Einzelbild herunterladen
 

Hersfelöer Tageblatt

Hersfelöer Kreisblatt"

Amtlicher Anzeiger für Sen Kreis Hersfel-

Anzeigenpreis für die einspaltige Petitzeile 15 Pfg. die Reklamezelle 50 Pfg. (Grundsdirifi Korpus), Bei Wiederholungen Oadilab. + Für die Schrift­leitung Deranimortlfdi Franz Funk in Bersfeld. Fernlpredrer Dr. 8

jer Bezugspreis beträgt durch die Post bezogen monailid) L Mk., aussdinebL Beltellgeld, für Bersfeld L ilik. bei freier Zustellung, Abholer -.80 (Ih. * Dru* und Verlag von hudmig Fünfte Ruchdrudrerei in Bersfeld, (Tlitaüed des VDZV.

Nr. 161

Dienstag, den 13. Juli 1926

76. Jahrgang

Drohende Kalipreiserhöhung.

Von einem volkswirtschaftlichen Mitarbeiter wird uns geschrieben:

Darüber sind sich die Kaliindustriellen klar, daß eine Preiserhöhung auf Kali eine sehrkitzlige" Sache ist: man sollte nicht die Preise in einem Augenblick herauf- setzen wollen, in dem die wirtschaftliche Lage der Abnehmer­kreise eine sehr schlechte ist, wie das zurzeit doch mit der Landwirtschaft bestellt ist. Gewiß, der Kalipreis steht noch - unter dem Vorkriegspreisniveau, während die Preise für die anderen Arten von Düngemitteln gegenüber 1913 eine entsprechende Steigerung erfahren haben; gewiß ist die Rentabilität der Kaliindustrie jetzt keine große mehr, erscheint vielmehr, nach den Mitteilungen des Vorsitzenden des Kalisyndikates, schwer bedroht be­sonders, weil die Kosten für die Stillegung von zwei­hundert Schächten sehr erhebliche sind, aber der Rück­gang des Kaliverbrauchs ist es gewesen, der jetzt die Unrentabilität verursacht hat. Das Ausland jedenfalls hat ein großes Vertrauen zu einem neuen Aufblühen un­serer Kaliindustrie; denn es ist ja dem Syndikat gelungen, eine sehr große Anleihe zu guten Bedingungen auf dem englischen Geldmarkt zu erhalten.

Über das Auslandsgeschäft selbst hat sich das Syndikat jetzt mit der Hauptkonkurrenz, den jetzigen Be­sitzern der elsässischen Kalifelder, soeben geeinigt, was Preishöhe und Absatzgebietsverteilung aubelangt. Leider sind aber die Abbauverhältnisse in diesen früher deutschen Gruben derart günstige, die Förderungsmöglichkeiten der­art gute, vor allem aber das Kali selbst von derart hervor­ragender Qualität, daß die Franzosen eine Preisherauf­setzung nicht nötig haben, eine solche Preiserhöhung für das deutsche Exportkali also gar nicht durchgesetzt werden kann. Es müßte also bei einer Preissteigerung nur für den deutschen Inland kaliverbrauch bleiben.

Nun besteht in der deutschen Kaliindustrie ein stilles, aber erbittertes Ringen zwischen dem Winters­hall-Konzern auf der einen, demAntiblock" auf der anderen Seite, der aber vorläufig noch die relative Mehr- bct.l der

düktion hat. Das ist auch ein Kampf zweier ver­schiedener Richtungen, indem die dem Antiblock angehörenden Unternehmungen sich auf den Standpunkt stellen: Wir produzieren vor allem Kali und der Preis hierfür ist so zu stellen, daß diese Produktion rentabel ist. Hingegen legt der Wintershall-Konzern ebenso großes Gewicht auf die Verarbeitung der Neben Produkte, um auf diese Weise eine Gesamt rentabilität der Kali­industrie zu erzielen. Ob man also auf dieser Seite so unbedingt einverstanden sein wird mit einer Preisherauf­setzung, erscheint zweifelhaft; ganz bestimmt ist man es nicht bei dem dritten, zwar kleinen, aber doch den Aus­schlag gebenden Gumpel-Konzern, der hauptsächlich Groß­bankkapital vertritt und daher einer nun möglichen Ab­satzverminderung besonders ungern entgegensehen würde.

Wirtschaftlich liegen die Dinge nun so, daß die Kali­industrie nicht nur mit dem toten Gewicht dev stillgelegten Schächte belastet ist, sondern daß außerdem in noch ar­beitenden Schächten ungefähr das Dreifache des Bedarfs gefördert weiden könnte, sie also bei der jetzigen Pro­duktionsmenge längst nicht voll ausgenutzt, also gewisser­maßen unrentabel sind. Dawes-Belastung, Aufwetrungs- bestimmungen, hohe Steuern und schwere soziale Lasten machen die Situation noch unbefriedigender. Aber nun einen Teil der Lasten a u f d i e S ch u l t e r n d e r Land­wirtschaft a b w ä l z e n zu ivollen, wäre zwar mög­lich denn das Kalifyndikat besitzt ja das Monopol, " aber es wäre doch auch recht unvorsichtig, würde gerade jetzt den Absatz im Inland noch mehr vermindern, zumal Die Landwirtschaft auf eine wesentliche, d. h. langfristige Reichshilfe nicht übermäßig stark rechnet, die Kalianleihe außerdem nicht für eine Finanzierung der Düngemittel­aktion benutzt würde, sondern lediglich dazu, die inneren Verhältnisse der Kaliindustrie selbst zu regeln.

Man soll sich die Sache also doch noch etwas über­legen; außerdem hat ja auch der Reichskalirat ein Wort mitzusprechen.

Abschluß der II Deutschen Kampf­spiele in Köln.

Eine Rede des Reichskanzlers Marx.

Beim Abschluß der leichtathletischen Wettkämpfe hielt Reichskanzler Marx folgende Rede:Deutsche Männer und deutsche Frauen, Freunde des Sports, namentlich euch, die ihr als Sieger dieser II. Deutschen Kampfspiele versammelt seid, euch die herzlichsten Grüße des Herrn Reichspräsidenten zu übermitteln, habe ich die hohe Ehre. Der Herr Reichspräsident hat in besonders lebhafter und herzlicher Weise mit mir das Programm dieser Woche be­sprochen und mir ausdrücklich sein Bedauern übermittelt, dasi infolge dringender Pflichten, die ihn in Berlin zu­rückhaltend es ihm zu seinem Bedauern nicht möglich wäre, in diesen schönen Tagen am deutschen Rhein zu sein.

Wir haben schwere Jahre hinter uns, schwere Sorgen der Gegenwart liegen auf uns. Aber die Zukunft erstrahlt in schönem Licht; wir haben eine Jugend, auf die wir uns verlassen können. Der deutsche Name gewinnt von Tag zu Tag mehr an Ansehen und Achtung in der.ganzen

Riesenexplosion in Amerika

16 Mmtionsdepois in die Lust geflogen.

200 Millionen Dollar Schaden, zwei Städte vernichtet.

Die Marinemunitionsdepots am See Lake Denmark sind in die Luft geflogen. Die erste Explosion erfolgte in­folge eines Blitzschlags. Zur Hilfeleistung herangezogene Truppen versuchten vergeblich an den Unglücksort heran- zukommen. Die Splitter der zu vielen Hunderten explo­dierenden Granaten und Torpedos suchten die ganze Um­gegend heim. Die Landstraßen find mit Fliehenden über- füllt, die zunächst annahmen, daß es sich um ein Erdbeben handelte. In Notlazaretten sind Hunderte von Verwun­deten verbunden worden. Die umliegenden Hospitäler sind überfüllt. Die ganze Gegend gleicht einem Schlachtfeld. Die Zahl der Toten wird vorläufig auf 4, die der Vermißten aus 25 angegeben. Verletzt wurden über 200 Personen. Die Bewertung der vernichteten Arsenal­bauten, Wohnhäuser und Munition wird aus über 100 Millionen Dollar geschätzt. 300 Gebäude sind in die Lust geflogen, zwei kleinere Städte, Mount Hope und Hibernia, sind vollständig vernichtet.

Der Umfang der Katastrophe.

Die Sachverständigen nehmen an, daß die Spreng­stoffexplosionen noch mindestens drei Tage fortdauern werden. Die ganze Gegend ist durch starke Militärketten abgesperrt und den Einwohnern verboten worden, in die geräumten Dörfer zurückzukehren, da die Explosionen noch ununterbrochen andauern. Ein Brigadegeneral verglich die Unglücksstätte mit dem Trommelfeuer von V e r d u n. Das Zentrum der Unglücksstelle, wo der die Explosionen verursachende Blitz einschlug, bildet ein Riesentrichter von 100 Fuß Länge, 40 Fuß breite und 30 Fuß Tiefe. Bisher sind 16 Magazine teils ausge- brannt. teils in die Luft aeiloaen. Man hörte abwechselnd

Welt. Abgesehen von vielem anderen sind namentlich in den letzten Wochen und Monaten unsere Sportsleute da­bei, den Ruhm Deutschlands in edlem Sport der Leibes­übungen im schönsten Sinne des Wortes im Auslande zu heben. Allen sei Dank, die mitgewirkt haben, im Auslande den Gedanken zu vertiefen, es lebt noch das alte, treue, gute, kräftige, gesunde, ideale deutsche Volk. Es ist nicht niederzukriegen. Gott sei Dank, die Welt hat es nötig. Die deutsche Ration hat eine Pflicht zu erfüllen, nament­lich im Herzen Europas, bei ihrer ganzen eigentümlichen Lage. Wir, die wir die schönen früheren Jahre erlebt, die trauernden Herzens die unseligen Jahre des Weltkrieges durchlebt haben, wir sehen jetzt hoffnungsvoll und freudig unsere Jugend dastehen, nicht mehr irgendwie durch so­ziale, wirtschaftliche und Standesunterschiede voneinan­der getrennt, sondern einig, die Gesundheitspflege, den Sport zu üben. Alles tritt zurück, und hier, wo die Sie­ger der letzten Tage vor uns stehen, hier wollen wir ihnen herzlich danken, daß sie uns wieder Mut einflößten, daß sie uns ein Beispiel darbieten, das, hoffen wir, gute Früchte bringt. Ich glaube, ich darf Sie alle in dieser zahlreichen Versammlung bitten, mit mir einzustimmen in den Ruf:Unsere deutsche Jugend lebe hoch!"

Der letzte Tag der II. Deutschen Kampfspiele brächte endlich einmal ein volles Stadion. Wohl an 60 000 Men­schen wohnten dem Schlußakt dieser großen deutschen Prüfung bei. Daß bei einem Zusammentreffen derartig vieler und guter Sportler neue Rekorde fallen mußten, konnte man voraussehen. Und der Rekordsegen blühte auch! Die Damen begannen. Frl. Wittmann lief zuerst deutschen Rekord mit 12,7, Frl. Junkers-Kassel, die Turn- meisterin, lief gleich 12,3, also Weltrekord! In der 4X100- Meter-Damenstaffel lief der Berliner SC. ebenfalls Welt­rekord mit 50,4 Sek. Der Hannoveraner Diekmann ge­wann das 5000-Meter-Laufen in neuer deutscher Rekord­zeit mit 15:10,3 Min. Auch der 'Rekord in der 3X200- Meter-Staffel wurde auf 1:05,9 verbessert. Frl. Schuh- mann-Essen warf mit 35,495 Meter ebenfalls Weltrekord. Schon am Sonnabend war Berges-Darmstadt die 500- Meter-Freistil in 6:48,4 geschwommen, was auch einen neuen deutschen Rekord bedeutete. Den Kampfspiel­marathonlauf über 42,200 Kilometer gewann der Siege- ner Reichmann vor Wanderer-Potsdam und Gerull-Duis- burg. Kampfspielmeister im Straßenradrennen wurde Willi Meyer-Leipzig.

Fleischvergiftungen in Pommern.

Fünfzig Personen erkrankt.

In den Dörfern Dabarkow, Siedenbüssow, Groß- Below, Wietzow und Prietzenow erkrankten etwa fünfzig Personen am Fleischvergiftungen. Es handelt sich bei den Erkrankten hauptsächlich um Schnitter, die von einem um­herziehenden Fleischer Wurst gekauft hatten und bald nach dem Genuß der Wurst an schweren Vergiftungserschei- nunaen erkrankten. Mehrere Personen schwebten in. Le-

Donnerschläge und Maschinengewehrgeknatter. Die Lösch- arbeiten sind völlig unmöglich, da man nicht näher als I is auf eine halbe Meile herankommen kann. Der Wind trieb das Feuer zunächst auf das Picatinyarsenal zu, wo 40 000 Pfund Dynamit lagern; plötzlich schlug der Wind um, so daß das Arsenal vorläufig außer Gefahr ist. Das ganze abgesperrte Gelände ist mit Granattrichtern und Baum­stämmen übersät. Die völlig vernichtete Kommandantur überragt unversehrt die Fahnenstange mit der amerika­nischen Flagge. Die Unglücksstelle liegt in einem Tal, das von 300 Meter hohen Bergen umrahmt ist. Der Kriegs­und der Maritteminister besichtigten das Gelände und er­klärten, künftig würden die Magazine nicht wieder ,o dicht zusammengelegt werden. Die Gegend gleicht einem Etappengebiet: überall sieht man Truppen, Pfadfinder, Sanitäter und Flüchtlinge. Die ungeheure Panik unter der Menge legt sich nur sehr langsam. Derbisherige Schaden wird auf ungefähr 200 Millio­

eheure Panik unter Derbisherige

nen Dollar geschätzt.

Wie an der Westfront^

Die an der Unglücksstätte gemachten Flugzeugauf­nahmen des zwei Meilen langen und eine Meile breiten Arsenalgebiets gleichen Kriegsbildern von der Westfront während heftigster Beschießung. Die stark gemauerten Be­tongebäude erinnern an die Forts von Lüttich nach ihrer Einnahme. Ein riesiger, 30 Meter langer und 10 Meter tiefer Sprengtrichter zeigt die Stelle an, wo das Magazin voller Tiefbomben gestanden hat. Dutzende von qualmen­den Gebäuden entsenden jeden Augenblick krachende und heulende Geschosse. Ein Betreten des Arsenalgeländes ist zurzeit unmöglich und selbst die weitere Umgebung noch gefährdet. Die Verwüstung ist unbeschreiblich. Am schlimmsten mitgenommen wurden die Ortschaften süd­lich und östlich des Arsenals. In Rockaway hoben sich die Dächer vieler Häuser infolge des Luftdruckes und fielen in bizarr verdrehtem Zustande auf die Gebäude zurück und machten diese unbewohnbar, so daß dort wie auch anderwärts die Einwohner im Freien kampieren. Völlig aeräumt sind sechs Ortschaften.

veusgesayr, konnten jedoch durch die hervetgerusenen Arzte gerettet werden. Der Demminer Kreisarzt ordnete die Schließung der Fleischerei an und schickte Proben der be­schlagnahmten Wurst nach Stettin. .. ...

politische Rundschau.

Deutsches Reich.

Ostpreußens Abstimmungsfeier.

' Anläßlich der sechsten Wiederkehr des o st p r e u ß i -> s ch e n A b st i m m u n g s t a g e s hielt Oberpräsident S i e h r in Königsberg eine Rede, in der er der Vor­geschichte der Abstimmung und ihrer Bedeutung gedachte. Er erinnerte daran, daß das Ostpreußenvolk in jener Zeit der Sorge um das Schicksal der Heimat ein Beispiel der inneren Einheit und Geschlossenheit gegeben habe. Mit dem politischen Nachbar wolle man in Frieden leben; allerdings müsse die polnische nationalistische Presse mit ihren bisherigen Kampfmethoden grundsätzlich brechen. Der Oberpräsident schloß mit den Worten:Wenn uns wieder einmal ernste nationale Gefahren bedrohen sollten wie am Tage der Volksabstimmung, dann wird man uns einig finden unter dem Wahlspruch:Dies Land bleibt deutsch!"

Preußens Kündigung an Waldeck. '*ss

Das preußische Staatsministerium hat den bestehen­den Staatsvertrag, der 1883 mit dem damaligen Fürsten­tum und jetzigen Freistaat Waldeck abgeschlossen wurde, und der im wesentlichen die Verwaltung Waldecks durch Preußen regelt, in einem Schreiben vom 29. Juni d. Is. gekündigt. Da in dem Vertrage eine zweijährige Kündi­gungsfrist vorgesehen ist, tritt die Lösung des Vertrags- * Verhältnisses am 29. Juni 1928 in Kraft. Der Landesaus­schuß von Waldeck hat von der Kündigung Kenntnis ge­nommen und den Landesdirektor beauftragt, mit dem preußischen Staatsministerium in Verhandlungen einzutreten. Der Kreis Pyrmont, eine Enklave Waldecks in Preußen, hat sich bekanntlich 1922 an Preußen ange­schlossen. 1

Kommunalwahlen im Saargebiet.

Am 11. Juli fanden im ganzen Saargebiet Gemeinde­ratswahlen statt. Das Ergebnis in der Stadt Saar­brücken stellt sich wie folgt: Es erhielten die Deutsch­nationale Volkspartei 6 Sitze (bisher 3), Deutschsaar- ländische Volkspartei 8 (14), Deutsche Wirtschaftspartei 6 (5), Deutschdemokratische Partei 2 (2), Zentrum 17 (19), Sozialdemokratische Partei 13 (13), Konimunistischs Par­tei 8 (4). In der Stadt N e u n k i r ch e n zeigte sich eben-, falls ein Anwachsen der kommunistischen Stimmen.

Aus In- und Ausland.

Berlin. Der Reichspräsident hat zur 150. Wieder­kehr des Tages der amerikanischen Unabhaugigkeitserklärung