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Hersfelöer Tageblatt

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yersfelSer Kreisblatt'

Mmtticher Anzeiger für -en Kreis hersfelS

0er Bezugspreis betrügt smck die Post bezog .n monatlich L M., auss^MI. BelteligeM, für Bersfeld L lvk. bei freier Zultetag, Abholer -.80 M. * Dru* und Verlag pod badsig Fante Rudidrudreref In Eersfeld, fflltgSed des VDZV

Nr. 44

Montag, den 22. Februar 1026

76. Jahrgang

Das Wichtigste.

* Im Reichstag wurde die von den Regierungsparteien vorgeschlagene Erhöhung der Unterstützungssätze für Erwerbs­lose angenommen.

* In Berlin wurde die mit derGrünen Woche" verbundene erste landwirtschaftliche Messe und Ausstellung feierlich eröffnet.

* Zwischen der Türkei und Frankreich wurde ein Abkommen getroffen, nach dem die Bagdadbahn unter türkische Kontrolle gestellt wird.

* einem Schiffsunglück im Schwarzen Meer ertranken 50 Personen.

TWisch-französische Areuphschast.

Die Zeiten sind längst vorbei, als es uns gleichgültig war, wenn hinten weit in der Türkei die Völker aufein- anderschlugen". Wir bekamen es nach dem Zusammen- bruch 1918 noch oft genug zu verspüren, wenn in Vorder­asten nach dem Wiedererstarken der Türkei dort die Völker zwar nicht aufeinander losschlugen, wohl aber ihre Interessen aufeinanderstießen. Denn der fran- zopfch-englische Gegensatz,' der in altererbter Staatskunst nun auch von den Nachfolgern des Sultans Abdul Hamid ausgenutzt wurde, hatte leider oft genug seine Rückwirkun­gen namentlich auf unser Verhältnis zu Frankreich.

. Die Türkei scheint nun entschlossen zu kein, es wegen der M o i s u l f r a g e doch nicht zu einem' Konflikt kom- men zu lassen, bei dem es auch den alten Freund Frank­reich auf der Gegenseite haben müßte. Darum hat sie sich letzt mit dem außerordentlich geschickten französischen Sonderbeauftragten für Syrien, de Jouvenel, der auch nach Angora kam, geeinigt und mit Frankreich einen Neutralitats- und Freundschaftsvertrag abgeschlossen, der außerdem die Neuziehung der türkisch-syrischen ' Grenze, Ordnung des Zoll- und Eisenbahnverkehrs, Unterdrückung der Bandentätigkeit berührt und als wesentlichsten Inhalt zweifellos ein Desinteressement der Türkei hinsichtlich ©tl^ bringt. Haben sich doch die Pertreter.LvrieuÄ. vie zum,, VöllexM nach Genf kamen, bitter, aber mit Recht darüber beschwert, daß die Freundschaft der Türkei von Frankreich durch Abtretung syrischen Gebiets erkauft werde.

Eine weitere Rolle bei diesen Verhandlungen hat nun auch die Bagdadbahnfrage gespielt und daran haben wir Deutschen ja immer noch ein sehr starkes Interesse, ist sie doch in der Hauptsache von Deutschen und mit deutschem Geld erbaut. Dieses Meisterwerk deutscher Bau- und Jngenieurkunst haben ja auch Zehntausende von Deutschen im Kriege kennengelernt; gerade an dem Tage, als in Palästina die Front zusammenbrach, waren die 35 Tunnels durch den Taurus an der Südostecke Klein­asiens sertiggestellt. Jede Schiene, jede Schraube, jede Maschine lind jedes sonstige Bauwerkzeug mußte ja auf dem 3500 Kilometer langen Wege aus Deutschland herbei- geschafft werden, die Unwirtlichkeit der Gegend spielte eine stark hemmende Rolle. Merkwürdigerweise ist wäh­rend des Krieges von englischer Seite nie der Versuch ge­macht worden, diese einzige Verbindung der Türkei mit Palästina und Mesopotamien abzuschneiden, obwohl sie südlich des Taurus gar nicht weit vom Meer dahinführt. Glückte ein solcher Versuch, so war der Krieg in diesen Gegenden mit einem Schlage beendigt. Wenn die Bahn dann den Autitaurus durchbrochen hat, dort, wo bisher die syrisch-türkische Grenze lag, teilt sie sich etwas nördlich der Stadt Aleppo; der eine Strang zieht gen Osten, wo er dann wieder auf türkisches Gebiet tritt, um schließlich auf mesopoiamischem Gebiet-mitten in der Wüste plötzlich zu enden. Die Schlußstrecke bis Samarra am Tigris ist nicht fertiggestellt, während von dort eine Strecke nach Bagdad im Süden und Mossul im Norden führt.

Der erste Angoravertrag zwischen Frankreich und der Türkei gab dieser die Strecke bis Nusib hoheitsrechtlich zurück, jedoch stand die Bahn unter französischer Verwal­tung, was die Türken sehr unliebsam zu spüren bekamen, als sie die Strecke während des Kurdenaufstandes im ver­gangenen Jahr zu Truppentransporten benutzen wollten. Offenbar hat nun der neue Vertrag hier eindeutige Rechts­verhältnisse geschaffen, der Türkei vielleicht die ganze Bahn von jenem Knotenpunkt nördlich Aleppo überlassen unter Verschiebung der Grenze. Wenn uns der Vertrag von Versailles auch die Rechte genommen hat, die wir dort besaßen, und sie im nie von der Türkei anerkannten Frieden von Sevres, den Kemals Schwert zerschlug, unter französisch-englische Finanzgruppen verteilt wurden, so ist es für uns bei allem wehmütigen Gedenken doch er­freulich, daß diese Bahn in ihrem Hauptteil doch wieder m türkischem Besitz ist, um so mehr, weil die Türkei hinsichtlich ihrer Bahnbauten jetzt deutsche Firmen stark bevorzugt.

I Auch nach einer anderen Richtung hin scheint Kemal zHmcha bis auf weiteres einen Schlußstrich unter die 1-vwssulaffäre ziehen zu wollen. Soeben ist der neue fünf- s"".dasi^6jahrigeKontrakt" zwischen England und dem jKonigreich Mesopotamien vom englischen Unterhaus ge- U^ehmigt worden, was in der Völkerbundentscheidung über die Mossulfrage verlangt worden war. Da Kemal wohl einsah, daß sich dagegen bis auf weiteres militärisch nichts machen läßt, will er wohl noch herausholen, was irgend möglich ist; denn in dem Entscheid werden auch Zoll- und

Eine Rede Dr. Sieiemanns in Köln

Akademische Sesremngsseier in Köln.

Eine Rede Stresemanns.

Aus Anlaß der Befreiung Kölns veranstaltete die Kölner Studentenschaft einen Festkommers, an dem etwa 3000 Studenten teilnahmen. Nach einer Begrüßungs­ansprache des Vorsitzenden der Kölner Studenten­schaft ergriff Reichsaußenminister Stresemann das Wort und führte folgendes aus:

In der deutschen akademischen Jugend bestehen, wie im deutschen Volk, verschiedene Einstellungen gegenüber dem Reich und seiner Fortentwicklung. Die einen ver­fallen in träumende Resignation über alte Größe und Herrlichkeit, andere warten auf ein Wunderbares, das sie mit heißem Herzen ersehnen, ohne zu wissen, woher es kommen und wer es schaffen soll. Mag für den ein­zelnen Menschen, der den Weg von großer Macht und von Einfluß und Glück zur Armut und zu Unglück durch- gemacht hat, der eine oder andere Weg möglich sein, für diejenigen, die für die Reichsentwicklung verantwortlich sind, gibt es nur eines, das ist die

Politik tätigen Mitschaffens nach innen und nach außen. Wer zurückschaut auf die Politik der letzten drei Jahre in Deutschland, der muß mit Blindheit geschlagen oder von schlechtem Willen be­seelt sein, wenn er nicht anerkennen wollte, daß wir ein gutes Stück vorwärtsgekommen sind in der Konsolidie­

Grenzverkehrserleichterungen zwischen dem Mossulgebiet und der Türkei empfohlen. Darum wohl reist Kemal Pascha nach England, das über ihn einen großen Sieg errang Aber er ist. Viel zn-vie! Diplomat, um nicht seine wahren Gesühle England, gegenüber im Busen zu bewah­ren. Denn noch funkeln jedes Türken Augen vor Haß, wenn man nur das WortEngland" ausspricht.

Enischließiingen der preußischen

Landtvirlschafiskammer.

Steuerfragen und Erwerbslosenfürsorge.

Auf der Tagung der Preußischen Landwirtschaftskam- mern legte Landwirtschaftskammerpräsident von Keudell- Kassel eine Entschließung vor, in der der s ch ä r f st e E i n= spruch erhoben wird gegen die Ausdehnung der H a u s- z i n s st e u e r aus die landwirtschaftlichen Wohngebäude. Es sei ungerecht, die landwirtschaftlichen Wohngebäude, welche regelmäßig nicht vermietet sind und bei denen eine Abwälzung der Steuer auf die Mieter infolgedessen unmög­lich ist, den städtischen Miethäusern gleichzustellen. Abgesehen aber auch hiervon, muß jede Belastung der Landwirtschaft mit einer neuen Steuer in einem Zeitpunkt, wo die Exi­stenz der Landwirtschaft aus dem Spiele steht, als v ö ll ist untragbar bezeichnet werden. Die Hauszinssteuer für die Landwirtschaft ist daher unter allen Umständen abzu- lehnen. Die Entschließung wurde einstimmig ange­nommen.

Zur Frage der Erwerbslosenfürsorge wurde ein Antrag angenommen, in dem es heißt:Die Land­wirtschaft will sich keineswegs der Pflicht entziehen, für etwaige Erwerbslose aus ihren eigenen Reihen zu sorgen. Angesichts aber der starken Bestrebungen, die Landwirt­schaft allgemein in die Erwerbslosenfürsorge bzw. in eine spätere Arbeitslosenversicherung hineinzuziehen, erklären wir, daß eine solche Regelung ebenso ungerecht wie un­erträglich sein würde."

Die Raissitze im Völkerbund.

Keine Aussicht auf Aufnahme Polens.

Am Mittwoch wird im Oberhause die Frage der Zu­sammensetzung des Völkerbundrats verhandelt werden. Lord Parmoor, der Mitglied der Arbeiterregierung war, wird beantragen, das Haus möge erklären, daß es nicht wünschenswert sei, aus Anlaß des Antrages Deutschlands um Zulassung zum Völkerbund und auf Zuerteilung eines ständigen Sitzes im Völkerbundrat im Einklang mit dem Locarnovertrage die Frage einer allgemeinen Umgestal- tng des Rats oder der Vermehrung seiner Mitglieder aus- zuwerfen.

WieTimes" an hervorragender Stelle berichtet, kann es als definitiv angesehen werden, daß keine Aus­sicht auf A u fn a h m e Polens in den Völkerbund als ständiges Mitglied im März besteht. Nach demDaily Telegraph" soll in Genf an die Aufnahme Spaniens in den Völkerbundrat gedacht werden.

Semschenvelhastungen in Oberschlesien.

Eine Interpellation im Polnischen Senat. -

Die Deutsche Vereinigung hat im Senat eine Jnter- ^llalion wegen der Verhaftung von Deutschen in Ostober- ajiefien einaebraÄt. Die Jntervellanten fordern darin

rung deutscher Souveränität nach innen und deutscher Geltung nach außen.

In dem Kampf zwischen Rechtsanspruch und Macht- gefühl hat schließlich doch in der Befreiung der nörd­lichen Rheinlandzone der Gedanke des Rechts gesiegt. Jede weitere deutsche Politik kann nur das Ziel haben, auf die­sem Wege fortzuschreiten. Deutschland wird ständig be­reit sein, im Geist des europäischen Wiederaufbaues mit offener Empfänglichkeit für die gegenseitigen Argumente Verhandlungen über seine Stellung zu anderen Mächtey zu führen. Aber wenn

der Geist von Locarno Sinnbild künftiger europäischer Politik

ist, dann muß seine weichin sichtbare Auswirkung die schließliche Zurückziehung der Truppen aus dem besetzten Rheinland sein. Die Frage der Zurückziehung mag eine der Verhandlungen sein, eine Frage der Technik, aber sie ist die logische Auswirkung einer neuen europäischen Si­tuation, die das Problem der Sicherheit der Länder durch andere Wege lösen will als durch die der militärischen Gewalt. So gebe ich der Hoffnung Ausdruck, daß die Glocken am Rhein nicht zu lange schweigen müssen, um die weitere Freiheit deutschen Bodens zu verkünden, um der so schwer getroffenen rheinländischen Bevölkerung die Möglichkeit zu geben, mit der ganzen Freude rheinischen Gefühls sich als 2unter eines freien Deutschlands zu fühlen, das in Frieden und gegenseitigem Verstehen mit der Welt zu leben gedenkt.

SB

von Der Regierung Beschleunigung Der Untersuchung unD energisches Einschreiten gegen jene Zeitungen, die diesen Vorfall zur Hetze g - mn die deutsche Bevölke- ^ r u n g bejyt^ _. ..^.^^^

Nach einer Meldung aus Kattowitz ist in derSpio- nageaffäre" des Deutschen Volksbunves gegen 270 Personen das Untersuchungsverfahren eingeleitet worden.

Eröffnung der Grünen Woche.

(Von unserem ständigen Mitarbeiter.) jk. Berlin, 20. Februar.

Mit einem feierlichen Festakt wurde im Funkhause die Grüne Woche eröffnet. Vor zahlreichen Vertretern der Be­hörden und vielen Ehrengästen hielt der preußische

Landwirtschaftsminister Steiger

die Begrüßungsrede. Die Landwirtschaft, so führte er aus, steht im Zeichen der tiefsten Not. Die Preise für die beiden Haupterzeugnisse weiter Gebiete, namentlich Preußens, Roggen und Kartoffeln, haben sich katastrophal gesenkt, wäh­rend gleichzeitig die Kosten für alle Betriebsmittel so gewach­sen sind, daß die Landwirtschaft einfach nicht m e h r w e i t er k a n n. Zu beachten ist, daß in der Landwirt­schaft nicht wie z. B. in der Industrie einzelne ungesunde Be­triebe ausgeschaltet werden können, sondern daß es notwendig ist, die Landwirtschaft in ihrer Gesamtheit und als Ganzes gesund zu erhalten. Der Staat tut, was er in seiner eigenen schweren Lage an Hilfe leisten kann, aber die Rettung kann nur durch gleichzeitige Selbsthilfe gelingen. Vor jeder Wirtschaft auf weite Sicht muß die Landwirtschaft gewarnt werden. Es ist schon alles, was verlangt werden kann, wenn wir ihre Kräfte auf Maßnahmen der Düngung, Verwendung besten Saatgutes und sorgfältigste Ackerbestellung konzentriert.An der Gesundheit der Landwirtschaft, die allein ein Volk moralisch und physisch gesund erhalten kann, ist für Gegenwart und Zu­kunft die ganze Nation interessiert.

Oberbürgermeister Büß erklärte die Ausstellung für eröffnet namens der Stadt Berlin, die mit ihren 47 Rittergütern die größte Land- und Wald­besitzerin des Deutschen Reiches ist, und die daher die Not der Landwirtschaft am eigenen Leibe ganz unmittelbar spürt. Über den finanziellen Erfolg der Ausstellung gibt sich der Ober­bürgermeister keinen übertriebenen Hoffnungen hin, er hält sie aber für einen verheißungsvollen, ausbaufähigen Anfang, und er erwartet von ihr eine

Annäherung zwischen Stadt und Land.

Von Bedeutung war, daß Oberbürgermeister Böß die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft einlud, eine der nächsten großen Wanderversammlungen nach der Reichshaupstadt zu verlegen. Im Namen der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft begrüßte deren Vorsitzender, Landesältester Dr. von Wabsky, die Ausstellung als eine würdige Zusammenfassung der vielen wilden Messen und Ausstellungen, die sich sonst während der Landwirtschaftlichen Woche breitgemacht haben, während Abg. Held als Vorsitzender der Jagdkammer auf die Be­deutung der von dieser beschickten Abteilungen der Ausstellung hinwies.

Der von den Festteilnehmern hierauf gemeinsam unter­nommene Rundgang durch die Ausstellung zeigte, daß diese in enger räumlicher Zusammenfassung sehr vielseitig ist, wenn auch mit Rücksicht auf die Wirtschaftslage bedeutende Betriebs­zweige, z. B. das landwirtschaftliche Großmaschinenwesen, diesmal so gut wie gänzlich ausgefallen sind. Im Gegensatz zu vielen ähnlichen Veranstaltungen ist die Ausstellung schon am Eröffnungstage vollkommen fertig und sehr übersichtlich und anheimelnd geschmackvoll aufgebaut. Hervorragend sind alle das landwirtschaftliche Bildungswesen betreffenden Gegen­stände und Hilfsmittel vertreten. Besondere Beachtung ver­dient die imponierende Sammlung hochwertigster Nutzhölzer aus märkischen Privatforsten, welche die Landwirtschafts­kammer für die Provinz Brandenburg zusammenaestellt hat.