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Hersfelöer Tageblatt

Reisfelder Kreisblatt'

Amtlicher Anzeiger Dr -en Kreis Hersfels

Anzeigenpreis !8r die elnlpalflqe Pefltzefk 15 Pfg. die Reklaroeze'Ie 50 Pfg. (Grundsdirifi Korpus). Bei Wiederholungen "fledilciL + Für die SärW- leitung iDerantecrttidi Franz Funk in Berstete Fernlpredier Dr. S.

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Nr. 103

Dienstag, den 4. Mai 1926

76. Jahrgang

Wird das Handwerk überflüssig?

Aus Handwerkskreisen wird uns geschrieben:

Eines der Schlagworte, die man in letzter Zeit häu­figer hört, ist das von der Amerikanisierung der Wirt- fchaft. Geheimrat Deutsch von der A. E. G. hat kürzlich gesagt, für die Zukunft müsse dem Handwerk aus­schließlich als Reparatur- und Flickwerkstätten Berechti­gung zugesprochen werden. Die deutsche Wirtschaft hatte vor dem Kriege einen Aufschwung genommen, der, wenn man Amerikas Reichtum an Rohmaterial, Menschen und Exportmöglichkeiten berücksichtigt, dessen Entwicklung fast überflügelte. Der Aufschwung basierte auf der deutschen Qualitätsarbeit, die, völlig verschieden von der amerikanischen Einheitsware, in erster Linie durch indi­viduelle Ansprüche und deren Befriedigung durch in­dividuelle Arbeit entstanden ist. Hieran hat aber das Handwerk einen sehr beachtlichen Anteil. Dieser An­teil ist so groß, daß er sich auch durch die zahlreichen und tiefgreifenden Hinderungen im Laufe der Kriegs- -Md Jnflationsjahre nicht ausschalten äeß, denn noch imMr hat sich der Tischler, der Schneider und andere BerüsG einen regen Anteil an der Produkten zu sichern gewuM Wer heute noch Wert auf geschmackvolle UmgebunMM Wohnung, Kleidung legt, läßt sich Möbel, KleiKM und möglichst viel von den Kleinigkeiten des täglichem Lebens nach seinen persönlichen Ansprüchen und Geschmacksrichtungen anfertigen. Wo dies nicht möglich ist, entsteht leicht Kitsch, auf jeden Fall uniforme Massenware, weil die Massenherstellung in ihrer Produktion von ganz anderen Voraussetzungen ausgehen muß wie der Handwerker. Der deutsche Markt wie der europäische überhaupt wird sich nicht mit der Einheitsware abfinden lassen, wie es beim amerikanischen Markt der Fall ist. Weder vom kulturellen noch vom ge­schmacklichen Standpunkte aus ist eine Uniformierung er­wünscht, wie sie sich in Amerika als Folge der Ausschal­tung der handwerklichen Produktion herausgebildet hat. Es wird immer wieder verkannt, daß Amerika durch die "s6*®11?**^ und die ungehinderte Aus­nutzung des Weltmarktes in der Kriegs- und Nacytri«<jA- zeit seine wirtschaftliche Vormacht begründete und da­durch die Mittel errang, die Herstellungsmethoden zu ver­feinern, aber auch den Geschmack zu mechanisieren. Auch in Amerika wird der Mangel an handwerklicher Pro­duktion bitter empfunden und der amerikanische Käufer schützt die größere Auswahl und das bessere Eingehen auf die Wünsche und Bedürfnisse des Konsumenten in Europa als Vorteil.

Die gesellschaftliche Wichtigkeit des Mittel­standes, insbesondere des Handwerks in der Be­deutung für den Staat und das Bürgertum ist so bekannt, daß hierauf nur hingewiesen zu werden braucht. Eine zufriedene, arbeitswillige und auch selbstbewußte Mittel­schicht zu erhalten sollte stets Sorge der Leiter in Regie­rung und Wirtschaft sein. Gerade das Handwerk hat sich darin hervorgetan, daß es in der Zeit der äußersten Verwirrung und Arbeitsunlust die volle Produktions­fähigkeit entwickelte und sich dessen wohl bewußt blieb, daß das eigene Wohl von dem des Volksganzen abhängt.

Von besonderem Werte sind aber die Verdienste des Handwerks bei der Ausbildung des Nach­wuchses. Wie das Handwerk sich Institute zur Ver­besserung der Betriebsvorgänge und technischer und ge­schmacklicher Ausbildung seiner Glieder geschaffen hat, haben besonders in letzter Zeit energische und erfolgver­sprechende Bestrebungen zur Ausbildung des Nachwuchses eingesetzt. Der Kleinbetrieb, der die Lehrlinge und Ge­sellen in einer bei der Industrie unmöglichen Vielseitig­keit ausbildet, verschafft ihnen damit eine ganz genaue Kenntnis des Materials, die dem handwerklich vorgebil- deten Facharbeiter besonders in den höher entwickelten Industrien vor dem nur dort ausgebildeten Facharbeiter einen Vorsprung gewährt. Auch hier würde der Fort­fall der Handwerksbetriebe oder ihre Beschränkung auf bloße Reparaturarbeiten einen Ausfall bedeuten, der sich äußerst nachteilig auswirken würde. O. I. S.

Die Frage der Naisumbildung.

Der Zusammentritt der Genfer Studienkommission.

Zu der am 10. Mai beginnenden Tagung des Prü­fungsausschusses für die Umbildung des Völkerbund­rates, an der als Vertreter Deutschlands der Pariser Botschafter von H o e s ch teilnehmen wird, werden Frankreich, England, Italien und Belgien außer ihren politischen Delegierten auch die Rechtssachverständigen entsenden, die im Sommer 1925 in London zusammen mit dem deutschen Rechtssachverständigen, Ministerial­direktor Gauß, die juristischen Vorarbeiten für den Rheinpakt geleistet haben. Die politischen Vertreter der genannten vier Staaten sind Paul Boncour, Lord Robert Lecil, Scialoja und de Brouckere.

Wie weiter gemeldet wird, soll in einer Fühlung­nahme unter den Mächten als Basis für die Verhandlun­gen der Studienkommission ein dahingehender Vorschlag formuliert worden sein, das? der Völkerbundrat vergrößert und drei Kategorien von Rat­sitzen geschaffen werden sollen, und zwar:

1. Ständige Sitze, die ausschließlich den Groß­mächten Vorbehalten bleiben. Das würde bedeuten, daß in der Sevtembertaaurm nur Deutschland einen neuen

11, Millionen 5

Unvermeidlicher Generalstreik in England.

Gegenmaßnahmen der englischen Regierung.

Die englische Regierung hatte angesichts der General­streikdrohung der Gewerkschaften die Arbeiterführer noch­mals zur Beratung zu sich gebeten, um den Streik, der für das englische Wirtschaftsleben von katastrophalen Folgen sein kann, nach Möglichkeit zu vermeiden. Die Verhand­lungen sind indessen nach mehrstündiger Dauer ergeb­nislos abgebrochen worden, nachdem die Regierung von den Gewerkschaftsführern die Zurückziehung der Ge­neralstreikparole sowie die Verurteilung eines Presse­eingriffes durch die Buchdrucker in der Redaktion der Daily Mail" gefordert hatte, was indessen von den Ge­werkschaften abgelehnt wurde. Wenn nicht im letzten Augenblick ein Wunder geschieht, beginnt alfo in England am Dienstag früh der Generalstreik. Von diesem Streik würden etwa 1% Millionen Arbeiter des Transport­gewerbes und der damit zusammenhängenden Betriebe betroffen werden.

In einer Proklamation an die Bevölkerung ersucht die Regierung, die Ruhe zu bewahren. Weiter wird in dieser Kundgebung betont, daß die Regierung alle Schritte unternommen hat, um bei Beginn des General­streiks die Zufuhr von Nahrung, Feuerung, Licht und Elektrizität zu sichern und alle Personen zu schützen, die sich in den Dienst der Aufrechterhaltung des Gesetzes und der Ordnung stellen. Es wird weiter versichert, daß die Gefahr des Eintretens von Nahrungsmittelnot nicht be­steht. Allerdings soll der Verbrauch von Kohlen stark rationiert werden. An zahlreichen Stellen des Lan­des sind Nekrutierungsämter für die Tech­nische Nothilse eingerichtet worden, die bereits .. .^neu grüßen Erfolg a 'fzuweisen haben, da sich viele taufende Bürger ihnen zur Verfügung

Auch das königliche Luftgeschwader wird in den Kampf gegen den Generalstreik eingesetzt werden, um zum Transport von Truppen und der Post verwandt zu wer­den. Die Stimmung in London ist sehr erregt. Enorme Menschenmengen, die noch größer sein sollen als die am Abend vor der Kriegserklärung 1914, haben sich vor den Ministergebäuden angesammelt und erwarten neue Nachrichten über die Lage.

ständigen Sitz erhält. Die Zahl der ständigen Sitze könnte nnr erhöht werden, wenn etwa die Vereinigten Staaten oder die russische Sowjetunion Mitglieder des Völker­bundes werden sollen.

2. Halbstündige Sitze, die zunächst für die Dauer von sechs Jahren vergeben werden, mit dem Recht der Wiederwahl dieser Ratmitglieder nach Ablauf der sechsjährigen Frist. Bei der Einrichtung dieser halb­ständigen Sitze ist in der Hauptsache an Spanien, Polen, Brasilien und die Kleine Entente gedacht.

3. N i ch t st ä n d i g e Sitze, die auf die Dauer von drei Jahren vergeben werden. Nach Ablauf der Frist bleibt eine Wiederwahl derselben Inhaber der nichtständi­gen Sitze ausgeschlossen.

Außer der Organisation des Völkerbundrats dürfte auch die Frage der Einstimmigkeit eine wichtige Rolle fpielen. Es besteht besonders bei den Großmächten aus politischen Gründen keine Geneigtheit, mit dem Prinzip der Einstimmigkeit zu brechen.

Die stärkste Lustmscht der West.

EnglandsLuftstreitkräfte.

Der englische Minister für Luftfahrt, Hoare, wies in einer Rede darauf hin, daß Englands Luftstreitkräfte, ob­wohl sie der Zahl nach bei weitem nicht die größte Luft­flotte der Welt darstellen, doch die stärkste Luftmacht der Welt sind. Der Minister trat weiter für die S ch a f f u n g von Reichsluftverkehrswegen ein. Er führte dazu aus: Auf solchen sachgemäß vorbereiteten Flugwegen kann unsere Luftstreitmacht rasch und sicher von einem Ende des Reiches zum anderen geworfen werden. Wenn so die Flugwege markiert und vorbereitet sind und die Geschwader rasch von einem Gebiet des Reiches zum anderen gelangen können, dann wird, wie ich glaube, das Land sich bewußt iverden, daß die durch die Luftwaffe uns gebrachte Beweglichkeit der Streitkräfte tatsächlich ein Mittel zur Erzielung von Ersparnissen bedeutet.

Das Schulgeld in Preußen.

Neuer Antrag.

Zur zweiten Lesung des Kultusetats im Preußischen Landtag ist folgender deutschvolksparteilicher Antrag ein­gegangen: Das Staatsministerium zu ersuchen, den Er­laß über die Erhöhung des Schulgeldes an höheren Schulen dahin abzuändern, daß 1. der Höchstbetrag des Schulgeldes die Summe von 150 Mark im Jahre nicht übersteigt, 2. das zweite und folgende Kind derselben Familie, das in einer Schul-(Universitäts-)-Ausbildung

[rbeiter streiken

Einstellung des englischen Zugverkehrs.

London. Die Eisenbahngewerkschaften traten in den Sympathiestreik für die Kohlenarbeiter. Die Eisenbahner ord­neten an, daß um Mitternacht der gesamte Zugverkehr einzu- stellen sei. Die Ordnung solle peinlich aufrecht erhalten werden.

Auftus des deutschen

BergarbeiierverHandes«

Sympathietelegramm an die englischen Arbeiter.

Wie aus Essen gemeldet wird, hat der Alte Berg­arbeiterverband einen Aufruf erlassen, in dem er mitteilt daß ergetreu dem Brüsseler Beschluß den Transport von Kohlen nach Großbritannien verhindern wird". Er Hai sich zu diesem Zweck bereits mit dem Allgemeinen Deut­schen Gewerkschaftsbund und mit den anderen für diese Frage in Betracht kommenden Verbänden in Verbindung gesetzt und wird mit diesen die betreffenden Maßnahmen beraten. Der Bergarbeiterverband empfiehlt im Anschluß daran die Abwehr aller Versuche, überschichten aufzunehmen, die zur Verstärkung der Arbeitslosigkeit im eigenen Lande und zur Verschlechterung der Lage bei englischen Kameraden beitragen würde. In maßgebenden Bergbaukreisen Deutschlands wird angenommen, daß dir in diesem Verband organisierten Bergarbeiter allerdings gemäß den Beschlüssen der Brüsseler Konferenz bis Lieferung von deutschen Kohlen nach England selbf ablehnen werden, während sie sich voraussichtlick wegen einer Belieferung der sogenannten bestrit- tenen Gebiete durch die Konferenzbeschlüsse von Brüssel nicht für gebunden halten werden. Das würd! also bedeuten, daß alle die Gebiete mit Ausnahme bei englischen Jnselreiches mit deutscher Kohle beliefert wer­den können, in denen die englische Kohle in Konkurren; mit der deutschen steht.

^^Wie aus Heerlem berichtet wird, haben die holländi­schen Berga e :-r ein ^mpatyit^yM^g^jr^ lischen Bergarbeiterbund gesandt, in dem guin Ausdruc kommt, daß man den englischen Bergarbeitern bis vollste Unterstützung in Übereinstimmung nw den von der Internationalen Gewerkschaftszentrale bem Holländischen Gewerkschaftsbund auferlegten Verpflich­tungen gewähren wird.

begriffen ist, eine Ermäßigung von 25 % bzw. 50 % er-, hält und das vierte und folgende Kind schulgeldfrei ist, 3. für besonders begabte Schüler (Schülerinnen) die Zahl der völligen und halben Freistellen erhöht wird, 4. Er­ziehungsbeihilfen im größeren Maße als bisher bereit­gestellt werden.

Amerikanische Hoteliers bei Hindenburg.

Eine Besuchsreise durch Deutschland.

Auf einer Besuchsreise durch Deutschland sind etwa 300 amerikanische Hoteliers zu mehrtägigem Aufenthalt in Berlin eingetroffen, wo ihnen zu Ehren alle größeren Hotels Flaggenschmuck angelegt haben.

Reichspräsident von Hindenburg empfing eine Ab­ordnung der Vereinigung der amerikanischen Hotelfach­leute, die aus 10 Herren unter Führung des Vorsitzenden, Green, bestand und von dem Reichstagsabgeordneten Nolte eingeführt wurde. In der längeren Unterhaltung, die sich an die Vorstellung der Herren knüpfte, gab der Reichspräsident der Hoffnung Ausdruck, daß der Besuch der amerikanischen Hoteliers in Deutschland dazu bei- iragen möge, das Verständnis für Deutschland zu er­weitern und die guten Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu stärken. Die amerikanischen Herren sprachen dem Reichspräsidenten gegenüber ihre Dankbarkeit für den freundlichen Empfang aus, den sie an allen Orten Deutschlands gefunden haben; sie seien überzeugt, daß dieser Besuch wesentlich zur Festigung der freundschaft­lichen Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika bei­tragen werde. ,

Zeugenaussagen im KuMer-prozeß.

Grieger in den Klauen Kutisker s.

§ Berlin, 3. Mai.

Im Kutisker-Prozeß wurde die Zeugenvernehinung fort­gesetzt. Es wurde eine Anzahl.Angestellter der Mechamichen Treibriemenweberei gehört, die Kutisker von dem Mitange­klagten Gricger bekanntlich übernommen hatte. Durch die Aussagen der Zeugen werden Kutisker und sein DrsponeM von Kohl zum Teil in recht erheblicher Weise belastet. Kauf­mann Stabernak, der Geschäftsführer und Vorstandsmitglied der ebenfalls zum Griegerschen Konzern gehörenden Mabega A.-G. war, erklärte, daß Grieger von dem Augenblick an, als er mit Kutisker in Verbindung getreten sei, ein willenloses Werkzeug in den Händen der Steinbank gewesen wäre. Darauf wurde die frühere Prokuristin der Mechanischen Treibriemen- weberei, Fräulein Bretsch, vernommen. Die Zeugin gab an, daß Grieger dadurch in die Hände Kutisker geraten sei, daß er für 15 000 DollarschatzanweifusLen bei der Steinhank KrMt