu verhindern. Stattöeffeu kam es nun zu einer allgemeinen Plünderung der To ten, die man selbst ihrer Kleider und Schuhe beraubte. Den Verwundeten gab man einfach mit dem Bajonett den Gnadenstoß. Bei einem alten Gutsbesitzer aus einer Vorstadt war man eingedrungen und hatte ihm eine Kugel in den Leib gejagt, worauf man alles an sich riß. was nicht niet- und nagelfest war. Als mau bemerkte, daß der Greis noch Lebenszeicheit von sich gab, stach man ihm mit Bajonetten in den Kopf. Stach einigen Stünden fanden ihn seine Angehörigen und ließen ihn in ein Krankenhaus bringen. Wie durch ein Wunder kam er mit dem Leben davon; er trägt eine Unzahl roter Narben auf seinem kahlen Kopfe.

Diese kurze Auslese mag zur Marakteristerung der entsetzlichen Verhältnisse im Lande der tausend Seen ge­nügen, diesem Lande, das jetzt ei« Land der tausend Lei­den geworden ist