Hersfelder Kreisblatt
MNaKaBHaanäSR'eaalBJiBaBaaÄi'isssasßssasBieeBBaieasHäSäsaaaineBsanNGBwsBgaQsaasanHSBRöaaaMsaa ! Bszugsprsis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be- ; s zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei : | Hersfeld. Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld. ■
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Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
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Nr. 17«
DienStag, den 30. Juli
1918
Bus der Heimat.
* (Keine weitere Kürzung der Brotration.) Gegenüber Gerüchten über eine mögliche weitereKürznng derBrotration teilt der Staatssekretär des Kriegsernährungsamts der Deutschen Parlaments- Korrespondenz auf Anfrage mit, daß eine weitere Kürzung der Mehlration der versorgungsberechtigten Bevölkerung nicht beabsichtigt ist.
*Die Beschlagnahme aller Sonnen- vorhänge, Stores u. dergl. in den öffentlichen und Staatsgebäuöen steht lautLeipz. Neusten Nachr., in den nächsten Tagen bevor. Hieraus verspricht man sich etwa 40 Millionen Meter Stoff, welche zur Bekleidung der Zivilbevölkerung dringend gebraucht werden. Als Ersatz für die wezgenommenen Vorhänge sollen Ersatzvorhänge aus Papiergarn gegeben werden, was der Papiergarnindustrie eine willkommene Beschäftigung bieten wird.
* (Die Wiederverwendung zurückgekehrter Gefangener.) Man trifft noch auf Menschen, die sich darüber wundern,' daß die aus russischer und rumänischer Gefangenschaft Zurückge- kehrten wieder im Frontdienst Verwendung finden, während die von Frankreich oder England Ausgetauschten nur mehr im Hinterlands beschäftigt werden. Zwischen beiden Klassen besteht ein grundlegender Unterschied. Diejenigen Gefangenen, die aus Rußland oder Rumänien heimkehren, kommen aus Ländern, mit denen wir Frieden haben. Sie gleichen mithin in gewisser Weise solchen, die etwa aus neutralen Ländern erst jetzt Gelegenheit haben, in die Heimat zu kommen und hier ihrer Dienstpflicht zu genügen. Die Ausgetauschten aus Frankreich und England dagegen kommen aus Ländern, mit denen wir im Kriege ^e@y^^iM*ejgjti
macht worden, daß wir die bindende Verpflichtung auf uns nehmen mußten, sie nicht wieder gegen den Feind, der sie herausgibt, zu verwenden. Ein Vergleich ist also nicht möglich. Sollen die unglücklichen Kriegsgefangenen, die schon so lange in England oder Frankreich schmachten und zu deren Austausch die Gegner nur unter der angegebenen Bedingung sich bereit erklären, noch länger in der qualvollen französischen oder englischen Gefangenschaft auSzu- harren gezwungen werden, bloß damit die Angehörigen von ehedem russischen oder rumänischen Gefangenen keine Veranlassung zum Neide hätten? Das wäre eine Ungerechtigkeit und Hartherzigkeit, die des deutschen Namens unwürdig sein müßte.
* Zur allgemeinen Warnung, die durch ein gewisses unvorsichtiges Verhalten in über füllten Zugabteilungen am Platze ist, diene folgender aus Gießen berichteter Fall: Aus der Richtung Fulda fuhren ein Knabe und sein Schwesterchen, Kinder einer Witwe, in dem letzten 4. Klasse-Wagen des Zuges heimwärts. Das Abteil war vollgepfropft, so daß die Kinder unmittelbar an der Tür des Wagens stehen mußten. Der Knabe hat sich wohl an dem Türdrücker gehalten, dieser gab nach, und in voller Fahrt flog die Tür des Wagens auf. Der Knabe stürzte zum Zuge hinaus und fand dabei feinen Tod. Das Schwesterchen wäre hinterhergestürzt, wenn nicht ein Mitreisender das Kind zurückgerissen hätte.
):( Hersfeld, 28. Juli. Dem Leutnant der Reserve O s k a r M o h r im Kurh. Feldart.-Regt. 1 wurde das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen.
Vacha, 27. Juli. Gestern nachmittag fanden Holzfuhrleute im Walde, gleich hinter Thalhausen den seit Mittwoch den 17. d. Mts. von Hause abwesenden Lehrer Saft aus Oberzella tot auf.
Rotenburg a. F., 26. Juli. Wegen wiederholten Versuchs, Fleisch und andere in unserem Kreise aufgekaufte Lebensmittel aus dem Kreise auszuführen, wurde der Ernst Bracke aus Hagen i. W, zu 215, 509 und 715 Mark Geldstrafe verurteilt. Die aufgekauften Lebensmittel wurden beschlagnahmt.
Cassel, 27. Juli. Die 5 Jahre alte Tochter eines im Felde weilenden Arbeiters stürzte aus der im vierten Stock gelegenen elterlichen Wohnung in den Hof. Sie wurde auf einem Eisenstab aufgespießt und blieb tot — Ein Landwirt aus Hessen-Darmstadt hatte in Ostpreußen ein Gut gekauft und begab sich auf die Reise dorthin, um eine Anzahlung zu leisten. Aas Geld, 8000 Mark, trug er in einer Handtasche bei sich. Im Wartesaal des hiesige» Bahnhofs legte er die Tasche neben sich und schlummert ein. AIS er erwachte, war die Tasche mitsamt dem Gelde verschwunden.
Eschwege, 27. Juli. Die Witwe C. zog in ihrem Garten eine Mohrrüben von 3 4 Pfund Gewicht.
Marburg, 27. Juli. Ein heimlicher Schlachtfest wollte ein hiesiger Einwohner begehen. Alles ging gut, ein fettes Schwein war geschlachtet. Das Fleisch wurde fein eingesalzen, in ein sicheres Versteck gebracht, und dann kam die Polizei und besorgte das Weitere.
Gifenach, 26. Juli. Seinen Eltern ausgekniffen ist schon wieder ein Schüler, und zwar der am 14. November 1905 geborene Max St. aus Leipzig- Stötteritz, der sich "nach Entwendung eines erheblichen Geldbetrages entfernt hatte. Der jugendliche Tunichtgut wurde hier aufgegriffen und in polizeiliche Gewahrsam genommen.
Hameln, Ä4. Juli. Anscheinend durch Selbstentzündung entstand in dem gefüllten Trockendarren d^r hiesigen Hefe- und Spritwerke ein Brand, der das etwa 70 Meter lange Gebäude völlig einäscherte. Der Brand, der abends ansbrach, war erst am andern Morgen gelöscht. In dem Gebäude lagerte Laubheu, wovon nur wenig gerettet werden konnte.
Hannover, 26. Juli. Ein aus Celle gekommener Kellner der über 1300 Mark Ersparnisse bei sich trug, machte in einer im Zentrum gelegenen Wirtschaft die Bekanntschaft eines angeblichen Matrosen, der sich an= bot, ihm die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu zeigen. Nachdem sie mit Bier angesangen, gingen sie dann zum Wein über, und schließlich kam als letztes in einer Wirtschaft an der Schillerstraße Sekt an die Reihe. Für den Kellner waren die „Sehenswürdigkeiten" damit erschöpft, denn er war sinnlos betrunken. Der Matrose hatte sich von den Getränken ferngehalten, .er hatte den Wein und Sekt in den Kühler geschüttet. Besorgt um seinen „Freund", brächte er den Betrunkenen nach einem Gasthause in der Rosenstraße und erklärte dem das Zimmer anweifenden Kellner, er wollte seinen Freund zu Bett bringen. Letzteres tat er auch, mauste aber dem Betrunkenen sein Geld im Betrage v.on noch 1000 Mark, eine wertvolle goldene Uhr italienischer Arbeit und 2 Vrillantringe. Als der Kellner am Sonnabend-Morgen seinen Rausch ausgeschlafen hatte und seinen Verlust bemerkte, geriet er fast in Raserei. Es gelang einem Polizeibeamten nach längerem Suchen, den Matrosen in einem Lokale an der Packhofftrag- WWWWWW^MWg schaft von zwei „Damen" sich mit dem gestohlenen Gelde einen guten Tag machte. Die Uhr wurde bei ihm gefunden, ebenfalls konnte ihm ein Teil des ge- stohlenen Geldes angenommen werden. Die Brillantringe waren verschwunden, anscheinend hat er sie bereits „Freundinnen" geschenkt.
Fulda, 27. Juli. Eine Schwindlerin im Ordens- kleide wurde hier dingfest gemacht. Sie hatte sich in einer dortigen Anstalt niedergelassen, aber durch ihr Benehmen, das mit dem Ordenskleide nicht immer in Einklang zu bringen war, verdächtig gemacht. Die Polizei ermittelte in der Heimat der Schwindlerin, daß die Person zur Tragung des Ordenskleides nicht berechtigt sei und schon mehrere gerichtliche Strafen auf dem Kerbholz hatte. Es wurde kurzer Prozeß gemacht und die Schwindlerin ins Gefängnis abgeliefert.
Von der Schwalm, 24. Juli Die Ferkelpreise sinken. Sechs Wochen alte Ferkel werden für 40 Mk. abgegeben.
Vieöeukopf, 26. Juli. In dem nahen W. vertrieb sich ein junger Bursche von 21 Jahren die Zeit mit Spatzenschießen und traf dabei eine Frau, die mit Himbeerpflücken beschäftigt war, durch einen Schuß an den Hals. Außer einem Streifschuß kam die Frau mit dem Schrecken davon.
Frankfurt a. M., 27. Juli. Vorn 22. Mai bis 20. Juli wurden wegen Vergehens gegen die Verdunke- lungsmaßnahmen zum Schutz gegen Fliegergefahr 320 Strafanzeigen erstattet.
Kriegswetturnen des Kreises VIL — Oberweser. —
DaS zweite Kriegswetturnen des vil. Turnkreises fand Sontag den 21. Juli 1918 in Cassel auf der Karltwiese statt. Eine große Anzahl Turner hatte sich eingefunden, von denen — wie wohl jetzt nicht anders zu erwarten — der größte Teil im Alter von unter 17 Jahren war. Aus allen Gauen unseres Kreises waren die Turner herbeigeeilt, um im friedlichen Wettkampf ihre Kraft und Gewandheit messen zu können. Erfreulicher Weise waren selbst entfernt ge- logenen Vereine, u. a. aus den Gebieten des Harzes, des Kyffhäusers und der Rhön zahlreich vertreten. Die mit dem Frühzug eintreffenden Herfelder Turner massierten in stattlicher Zahl unter Borantritt und unter den Klängen ihres eigenen Trommler- und Pfeiferkorps dem" Turnplatz zu.
Geturnt wurde in 2. Klassen, und in jeder derselben ein Geräte- und ein Volkstümlicher Wettkampf, jedoch so, daß ein Turner sich nur an einem Wettkampf, entweder Geräte oder Volkstümlich beteiligen konnte. Zum Wettkampf traten insgesamt 628 Turner an, die Freiübungen von rd. 600 Turnern ausgeführt. Die Zahl der Teilnehmer überschritt die des vorjährigen 1. KriegS-Wetturnens um rd. 100.
Vom Sammelplatz hinter dem Orangerieschloß maskierten die Turner, geführt von der Kampfrichter- Gruppe und unter Borantritt der vom Ersatz-Batl.
Jnf.-Regts. Nr. 83 zur Verfügung gestellten Musikkapelle nach der KarlSwiese. Hier begrüßte der Ehren-Gauvertreter des N. W. Gaues Prof. Beinhauer die Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden und hieß die aus allen Gauen des Vil. Turn- Kreises versammelten Turner in KurhessenS Hauptstadt herzlich willkommen. Redner zeichnete in kurzen, klaren Umrissen die Aufgabe, Arbeit u. Ziele der Deutschen Turnfchaft und erinnerte daran, in welch hohem Masse die im Felde stehenden Turner diese Pflicht erfüllt und wie die gefallenen Tnrner ihre Liebe zum Vaterland mit dem Tode besiegelt haben, ermähnte die jungen Turner, auch ihrerseits diese Turnerpflicht in der Heimat zu erfüllen und durch Stählung der Muskeln und Nerven sich für den Dienst für daß Vaterland vorzubereiten, wie dem auch ein jeder ältere Turner und Bürger die Pflicht habe, in der Heimat alles zu tun, was zu einem guten Ende dieses gewaltigen Ringens beitrage. Mit einem sfachen Gut Heil auf das Deutsche Vaterland, das Deutsche Kriegsheer und unseren »bersten Kriegsherrn, S. Majestät den Kaiser und König, schloß Professor Beinhauer seine packende Ansprache. Gesang der Turner, vor und nach her Ansprache, erhöht die festliche Stimmung der eindrucksvollen Einleitung.
Dann erfolgte unter Leitung des stellv. Kreis- turnwarts, Kreisspielwart der Aufmarsch zu den Freiübungen. Die Ausführung der Freiübungen erfolgte nach Kommando- und in V4el Taktzeichen und können dieselben im ganzen als recht zufriedenstellend bezeichnet werden, was gewiß nicht in letzter Linie aus die Beteiligung der Kampfrichter und Riegen- sührer zurückzuführen ist, durch deren Teilnahme gar manchem unsicheren Turner ein sicherer Halt gegeben war.
Hiernach begann der eigentliche Wettkampf. An den Geräten wurden an Reck, Barren und Pferd je 2 Pflicht- und eine Kürübung geturnt. Der Volkstüm-
Stielgranaten- roeitmitrf, Kugelstoßen 20 Pfölf X Meter Lauf und FreihochsprUng, in Klasse 2 aus Kugelstoßen 10 Pfö., 50 Meter Lauf, Freiweitsprung und Ballweitwurf.
Wie zur Kriegszeit nicht anders zu erwarten war, war die Zahl der Turner in Klasse 1 keine große. 37 traten zum Geräte-Wettkampf und 83 zum Volkstümlichen Wettkampf an.
Am VolkStüml. Wettkampf der 2. Klasse beteiligten sich 392 Turner, während zum Geräte-Wettkampf dieser Klasse die Zahl der Teilnehmer äußerst gering war und nur 16 antraten. Gewiß ein Zeichen, daß die Uebungen den Jugendturnern im Verhältnis zum Volkstümlichen Wettkampf zu schwierig erschienen und für den Fall einer Wiederholung etwas schmackhafter zusammengestellt werden müssen, um auch zum Geräte- Wettkampf eine größere Zahl Teilnehmer heranzu- ziehen. Die geringe Meldung zum Geräte-Wettkampf der 2. Klasse wird wohl auch in dem eingeschränkten Turnbetrieb und an dem Mangel geeigneter Vorturner in vielen Vereinen seinen Grund haben. Der Verlauf des Wetturnens war ein guter und wickelte sich im allgemeinen glatt ao, die erzielten Leistungen können als recht gute bezeichnet werden. Auch konnte man wahrnehmen, wie mancher der kriegsbeschädigten Turner der 1. Klasse trotz Kriegsbeschädigung an turnerischer Fertigkeit wenig eingebüßt hat und sauber ausgeführte Uebungen zeigte.
Zahlreiche Zuschauer umsäumten den Turnplatz und verfolgten mit sichtbarem Interesse den- Verlauf des Turnens. Im Laufe des Vormittags erschien der stellv. Kommandierende General des 11. A. K. Exzellenz von Kehler und begrüßte die Turner mit einem „Guten Morgen, Turner", dann ging er von Riege zu Riege und »erfolgte mit großem Interesse und Kennerblick die einzelnen Leistungen der Turner.
Gegen 2 Uhr war das Wetturnen beendet. Durch die handliche Einrichtung der Wertungslisten und durch die gleichzeitige Verwendung der Riegenführer als Berechner konnte trotz des verzögerten Beginns des Wetturnes gegen Vag Uhr zur Preisverteilung geschritten werden. Der stellv. Kreisvertreter, Gymnasiallehrer Engelhardt leitete dieselbe mit einer Ansprache ein.
Auch unsere Hersfelder Turner haben sich wieder tapfer gezeigt, denn von 24 Wetturnern konnten 21 einen Preis erringen:
Es erhielten Preise: In der 1. Klasse (Geräte): Unteroffizier Heinrich Weber, Ernst Gerlach. 2. Klasse lvölkstüml.): Ludwig Metz, 1. Preis, Heinrich Mohr, 2. Preis - Otto Scheffer, Heinrich Hornschuh, Carl Wiegand, Hermann Bürkle, Hans Neuhaus, Carl Exter, Eduard Lämmerzahl, Fritz Stolzenbach, Ernst Ritter, Gustav Stuckhardt, Ad. Lützebauer, Erich Ewers, Hartmann, Kurt Räthe, Otto Gießler, Otto Schminke, Döhrer. Außerdem W. Geheb, Schenk- lengSfeld.
So kann der vil Turnkreis mit Befriedigung auf den Verlauf auch deS diesjährigen 2. Kriegs-Wett- turnens zurückblicken, dessen Teilnehmerzahl wider Erwarten grösser als die des 1. Kriegs-Wetturnenswar.
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