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Nr. 104

Dienstag, den 6, Mai

1919

> WMaM IM.

Die Uebergabe des Friedensvertrages.

/ «^ Genf, 5. Mai. (G. C.) Eine Havasdepesche vom Sonntag früh meldet amtlich: Der Text des Frie- Sensvertrages mit Deutschland gelangt Montag zur Schlntzabfiinrmnng in der Alliiertenkonferenz. Sofern keine Nachträge erforderlich werden, kann der Vertrag am Dienstag, im anderen Falle erst am Mittwoch über­reicht werden.

Eine weitere Meldung über die Ueberreichung des Friedensvertrages, die jedoch nicht sehr wahrscheinlich klingt, lautet:

^l Versailles, 5. Mai. (T. II.) Wie bestimmt ver­lautet, wird die französische Regierung Sonnabend, den 10. Mai, als Termin für die Ueberreichung der Frie- i Sensbedingungen festsetzen. Es liegt nahe, in der Fest- setzung gerade dieses Datums eine Anspielung auf die Ereignisse des Jahres 1871 zu erblicken. Es verlautet ferner, daß den Deutschen nach der Uebergabe des histo­rischen Dokuments eine Frist von 10 Tagen eingeräumt werden wird, um die Bedingungen in Weimar vorlegen zu können. Während dieser Zeit hoffe die Entente, mit den inzwischen in Paris eingetroffeuen österreichrsch- rmgarischen, bulgarischen und türkischen Delegationen in Verhandlungen einzutreten.

Berichtigungen, aber keine grundlegenden Aenderungen.

^ Genf, 5. Mai. (S. C.) DerTemps" vom Sonn­abend früh meldet: Die Alliierten sind der Auffassung, daß die Besprechungen mit Deutschland unter allen Um- stäuds« in diesem Monat beendet sein müssen. Der von den Alliierten sestaesebte Friedensvertrag läßt Berich­tigungen, aber keine grundlegenden Aenderungen z«. Auf Wunsch Frankreichs ist ein besonderer Vertreter des Marschalls Foch zu den Verhandlungen zugezogen.

~.a EAltMAst UWe d TäW strittigen Punkte. M

fw! Rotterdam, 9. Mai. (S. C.) DieMorningpost" meldet aus Paris: Am Sonnabend konferierten Wilson, Lloyd George und Clemeucea« von 10 bis 3 Uhr. An den Besprechungen nahmen keine anderen Delegierten und keine Protokollführer teil. Am Sonnabend nach­mittag wurden die englischen Pressevertreter dahin in­formiert, daß über die letzten strittigen Punkte des Friedensvertrages mit Deutschland die Uebereinstim­mung der alliierten Staatsmänner erzielt worden sei.

Unkontrollierbare Behauptungen.

j^-Ä Rotterdam, 5. Mai. (S. C) Der Korrespondent HerTimes" meldet aus Paris, es sind an keiner amt­lichen Stelle Einzelheiten über den Inhalt des Ver­trages mit Deutschland zu erhalten. Was darüber aus der französischen Hauptstadt nach auswärts telegraphiert worden ist, sind Zusammenstellungen ««kontrollierbarer Behauptungen der letzte« Woche«. Der erste Auszug aus dem Friedensvertrag wird gleichzeitig mit der Ueberreichung des Vertrages an Deutschland, aber nicht früher der französischen und englischen Presse zugäng­lich gemacht werden.

Die vorzeitige Einladung der deutschen Delegation.

^ Versailles, 5. Mai. (T. U.) Der nach Versail­les entsandte Berichterstatter derTelegraphen-Unzmi" meldet, soweit sich bis jetzt die politrsche Lage uberblrcken läßt, tritt inuner deutlicher zutage, daß die vorzeitige Einladung der deutschen Friedensdelegation durch des französische Regierung nur den Zweck verfolgt habe, durch die Anwesenheit der Deutschen in Versailles einen Druck auf die widerstrebende« Verbündeten auszuüben. Dieser Zweck ist jedoch nicht erreicht worden. Daher kommt es, daß über den Termin, an dem die Friedens­bedingungen überreicht werden sollen. vollständige Un­gewißheit herrscht.

Kleine Anzahlung" von 125 Milliarden.

t**n Genf, 5. Mai. (T. II.) Der Rat der Drei be­schloß, Deutschland die Höhe seiner Gesamtschulden erst am 19. Mai 1921 mitzyteihen. Jetzt verlause «rannur" 125 Milliarden, die die erstekleine" Anzahlung dar­stellen.

Eine Unterredung mit Brockdorfs-Rautza«.

ir-K- Versailles, 5. Mai. (T. U.) In einer Unterre­dung, die der Berichterstatter desB. T." in Versailles mit dem Grafen Brockdorff-Rantza« hatte, erklärte die­ser u. a.: Ich gelte bet einigen Leuten als ScharsrnaHer. Aber das sind Leute, die mich nicht kennen oder ihre eigenen Zwecke verfolgen. Es fällt mir nicht ein, etwas zu tun, was die heikle Situation noch heikler machen würde. Wo sich die Möglichkeit einer Anbahnung bie­tet, wird sie verfolgt. Ich habe keinen anderen Ehrgeiz, als den, meinem Vaterland nach bester Einsicht zu die- nem Es ist auch falsch, daß ich jemals die Politik ver­folgt habe, Mitzhelligkeiten zwischen den Alliierten zu verursachen. Eine solche Spekulation halte ich für eine schlechte Politik, weil sie töricht, unehrlich und ansstchis- los ist. Weniger die politische als die wirtschaftliche Frage schmiedet unsere Gegner so fest zusammen, daß es kaum denkbar ist, sie curseinanderzubringen.

Deutschlands Vernichtung.

fl^s Versailles, 4. Mai. (T. U.) Nach einer Fnsormation derDarin Mail" wird der Friedeusver- trag Deutschland die Rückgabe aller Gebiete anferlege«, die es in den letzten 200 Jahren in Besitz genommen hat.

....... ng des Blattes nimmt man in offi- daß Deutschland 70 Prozent seiner Prozent seiner Kohlen nnd 20 Pro- a« Kalt verliere« werde. Deutsch»

Nach einer Ntttterru ziellen Steife» am h»«

land werde alle Kolonie« verlieren und seine sämtlichen Schiffe ausliefern müsse». Die Bevölkerung werde sich um etwa 8 Millionen verringern, von denen nnr ein Drittel deutscher Abstammung sei.

DieDaily Mail" ist ein sensationslüsternes Blatt, und man wird gut hin, die Meldung danach zu bewer­ten. Die Vorgänge am 1. Mai in Paris sollten doch auch denoffiziellen Kreisen" des Blattes zu denken Anlaß geben. Vielleicht würde es bei psychologischer Be­trachtung der Ereignisse in Paris zu interessanten Er­gebnissen kommen, sich aber auch resigniert eingestehen müssen, daß über einen überschwenglichen«Jmpertalis- mus der Weg des Bolschewismus führen würde.

Ein BeutebUudnts ?

M4 Haag, 4. Mai. (T. II.) Verschiedene Nachrichten aus Paris, darunter eine sehr bestimmt abgesatzte der Daily Mail", melden den unmittelbar bevorstehende« Abschluß des Bündnisses zwischen Amerika, Frankreich und England.

Wo bleibt da der Völkerbund?

VefchleuuigNug der Verhandlungen.

te* Versailles, 5. Mai/ (T. tt.) Von einem Mitglied der deutschen Delegation ist um Beschleuni­gung des Beginns der Friedensverhandlungen gebeten worden nutet Hinweis daraus, daß drei RÄchsminister und eine große Anzahl wichtiger Persönlichkeiten in Versailles versammelt seien, deren in Dentschland drin- gende Arbeit harre.

Die Pariser Preffe über Versailles.

^ Versailles, 8. Mai. (WTB.) Die Pariser Presse nimmt von einem Austausch der Vollmachten im Trianonpalais Kenntnis, vermeidet aber hervorzu- heben, daß Graf Brockdorft-Rantzau deutsch gesprochen habe, was nur derEcla c" mit dem Hinweis darauf MULZAreiKt^ daß ^t£nm^ 1871 HnmEM aefnrnjet» habe. Die Blätter erwarten, daß die Prüfung der Voll­machten zwei bis drei Tage in Auspruch nehmen dürfte, sodaß die Ueberreichung des Voririedeusvertrages vor­aussichtlich am Dienstag stattfinden wird. Nachdrück­lich weist die Presse darauf hin, daß es außerordentlich wünschenswert wäre, wenn die italienische Delegation zu diesem Zeitpunkte wieder in Baris eintreffe.Echo öe Paris" undMasin" fordern die französische und die englische Regierung auf, Italien entgegenzukonrmen und dadurch eine Brücke zu schlagen, daß sie die italie­nische Delegation offiziell auffordert, zurückzukomrnen, da durch fite Kammerabstimmuna in Rom die Stellung der italienischen Regierung gekräftigt sei und doch aller­seits der Wunsch bestehe, zu einer Einigung zu gelan­gen. DerMatin" bedauert ferner, daß die deutsche De- legafion bereits in Versailles sei und noch mehrere Tage verstreichen müßten, bevor die Ententeregterungen sich in allen Punkten geeinigt hätten. Das ^Journal" hält es besonders beachtenswert, daß die deutschen Vollmach­ten einzelne Bundesstaaten nicht anführen. Es set jedoch nicht angebracht, die Frage einer besonderen Ver­tretung aufzuwerfen, da die Zentralregierung in Wei­mar, trotz ihrer Schwäche, die einzige orSnnKasmätzise Organisation Dentsch!a«ds fei, mit der der Frieden ab­geschlossen werden könne.

Finanzverhandlungen in Versailles.

^ Paris, 3. Mai. (WTB.) Havas. Lloyd George, Clemenceau und Wilson traten am Freitag morgen zu­sammen. Die FinanzverhandluNgen zwischen den Al­liierten und Deutschland, welche in Plesfts-Billette be­gonnen worden waren, wurden am Freitag morgen in Versailles fortgesetzt. Das Datum der nächsten Zu­sammenkunft wird später festgesetzt.

Die Forderungen Belgiens.

>^ Amsterdam, 3. Mai. (WTB.) Eine Havas-Ren- ter-Melüuua zufolge schreibt das BlattVingtieme Steele", daß der Rat der Drei die Rückgabe der Kan- ione von Malmedo «ub Eupen in Belgien von einem 9Lfere»6nw abhängig gemacht habe. Bezüglich der Scheldefrage hätten die Mächte Belgien ihre linterstüt- ,mnß bei den Verhandlungen, die es mit den Nieder- landen führen müsse, zugesagt, damit Belgien günstigere Bedingungen für seine Scheideschifsabri und das Turch- zugSrecht.«einer nach dem Rhein fahrenden Transporte auf der Maas erhält. Es geht das Gerücht, daß die Mächte Belgien feine Kriegsschuld, die mehr als sechs Milliarden beträgt, erlassen wollen.

Orlandos Rückkehr nach PariS.

l^ Genf. 8. Mai. (L. A.) Die Rückkehr Orlandos Und Sonninos naü; Paris wird zwar bestimmt für mor= gn Sonntag erwartet, doch wird es sich hierbei vornehm­lich darum handeln, daß Italien tags darauf bei der Uebergabe der Borfriebensartikel nicht ««vertreten bleibe. Die Dauer des Pariser Aufeittbalts Orlandos und Sonninos hängt hauptsächlich davon ab, ob Wilson sich geneigt zeigen werde, in der Adriafrage zwei wich­tige Kompromitzpn«kiev znzufttmme«.

Der italienische Botschafter «ach Paris zurückgekehrt.

119*1 Zürich, 5. Mai. (S C.) DerSecolo" meldet aus Rom, der italienische Botschafter in Paris ist gestern aus Rom nach Paris zurückgekehrt. Ueber die Abreise Or­landos und der Delegation liegt ein Beschluß noch nicht vor.

Die Abreise Wilsons verschoben.

I*s*l Genf, 5. Mai (S. C.)Lyoner Progees" meldet aus Paris, Wilson verschob abermals seine 9llireife auf den 30. Mai. Wilson will infolge der Vorgänge der letzten Tage bis zur Unterzeichnung des Friedetts tu Frankreich verbleiben.

Me Gärung in Parts. ,

Eine Gymnasiasteu-Denwnstration in Versailles. '

119*1 Versailles, 4 Mai. (T. U.) Eine GmnuasiaftdM' Demonstration für Clemenceau, die vor dem Hotel d« deutschen Friedensdelegation slattfand, nimmt Sie Pari­ser Presse zum Anlaß, für Umzännnng des Aufenchalts. ortes der deutschen Detegatton einzutreten. Die Pariser Presse mit Ausnahme der sozialistischen fährt fort mit Behauptungen, von denen keine richtig ist, gegen die deutschen Delegierten Stimmung zu machen. Eme Bv- rtchtigung ist unmöglich, weil jeder Verkehr mit der An- tzeuwelt abgeschlossen ist. Es gibt keine Verbind«»» »wk scheu inn deutschen Sozialiste« in Versailles und de» französische« in Versailles. Die sozialistische Presse ist noch mit den Vorgängen am 1. Mai beschäftigt. Si« enthält scharfe Angriffe gegen Clemenceau. Der Ge- werkschaftsbund fördert die Arbeiter auf, sich für den ge­gebenen Augenblick für «ene, noch größere Knubgeb««, ge« bereitzuhalte«. Ein gewaltsamer Sturz der Regie­rung ist trotz der großen Erregung für die nächste Zeit nicht zu erwarten.

Italien und die FriedensLonferenz.

Ife* Lugano, 4, Mai. (T. U.) LautSecolo" hatte die Unterredung Orlandos und Sonninos mit Barriere nicht das erwünschte Ergebnis. Das Gerücht einer de- vorstehenöerc Rückkehr Orlandos und Sonninos nach Paris sei daher, unbegründet. Tatsächlich sei die Lage un­verändert, ja sogar verwickelter. Vor einer mrsdrüiL- liehen Zusage des Pariser Biererrats, die Verhandln«, gen über die Adriasraae vo« vor« wieder au?z»neh«te«. sei nicht an eine Rückkehr der Italiener «ach Paris zu denken. Trotzdem scheine es nicht völlig ausgeschlossen, daß Orlando und Sonnino sich dennoch am Ptontag wie­der nach Paris begebcn rverden. Vorher müssen aller­dings die Delegierten Salandra und Barcilai, die die SiüeitJ^ m^ Parto . ;tt4.an2.: ct5!e$ne.-£j^tiMm ersetzt werden.

Die Annexion DeuIfch-SÄdtirols. 7

i>*' Wien, 3. Mai. (WTB ) Amtlich wird gemeldet, der Kabinettsrat hat in der gestrigen Sitzung folgenden Beschluß gefaßt: Der Präsident der Vereinigten Staaieu hat dem italienischen Ministerpräsidenten milgeteilt, daß der den Londoner Vertrag hinsichtlich der Avgrenz»«» zwischen Italien nud Deutsch-Oesterreich, also der A»- nexiou Deutsch-Südtirols durch Italien zustimme. Dem­gegenüber erklärt die deutsch-österreichische Regierung, die Mitteilung des Präsidenten der Vereinigten Staa­ten ist u-rc-ereinbar mit jenen demsrratischrm Grund­sätze«, auf Grund deren der Kampf eingestellt und der Waffenstillstand geschlossen worden ist. Die Annexion eines rein deutschen Landes durch Italien läßt sich nicht rechtfertigen. Trotzdem aber hat die öcutsw-östcrrcich»- sche Regierung schon vor längerer Zeit der italienischem vorgeschlagen, daß Deutsch-Ciiüttrol zwar staatsrechtllM und wirtschaftlich ein Bestandteil Dentsch-Ocfterreich» bleibe, militärisch aber in solcher Weise neutralisiert wer­den könnte, daß die strategischen Interessen Italien» dadurch mindestens in gleicher Weise gewährt würüett wie durch eine Annexion des Gebietes bis zum BrennE

Der Friede mit DeULßch-Desterreich.

»s*1 Rotterdam, 3. Mai. (WTB.) DerNieuwe 9tok terdamschLLourant" meldet aus London, man erwarte dort, daß der Friedensvertrag mit Oesterreich. Butgarie» nnd der Türkei etwa 14 Tage nach dem Friedensschluß mit Deutschlaud z»r Unterzeichnung bereit fein werd«.

Die Nationalversammlung in Berlin.

b-t1 Weimar, 4. Mai. (T. tt ) Wie hier zuverläfßg mitgeteilt wird, soll die Nationalversammlung in dieser Woche, voraussichtlich am Douuerstag, in Berlin zm- sammeutreten. Als Tagmrgsort ist die alte Bibliothek neben dem Palais des alten Kaisers Wilhelm auser­sehen. Es dürfte sich um einige Plenarsitzungen han- deln, in denen lediglich die Friedensfragem verhandelt werden sollen. Es ist Beabsichtigt, die Nattonalvcnamm- lnng in etwa 14 Tagen bis 3 Wochen wieder nach Wei­mar znrückznverlegc«.

Sie Simple in Wachen.

Erschießung «»gefangener Pairouitle«.

>°^Angsb « rg, 4. Mast (T. II.) In Den Straße« Münchens sind von den Spartakiste» Lchütze«gräv^» ansgeworfe« und diese mit Saudsäcken verbarrikadiert worden. Gestern abend gingen von Richtung Llugsbur, einige Pauzerzüge nach Münchru. Einer von diesen wurde unter den Erseubal ndrücke«, die das Schienen nd! des HanptbahRhofes tiberführen, von den G -artaliste« derart mit Sprengstofssn und Brandmassen beworfe», daß Zug und Mannschaft-« in Atome zerrissen wurde». Eine Anzahl von EirMM,iro»illeu von vier bis fünf Mann wurde vo« SMWM'-cn abgefaugeu und sofort # erschossen.

Die Erschießung von Geiseln.

a-^'Bamberg, 4. Mai. (T. U.) Die ErsKießu«« von Geisel» durch me Rote Garde bat sich bestätigt. Es steht fest, daß unter den Erschossenen sich der seit drei Wochen als Geisel feftgehaUene 88iäbrige Münchener Philanthrop nnd Gründer des bekannten, mit einem) Kostenanfwand von vier Millionen Mark errichtete« Bttrgerheims, Geheimer Kommerzienrat von d o^arm» beftadei sowie der Prinz von THNW und TSvs.