Hersfelder Kreisblatt
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Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
Nr. 57.
Freitag, den 8. März
1918
Amtlicher Zeit
Hersfeld, den 7. März 1918.
Die Fleisch- und Wurstabgabe in den Metzgereien des Schlachtbezirks Hersfeld erfolgt in dieser Woche am Freitag und Sonnabend und beträgt 200 gr.Fleisch und 50 gr. Wurst auf die Karte; Kinder unter 6 Jahren erhalten die Hälfte. In den übrigen Schlachtbezirken des Kreises setzen die zuständigen Gendarmeriewacht- nieister die Kopfmenge fest.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
I. F. No. 374. I. V.:
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
N Hersfeld, den 6. März 1918.
Der Reichskanzler hat sich im Einvernehmen mit dem Herrn Kriegsminister damit einverstanden, erklärt, daß nach der Demobilmachung beim Verkauf entbehrlicher Bestände der Heeresverwaltung, insbesondere von Pferden, Kriegsanleihe, und zwar zum Ausgabewert, in Zahlung genommen wird, so daß, wenn sich der Wert der Kriegsanleihe innerhalb des Kaufpreises hält, HerauSzahlungen in barem Gelde nicht erforderlich sind.
Die Herren Bürgermeister und GutSvorsteher ersuche ich dies auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen.
Tgb. Nr. I. 2582. Der Landrat.
I. B.
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
(Fortsetzung auf der 4. Seite.)
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* (Tierschutz in der Schule.) Tierfchonung und Tierschutz soll jetzt auch mehr als bisher durch geeignete Belehrung in den Schulen allgemein gefördert werden. Der Unterrichtsminister hat die Königlichen Regierungen ersucht, das Nötige zu veranlassen. Begründet wird diese Anordnung durch vielfach mangelhafte Ernährung und die geminderte Leistungsfähigkeit des Zugviehes.
* (Entlassung der beiderseitigen Kriegsgefangenen.) Im Artikel 8 des mit Rußland abgeschlossenen Friedensvertrages heißt es: Die beiderseitigen Kriegsgefangenen werden in ihre Heimat entlassen. Die Regelung der hiermit zu- zusammenhängenden Fragen erfolgt durch Einzelverträge.
*(Mehr Kochgeschirr.) In vielen Haushaltungen herrscht infolge der Kupfer- und Aluminium- Einziehung ein großer Notstand wegen des Mangels an Kochgeschirr, und neuerrichtete Haushaltungen bekommen keins. Aus diesem Grunde beantragte der Deutsche Handelstag, daß den Gießereien mehr Roheisen zum Guß freigegeben wird und daß den Fabriken von Emaille- und verzinkten Waren schleunigst größere Mengen Bleche in den erforderlichen Stärken geliefert werden. — Diesem Anträge wird die zuständige Roh- stahl-Ausgleichstelle entspr chen. Für die Monate Februar und März hat sie den Emaillierwerken wesentlich mehr Feinbleche zugewiesen als bisher.
* (Keine Ersatzstosfe fürZigarren.) In Raucherkreisen ist vielfach die Meinung verbreitet, daß zur Herstellung von Zigarren auch Ersatzstoffe verwendet werden dürfen. Dies ist eine irrige Annahme, da nach den Bundesratsvorschriften Hopfen, Buchenblätter, Zichorienblätter und Kirschblätter als Ersatzstoffe für Rauchtabak (für Zigaretten fo$w nur bis zu 10 Prozent Hopfen) nicht verwendetwerdendürfen. Zur Herstellung von Zigarren sind Ersatzstoffe aller Art verboten, so daß zur Zigarrenfabrikation nur Tabak dient. Auch Tabakrippen dürfen nur zu Zigarren zum Herstellungspreise von 70 Mark für 1000 Stück verwendet werden.
8Hersfeld,7. März. (Zwangsbewirtschaftun g.) Nach dem bisherigen Recht konnte sich die Zwangsbewirtschaftung von landwirtschaftlichenund gärtnerischen Grundstücken nur bis Ende des Jahres 1918 erstrecken. Im Interesse der Bewirtschaftung brach liegender Grundstücke und zur Förderung des Kleingartenbaues war bei Fortdauer der Krieges eine weitere HinauS- schiebung des Endpunktes für die Nutzungsentziehung geboten. Eine in diesen Tagen ergangene BundesratS- verordnung sieht daher vor, daß die Nutzungsentziehung bis Ende des Jahres 1919 erfolgen kann.
):( Hersfeld, 7. März. Im Laufe des gestrigen Morgens wurde in der Bahnhofstraße der 18jährige Schreiner Adam Becker aus Sorga von dem 20jährigen Schlosser Friedrich Eichenauer aus Sorga erstochen. Beide waren in Streit geraten, hierbei schlug Becker den Eichenauer mit einer Latte auf den Kopf. Eichenauer wehrte den Angreifer mit dem Messer ab und brächte ihm eine tödliche Stichwunde am Halse bei. Becker wurde dem hiesigen Krankenhaus, znge- fstört wo er sofort gestorben ist.
Rotenburg, 4. März Unter dem Vorsitz des Provinzialschulrats Liz. Albers aus Cassel fand am hiesigen Lehrerinnenseminar die Entlassungsprüfung statt. Die einzige in die Prüfung eingetretene Schülerin des Seminars, Frünlein Frieda Simon aus Rotenburg, erwarb das Reifezeugnis.
Cassel, 0. März. (Tödlicher Unfall). Gestern vormittag geriet im Anschlußgleis einer hiesigen Fabrik ein l8jähriger Arbeiter beim Zusammenrangieren eines Leerzuges zwischen die Pfuffer zweier Güterwagen. Dem Unglücklichen wurde die Brust eingedrückt. Er starb während der Ueberführung ins Krankenhaus.
Gaffel, 6. März (Wegen „Vergeßlichkeit" ins Gefängnis). Ein 26jähriges Mädchen wollte sich eine Stellung suchen. Es vermietete sich jedoch gleichzeitig an mehrere Herrschaften, von denen es sich in jedem Falle den üblichen Mietstaler geben ließ. Keine der ausgemachten Stellen trat das Mädchen an. Deswegen hatte gestern sich das Schöffengericht mit der Same zu belasse»; auch wurde das Mädchen des Diebstahls von Aepfeln beschuldigt. Die Angeklagte entschuldigte sich damit, daß sie die ausgemachten Stellen deshalb nicht hätte antreten können, weil sie die Wohnungen der betreffenden Dienstherrschaften "vergessen" habe. Für solche Beweisführung hatte begreiflicher Weise das Gericht kein Verständnis, so daß die Angeklagte ihre Vergeßlichkeit mit 14 Tagen Gefängnis büßen muß.
Gaffel, 6. März. 24 Paar Handschuhe entwendeten am Montag vormittag zwei noch schulpflichtige Knaben in einem Laden bet Kölnischen Straße. Die Diebe flüchteten, konnten aber ermittelt und angezeigt werden.
Elchmege, 4 März. T ^ ’
Industrie, ökTarnende von Frauen u.Mädchen Vescharkkff^ ist durch die neue Einschränkung der Herstellung von Tabaksabrikaten schwer betroffen worden. Die Verarbeitung von Tabaksabrikaten muß wegen Mangel an Rohstoffen auf 70 Prozent herabgesetzt werden. Die Entlastung einer ganzen Reihe von Arbeitern, ist deshalb unvermeidlich.
Eschwege, 5. März. Der KönM. Polizeikommissar a. D. Herr Rockel in Cassel, der bis zum Herbst 1902 eine Reihe von Jahren im hiesigen Schlachthofe als Verwalter tätig war ist gestorben. Mit ihm ist eine allgemein beliebte Persönlichkeit aus dem Leben geschieden. R. hatte mit Herrn Stadtrat Wichmann gemeinsam als Abgesandter des Husarenregiments Nr. 14 am 18. Januar 1871 an der Proklamation des deutschen Kaisers in Versgilles teilgenommen.
Eschwege, 5. März. Mit der Verwaltung der hiesigen Kgl. Kreis käste ist der Herr Rentmeister Roeßler aus Burgdorf in Hannover vorn 6. März ab beauftragt. — Herr Hanptrendant Frantz der Kreissparkasse Eschwege hat am 1. März sein 25- jähriges Dienstjubiläum gefeiert.
Hoya, 6. März. Im Herrengarderobegeschäft von Abel in der Langenstraße wurden bei einem Einbruch in einer der letzten Nächte Kleiderstoffe im Werte von über 3000 Mark geraubt. Der Besitzer des Geschäftes hat für die Ermittelung der oder des Täters eine Belohnung von 500 Mark ausgesetzt.
Bilbel, 6. März. (Ein vornehmer Dieb.) In einer der letzten Nächte versuchte man, in das Materialienlager des Maurermeisters Schmidt hier einzubrechen. Der Dieb wurde aber gefaßt. Es handelt sich um einen sehr geachteten hiesigen Bürger.
Hanu-Münden, 6. März. Eine unbekannte weibliche Leiche wurde gegenüber Bonafort bei der Schleuse aus der Fulda gezogen. Sie hat schon längere Zeit im Wasser gelegen.
Eisenach, X MärzI Born Schwurgericht wurde der Kaufmann Oskar Schneider aus Leipzig, der in einer Anzahl sächsischer und thüringischer Städte einen groß angelegten Wohltätigkeitsschwindel auf Grund ge- sälschterSammeüiften und Eintrittskarten für Licht- Vildervorträge, die niemals ftattfanben, verübt hatte, wegen Betrugs und schwerer Urkundenfälschung in wiederholtem Falle zu 4 Jahren Zuchthaus, 5 Jahren Ehrverlust und 1200 Mark Geldstrafe verurteilt.'
Reichensachsen, 4. März. Wegen Tabakinangels wurde am Sonnabend sämtlichen Arbeiterinnen der Zigarrenfabrik Hockenheim und Söhne hier gekündigt. Die Firma beschäftigt z. Zt. etwa 20 Arbeiterinnen.
Tiefenort, 4. März. In der letzten Zeit sind mehrfach, wie die „Eis. Tgp." mitteilt, Erkrankungen im hiesigen Rettungshause vorgekommen, die zur Unterbringung der Erkrankten in den Krankenhäusern zu Bacha, Eisenach und in der Klinik Jena geführt haben. Man führt teilweise die Erkrankungen auf I Unterernährung zurück. An das Staatsministerium ist letzthin eine Beschwerde über die Leitung des Rettungshauses eingereicht worden. Auch sollen in der nächsten Landtagsperiod» die Ernährungsverhältnisse im Rettungshause zur Sprache gebracht werden.
Hameln, 6. März. In dem benachbarten Orte Rohrsen wurde eine aus mehreren Personen bestehende Diebesbande dabei überrascht, wie sie aus einem Geschäft in Kisten gepackte Seidenstoffe im Werte von über 20000 Mark wegschleppen wollte. Man gab Revolverschüsse auf die Täter ab, die schließlich flohen; sie hatten nur geringe Beute machen können.
Worbis, 6. März. Wegen Treibriemendiebstahls verurteilte das hiesige Schöffengericht den Arbeiter A. Both in Bernterode <Kr. Heiligenstadt zu sechs Monaten Gefängnis und Tragung der Gerichtskosten.
Treffnrt, 4. März Der Verkauf des im vorigen Jahre angebauten RohtabakS findet jetzt im Werra- tal statt. Für den Zentner Rohtabak werden 100 M. gezahlt.
Rndolstadt, 4. März. Seit einigen Tagen ist der Mörder an verschiedenen Orten gesehen morden, in Preilipp, Remschütz und Graba. Doch entzog er sich jedesmal seiner Festnahme durch die Flucht. In der Nähe des Obstgutes Gehlen schoß ein hiesiger Schutzmann nach ihm. Dasselbe tat auch ein Jäger, der ihn auf dem Breitenberge antraf. Einem Garnsdorfer Einwohner, der ihn am Dienstag in der Nähe des Ortes stellen wollte, drohte er mit Erstechen. Seitdem ist man seiner nicht wieder ansichtig geworden. — Am Nachmittag wird gemeldet: Der Mörder Reservist Albert Kellner, wurde am Sonntag abend gegen 11 Uhr auf dem Bahnhof Nordhausen verhaftet. Er hat die Tat eingestanden.
Aus der Rhön, 3. März. Ausgedehnte Braun- kohlenfelder, die den Abbau lohnen, sollen sich in der Rhön befinden. Es sind Bestrebungen im Gange, um die Bodenschätze zu heben. Auf dem bekannten, eine ergiebige Teerkohle bergenden Kohlenfeld Sieblos üon bestem ®rfolge jetn. Gerade die Braunkohlen der Rhön sollen besonders geeignet sein für Zerlegung und Erzeugung brennender Gase, öliger Teerprodukte uuö anderer wertvoller Abfallstoffe, die gegenwärtig von größter Bedeutung sind. Auch das für die Landwirtschaft so wertvolle schwefelsaure Amoniak wird aus diesen Stoffen gewonnen. Wie verlautet, handelt die „Deutsche Erdölgesellschaft" und die Firma Siemens und Halske um das Feld „Richard", das sich von Bi'chofsheim über Frankenheim und von da bis zum Lettengraben bei Wüstenfüchsen hinzieht, um eine große elektrischen Ueberlandzentrale in der Rhön zu errichten.
Schlüchtern, 5. März. (An der Leiche der Mutter getauft.) Mit der Einsegnung der irdischen Hülle der aus dem blühendsten Leben herausgerissenen Frau Landrat von Trott zu Solz war die Taufe des Neugeborenen verbunden. Vom Kreishause aus wurde die Leiche von allen Bevölkerungsschichten auS Stadt und Land zum Bahnhof geleitet. „Wer Liebe sät wird Liebe ernten." Die Entschlafene wird durch ihr gütiges Wesen und aufopferndes Wirken unvergessen im Kreise bleiben.
Bad Orb, 2. März. Die in der Küche arbeitende ledige Josephine Herold von hier kam mit ihren Kleidern dem Herdfeuer zu nahe. Sie stand im Nu in Flammen und erlitt schwere Brandverletzungen, an denen sie nach Verlauf weniger Stunden verschied.
Frankfurt, 6. März. Die Krimminalpottzei verhaftete den Fuhrunternehmer Peter Schaubach, einen Schleichhändler schlimmster Sorte. Schaubach hatte im Hessischen mehrfach Geheimschlachtungen vorgenommen außerdem schweben gegen ihn Verfahren wegen Anstiftung zum Diebstahl und Hehlerei. Bei einer Haussuchung fand man ungeheure Mengen Fleisch und Speck sowie über vier Zentner weißes Mehl.
Frankfurt, 4. März. Hier hat sich ein Reichs- verband deutscher Fischkleinhändler gebildet. Die Vereinigung will in erster Linie die Interessen der Fischkleinhändler gegenüber der vom Reichskommissar geplanten Gesellschaft für Seefisch-Verteilung wahren, da die Gesellschaft eine unmittelbare Verbindung von Hochsee-Fischerei und Verbraucher erstrebt und damit den Kleinhandel ausschalten will.
Gießen, 5. März. (54 im Jahre Zuchthaus.) In der Zellenstrafanstalt zu Buybach, Oberhessen, ist der 1838 geborene, aus Storndorf bei Alsfeld stammende Johann Herchenröder an Altersschwäche gestorben. Er hatte in der Nähe von Salzhausen den Fuhrmann Adam Müller aus Eichelsachsen ermordet und beraubt und war am 23. Juli 1863 von dem damaligen Groß- herzogl. Assisienhof der Provinz Oberhessen zum Tode verurteilt, später aber zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt worden. Diese Strafe hat er am 8. Oktober 1863 angetreten. Somit hat er über 54 Jahre im Zuchthause verbracht.
Das Feldheer braucht driugend Hafer, Heu und Stroh I Fandwirte helft dem Feldheere!