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HersMer Tageblatt

Hersfel-er Kreisblatt"

Amtlicher /knzeiger für -en Kreis Hersfelö

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Nr. 124

Montag, den 31. Mai 1926 76. Jahrgang

Tragödien des Alltags.

Mord!" gellt es aus den Spalten der Presse in den letzten Tagen mehr denn je.Mord!" wobei wahllos Revolver und Gashahn, Gift oder Dolch ihre Verhängnis- bolle Rolle spielen. Bald ist's der Ehegatte, der das Opfer der Gattin ist, oder umgekehrt; bald sind es junge Leute, diezueinander nicht kommen konnten". Aber nicht ätzt jetzt der Revolver lockerer in jenen Kreisen, die man als die sogenanntenungebildeten" bezeichnet, sondern oas Tragische ist, daß in letzter Zeit gerade in Kreisen, oeren Leben ein umhegteres ist, derartig sich Tragödie auf Tragödie häuft. Die furchtbarste Tragödie der letzten Tage ist wohl der Mord, der in der Familie des weltbekannten Parfümeriefabrikanten Schwarzlose erfolgt ist. Die Witwe hat die beiden Söhne im Krieg Verloren, jetzt wird ihr durch einen verliebten Studenten, ven sie in ihre Häuslichkeit ausgenommen hat, auch noch die einzige Tochter gemordet.

Fast wäre man versucht, in diese Linie auch die Attentate zu stellen, die in letzter Zeit wiederholt in den Gerichtsfälen Vorkommen. Durch reinen Zu- fall oder durch energisches Zupacken der Justizwachtmeister lst verhindert worden, daß auch dort die Mordwaffe Sie­ger blieb. Das sind Szenen, die früher fast undenkbar waren. Und wenn man schließlich noch daran nicht vor- belgeht, daß der politische Mord, daß Angriffe auf politijch Andersdenkende, und zwar Angriffe, bei denen fast mit Selbstverständlichkeit von Revolver, Dolch oder Elfenstangen Gebrauch gemacht wurde, schon fast als Ruhmestaten gelten, so sehen wir die unheimliche Kette geschlossen.

ist wirklich an der Zeit, daß der Staat ener­gischer dafür sorgt, Leib und Leben seiner Bürger zu rchutzen. Eine gefährliche Mißachtung des Daseinsrechcks des andern ist in weite Kreise unseres Volkes hinein- gedrungen; man glaubt namentlich politisch immer gleich mitschlagenden Gründen" auf den Gegner einwirken zu sollen m-b das schlimmste dabei ist, daß diese Miß­achtung des Duz insrechtes des sogenanntenGegners" besonders in den Kreisen der Jüngeren verbreitet ist. Gewiß ist nicht zu bestreiten, daß der Kampf ums Dasein wett schwerer geworden ist, schärfere Formen mnaenonu-

^nwrn-a^ZLiryvs manchmal allzu lmchtnnmg fortgeworfen wird. Aber man muß schon fast an der Berechtigung jener Anschauung verzweifeln, daß tede Strafe vor allem einen erzieherischen Zweck haben soll.

Oberste Pflicht des Staates ist es, ohne jede Rücksicht auf Sentimentalitäten weltfremder Theoretiker Vorzu­gehen, das Dasein seiner Bürger mit den schürften Mitteln zu schützen; das ist seine e r st e und o b e r st e Pflicht. Hierfür hat er alle Machtmittel einzusetzen obwohl wir ja leider vor der Tatsache stehen, daß diese Machtmittel gerade in letzter Zeit uns von der Entente wieder einmal beschnitten wotden sind. Wir haben Jahre durchlebt, wo die Bürger zur S e l b st h i l f e schreiten mußten, um ihr Leben und Eigentum zu schützen. Erquicklich ist derartiges nicht, aber leider war es notwendig. Zudem nmß auch die andere bedauerliche Tatsache festgestellt werden, daß die Mordepidemie nicht nur angeschwollen ist, son­dern daß der oder die Mörder leider allzu oft unent­deckt blieben. Gewiß ist am guten Willen der Be­hörden nicht zu zweifeln, aber ihre Machtmittel sind nicht bloß beschränkte, sondern leider sind sie auch mit Auf­gaben überhäuft, die sie von ihrem Hauptzweck ableiten.

Wir wissen, daß nicht allein bei uns in Deutschland die Lockerung und Mißachtung moralischer Selbstver­ständlichkeiten einen erschreckenden Umfang angenommen hat. Allzuviel Blut ist vergossen worden im Krieg und nach dem Krieg, aber desto größer wird die Aufgabe, dieser Entwicklung mit allen Mitteln entgegenzuar- beiten, diese Mittel aber auch in rücksichtsloser Form einzusetzen. Objekt dieser gewaltsam zu erfol­genden Erziehung muß vor allem die Jugend sein. Man hat einmal scherzhaft davon gesprochen, daß die ein­zige Partei, die uns wirklich fehlt und die daher unbe­dingt begründet werden müßte, dieder anständigen Leute" wäre. In diesem Scherzwort liegt aber ein tiefer Sinn, liegt der Erfüllungszwang eines dringenden Bedürfnisses, soll nicht der Staat zusammenbrechen des­wegen, weil für seine Zukunft die Hemmungslosigkeit fast zu einer Selbstverständlichkeit wird. *

Typhusepidemie in Pommern.

Elf Erkrankungen in Torgelow. *

In Torgelow ist eine Typhusepidemie ausgebrochen. Bisher hat man elf Fälle festgestellt. Um die Kranken unterzubringen, wird das alte Gemeindehaus als Krankenbaracke hergerichtet.

Die Nachricht, daß in Pommern eine neue Typhus­epidemie ausgebrochen ist, hat in Kreisen der Herings- dorfer Pensionsinhaber und Vermieter die größte Beun­ruhigung erzeugt, da man befürchtet, daß übertriebene Gerüchte dem Bad den größten Schaden zufügen könnten.

Die Gemeinde wird eine Erklärung veröffentlichen, in der darauf hingewiesen wird, daß in Heringsdorf und Umgebung keine Krankheitsfälle zu verzeichnen sind und daß für entsprechend^ Schutzmaßnahmen gesorat-

Hilssmßmhinen für die LMMsW

Dr. Sasiinde beim Reichslandbund.

Hinreichender Zollschutz für Agrarprodukte.

Anläßlich der Gesamtvorstands- und Vertreterver- fammluug des Reichslandbundes in Weimar sprach der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Dr. Haslinde, über die Hilfsmaßnahmen für die Landwirt­schaft. Die eingeleiteten Aktionen zum Zwecke der Kredit­regulierung wie zur W i e d e r h e r st e l l u n g d e r Ren­tabilität werden mit allem Nachdruck fortgesetzt. Glcichpohl sei bei einer so tiefgehenden Krisis eine durch­greifende Besserung von heute auf morgen nicht herbeizu- führen. Sehr zu bedauern sei das langsame Tempo bei der Zuleitung der bereitgestellten Kredite der Golddiskont­bank an die dringend bedürftigen Kreditnehmer, wodurch gleichzeitig die Bereitstellung weiterer Kredite beeinträch­tigt werde. Gleichzeitig werde die Landwirtschaft daraus bedacht sein müssen, auch von allen anderen ihr sich bieten­den Realkreditmöglichkeiten, zu denen u. a. auch die Spar- kassengelder zu rechnen seien, in weitgehendem Maße Ge­brauch zu machen. Der Z i n s s a tz für die landwirtschaft­lichen Real- und Personalkredite müsse eine baldige weitere Ermäßigung erfahren. Die vor kurzem von der Reichs­bank veranstaltete Enquete biete hoffentlich hierzu einen geeigneten Anlaß.

Der Minister berührte dann die Zoll frage und wies darauf hin, daß es unbedingt notwendig sei, unsere schwerringende Landwirtschaft gerade während der Zeit ihrer Umstellung und ihres Wiederaufbaus gegen die Überschwemmung mit Agrarpr-dukten aus dem Ausland h i n r e i ch e n d z u s ch ü tz e n. Solange unsere Industrie den jetzigen Zollschutz für erforderlich und aufrechthalte, können auch die bis zum 1. August 1926 gültigen weil unter die Friedenssätze gesenkten Übergangszölle für GetreiNe und Vieh bei der fortgeschrittenen Verelendung der Landwirtschaft nicht als hinlänglicher Zollschutz gege.^

D r Abschluß des deutsch-spanischen Handelsvertrages habe erneut den Beweis erbracht, daß auf bandelsvoli-

Giresemann zur poSiiischsn Lage.

Fürstenenteignung und Volksentscheid.

Anläßlich einer Landesversammlung der Deutschen Volkspartei sprach der Reichsminister des Auswärtigen Dr. Stresemann in R o st o ck über die politische Lage. Er polemisierte zunächst gegen die Deutschnationalen und ihre Haltung dem Dawes-Abkommen gegenüber, indem er seine bekannte Auffassung zum Ausdruck brächte. Zur Frage der Fürstenenteignung bemerkte Dr. Stresemann, daß die Deutsche Volkspartei an ihre Anhänger im Lande einmütig den Appell richte, der Stimmabgabe fernzubleiben und sich damit gegen die entschädigungslose Enteignung der ehemals fürstlichen und landesherrlichen Familien zu wen­den. Ein Sieg des Volksentscheids würde, so betonte er, von unübersehbaren Folgen für die innerstaatliche und innerpolitische Entwicklung sein. Eine solche Lösung des Problems wäre politisch nicht gerecht und rechtlich nicht zu begründen. Die Deutsche Volkspartei sei durchaus ent­schlossen, die staatlichen Rechte in den Auseinandersetzun­gen mit den Fürsten mit aller Entschiedenheit zu wahren. Es sei bedauerlich, daß das Bild dieser Auseinandersetzun­gen durch schamlose Ansprüche einzelner Personen, die nicht einmal die deutsche Staatsangehörigkeit besäßen, getrübt würde.

Sie ssv-Zahr-Feier berStadlMrienburg

Festakt im Remter der Burg.

Im Großen Remter der Marienburg begann der Festakt aus Anlaß des 650 jährigen Jubiläums der Stadt Marienburg. Eingeleitet wurde die Feier mit musikali­schen Darbietungen. Anschließend hielt der Bürgermeister oon Marienburg eine Begrüßungsansprache.

Darauf nahm der Vertreter der Reichsregierung, StaatSfefretär Dr. Zweigert, das Wort, um die Grüße her Reichsregierung, der preußischen Staatsregierung und ves Reichspräsidenten von Hindenburg im besonderen zu überbringen. Der Reichspräsident habe ihm persönlich seine Grüße an die Stadt Marienburg und an die Marien- durger Schützengilde mitgegeben. Namens der Reichs-und Staatsbehörden der Provinz Ostpreußen und der Reichs­bahndirektion Königsberg begrüßte dann der Oberprä- ädent der Provinz Ostpreußen die Versammlung. An­schließend überbrachte der Präsident des Senats der Freien Stadt Danzig, Dr. Sahm, die Glückwünsche Danzigs. Er wies darauf hin, wie eng die Bande zwischen der Stadt Marienburg und Danzig seien, seitdem sie durch deutsche Siedler gegründet worden waren. Es sprachen dann noch »er Landeshauptmann Dr. von Brüneck, Oberbürger­meister Dr. L o h m e Y e r - Königsberg, auch im Namen Der Vorstände des Deutschen Städtetages und des Reichs-

tischem Gebiete ein notwendiger Gegensatz zwischen den Interessen unserer Industrie und unserer Land­wirtschaft im Grunde nicht bestehe, sondern daß ein gesunder Ausgleich möglich sei. Zum Schluß wies der Minister darauf hin, daß es gerade in der gegenwärtigen Not- und Übergangszeit Aufgabe der wirtschaftlichen Verbände sei, sich geschlossen hinter die Reichs, und Staatsregierung zu stellen. Ereignisse der letzten Zeit, wie drohende Protestversammlungen, Forderungen ultimativen Charakters an die Regierung usw. müsse er mißbilligen, da sie letzten Endes nur ba$i geeignet seien, den Wirtschaftsfrieden zu stö­ren und damit dem Volksganzen zu schaden. Nur durch tatkräftige und verantwortungsvolle Zusammenarbeit vor Wirtschaft und Staat werde es uns gelingen, den Weg in eine bessere Zukunft zu finden.

Die Not der Winzer.

Als Abschluß seiner Besichtigungsreise durch das preußische Weinbaugebiet sprach Landwirtschaftsministei Dr. Steiger in einer Winzer- und Bauernversammlung über Winzerfragen und führte u. a. aus: Der Weinbar sei im höchsten Maße gefährdet. Deutschland brauche zwei Millionen Hektoliter Wein jährlich, 1,8 Millionen würden erzeugt, 1,2 Millionen eingeführt, so daß 1 Million Hekto­liter Wein mehr vorhanden sei als gebraucht werde. Da­her die Absatzkrise, da auch Amerika und die nordischer Staaten wegen Trockenlegung als Abnehmer ausscheiden Die Bestrebungen der Winzer für eine bessere Zollpolitik hätten gute Erfolge gehabt. Der Minister zählte sodann auf, was vom Staate zur Behebung der Blutleere des Winzerstandes geschehen sei. Von dem 30-Millionen- Kredit werden an die preußischen Winzer 6,7 Millionen verteilt. Später habe das Reich weitere 15 Millionen be willigt. In der R e b l a u s b e k 8 m p f u n g werde als RebmMytuns ubergegangen werden. Als Ziel der Bestrebungei gelt« es, die Rebe widerstandsfähiger zu machen, um die Zah der Jahre mit geringen Ernten zu vermindern.

städtebundes Oberbürgermeister Dr. M e r t e n s - Elbing, Beneralsuperintendertt Ienrich, Dekan P i n g l-Marien- burg, Landrat Grübe sowie die Präsidenten der Han­delskammer und Handwerkskammer Elbing. Den Schluß der Feier bildete Richard WagnersMeistersinger"-Vor- spiel.

Vom Reichspräsidenten von Hindenburg war ein .ehr herzlich gehaltenes Begrüßungstelegramm eingetroffen.

Weitere Kampfe in Marokko.

Abd-el-Krims Schicksal noch ungewiß.

Meldungen aus Fez zufolge werden die Kampfhand­lungen geg» hie noch nicht unterworfenen Stämme fort­gesetzt. Eine Abteilung der zweiten Division hat den Qued Amzez überschritten und eine neue Stellung einge­nommen. DAs französische Oberkommando versucht die Aufständischen einzukreisen. Die Unterwerfung der Vene Zeroutl ist ^-A^chlossen.

Wie Havas aus Taunat berichtet, hat Generalrefideni Steeg einen Ausruf an die Rifstämme erlassen, in dem er sie auffordert, sich den Franzosen ohne Hintergedanken zu unterwerfen und die Übel wieder gutzumachen, die sie ver­ursacht hätten. Die Stämme könnten versichert sein, daß man für den Frieden und für ihr Wohlergehen unter Achtung ihrer Sitten und Gebräuche sorgen werde.

Gerüchtweise verlautet, daß Spanien Abd-el-Krims Auslieferung verlangt habe. Unbestätigt sind die Mel­dungen, wonach Abd-el-Krim Korsika als Aufenthaltsort angewiesen worden sein soll. Es ist auch die Rede davon, daß Abd-el-Krim sich einen großen Besitz in Südfrankreich erstehen möchte. Dein Sultan von Marokko soll die Ent­scheidung über den Verbannungsort Abd-el-Ärims über­lassen werden.

Brasilien gibt sein Veto auf.

Auch Spanien mit Deutschlands Ratsitz einverstanden.

Die Pariser ZeitungOeuvre" beschäftigt sich mit bei Frage der zukünftigen Zusammensetzung des Völkerbund­rats und erklärt, Brasilien habe aus freundschaftliche und einmütige Bitten hin erklärt, es werde nicht ein Veto gegen den Eintritt Deutschlands in den Bund einlegen. Es sei ein Abkommen getroffen worden, dem Brasilien zugestimmt habe. Einzelheiten über dieses Abkommen teilt das Blatt jedoch nicht mit.

Die Nachricht, daß Brasilien im September d. Js. auf feinem im März angekündigten Veto hinsichtlich der Zuteilung eines ständigen Sitzes im Völkerbundrat an Deutschland nicht bestehen werde, wird auch vomQuo- tidien" bestätigt, der erklärt, Brasilien und Spanien dürf­ten, selbst wenn sie während der Völkerbundtagung nicht zugleich mit Deutschland ständige Sitze im Völkerbundrat erlangten, sich zugunsten der Zuteilung eines ständigen Sitzes an Deutschland aMprechen, ^__