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hersfelöer Tageblatt

Hersfelöer Kreisblatt'

Amtlicher Mzeiger für den Kreis HersfelS

Rnzglcenprels Mb che elnlpaltlge PenrzsH * 15 Pfg. die Rekiamezsile 50 P?g. (Grundsdirift Korpus). Bei Wiederholungen Osdilah. + Für die Sdritt- leliung perontocrflitö F^nr Funk in Bersfäid. Ferniprecher Dr. S,

Der Bezugspreis beirtgi dwcfc die Peil bezogen -00MIL I.- W.. aessMeSi. BcltaßgM für Bersfeid 1.- LL bei freier ZaiteXxäe, Mutier .80 M. * Dri* end Veri« m hi&ig Feste Budidructterel in Bersfeid, (Dligiled des VDZV.

Nr. SS

Montas. den 26. April 1926

76. Jahrgang

Voran!

Wir wollen voran das hat auch die jetzt zu Ende gegangene Neichsgesundheitswoche allüberall in deutschen Landen bewiesen. Wir wollen voran nicht bloß wirtschaftlich, nicht bloß in der Wiedererringung unserer außenpolitischen Geltung, sondern was nicht minder wichtig ist in der Ertüchtigung und Kräftigung des deutschen Menschen, vor allem der deutschen Jugend, me die Trägerin unserer politischen und wirtschaftlichen Zukunft ist. Und zwar gerade, weil sie das ist. Hierfür zu werben war die äußere Veranlassung all der zahlreichen Ausstellungen, der Veranstaltungen und Vorträge, die den Inhalt der jetzt hinter uns liegenden Woche bildeten.

Ein nicht gerade an Gemütsüberfluß leidender Eng­länder hat kurz nach dem Kriege hohnvoll gesagt, die Fol­gen der Hungerblockade würden sich erst in 30 Jahren so recht zeigen, wenn das im Weltkrieg geborene deutsche Geichlecht herangewachsen sei. Was deutsche Wissenschaft, deutsches Wollen und wenn auch durch die Versailler Bestimmungen stark eingeengt deutsches Können ver­mag, das geschieht und soll geschehen, um die Worte jenes Engländers Lügen zu strafen. Hier, in diesem Ziel, tref­fen sich alle Deutschen, hier gibt es wirklich keinen Unter- schied der Parteien hier gibt es ein ganz einheitliches Wolltzn. Hrer gibt es nur einen edlen Wettbewerb.

Lleus sana in corpore sano, sagt ein bekanntes lateini­sches Sprichwort: Zu einem gesunden Geist ist ein ge­sunder Körper die Voraussetzung. Das ist kein Materialis­mus und Ausnahmen wird es immer geben. Doch nicht allzuviele. Die Wege, die zuKraft und Schönheit" führen, sind nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck. Denn das höchste und letzte Ziel ist, den Körper zum wil­ligen, zu allem bereiten Diener des Geistes zu machen. Nicht der Athlet, nicht sportlicheGipfelleistungen" brin­gen ja ein Volk vorwärts sie sind nur Ansporn, sind Musterbeispiele für Nacheiferung. Was aber der einzelne gegen feinen Körper sündigt, geschieht ja doch nur aus Nachlässigkeit oder Unkenntnis. Gerade aber hierüber den Deutschen die Augen zu öffnen, war einer der Haupt­zwecke der Gesundheitswoche.

Auch der Gegner des Heeres der allge neinen Militär- oienstpflicht wird zugestehen, daß sie eine in die Breite wirkende Schule körperlicher Ertüchtigung ist. Sie fehlt in Deutschland jetzt und muß ersetzt werden, soll sich nicht dieser Ausfall empfindlich bemerkbar machen. Viel ge­schieht, diese entstandene Lücke auszufüllen, und der Zwang, das Muß wird ersetzt-durch freiwilliges Wollen. Alles aber, was geschieht und das w«r der zweite Zweck der Reichsgesundheitswoche soll vor allem ge­schehen in der Einsicht: Vorbeugen . st wichtiger als Heilen. Wir stehen nicht auf demspartanischen" Standpunkt, daß der ins Leben hineingeborene Mensch zugrunde gehen soll, wenn er für die Fortsetzung seines Daseins ungeeignet erscheint. Sondern jeder Mensch hat ein Recht auf Dasein, und der tiefste Sinn, den wir dem Staat als einer sozialen Gemeinschaft zusprechen, ist sie Pflicht, fast die Berechtigung seiner Exi­stenz überhaupt, den Kampf ums Dasein zu erleichtern, soweit das eben nur möglich ist. Was hierbei für den einzelnen geschieht, das geschieht zum Vorteil des Ganzen und gerade wir Deutsche können in der schweren, be- vrängten Lage, in der wir uns jetzt und auf nicht abseh­bare Zeit befinden, gar nicht genug in diesem Sinne tun. Gerade, weil uns das Schicksal in einen besonders schweren Kampf ums Dasein, sowohl des einzelnen wie des ganzen Volkes, hineingestellt hat. Doch immer wieder muß das gesagt werden und die Neichsgesundheitswoche hat es landauf, landab hoffentlich mit recht großem 6rfolg! wieder laut gepredigt: nicht der Staat allein, nicht der Zwang kann das alles leisten, sondern mindestens zur Hälfte ist freiwillige Einsicht, verständnisvolles Wollen des einzelnen notwendig zur Erreichung dieses Zieles.

Noch eins sei bemerkt, worüber die Reichsgesund­heitswoche die Augen öffnen wollte: nicht für sich allein kann der einzelne an seinem Körper sündigen, sondern das rächt sich alles am kommenden Geschlecht. Furchtbares predigten hierüber die Listen, Statistiken, ja der Augenschein selbst. Das bürdet den Lebenden eine schwere 'Verpflichtung gegenüber den Kommenden auf die Schultern. Wir leben eben nicht nur für uns allein, auch ebenso für jene nach uns, die uns ihr Dasein verdanken. Zu verhindern, daß ihnen diesesVerdanken" nicht zu einemVerschulden" werden soll, war eine ernste, viel­leicht die ernsteste Mahnung der Neichsgesundheitswoche an die Lebenden.

Reue Seratangen des Rechtsausschuffes.

Auf dem Wege zur Einigung.

Im Rechtsausschuß des Reichstages erklärte zunächst Reichsjustizminister Dr. Marx, daß das Volksbegehren wegen

Neuordnung der Aufwertung

(noch dem Kabinett vorliege, aber jedenfalls unverzüglich an den Reichsrat weitergeleitet werde. Dre Abgeordneten Neu­bauer (Komm.), Dr. Rosenfeld (Soz.)und Stocker (Komm.) bestritten die Notwendigkeit, daß die Vorlage dem Reichsrat zur Stellungnahme überwiesen werde. Dadurch wurde nur Verzögerung hervorgerufen. Gemäß Artikel 67 der Reichsver­fassung sei dem Reichsrat die Vorlage lediglich zur Kenntnis­nahme zu überweisen. Reichsjustizmimster Dr. Marx sagte zu, daß er diese Wünsche dem Kabinett zuleiten werde. Der Aus­schuß wandle sich dann der Behandlung des Kompromisses über die Fürstenabkindunae^

Vertrag mit Rußland unterzeichnet

FremdschastsabkomMn mitMßland

Verpflichtung zu gegenseitiger Neutralität.

Nach langwierigen Verhandlungen ist es nunmehr gelungen, den deutsch-russischen Freundschastsvertrag zum Abschluß zu bringen. Der Vertrag ist deutscherseits vom Rerchsaußenminister Dr. Stresemann als Vertreter Deutschlands und dem russischen Botschafter in Berlin, Krestinski, als Vertreter Rußlands unterzeichnet worden. Vor der Unterzeichnung hatte das Reichskabinett den Text des Vertrages genehmigt. Auch Reichspräsident von Hindenburg hatte nach erfolgter Mitteilung des Kabinetts- beschluffes dem Reichsaußeruninister die Ermächtigung zur Unterzeichnung erteilt. Ebenso waren die Führer der Reichstagssraktionen vor der Unterzeichnung von dem Inhalt des deutsch-russischen Vertrages in Kenntnis gesetzt worden.

Der mit Rußland abgeschlossene Vertrag wird Anfang dieser Woche sowohl im Auswärtigen Ausschuß des Reichs­tages als auch des Reichsrates zur Debatte gestellt werden. Die Regierung wird bei dieser Gelegenheit Erklärungen über Vorgeschichte, über den Inhalt und die Tendenz des -eutsch-russischen Vertrages abgeben. Die Veröffent­lichung des Wortlautes des Vertrages ist für Dienstag vorgesehen. Gleichzeitig wird der Vertrag allen Signatar­mächten des Locarnovertrages offiziell übermittelt werden.

Wie uns von gut unterrichteter Seite gemeldet wird, ist der deutsch-russische Vertrag sehr umfangreich, da er außer dem eigentlichen Vertrag noch eine Anlage mit authentischen Erklärungen enthält, über die sich die beider­seitigen Unterhändler im Laufe der Besprechungen ge­

zu. Hierbei wurden die Abfätze 2 bis 7 des ersten Abschnittes des § 2 des Kompromißgesetzentwurfes angenommen. Dafür stimmten die Kompromißparteien und auch die Deutschnatio­nalen trotz vorheriger Ablehnung chrer Anträge mit Ausnahme oes Avg. Everttng, dagegen jnrmnrerr die Kommunisten, wäh­rend sich die Sozialdemokraten der Abstimmung enthielten. Nunmehr sollte der letzte Absatz U § 2 zur Abstimmung ge­langen. Die Vertreter der Deutschnationalen beantragten aber, daß die Abstimmung über diesen Absatz ausgesetzt werde, was angenommen wurde. Darauf gab der preußische Finanzmi­nister Höpker-Aschoff eine ausführliche Darlegung des

Standpunktes der preußischen Regierung zu dem Kompromiß über die Fürstenabfindung und den dazu vorliegenden Anträgen. Er wies darauf hin, daß die preußische Staatsregierung Wert darauf legen muß, in dem Gesetzentwurf Fürsorge für wesentliche Verbesserungen gegenüber der durch den Vergleich vom Oktober 1925 geschaffenen Lage zu erzielen. Das sei ihr auf Grund der letzten Verhandlungen mit den Vertretern der Reichsregierung in einigen Punkten gelungen, so daß er zu dem Ergebnis kam, daß die preußische Regierung sich nunmehr mit dem Gesetzentwurf absinden könne, wenn die neuen Abänderungsanträge angenommen werden. Sie tue dies hauptsächlich mit Rücksicht darauf, daß durch die Annahme des Gesetzentwurfes eine

Beruhigung der Öffentlichkeit

zu erhoffen sei. Die Hohenzollern würden nunmehr 280 000 Morgen Land und Forsten sowie 12 Millionen in bar erhalten, der Preußische Staat dagegen 347 000 Morgen.

Reichsregierung gegenMrstenentetgUMA

Das Enteignungsgesetz dem Reichstag zugegangen.

Wie amtlich mitgeteilt wird, hat die Reichsregierung beschlossen, den im Volksbegehren verlangten Entwurf eines Gesetzes über Enteignung der Fürstenvermögen dem Reichstag zu unterbreiten. Demgemäß hat der Reichs­minister des Innern eine entsprechende Vorlage an den Reichstag gemacht, die dort eingegangen ist. Die Vor­lage enthält einen Bericht, der das Zustandekommen des Volksbegehrens feststellt. Dem Bericht sind vier Anlagen beigefügt, nämlich der Gesetzentwurf, eine Übersicht über das Eintragungsergebnis, eine Darlegung der Reichs- regierung zu dem Gesetzentwurf und eine gutachtliche Außerüng zu der Frage der Verfassungsmäßigkeit dieses Entwurfs. Die Darlegung der Reichsregierung fuhrt aus:

Die entschädigungslofe Enteignung des gesamten Vermögens der Fürsten, wie sie der Entwurf Vorsicht, widerspricht den Grundsätzen, die in einem Rechtsstaats die Grundlage für jeden Gesetzgebungsakt zu bilden haben. Die Reichsregierung vermag daher den Inhalt des Ent­wurfs nicht als brauchbare Unterlage für die Ausem- andersetzung zwischen den Ländern und den ehemals regierenden Fürstenhäusern anzusehen und spricht sich aus das entschiedenste gegen die Annahme des Entwurfes durch den Reichstag aus.

Dagegen kann nach Ansicht der Reichsregierung eine angemessene Regelung der Auseinandersetzungsfrage nach den Grundsätzen des zurzeit der Beratung des Rechtsaus- schusses des Reichstags unterliegenden Entwurfs eures Gesetzes über die vermögensrechtliche Auseinandersetzung zwischen den deutschen Ländern und den vormals regie­renden Fürstenhäusern (sog. Kompromißentwurf) er­folgen. Die Regierung wird ihrerseits im Verfolg ihrer Erklärung vom 26. Januar 1926 (Sten. Ber. des Reichs­tags S. 5146) das Zustandekommen eines Kompromiß- entwurfs mit allen Mitteln fördern und hofft, daß auf diesem Wege für die Auseinandersetzung zwischen Fürsten und Ländern eine Rechtsgrundlage geschaffen wird, durch

einigt yaoen. Der Vertrag wird zum Ausdruck bringen, daß auch nach dem Locarnopakt und nach dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund die wesentlichen Verein­barungen in Geltung bleiben, die zwischen Deutschland and Rußland in Rapallo abgemacht worden sind. Ins­besondere werden beide Staaten sich nach wie vor über alle Angelegenheiten in Verbindung setzen, die die Inter­essen beider Staaten gemeinsam berühren. Es wird in Dem Vertrage auch die Versicherung gegensei- liger Neutralität im Falle eines unprovozierten Angriffes auf den einen oder den anderen Kontrahenten zugesichert.

* j

Der amtliche Bericht.

über die Unterzeichnung des russischen Vertrages wird von der Reichsregierung folgender amtlicher Be­richt herausgegeben:Die Abmachungen mit der Sow­jetregierung, über die bekanntlich feit längerer Zeit ver­handelt worden ist, sind im Auswärtigen Amt unter­zeichnet worden, und zwar auf deutscher Seite von dem Reichsminister des Auswärtigen Dr. Stresemann, auf rus- sischer Seite von dem Botschafter Krestinski. Der Wort­laut der Abmachungen wird voraussichtlich am nächsten Dienstag veröffentlicht werden^

Erklärungen Briands.

WieMatin" berichtet, soll Ministerpräsident Briand im Kammerausschutz für auswärtige Angelegenheiten auf eine Anfrage über die deutsch-russischen Verhandlungen erklärt haben, er verfolge den Verlauf der Ereignisse im Einverständnis mit den befreundeten Mächten auf das genaueste.____

Die sich der weitgehende Gesetzentwurf des Volksbegehrens inhaltlich erübrigt." *

Die Reichstagsfraklionen, die nun zu den neuen Vor­schlägen in der Frage der Fürstenabfindung Stellung zu nehmen haben, sind für den Beginn dieser Woche einberufen worden. Am Montag abend versammeln sich bereits die Deutschnationalen, am Dienstag die Fraktionen des Zentrums, der Deutschen Volkspartei und der Demokraten. Die übrigen Reichstagsfraktionen treten erst am Mittwoch zusammen. Die erste Plenarsitzung des Reichstages nach den Osterferien findet Dienstag nachmittag drei Uhr statt. Auf der Tagesordnung steht neben kleineren Vorlagen das Arbeitsgerichtsgesetz. Vor der Plenarsitzung tritt der Ältestenrat des Reichstages zusam­men, um die Geschäftslage zu erörtern.

Die wettumfaffende Deutsche Bolks- gememschast.

Reichsminister Dr. Külz über das Auslandsdeutschtum.

Auf einer zur Einleitung der Landestagung des Landesverbandes Sachsen des Vereins für das Deutsch­tum im Ausland in Hamburg veranstalteten großen Deutschtumsfeier sprach Reichsminister des Innern Dr. . Külz über die einigende Kraft der großen deutschen Kul- turgemeinschaft.

Der Minister führte u. a. folgendes aus: Wenn es in unserer so seltsam zerrissenen und zerklüfteten Zeit über­haupt noch eine Quelle des Gemeinschaftlichen gibt, dann kann sie nur dem Gefühl des Deutschseins entspringen. Der deutsche Gedanke ist größer als alle parteipolitischen Gesichtspunkte, über der Eingangspforte zu jeder Deutsch- tumstagung sollte, aus dem Streit des Alltags sich heraus­hebend, das Wort stehen:Ziehe Deine Schuhe aus, der Boden, da Du stehst, ist heiliges Land." Hier fühlen wir uns nicht nur eins als Glieder der großen staatlichen Ge­meinschaft des Deutschen Reiches sondern auch als Glieder der großen weltumfassenden Deutschen Volksgemeinschaft von hundert Millionen Menschen. Erst das gemeinsame Unglück hat es uns wieder tiefer fühlen lassen, daß außer uns im Deutschen Reich auch noch viele Millionen Deutscher in anderen Staaten unter gleicher, oft noch schwererer deutscher Rot leben als wir. Unser Bestreben muß es sein, diese Kräfte dem gesamten Deutschtum zu erhalten. Das ist ein ebenso selbstverständlicher wie notwendiger Ausfluß des deutschen Selbsterhaltungswillens in der Welt. Wer die Weltgeltung des Deutschtums wiederher- stellen will, muß seine inneren Kraftquellen vertiefen. Die, stärkste Kraftquelle des Deutschtums liegt in der deutschen Kultur.

Selbstbewußtsein als Volk, auch über die staatliche Grenze hinweg, ist nicht gleichbedeutend mit Mißachtung anderer Völker oder Staaten. Aber es ist notwendige Voraussetzung der deutschen Selbsterhaltung und der deutschen Weltgeltung. Wer das Deuffchtum für sich und sein Volk will, der muß deutsche Eigenart und deutsches ßeben lieben.

Wir wollen im Deutschsein den Inhalt unseres Lebens erblicken und wollen ringen und arbeiten, daß das Leben für uns Deutsche überall dort, wo sich solche zum Deutsch­tum bekennen, wieder lebenswert wird. Unsere Arbeit wird sieghaft sein, wenn sie getragen wird vom deutschen Glauben:Ich glaube an die Wiederauferstehung meines Vaterlandes, ich glaube cm,die^.^W!WMÄeit des Deutsch­tums, ftr de^ Welt. "^ _,, -