Hersfelöer Tageblatt
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Nr. 58
Mittwoch, den 10. Mär; 1926
76. Jahrgang
Kredit für den Landwirt.
Aus landwirtschaftlichen Kreisen wird uns geschrieben:
Die große Kreditaktion der deutschen Regierung hat ebenso wie die angekündigte Steuersenkungsaktion in der Landwirtschaft die laute Frage erschallen lassen: Was geschieht von feiten des Staates, der für die Wiederan- kurbelung der Industrie sorgt, der die Preise im Handel herabdrücken will, denn nun eigentlich für uns, die Landwirte? Diese Frage ist so laut gestellt worden und die wirtschaftliche Lage der Landwirtschaft hat sich so zugespitzt, daß es fast eine Notwendigkeit war, wenn der Finanzminister soeben im Reichstage bei der Entwicklung seines Wirtschaftsprogramms nun auch die Mitteilung machte, die Regierung habe beschlossen, der Landwirtschaft Zwifchenkredite zur Verfügung zu stellen, aus denen dann erste Hypotheken billiger beschafft werden können. Man will dahingehende Vorschläge dem Reichstag in nächster Zeit unterbreiten.
Die Landwirtschaft wird erwidern, daß derartige Maßnahmen in allernächster Zeit erfolgen müssen, soll nicht das jetzt beginnende Wirtschaftsjahr hinsichtlich seines Ergebnisses für die Ernährung des deutschen Volkes Enttäuschungen allerschwerster Art bringen. Es wird viel geredet über die Notwendigkeit, unseren Export zu fördern. Dieser Förderung sind Grenzen gesetzt durch die Möglichkeit des Absatzes, und wenn wir versuchen, neue Absatzmärkte zu gewinnen, so ist die Landwirtschaft damit in jeder Weise einverstanden. Wer ein nicht minder drängendes Gebot ist nach landwirtschaftlicher Meinung die Herabsetzung des Imports und hierbei wieder ganz besonders des Imports von Lebensmitteln. Trotz des verkleinerten Gebietes wurde an Lebensmitteln und
Getränken im vergangenen Jahre fast genau so viel an das Ausland bezahlt wie im Jahre 1913 und die Brotgetreideeinfuhr für 1925 kostete noch über 300 Millionen (in Vorkriegswert). Gewaltig gestiegen sind aber die Summen, die wir für landwirtschaftliche Nebenprodukte, also Milch, Butter und Käse, an das Ausland ausgeben. Im Jahre 1913 haben wir dafür rund 195 Millionen (Vorkriegswert) bxzahlt, im Jahre —— - - - “ ~ ‘ Kapitel bftdei
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die Fleischeinfuhr. bwohl w» ] ,.
rung im Jahre 1913 52 Pfund Fleisch verzehrten, bedeutend mehr also als es jetzt wieder der Fall ist, haben wir damals nur 81 Millionen an das Ausland bezahlt, während wir jetzt von dorther für 300 Millionen bezogen haben. Und so setzt sich auch auf anderen Gebieten, z. B. dem des Gärtnereibetriebes, diese Entwicklung fort. Wer weiß z. B., daß wir allein für über 130 Millionen frisches Gemüse eingeführt haben, und zwar fast 4% Millionen Doppelzentner, daß wir für frisches Obst dem Ausland fast auch die gleiche Summe bezahlt haben!
Aber mit den Krediten allein ist es nicht getan, sondern es muß doch die Möglichkeit bestehen, das damit her- eingenommene Geld auch wirklich werbend anzulegen. Aber gerade hier liegt der Hase im Pfeffer. Im Februar 1926 lag der deutsche Roggenpreis um nicht weniger tote 41 % unter dem des Jahres 1925, nämlich um 103 Mark. Da der Roggenpreis aber auf dem Weltmarkt ja noch viel tiefer steht, so muß eine überaus starke Unterbewertung des Roggens, wie sie tatsächlich vorliegt, für die Landwirtschaft von allergrößter Bedeutung sein. Die, gute Ernte, aber die niedrigen Preise des Wirtschaftsjahres 1925 werden der Landwirtschaft kaum einen höheren finanziellen Ertrag bringen als die schlechte Ernte, aber die höheren Preise des Jahres 1924. Diese niedrigen Preise wurden noch wesentlich dadurch gemindert, daß namentlich infolge Kreditmangels bei den Käufern, aber auch wegen des übermäßigen ausländischen Angebots für die deutsche Landwirtschaft teilweise sehr erhebliche Absatzstockungen eintraten. Außerdem lohnt es nicht, den Roggen m dem Maße zu verfüttern, wie das früher geschah, werk auch Hafer und Gerste eine gute Ernte aufwiesen, wir außerdem 1925 aber auch für nicht weniger als 229 Millionen Mark Futtermittel einführten. Man hat den verbrauchten Roggen für Viehfütterung vor dem Kriege auf 25 35 % geschätzt Das ist jetzt unrentabel und. das Roggenangebot wird verstärkt. Seit dem Oktober vergangenen Jahres haben wir deshalb bloß einen Preis, der pro Tonne 20 Mark unter dem Friedensdurchschnitt liegt. Ebenso ist der Weizenpreis, der allerdings für die deutsche Landwirtschaft ja längst nicht die Rolle spielt wie der Roggenprels, nach einer kurzen Steigung im Dezember nun wieder nicht unbeträchtlich gesunken.
Die Regierung ist mit einer weitgehenden Aktion der notleidenden Industrie zu helfen willens; da müssen sich Mittel und Wege finden, auch der Landwirtschaft zu Hilfe
zu kommen. _
Dr. Cmüus über die Wirtschaft.
Die Handelsverträge.
Im Haushaltsausschuß des Reichstages sprach bei der Beratung des Reichswirtschaftsetats Minister Dr. Curtius. Er erklärte: Wir stehen hier vor neuen Gestaltungen, die — ich will nicht optimistisch schon sagen, auf eine internationale Zollunion münden — die aber vielleicht auf
internationale Kartellvereinbarungen hinauslaufen. Für die innere Vereinfachung solle die große Verwaltungsreform dienen, die unmittelbar nach Verabschiedung der Steuergesetzgebung im Sommer erledigt werden solle.' Sie dürfe an..der Zentrale des Reickes nickt baltmacken. Die
Hochspannung in Genf
Drohende Austritte
aus dem Völkerbund
Deutschland bleibt fest.
In Genf war am Dienstag in den Arbeiten des Völkerbundes eine gewisse Ruhepause eingetreten, da weder die Vollsitzung der Völkerbundversammlung noch der Völkerbundrat Sitzungen abgehalten haben. Der Fortschritt der Verhandlungen in Genf wird durch die Abreise Briands überhaupt stark behindert und es ist dort noch nicht einmal bekannt, wann Briand wieder zur Teilnahme an den Beratungen der Völkerbundversammlung zurückkehren wird. Nichtsdestoweniger war der Tag für Deutschland insofern von ... ^tigleit, als unter dem Vorsitz Chamberlains der politische Ausschutz zusam- mentrat, um einen Unterausschuß zu wählen, der das deutsche Aufnahmegesuch prüfen soll.
Das Hinziehen der Beratungen und bte ständige Anmeldung neuer Ratkandidaturen — bisher haben neun Mächte ihre Ansprüche aus Erteilung eines ständigen Ratsitzes angemeldet — haben die Spannung in Gens, die seit Eintreffen der Völkerbunddelegierten über der Stadt lagert, wesentlich erhöht. Ständig durchschwirren die tollsten Gerüchte die Stadt. So heißt es u. a., daß Spanien, Polen und Brasilien mit Dem Austritt aus dem Völkerbund gedroht haben, falls ihnen nicht, wie Deutschland, ein ständiger Sitz im Bölkerbundrat zuerteilt wird. Allerdings werden in Völkerbundkreisen diese Austrittsdrohungen nicht allzu ernst genommen, da nach den Satzungen des Völkerbundes »ie Möchte noch zwei Jahre an diese Satzungen gebunden sind, nachdem sie ihren Austritt erklärt haben. Die deutsche Delegation steht nach wie vor aus dem Standpunkt, daß es für Deutschland in der Frage der Rat- sitze kein Kompromiß geben kann. In Berliner
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„ e ein bestimmtes Program!
Genf gegangen ist, lediglich mit dem Ziel, in Fortfüh rung der Politik von Locarno in den Völkerbund einzu
treten. Alles andere, auch die Frage der Umgestaltung des Rates, kann Deutschland erst erörtern, wenn es dem Völkerbünde angehört. So sieht man auch in Berliner politischen Kreisen die bisherige Genfer Entwicklung als sehr gefährlich an. Man weist darauf hin, daß die
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Frage der Zusammenfassung und des Personalbestandes spielten auch bereits ihre besondere Rolle bei unserer Vertretung für Handelsvertragsverhandlungen. Die Vorbereitung solcher Handelsvertragsverhandlungen müßte im Wirtschaftsministerium zentralisiert werden, ebenso wie die Überwachung der innerpolitischen Ausnutzungen und Auswirkungen sowie die parlamentarische Vertretung der Verträge. Über die
Handelsvertragsverhandlungen
sagte der Minister, mit F r a n k r e i ch sei es zu weitgehenden Übereinstimmungen gekommen; über die noch ausstehenden großen Positionen sollen die Verhandlungen mit größter Beschleunigung weitergeführt werdsv. Der spanischen Delegation sei vor einiger Zeit ein Vorschlag unterbreitet worden, aus den aber bisher eine Antwort nicht eingetroffen sei. Auch mit Polen habe Deutschland immer den Wunsch der Verständigung vertreten. Die Wiederaufnahme der Hanvelsver- tragsverhändlungen werde noch im Laufe dieses Monats erwartet. Dr. Curtius befürwortete die Zweckmäßigkeitstendenz in der Wirtschaft und befaßte sich dann mit der
Kartellpolitik.
Er vertrat die Meinung, es werde im gegenwärtigen Augenblick an der Zeit sein, die Kartellpolitik überhaupt auf eine tragfähigere Basis zu stellen. Zu diesem Zwecke habe er eine Sachverständigenkommission für die Revision der Kartellordnung einberufen, deren Arbeiten hoffentlich rasch zum Ab- fchluß kommen würden. Der Minister kündigte ein entsprechendes Gesetz an. So wertvoll die Kartelle für die internationalen Verhandlungen des Staates seien, so müsse man doch im geeigneten Augenblick auch gegen Mißbräuche einschreiten können. Der Minister führte weiter aus, die Regierung werde den Gesetzentwurf über den Preisabbau nicht zurückziehen. Dr. Curtius glaubt, daß mit den Mitteln der Hauszinssteuer und denen des privaten Baumarktes sowie in Anbetracht der Möglichkeit, dem Baumarkt in vermehrtem Maße erststellige Hypotheken zur Verfügung zu stellen, ausreichend gebaut werde« kann.
Cme EnischeidungSschlachi in China.
Neue Beschießung der Takuforts.
Die Ereignisse in China drängen einer entscheidenden Schlacht entgegen. Eine 20 000 Mann starke Flankenarmee, die sogenannte alliierte Armee, hat Juntschmgsu errelcht. Schwere Kämpfe sind auch bei Luantschau im Gange. Marschall Wupeisu veröffentlichte in Hankau eure Erklärung, in der er General Feng als „probolschewlstisch bezeichnet, da bolschewistische Propaganbazettel be, den chinesischen Bauern gesunden wurden, die von den Soldaten des Generals Feng seinerzeit verteilt worden waren.
In den letzten Tagen haben Kanonenboote der verbündeten Streitkräfte die Takuforts beschossen, die das Feuer erwiderten. Die ausländischer; Frauen unv -"»der flüchteten nach Tientsin.
Vorgänge, wie sie sich in Gens um den Völkerbundrat abspielen, Deutschland den Eintritt in den Völkerbund gegebenenfalls unmöglich machen.
Pessimismus in Frankreich und England.
Auf diesen pessimistischen Ton ist auch die Presse in Frankreich und England gestimmt. Die Pariser Blätter weisen darauf hin, daß die Schwierigkeiten in Genf doch
„Matin" bezeichnet es als einen g r o
größer seien, als man ursprünglich geglaubt habe. Der ßen Fehler, daß
man 48 Staaten nach Genf gerufen habe, ohne vorher in unverbindlichen Besprechungen die Sicherheit zu einer Einigung geschaffen zu haben. Die Londoner „Morning- post" spricht von einer Ruhe vor dem Sturm und auch die übrige Londoner Presse betont, daß die Lage in Genf sehr ernst sei.
Ein Ausweg?
Einen Ausweg aus der Sackgasse, in die der Völkerbund durch die Ratkrise geraten ist, glaubt das „Petit Journal" dadurch zu finden, daß die Frage der Erweiterung des Völkerbundrats nach Einbeziehung Deutschlands um sechs Monate vertagt wird, was von Frankreich schließlich angenommen werden könnte. Allerdings müßte Deutschland sich dann verpflichten, der Zulassung Spaniens, Brasiliens und Polens zu diesem Zeitpunkte als ständige Mitglieder des Rates nicht zu widersprechen. Es scheint allerdings noch fraglich, ob dieser Weg für alle Beteiligten gangbar ist.
Sorbereitmgen zur Abrüstungskonferenz.
Nach Meldungen aus Genf soll sich der Völkerbundrat in privaten Besprechungen dahin geeinigt haben, die Ab- rüstungskommission und die mit ihr zusammenhängenden Wirtschafts- und Militärkomitees für den 17. Mai nach Genf einzuberufen, wobei man darauf rechnet, daß bis dahin der Konflikt zwischen der Schweiz und Sowjetruß- . land beigelegt sein wird, so daß auch Rußland an dieser ' -bamrereiiytCTmt^SE!^^
Wert gelegt wird.
Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" meldet allerdings, es werde jetzt allgemein angenommen, daß der Völkerbundrat den Zusammentritt der vorbereitenden Konferenz für die Abrüstungsfrage, die ursprünglich bis zum Mai verschoben worden war, auf unbestimmte Zeit vertagen werde. «««»■»«»i^^
Briand bildet das Kabinett.
Paris, 9. März abends.
Präsident Doumergue empfing heute nachmittag den Kammerpräsidenten Herriot und bot ihm die Kabinettsbildung an. Herriot lehnte ab, und betonte, daß B r i a n d die geeignete Persönlichkeit sei. Der Präsident übertrug daraus Briand die Neubildung des Kabinetts, die dieser annahm mit der Maßgabe, daß er selbst Premier- und Außenminister und C a i l l a u x Finanzminister wird.
Schweres SergwettSunglück in Amerika.
58 Bergleute verschüttet.
Durch eine Explosion in einem Bergwerk in der Nähe von Eccles (West-Virginia) wurden 28 Bergleute verschüttet. Durch die starke Rauchentwicklung wird das Rettungswerk behindert. Kurze Zeit darauf erfolgten in einer benachbarten Grube neue Explosionen, wodurch weitere 30 Bergleute verschüttet wurden.
Eine spätere Meldung besagt: 31 Bergleute sind zurzeit noch verschüttet, 37 konnten lebend geborgen werden. Bis jetzt ist erst ein Todesopfer festgestellt. Vdn Den Geretteten haben viele schwere Brandwunden davon.ctragen oder leiden unter den Folgen der Gasvergiftung.
ZeppelmvLrbmöuNg Amerika—Cmspa
Ständiger Verkehr.
Unter der Beteiligung bedeutender amerikanischer Kapitalisten werden zurzeit Pläne für eine dauernde Zeppelinverbindung zwischen Amerika und Europa geprüft; u. a. fallen Ford, Guggenheim und Rockefeller an den Plänen, die von der National aeronautical Association ausgehen, interessiert sein. Der Präsident dieser Gesellschaft erklärte, daß im Jahre 1935 eine ganze Zeppelinslotte zur Verfügung stehen würde. Die einzelnen Schiffstypen sollen dreimal größer als die „Shenandoah" sein. Die Passagierraten sollen möglichst billig gehalten werden. Die Schiffe sollen so gebaut werden, daß sie Platz für 100 Passagiere geben, dabei sollen sie über jeden Komfort verfügen'und mit Promenadendecks, Etz- und Schlafräumen ausgestattet sein. Die durchschnittliche Reisezeit zwischen Amerika und Europa soll 1H bis 2 Tage betragen. Es verlautet, daß man sich in Washingtoner amtlichen Kreisen stark für diese Pläne interessiert.