Reisfelder Tageblatt hersselüer Kreisblatt' Amtlicher Anzeiger für öen Kreis Hersfels
des Bezugspreis heutig! aurdi die Poll bezogen njonatli® L— Mk„ aussdi'iefef. Bestellgeld, für Bersfeld 1.— MK. bei freier Zustellung, Abholer —.80 M ?. * Drud? und Verlag uon budwig Funks btididni&eral in Bargeld, (ÜiigMed des VDZV.
Anzeigenpreis für die einspaltige Peiitzetle i 5 Pfg. die Refelamezeile so Pfg, (Grundsdirifl Korpus). Bei Wiederholungen DachlaL + Für die Sdirlif- leitung oerantoorifid) Frone Funk in Bersfeld. Fernlprether Dr. 6.
Rr. 178
Montag, den 2. August 1926
76. Jahrgang
Das Ruffengeschäst.
Viel ist bei den Vereinbarungen zwischen der deutschen und der russischen Regierung über den deutschen 300-Mu- lionen-Kredit an Rußland praktisch noch nicht herausgekommen; wie nämlich die Berliner russische Handelsber- tretung soeben mit teilte, sind bis jetzt erst Abschlüsse in Höhe von rund 40 Millionen zustande gekommen.
' Die Russen klagen, sie klagen sogar sehr heftig über dre deutschen Firmen, die mit Rußland Geschäfte machen wollen. Die deutschen Firmen stellen angeblich für dieselbe Ware die allerverschiedensten Preise, die Kalkulationen der verschiedenen Firmen gehen ganz außerordentlich weit auseinander und die Russen glauben, daß hieran nur die Angst vor dem Risiko — weil ja das ganze Geschäft auf einem teilweise überaus langfristigem Kredit liiert — schuld sei, trotzdem diese Firmen auf die russischen Vorstellungen hin sich denn doch auf sehr beträchtliche Preisnachlässe verstehen. Die Handelsvertretung Glaubt auch, daß sich allerhand dunkle Elemente dazwischenschieben, die verdienen wollen; übrigens nicht ganz mit Unrecht, wie die Veröffentlichung über einen diesbezüglichen, beinahe geglückten Versuch Iwan Kutis- kers bewiesen hat.
Die deutsche Industrie müßte sich aber doch auf den Standpunkt stellen, daß dies ganze Geschäft mit Rußland weniger Gelegenheit zum Verdienen en gros ist als der Weg, unsere Handelsbeziehungen zu Rußland z u st ä r k e n. Sie sind nämlich nicht sehr rege, was ja vor allem an der ganzen russischen Wirtschaftsorganisation, der geringen, künstlich noch gedrosselten Aufnahmefähigkeit des unter staatlicher Kontrolle stehenden russischen Marktes liegt, sondern auch deshalb noch längst, längst nicht die guten Verhältnisse der Vorkriegszeit, weil die englische und die nordamerikanische Konkurrenz uns im letzten Jahre sehr erheblich überflügelt hat. 1924 noch standen wir im Warenaustausch mit Rußland dort an erster Stelle; wir sind jetzt aufdiedritteherabge- funken, außerdem ist die russische Warenausfuhr nach Deutschland weit größer geworden als unser Warenabsatz in Rußland. Das rasche Aufsteigen der englifchen große Nachsicht, mit der man allen russischen politischen Eingriffen in das innerpolitische Leben Englands begegnet; man denkt — trotz großer Worte — dort gar nicht daran, über reine Wortgefechte und papierne Proteste hin- auszugehen, etwa diplomatische K o n s e q u e n - z e n zu ziehen. Man verdient an Rußland viel zu viel. Und Amerika? Dort hat man die Sowjetregierung über- baupt noch nicht einmal anerkannt, aus „moralischen" Gründen nämlich — was aber keineswegs daran hindert, unter der Hand in Rußland sehr gute Geschäfte zu machen.
So sieht sich Rußland — trotz gegenwärtiger Wirtschaftskrise — in der Stellung eines vondreiSeiten Umworbenen und versteht recht gut, daraus Nutzen zu ziehen. Die deutschen Firmen, die sich am Russenge- schäft beteiligen wollen, müssen dieser Situation aber gleichfalls Rechnung tragen. Es nutzt nichts: wenn eine mächtige Konkurrenz auf dem Markt vorhanden ist, muß man eben wirklich äußerst kalkulieren; außerdem sind die russischen Handelsvertreter viel zu gerissen, um sich so leicht übervorteilen zu lassen. Auch sie nutzen,— was niemand ihnen -übelnehmen kann — zudem noch die Konkurrenz der deutschen Firmen untereinander aus. Das Reichswirt- schaftsministerium seinerseits klagt nun aber auch darüber, daß die Russen ihre Preise viel zu niedrig stellen, so daß wir nicht einmal auf die Gestehungskosten kommen. Aus beiden Seiten ist dann erklärt worden, daß die Hauptsache bei diesem ganzen,Geschäft das gegenseitige Vertrauen alsGrundlage sein müsse — was sich zwar theoretisch recht schön anhört, praktisch aber doch Wohl über einen frommen Wunsch nicht hinausgeht. übrigens wird die deutsche Industrie sich gegen eine Verallgemeinerung der russischen Vorwürfe mit Erfolg wehren können.
Ae kommende Genfer MNZMdtGMH.
Besorgnisse wegen der Haltung Polens.
Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" schreibt, es fänden gegenwärtig zwischen verschiedenen Völkerbundstaaten vertrauliche Memungsaustauscye über die bevorstehende bedeutsame Tagung des Rates und der Völkerbundversammlung in Genf statt. Der britischen Regierung liege hauptsächlich daran, dag Deut f ch - lands Aufnahme in beide Körperschaften ohne Zwischenfälle, wie sie sich tm März ereigneten, vor sich gehe. Aus diesem Grunde werde gefordert, daß Deutschlands Wahl in die Volkerbundversammlung und den Völkerbundrat am allerersten -.age erfolgen soll, während die Wahl sur die nichtständigen Sitze auf acht bis zehn Tage später verschoben werden soll. Warschau fordere jedoch u. a., daß Polen für eine der neu geschaffenen nichtständigen Sitze mit dreiachsiger Dauer am gleich enTage gewählt werde wie Deutschland für einen ständigen Ratsitz. .
Die Forderung Polens gehe jedoch noch wencr. Polen verlange, daß es durch eine Zbiewrittelmehrhert der Versammlung für wiederwählbar erklärt werde, rmd zwar nicht, nachdem es drei Jahre im Rat gewesen ser, sondern im voraus, also schon bei der ersten Wahl. Dadurch hoffe es, gleich von Anfang an, em sechsjährige^
Ziiimzdebslte in der RmzWe« Kammer
Vertrauensvotum für poiucare.
Mit 380 gegen 150 Stimmen.
Bei der Generaldebatte über die neuen Finanzvor- lagen in der Französischen Kammer ergriff Ministerpräsident Poincarö das Wort zu einer großen Rede, wahrend der er von den Kommunisten wieder mehrere Male heftig unterbrochen wird. . x
„Die Zusammensetzung des Kabinetts, so memt er, „ist das bestimmte Zeugnis für das allgemeine Gefühl, von dem wir uns bei allen unseren Handlungen inspirieren lassen wollen. Wir dürfen jetzt nicht an dre Vergangenheit denken. Wir befinden uns in einer Krise, welche die Kommunisten nur verschärfen, alle anderen Parteien aber beilegen möchten. Seit der Vorlage des Sachverständigengutachtens hat noch nichts getan werden können. Die Sachverständigen hatten erklärt, daß wir früher oder später die Währungsstabilisierung erreichen müssen; dazu seien vorübergehende Maßnahmen notwendig, von denen die beiden wenigsten der Ausgleich des Budgets und eine Erleichterung der Lage des Schatzamtes sind. Die Sachverständigen hatten beschlossen, daß das Schatzamt sofort 2% Milliarden Frank brauche; aber seitdem ist der Unterschied zwischen den Einnahmen und den notwendigen Ausgaben noch größer geworden.
Was ist zu tun, um dieser schwierigen Lage abzu- helfen? Sicherlich, ein Gesamtsanierungsplan ist notwendig. Das vorliegende Projekt ist nur ein Beginn. Wir müssen schnell handeln. Der Abgeoro- nete Auriol hat uns Mangel an Einfällen vorgeworfen. Wir haben alle Fingerzeige und Ratschläge berücksichtigt; aber wir müssen noch heute handeln, sonst verliert der Staat täglich 16 Millionen. Dies ist der erste Borschlag innerhalb der Gesamtheit der durchaus notwendigen Lasten. Im übrigen werden die Bürden der Steuerpflichtigen nicht vergrößert. Diese Emnahme- qji*# siegenryiWj^J&iU^^^
Sie ermöglichen eine Erleichterung der Lage des Schatz- amtes und verschaffen einen ersten Betrag für tue Til- ßung^Mfe^r ^^ sßüincar6g beschloß die Kammer mit 380 gegen 150 Stinimen die Generaldebatte über den Finanzentwurf der Regierung zu beenden und in die Einzelberatung einzutreten.
Mandat an Stelle eines dreijährigen zu erhalten. Verschiedene Bölkerbundmitglieder einschließlich der skandinavischen Mächte widersetzen sich diesem Verlangen mit Nachdruck. Schließlich fordere Polen noch die Streichung der Bestimmung des Lord-Cecil-Planes, durch die ungeziemender Widerstand von feiten eines nichtständigen Ratmitgliedes verhindert werden soll. Diese polnischen Forderungen hätten natürlich Besorgnisse verursacht.
Von feiten Spaniens sei eine Überraschung möglich. Es sei keineswegs ganz sicher, daß sich Spanien be» reit erklären werde, einen dreijährigen Sitz wie Polen an- zunehmen. Es sei jedoch anzunehmen und möglich, daß, nachdem Deutschland seinen Sitz im Rate eingenommen habe, der Anspruch Madrids auf einen ständigen Sitz von Berlin und Paris unterstützt werden würde.
Deutsche Großflugzeuge am Malfee.
Weiterflug nach Peking?
Die zwei Großverkehrsflugzeuge der Deutschen Luft- Hansa, die am 24. Juli in Berlin auf dem Tempelhofer Flugfeld gestartet waren, sind auf ihrem Fluge über Königsberg—Moskau, nach Überquerung des Urals, nach in Berlin eingetroffenen Meldungen in Jrkutsk am Baikalsee gelandet. Die Gesamtzeit des als Zuverlässigkeitsflug geplant gewesenen Fluges, der Erfahrungen für einen späteren transsibirischen Luftverkehr ergeben sollte, beträgt 5%. Tage, trotz eines eintägigen Aufenthalts am Ural, der zu Studienzwecken benutzt wurde. Die zurückgelegte Strecke beträgt 6700 Kilometer.
Die Deutsche Luft-Hansa veröffentlicht einen Bericht über den Flug ihrer beiden Großflugzeuge nach dem Baikalsee, in dem es heißt: Bei der hohen Betriebssicherheit der Großflugzeuge, die den ganzen 6700 Kilometer langen Weg vonBerlinbisJrkutskohneDefektplanmäßig zurücklegten, verlief auch dieser Flug ohne Zwifchen- fall. Mit dem Erreichen des Baikalsees ist das vorläufige Ziel erreicht. Die Zurücklegung der gewaltigen Strecken in fünfeinhalb Flugtagen mit zahlreichen Landungen und mehr oder weniger lange andauerndem Aufenthalt muß in Anbetracht der Tatsache, daß normale Verkehrsmaschinen verwendet wurden, als vielversprechende Leistung gewertet werden. Die Weiter- führung des Fluges nach dem Osten wird entscheidend durch Gestaltung der politischen Lage in China beeinflußt. Nach den bisher vorliegenden Nachrichten sind die Verhältnisse dort noch so ungeklärt, daß die chinesische Regierung zögert, den deutschen Flugzeugen die Zusicherung für ungehinderten Durchflug durch die Mongolei bzw. Mandschurei oder für den Einslug zwecks Abstattung eines Besuchs in Peking zu geben. ,
pomcares Finanzgesetze angenommen.
Erhöhung der Parlamentarierdiäten.
Die Einzelberatung der Steuergesetze in der Französischen Kammer, die nach einer Rede Poincarös vorge- nommen wurde, war rein technischer Art, da nach einem Beschluß der Regierungsparteien Abänderungen unmöglich waren. Der Finanzgesetzentwurf in seiner Gesamtheit wurde mit 295 gegen 188 Stimmen angenommen.
Im Verlauf der Beratung wurde auch der vom Finanzausschuß eingeführte Artikel zwecks Bewilligung von Mitteln zur Erhöhung der Indemnität der Parlamentarier von 27 000 Franken auf 45 000 Franken jährlich angenommen, nachdem auch Justizminister Barthou im Namen der Regierung sich für die Anpassung an die Teuerm-ng ausgesprochen hatte. Zum Schluß wurde dann noch ein Antrag des Landwirtschaftsministers angenommen, d 'Aussetzung der Erhebung der Zölle auf Auslands- 6k - ide bis zum 20. August zu verlängern. Die Kammer vertagte sich hierauf auf nächsten Mittwoch.
StWH-staazöMe
MhnmgSbesprechnMU.
Vandervelde bei Poincarstund Briand.
Die belgischen Minister Vandervelde und F r a n c q u i wurden in Paris von Poincarö und Briand empfangen. Es wurde die Möglichkeit einer gemeinsamen Frank stützungsaktion erörtert. Vandervelde erklärte nach der Besprechung, er könne nur sagen, daß Frankreich und Belgien in währungspolitischer und finanzieller Hinsicht vielen Schwierigkeiten gegenuber- ständen und daß man die Lage geprüft habe. Es sei ganz natürlich, daß zwei neugebildete Regierungen, die einen neuen Geist verträten, Fühlung nähmen^ um eine beide inferes^ L,We Mnei^isain zn ^spiecbeu. _ , belgische Frank" und auch die italienische Lira das gleiche Schicksal hätten. Deshalb sei eine gemeinsame Verteidigung des französischen und des belgischen Franken auf dem Geldmärkte nötig. Frankreich, Belgien und Italien würden ein gutes Geschäft machen, wenn sie ihre Währungen nach gleichen Methoden sanierten, so verschieden auch immer ihre eigenen Probleme seien.
Mexiko weist den päpstlichen Auntius aus.
Eine Erklärung des Präsidenten Calles.
Nachdem die mexikanische Regierung schon zahlreiche katholische Geistliche, die nicht Mexikaner sind, des Landes verwiesen hatte, hat sie jetzt beschlossen, auch dem Geschäftsführer des päpstlichen Stuhls, Monsignore Gresei, mitzuteilen, daß er binnen 24 Stunden das Land zu verlassen habe.
In einer Ansprache an eine Abordnung der Gewerkschaften führte Präsident Calles aus, daß die Regierung vollauf mit der Lösung von schwerwiegenden nationalen Aufgaben, wie der Aufstellung des Budgets, der Verbreiterung des öffentlichen Unterrichts und der Entfaltung der industriellen und landwirtschaftlichen Kräfte des Landes beschäftigt war. Calles fuhr fort: „In diese Aufgaben vertieft, hat die Regierung das katholische Element fast vergessen, als gerade im schwersten Augenblick meiner Amtszeit die katholische Priesterschaft in ihrem Haß einen Anschlag gegen die Regierung verübte, indem sie in der reaktionären Presse erklärte, daß sie die neue Verfassung der Republik nicht anerkenne, und indem sie allen ihren Anhängern befahl, der Verfassung nicht zu gehorchen und sie zu bekämpfen. Die Priesterschaft erklärte, daß die religiösen Bestimmungen der Verfassung für Mexiko schimpflich und schändlich seien und daß sie nicht befolgt werden sollten. Angesichts dieser Haltung muß die Regierung entsprechend den -gesetzlichen Bestimmungen mit der ganzen Strenge des Gesetzes das Vorgehen der Priesterschaft bekämpfen."
Neue schwere Zusammenstöße.
Nach Meldungen aus Mexiko ist es wieder in verschiedenen Orten zu schweren Zusammenstößen zwischen Polizeitruppen und Demonstranten gekommen, wobei es zahlreiche Verwundete gegeben hat. Die Regierung ist völlig Herr der Lage und geht mit scharfen diktatorischen Maßnahmen vor. Die Haupt- führer der Kirchenbewcgung sind verhaftet worden. Die Regierung hat über die Kirche den B o y - kott erklärt. Die Lage wird sich noch weiter verschärfen, wenn in den nächsten Tagen die Riesendemonstrationen der Gewerkschaften und der Kirchenanhänger durchgeführt werden. Mau rechnet mit großen Ansammlungen vor und in den Kirchen.
Die Lage scheint jedoch nicht so ernst zu sein, wie sie von einem Teil der amerikanischen Presse dargestellt wird, da ein gewisses amerikanisches Interesse daran besteht, die Dinge in Mexiko möglchst schwarz darzustellen. Manche Blätterrneldungen erinnern an .die so genannte