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HersfelSer Tageblatt

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Hersfelöer Kreisblatt"

Amtlicher Mzeiger für den Kreis Hersfels

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Nr. 9

Dienstag, den 12. Januar 1926

76. Jahrgang

Neues vom Tage.

Der Oberbürgermeister Dr. Luppe in Nürnberg hat nun­mehr die gerichtliche Mitteilung erhalten, daß gegen ihn die Vor­untersuchung wegen Verbrechens des Meineides eingeleitet wurde und zugleich eine Vorladung zur ersten Vernehmung auf den 16. Januar erhalten.

Die Witwe des Staatsministers Rudolf von Delbrück, Elise von Delbrück, ist im Alter von 86 Jahren im Elisabeth­krankenhause gestorben.

Wie dieJournse Industrielle" berichtet, werden die deutsch-französischen Handelsvertragsverhandlungen am 14. Januar in Paris wieder ausgenommen. Die deutsche Wirtschaftsdelegation steht wenigstens für den Beginn der Beratungen unter dem Vorsitz des Ministerialdirektors Posse.

Einer Genfer Meldung zufolge hat die Sowjetregierung die Einladung des Völkerbundes angenommen, einen Delegierten zu den vorbereitenden Beratungen der Entwaffnungskonferenz zu entsenden.

Zwischen Rhein und Donav.

Lange Zeit haben Rheinland und Westfalen sowie Sachsen als die maßgebenden industriellen Gebiete in Deutschland gegolten, während die Entwicklung des Gewerbefleißes zwischen Rhein und Donau, überhaupt in Süddeutschland, weniger beachtet wurde. Die weltbekannten Industrien in 'Nürnberg, Augsburg, Eßlingen, Höchst, Hanau, Pforzheim usw. hatten^ihren großen Ruf, aber daß darüber hinaus sich umfangreiche Werke herausgebildet hatten, die denen im übrigen Deutschland nicht nachstanden, ist erst ziemlich spät erkannt worden. Süddeutschlands Ruhm als Wein- und Obst­gebiet ist noch durch seine industrielle Leistungsfähigkeit erhöht worden. Die süddeutsche Automobilindustrie nimmt heute einen ersten Rang in der Welt ein. Es verdient auch hervor­gehoben zu werden, daß sich in den Nachkriegsjahren die süd­deutsche Industrie ruhiger entwickelt hat als die norddeutsche, null e» jji deshalb auch wohl kein Zufall, oaß die Erwerbs­losigkeit südlich vom Main nicht solche schweren Schäden ver­ursacht hat, wie im Norden. Immerhin ist natürlich auch zwischen Rhein und Donau der Geldmangel und die Lähmung der Kaufkraft des Publikums sehr empfunden worden.

Die Tatsache, daß sich in der Inflationszeit das Schieber- tum am stärksten von Berlin aus verbreitet hat, fällt natürlich auch dafür ins Gewicht, daß die Solidität im Süden größer blieb. Demzufolge ist auch die Zahl der Konkurse und die Stellung unter Geschäftsaufsicht südlich vom Main geringer als anderswo. Im ganzen Deutschen Reiche hatten wir im Dezember 1925 rund 1660 Konkurse und 1380 Verhängungen von Geschäftsaufsicht. Der verhältnismäßig größte Teil ent­fällt auf den deutschen Norden, womit freilich nicht der Vor- wurf der Gewissenlosigkeit und Verschwendung erhoben sein soll. Die Stabilisierung der Unternehmungen hatte aber doch dort nicht dieselben Fortschritte gemacht wie im Süden. Natürlich ist die Zusammenarbeit der ganzen deutschen Industrie erforderlich, um nach außen hin Erfolge zu erzielen. Das schließt aber. nicht aus, daß die Eigenheit des deutschen Charakters auch in der Eigenart der industriellen Wege zu­tage tritt.

Wenn wir darauf hoffen dürfen, daß bis zum Frühjahr eine Befserung unserer Erwerbsverhältnisse sich durch Arbeit und Sparsamkeit geltend machen wird, dann wollen wir die Erwartung aussprechen, daß sie in dem schönen und frucht­baren deutschen Süden ihren Anfang nimmt und von dort aus sich über das ganze Reich verbreitet. Und wenn die Ernährung billiger zu ermöglichen ist, warum sollen die industriellen Fabrikate nicht zu Preisen abgegeben werden können, wie sie dem^gegenwärtigen Stande der Kaufkraft entsprechen? Ohne ein Sichbescheiden geht es nicht, denn die Geldknappheit, über die wir klagen, ist auch im Auslande vorhanden und nicht von heute auf morgen zu beseitigen. Es kann nur das einzige Geschäftsprinzip geben: großer Umsatz bei kleinem Nutzen, weil andere Möglichkeiten nicht vorhanden sind. Hierin liegt auch die Beseitigung der Arbeitslosigkeit.

Der Roffullonflilt.

Zu den englisch-türkischen Verhandlungen.

Das englische Büro Reuter meldet, in gut unterrichteten Kreisen sei nichts bekannt über die angebliche Absicht der französischen Regierung, ihre Dienste als Ver - m i t t l e r i n in der englisch-türkischen Meinungsverschieden­heit über Mossul anzubieten. Natürlich sei die französische Regierung wegen des französischen Mandats in Syrien, und weil Feindseligkeiten im Nahen Osten die fran­zösische Regierung in eine unangenehme Lage bringen würden, stark an der Frage interessiert. Es werde angenommen, daß die britische und die französische Regierung in enger Füh­lung bezüglich aller möglichen Entwicklungen stehen und daß die französische Regierung über den Gang der bevorstehen­den englisch-türkischen Verhandlungen in Angora auf dem laufenden gehalten wird.

Ein Beschluß des Senfrum#.

Für die Große Koalition.

Das Zentrum hat in Berlin nochmals eine eingehende Besprechung über die politische Lage abgehalten, die zu folgen­dem Ergebnis geführt hat:

In den Berichten aus allen Landesteilen fand die unge­heure, von Tag zu Tag steigende wirtschaftliche Not weitester

Volksschichten einen erschütternden Ausdruck. Daraus zog die

Versammlung die Folgerung, daß zur Ueberwindung dieser Notlage nur eine Regierung auf breitester Grundlage berufen sein kann. Das ist die Große Koalition. Der Verantwortung zur Bildung einer solchen Regierung kann sich keine Partei entziehen, der es ernst mit der Fortführung einer zielsicheren friedlichen Außenpolitik und der Aufrechterhaltung unserer Verfassung, der Gesundung der Wirtschaft und der Linderung der sozialen Notstände ist. Unverantwortlich wäre es, in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Krise noch eine Staatskrise herauszubeschwören. Sie würde zur völligen Verelendung unseres Volkes, insbesondere der Arbeitermassen, führen. Die Versammlung erwartet daher von der Zentrumsfraktion des Reichstages, daß sie alle Entschlossenheit und alle politischen Mittel aufbietet, eine solche Entwicklung zu verhindern."

In der Aussprache wurde besonders die bisherige ab­lehnende Haltung der Sozialdemokratie bedauert und die Er­wartung ausgesprochen, daß die sozialdemokratische Reichstags­fraktion schließlich doch noch eine andere Haltung einnehmen und sich gleichfalls für eine Regierung der Großen Koalition entscheiden werde.

Deutschland und die Schweiz.

Aufhebung des Sichtvermerkzwanges.

Zwischen der deutschen und der schweizerischen Regierung ist die gegenseitige Aufhebung des Sichtvermerkzwanges mit Wirkung vom 2 0. Januar 1926 vereinbart worden.

llaithiuui au-kKLueu Reickwauaellöriae die Schweiz und Schweizer Staatsangehörige das Reichsgebiet über die amtlich zugelassenen Grenzübergangsstellen jederzeit ledig­lich auf Grund des gültigen Heimatpasses ohne Sichtvermerk betreten und verlassen. Für Kinder unter 15 Jahren genügt an Stelle des Passes ein amtlicher Ausweis über Name, Alter, Staatsangehörigkeit und Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt. Der Kinderausweis muß bei Kindern über 10 Jahre mit einem Lichtbild versehen sein.

Mit Rücksicht über die gegenwärtig stark gespannte Lage des Arbeitsmarktes der beiden Länder ist vorgesehen, daß Angehörige des einen Staates, die im Gebiet des anderen Staates eine Stellung antreten wollen, mit einer vor der Einreise bei der zuständigen Auslandsvertretung des Ziellandes zu beschaffenden Bewilligung zum Stellenantritt ausgestattet sein müssen. Die Vereinbarung über die gegen­seitige Aufhebung des Sichtvermerkzwanges im deutsch­schweizerischen Verkehr gilt auch im Verhältnis zwischen dem Deutschen Reich und dem Fürstentum Liechtenstein.

Die Lage in Ungarn.

Erklärungen des ungarischen Ministerpräsidenten.

Wie aus Paris gemeldet wird, veröffentlicht derPetit Parisien" eine Unterredung mit dem Grafen Bethlen, in der dieser erklärte, die Fälschungs-Angelegenheit habe keinen politischen Hintergrund. Sie sei nur die Aeußerung einer ge­fährlichen Mentalität, die zum größten Teil auf die materielle und moralische Umwälzung der letzten Jahre zurückzusüh- ren sei.

Auf die Frage, ob die dem Erzherzog Albrecht zugeschrie­benen Putschpläne auf Wahrheit beruhten, erklärte Bethlen, der berüchtigte Plan von Mondsee existiere nur in der Ein­bildung einiger Journalisten. Auf den Hinweis, daß die

Herzogs spreche, habe Graf Bethlen nur gelächelt und erklärt^ wenn irgend jemand dem Lande gefährlich würde, müsse man ihn nicht ausweise«, sondern verhaften. In Wirklichkeit be­stehe die Gefahr eigeS faszistischen Staatsstreiches nicht.

Auf die Anspielung, daß eine Meinungsverschiedenheit zwischen Bethlen und Horthy in der Banknotenangelegenheit bestehe, habe Bethlen erklärt, daß zwischen ihm und Horthy jederzeit volles Einverständnis geherrscht habe. Im übrigen hoffe er, daß aus dieser Sache zwischen Frankreich und Ungarn kein Mißverständnis erwachse, denn die französische Regierung müsse zu geben, daß die ungarische Regierung ihre Schuldigkeit bis zum äußersten tue. '

; Die Völlerbundspoflen.

- Aus dem Auswärtigen Ausschuß.

Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages behandelte in seiner letzten Sitzung die Sekretariatsfrage im Völkerbund. Da in der P r e s f e p o l e m i k die Sozialdemokratie und das Zentrum beschuldigt worden sind, ohne Einvernehmen mit dem Auswärtigen Amt sich mit dem Generalsekretariat des Völkerbundes offiziell in Verbindung gesetzt zu haben, um für ihnen nahestehende Persönlichkeiten Stellen im Völker­bundssekretariat zu erlangen, beantragen die Abgg. Müller- Franken (Soz.) und Dr. Marx (Ztr.) die Oeffentlichkeit der Sitzung. Diesem Antrag entsprach der Ausschuß mit der Maß­gabe, daß, falls notwendig, bestimmte Teile der Verhandlungen von der Oeffentlichkeit ausgeschlossen werden können. Am Ein­gang der sachlichen Beratungen gab zunächst der Vorsitzende Abg. Hergt (Dntl.) eine ausführliche Darstellung des objektiven Tatbestandes bezüglich der bisherigen Polemik in der Presse. Dann ergriff der Reichsaußenminister Dr. Stresemann das Wort. ;. - -

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-Mische Lagesschau.

-^ Die Demokraten für die Große Koalition. Wie die Montagspost" wissen will, wird der demokratische Führer Koch dem Reichspräsident in der Unterredung mit­teilen, daß die Demokraten nach wie vor nur eine Reichsregierung auf der Grundlage der Großen Koalition für möglich halten, weil keine andere Koalition nach dem Ausfall . der KeuüchMtionallu, --m-Msichvtag über eine WeHHeit Sex- ' füge.

^ Vom englischen Parteileben. Garvin führt imObser­ver" aus, ein Bündnis zwischen den Liberalen und der Arbeiterpartei sei natürlich und notwendig für beide. Man könne annehmen, daß fünf Sechstel der Liberalen dafür seien. Die Schwierigkeiten lägen in der Haltung der örtlichen Arbeiterorganisationen, die den Liberalismus überall bekämpf­ten, wo nur die mindeste Aussicht auf Erfolg bestehe. Sollte die Arbeiterpartei die neuen Angebote betreffend eine Allianz oder Koalition ablehnen, dann könnten die Ereignisse leicht neue Formen annehmen. Die Liberaler, mufften sich ent­schließen, mit dem einen oder dem anderen der beiden Rivalen eine Vereinbarung zu treffen. Hierbei sei zu bedenken, daß in zwei MMaten das Kohlenproblem die lebhafteste Bewegung in politischer Hinsicht hervorrufen werde. In einer Rede in London sagte das Arbeitermitglied des Parlaments, Ammon, eine Koalition zwischen der Arbeiterpartei und den Liberalen sei völlig ausgeschlossen. Die Liberale Partei sei erledigt und werde zweifellos teils in der Konservativen und teils in der Arbeiterpartei aufgehen.

^ Aus Französisch-Marokko. DasJournal" gibt eine Meldung aus Rabat wieder, nach der franzosentreue Stämme in der Gegend von Taza sich mit denen von Fez nördlich des Senhadja-Gebirges vereinigt hätten, wodrurch die französische Front zwischen Taza und Fez 20 Kilometer nach Norden ver­schoben worden sei. Die. ganze Gegend des Haut Leben, vor der der französische Vormarsch im Lande der Tsuls zum Stehen gekommen war, sei nunmehr in den Händen der Franzosen.

^ Die Lage in China.Daily Mail" meldet aus Hong­kong: Die Nationalistische Partei hielt ihren zweiten Jahres­kongreß in Kanton ab. Der Vorsitzende wiederholte in seiner Ansprache die von dem verstorbenen Parteiführer Sunhatsen auf dem ersten Kongreß gesprochenen Worte:Wenn auch Lenin tot ist, die russische Revolution lebt! Wenn ich auch sterbe, so wünsche ich, daß die Partei das Werk fortsetzen wird." Der Kongreß hat, dem Berichterstatter zufolge, be­schlossen, dem Leiter der Sowjetpresse in China, Borodin, einen Liebesbecher mit der Aufschrift:Laßt uns zusammen­stehen!" zu widmen. Der Kongreß beriet dann eine Reihe von Entschließungen, die sich aus die Reorganisation des Finanz­systems, darunter auf Aufhebung der Binnenzölle, und auf Chinas Recht auf Besteuerung von Ausländern beziehen.

.^ Zur Verbannung des Prinzen Karol. Wie der Chicago Tribune" aus Bukarest gemeldet wird, ist in sechs Provinzen durch die Nachricht von der Verbannung des Prin­zen Karol durch die Regierung Bratianu eine ernste Lage hervorgerufen worden. Die betreffenden Provinzen stünden buchstäblich unter dem Belagerungszustand. Den ausländischen Korrespondenten, die sich in diesen Provinzen befinden, fei nicht die Erlaubnis erteilt worden, sich des Telegraphen zu bedienen. ' Eine lokale Zeitung, dieLupta", ist wegen eines Angriffs gegen Bratianu beschlagnahmt worden. Diese Zeitung ist denn wieder erschienen, kündigt jedoch auf ihrer ersten Seite an, daß sie von den Militärbehörden zensiert wird.