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yerskelöer Tageblatt

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Hersfelöer Kreisblatt'

Amtlicher Mnzeiger für den kreis Hersfels

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Nr. 112

Sonnabend, den 15. Mai 1096

76. Jahrgang

Höhen und Tiefen.

DieAmerikaner in der Welt voran" wenigstens in den Teilen der Welt, in denen es noch -etwas zu entdecken gibt, die vor ihnen noch keines Men­schen Fuß betreten, kein sterbliches Auge erblickt hat. Wirklich ist es nun einem waghalsigen Sohne der Neuen Welt gelungen, als erstes Lebewesen den Nordpol seiner geheimnisvollen Unberührtheit zu entkleiden und sich dann unter Zurücklassung des Sternenbanners wieder zurückzuziehen. Dem kühnen Flugzeugmann ist unverzüg­lich der norwegische Lustschiffahrer Amundsen ge­folgt. Offenbar begünstigt durch ungewöhnlich förder­liche Witterungsverhältnisse ist er über den Nordpol hin­weggeflogen und hatte feine bevorstehende Ankunft in Nome auf Alaska funkentelegraphisch angezeigt und um Bereitstellung von Landungsmannschaften gebeten. Mit der Landung wäre ein alter Menschheitstraum in Er­füllung gegangen. Widrige Luftverhältnisse haben ihn an­scheinend ausgehalten, denn bis Freitag erfolgte keinerlei neue Meldung. Man begann, Sorge zu hegen, hoffte aber auf baldige glückliche Wendung. Jedenfalls scheint die Er­oberung des Nordpols vollendete Tatsache zu sein.

Aber nicht nur, daß auch diese Grenze menschlicher Leistungsfähigkeit erreicht oder, im Sinne unserer Vor­fahren, überschritten ist, wir haben auch von Stunde zu Stunde fast genauen Bericht erhalten über den Verlauf des halsbrecherischen Unternehmens, über die Wind- und Temperaturverhältnisse, über die Beobachtungen der ver­wegenen Luftschiffer, über Art und Zeitpunkt ihrer Mahl­zeiten und was dergleichen wichtige Nebensächlichkeiten mehr sind. Es fehlte nur noch, daß wir ihnen auch unsererseits Kunde geben könnten von den interessanten Dingen, mit denen wir uns inzwischen in diesen Erd- niederungen die Zeit vertrieben.

Zum Beispiel, daß in England mittlerweile ein Generalstreik vor sich ging, der dann, nach acht- sder zehntägiger Dauer, von den Gewerkschaften wieder ude^.dqß wie Den t f ch e« prötzüch im schönsten Frühlingsrausch sich über ihre National­flagge in die Haare geraten sind und, weil ein anderer Ausweg nicht gefunden werden konnte, es wieder ein­mal mit einem Kanzlerwechsel versuchen wollen; oder daß zu dem faschistischen Dreiblatt Rußland, Spa­nien und Italien nun auch die Polnische Republik in einer Abkehr von der parlamentarischen Regierungs­form ihr Heil finden will, unter freundlicher Nachhilfe des Marschalls P i l s u d s k i, den offenbar die Lor­beeren von Mussolini und Primo de Rivera schon lange nicht schlafen ließen.

Allerdings, man kann nicht wissen, ob sich die wacke­ren Nordpolpiloten aus diesen Nachrichten, wenn sie von ihnen unterwegs ereilt worden wären, sonderlich viel gemacht hätten; worüber wir uns hier, in den tieferen Regionen, aufregen, mag den Siegern der Lüfte, die nur das eine Ziel vor Augen haben, den Machtbereich der Erdenkinder in neue Welten vorzutragen, herzlich gleich­gültig erscheinen. Aber eine Neuigkeit hätte, auch wenn sie von ihr gerade im Augenblick des Überfliegens des Nordpols gehört hätten, auch bei ihnen gewiß weitgehen­des Interesse gefunden: daß nämlich die deutsche Wissenschaft draus und dran ist, den eben erst einiger­maßen in Gang gekommenen internationalen Luftverkehr von Grund auf zu revolutionieren. Sie hat Hamburger Berichten zufolge nichts Geringeres im Sinn, als ihn aus den jetzt üblichen Höhen und Luft­schichten in Höhen von neun bis zwölf Kilometer zu ver­legen, wo gleichmäßige Temperaturen von etwa minus 55 Grad mit einem prozentual unverminderten Sauer­stoffgehalt angetroffen wären. Ein Flugzeugverkehr in dieser Höhe, natürlich mit Sauerstoffatmung, ist praktifch durchaus möglich und gewährt große Vorteile. Man kann fo fchon in 14 bis 16 Stunden von Europa nach Nordamerika hinüberfliegen und wäre dabei atmosphäri­schen Wechselfällen, wenn überhaupt, so doch jedenfalls ungleich weniger aus gesetzt als in den jetzt befahrenen oder vielmehr beflogenen Luftschichten. Die ersten Höhen- slugzeuge für die Forschung in jenen atmosphärischen Höhen sind fertiggestellt und können mit der Arbeit so­fort beginnen. Wenn es nach den Wünschen der beteilig­ten Forscherkreise geht, würde Deutschland mit der Lösung der hier gestellten Flugprobleme ander Spitze der Flugtechnik bleiben und so der Welt einen neuen Beweis seiner großen Kulturbedeutung geben. Sie halten mit dem neuen Flugzeugtyp eine Stundenge- schwindigkeit von vierhundert Kilometer für möglich und glauben, namentlich dem deutschen Handel damit einen bedeutsamen Vorsprung gegenüber dem Ausland sichern zu können.

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Aber muß uns nicht bei solchen Höhenflügen, gegen­wärtigen und gar erst zukünftigen, wieder das Wort des Dichters schwer aufs Gewissen fallen:Doch der Mensch versuche die Götter nicht!" wie die Warnung der alten Griechen vor der Hybris, dem Über­mut des Staubgeborenen gegenüber den ihm vom Schick­sal ein- für allemal bestimmten Grenzen seiner Macht? Nun, es ist auch heute dafür gesorgt, daß wir nicht über­mütig werden, daß wir immer wieder in das Bewußtsein unserer Armseligkeit, unserer Hinfälligkeit, unserer Erd­gebundenheit zurückgeschleudert werden. Wir brauchen

Die Militärrevolte in Dolen

Älarschall Pilsudski in Warschau.

Schwere Kämpfe in der polnischen Hauptstadt.

Die Militärrevolution in Polen hat einen weit größeren Umfang angenommen, als dies von der gefetz- mäßigen polnischen Regierung anfangs zugegeben wurde. Der Führer der Revolution ist Marschall Pilsudski, in dessen Händen sich die Hauptstadt des Landes befinden soll. Die Regierung Witos soll nach Posen geflüchtet, nach anderen Meldungen soll sie von den Anhängern Pilsudskis gesaugengenommen worden sein. Der Ein­nahme Warschaus durch die Truppen Pilsudskis ging eine erbitterte Straßenschlacht voraus, in deren Verlaus Pilsudski leicht verletzt, sein Flügeladjutant da­gegen getötet worden sein soll. Pilsudski soll auch durch die sozialdemokratische Arbeiterschaft Verstärkungen er­halten haben, da zahlreiche Gewerkschaften den Streik proklamiert haben sollen. Unter anderem haben die Eisenbahner beschlossen, den gesamten Eisenbahn­verkehr stillzulegen, uist so die Heranführung der der Re­gierung Witos ergebenen Truppen zu verhindern. Die polnische Regierung hat ein größeres Truppenaufgebot gegen Pilsudski in Bewegung gesetzt, die unter dem Ober­befehl des früheren Kriegsministers Sikorski und des Generals Haller stehen. Die gegenwärtige militärische Situation scheint die zu sein, daß Pilsudski Warschau und seine Vorstädte fest in der Hand hat, daß aber in einem Umkreis von etwa 25 Kilometern rings um die Haupt­

nur an das tragische Schicksal jener baltischen Gräfin zu erinnern, die in diesen Tagen unmittelbar vor den Toren der Reichshauptstadt, auf einem Wege zwischen ihrem Gatten und ihren Kindern,

Waldesrand niedergeschlagen und dann kaltblütig er­mordet und beraubt wurde,'um wieder von dem ganzen Jammer dieser menschlichen Gesellschaft berührt zu wer­den, an die jeder einzelne von uns bei allen Großtaten von Wissenschaft und Technik, bei allen bewunderungs­würdigen Leistungen auf den verschiedensten Gebieten fest- gefchmiedet bleibt. Dicht neben herzerhebenden Fort­schritten der sozialen und materiellen Kultur wohnt immer noch die Tragik der menschlichen Schwächen und Fehler, die zuweilen in einer Sekunde grausam vernichten, was ein langes, in selbstloser Arbeit aufgeopfertes Menschen­leben mühsam aufgebaut hat.

So bleibt es, trotz stürmischen Vordrängens der Ame­rikaner und anderer Welteroberer, auch heute noch bei der alten Weisheit unserer Väter: Es ist schon dafür gesorgt, daß die Bäume n i ch t in den Himmel wachsen. Dr. Sy.

Aufdeckung eines Waffenlagers.

Weitere Untersuchungen über die Putschgerüchte.

Nach Mitteilung des Amtlichen Preußischen Presse­dienstes sind der Sportklub Olympia, der W e h r - bund O st mark und der W i k i n g b u n d für den Be­reich des Freistaates Preußen verboten und auf - gehoben worden. Das Vermögen der drei genannten Organisationen wird zugunsten des Reiches beschlag­nahmt. Während des Himmelfahrtstages gingen zahl­reiche Gerüchte durch die Reichshauptstadt, die von einem Handstreich der rechtsradikalen Verbände zu berichten wußten. Diese Nachrichten treffen indessen keineswegs zu. Dagegen soll in der Nähe von Berlin in einem Walde verborgen ein größeres Waffenlager, bestehend aus Gewehren und Handgranaten, aufgedeckt worden sein. Das gesamte von der Polizei beschlagnahmte Material soll nach Sichtung dem Oberreichsanwalt zu- gesandt werden, der über die weitere Durchführung der Voruntersuchung und über die Anklage wegen Hochver­rats zu entscheiden haben wird. Der Führer des Sport­vereins Olympia, Oberst von Luck, ist nach 24 ständiger Polizeihaft wieder auf freien Fuß gefetzt worden.

Verschiedene Persönlichkeiten, die vom Amtlichen Preußischen Pressedienst mit den Putschvorbereitungen in Verbindung gebracht wurden, dementieren ihre Putsch­absichten auf das entschiedenste. So hat der Erste Bürger­meister von Lübeck, Dr. N e u m a n n, der im Falle eines Putsches als Reichskanzler in Aussicht genommen war, erklären lassen, daß er erst durch die Presseveröffentlichun­gen von den Putschvorbereitungen in Kenntnis gesetzt worden sei. Dr. Neumann hat bis zur völligen Klärung der Angelegeneit seinen Vorsitz im Lübeckischen Senat niedergelegt. Demgegenüber veröffentlicht der Amtliche Preußische Pressedienst einen Bries des Führers der All­deutschen, des Justizrats Dr. Claß, an Dr. Neumann, in dem Dr. Claß ein in Karlsbad mit Dr. Neumann ge­führtes Gespräch dahin resümiert, daß Dr. Neumann sich im äußersten Fall zur Verfügung stellen wolle. Dr. Hugenberg soll ebenfalls, wie in dem Bries mitgeteilt wird, eine Kanzlerschaft Dr. Neumanns für glücklich er­klärt haben. Die durch die Maßnahmen des Berliner Polizeipräsidiums betroffenen Herren Generaldirektor Dr. Vögler, Dr. von Löwenstein, Dr. Kirdorf, Wiskott

stadt eine Konzentration beträchtlicher zum Kampfe gegen den Marschall entschlossener Streitkräfte stattfindet, gegen die aber bereits wieder andere von den Anhängern Pilsudskis herangeführte Truppen im Anmarsch sind. Man wird also vielleicht schon mit dem Beginn schwerer entscheidender Kämpfe zu rechnen haben.

Die Ursache zu dem Militärputsch hat die Ernennung des jetzigen rechtsgerichteten Kabinetts Witos gegeben. Pilsudski hatte namentlich die Besetzung des Außen- ministeriums und des Kriegsministeriums mit sogenann­ten Fachministern gefordert, was indessen sowohl von dem polnischen Staatspräsidenten wie von dem Minister­präsidenten abgelehnt worden war. Daraufhin hat Pil­sudski seine Anhänger in Marsch gesetzt. Pilsudski war vor dem Kriege sozialistischer Agitator gegen Rußland, im Kriege Führer der polnischen Legionen im österreichischen Heere, dann im selbständigen Polen Kriegsminister, Staatspräsident und Generalstabschef. Er hat sich vor Jahren schon von der Politik zurückgezogen. Er selbst hat dafür als Grund angegeben, daß die Volksführer erst in den Schlamm sinken, sich von diesem Schlamm volltrinken müßten, um in Polens Augen Gnade zu finden. Der Marschall, wie er allgemein genannt wird, verfügt über einen starken Anhang nicht nur bei der Bevölkerung, son­dern auch im Heere. Immer wieder hat man ihn ge­drängt, an die Spitze des Staates zu treten, aber bis jetzt hat er immer wieder abgelehnt, weil er keine Mög­lichkeit sah, gedeihlich zu wirken. ... , .........

und Winkhaus haben durch Rechtsanwalt Dr. Mansfeld- Essen Strafanzeige gegen den Berliner Polizeipräsidenten wegen Mitzbrauchs der LtzsuLMwM, ^MMtMhMtzS und Beleidigung stellen lassen. Schließlich bestreiket Kapitän Ehrhardt, dass der Wikingbund Waffen besitze, und betont, daß er jeden Gedanken an Wiedererrichtung der Monarchie verwirft.

Sie Neubildung der Reichsregierung

Dr. Geßler stellvertretender Reichskanzler.

Reichspräsident von Hindenburg hatte Dr. Luther gebeten, daß das bisherige Reichskabinett die Geschäfte bis zur Bildung einer neuen Regierung weiterführen solle. Dr. Luther hat darauf dem Reichspräsidenten mit­geteilt, daß die Reichsminister zur Weitersührung der Geschäfte bereit seien, daß er aber möglichst bald vom Amte als Reichskanzler entbunden sein möchte, da sich das Mißtrauensvotum des Reichstags besonders gegen seine Person gerichtet habe. Der Reichspräsident hat diesem Wunsche entsprochen und den Reichswehrminister Dr. Geßler als dienstältesten Reichsminister mit der Stellvertretung des Reichskanzlers be­auftragt und ihn gleichzeitig gebeten, den Versuch zu machen, aus der bisherigen Grundlage der Koalition der Mittelparteien eine Neubildung der Regierung zu über­nehmen. Dr. Geßler hat sofort die notwendigen Schritte zur Erledigung dieses Auftrages unternommen, er mußte aber dem Reichspräsidenten am Freitag mittag mitteilen, daß er selbst nicht in der Lage sein werde, eine Regie­rungsbildung aus der bisherigen Grundlage zustande zu bringen. Er werde sich aber um die Klärung der Lage bemühen und hoffe, bis Sonnabend mittag dem Reichspräsidenten einen positiven Vorschlag unterbreiten zu können. Wie es heißt, stehen sowohl das Zentrum wie die Sozialdemokraten einer Kandidatur Geßlers ab­lehnend gegenüber.

Der bisherige Reichskanzler Dr. Luther hat vom Reichspräsidenten ein Handschreiben erhalten, in dem Hindenburg sein lebhaftes Bedauern über das Aus­scheiden Dr. Luthers aus dem Kanzleramt ausspricht. Hindenburg würdigt weiter in dem Brief die Verdienste Dr. Luthers als Reichsminister für Ernährung und Land­wirtschaft und als Reichsminister der Finanzen und be­tont, daß es ihm aufrichtiges Herzensbedürf- n i s sei, Dr. Luther für die dem Vaterland geleisteten Dienste seinen tiefempfundenen Dank zu sagen. Der Reichspräsident spricht die Hoffnung aus, daß Dr. Luthers Rat und Kraft dem deutschen Volke noch weiter von Nutzen sein mögen. Dr. Luther hat sich bereits von den Beamten der Reichskanzlei verabschiedet.

Deutscher Reichstag.

(201. Sitzung.) OB. Berlin, 14. Mai.

Präsident Löbe eröffnete die Sitzung und verlas die amt­lichen Mitteilungen von dem Rücktritt des Reichskabi­netts. Als er erwähnte, daß Reichswehrminister Dr. Geßler vorläufig die Geschäfte des Reichskanzlers führe, ent­stand bei den Kommunisten Unruhe. Sie riefen:Eine feine Nummer!" Der Präsident rügte den Zwischenruf. Auf der Rechten ertönte der Ruf:Sie haben Angst!" Auf der Tages­ordnung stand die zweite Lesung des Gesetzentwurfes zur Än­derung der

MchMrordMng für die MssrgeyMi.

Der AusschuL emvkieült u. a. einheitliche Richtsätze. Wozu die