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Hersfel-er Tageblatt

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hersfelüer Kreisblatt'

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

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Nr. 7

Sonnabend, den 9. Januar 1926

76. Jahrgang

Neues vom Tage.

Wie eine Berliner Korrespondenz erführt, ist das Ver­fahren gegen den Abg. Lange-Hegermann, gegen den während der Barmat-Asfäre schwere Anschuldigungen erhoben worden waren, eingestellt worden.

Die Berliner Stadtverordnetenversammlung wählte den sozialdemokratischen Abgeordneten Haß wiederum zu ihrem Vor­steher.

Die Mitteilung, daß im Befinden des preußischen Justiz­ministers Am Zehnhoff eine Verschlimmerung eingetreten sei, ist, wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, unrichtig. Dadurch erledigen sich die an die Mitteilung geknüpften Schluß­folgerungen und Mutmaßungen.

Reichskanzler Dr. Luther ist vom Reichsprüsidenten zum Vortrag empfangen worden.

Der französische Senat hat ein Vertrauensvotum für das Kabinett Briand angenommen.

Der Generalagent für Reparationszahlungen, Parker Gilbert, tritt am 16. Januar seine Rückreise nach Berlin an. Ueber seine Besprechungen in Washington und New Dort wird in amerikanischen Kreisen Stillschweigen bewahrt. Man nimmt jedoch an, daß die schwebenden Finanzfragen abgeschlossen sind.

Bon Woche zu Woche.

Von Argus.

. Die erste Woche von 1926 ist vorüber, und das Jahr ist aus der Feiertagsstimmung wieder in die Werktagslaune hinübergelenkt. Die Ueberschwemmungen, welche der Aus- gang von 1925 mit sich gebracht hatte, sind erfreulicherweise dem Versiegen nahe, dagegen ist die mildere Witterung unver­ändert geblieben. Das bedeutet für Tausende, die durch die Besorgnis vor einem harten Winter geängstigt waren, ein Aufatmen, und wir wollen hoffen, daß auch andere Befürch­tungen sich als übertrieben erweisen werden, und daß nament­lich die Erwerbslosigkeit sich nicht als eine dauernde Bürde

wird. Wir kyYNM luiüi .öig S^^^^

zur Arbeit und zur Sparsamkeit in den kommenden Wochen um so mehr beherzigen.

Das politische Leben kommt jetzt wieder zur vollen Geltung. Um die drängenden Aufgaben der Zukunft wirk­sam meistern zu können, ist es vor allem erforderlich, die Neubildung des Reichsministeriums, die seit einem Monat in der Schwebe ist, zu beschleunigen. Die Sozialdemokraten haben keine Neigung, sich für das Zustandekommen der großen parlamentarischen Koalition im Reichstage einzusetzen, so daß dieser Gedanke wohl nunmehr in Wegfall gekommen ist und auf den Plan der Errichtung eines zweiten Ministeriums Luther in Form eines Geschäftsministeriums zurückgegriffen werden loirb. Der deutsche Eintritt in den Völkerbund, die Teil­nahme an den Arbeiten der Abrüstungskommission, der Abbau der Militärkontrolle, die Verhandlungen mit Frank­reich und Polen, Preissenkung und Beseitigung der Geld­knappheit sind Ausgaben, die nicht so leicht zu lösen sind.

Die Franzosen haben einen neuen Weg eingeschlagen, um ihrer finanziellen Schwierigkeiten Herr zu werden. Die großen Steuervorlagen, die der Minister Doumer vorgelegt hat, reichen trotz ihres Millionenbetrages nicht aus; denn am meisten drücken die Schulden an Amerika, das etwa 15 Mil­liarden Goldfranken von Frankreich zu erhalten hat. Der Minister Caillaux konnte im vorigen Jahre in Washington bekanntlich keine Einigung erzielen, und so ist jetzt ein neuer Botschafter in der Person des Abg. Berenguer nach Amerika gesandt worden, der versuchen soll, günstigere Bedingungen für die Schuldentilgung herauszuschlagen. Leicht wird es ihm nicht werden, denn jenseits des Ozeans weiß man auch, was Geld heißt. In Paris wird aber viel Geld gebraucht, denn die Kämpfe in Marokko und in Syrien sind in ihrem Ausgang nicht abzusehen und beanspruchen große Mittel.

Auch für die Engländer wollen die Dinge sich nicht so gestalten, wie sie wohl wünschen, denn die Türken zeigen keine Lust, über den Besitz von Mossul Konzessionen zu machen und auch der Versuch, mit Italien zu einer Verständigung über eine gemeinsame Aktion wegen der orientalischen Wirren zu gelangen, ist bisher gescheitert. Mussolini schlägt stolze Töne an und hat große Zukunstspläne, von welchen es sreilich abzuwarten ist, ob das Geld zu ihrer Ausführung reichen wird. Die Königin-Mutter Margherita von Italien, die lange als die schönste und klügste Italienerin galt, ist im Alter von 75 Jahren gestorben. Sie war eine sehr fromme Frau, und ihr Wunsch war es, zwischen dem Vatikan und dem Königreich Italien eine Aussöhnung zu erreichen.

Viel hätte nicht gesehlt, so wäre das Königreich Ru­mänien in eine Republik umgewandelt wordem Eheliche Zerwürfnisse mit seiner Gemahlin, der Prinzessin Helena von Griechenland, und politische Zwistigkeiten mit der Regie­rung hatten den Kronprinzen Karol veranlaßt, auf die Thron­folge zu verzichten. Sein kleiner Sohn Michael ist nun zum Kronprinzen proklamiert. Um ein Haar hätte sich daraus eine Thronkrisis entwickelt. Ein Seitenstück zu dieser Sensa­tion hat es in Budapest gegeben, wo der Prinz Windischgrätz und eine ganze Anzahl vornehmer Personen wegen Fälschung französischer Banknoten verhaftet wurden.

L. ------ - .t^./'---^

Mm der Sozjalöemskrareu.

Zunehmende Stimmung für Sie große Koalition.

^ Reichskanzler Dr. Luther ist Donnerstag abend von feinem Urlaub wieder in Berlin eingetroffen. Er wird im Laufe des Tages vom Reichspräsidenten zur Bespre­chung der parlamentarischen Lage empfangen werden.

Den kommenden Beratungen der sozialdemokrati- schen Reichstagsfraktion sieht man in parlamentari­schen Kreisen mit großem Interesse entgegen. Wird doch die nächste Sitzung der Fraktion die Entscheidung darüber bringen, ob die Sozialdemokraten sich zur Mit­arbeit an einem Kabinett der großen Koalition bereit­finden werden. Die Abgg. Scheidemann, David und Noske sowie der preußische Ministerpräsident Braun und der preußische Innenminister Severing setzten in­zwischen ihre Vermittlungstätigkeit weiter fort, um die Fraktion für die große Koalition zu gewinnen. Es sind allerdings Bestrebungen im Gange, die bei einem Be­schluß einer knappen Mehrheit der Fraktion für die große Koalition die Absplitterung des linken Flügels erwägen.

Die Bemühungen sozialdemokratischer Führer, eine Aenderung der Haltung der Partei gegenüber einer Re­gierung der großen Koalition herbeizuführen, sind, wie die heute vorliegenden Meldungen erkennen lassen, nicht fruchtlos geblieben. So hat z. V. eine Versamm­lung der Karlsruher Ortsgruppe der Sozialdemokrati- schen Partei, die zur Regierungsbildung Stellung nahm, nach einem Vortrag des Reichstagsabgeordneten Schöpflin mit großer Mehrheit eine Entschließung an­genommen. die sich für die große Koalition im Reiche aussprach. Schöpflin erklärte, die Weimarer Koalition habe keine Mehrheit. Die einzige Möglichkeit sei die große Koalition aus Zentrum, Demokraten. Sozialde­mokraten und Deutscher Volkspartei.

Luther beim RsrchsprWhSNieu.

»-^Berlin. (B. T.) Reichspräsident von Hinden- burg empfing Freitag mittag nm 12 Uhx den bisherigen Reichskanzler Dr. Luther, mit dem er sich eingehend über Sie gegenwärtige politische Lage und besonders über die «nn zu unternehmenden Schritte zur Lösung der Regierungskrise besprach. Der Empfang dauerte etwa eine Stunde. Dr. Luther legte dem Reichspräsidenten eingehend die Gründe dar, die für und gegen eine so- kortias Betrauunq mit der Regierungsbildung sprechen. Dr. Lttther vraqte zum Andorns, daß einerseits eine baldige Betrannng einer Persönlichkeit mit der Regie- rungsbildnng notwendig ist, um die Krise endlich zum Abschluß zu bringen. Andererseits fei es aber bedenk­lich, die Beschlüsse der Fraktionen, die in den nächsten Tagen gefaßt werden sollen, durch vorzeitige Benennung einer Persönlichkeit irgendwie zu erschweren. Der Reichs­präsident will diesen Gründen noch einmal «achgehen und Dr. Luther dann nochmals zu sich bitten, um ihm seinen Entscheid mitznteile«.

t Frankreichs SaarpoM.

Neue vergebliche Versuche.

DasEcho de Paris" beschäftigt sich heute mit der fran­zösischen Politik im Saargebiet.

Das Blatt gibt zu, daß man nicht hoffen dürfe, daß die Saarländer sich in neun Jahren für Frankreich entscheiden werden, hält aber die Lage trotzdem nicht für verzweifelt. Es ei die Pflicht Frankreichs, alles zu tun, was menschenmöglich ei, um die Saarländer zu veranlassen, sich für den Status quo i u entscheiden. Aber um das zn erreichen, müsse die franzö- ische Saarpolitik einen mächtigen Antrieb erhalten.

Das Blatt will dieser Frage offenbar in der nächsten Zeit seine besondere Aufmerksamkeit zuwenden. Es fordert schon jetzt, daß' »arauf hingearbeitet werde, daß im März 1926, wenn der Völkerbund die Präsidentschaft der Regierungs- tommiffioK wieder zu vergeben hat, diese wieder einem Fran­zosen übertragen werde, doch nicht dem jetzigen Präsidenten Raoult. Diesen Beamten beizubehalten sei durchaus unmög­lich. An seine Stelle müsse eine Persönlichkeit ersten Ranges treten. ' . . / .

Zwei Handelsabkommen.

Holland und Spanien. i

In seiner letzten Sitzung genehmigte der Reichsrat zu­nächst den neuenHandelsvertragmitdenNieder- landen, wonach beide Staaten sich gegenseitig die Meist­begünstigung zusichern. Nach diesem Vertrag wird der frühere Deutschland von Holland bewilligte Kredit von 140 Millionen Gulden zum Ankauf von Rohstoffen um 7 Jahre verlängert und demgemäß auf 17 Jahre erstreckt. Der Zins­fuß wird vom 1. Januar ab auf 5% Prozent herabgesetzt. Spätestens am 31. Dezember 1936 werden 70 Millionen Gulden von Deutschland abgedeckt. Im Laufe des Jahres 1937 findet die Abdeckung des Restbetrages statt.

Der Reichsrat nahm außerdem das vorläufige Wirtschafts­abkommen zwischen Deutschland und Spanien an. Dieses Abkommen ist am 18. November vorigen Jahres durch Notenwechsel in Madrid abgeschlossen worden und soll sich als Uebergangsregelung auf höchstens sechs Monate erstrecken. Spanien erhält durch dieses Provisorium wesentlich ermäßigte Zollsätze für Tomaten, Weintrauben, Bananen, Apfelsinen und roten Naturwein, sowie Sardinen in Oel, während dagegen . Spanien der deutschen Einfuhr die niedrigeren Zölle der zweiten Spalte des jeweiligen spanischen Zolltarifts zubilligt.

Aas Hochschulwesen in Preußen.

31000 Studenten.

Die Gesamtzahl der Studenten der preußischen Univer­sitäten belies sich im Wintersemester 1924/25 auf 30 001 Studierende und stieg im Sommerfemester 1925 auf 31 386. Dies bedeutet gegenüber 1911 mit 25 228 Studierenden eine nicht unbeträchtliche Zunahme. Einen nicht unerheblichen Rückgang weift das evangelisch-theologische Studium auf, das mit 951 gegenüber 1911 eine Abnahme von 313 zeigt. Auch die katholisch-theologische Fakultät weist eine Abnahme auf. Die juristische Fakultät wies zusammen mit der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät 1911 5756, 1924/25 dagegen 8823 und 1925 9205 Studierende auf. Bemerkenswert ist das Interesse für die wirtschaftliche Fakultät, der im W. S. und S. S. 1924 bis 1925 3712 bezw. 3853 Studenten angehörten. In der medizinischen Fakultät blieben die Zahlen fast unverändert. Die philosophische Fakultät endlich zusammen mit der naturwissenschaftlichen Fakultät umsaßte 11614 Stu­dierende im W. S. 1924/25 und 12 382 im S. S. 1925, gegen 13 095 im Vergleichsjahr. Ausländsdeutsche und Ausländer waren in den letzten Semestern 2360 bezw. 2013 gegen 1858 im Vergleichsjahr eingeschrieben. Männliche Studierende erreichten 1911 93,6 v. H. und in den beiden letzten Semestern

88,5 v. H., weibliche Studenten gab es 6,4 bezw. 11,5 v. H.

VMM Tagesschau.

*« Eine deutsch-nationale Anfrage an die bayerische Regierung. Der Abgeordnete Graf Treuberg hat mit Unter­stützung von Mitgliedern der deutsch-nationalen Fraktion an die Staatsregierung eine kurze Anfrage gerichtet, in der u. a. gesagt wird: In letzter Zeit dehnen sich die faszistischen Expansionsbestrebungen auch unverhohlen bis an die baye­rische Grenze aus. Man erklärt, daß Italien sich bis an den Monte Caravate (Karwendel), nach Porta Claudia (Scharnitz) und Medullum (Feste Kufstein) ausdehnen müsse. In der Ansrage wird weiter ausgesührt, daß die Italiener in Süd­tirol nun daran gingen, den Deutschen Namensänderungen aufzuzwingen, um so das Deutsche wenigstens äußerlich ganz verschwinden zu lassen. In Deutschland lebende Italiener schlöffen sich zu faszistischen Gruppen zusammen und trügen ihre deukWeindUche« Faszistenabzeichen offen zur Schau. Die Anfrage richtet an die Staatsregierung die Frage, ob die Bildung fasMischer Ortsgruppen, vor allem in München, bekannt sei und welche Beweggründe die deutsche Regierung habe, diese deutschfeindlichen faszistischen Gruppen in Bayern, vor allem in München, zu dulden.

^ Die Beratungen über die Fürstenabfindungen im Rechtsausschuß des Reichstages. Der Rechtsausschuß des Reichstages begann unter Vorsitz des Abgeordneten Dr. Kahl (DVP.) mit, den Beratungen über die vermögensrechtliche Auseinandersetzung mit den früher regierenden Fürsten­häusern. Zur Behandlung standen ein demokratischer Antrag, der die Länder ermächtigen soll, die vermögensrechtliche Aus­einandersetzung, soweit sie noch nicht stattgefunden hat, durch Landesgesetz unter Ausschluß des Rechtsweges zu regeln und zwei kommunistische Anträge, die das Vermögen der ehemals regierenden Fürsten ohne Entschädigung enteignen und alle Rechtsstreitigkeiten darüber bis zum Inkrafttreten einer reichsgesetzlichen Regelung ausgesetzt wissen wollen. Von dem Vertreter des preußischen Finanzministeriums wurde dem Ausschuß eine Denkschrift vorgelegt, die in sehr ausführlicher Weise die vermögensrechtliche Auseinandersetzung zwischen dem preußischen Staat und dem vormals regierenden Königs­haus behandelt.

+< Der Finanzpolitische Ausschuß des vorläufigen Reichs- Wirtschaftsrates. Der Finanzpolitische Ausschuß des vorläufigen Reichswirtschastsrates behandelte den von der Reichsregierung zur Begutachtung vorgelegten Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung des Kraftfahrzeugsteuer- und Finanzausgleichs­gesetzes. Die Kraftfahrzeugsteuer foll die Mittel für eine ge­ordnete Aufrechterhaltung des Wegebaues aufbringen. Der vorliegende Entwurf sieht gegenüber dem bestehenden Gesetz eine Mihe wesentlicher Aenderungen vor. Zunächst ist die vorgesehene Steuerbefreiung von Kraftfahrzeugen mit höch­stens 8 PS. im Eigentum von Aerzten fallen gelassen worden. Sodann sieht her Steuertarif eine nicht unwesentliche Er­höhung tzor, und ist dahin erweitert worden, daß die Steuer so lange für ein Kraftfahrzeug weiter zu entrichten ist, bis es bei der Polizeibehörde abgemeldet ist. Der Entwurf will er­reichen, daß das Gesamtfteneraufkommen zu Zwecken der öffent­lichen Wegeunterhaltung Verwendung findet. Der Ausschuß beschloß, den Entwurf zur eingehenden Beratung einem Arbeitsausschuß zu überweiftn.

^ Wann kommt der Barmat-Prozetz? Die kommunistifche preußische Landtagsfraktion hat eine Große Anfrage ein­gebracht, in der das Staatsministerium gefragt wird, 1. oh sich die Staatsanwaltschaft nunmehr endlich über die Durch­führung des Strafverfahrens gegen die Gebrüder Barmat schlüssig geworden ist, 2. wenn nicht, aus welchen Gründen und auf Westen Veranlassung die Durchführung des Straf­verfahrens gegen Bormat immer wieder verschleppt wird und 3. welche Staatsanwälte für diese Verschleppung verantwortlich sind.

* Bayern und die Preissenkungsaktion. Zur Preis­senkungsaktion teilte der bayerische Handelsminister im Wirt­schaftsausschuß des Bayerischen Landtages mit, daß auf dem