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Hersfelöer Tageblatt

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Hersfel-er Kreisblatt^

Amtlicher Mzsiger für den Kreis Hersfelö

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Nr. 16

Neues Wm Tage.

Von zuständiger deutscher Seite wird mitgeteilt, daß Bot- schaster von Haesch in der Frage des Abbaues der Besatzungs­truppen in der zweiten und dritten Zone bei der französischen Regierung Schritte unternommen hat. Die Besprechungen hier­über werden noch fortgesetzt.

Das Schwurgericht in Hannover verurteilte den Händler Grans, den Mitwisser Haarmanns, zu 12 Jahren Zuchthaus.

Im Münchener Rotgardistenprozetz beantragte der Staats- anwalt wegen Totschlags 10 Jahre Zuchthaus.

Wie dieGazeta Gdanska" schreibt, ist das Polentum in Danzig in vollem Rückgang. Das Blatt ist der Ansicht, daß das Polentum in Danzig sogar als Minderheit aufhören werde.

In Paris verlautet, der bisherige Präsident der Regie- rungskommission für das Saargebiet, Hault, werde demnächst zurücktreten. Als sein Nachfolger ist der bisherige Botschafter in Washington, Daeschner, ausersehen.

Sie Lage der Reichsbahn

Nach dem letzten Geschäftsbericht der Deutschen Reichsbahn­gesellschaft ging der Güterverkehr besonders von Mitte Dezern- ber ab ständig zurück, trotz der Einschränkung und teilweise» Einstellung des Verkehrs auf den Binnenwasserstraßen infolge Hochwässers. So betrug der Rückgang in den Verladungen künstlicher Düngemittel gegenüber dem Vormonat fast 1100 Wagen, gegenüber dem Dezember b. J. sogar über 9700 Wagen, eine Folge der dauernd unzureichenden Abnahme der deutschen Landwirtschaft. Nur in Kali und in Stickstoffen hielt sich der Auslandsabsatz auf zufriedenstellender Höhe.

Der Rückgang der Kartoffelbeförderung belief sich auf etwa 11 500 Wagen gegenüber dem Vormonat. In Brotgetreide und Mehl wurden 1690 Wagen weniger als im Vormonat ver­laden. Die Zuckerrübenverarbeitung ist zum großen Teil be­endet; es waren 20 200 Wagen weniger als im November, dagegen 13 900 Wagen mehr als im Dezember des Vorjahres erforderlich. Der Zuckerversand ging gegenüber dem Vormonat _ m zurück. Mkürderuna LM- Zement ist von 19 400 Wagen im November auf 8300 Wagen im Dezember zurückgegangen. Insgesamt ist die arbeitstägliche durchschnittliche Gestellziffer von Wagen um über 21000 gegenüber November gesunken. Infolge Einschränkung der Binnenschiffahrt, zum Teil auch infolge erhöhten Hausbrand­bedarfs wurden für den Kohlentransport etwa 52 000 Wagen mehr beansprucht. Am 16. Dezember wurde eine Gestellung von 28 533 Wagen und damit die höchste Zahl seit Juli 1924 erreicht. Der Bericht weist auf die erheblichen Störungen infolge von Schneeverwehungen sowie auf die Schäden durch Hochwasser hin. Auf einer Reihe von Strecken war Ende Dezember der Verkehr noch unterbrochen. ......

SersaffungMOerungen?

Anträge der Deutschnationalen.

Auf der Reichsgründungsfeier der Deutschnationalen Volkspartei kündigte Graf Westarp in feiner Festrede an, daß die Dsutschnationalen eine Reihe von Anträgen im Reichstag einbringen werden, die eine Einschränkung der Befugnisse des Reichstages und somit der Wichtigkeit der Parteienherrschaft anstreben.

Bei den Anträgen handelt es sich um die Stärkung der Stellung des Reichspräsidenten und um Abschaffung des Art. 54 der Reichsverfassung, wonach der Reichskanzler bei jedem Miß­trauensvotum einer Reichstagsmehrheit zurückzutreten ge­zwungen sei. Verlangt werde das Recht für den Reichs­präsidenten durch Entlassung bezw. Ernennung des Reichs­kanzlers eigene Politik zu treiben, wie es z. B. i» Amerika üblich sei.

Im Reichsrat müsse Preußen den Vorsitz erhalten. Schließ­lich werden die Anträge eine Herabsetzung der Zahl der Reichstagsabgeordneten fordern, da Deutschland es sich in der jetzigen Notzeit nicht leisten könne, daß 2000 Männer und Frauen in den Parlamenten des Reiches und der Länder Diäten bezögen. Für den Reichstag käme man am praktischsten zu einer Verminoerung der Sitze, wenn man das Wahlalter auf 24 oder 25 Jahre hinaufsetze.

Englands

Was Lord Bridgeman sagt.

Der Erste Lord der Admiralität, Bridgeman, erklärte in einer Rede, die gegen die Regierung gerichtete Anschuldigung, sie beginne einen neuen Wettbewerb mit anderen Nationen der Welt im Kriegsschisfsbau, sei völlig unberechtigt.

Großbritannien sei das einzige Land, das, obgleich es mehr als andere von der See abhänge, Neubauten bis zum letzten möglichen Augenblick verzögere. Es sei nicht allgemein bekannt, daß die anderen großen Seemächte, nämlich die Vereinigten Staaten, Japan, Frankreich und Italien, nach dem Kriege und mit Ausnutzung der Erfahrungen aus dem Weltkrieg über 300 Kriegsschiffe vom Kreuzer abwärts gebaut hätte». Während der britische Beitrag nur 11 betrage.

Mittwoch, den 20. Januar 1926

Während wir, fuhr Bridgeman fort, bestrebt und willens sind, auf jede Verminderung einzugehen, soweit dies mit der Sicherheit unseres Landes vereinbar ist, und die Rüstungen zu beschränken, sei es zur See oder zu Lande oder in der Luft, müssen wir, so lange andere Länder fortfahren, sich zu be­waffnen, auf jeden Fall so lange Vorsorge treffen, damit wir nicht im Stich gelassen werden.

Der MchMWM filiert Mscheiimg.

Die neue Ministerliste Dr. Luthers.

Berlin. Der Reichspräsident von Hindenburg empfing in Gegenwart des Reichskanzlers Dr. Luther die Abgeordneten Dr. Marx jZtr.j, Dr. Scholz sD. Vp.j, Erkelenz, Koch und Haas von der Demokrat. Partei und den Abg. Leicht «Bayr. Volksparteij.

Der Reichspräsident hielt eine kurze Aniprache, in der er auf den Ernst der Lage hinwies und die Notwendigkeit betonte, so schnell wie möglich ein Ka­binett zu bilden. Er dankte hierauf dem Abg. Koch nochmals für seinen Versuch, die Große Koalition zu bilden, sowie für seine Bemühungen im letzten Sta- dium der Kabinettsbildung und teilte mit, daß der Reichskanzler den Parteiführern einen Vorschlag unterbreiten würde, zu dem nun möglichst schnell Stellung genommen werden sollte. Die Not des Vaterlandes erfordere, daß die Regierungskrise end­lich beendet werde.

Die Parteiführer begaben sich sodann mit dem Reichskanzler Dr. Luther zur Reichskanzlei, Wo der Reichskanzler seine Mitgliederliste verlegte, die ohne weitere Aussprache entgegengenommen wurde. Diese Liste lautet:

Reichskanzler: Dr». Luther jD. Vpt),

Aeußercs: Dr. Stresemann sD Vpt.),

Inneres: Dr. Külz iDem.i,

Finanzen: Dr. Reinhold sDem.j,

Wirtschaft: Dr. Curttus sD. Vpt.),

Arbeit: Dr. Brauns sZtr.j,

Justiz: Dr. Marx <Ztr.),

Reichswehr: Dr. Geßler sDem.h

Post: Stingl sBayr. Vpt),

Verkehr: Dr. Krohne, M Vpt.).

Das RetchsernährungsMintstertuW ist zurzeit noch nicht besetzt, es wird wahrscheinlich einen Minister erhalten, der dem Zentrum nahe steht. Wenn eine Besetzung jetzt noch nicht erreicht werden sollte, so würde der Reichskanzler zunächst das Ministerium selbst verwalten. Das Ministerium für die besetzten Gebiete bleibt noch unbesetzt, wird aber provisorisch von Dr. Marx verwaltet werden.

Die Zustimmung der Fraktionen.

Berlin, 19. Januar.

Die Fraktionen der Deutschen Volkspartei, des Zentrums und der Bayerischen Volkspartei beschlossen nach kurzer Beratung der von Dr. Luther vorgelegten Kabinettsliste ihre Zustimmung zu erteilen. Die letzte Entscheidung lag nunmehr bei den Demokraten.

In der Sitzung der Fraktion der Demokratischen Partei, in der die Liste des Reichskanzlers für das Kabinett zur Entscheidung vorrelegt wurde, wieder­holte der Fraktionsvorsitzende Koch seine Bitte, ohne Rücksicht auf seine Person die Entscheidung nach rein sachlichen Gesichtspunkten zu treffen. Es wurde nach langer Debatte, wie das Nachrichtenbüro des Vereins Deutscher Zeitungsverleger hört, mit ganz kleiner Mehrheit folgende Entschließung gefaßt:

Die Fraktion hält die von ihr geltend gemachten schweren Bedenken gegen die Art der Kabinettsbildung aufrecht. Sie erblickt insbesondere in der Berück- sichttgnng des gegen alle parlamentarischen Gepflogen­heiten erhobenenen, aus partikularistischen Gründen hervorgegangenen Einspruch der Bayerischen Volks­partei gegen die Ernennung ihres Fraktionsvor- fitzenden zum Innenminister eine schwere Belastung der Reichspolittk. Sie hätte erwartet, daß der mit der Kabinettsbildung Beauftragte und die beteiligten Parteien diesen Einspruch nachdrücklichst zurückgewie­sen hätten. Nachdem aber der Fraktionsvorsitzende erklärt hat, dem neuen Knbinett nicht angehören zu wollen, und seinerseits den Eintritt in die Koalition empfohlen hat, und nachdem durch die Berufung des Herrn Dr. Külz an seiner Stelle die Teilnahme eines Fraktionsmitgliedes gesichert ist, das den politischen Standpunkt des Fraktionsvorsitzenben in vollem Um­fange teilt, stimmt die Fraktion der Bildung des vor- gesehenen Kabinetts zu, damit im Interesse des Staates, der Wirtschaft und der Volkswohlfährt ein parlamentarisches Kabinett sofort zustande kommen kann.

Der Reichspräsident stimmt;u.

Die Regierung endgültig gebildet.

Nachdem im Laufe des Abends die vier Regierungs­fraktionen ihre Zustimmung zu der vom Reichskanzler Dr. Luther vorgeschlagenen Besetzung der Reichs- mtmsterien mitgeteilt haben, hat der Reichskanzler dem Reichspräsidenten mitgeteilt, daß das Kabinett der Mitte gebildet ist. Das Kabinett hat die Zu­stimmung des Reichspräsidenten gefunden.

76. Jahrgang

Deutsche RentenbaA

Zinsermäßigungen.

Der Verwaltungsrat der Deutschen Rentenbank und der Verwaltungsrat der Deutschen Rentenbankkreditanstalt haben den Zinssuß aller an die Personalkreditinstitute gegebenen Kredite entsprechend der Diskontermäßigung der Reichsbank mit Wirkung ab 12. Januar 1926 um 1 Prozent gesenkt mit der Maßgabe, den Zinssatz für den letzten Kreditnehmer grund­sätzlich auf 12% Prozent zu. ermäßigen.

Gleichzeitig nahm der Verwaltungsrat der Deutschen Rentenbankkreditanstalt das Angebot der Golddiskontbank an( durch das der Deutschen Rentenbankkreditanstalt größere Beträge gegen Ausstellung von Hypothekarschuld- sch einen zwecks Gewährung von 7^prozentigen zu zirka 98% Prozent zur Auszahlung gelangenden hypothekarisch ge­sicherten landwirtschaftlichen Darlehen zur Verfügung gestellt werden sollen. r < " ~

Das Deutschtum in Tirol. -

Neue Knechtung der Deutschen.

In einer Verordnung der italienischen Regierung wird bestimmt, daß die Verwaltungsbehörden das Recht haben, die Optionen der deutschen Bewohner Südtirols aufzuheben, wenn sich herausstellt, daß d e r O P t a n t sich wegen seiner politischen Haltung der italienischen Staatsangehörigkeit unwürdig zeige. In Zukunft können daher auf Grund einer einfachen behörd­lichen Anordnung alle politisch verdächtigen Südtiroler nach Aberkennung der italienischen Staatsangehörigkeit aus - gewiesen gerben. Die deutsche Presse in Nordtirol sowie die gesamten österreichischen Blätter erheben schärfsten Einspruch gegen diese neue Vergewaltigung des Deutschtums, das durch diese Bestimmung völlig entrechtet wird. Sie Weisen daraus hin, daß hierdurch a l l e D e u t s ch e n für v o g e l f r e i erklärt werden. Das Presseamt der Faszistischen Partei Italiens teilt mit, daß in allen Orten Faszistenvereine gegrün­det wurden, die die Aufgabe haben, die Jtalienisierung dieser Gebiete zu sördern.

Die LüNMriMM im Saargediet.

Wachsende Notlage.

Die Bauernschaft des Saargebiets hielt ihre dies­jährige Hauptversammlung ab. Nach einem Rückblick des Geschäftsführers auf das Jahr 1925, das schon eine gedrückte Stimmun g aufwies, aber doch noch einige Hoffnung auf eine gute Ernte offen ließ, ist auch diese Hoff­nung durch schlechte Steuerpolitik und nachhaltige Witterungsschäden zunichte gemacht. Der Referent erklärt», daß es unbedingt notwendig sei, die S t e u e r l a st e n aus ein erträgliches Maß herabzusetzen. Das Grundübel der wirt­schaftlichen Not der Saarbauern liege heute darin, daß das benachbarte Lothringen ein übermächtiger Konkurrent ge­worden sei. Der Lothringer Bauer habe wesentlich geringere Steuern zu bezahlen. Dies gehe schon deutlich daraus hervor, daß die Einsuhr aus dem Westen ins Saargebiet einen ganz bedeutenden Umfang angenomemn habe, deren Wert die Vor- kriegsjahre übertreffe. Unter stürmischem Beisall forderte der Redner die Aufhebung der Zollgrenze im Osten und eine solche gegen Lothringen.

Politische Tagesschau.

*^ Um die Abfindung der Fürsten. Dieser Tage über­reichten Vertreter der deutschen Liga für Menschenrechte, der Kommunistischen Partei Deutschlands und anderer Verbände dem Innenministerium den Zulassungsantrag auf Einleitung des Volksbegehrens für völlige Enteignung der Fürsten und legten einen entsprechenden Gesetzentwurf vor. Gleichzeitig Übergaben sie dem Ministerium die beglaubigten Unterschriften von über 9000 Wahlberechtigten aus dem Berliner Stadtteil Neukölln. Weitere Listen mit über 20 000 Unterschriften liegen zur Bestätigung dem Wahlamt in Neukölln noch vor.

Reichsbeamtentagung der Deutschen Volkspartei. Im Preußischen Landtag begann die Reichsbeamtentagung der Deutschen Volkspartei. Der Vorsitzende des Reichsbeamten­ausschusses der D. V. P., Abg. Meyer-Herford, hieß die Ver­sammelten willkommen. Im Namen der Parteileitung sprach Reichstagsabgeordneter Staatssekretär z. D. Kempkes be­grüßende Worte. Als erster Referent sprach Reichstagsabge­ordneter Morath über Besoldungsfragen. Minister Dr. Strese­mann sprach in längeren oft von stürmischem Beifall unter­brochenen Ausführungen über die außen- und innerpolitische Lage. Regierungsrat Schmid-Stettin sprach über Liberalis­mus und Demokratie.

" Keine Erleichterungen für Frankreich in der ameri­kanischen Schuldenfrage. Das amerikanische Handelsmini­sterium veröffentlicht auf Grund eines Pariser Berichts eine Erklärung, wonach Frankreich in der Schuldenfrage keine weiteren Erleichterungen beanspruchen könne. Die wirtschaft­liche Lage fei in Frankreich bedeutend besser als in der Vor­kriegszeit. Insbesondere sei die Lage der Kohlen- und Eisen­industrie sowie der Landwirtschaft ausgezeichnet, $ie Per«