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herslelver Tagevla«

Hersfelder Kreisblatt

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Hersfeld

Nr 308

Sonnabend, den 6 September

1919

Set AnWuhsrRel für kraftlos erkliirl.

Berlin, L September. (S. C.) Die deutsche Re­gierung hat ihre» Vertreter in Versailles beauftragt, dem Ministerpräsidenten Clemenceau in Bezug auf die Note über die Verfassuugsbestimmunge» hinsichtlich Deutschösterreichs die Kraftloserklärmirg des Auschlutz- artükels der deutsche« Berfasiuug avznzeige«.

Ei»e lahme Begründung des Ultimatums.

*# Rotterdam, 5. September. (S. C.) DieMor- Ningpost" meldet aus Paris, das Ultimatum der En­tente an Deutschland ist im Rat der Alliierten einstim­mig gefaßt worden. Der Beschluß erfolgte auf An­trag Frankreichs nach mehrtägigen Beratungen. Maß­gebend für seine Durchdringung war die Ueberzeu­gung, daß die finanzielle« Verpflichtungen Oesterreichs gegenüber den Alliierten nur ohne den Anschluß an Deutschland unbedingt sicher zu stellen seien.

Die militärische Demonstration.

w Genf, 5. September. (S. C.) Eine Lyoner Progres-Meldung besagt aus Paris, daß Marfchall Fach am Mittwoch in PariS eingetroffen ist, um an den Beratungen des Alliierten Rates teilzunehmen. Die militärische« Maßnahmen gegen Deutschland würden in den nächsten Tagen festgesetzt, obwohl niemand daran zweifelt, daß Deutschland die befristete For- Sermrg der Alliierten annimmt.

Bm ÜefbedauerKcher Gewaltakt".

*# Berlin, 5. September. fT. U.) Die deutsche Re­gierung hat durch ihre Vertreter in Versailles dem Ministerpräsidenten Clemeneeau die Antwort ans die Rote betreffend die Verfafsnngsbestimmnngen hinsicht­lich Deutsch-Oesterreichs überreiche» lassen. In dieser Antwort wird über den Standpunkt der deutschen

178 der Reichsverfassung vorschreibt, Satz die Bestim- mungen des FriedensvertrageS durch die Verfassung nicht berührt werden. Auf Grund dieses Artikels 178 erklärt Sie deutsche Regierung demnach ausdrücklich, daß die Vorschrift des Artikels 61, Absatz 2 der Ver­fassung solange kraftlos bleibe, daß insbesondere eine Zulassung von Vertretern Deutsch-Oesterreichs zum Reichsrat solange nicht erfolge« kam», als nicht der Rat des Völkerbundes gemäß Artikel 80 des Friedens- vertrages einer Abänderung der staatsrechtliche« Verhältnisse Deutsch-Oesterreichs zustimme.

In den dieser Erklärung betgefügten grundsätzli­chen Bemerkungen versichert die deutsche Regierung, daß sie keinen Anlaß dazu gegeben habe, das Verlau­sen nach Aufklärung vermeintlicher Widersprüche der deutschen Verfassung mit dem Friedensvertrag in einer derart schroffe» Form zu stellen, wie dies in der Note der verbündeten Mächte gegeben ist. Abgesehen davon, daß die verbündeten Regierungen den Friedensvertrag noch nicht ratifiziert haben, und daher ihre Ansprüche vorn Rechtsstaudpuukte aus überhaupt «icht habe» be­gründen können, bietet der Friedensvertrag für An­drohung mit eiuer Ausdehnung der Besetzung keine Stütze? denn der Artikel 429 sieht zwar unter gewissen Umständen eine längere Dauer, aber keine örtliche Ausdehnung der Besetzung vor. Die deutsche Regie­rung kann daher in der angedrohten Maßnahme nur eine« tief bedauerliche« Gewaltakt sehe«.

Reichsregreruug und Ultimatum.

düng der Reichsregierung auf das Ultimatum. der En­tente fällt voraussichtlich noch diese Woche. Die Mehr­zahl der Reichsminister ist bereits auf dem Wege nach Berliu. Die Entscheidung der Reichsregiermm wird vorbehaltlich der Stellungnahme der Nationalversamm­lung erfolgen.

Sofortige Ei«ber»f«ng der Rattonalversammlung

tat Berlin, 5. September. (S. C.) Von Mhlreicheu Abgeordneten der Nationalversammlung ist von Prä­sident Fehrenbach telegraphisch die sofortige Wiederein- berufung der Nationalversammlung gefordert worden, die zu dem neue« Ultimatum der Entente Bestimmmt- geu treffen soll.

Derartige Maßregeln noch öfter zu erwarte«.

e* Zürich, 5. September. (T. Während^die meisten französische» Blätter, auch die soziaMische», sich bis jetzt eines Urteils über die Note des Obersten Rates der Alliierte» wegen der österreichischen Frage enthalten haben, bemerkt derFigaro" heute kurz, das Vorgehen der Alliierte»» und das Ultimatum zergen

-utschland, i« welcher Weise der FriedenAoertrag rchgeführt wird. Wenn Deutschland seine Berpflich- rc^n nicht strikt einhäkt, wird nmu regLnäß»« M deo-

Frredensdebatte in der französischen Kammer.

In der gestrigen Sitzung der Kammer ergriff der Abgeordnete Tardieu als Regierungskommissar das Wort, um über den Verlauf der Verhandlungen der Friedenskonferenz zu berichten. Er atna besonders auf die Fraqe der Besetzung des Rheines ei» und gab zu, daß Marschall Foch die Forderung gestellt hatte, nicht nur das linke Rheinufer dauernd besetzt au halten, son­dern auch die Brückenköpfe rechts des Rheins zu an­nektieren. Es wäre ein großer Fehler gewesen, die Einigkeit Deutschlaubs in Frage zu stellen, denn das hätte Deutschland moralisch einen starken Zusammen­halt gegeben und die Berechtigung, an Revanche zu denken. Für Frankreich und seine Verbündeten sei es aber vor allen Dingen notwendig. einen Frieden zu schließe«, der künftige Kriege so gut als möglich a«s- schließt. Der Redner macht deshalb auch den Abgeord­neten Barres darauf aufmerksam, daß es im Interesse Frankreichs selbst liege, den Manbeu an AnnexiouS- abfichte« nicht aufkommen zu lassen.

Auf Tardieu folgte der Berichterstatter der Kom- Son, Barthou, der die Gelegenheit benutzte, um eine lrede gegen die Sozialisten zu halten. Er be­kämpfte die Auffassung des Abgeordneten Albert Tho­mas, wonach eine morMsche Wiedergeburt Beutzch- lands und eine Annäherung mit einem demokratische« Deutschland möglich sei. Der Redner volennsiert »» ««gemei« heftiger Weise gegen die deuticheu Sozialde- mokraten ««b gegen »ie französischen Socialisten, dre an ein Zusammengehen mit den Deutschen glauben. Barthon betonte zum Schloß, daß Frankreich auf. den Schutz vertrauen dürfe, den England und dre Veremrg- ten Staaten ihm zugesagt haben. Er benutzte die Ge­legenheit, um auch die Erwartung auszusprechen, daß England in den Schwierigkeiten, die es in Kremaften gegen Frankreich heraufbeschn oren habe, mit Frank­reich in freundschaftlichem Sinne verhandeln werde.

Nenseelaud ratifiziert.

* * Senf, 5. September «S. C.) Nach einer Mel­dung aus Wellington, ^ieusecand, hat das neuseelän­dische Parlament das Gesetz über die Ratifikation des

SensVertrages übernehmen soll. Die Tätigkeit der neuen Koinmission wird mit der Ratifikation des Friedens- verirm»es beginnen.

Französisch-englisches Flottetlabkomme«.

* Rotterdar«, 5. Septernber. (S. C.)Manchester Guardian" erfährt, daß Frankreich und Engla»»d ihre FlottenproaramMc für die nächsten Jahre in Uebereiu- sttmmung bringen werden. Die französischen Neubau­ten werden jeweils den dritten Teil der englischen Flot- tenneubauten nicht übersteigen. (Und Amerika? Die Schriftleitung.)

Strenges Einreiseverbot für Komm««ifte» im vesetzte« Gebiet.

m- Berlin, 5. September. (S. C.) Nach Meldungen aus dem besetzten Gebiet wurde den Mitgliedern der kommunistische« Vereinigungen sowie der Arbeiterräte aus dem besetzten Gebiet die Einreise in das besetzte Ge­biet nicht mehr gestattet, auch nicht, wenn ihre ~ in dem besetzten Gebiet anwesend sind.

neu

Wilso«, der Autokrat.

Nach einer Washingtoner Meldung des Neuyork Herald hat Präsident Wilsou dem Senatsausschutz für auswärtige Augelegeuheiten die Vorlegung der Frie- -ensvertragseNtwürfe mit Oesterreich, Bnlgarie« und der Türkei verweigert. Er habe sich auch geweigert, den Text der Erklärung über die Besetzung des linken Rheinufers, die am 16. Juni zwischen Frankreich, Eng­land und Amerika festgestellt worden sei, mitzuteilen.

Der vierte Gefangenentransport in Köln.

Die Reichszentvale für -Kriegs- und Zivtlgefaugene teilt mit: Heute ist der vierte Transport mit Sesam seüev aus englischer Hand in Frankreich in Köln eiu- getroffen und durch das Durchgangslager Wetzlar wei. kergeleitet worden. Mer Lazarettzttge mit Schwerkran- ken und Verwundeten aus Frankreich weröen am V und 5. September üb« Kölu-Offenbuca abgesanSt werden.

Die Versklavung Deutsch-Oesterreichs.

Die Wiener Blätter veröffentliche»» Aeußermigei» des Staatskauzlers Renner, die er gegenüber privaten Berichterstattern in St. Germai» getan hat. Politisch und nattona-l, so erklärte der Kanzler, sind wir schwer getroffe»». Unser Staat ist beschrütM auf die deutsche»» Alpenlär»der. Die vierh«uderttährige Gemeittbürger« fchaft bet Alpe«deutsche» nnb Sudetendeutscheu ist zer­rissen und auch von den deutsche»» Siedelungsgebieten in den Alpe»» sind uns »vesentliche Stücke vorenthallen. Das urdeutsche Marbnrg, dessen deutschen Charakter die Antwortnote selbst hervorhebt, soll künftig seine Vertreter nach Belgrad fchicke«. Feldberg nnb Gnum- - »««-Bahnhof bleiben verlöre«. In nationaler Bezie-' hung büßt u«sre Republik ihre Haudlungsfreiheit ein und das mit elementarer Gewalt in den November-ta-l^ gen häworgetretene Auschlußbestcebe« ist a*f den schwierigen Weg von Berhandlu»gen mit dem Völker« dunde verwiesen. SSir erhalten eine politische Souve«

Hoheit der alliierten Großmächte nnternmrsea. Sie !$8 in der Reparationskommission verkörpert nut dem Völ­kerbund als höchster Instanz. Unser Volk ist nun vor die fürchterlichste Prüfung gestellt. Sie wollen den Er­trinkenden retten und belasten ton zuvor mit einem

Mühlstein.

Die Begrün»«»« der österreichische» Frie»e«S- Bebingnngen.

In dem gestern dem Staatskanzler Renner über­reichten Begleitschreiben des Präsidenten der Friedens- konserenz Clemenceau weist man zu Beginn die Ein­wendung der deutsch-österreichischen Delegation, daß Deutschösterreich nicht als feindlicher Staat betrachtet werden dürfe, mit der Begründung zurück, daß das österreichische Volk die Politik seiner Machthaber, die durch das Ultimatum an Serbien und die Nichtam «ahme der Genugtuung seitens dieses Staates gerade­zu einen Weg einschlugen, der zu einem Weltkrieg führte, nicht nm nicht bekämpft, sondern diesen Krieg stürmisch begrüßt habe. Das Begleitschreiben weist so« dann darauf hin, daß die Politik der ehemaligen Habsburger die Hegemonie des deutsche« ««d magya­rische« Volkes über »ie Mehrheit der Ei«woh«er der österreichisch-Ungarische« Mouarchie aufrechterhalten wollte. Der Begleitbrief hebt sodann hervor, daß die alliierten und assoziierten Regierungen keineswegs bett Wunsch habe«, »ie ««glückliche Lage Oesterreichs z« er­schwere», weist auf die Aenderungen der wirtschaftli­chen Beftnumunge» hin und befaßt sich sodann mit deu Bestimmungen bet Grenzen, wobei über Tirol ausgo- fi^tt wird: Die alliierten uub assoziierten Mächte wa­ren von der Tatsache durchdrungen, daß währen» law« ger Jahre SaS italieuische Volk einer absichtlichen gegen sein Leben gerichtete« Bedrohung «lssefetzt w«r. Diese Begründung ergab sich daraus, daß Oesterreich- Ungarn im Besitz vorgeschobener, die italienische Ebene beherrschender Stellungen war. Die assoziierten Mächte betrachten es als beste MMng^MMen die natürliche«

in dieser Form unabänderlich ist.

Tiefe Nie»ergeschlage«hett in Wie«.

* Wie«, 4. September. (S. C.) 3!ach dem Ein­druck »es Friedeitsvertrages herrscht verzweifelte Stim­mung in Wien. Zur Teilnahme an der entscheidenden Sitzung der Siativnalversanlmlung, in der über den Friedensvertrag abgestimmt werden soll, sind bereits zahlreiche Abgeordnete, die ihre Reise anaetreten haben, in Wie« ein getroffen. In allen varlamenarischen Kreisen herrscht tiefste Niedergeschlagenheit. Eine ge­ringe Mehrheit bei zahlreiche« Stimmentbalinngen f#r die Unterzeichn««« des Vertrages ist vorhanden.

Die Entente gegen die monarchischen Bestrebungen.

w Genf, 4. September. (S. C.) Im französischen Senatsausschutz erklärte am Dienstaa Avrami in Ver­tretung ClemenceanS, üatz die Alliier, en Rrstitntiousbe- streb«uge« der Habsburger nicht zulassen würde, das­selbe gelte für die Dynastie Hohenzoller». Abrami ver­neinte ferner, baß die Alliierte« den Kaiserprozetz ans- gegeben hätten.

Ungarn »erlangt A«Sliefer»«g Bet« Shuns.

Am 4. September wnrde Sex unter dem Vorwan» bet Nichtanerkenuuug des dritten ungarische» Kabinetts Friedrich seitens her EMcute im Amt gebliebene Minister der Denkern Lovacsv, da er Sie Abscudung des Auslieferungsbegehrg betrefsend Bela Khun an die österreichifche Regierung verweigerte, im Auftrage des Ministerrates durch die Mirrtstcr Rubineck und Hakler zum unverzügliche» Rücktritt aufgefordert. Lvvacsy weigerte sich, der Aufforderung nachzukounnen, erklärte jedoch, da er seinen» Standpunkt nicht Geltung verschaf­fe« könne, die Geschäfte des Miniftöriums dew rang- älteste» Beamte« z» übergebe». Der Mimsterrat wir» nun das Anslieferungsbegehr betreffend Beta Khn« und Genossen in kürzester Zeit der oiterreitontoe» Re­gierung zustellen.

Entente-Alttmatum an Rumänien.

** »erlitt, 4 September. (L. W Die Bolschewi« sie» haben den litauische», un» esthnische»» Regierunge« einen Waffenstillstand vorgefchlage«. Die Enteilte droht Rumänien mit bem Abbruch der diplomatischen Bezieh»;nge«, weil es die letzte Note des Oberste« Ra­tes «icht beantwortet hat.

DaS Ultimatum an Sturnäuien.

* Rotterdam, 5. September. (T. 1L) Eine offi­zielle Reutermelduna aus Paris bestätigt, daß die ru- »nänische Frage in ein neues akutes Stadium getreten ist. Der Oberste Rat, der auf seine »viederholten Siotcn noch keine einzige Antwort von Rumänien erhalten hat, hat beschlossen, einen GesauSte« mit einem Ultimatum nach Bukarest zu senden. Würde RmMuien sich wei­gern, diese in diesem Ultimatum ausgestellten BeSirr- g»«aen in dem angegebenen Zeitpunkt anzunehmen, Sun« werden die diplonmiischen Beziebrmgeu zrvische« den Alliierten und Rumänien abgebrochen und Sie dtp« ikorrmtischen Vertreter der Entente verlassen Bukarest. ! Das Ultimatum fordert, daß Rumänien seine Truppen v ^auS Ungarn zurückziehe, und Satz alles, was Runmnien

in Ungarn requiriert hat, den Alliierten zur Vertei­lung unter Sie Gläubiger in Ungarn a>u Verfügung