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Sersfelder Tageblatt

Hersfelder Kreisblatt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 2.10 Mark, durch die Post be- zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei ; Hersfeld. Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld. :

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

; Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 15 Pfennig, im r amtlichen Teile 25 Pfennig, Reklamen kosten die Zeile 40 Pfennig. Erscheint jeden Wochentag nachmittags. Fernsprechrr Nr. 8.

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Nr. 285

Donnerstag, den 5. Dezember

1918

Amtlicher Zeit

Hersfeld, den 27. November 1918.

Etwaigen Interessenten wird hierdurch bekannt­gegeben, daß sämtliche Verfügungen, betreffend die Bewirtschaftung von Eisen und Rohstahl aufgehoben worden sind. Bedarfsscheine sind daher nicht mehr auszustellen. Maschinen pp. können im freien Han­del ohne Weiteres bezogen werden.

Tgb. No. i. 12405. Der Lanörat.

I. V.

Funke, Kreissekretär.

Hersfeld, den 4 Dezember 1918. .

Dem Kreise Hersfeld ist e*-ie größere Menge Süßstoff (Sacharin) überwiesen worden, welcher in den beiden hiesigen Apotheken und bei der Firma E. Cohn, hier freihändig verkauft werden.

Der Lanörat.

J. V.:

v. Heöemann, Reg.-Assessor.

Bekanntmachung

Die Beförderung von Gemüse und Obst mittels Traglast, Fuhre oder Schiff nach öffentlichen Märkten oder Kleinhandelsniederlagen in Cassel, Hanau, Fulda, Marburg, Eschwege, Schmalkalden und Hersfeld, von diesen Städten benachbarten Orten des Regierungs­bezirks Cassel ist bis auf Weiteres ohne schriftliche Genehmigung gestattet.

Cassel, den 17. November 1918.

Bezirksstelle für Gemüse und Obst Jüe$4y*UMu8<>«3ceTtunfl gez. Spieß

Geheimer Regierungsrat.

* * * Hersfeld, den 27. November 1918.

Wird veröffentlicht.

Tgb. Nr. j. 12559. Der Landrat.

J. V.:

Funke, Kreissekretär.

Entlohnung der Kriegsgefangenen

Die Kommandantur des Kriegsgefangenenlagers Ntederzwehren bei Cassel macht bekannt, daß nach Verfügung des Kriegsministeriums mit Wirkung vom 11. November 1918 ab, alle Kriegsgefangenen auf Arbeitsstellen mit der Löhnung der freien Deutschen Arbeiter, abzügl. Verpfleguntzs- u. Unterkunftskosten zu entlöhnen sind:

Täglicher Reinveröienst der arbeitenden Kriegs­gefangenen in Industrie usw. mindestens M. 2, in Land- und Forstwirtschaft mindestens M. 1, betragen.

Bis einschließlich 10. November 1918 bleiben die mit der Kommandantur des Kriegsgefangenenlagers getroffenen Vereinbarungen bezügl. Entlöhnung usw. in Kraft. Die noch rückständigen Abrechnungen bis zu diesem Tage sind der Kassenverwaltung des Kriegs­

Preisrückgang nach Mvensschlub.

Bon Oberbürgermeister Dr. Külz-Zittau.

Die teilweise bis zu unerschwinglicher Höhe gestei­gerten Preise müßten für weite Kreise zu ernstesten Be- orguisseu Anlaß geben, wenn nicht begründete Hoft- nung bestände, daß bald nach dem Frieden hier eine Er­leichterung eintreten wird. Glücklicherweise ist eine olche Hoffnung begründet. Wir dürfen uns nicht dar­über täuschen, daß die .Miegspreise keineswegs aus­schließlich aus Rohstoffmangel und Arbeitermangel, feh­lendem Ueberseeverkehr und sonstiger, Produktionser- lchweruNgen beruhen, sondern zum guten Teil auch aus dem Wegfall des freien Jnlandhandels mrd damit der dreien Konkurrenz. Der Kunde ist auf den Lieferanten mgewiesen und froh, wenn er von ihm überhaupt etwas erhält,- es wird deshalb jeder Preis gezahlt. Lebt die Konkurrenz, wenn zunächst auch in bescheidenem Um- lange, wieder auf, so wird das anders, dann muß der Verbraucher nicht mehr jeden Preis zahlen. Er muß Z vor allem dann nicht, wenn in mMerem Umfange als bisher wieder Ware vorhanden ist: und das ist, wenn auch nicht auf allen, so doch auf vielen Gebieten n^rbältuismäßig bald nach dem Frieden zu erwarten. An manchen Artikeln sind die Preise jetzt fcMn erheblich "^Se* aus Rücksichten der Preisspekulation zurückge- legten Waren kommen zum Vorschein, Ue Reserve be­stände unseres Millionenheeres werden sehr bald von der gebundenen Zweckbestimmung befreit, und die Welt- lager von Rohstoffen aller Art werden nach^ecnertung drangen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß an einzel­nen Weltproduktionsstätten ganz..erhebliche Alchanfun- orn von Rohstoffen eingetreten sind, die nicht M den vandet gebracht werden konnten, weil der Schiffsraum

gen von Rohstoffen emaerreren Vandel gebracht werden konnten.

gefangenenlager bis spätestens 30. November 1918 einzureichen.

Ntederzwehren, den 23. November 1918.

Kommandantur des Kriegsgefangenen-Lagers Cassel.

* ^ *

Hersfeld, den 27. November 1918. Wird veröffentlicht.

Der Lanörat.

I. 12556. I. V.

v. Heöemann, Reg.-Assessor.

Hui der Heimat

* (Mahnung ans Land.) Der Obetpräsiöent als Vorsitzender der Provinztal-Kartoffelstelle hat, mit Rücksicht auf den auffallenden Rückgang in der Kartoffellieferung, an die Karioffelerzenger der Provinz Hessen-Nassau einen Aufruf erlassen, in dem es heißt:Von allen Seiten wird eine zunehmende Neigung der Landwirte berichtet, die Vorräte zurück- zuhalten und sich der Ablieferungspflicht zu entziehen. Ein solches Verhalten gefährdet die Versorgung der städtischen Bevölkerung. Versagt diese, so werden die Folgen unabsehbar sein und die Landwirte der Ge­fahr der Wegnahme und Plünderung aussetzen. Wir richten deshalb die ernste Mahnung an alle Kartoffeler­zeuger, in ihrem eigensten Interesse die Pflichtmengen unverzüglich und restlos den Kommunalverbänden abzuliefern. An den bestehenden Vorschriften über den Umfang der Ablieferungspflicht hat sich nicht das Geringste geändert. Sie bestehen nach wie vor zu Recht und müssen rücksichtslos durchgesührt werden, nötigenfalls unter Anwendung des schärfsten militärischen Zwanges."

* (Gegen die G e ldvamsterer.) Der Agi^e ^urNW5««erüan0 wenoet sich unter Bekannt­gabe des Erlasses der Reichsregierung über Sicherheit des Geldverkehrs an alle Sparer mit der Aufforderung: Seit beruhigt wegen Euerem Sparguthaben, Bankgut­haben und Kriegsanleihen. Weiter mahnt er die Sparer: Laßt kein Geld unnütz zu Hause liegen, bei der Sparkasse ist es sicherundverschwiegen aufgehoben, bringt Zinsen nnd helft das Volksvermögen vermehren. Der Garantieverband (Gemeinde, Kreis usw.) leistet Gewähr für die Sicherheit und pünktliche Rückzahlung. Spart! Noch ist es Zeit.

»(Vereinfachte Reifeprüfungen für Kriegsteilnehmer.) Auf Grund neuer Ver­handlungen zwischen den deutschen Unterrichtsverwal- tungen können nunmehr auch solche Kriegsteilnehmer, die früher keine höhere Schule besucht haben oder in einer solchen nicht bis zur 6. Klasse aufgestiegen sind, zur Kriegsretfeprüfung zugelassen werden. Voraussetzung ist: 1. daß sie mindestens die Prüfung für den Nachweis der wissenschaftlichen Befähigung zum einjährig-frei- willigen Dienst oder die erste Prüfung für den Volks- schuldienst abgelegt haben: 2. daß sie sich nach Er­stehung dieser Prüfungen mindestens ein Jahr lang in ausreichendem Maße auf die Kriegsreifeprüfung vorbereitet haben.

* (Der Weihnachts- Paketverkehr). Wegen der bevorstehenden Weihnachtssendungen richtet die Postverwaltung nachstehende Wünsche an die Ab­sender, deren Erfüllung wesentlich dazu beitragen würde, die glatte Abwicklung des Weihnachts-Päckerei-

Mr dringenderen Kriegsbedarf gebraucht wurde. Das gilt vor allem für die Gebiete, die nicht ummttelbar vom Krieg betroffen worden sind. Eine ziffernmäßige ge­naue Erfassung dieser Weltlager an Rohstoffen ist na­türlich nicht überall möglich. aber für einzelne Gattun­gen liegen doch sichere Anbaltspuntte dafür vor, daß es sich um nicht unbedeutende Mengen bandeff. Weizen, Kaffee, Wolle und Kautschuk stehen zurVernchlffungin Argentinien, NiederländischJnöien und Ostindien be- e der all-

und Mangel an Alts

tschuk stehen zur Verschiff, Argentinien, NiederlttndischJndien und Ostindt reit. Gewiß wird nicht sofort nach dem Kriege ... . gemeine Rohstoffbedarf in vollem Umfange gedeckt wer­den können, dem fielen auf unserer Seite zunächst Schwierigkeiten in der Bezahlung und Mangel an Aus- suhrfabrikaten entgegen. Aber es wird uns auch schon eine teilweise Behebung des Rohstoffmangels Erleichte­rung bringen, da die jahrelange aUQcmetne Etnschran kung des Beöarfs und das Behelfen mit Ersatzstoffen uns gewifser-nratzen zur Gewohnheit geworden sind. Eine solche teilweise Behebung des Mangels wird sehr bald eintreten, da die Verfügbarkeit des Schiffsraumes von Tag zu Tag steigen wiw. - L -

Der nach dem Kriege in fortschreitender Entwicke­lung einsetzende Warenausqleich in der Welt wird zwei­fellos eine rückläufige Bewegung der Preise im Gefolge haben. Andre Btonrente werden nach gleicher Richtung wirken. Die Industrie wird auf Umstellung zur Friedenswirtschaft stark hindrängen: die Folge wird sein, daß nach Maßgabe der vorhandenen Ersatzstoffe und erreichbaren Rohstoffe ein steigendes Angebot ferti­ger Waren rückläufige Preisbewegungen zeitigen wird. Eine solche Bewegung würde vor allem im Interesse der Beschaffung von Bekleidung und anderen ähnlichen Ge- gellständen des täglichen Bedarfs mit Freuden zu be­grüßen sein. Wesentlicher aber noch als dies ist der Umstand, daß nach dem Frieden die Landwirtschaft unter günstigeren ProduktionsbedtnounLW arbeiten

Beschaffung von

oerkehrs zu erleichtern. Die Pakete sind unter Ver­wendung guter Verpackungsstoffe recht dauerhaft her­zustellen : in -das Paket ist obenauf ein Doppel der Aufschrift zu legen: die Aufschrift ist deutlich, voll­ständig und haltbar herzustellen, der Name des Be­stimmungsorts unter näherer Bezeichnung der Lage besonders groß und kräftig anzugeben: auf den Paketen selbst hat öer Absender seinen Namen und Wohnort nebst Wohnung zu vermerken: die Weih­nachtssendungen sind möglichst frühzeitig aufzuliefern und, wenn irgend möglich, sreizumachen.

Witzenhausen, 30. November. Die Kohlenzechen im Kreise Witzenhausen sollen, um einer Kohlennot vorzubeugen, soweit als möglich ausgenutzt werden. Das Kreisarbeitsamt sucht Hunderte von Arbeitern.

Heiligenstadt, 80. November. Eine Geheimschlach- tung wurde durch den Arbeiter- und Soldatenrat ent­deckt und das Fleisch des etwa 150 Pfund schweren Schweines beschlagnahmt. Das Fleisch wurde auf der Freibank verkauft.

Neustadt, 1. Dezember. Auf der Heimreise stürzt, hier ein Soldat vom Zuge und wurde so überfahren daß er alsbald verschied.

Eschwege, 30. November. Freud und Leid hielten ihren Einzug in eine hiesige Familie. Der Kaufmann Herr Moritz Oppenheim kehrte, nachdem er vom Heeres­dienst entlassen worden war, gestern Mittag zu seinen Lieben zurück. Die Freude des Wiedersehens war gar zu kurz: denn am Abend verschied Herr Oppenheim plötzlich infolge eines Herzschlages.

Aus Thüringen, 3. Dezember. Die Wildzäune in dem Thüringer Walde werden in Kürze ganz oder größtenteils beseitigt und das Wild, wo es bisher in größeren Mengen in den Revieren gehalten wurde, zumeist abgeschoffen werden. Hiervon betroffen würden vcwnoers sre tsevtete zwncyen Ruyla, Wilhelmstal und Etsenach. Im gothaischen Gebiete wird auch eine Entfernung der s. Zt. vielangefeinöeten Wegetafeln erfolgen, deren Anbringung einen Ministersturz in der gothaischen Regierung herbeigeführt hatte.

Mtihlhauseu i. Thr, 3. Dezember. Wegen der geringen Kohlenvorräte schränkt das Elektrizttäts- werk die Stromlieferung auf vier Betriebsstunden ein.

Niedervellmar, 3. Dezember. Der sechsjährige Leonhard Leicht erhielt beim Spielen mit einer Schuß­waffe durch einen andern Knaben einen Schuß in den Unterschenkel. Der Knabe wurde dem Casseler Landkrankenhause zugeführt.

Fnlda, 3. Dezember Das Schöffengericht in Neu- Hof verurteilte einen Landwirt aus Opperz wegen Hinterziehung von Brotgetreide zu einer Geldstrafe von 300 Mark.

Schlitz, 28. November. Gestern nachmittag 3 Uhr explodierte hier der Benzin-Motor der mechanischen Weberei von Johann Kruppert. Es entstand sofort ein großer Brand, der die Fabrikationsräume mit den Webstühlen in Asche legte.' Der noch vorhandene Benzinvorrat und die Garne und Waren konnten rechtzeitig gerettet werden. Kruppert, der an der Hand starke Brandwunden aufwies, soll gut versichert sein. Zwanzig Arbeiter, die in der Fabrik lohnende Beschäftigung gefundenhatten, sindarbeitslos geworden. Der Brandschaden soll beträchtlich fein.

wird als bisher. Wohl werden nicht sofort und in vol- lem Umfange die früher von: Auslande bezogenen Dün­gemittel und Futtermittel zur Verfügung stehen, aber doch wird schon im kormnerrden Wirtschaftsjahre eine rationellere Wirtschaftsgebahrung möglich sein., Vor ab lern wird der Mangel an eingearbeiteten Arbeitskräften und von^Spannvteh tveniger fühlbar auftreten als bis­her, und so tann eine bessere und wirtschaftlichere Aus­nutzung des Grund und Bodens einsetzen. Zudem ist durch Ausnutzung auch kleinster Flächen für den An- bau die landwirtschaftliche Produkttonsmöglichkeit ge­steigert.

In welchem Maße und mit welcher Beschleunigung für die rückläufige Preisbildung die Veränderung sich durchsetzen kann, wird ganz wesentlich vom Verhalten der V e r b r a u ch e r k r e i s e abhängen. Nichts würde diese in gleicher Weise im wohlverstandenen Interesse des soliden Handels wie des Verbrauchers liegende Be­wegung sicherer aufhalten, können, als eine mit begin­nendem Sinken der greife einsetzende unverhältnismä­ßig starke Nachfrage. Deshalb wird nach dem unterzetch- neten Frieden noch eine geraume Zeit dem Gebot Gel­tung verschafft werden müssen: Vermeidet unnötigen Bedarf; seid vorsichtig und sparsam beim Eindecken mit nicht unbedingt notwendigen Gegenständen! I« mehr sich dieses Gebot durchsetzt, um so mehr wird sich auch wieder die unter der Not der Zeit - tief gesunkene wirtschaftliche Moral im privaten und öffentlichen Le- ben heben, und um so eher wird eine Rückkehr zu den normalen Friedensformen des Wirtschaftsverkehrs möglich sein!

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